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10 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Punktgenau und anschaulich
Wie schon bei anderen Büchern von Cornelia Topf habe ich, der ich ein Sachbuch-Muffel bin, das Buch kaum aus der Hand legen können.
Viele Einsichten, Ideen, Anregungen paaren sich mit Wiedererkennen und Aha-Effekten.
Ich habe nach der Lektüre schon mit Freunden und Bekannten über dieses Buch gesprochen und häufig den Teil über...
Veröffentlicht am 7. September 2010 von Peppermint

versus
1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Manchmal ist weniger mehr
Wie schon von einigen anderen Lesern geschrieben, wiederholt sich die Autorin ständig und hätte sich an ihre eigenen Ratschläge halten sollen. Das Buch vermittelt einige gute Denkanstöße, wird aber im Verlauf immer länger, da man alles irgendwie schon ein paar Seiten vorher gelesen hatte. Ausserdem fand ich die ständigen Beispiele...
Vor 7 Monaten von Jula veröffentlicht


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10 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Punktgenau und anschaulich, 7. September 2010
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Einfach mal die Klappe halten: Warum Schweigen besser ist als Reden (Broschiert)
Wie schon bei anderen Büchern von Cornelia Topf habe ich, der ich ein Sachbuch-Muffel bin, das Buch kaum aus der Hand legen können.
Viele Einsichten, Ideen, Anregungen paaren sich mit Wiedererkennen und Aha-Effekten.
Ich habe nach der Lektüre schon mit Freunden und Bekannten über dieses Buch gesprochen und häufig den Teil über 'Beleidigungen auf mir sitzen lassen' erwähnt. Alleine dieser (erzählte) kurze Abschnitt des Buches hat bei einigen eine positive Änderung im gefühlten und gelebten Umgang mit Beleidungen herbei geführt.
Ich kann dieses Buch jedem empfehlen, der eine erweiterte Sicht auf Kommunikation haben möchte. Die praktischen Anwendungstipps haben sich schon als hilfreich erwiesen; gut dabei ist, dass sie einfach und ohne großes Training umsetzbar sind.
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9 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen You talk too much!, 20. Januar 2012
Von 
Renate Koerble - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Einfach mal die Klappe halten: Warum Schweigen besser ist als Reden (Broschiert)
Wenn eine Lösungsstrategie weniger auf ihre Ursachen als auf ihre Wirksamkeit hin untersucht und dargelegt wird, kann man im psychologischen Bereich davon ausgehen, dass man es hier mit der klassischen Verhaltenstherapie zu tun hat. Cornelia Topf ist nicht als Psychologin ausgebildet, aber in ihrem durchaus interessanten Buch, Einfach mal die Klappe halten, wimmelt es nur so von modernen Kraftausdrücken der pragmatischen Veränderungswelle: Coaching, Pacing, Metakommunikation und andere hell leuchtende Schlagwörter machen deutlich, dass es sich hier um ein äußerst durchdachtes und wohlfeines Buch für den Mensch des 21. Jahrhunderts handelt, der, umgeben von allzu viel Lärm, sich nach nichts mehr sehnt als nach innerer Stille (nur weiß er das meistens gar nicht).
Der Erfolg gibt Frau Topf recht. Mitreißend auf der Bühne bei internationalen Meetings, erfolgreich im Eins-zu-Eins-Coaching, selbstbewusst, stark und pointiert, klar und zielgerichtet. Ihre Wörter fliegen wie Pfeile (wie von Schiller gewünscht), der Aufbau des Buches ist richtig klasse. Verdauliche Kapitelgrößen, übersichtliche Absätze und das Beste: Ein großes, fettes Pssst weist auf leicht zu merkende Kernaussagen hin. Fett gedruckt und mit Absätzen versehen werden diese Sätze so schnell nicht mehr vergessen oder können entsprechend beim Nachschlagen wiedergefunden werden. Ebenso einfach und handlich fürs Auge sind die grau untermalten Übungskästen, in denen die Autorin die Leserinnen und Leser zur Außen- und Innenanalyse auffordert. Also dem Schweigen (oder vielmehr dem Dauergerede) im eigenen Leben mal auf die Schliche zu kommen.
