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10 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Spiegel ihrer Zeit, 13. November 2013
Von 
Volker M. - Alle meine Rezensionen ansehen
(HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 10 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Die Bibliothek: Kulturgeschichte und Architektur von der Antike bis heute (Gebundene Ausgabe)
Man soll es nicht glauben, aber obwohl das Thema für ein Buch so naheliegt, gibt es bisher keine umfassende Monografie über die Kulturgeschichte der Bibliothek. Da wird über alles Mögliche geschrieben, aber nicht über das Gebäude, in dem alles Geschriebene irgendwann einmal landet.
Dem Architekturhistoriker James W. P. Campbell ist das schon vor Jahren aufgefallen und nachdem sich niemand fand, der ihm zuvorkommen wollte, hat er zusammen mit dem Fotografen Will Pryce dieses Buch selber geschrieben. Herausgekommen ist ein nicht nur visuell herausragender Bildband, sondern ein wunderbarer Schmöker für jeden Bücherfreund.

Die Geschichte der Bibliothek ist erstaunlich heterogen. Ein ständiges Auf und Ab, mit langen Phasen der Stagnation. Erst mit Erfindung des Buchdrucks in Europa entsteht ein regelrechter Entwicklungssog.
Campbell beginnt bei den ersten nachgewiesenen Bibliotheken, oder sagen wir besser "Sammlungen von Schriftstücken" im alten Mesopotamien. Erstaunlicherweise haben einige dieser Sammlungen die Zeit überdauert und es ist fast ein Treppenwitz der Geschichte, dass es die einzigen Bibliotheken sind, die sich WEGEN eines Feuers erhalten haben. Die Tontafeln wurden bei der Gelegenheit dauerhaft gebrannt. In den nachfolgenden Kulturen war Feuer der Hauptfeind von Büchern und Bibliotheken.

Nach einer Blüte zur Zeit der Römer versank das Buch- und damit das Bibliothekswesen für viele Jahrhunderte im Dämmerschlaf. Büchersammlungen, wie man sie aus dem "Namen der Rose" kennt, sind literarische Erfindungen. Die wenigen erhaltenen mittelalterlichen Bibliotheken legen nahe, dass sie einige Dutzend, in Ausnahmefällen auch einmal wenige hundert Bücher umfassten. Dass solche "Mini-Sammlungen" andere Aufbewahrungskonzepte erforderten, als unsere heutigen gigantischen Publikationsmengen, versteht sich von selbst. Campbell begleitet den Leser durch die Zeiten und reflektiert in den von ihm ausgesuchten Bibliotheken sowohl gesellschaftliche als auch kunsthistorische Veränderungen. Sein Blick erfasst dabei nicht nur Europa, sondern auch Asien und Nordamerika. Insbesondere in Japan sind einige der ältesten originalen Buchbestände der Welt erhalten, die in äußerlich eher unscheinbaren Gebäuden (aus Holz!) aufbewahrt werden.

Die große Zeit der Bibliotheken (wenn man von der unseren einmal absieht) ist das 18. Jahrhundert, wo insbesondere in Europa einige der schönsten Bibliotheksbauten errichtet wurden. Die Stiftsbibliothek St. Gallen gehört aus meiner Sicht zu den absoluten Höhepunkten, die nicht umsonst den Titel eines Weltkulturerbes trägt. Aber Campbell reduziert seine architekturhistorische Auswahl nicht nur auf solche Ausnahmebauwerke, sondern bedient sich weltweit aus allen Regionen und vor allem aus allen gesellschaftlichen Kontexten. Privatbibliotheken, kirchliche und staatliche Träger haben z. T. sehr unterschiedliche Nutzungskonzepte, die sich fast immer auch architektonisch auswirken. Überhaupt rückt die praktische Nutzbarkeit immer mehr in den Vordergrund, je größer die Bestände werden. Magazinbauten sind lange Zeit noch unnötig, heute werden dagegen ganze Bibliotheken um ihre riesigen Magazine herumgebaut. Der Aspekt der Repräsentation ist zwar niemals ganz in den Hintergrund getreten, aber er ordnet sich heute dem Zweck deutlicher unter.

Die zunehmende Alphabetisierung der westlichen Welt seit dem 19. Jahrhundert hat den Bedarf an Bibliotheken geradezu explodieren lassen. Es gab Architekten, die sich auf den Bibliotheksbau spezialisiert hatten, doch der Schwerpunkt hat sich heute von Europa und Nordamerika (wie die Alphabetisierung mehr oder weniger abgeschlossen ist) auf Asien verlagert. Die neuen Großprojekte entstehen in China. Es ist also kein Zufall, dass die jüngste Bibliothek, die Campbell ausgewählt hat, in China steht. Und es ist auch kein Zufall, dass sich in der Li-Yuan-Bibliothek höchst innovative Vorstellungen von Raumkonzepten und Architekturkunst verwirklichen. Wer glaubte, die Bibliothek hätte im Zeitalter digitaler Publikationen ihren Zweck überlebt, der wird hier eines Besseren belehrt. Bibliotheken sind Spiegel der Zeit, in der sie entstanden sind. Wenn es neben dem intellektuellen und visuellen Genuss eine Botschaft gibt, die Campbell dem Leser mitgeben will, dann ist es wohl diese.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Tolles Buch, 16. Februar 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die Bibliothek: Kulturgeschichte und Architektur von der Antike bis heute (Gebundene Ausgabe)
Habe das Buch meinem Vater geschenkt der sich sehr für Biblotheken interessiert und er war auch nach Wochen noch von dem Buch begeistert- ich kann es also bedenkenlos weiterempfehlen
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Die Bibliothek: Kulturgeschichte und Architektur von der Antike bis heute
Die Bibliothek: Kulturgeschichte und Architektur von der Antike bis heute von Will Pryce (Gebundene Ausgabe - 7. Oktober 2013)
EUR 49,95
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