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30 von 32 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein wunderbar versponnenes Buch, 3. Januar 2011
Von 
Floetelei (Bodensee) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Der Schmetterlingskoffer: Die tropischen Expeditionen von Arnold Schultze (Gebundene Ausgabe)
Wer schon einmal in Großmutters alten Schränken gestöbert hat, kennt vielleicht das Entzücken, wenn ganz hinten in einer modrigen Schublade ein altes Zigarrenkistchen auftaucht, randvoll mit längst vergessenen Erinnerungsstücken, etwa gerissenen Granatketten, Briefmarken mit Porträts längst vergessener Potentaten, verwitterte, gepresste Wiesenblumen, süßliche Sammelbildchen.
Wer das selbst schon erlebt hat, kann sich vorstellen, wie groß der Zauber gewesen sein muss, als der Schauspieler und Publizist Hanns Zischler und die junge Illustratorin Hanna Zeckau 2006 bei Recherchen im Naturkundemuseum Berlin auf einen ganzen Schatzkoffer gestoßen sind, gefüllt mit Hunderten von Zigarrenkästchen, darin rund 18.000 Schmetterlinge. Die Falter waren, zwecks sicherem Transport, sorgfältig in Papier gefaltet, und Zeckau musste sie ebenso vorsichtig wieder entfalten, um sie gestalten zu können. Das Resultat ist ein Buch, das selbst ein Schatzkästchen geworden ist.
Klappt man den Deckel des 'Schmetterlingskoffers' auf, dann taucht man in eine Welt voller Preziosen ein. Zum einen sind das natürlich Zeckaus Illustrationen exotischer Schmetterlinge, die in dieser altmodischen Darstellungsweise seltsamerweise mehr faszinieren als es Fotos könnten. Nicht nur das Kunstwerk, auch die Natur, ist in Zeiten der technischen Reproduzierbarkeit beliebig und somit auch der Blick des Betrachters lieblos und flüchtig geworden.
Eine weitere Entdeckung ist aber ebenso die spannende Geschichte des Mannes, dem dieser fast vergessene Schatz zu verdanken ist: Arnold Schultze war ein deutscher Geograf, Naturwissenschaftler und Schmetterlingssammler, der Jahre seines Lebens im Ausland, unter anderem in Kolumbien, verbracht hat. Als er 1939 per Schiff nach Deutschland zurückkehren wollte, fing gerade der Krieg an. Der Frachter wurde von den Briten aufgebracht und versenkt, mit ihm ging fast das gesamte Lebenswerk Schultzes in den Fluten unter. Den Schmetterlingskoffer hatte er schon früher nach Berlin voraus geschickt.
Schultzes eigenhändig verfasste Berichte aus Kolumbien muten trotz der seither verflossenen Zeit so gar nicht nostalgisch, sondern fast erschreckend modern an. Denn wissenschaftlich unpathetisch und dennoch eindringlich beschreibt er den Raubbau an der Natur, die rücksichtslosen Brandrodungen, die Vernichtung des Urwalds aus kurzsichtiger Profitgier. Und Schultze zieht bereits vor rund 90 Jahren die richtigen Schlussfolgerungen: dass die Zerstörung der Wälder sogar Auswirkungen auf das Klima, und zwar nicht nur in der Region, haben dürfte. Außerdem erweist sich Schultze als echter Natur- und Tierliebhaber und auch diese Passion vermittelt er dem Leser in einem Stil, der an sich unsentimental ist. Dass er aber dennoch so viele Eindrücke und auch Gefühle derart farbig vermitteln kann, liegt daran, dass Schultze eine Kunst beherrscht, die vor allem angelsächsische Journalistenschulen ihren Studenten beizubringen suchen: Show, don't tell. Schultze zeigt alles in seinen detaillierten Schilderungen, also muss er nichts wortreich beteuern.
Zwischen Schultzes Texten finden sich ferner Einsprengsel anderer Autoren, die zum Themenbereich passen, darunter Stücke weiterer Schmetterlingsliebhaber, so von Vladimir Nabokov, aber auch etwa kurze Lexikonartikel.
Zeckau hat nicht nur viele der Schmetterlinge gezeichnet, die sie in den Kistchen gefunden hat, sondern zum Teil auch Letztere selbst, die mit ihren pompösen, farbenprächtigen Dekors einen ganz eigenen Reiz verströmen. Ebenso hat Zeckau etliche der Hüllen illustriert, in die die Falter gefaltet waren, damals Abfallpapier, heute interessante und teils auch skurrile und schmucke Zeitzeugnisse.