Inhaltlich hat das Buch seine Stärken in der grundsätzlichen Ausrichtung den Dauerapparat Redefluss kritisch zu betrachten und ganz nebenbei den daraus resultierenden inneren Dialog reflektorisch anzugehen. Was will mir die Stimme sagen und wie kann ich am Besten mit Schuld oder Missmut umgehen? Gleiches gilt natürlich auch für Angriffe oder Bedrohungen in der realen verbalen Welt. Wie eingangs erwähnt sind die pragmatischen Strategien auf dies oder jenes zu reagieren das große Pfund dieser meist hilfreichen Anweisungen.
Schwächen hat das Buch, wenn ' die alte Crux seit John Locke ' der Verhaltenstherapeutiker meinen der Anthropologie samt der Biologie ein Schnippchen schlagen zu können. Der dezente Hinweis doch mal Mimik und Gestik so umzustrukturieren, dass man damit die gewünschten Ergebnisse beim Gegenüber erzielt, ist an sich spannend, fußt aber eben auf jener unverhältnismäßig unwirklichen Tabula-Rasa-Vorstellung der Verhaltenstherapeuten. Diesbezüglich sollte man sich lieber an Herrn Molcho halten.
Und dass Männer keine Hausarbeit machen wollen (als Beispiel in einem Dialog), wird so marktschreierisch aufgetischt, dass es an die guten alten 1960er Jahre mit ihren konservativen Werten erinnert, dass es fast schon traurig ist. Das Verrückteste ist allerdings die Länge des Buches: der gleiche Inhalt hätte anstatt auf 250 auch locker auf 117 Seiten dargelegt werden können und die die in den ersten Kapiteln so ausführlich kritisierte Zwangswiederholung der meisten Schwätzer unserer Tage findet sich doch genau in diesem Buch wieder. Ein herrlicher Treppenwitz: Das Schweigen proklamieren, aber selbst bedingungslos schwätzen.
Unterm Strich aber bleibt gerade in pragmatischer Hinsicht ein sehr interessanter Ratgeber, der viele gute Tipps parat hält, die man (denkt man sich ein wenig vom hohen Ross der black box herunter) richtig prima anwenden kann und die ganz sicher zu einem schöneren, vernünftigeren und vor allen Dingen ruhigerem Leben führen werden.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Manchmal ist weniger mehr, 12. Juli 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Wie schon von einigen anderen Lesern geschrieben, wiederholt sich die Autorin ständig und hätte sich an ihre eigenen Ratschläge halten sollen. Das Buch vermittelt einige gute Denkanstöße, wird aber im Verlauf immer länger, da man alles irgendwie schon ein paar Seiten vorher gelesen hatte. Ausserdem fand ich die ständigen Beispiele über die redseligen Manager und Co. extrem klischeehaft. Ich bereue den Kauf einerseits nicht wegen der guten Anregungen, war aber froh als es endlich zu Ende war.
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4.0 von 5 Sternen Pst! Und gut zuhören jetzt ..., 10. Mai 2013
Von 
Armin Weber (Berlin) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Einfach mal die Klappe halten: Warum Schweigen besser ist als Reden (Broschiert)
Bücher aus dem Ratgeberregal lese ich selten. Viele von ihnen plustern nur Gemeinplätze auf. Es gibt aber Ausnahmen, die lesenswert sind. Das Buch von Cornelia Topf: Einfach mal die Klappe halten. Warum Schweigen besser ist als Reden ist so eine Ausnahme.

