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am 24. Januar 2014
Ich persönlich halte dieses Buch, welches Todesfälle und ihrem Einfluss auf die Betroffenen beinhaltet, Freizeitgebaren gutverdienender Geschäftsleute beleuchtet, Gründe für Prostitution, der eine gewisse latente, gleichwohl das Buch durchziehende und damit prägende Präsenz auch wegen Joentaas Beziehung zu Larissa zukommt und damit ein Hauptthema zu sein scheint, darlegt, Massenkillerthematik (Breivik) anspricht, nicht für einen Krimi im klassischen Sinne. Nicht, weil Ermittlungstätigkeit und Ermittlern wenig Raum gegeben wird, der Autor spielt meisterlich mit menschlichen Beziehungsgeflechten, die alles andere als irreal erscheinen. Ist die Aufklärung der Täterschaft an dem Doppelmordes an Réka – einer Hauptprotagonisten - und ihrem Freund schon überraschend, hält der Autor am Ende eine Überraschungseffekt bereit, mit dem ich-obgleich alle Joentaa-Romane gelesen- nicht im Ansatz rechnete. Wagner holt hier eher unsichtbar aus und trifft den Leser, jedenfalls mich, unvorbereitet. Der zweite Teil der Überschrift ist diesem Umstand geschuldet. Für mich enthält das Buch mehr ein stilles, sich ausbreitendes Drama, dessen Ursache sich verändernde Beziehungen, Sex (ohne auch nur einmalanzüglich zu werden), Leidenschaften mit all ihren Konsequenzen sowie Hass und Verachtung sind; dem stellt der Autor das Ende des Buches entgegen.

In beeindruckend schöner Sprache geschrieben, die Personen glaubhaft und realitätsnah gezeichnet, eine unkonstruiert wirkende Handlung, die an jedem Ort industrieller/wirtschaftlicher Zivilisation sich abspielen könnte, ein grandioses Ende…ich hätte, wenn möglich, dafür auch mehr als fünf Sterne vergeben.
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Es dauert etwas, bis die unterschiedlichen Erzählstränge in Jan Costin Wagners neuesten Kimmo-Joentaa-Krimi zu einem logischen Ganzen werden. Da ist einmal ein Autounfall, bei dem Lasse Ekholm, ein ehemaliger Bekannter Joentaas, von der Straße abgedrängt wird. Ein Unfall , der der elfjährigen Tochter des Fahrers das Leben kostet. Kimmo Joentaa wird zum Trauerbegleiter für Ekholm und dessen Frau, die über den Tod ihrer einzigen Tochter nicht hinwegkommen.

Dann ist da noch der Familienvater Markus Sedin, ein Fondsmanager, der sich auf einer Dienstreise nach Belgien in eine Prostituierte aus dem ungarisch-rumänischen Grenzgebiet verliebt. In Rückblicken wird seine Begegnung mit der neunzehnjährigen Réka erzählt, die er schließlich in ihrer Heimat besucht und nach Finnland holt. Réka führt ein Doppelleben, bringt ihren Zuhälter mit, Sedin wird zu ihrem „Liebeskasper“. Durch Zufall erfährt Sedin davon, fährt in die für sie eingerichtete Wohnung und findet dort Réka und ihren Zuhälter ermordet vor. Statt sich an die Polizei zu wenden, startet Sedin eine große Vertuschungsaktion und bringt die beiden Toten aus der Wohnung in einen nahegelegen Park.

Dann gibt es den dritten Handlungsstrang „in einer anderen Zeit, an einem anderen Ort“, der in hastigen Dialogen auf einem Amoklauf zu steuert. Fast bis zum Schluss bleibt unklar, wie Wagner gedenkt, hier Verknüpfungen zu den anderen Handlungen herzustellen.

