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am 23. März 2008
"In der Strafkolonie" ist nicht nur Franz Kafkas gelungenste Erzählung, sondern neben Borcherts "Schischiphusch" auch die beeindruckendste deutsche Erzählung, die ich kenne - und das aus zwei Gründen:
1. Vordergründig geht es um einen Reisenden, der in einer Strafkolonie ein Hinrichtungsverfahren "begutachten" soll, das mit einer speziell konstruierten Maschine durchgeführt wird.
Kafkas Kunstgriff liegt darin, dass er dem Reisenden die Feinheiten der Maschine von einem Offizier anpreisen lässt, der von diesem Verfahren vollkommen überzeugt ist und den Akt des Folterns mit der gleichen Begeisterung schildert wie andere den Liebesakt und den Reisenden gewinnen will, das Verfahren beim Kommandanten zu befürworten.
2. Der Reisende begutachtet das Verfahren im Auftrag des aktuellen Kommandanten, welcher ein Gegner der Folter ist, während der frühere Kommandant, dessen Geist noch über der Kolonie zu schweben scheint, ein vehementer Verfechter der härtesten und brutalsten Strafen gewesen war.
Indem der Reisende sich am Ende des Vortrags gegen die Maschine ausspricht, entzieht er sozusagen die Existenzgrundlage des Offiziers und vertreibt den Geist des ehemaligen Kommandanten.
Natürlich endet - wie alle großen Erzählungen Kafkas und das Leben selber - auch diese Geschichte tödlich und als der Reisende am Ende die Kolonie verlässt, hat diese kleine Erzählung den Eindruck vermittelt man hätte literarisch am Ende einer Epoche der Folter teilgehabt.
Mehr kann Literatur nicht leisten.
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am 12. März 2012
In Der Strafkolonie (Knesebeck)

In eine, auf einer Insel liegenden, Strafkolonie irgendeines mächtigen Landes wird ein hoch angesehener Forschungsreisender eingeladen. Der neue Kommandant hat ihn darum gebeten an einer Hinrichtung teil zu nehmen. Er wird schon von dem Offizier erwartet der die Strafe vollziehen soll. Breit und lang erklärt der ausführende Henker, der zugleich Richter zu sein scheint, wie die Apparatur funktioniert. Die Maschine, die Egge genannt wird und einst vom alten Kommandanten erdacht wurde, ritzt über 12 Stunden mit gläsernen Nadeln das Urteil immer tiefer in den Leib des Verurteilten. Nach 12 Stunden wird der Täter endlich durch den Tod erlöst. Noch schrecklicher ist aber das sich der Beschuldigte nicht verteidigen kann und bis zur Ausführung der Strafe nicht über das Urteil bescheid weiß. In diesem Falle soll ein Soldat der während des Dienstes eingeschlafen ist, das Urteil 'Ehre deinen Vorgesetzten' in den Leib geritzt bekommen. Wird der Reisende eingreifen oder zuschauen wie die schreckliche Prozedur ausgeführt wird?

'In der Strafkolonie' zeigt Kafka auf bedrückende Weise wie totalitäre Systeme entstehen und am Leben gehalten werden können. Dabei wirkt letztlich sogar der ausführende Offizier menschlicher als der Reisende, da der Offizier bis zum Ende für das einsteht an das er glaubt, während der Reisende bis zum Ende nur ein Beobachter des Unrechts bleibt und keine wirklich klare Aussage zur Situation macht.

Das man die Geschichte auf viele verschiedene Weisen interpretieren kann ist klar, das Kafka eine wirklich fantastische und nur schwer zu ertragene Welt erschaffen hat, auch. Wie ist aber die Comic Umsetzung von Sylvain Ricard gelungen?

Auch bei der Comic Adaption fällt sofort auf wie beklemmend die Situation ist. Besonders das unaufhörliche Rattern der Apparatur zieht sich auch durchs Artwork von Mael und wirkt sehr bedrohlich. Insgesamt sind die Zeichnungen recht warm, aber auch sehr unangenehm. Die Monologe des Offiziers über die Tötungsmaschine steuern dann noch ihren Teil bei. Insgesamt also ein wirklich gelungener Comic mit einem schweren Thema und dadurch auch eine eher unangenehme Angelegenheit aber trotzdem sehr zu empfehlen.

8 von 10 letzte Befehle
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am 11. Januar 2009
"Jemand mußte Josef K. verleumdet haben, denn ohne daß er etwas Böses getan hätte, wurde er eines Morgens verhaftet." So beginnt die Geschichte des Josef K., dem von einer mysteriösen Behörde der Prozeß gemacht werden soll. Und je mehr er seine Unschuld verteidigen will, um so tiefer sinkt er ins Gestrüpp undurchschaubarer Gesetze und menschlicher Verwirrungen.