Die Autorin fragt nach dem Zusammenspiel von Reden und Schweigen. Sie prangert das Dauerpalaver einer Gesellschaft an, die Stille und Schweigen mit Depression verwechselt, pausenloses Lautsein aber als Glück auslegt, ebenso wie todernstes Wichtignehmen, engagiertes Geseiere und freudloses Gelächter. Und wahrlich: Sollte dieser Planet eines Tages im kosmischen Maßstab klassifiziert werden, dann bestimmt unter Emblemen wie „Planet des Plapperns“ oder „Stern der Geschwätzigkeit“.

Vieles im Buch ließ mich an bestimmte Abschnitte aus Heideggers Sein und Zeit denken. Der Philosoph hat dort die Bedingungen untersucht, unter denen wir „in die Welt geworfen“ sind. Schon bei ihm findet sich unter dem Begriff der „Verfallenheit“ (an die Welt) das, wovon auch Frau Topf schreibt: Der Mensch flieht vor der Stille, weil er sie in seinem Innersten nicht erträgt. Deswegen „verfällt“ er an die Welt – so, wie jemand an eine Droge verfällt. Die „unangenehmen Gedanken“ (im Buch der Autorin) entsprechen Heideggers „Ruf des Gewissens“ und beides wird nur in der Stille hörbar. Doch wollen die (meisten) Menschen diesen Ruf nicht hören. Der drängt aus dem Innersten nach draußen, ins Freie, und darf nicht, soll nicht. Dieser Gewissensruf ermahnt den Menschen, sein wahres Wesen zu erkennen, sein eigentliches Wollen zuzulassen und das abzuwerfen, was ihm von anderen aufgezwängt wird. Nur so könne der Mensch zu einem selbstbestimmteren Leben kommen. Wenn die Autorin schreibt: „Das moderne, aktive und ‚erfolgreiche’ Leben ist ein grandioser Betrug“ (Seite 223), dann ist sie damit ganz nah an der kritischen Haltung des Feldweg-Philosophen, der viel Wert gelegt hat auf Ruhe, Stille und Abstand. (Auch wenn es bei Heidegger sonst mit vielen anderen Dingen im Argen war.)

Im Kapitel über die Kunstpause stellt sie dar, was Mimik und Gestik für die Verständigung leisten. Wird geschwiegen, soll über diese Akte doch weiterkommuniziert und dieser Vorgang möglichst ideal gesteuert werden. So weit, so gut. Doch die Autorin überfordert mit diesem Anreiz zur Verhaltenssteuerung den Durchschnittsmenschen. Zwar führt jeder gute Schauspieler vor: Mimik und Gestik lassen sich in teils erstaunlicher Vollendung steuern und das beweist, dass diese Akte auch vorsätzlich angewandt werden können (anders als etwa die Verdauung). Doch für die meisten von uns dürfte schauspielerisches Können auf dieser Strecke und im Alltag kaum machbar sein; und ob sie erstrebenswert ist, ist nochmals ein andere Frage.

Seit „das Wort“ Hauptträger der Verständigung ist, verstärken und unterstützen Mimik und Gestik es weitgehend unbewusst. Die Natur birgt sicher gute Gründe, diese „visuelle Begleitmusik“ in Gesicht und Körperhaltung überwiegend aus dem Unbewussten heraus zu dirigieren (so wie bei Tieren mittels Instinkt auf der Basis von Reiz und Reaktion). Einer dieser Gründe dürfte sein: Sie kann nicht zulassen, dass die für das Überleben der Gattung so wichtigen Signalgebungen (wie Angst, Zorn, Paarungsbereitschaft) dem Gutdünken des Einzelwesens anheimgestellt bleibt. Der Einzelne kann nicht immer, überall und in jedem Zusammenhang seine nonverbale Kommunikation steuern – gewollt, wissentlich und dann auch noch erfolgversprechend im Sinne der Evolution. Die Gefahr von Fehlsteuerungen wäre dabei zu groß. Also muss das von höherer Hand geleitet werden. Beispiel: Wenn auf ein Paarungsangebot mit mürrischem Gesicht und geballten Fäusten „geantwortet“ wird, dann geht da buchstäblich was in die Hosen – es sei denn, es kommt zu einer Vergewaltigung.
Man darf nicht vergessen in diesem Zusammenhang: Der Austausch über „Miene und Faust“ ist unendlich viel älter als jener mittels des gar fein gesetzten und wohlüberlegten Worts. Insofern hat sich das Mimik-Theater schon seit Urzeiten eingeschliffen. „Die Natur“ muss sicherstellen, dass dem Sehen (im Sinne der Wahrnehmung) ein bestimmtes Aussehen korrespondiert, das in seiner „Bedeutung“ dem evolutiven Grundstreben angemessen und im Blick auf Reiz/Reaktion oder Ursache/Wirkung stimmig ist. (Der Reflex im Gesicht des Empfängers wird dann vom Sender ausgelesen und bewirkt eine Veränderung der Mimik in dessen Gesicht, etwa ein Aufhellen der Miene oder das Zucken der Wange. Dies wiederum sieht der Empfänger und er reagiert erneut und so weiter in Richtung unendlich.)