Schlussendlich gibt es Einsprengsel „zur selben Zeit, in einer Geschichte, die nicht erzählt wird“, mit denen der Erzähler aber nötige Aufklärung liefert. Wagner erzählt stark dialoggeprägt, unheimlich dicht und spannend. Er spielt mit den Handlungssträngen und damit auch mit dem Leser. Etwas zu dick trägt er meines Erachtens am Ende auf, wenn der Zufall Ekholm und den Amokläufer zusammenführt, noch konstruierter werden dann schließlich die Verknüpfungen, die sich für Kimmo Joentaa ergeben. So abstrus der Roman am Ende sein mag, Wagner schafft es, den Leser zu bannen. Das Buch kann man nicht aus der Hand legen und liest es in einem Zug durch.
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*
Endlich mal ein Kriminalroman, der aus den bekannten thematischen und stilistischen Rastern fällt und nur noch schön und extrem spannend ist! Weg mit den komischen Ermittlern im Trenchcoat, den beissbärtigen Kommissaren oder den schlagfertigen Polizistinnen, die diese Männerdomäne umkrempeln! Kimmo Joeenta, die Hauptfigur der Finnland-Reihe, ist so erfrischend anders: schlicht, emotional, sensibel und intelligent, was ihm allerdings bei seiner eigenen Beziehung leider gar nichts nützt!

In "Tage des letzten Schnees" tröstet Kimmo Joentaa einen betrübten Vater, hilft einem Banker, der sich in eine Prostituierte verliebt und plötzlich ein Doppelleben führt, er sucht den Mörder der schönen Réka, der ein einziger Liebhaber nicht genug war, er wundert sich über zwei Tote, die friedlich nebeneinander auf einer Parkbank liegen, überprüft einen Jungen, der einen Amoklauf plant, ein kleines Mädchen stirbt bei einem Unfall und dann geht es auch noch um die emotionale Leere des jungen Kommissars Kimmo Joentaa nach dem Tod seiner Ehefrau, der sich heftigst in Larissa verliebt hat, von der nichts weiß, außer dass sie auf den Strich geht.

Im Laufe der Seiten entdeckt der Leser die schicksalshaften Zusammenhänge zwischen den vielen Handlungssträngen und der Ermittler muss entdecken, dass sein eigenes Leben darin urplötzlich verstrickt ist. Der Roman besticht durch seine schlichte, sachliche, ein wenig poetische Sprache und durch eine wirklich extreme Spannung, die schon nach 30, 40 Seiten Gänsehaut erzeugen kann, etwas später die Haare etwas nach oben gehen lässt und den Atem beschleunigt! Böse Tatortszenen mit Blut und grausigen Details sucht man hier vergebens, ich muss sagen, das wäre auch so unpassend wie langweilig, denn dieser Roman fährt eine andere Schiene, viel feiner, und holt all seine Energie aus der Zusammenführung der Handlungsstränge und der leicht monotonen, sanften Erzählweise. Der Autor seziert gleichermassen mit dem Skalpell das Seelenleben seiner Figuren und verursacht dadurch gewiss mehr Gänsehaut als jeder Massenmörder und Folterknecht es je könnte!

Fazit:

Mein letzter, persönlicher 6-Sterne Roman war "Rosies Projekt", hier ist schon der nächste: 6 Sterne für diesen atemberaubenden Krimi! Und: es muss nicht immer amerikanischer Eintopf sein, auch in deutschen Landen gibt es ausgezeichnete, preisgekrönte Autoren!
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am 7. Januar 2014
Ein Vater und seine 11-jährige Tochter werden in ihrem Auto von der Straße abgedrängt, das Mädchen stirbt. Der Unfallverursacher fährt einfach weiter. Kommissar Kimmo Joentaa, offenbar immer noch in der Trauer um seine verstorbene Frau gefangen, kümmert sich um den Vater, der - obwohl verletzt - unbedingt zu seiner Frau möchte, um ihr die schlimme Nachricht zu überbringen, und begleitet ihn.

Monate zuvor hat sich ein finnischer Fondsmanager während einer Geschäftsreise nach Belgien in eine ungarische Prostituierte verliebt.