Dieser Gedanke aus Kafkas Roman "Der Prozeß" zwingt nahezu zu Ende gedacht genau zu der Idee, die "In der Strafkolonie" vollendet wird. Beide Erzählungen entstammen dem gleichen Jahr (1914), beide bedingen sich in gewisser Weise und dort, wo das Gericht in einer sturen, mechanischen Art zum Prozeß und zur Verurteilung kommt, genau dort führt die Erzählung zum Aufblitzen des Technokratischen: "Es ist ein eigentümlicher Apparat". Mit dieser Feststellung führt der Offizier den Forschungsreisenden, eingeladen einer Exekution in der Strafkolonie beizuwohnen, in die detaillierte Beschreibung dieser Hinrichtungsmaschine ein.

"Apparat" als Begriff in seiner Doppeldeutigkeit konnte von Kafka (1883-1924) nicht besser verwendet werden, zeigt er hier wie dort (Der Prozeß) auf die Metamorphose vom Menschlichen zum Technischen, in beiden Erzählungen gelten Unkenntnis des Verurteilten zu seinen Vergehen, der rein rationalen, maschinellen, inhumanen Abfertigung zu einem Urteil und seiner Vollstreckung. Selbst die Vergehen sind nicht einmal zu benennen, denn "Die Schuld ist immer zweifellos". Gleichzeitig offenbart diese Sicherheit in Gesetzesfragen, dass niemand sich in das Gericht einzumischen hat, sogar, dass dieses Gericht ohne höhere Gerichte über sich von einer einzigen Person geleitet wird, die zugleich richtet und vollzieht. Das letzte, höchste und wenn man so will jüngste Gericht. Das, was der Mensch nicht kennt, was für unweigerlich und unabwendbar gilt und empfunden wird, was unbekannte Ursache und unbekannte Folge hat, das ist des Menschen Schicksal. Sein vorbestimmter Weg. Sein Leben, welches nur am Ende hoffend sicher ist. Und so ist in der Strafkolonie des Lebens der Tod Erlösung.

Die Vollendung der Strafe dauert 12 Stunden, dem in Unkenntnis verurteilten, dem auch das Verbrechen nicht bekannt gegeben ist, wird von diesem besonderen Apparat das übertretenden Gebot als Stempel auf den Körper tätowiert. Um die sechste Stunde wird der Verurteilte dann still, eine Assoziation von Golgatha. "Verstand geht dem Blödsinnigsten auf" und der, dem Schicksal ein Kreuz ist, entziffert in den folgenden sechs Stunden die Strafe aus den Wunden. Ist die Botschaft geritzt, nimmt der Apparat den Verurteilten mit dem letzten Stich, spießt ihn auf und übergibt ihn der Grube. Im Tod wird er freigegeben. Weil die zweifellose Schuld sich im Tode erst erlöst.

Der Reisende ist Zuschauer, Begutachter, gegen die Todesstrafe, weil "in europäischen Anschauungen befangen", aber eben auch hörig gegenüber den Kompetenzen. Einmischen gehört nicht zu den Gepflogenheiten und so duldet er im Stillen, wissend, dass unabhängig von ihm die Dinge ihren Lauf nehmen. Einmischung in eine Welt, in der er als Reisender zu Besuch ist, ist im nicht auferlegt. Auch hier zeigt Kafka seine kritische Haltung, vielleicht aus biographischer Sicht.

Der Offizier, begeistert vom Apparat, von der Macht und getrieben vom toten "alten Kommandanten", der aber immer noch posthum als Geist leitend war. Ihm galt es zu folgen, immer - auch wenn der Offizier sich einzig mutig fühlte, dieses zu zeigen. "Dieses Verfahren [...] hat gegenwärtig keinen offenen Anhänger mehr. Ich bin der einzige Vertreter des Erbes des Kommandanten". So will er den Reisenden überreden, gegen den neuen Kommandanten zu sprechen und als dieser sein klares "Nein" zeigte, wandelt sich die Geschichte des Offiziers in die Notwendigkeit, den Verurteilten frei zu geben und das, was die Maschine bewirkt, sich selbst zu geben. "Sei gerecht" wird er sich selbst einstechen lassen und während der Prozedur zerbricht die Maschine, sie vollendet nicht die Tilgung der Schuld, sie schafft nicht mehr, den toten Offizier in die Grube zu werfen, nicht mehr, das Absolute im Tode zu erreichen. "Kein Zeichen der versprochenen Erlösung war zu entdecken". Dem zuvor Verurteilten bleibt ein lautloses Lachen, dem Offizier fehlt jede Mimik eines glücklichen Endes, dass er als verführtes Opfer sehnlich pries, als in eigener Entscheidung reales Opfer nicht erreichte.