Wie gesagt: Gute Schauspieler kriegen das bewusste Mienenspiel hin. Sie überziehen ihr Antlitz mit jeder denkbaren Mimik und den entsprechenden Gesten. Jedoch nur für die Dauer einer Bühnenaufführung oder über die Zeit eines Filmdrehs, so lange die Kamera läuft. Ob dies aber der schauspielerisch eher mäßig begabte Bäcker an der Ecke in seinen Alltag einbauen kann, wage ich zu bezweifeln. Im Rahmen eines Wochenendseminars mag er begeistert die Arme recken – allein, der Montagmorgen wird ihn einholen und „die Natur der Dinge“ wird wieder Regie führen über alle Zuckungen im Gesicht.

Mich erinnert der Anreiz, zu lernen, Mimik und Gestik vorsätzlich zu steuern, an ähnlich klingende aus den Ernährungslehren: Über Äonen haben Menschen ihre Nahrung instinktiv ausgewählt und aufgenommen. Doch die heutige Berater-Szene mag dies nicht mehr hinnehmen: Wir sollen Kalorien zählen, auf Kohlehydrate verzichten (nachdem jahrelang die Fette auf der Abschussliste waren), wissen, was bei der Verdauung auch nur eines harmlosen Apfels im Magen-Darm-Trakt vorgeht, lernen, wie das Zusammenspiel von Fetten, Kohlehydraten und Eiweißen abläuft, wie man am besten trennt, wann man was mampft und überhaupt. Kann es das wirklich sein? Hat die Natur nicht ihre guten Gründe, all diese Dinge in das autonome Nervensystem zu verlagern, damit der Mensch frei werden kann für feinere Dinge, zum Beispiel Lesen, Musikmachen oder den Anblick des offenen Meeres zu genießen?

Das ist das Ärgerliche an manchem, was die Beraterszene verhandelt, und darin liegt zweifellos eine Masche. Willst du ein Buch fürs Ratgeberregal schreiben, so nimm einfach Gewohnheiten, die weitgehend unbewusst ablaufen und angeblich schädlich oder zumindest hinderlich sind, mache sie den Leuten bewusst und weise sie an, in (kostenpflichtigen) Übungen diese Gewohnheiten zu ändern. Nur so werden sie mit Hilfe dubioser Gehirnhälftentrainer, Blutgruppendiaten, Euro-Buddhisten oder Money-Coacher gesund, reich und glücklich. Und wenn sie nicht gestorben sind …