Während auf der einen Seite die Trauer der Eltern und die Anteilnahme und Ermittlungen Joentaas im Mordfall eines auf einer Parkbank aufgefundenen Paares dargestellt werden, liest man andererseits von Markus Sedin, dem Bankmanager, wie er völlig den Kopf verliert, sich - obwohl er Familie, eine Frau und einen kleinen Sohn hat - auf Réka, die Prostituierte, einlässt, wesentlich jünger als er, sie zuhause in Ungarn (oder Rumänien, so ganz klar wird es nicht) besucht, ihr Geld gibt, damit das ärmliche Haus, in dem sie mit ihrer Familie lebt, renoviert werden kann, sie schließlich nach Finnland holt, eine Wohnung kauft und dann versucht, eine irgendwie geartete "Beziehung" mit ihr zu führen. Über diesen Markus Sedin habe ich mich gelegentlich ein bisschen geärgert. Was soll das? Beweggründe? Fehlanzeige. Ein "Trottel vor dem Herrn", ein "Liebeskaspar", wie er im Buch bezeichnet wird. Eine Begründung für sein Verhalten gibt es nicht.

Auf der anderen Seite ist da Lasse Ekholm, der völlig verzweifelte Vater, der die Beerdigung seiner Tochter Anna organisieren muss, während sich seine Frau ihre Trauer vermeintlich völlig versagt. Und eben Joentaa, der - mehr oder weniger mit der Prostituierten Larissa, deren richtigen Namen er nicht einmal kennt, zusammenlebend - einfühlsam den Vater Lasse begleitet, dessen Trauer er ganz offensichtlich "mitlebt".

Drei Männer - drei Geschichten. Dazwischen kurze in kursiver Schrift eingefügte Kapitel über einen entgleisenden Jugendlichen, der offenbar einen Amoklauf plant - in der Nachfolge des norwegischen Attentäters Breivik und der beiden Jugendlichen, die seinerzeit mit dem Amoklauf an der Columbine Highschool zu einer zweifelhaften Bekanntheit gelangt sind. Seine Schwester Mari merkt, dass etwas nicht stimmt, versucht, Kontakt zu ihm, Unto, zu bekommen, scheitert und chattet schließlich inkognito mit ihm.

Das alles ist zwar berührend und einfühlsam, in karger Sprache, deutlich, aber ohne zuviele Worte, beschrieben, und zwar so, dass man merkt, dass hier irgendetwas "passiert", manchmal mutet es geradezu apokalyptisch an, es macht diffus Angst, aber dennoch fragt man sich, wohin das alles führen soll. Und erst, als nach etwa der Hälfte des Romans zumindest zwei der Handlungsfäden zusammenlaufen, MUSS man einfach weiterlesen und begreift, dass hier wirklich etwas im Gange ist.

Und ab der zweiten Hälfte bekommt die Geschichte einen Sog, dem man sich einfach nicht mehr entziehen KANN.

Dieser Roman mutet einiges zu, die Szene, in der der Vater sein Kind beerdigt, ist fast unerträglich. Das muss man aushalten können. Und wenn man es aushält, dann hat man - wenn man am Ende angekommen ist - einen grandiosen, auch spannenden Roman gelesen, und am Ende ... da schließt sich der Kreis. Manchmal ist es fast "zuviel", und ich dachte gelegentlich, ich müsste das Buch einfach mal zur Seite legen. Und habe genau das - jedenfalls ab etwa Mitte des Buches - nicht geschafft: Ich konnte nicht aufhören zu lesen, bis ich am Ende angekommen war.