Mystisch wird Kafka in vielen Erzählungen. Auch hier lässt er den Reisenden zum Grab des alten Kommandanten gehen. Nicht auf dem Friedhof wurde der Frevler begraben, in einem Teehaus unter einem Tisch befand sich ein Grabstein. Die Prophezeiung sagt, der Kommandant würde wieder auferstehen, wo er jetzt doch mitten unter ihnen ist, und die Wiedereroberung der Kolonie betreiben. "Glaubet und wartet" ist die Inschrift des Grabsteins, die alle Umstehenden mit dem Reisenden gelesen haben. Und auch alle Leser dieser Erzählung. Der Reisende verließ die Kolonie allein, er hielt sogar die, die mitzugehen drohten vom Sprung ins Boot ab. Der Denkende ohne Handlungsbereitschaft und Glauben will mit denen, die handeln und glauben, nicht in einem Boot sitzen.

Kafka der Zweifler, befindet sich hier inmitten derjenigen, die an Recht und Ordnung bis zur Selbstaufgabe glauben. Kafka, eben dieser Reisende, dem es hier gelang, in nicht unmittelbar religiöser Rede davon denkend zu sprechen, dass ein Leben ohne die Existenz Gottes, ohne Metaphysik nur ein vegetieren sei. "Dass der autonome Mensch, unfähig, Schatten zu werfen und Schatten zu tragen, konturenlos sei", wie Walter Jens mal schrieb.

Kafkas Attribute und Fähigkeiten, die Rationalität des Irrationalen, die Selbstverständlichkeit des Paradoxen, die Alltäglichkeit der Metaphysik zu zeigen in einer wahrhaft besessenen Detail-Freudigkeit, kommen auch in dieser bravourösen Erzählung voll zu Geltung. Keiner außer ihm ist in der Lage, die Frage nach dem Menschen so nahe an den Rand der Antwort zu schieben.

Von daher empfiehlt der Rezensent Kafka und eben diese Erzählung.
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am 8. Februar 2010
Im Mittelpunkt dieser Erzählung Kafkas, die an einem nicht näher bestimmten Ort in einer kargen Gegend außerhalb Europas spielt, steht eine Maschine, ein Folterinstrument, ein Tötungswerkzeug. Vorgestellt wird sie einem Forschungsreisenden von einem Offizier. Dieser erklärt ihm, das diese Bestrafungsmaschine von seinem alten Kommandanten erbaut worden sei. Dabei wird der Verurteilte in die Maschine eingespannt und mithilfe von Nadeln wird ihm sein Vergehen in den Körper geritzt, bis er verblutet ist. Seit jedoch der alte Kommandant gestorben und von einem neuen ersetzt worden ist, findet diese Hinrichtungsart immer weniger Anhänger. Als der Forschungsreisende dem Offizier zu verstehen gibt, dass auch er diese Bestrafungsmethode nicht billige, kommt es zum großen grausigen Finale.
Diese Novelle ist eine typische Kafka-Novelle. Ein ungeheurer Sachverhalt wird dermaßen nüchtern und kalt beschrieben, als handele es sich um eine alltägliche Begebenheit. Besonders die Leidenschaft mit welcher der Offizier die Foltermaschine fast schon vergöttert, ist wirklich erschreckend. Genauso wie die Tatsache, das der Hinzurichtende kein gerechtes Gerichtsverfahren bekommt, sondern ohne sein Wissen zum Tode verurteilt wird.
Das Typische für Kafkas Werke ist ihre schwierige Interpretierbarkeit. Auch ,,In der Strafkolonie'' finden sich mehrere Deutungsansätze und Themengebiete, wie beispielsweise Menschenrechte und Menschenrechtsverletzung, Todesstrafe, Folter, Dikatatur und möglicherweise tauchen vor den Augen des Lesers einige Szenen aus der NS-Zeit auf.
Auf jeden Fall hat Franz Kafka mit dieser Erzählung wieder einmal ein Werk von erschreckender Grausamkeit und Wahrheit geschaffen, dass es verdient, gelesen zu werden, wobei sich Menschen mit schwachen Mägen allerdings vorsehen sollte.
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"Es ist ein eigentümlicher Apparat!" ist der erste Satz, der in der Graphic Novel "In der Strafkolonie" von Franz Kafka in der Bearbeitung von Sylvain Ricard zu lesen steht. Er wird von einem Offizier geäußert, der einem Reisenden von der besagten Foltermaschine vorschwärmt. Das ganze Comic-Album ist ein einziger langer Monolog des Offiziers, nur sehr selten von Sätzen des Reisenden unterbrochen. Auf erklärenden Text verzichtet Ricard komplett - alles steht im Monolog zu lesen. Der Offizier steht voll und ganz hinter der Idee der Folter-/Bestrafungs-/Tötungsmaschine und schildert deren Funktionen in den schillerndsten und doch stets blutroten Farben. Mit einer Nadel wird dem Angeklagten ein Schriftzug in den Körper geritzt. Die Nadel dringt immer tiefer in den Leib ein und stigmatisiert so den (vermeintlichen) Delinquenten bis zu seinem Tode durch Aufspiesen (oder Verbluten). Der Offizier ist bei seiner Schilderung an Perversität kaum noch zu übertreffen...