Problematisch finde ich auch Frau Topfs Haltung zum Thema Verständigung und Verständlichkeit. Von Thomas Mann gibt es (sinngemäß) den Ausspruch: Das Volk muss zur Kunst, nicht umgekehrt. Er meinte damit, das Ideal einer aufs Humane ausgelegten Gesellschaft sollte darin liegen, dass Menschen sich bilden, die eigene Verständnis- und Einfühlungsfähigkeit erhöhen und sich „zu diesem Behuf“ am hohen Ideal der Kunst, der Philosophie, der Wissenschaften und der Religionen ausrichten.
Wenn aber die Kunst anfängt, zum Volke zu gehen (was sie mit DSDS und Dschungel-Camp längst tut), dann sind Abstieg und Verfall geistiger Ansprüche nicht weit. Und wie sich dies ausnimmt, sieht man – ganz aktuell – an den Dresdner Straßenkommentaren zur angeblichen Islamisierung des Abendlands. Ich kann mich nicht erinnern, von da auch nur einen grammatikalisch richtigen Satz gehört zu haben – geschweige denn einen logisch richtigen, der als Zeugnis hätte taugen können für wenigstens karge Bildungsbemühungen.

Im Blick auf Verständigung und Verständlichkeit wird Cornelia Topfs Rat beklemmend, legt man ihn „pädagogisch“ aus. Ihre Logik: Die Leute sind sowieso zu gestresst, um detailliertere Meinungen verstehen zu können oder auch nur zu wollen; sie sind auch zu dumm dazu, also ist es meine Verpflichtung als Sprecher, mich dem anzupassen und meine Kommunikation nach dem „Stop- and Go-Prinzip“ zu organisieren. „Ein Happen für Papa – dann Pause. Einer für Mama – und Pause.“
Wie bitte? Wenn alle auf diese Weise kommunizieren und sich die (intellektuell) Starken auf die Schwachen einstellen und nur noch im Staccato argumentieren, brauchen wir uns nicht zu wundern, dass die Bereitschaft, etwas für Bildung zu tun, schmilzt wie Schnee in der Sonne. Und dann bekommen wir noch mehr von dem, was wir schon haben: Pediga-Niveau, Desinformation und die Abwärtsspirale in der Konsensbildung.
In meinen Augen hat die Autorin resigniert: Die Klügere sieht, es hat keinen Sinn, durchargumentieren zu wollen, da Argumente sowieso nichts ausrichten, noch nicht einmal ankommen. Sie stellt sich auf das niedrigere Niveau ein, anstatt umgekehrt mit einem gewissen Elan die Leute anzureizen, ihre vorgebliche Flachheit zu bekämpfen, die Macht der (schlechten) Gewohnheit zu überwinden und auf eine Anhöhe zu steigen, die mehr Weitsicht zulässt.

Ferner fehlt mir in diesem Buch, was es auch Schlechtes über das Schweigen zu sagen gäbe. Schweigen kann sich in Politik, Wirtschaft, am Arbeitsplatz oder im Privatleben übel auswirken – zumindest für die Angeschwiegenen. Ich erinnere zum Beispiel an den Kommunikationstyp „Clint Eastwood“ in der genialen Dollar-Trilogie von Sergio Leone. Eastwood spielt darin einen verwegenen Halb-Outlaw, der, um mit der Zunge eines seiner Antagonisten zu reden, „das Maul nur aufmacht, wenn’s unbedingt sein muss.“ Während die anderen nur reden, reden und nochmals reden (und dabei ihre Ziele verfehlen), schweigt Eastwood fast durchgängig, schafft andererseits aber am laufenden Band vollendete Tatsachen (zu seinem Nutzen natürlich) und linkt seine Gegenspieler nach Strich und Faden aus. Das kann man natürlich toll finden, und es ist – zugegeben – eine Freude, im Film mitzuerleben, wie sich diese Trottel mit ihren großen Guschen gegenseitig aufmischen, während Eastwood schweigend Kasse macht und verduftet. Im Sinne der Schweige-Philosophie sind diese Filme bestimmt ein gutes Lehrstück darüber, was mit intelligentem und aufmerksamem Schweigen alles erreicht werden kann. Inwieweit ein solches Verhalten jedoch moralisch vertretbar ist, ist wieder eine andere Frage.