Die Handlung wirkt konstruiert. Aber das macht nichts. Ein Krimi darf das. Und dieser sowieso. Auch - und gerade - wenn und weil es in weiten Teilen weniger Krimi ist als ein berührender Roman über den Umgang mit Tod, Trauer, Schuld ... und Leben.
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am 17. Juli 2015
Gibt es zurzeit bessere Kriminalromane? Gibt es Kriminalromane, die dieses Genre überschreiten und, jedenfalls vom kritischen deutschen Feuilleton, als "Literatur" charakterisiert werden? Wenige. (im anglo-amerikanischen Bereich und in Frankreich zählen Kriminalromane und Spionageromane wie selbstverständlich dazu, wenn sie denn gut sind) Graham Greene, Le Carré, Len Deighton, Simenon..., aber deutsche Autoren? Jan Costin Wagner ist so jemand. Trotz seines Plots, der im Kriminalroman gründet, interessieren diesen Autoren deutlich andere Themen. Er ist ein Seelen-Erkunder wie auch ein Seelen-Kundiger. Mit "Tage des letzten Schnees" liegt ein kleines Meisterwerk vor. Diejenigen Leserinnen und Leser, die sämtliche Romane von ihm und seinem finnischen Kommissar gelesen haben, wird das Ende dieses Bandes womöglich umwerfen. Nicht nur, aber auch, weil es, wie immer bei JC Wagner schlicht, einfach und wie nebenbei daherkommt. (wie immer brillant geschrieben) Von der Geschichte sei dieses Mal nichts "verraten". Nur soviel an Andeutung: Walter Kempowski hat einmal mit seinem Roman "Alles umsonst" etwas ähnliches geschaffen (in einem vollkommen anderen Genre). Wagner beherrscht dessen Technik: die lineare Erzählung menschlicher Schicksale und deren Zusammentreffen, die gleichwohl weder linear verlaufen noch zusammenfinden müssten. In dieser Geschichte sind die Zufälle unausweichlich. Das ist literarische Kunst, kein Kunstgriff. Lesen sie alle Kriminalromane von JC Wagner der Reihe nach, auch wenn diese unabhängig voneinander gelesen werden könnten. Sie werden "Tage des letzten Schnees" und dessen Schluss bewundern.
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am 6. Januar 2014
Vergessen wir Elizabeth Georges Kriminalroman Nr. 18 - wer den neuen Roman von Jan Costin Wagner "Tage des letzten Schnees" gelesen hat, wird mir sicher recht geben: Der übertrifft Mrs. George um Lichtjahre. Nach "Das Licht in einem dunklen Haus" hat Wagner einen weiteren einzigartigen Roman von zeitweise unerträglich intensiver Spannung geschrieben. Dabei geht es um das scheinbar ganz normale Leben:Ein kleines Mädchen, das bei einem Unfall stirbt -
ein Banker, der sich in eine Prostituierte verliebt und plötzlich ein Doppelleben führt - zwei Tote, die scheinbar friedlich auf einer Parkbank liegen und die keiner kennt - ein Junge, der einen Amoklauf plant wie einst geschehen auf der Insel in Norwegen - und nicht zuletzt die Einsamkeit des jungen Kommissars Kimmo Joentaa nach dem Krebstod seiner Frau, der sich in eine "Larissa" verliebt hat, obwohl er nichts über sie weiß, außer, dass sie sich prostituiert, aber nicht einmal ihren richtigen Namen. "Tage des letzten Schnees" ist in der für den Autor typischen sparsamen, aber deshalb umso intensiveren Sprache geschrieben. Die Story entwickelt sich in einer stillen, gleichzeitig unerträglich eindringlichen Weise, bis der Leser es fast nicht mehr aushält. Ich konnte nicht aufhören und habe eine ganze Nacht nur gelesen, gelesen, gelesen. Schon die knappen Dialoge der finnischen Polizeibeamten sind so wohltuend nach all dem Gelaber von Elizabeth Georges Lynley & Co. Bei Jan Costin Wagner wird endgültig klar, dass weniger wirklich mehr ist.
Eine Meisterleistung, bei aller Unaufgeregtheit hochspannend und von einer Wucht, die ich nie erwartet hätte.
Ich hatte dieses Buch vorbebestellt und das war richtig so. Es hat sich in jeder Hinsicht gelohnt.
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am 30. Januar 2014
„Er drehte den Kopf in die Richtung, aus der die Stimme gekommen war, und sah einen Schatten an der Stelle stehen, an der die Beifahrertür gewesen sein musste“.
Die Beifahrertür und seine elfjährige Tochter Anna, die auch einen Augenblick vorher noch dagewesen war. Vor diesem Blitz und dem drehenden Geschehen.

Ein Unfall, Fahrerflucht, Anna tot und der Vater, Lasse Ekholm samt seiner Frau wie im Taumel. Eine Familie, die Kommissar Kimmo Joentaa oberflächlich kannte. In den Zeiten, in denen seine Frau noch lebte. Joentaa, der selber wie im inneren Nebel seit dem Tod seiner Frau lebt, der eine ominöse Mitbewohnerin hat, hält sich in der Nähe der Ekholms, auch als er zu einem Doppelmord gerufen wird.