Zeichner Maël hat die kafkaeske Erzählung in sehr eigenwilligem Strich zu Papier gebracht. Auf Hintergründe verzichtet er zu großen Teilen (praktischerweise spielt die Handlung in irgendeiner Wüste) - kammerstückartig wird das Hauptaugenmerk auf den Offizier und seine Maschine gelegt. Die fast schon monochromatische Kolorierung in Braun-, Orange- und Beigetönen lenkt ebenfalls nicht von der Handlung ab und verstärkt die seltsam-morbide Stimmung.

Die Monologe sind Kafkas ursprünglichem Text entnommen und - zumindest meiner stichpunktartigen Überprüfung nach - unverändert geblieben.

Einziger Kritikpunkt von meiner Seite ist die nicht gut ausgewählte Typo. Comic Sans in Versalien ist viel zu plump und fett - gerade im Vergleich zu Maëls Zeichnungen.

Wer zum 100sten Todestag Kafkas "neue" Arten entdecken will, sich seinem Werk zu nähern, ist mit diesem Comic bestens beraten. Das Album wurde in Tschechien gedruckt. Die Druckqualität und Verarbeitung sind tadellos. Somit verdiente fünf Sterne.
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am 21. Dezember 2012
Kafka beschreibt hier den Zwiespalt einer menschlichen Seele in Person des Herrn "K". Auf der einen Ebene geht es um Folter und Todesstrafe die Herr K nicht unterstützt, zum Anderen ist er Gast und fühlt sich zur "Neutralität" gegenüber dieser Sache verpflichtet. Dazu kommt noch, dass er für den Delinquenten keine Sympathie empfindet.
Eine tolle Erzählung, die den Konflikt zwischen einer objektiven Meinung und dem eigenen Gefühl im Anlassfall aufzeigt! Ich kann das Buch nur empfehlen.
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am 15. Juni 2007
Mein Vorredner hat die Geschichte ja schon gut geschildert. Nur stimme ich nicht mit meiner Meinung über den Sprecher überein.

Ich finde den Sprecher sehr gut. Hat ein gutes Gespür für die Charaktere und erzählt die Story eindringlich.

Eine Kaufempfehlung!
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VINE-PRODUKTTESTERam 21. November 2006
Zum Sprecher (Eine Stimme für 4 Personen):

Schaut man sich im Internet um, wird die Stimme des hier eingesetzten Sprechers, Oliver Nitsche, mit folgenden Merkmalen beschrieben: "Mitteklräftig", "Frisch", "Warm" und "Markant" sei die Stimme des Sprechers - stimmt bis hierhin ohne jeden Zweifel - nur fehlt ihr in diesem Fall (meine Meinung nach!) das gewisse Gespür für Dramatik, plätschert die Erzählung einfach ihrem Ende entgegen.... - aus diesem Grund ein Stern Abzug....

Zur Handlung:

Ein Offizier führt einem Reisenden die Möglichkeiten seiner Hinrichtungsmaschine vor - fürchtet jedoch zugleich die Meinung des Reisenden, da dieser evtl. die Abschaffung der Hinrichtungsmethode durchsetzen könnte und verliert sich zwischen absurden Argumentationen, um seinen Status als Richter und Vollstrecker in einer Person erhalten zu können....

Anfangs noch voller Euphorie, versucht der Offizier, zunehmend verzweifelt, die Zustimmung des Reisenden für seine angeblich geniale Bestrafungsmethode zu erlangen....

Der Reisende begreift langsam aber sicher, welche Bedrohung der Offizier in ihm und seiner möglichen Meinung sieht - hält mit ihr jedoch nicht hinterm Berg und beschleunigt somit den Lauf der sich radikal ändernden Dinge....