Ein gewisses Unbehagen bin ich dabei nie losgeworden. Und ich denke, es ist kein Zufall, dass ausgerechnet ein italienischer Regisseur seinen Filmhelden so und nicht anders auftreten lässt. (Denken wir zum Vergleich an den großmäuligen John Wayne-Heldentyp des traditionellen amerikanischen Western.)
Auch in Palermo wird viel geschwiegen. Und Gustavo Fring in Breaking Bad schweigt ebenfalls viel und sehr beredt, um ein aktuelleres Beispiel zu bringen. Kurz: Überall da, wo (zu) viel geschwiegen wird, ist auch Korruption, Schattenwirtschaft, organisiertes Verbrechen und massig Geld zu finden (meist alles zusammen, und über Geld redet man ja sowieso nicht). Um etwas zu erreichen im Leben, sind diese Methoden wahrscheinlich erfolgreicher – aber: sind sie auch (moralisch) besser?
Ein Kapitel also hätte ich mir gewünscht, in dem die Autorin einen Ausgleich vornimmt und zeigt, dass Schweigen nach zwei Seiten ausschlägt: das erhabene Schweigen spiritueller Einsicht, das auf innerer Sicherheit, festem Glauben und unumstößlicher Seelenruhe fußt; dann das Schweigen des politischen, wirtschaftlichen und kriminellen Lebens mitsamt seinen Folgen.
Ich beende diesen Abschnitt mit Sun Tzu und seiner Kunst des Krieges: “Wahre Vortrefflichkeit ist es, insgeheim zu planen, sich heimlich zu bewegen …”
Genau! Und dann gibt es Leid und Unglück, Mord und Totschlag und das Recht dessen, der mit intelligentem Schweigen lügt, betrügt und fahrlässig hinnimmt, was andere zu seinen Gunsten ausbaden müssen.

Ein weiterer Punkt fällt mir ein, den ich unter „Tunnelblick-Problem“ verbuchen würde. Das Umfeld der Autorin besteht offenbar aus Managern, Vorstandsvorsitzenden, Führungskräften, Angestellten höherer Laufbahnen und gut betuchten Familienunternehmern – wogegen nichts zu sagen ist. Doch nehme ich hier eine Verengung ihrer Sicht wahr: Mag ja sein, dass Leute, die pro Jahr sechs- oder gar siebenstellig Geld machen, als eigentlichen Preis für ihren Wohlstand mit ewiger Unruhe, Schlafstörungen und endloser Inanspruchnahme ihrer Person bezahlen müssen. Ich bin mir nicht sicher, was hingegen Arbeitslose und an den Rand Gedrängte zum Thema Stille sagen würden. Ich könnte mir aber vorstellen, dass es viele gibt, denen die Stummheit ihrer Wände längst zum Alptraum geworden ist. Doch hat die Autorin im Kern ihres Anliegens Recht: die Welt lärmt zu viel. Schon deshalb lohnt sich die animierende Lektüre ihres Buchs.

Reden und Schweigen – und auch das so seltsam dazwischen liegende Schreiben – sind vermutlich nur Entwicklungsstadien ein- und desselben Vorgangs, der Art und Weise nämlich, mit der Welt umzugehen.
Von Kurt Tucholsky gibt es dieses traurige Bild, das er mit Eine Treppe überschrieben hat. Darauf dargestellt ist die Seitenansicht einer dreistufigen Treppe, auf deren unterster Stufe Sprechen steht, gefolgt von Schreiben und, ganz oben, Schweigen. Was hier als Resümee eines scharfsichtigen Künstlerlebens dient, scheint mir zugleich die Einsicht in eine universalere Wahrheit zu sein: Am Anfang des Lebens steht das Sprechen als Symbol des Austriebs, der Selbstbehauptung, der Tätigkeit, der Hoffnung und des Vorwärtsdrängens. Dem Sprechen folgt das Schreiben als erste Form des Zögerns. Eine Art Frontabzug findet statt, weil es nicht mehr für nötig erachtet wird, alles, was man erkannt zu haben glaubt, auch gleich hinaus trompeten zu müssen. Was bisher im Drang von Jugend und Begeisterung nach außen getragen wurde, wird jetzt innerlich überschlagen – und dann vielleicht in Textform herausgebracht. Oft bleibt das Gedachte, Erkannte, Gewonnene jedoch im eigenen Innenraum (wozu auch das Geschriebene noch zählt, wenn es in die berühmte Schublade abgeschoben wird).
Am Ende dieses Prozesses wie auch des gereiften Lebens steht dann das Schweigen: Die Einsicht, alles Reden, und sei es auch noch so substanziell, bleibe doch nur Ausdruck menschlicher Eitelkeit (Salomo); und was die Menschen auf diesen Wegen zu erreichen suchen, so nicht zu erlangen sei. Vor diesem Hintergrund darf man mit einer gewissen Berechtigung sagen: Schweigen ist eine Form von Resignation oder zumindest die Einsicht, dass mit Reden und Schreiben zwar unendlich viel bewirkt und bewegt, aber selten Gutes erreicht wird.