Schilderungen, Ereignisse schon zu Beginn des Romans, die in ihrer melancholischen, düsteren, schweren Atmosphäre emotional nahe gehen, die nicht einfach zu ertragen sind.

Andere Personen treten hinzu, wie wahllos, in Ort und Zeit vom Geschehen des Unfalls noch getrennt.

Unto, 19 Jahre alt, kaum mehr als assoziativ vor sich hin lebend und Teil eines Blogs, für den „Breivig Gott ist“ (der Amokläufer).

Markus Sedin, scheinbar erfolgreicher Fondmanager, Ehemann einer weggleitenden Frau und Vater, der auf einer Geschäftsreise Reka kennenlernt und daraus gleich ein ganzes, fast professionell zu nennendes Doppelleben entstehen lässt. Im Übrigen die Person, an der Wagner zunächst exemplarisch zeigt, wie brüchig die Grenze zwischen alltäglichem, Leben und der jederzeit möglicher innerer Erosion ist. Wie wenig Halt in dem zu finden ist, was die meisten Menschen ihren „sicheren Alltag“ nennen würden.

„Markus Sedin lebte in der Schwebe, auf einer schmalen Schiene zwischen den Welten, ohne das Gleichgewicht zu verlieren“ (noch nicht).

Ein Architekt taucht auf, dem ebenfalls die „Ordnung der Welt“ entgleitet und Maris ältere Schwester, auch diese noch nicht im Leben gefestigt angelangt, versucht zu ergründen, was in ihrem „kleinen Bruder“ vorgeht.

So ergibt sich eine Melange völlig voneinander getrennter Welten und Ereignisse, die ihren Reiz vor allem daraus beziehen, dass der Leser von Beginn an davon auszugehen hat, dass sich all dies an irgendeinem Punkt der Geschichte in dramatischer Weise miteinander verbinden wird. Was aber erst ganz langsam und kaum erkennbar sich heraus deutet, was erst ganz zum Schluss (und einige Tote später), als es fast für alles zu spät ist, Kimmo Joenta sich erschließen wird.

Bis dahin verbindet die einzelnen Personen und Handlungsstränge, die Wagner abwechselnd verfolgt und denen er je einen ganz eigenen Anstrich, eine ganz eigene Sprache mit zu geben versteht, nur eines: Das das Leben entgleitet.

Eine bedrückende Atmosphäre, die in manchen Teilen als nicht unbedingt realistisch empfunden wird (das Doppelleben Sedins ist eigentlich zu ausgeprägt, um nicht aufzufallen), die hier und da als zu viel des Guten sich erweist und den Leser auch mit Geduldsproben konfrontiert.

Eine Geduld allerdings, die sich lohnt, wenn Wagner die Verbindungen beginnt, zu schließen und ein Bild des Lebens und der Welt im Nachhinein zu verstehen gibt, dass in seiner atmosphärischen, dunklen Dichte beeindruckt und sehr intelligent ein vorher kaum absehbares Ganzes in den Zusammenhängen ergibt.
Bis hin zu einem Ende unverhoffter Hoffnung und Zukunftseröffnung.
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am 28. Januar 2014
Der in Frankfurt und in Finnland lebende Schriftsteller und Musiker Jan Costin Wagner hat mit seiner Figur des finnischen Polizisten Kimmo Joentaa aus Turku einen Protagonisten für seine außergewöhnlichen und von der Literaturkritik hoch gelobten Romane geschaffen, wie ich sie sonst in noch keinem Krimi gefunden habe, auch nicht bei den skandinavischen Meistern ihrer Klasse wie etwa Henning Mankell oder Hakan Nesser.

Kimmo Joentaa löst nicht nur Mordfälle zusammen mit seinem sympathischen Team, sondern er ist so etwas wie ein Philosoph, der melancholisch gelassen die Schicksalsschläge annimmt, von denen das Leben ihm einige verpasst hat, ohne mit dem Saufen zu beginnen, wie nahezu alle seiner anderen Kollegen des Genres.