Verurteilter und Soldat erfüllen die Rolle der schweigenden Statisten....

Die Personen der Erzählung:

Der Offizier - verliert sich vollständig in seiner Rolle des Technokraten, ohne Blick für den Verurteilten und dessen Rechte - vielmehr ist er absolut davon überzeugt, die ihm zur Verfügung stehende Hinrichtungsmaschine unbedingt einsetzen zu müssen - egal um welchen Preis!

Der Verurteilte - auf erschreckende Weise neugierig auf die Funktionen der Hinrichtungsmaschine, welche ihn das Leben kosten soll....

Der Reisende - als kritischer Beobachter der laufenden Folter / Hinrichtung

Der Soldat - ignoranter Erfüllungsgehilfe des Offiziers

Zum Autor:

Franz Kafka - je mehr ich von ihm zu lesen, bzw. zu hören bekomme, umso mehr verstehe ich übrigens die Kommentare seiner Zeitzeugen, wie z.B. diesen hier: "Kafka ist ein Lüstling des Entsetzens".

Halte ich Texte von Kafka in Händen, versuche ich mir stets vorzustellen welche Reaktionen er wohl mit seinen Aussagen zu Lebzeiten provoziert, bzw. hervorgerufen haben mag? Lesen sich viele seiner Ideen in der Gegenwart immer noch (ein wenig) "fremd", müssen sie zu seiner Zeit einfach wie Texte von einem anderen Stern geklungen haben?!
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am 16. Juli 2015
Ohne zu viel zu verraten: Es ist ein gutes Kafka-typisches Buch, nur ich fand das Ende zu abrupt. Ansonsten ein tolles Buch und schön zu lesen! Wieder ein gut gemachtes eBook für den unschlagbaren Preis von null Euro. So macht Kindle-lesen Spaß!
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Es ist wirklich nicht leicht, "In der Strafkolonie" als Graphik Novel treffend zu inszenieren. In der Erzählung geht es um einen Forschungsreisenden, der in eine Strafkolonie kommt, um mehr über die dortigen Zustände zu erfahren. Man zeigt ihm eine grausame Bestrafungsmaschine, die den Angeklagten das Urteil mit einer Nadel in den Körper immer tiefer ritzt, zwölf Stunden lang, bis der Verurteilte die Bedeutung des Schriftzugs erkennt und schließlich getötet wird. Ein Kommandant hat diesen Apparat sich ausgedacht, wohnt aber der bevorstehenden Vollstreckung nicht bei. Der für die Vollstreckung der Strafe bestimmte Offizier erläutert die Maschinerie sehr präzise und unumwunden. Der Beschuldigte (ein Soldat der während des Dienstes eingeschlafen ist) kann sich aber nicht verteidigen und erfährt auch bis zur Ausführung der Strafe nichts über das Urteil, welches 'Ehre deinen Vorgesetzten' lautet. Die Spannung der Erzählung besteht darin, dass man nicht weiß, wie der Reisende auf die bevorstehende Urteilsvollstreckung reagieren wird und wie das Schicksal des Offiziers sein wird.
Die vielen Details bekommen durch die Comics noch einmal eine ganz andere Wirkung und werden realistischer. Durch die hinzugefügten Texte bzw. Sprechblasen, geht aber nichts von der Originalversion verloren. Diese "schwer verdauliche" Erzählung hat in dieser Form ihre Berechtigung und wird Franz Kafka voll und ganz gerecht; Es gelingt Sylvain Ricard und Mael die besondere Dramaturgie der dunklen Erzählung im Wechselspiel von Maschinen- und Richter-/Schuldiger- Darstellung beeindruckend darzustellen. Man muss sich zwar sehr stark an die dunklen Bildsequenzen, die Großbuchstabenschrift und die überwiegenden Schwarz-, Orange- und Braun/Ocker-Töne im Comic gewöhnen, wird aber so auch immer mehr in die Geschichte hineingezogen. Dabei wird man erschüttert sein, wie ein totalitäres System sich unmenschlich gestaltet. Die Vorsatzblätter werden zur Beschreibung der Maschinenbestandteile treffend genutzt.
Man hätte sich vielleicht doch mehr Erläuterungen zum Leben und Wirken von Franz Kafka gewünscht, ist aber dennoch froh, dass ein erläuternder Text hilft, die Erzählung leichter zu interpretieren.
Ansonsten eine ungemein beeindruckende zeichnerische Leistung, die jeden Liebhaber kafkaesker Literatur überzeugen wird.
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