Von der Mitte aus gibt es Pole in viele Richtungen. „Die Redenden wissen nicht viel. Die Wissenden reden nicht viel“, sagt ein chinesisches Sprichwort, und andererseits gibt es zum Beispiel Heinrich von Kleist, der in seinem niedlichen Essay: Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden geschrieben hat: „Es liegt ein sonderbarer Quell der Begeisterung für denjenigen, der spricht, in einem menschlichen Antlitz, das ihm gegenübersteht; und ein Blick, der uns einen halbausgedrückten Gedanken schon als begriffen ankündigt, schenkt uns oft den Ausdruck für die ganze andere Hälfte desselben. Ich glaube, dass mancher große Redner, in dem Augenblick, da er den Mund aufmachte, noch nicht wusste, was er sagen würde.“

Diese Stimme des Westens redet klug. Sprechen als Improvisation mit Wortlauten und Lautworten, die ihrer bloßen Erregung wegen bald schon das Richtige finden werden, zudem angespornt durch einen anderen, der als Hörer zugleich Partner der Wahrheitssuche ist.
Die Stimme des fernen Ostens hingegen redet weise. Hier klingt an, dass, wenn einmal die tiefste Einsicht gewonnen ist, es eigentlich nichts mehr zu sagen gibt. In diesem Sinne werde nun auch ich dem Rat der Autorin folgen und „einfach mal die Klappe halten.“
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Es funktioniert, 30. September 2010
Rezension bezieht sich auf: Einfach mal die Klappe halten: Warum Schweigen besser ist als Reden (Broschiert)
Nach dem Lesen des Buches wird einem wirklich bewußt wie oft man einfach nur redet um zu reden.

Einfach mal die Klappe halten ist nicht einfach aber macht vieles einfacher.