Seit Kimmo vor Jahren seine Frau Sanna durch einen langsamen Krebstod verlor( nachzulesen in "Eismond", dem ersten Band der Reihe) trauert er um sie und hat sich in seine eigene Welt zurückgezogen. Doch seit im zweiten Band der Reihe mit dem Titel "Im Winter der Löwen" sich eine Prostituierte bei ihm einquartiert hat, ist die Liebe zu ihm zurückgekehrt. Doch es scheint sein Schicksal zu sein, dass ihm alles Wertvolle wieder genommen wird. Denn im dritten Band „Das Licht in einem dunklen Haus“ verschwindet Larissa spurlos

Mit großer Sprachkunst und geschicktem Aufbau nimmt Wagner seinen Leser hinein in ein verwirrendes Spiel von Tätern, die Opfer sind, und von Opfern, die zu Tätern werden.

Diese Kunst hat Jan Costin Wagner in seinem neuen Buch „Tage des letzten Schnees“ zu einem nicht für möglich gehaltenen Höhepunkt getrieben. Es ist ein Roman, der einen wegen seiner fast sich ins Unerträgliche steigernden Spannung nicht los lässt bis zu den letzten Seiten und der auf eine Weise dicht geschrieben ist, dass er ob seiner menschlichen Schicksale und Abgründe, nicht nur denen von Kimmo Joentaa, mir so unter die Haut ging, wie schon lange kein anderes Buch mehr.

Menschen, die vorher nichts miteinander verband, werden vom Leben schicksalhaft zusammengeführt und Wagner verknüpft mit großer sprachlicher Kraft die zunächst wirren Handlungsfäden bis zu einem Ende, das man nie für möglich gehalten hätte. Ein Ende aber auch, das deutlich nach einer Fortsetzung der Reihe ruft, auf die man heute schon gespannt sein kann.

Wie ein einzelner Mann die Kraft und die Seelenstärke aufbringen kann, trotz aller Nackenschläge des Schicksals immer wieder aufzustehen, seiner Arbeit nachzugehen und auch seinem Leben einen Sinn abzugewinnen, das kann man von Kimmo Joentaa lernen. Ein Kommissar als Lebensphilosoph und Leidenskünstler.
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am 22. März 2014
Sehr düsterer, in vielen Passagen spannend erzählter Roman, manchmal regelrecht beklemmend. Leider nicht ganz glaubhaft und am Ende etwas wirr. Danach brauchte ich ein lustiges Buch.
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am 14. November 2015
Ich beziehe mich auf die Hörbuchversion.
Die Anlage des Krimis (mehrere Handlungsstränge, unterschiedliche Orte und Zeiten) hat mir gut gefallen. Sie orientiert sich an der Struktur des Episodenfilms, an dessen Ende die diversen Stränge und Handlungen zusammengeführt, aufgelöst und zu einem Ende gebracht werden. Das ist gut gedacht. Aber wie sich die Kreise hier schließen (gemäß dem Motto: jedem Ende wohnt ein Anfang inne), ist mir - pardon - zu rund und zu glatt. Es fügen sich die Schicksale nach den dramatischen Ereignissen, die sie durchleiden, einen Ticken zu gut. Das verwundert deshalb, weil die in den einzelnen Strängen angelegte Dramatik, Tristesse, Trauer und Sehnsucht bei jeder einzelnen Figur zuvor exzellent beschrieben wurde: realistisch, nachvollziehbar, ungeschönt. Irgendwie hatte ich am Ende des Buches das Gefühl, dass zu viele Kaninchen aus dem Hut gezaubert wurden. Oder wenn nicht zu viele, dann doch auf eine Art, die mich den Trick durchschauen ließ, mir als "gemacht" und nicht aus der Handlung sich ergebend erschien.
Ich habe mich nicht gelangweilt mit diesem Roman. Wagner kann, und beweist das hier wieder, sehr gut schreiben, mit wenigen Worten eine Stimmung zeichnen, eine Person erschaffen, dass ich jedes Mal wieder begeistert bin ob der Leichtigkeit, der Sicherheit, mit der er das bewerkstelligt. Deshalb ziehe ich auch nur zwei Sterne ab, weil mich das Ende nicht überzeugt bzw. etwas enttäuscht hat.
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