Die Bergung dieses Schatzes besticht durch ihre Vielschichtigkeit. Wissenschaftliche und ästhetische Aspekte sind nur ein Teil davon. Darüber hinaus fesselt die immanente Poetik dieses Unterfangens: Gleich einer Schmetterlingspuppe in ihrem Kokon dämmerte die Sammlung ihrer Wiederbelebung entgegen. Im Begriff Illustration steckt ja selbst schon das lateinische Wort 'erleuchten, erhellen'. Und Zeckau und Zischler haben durch ihre Arbeit diese kostbare Kollektion wieder ans Licht gebracht. Seite um Seite umblätternd, entpuppt sich dem geneigten Leser nun ein Mikrokosmos, der ums Haar für immer verhüllt geblieben wäre.
Ein wunderbar versponnenes Buch!
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wunderschön, 27. Juli 2013
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Rezension bezieht sich auf: Der Schmetterlingskoffer: Die tropischen Expeditionen von Arnold Schultze (Gebundene Ausgabe)
Dieses Buch ist sowohl vom wissenschaftlichen Standpunkt als such gestalterisch ein Kleinod. Einfach wunderschön, schade, dass es auf dem Buchmarkt nicht mehr viele solche Schätze zu entdecken gibt.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Schmetterlinge und andere Reisebeschreibungen, 19. Juli 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der Schmetterlingskoffer: Die tropischen Expeditionen von Arnold Schultze (Gebundene Ausgabe)
Die Idee ist sehr gut, das Buch ist edel und liebevoll gestaltet und Lesegenuss stellt sich ein wegen der guten Texte und der gelungenen Illustrationen. Die Leistung und das Schicksal von Arnold Schultze lassen sich gut nachvollziehen. Die Beschreibungen der damaligen Ereignisse, gerade was Raubbau an der Natur betrifft, sind aus heutiger Sicht schon erschreckend deutlich.
Die Illustrationen zu Schmetterlingen und ihren Aufbewahrungen ziehen sich durchs ganze Buch, allein das Thema "Schmetterlinge" verliert sich in der Hälfte des Buches und weicht anderen, auch interessanten Expeditionsberichten.
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4.0 von 5 Sternen Ein Koffer zum Stöbern, 28. April 2014
Von 
Peer Sylvester "peerchen" - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Der Schmetterlingskoffer: Die tropischen Expeditionen von Arnold Schultze (Gebundene Ausgabe)
In der Sammlung eines Berliner Museums taucht ein verstaubter Koffer voller Schmetterlinge auf, die von Arnold Schultze in den späten 30er Jahren geschickt wurde. Schultze selbst konnte wegen des Kriegsbeginns nicht mehr aus Kolumbien (wo er als Naturforscher tätig war) nach Deutschland zurückkehren.
Dieses Buch zelebriert jetzt den Koffer: Es ist sehr schön gestaltet. Schmetterlinge, Zeitungen, Boxen, Hüllen, Notizen - mit anderen Worten alles Mögliche aus dem Koffer findet man in Zeichnungen in dem Buch. Textlich ist der größte Teil ebenfalls eher zu Stöbern gedacht: Auf den ersten 140 Seiten beschränken sich die Textteile aus kurzen Tagebuchzitaten Schultzes und zahlreichen Textstücken (meistens über Schmetterlinge) von anderen Autoren, z.B. von Nabokov. Richtig "Durchlesen" kann man diesen Teil nicht, eher durchblättern und stöbern (wie in einem Koffer eben).
Im zweiten Teil finden sich dann die z.T. recht lesenswerten Reiseaufzeichnungen Schultzes, ergänzt um die Geschehnisse nach Schultzes Abreise. Diesen Teil kann man sehr gut lesen und ich finde es schade, dass er recht kurz ist. Inhaltlich hätte man so aus dem Buch deutlich mehr herausholen können! Aber auch so ist es ein schönes Buch für Liebhaber besonders gestalteter Bücher.
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Der Schmetterlingskoffer: Die tropischen Expeditionen von Arnold Schultze
Der Schmetterlingskoffer: Die tropischen Expeditionen von Arnold Schultze von Hanna Zeckau (Gebundene Ausgabe - 23. September 2010)
EUR 39,95
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