Ein muss für jeden.
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5.0 von 5 Sternen Sehr Erkenntnisreich und sehr verständlich verfasst., 16. Oktober 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Einfach mal die Klappe halten: Warum Schweigen besser ist als Reden (Broschiert)
Ich muss gestehen dass ich eine "Vielrednerin" war, bevor ich dieses Buch las und mich immer innerlich gezwungen sah, etwas zu sagen. Wenn niemand sprach, war das für mich Anlass genug das Wort zu ergreifen, was ich aber im Nachhinein sehr oft bereute. Ich wollte gar nicht immer Reden...warum nur bekam ich das nicht in den Griff? Als ich den Titel dieses Buches sah, wusste ich, hier werde ich es lernen. Ich wurde nicht enttäuscht - der berühmte AHA-Effekt stellte sich bei mir ein. Mitlerweile bin ich in der Lage ein Schweigen auszuhalten, weil ich Dank diesem Buch, begriffen habe, welch positive Erkenntnisse man selber dadurch gewinnt. Ich gehe nun achtsamer und nicht mehr so gedankenverloren mit mir und mit meinen Mitmenschen um. Ich kann viel entspannter kommunizieren. Kurz um: Stille gehört zur Mentalhygiene und fördert die Selbsterkenntnis. Ich gehe viel Selbstbewusster mit schweigenden Situationen um, da mir das Buch die positiven Facetten des Schweigens aufgezeigt hat.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Einfach mal die Klappe halten, 6. Februar 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Einfach mal die Klappe halten: Warum Schweigen besser ist als Reden (Broschiert)
Wie schade, daß die Autorin ihre eigene Botschaft nicht umgesetzt hat. Wie viele Worte für wie wenig Aussage! Und wie unwissenschaftlich!
Ach hätte sie doch geschwiegen!
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5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Warum Schweigen tatsächlich Gold und Reden nur Silber ist, 8. September 2010
Von 
Rolf Dobelli (Luzern, Schweiz) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (HALL OF FAME REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Einfach mal die Klappe halten: Warum Schweigen besser ist als Reden (Broschiert)
Mal ehrlich: Diese Dauerbeschallung geht einem schon gehörig auf die Nerven. Fernsehen, Radio, Chefansagen, Kollegentratsch, und in jedem Meeting gibt es Redebeiträge, die nur deshalb abgeliefert werden, weil irgendwer sich gerne sprechen hört. Dass das alles ziemlich krank ist, offenbart Cornelia Topf in ihrem unterhaltsam geschriebenen Ratgeber. Sie braucht keinen erhobenen Zeigefinger und kein Fachchinesisch, stattdessen macht sie den Leser Seite für Seite auf all den täglichen Textmüll aufmerksam, der überflüssig wie ein Kropf ist. Die Erkenntnis, dass man mit Schweigen oft viel weiter kommt als mit Reden, wirkt weder besserwisserisch noch esoterisch, sondern erfrischend logisch. Aus der Praxis für die Praxis gibt es dann noch Tipps, wie man in Beruf und Privatleben Quasselmonstern Einhalt gebietet, wie man selbst keines wird und wie man lernt, Stille zuzulassen und Ruhe als Krafttankstelle zu nutzen. getAbstract empfiehlt das Buch jedem - ob männlich, weiblich, Hausfrau oder Manager -, der einen Beitrag dazu leisten möchte, dass an die Stelle der Endlosbeschallung effektive Kommunikation tritt.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Durchschnittlich, 26. Dezember 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Das Buch ist nicht schlecht, ist aber nach dem ersten hören bzw. lesen recht uninteressant. Also am besten versuchen irgendwo zu leihen.
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4 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein gelungener Aufruf zum Schweigen, 4. November 2010
Rezension bezieht sich auf: Einfach mal die Klappe halten: Warum Schweigen besser ist als Reden (Broschiert)
Es gibt, wie ich finde, unzählige Bücher über Rhetorik, wie wann in welcher Form was gesagt werden soll. Hat man eines gelesen, kennt man sie alle. Wie schön, dass uns Cornelia Topf nun die Ausnahme liefert, ein Buch, das auf erfrischende Weise zum Schweigen auffordert. Nicht zum trotzigen, in-sich-zurückgezogenem Schweigen, sondern zum konstruktiven, bedeutungsschwangeren Schweigen mit Inhalt. Dem Leser wird klar, dass wir oft durch permanentes Reden an Wirkung verlieren, nicht mehr Ernst genommen werden und dadurch manchmal unsere Ziele nicht erreichen. Nach dieser Lektüre habe ich verstanden, wie sehr es um das bewusste Schweigen und das bewusste Reden geht, dass die beiden einfach in Balance sein müssen. 'Einfach mal die Klappe halten' bietet nützliche Tipps zum dosierten Schweigen, ist amüsant geschrieben und hat mir viel 'Freude am Lesen' bereitet.
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Einfach mal die Klappe halten: Warum Schweigen besser ist als Reden
Einfach mal die Klappe halten: Warum Schweigen besser ist als Reden von Cornelia Topf (Broschiert - 22. Juli 2010)
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