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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen In Der Strafkolonie (Knesebeck), 12. März 2012
Rezension bezieht sich auf: In der Strafkolonie (Gebundene Ausgabe)
In Der Strafkolonie (Knesebeck)

In eine, auf einer Insel liegenden, Strafkolonie irgendeines mächtigen Landes wird ein hoch angesehener Forschungsreisender eingeladen. Der neue Kommandant hat ihn darum gebeten an einer Hinrichtung teil zu nehmen. Er wird schon von dem Offizier erwartet der die Strafe vollziehen soll. Breit und lang erklärt der ausführende Henker, der zugleich Richter zu sein scheint, wie die Apparatur funktioniert. Die Maschine, die Egge genannt wird und einst vom alten Kommandanten erdacht wurde, ritzt über 12 Stunden mit gläsernen Nadeln das Urteil immer tiefer in den Leib des Verurteilten. Nach 12 Stunden wird der Täter endlich durch den Tod erlöst. Noch schrecklicher ist aber das sich der Beschuldigte nicht verteidigen kann und bis zur Ausführung der Strafe nicht über das Urteil bescheid weiß. In diesem Falle soll ein Soldat der während des Dienstes eingeschlafen ist, das Urteil 'Ehre deinen Vorgesetzten' in den Leib geritzt bekommen. Wird der Reisende eingreifen oder zuschauen wie die schreckliche Prozedur ausgeführt wird?

'In der Strafkolonie' zeigt Kafka auf bedrückende Weise wie totalitäre Systeme entstehen und am Leben gehalten werden können. Dabei wirkt letztlich sogar der ausführende Offizier menschlicher als der Reisende, da der Offizier bis zum Ende für das einsteht an das er glaubt, während der Reisende bis zum Ende nur ein Beobachter des Unrechts bleibt und keine wirklich klare Aussage zur Situation macht.

Das man die Geschichte auf viele verschiedene Weisen interpretieren kann ist klar, das Kafka eine wirklich fantastische und nur schwer zu ertragene Welt erschaffen hat, auch. Wie ist aber die Comic Umsetzung von Sylvain Ricard gelungen?

Auch bei der Comic Adaption fällt sofort auf wie beklemmend die Situation ist. Besonders das unaufhörliche Rattern der Apparatur zieht sich auch durchs Artwork von Mael und wirkt sehr bedrohlich. Insgesamt sind die Zeichnungen recht warm, aber auch sehr unangenehm. Die Monologe des Offiziers über die Tötungsmaschine steuern dann noch ihren Teil bei. Insgesamt also ein wirklich gelungener Comic mit einem schweren Thema und dadurch auch eine eher unangenehme Angelegenheit aber trotzdem sehr zu empfehlen.

8 von 10 letzte Befehle
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Beklemmend, pervers und kammerstückartig: Die Comic-Version von Kafkas "In der Strafkolonie", 23. Mai 2014
Von 
Udo Erhart "udoerhart" - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 50 REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: In der Strafkolonie (Gebundene Ausgabe)
"Es ist ein eigentümlicher Apparat!" ist der erste Satz, der in der Graphic Novel "In der Strafkolonie" von Franz Kafka in der Bearbeitung von Sylvain Ricard zu lesen steht. Er wird von einem Offizier geäußert, der einem Reisenden von der besagten Foltermaschine vorschwärmt. Das ganze Comic-Album ist ein einziger langer Monolog des Offiziers, nur sehr selten von Sätzen des Reisenden unterbrochen. Auf erklärenden Text verzichtet Ricard komplett - alles steht im Monolog zu lesen. Der Offizier steht voll und ganz hinter der Idee der Folter-/Bestrafungs-/Tötungsmaschine und schildert deren Funktionen in den schillerndsten und doch stets blutroten Farben. Mit einer Nadel wird dem Angeklagten ein Schriftzug in den Körper geritzt. Die Nadel dringt immer tiefer in den Leib ein und stigmatisiert so den (vermeintlichen) Delinquenten bis zu seinem Tode durch Aufspiesen (oder Verbluten). Der Offizier ist bei seiner Schilderung an Perversität kaum noch zu übertreffen...

Zeichner Maël hat die kafkaeske Erzählung in sehr eigenwilligem Strich zu Papier gebracht. Auf Hintergründe verzichtet er zu großen Teilen (praktischerweise spielt die Handlung in irgendeiner Wüste) - kammerstückartig wird das Hauptaugenmerk auf den Offizier und seine Maschine gelegt. Die fast schon monochromatische Kolorierung in Braun-, Orange- und Beigetönen lenkt ebenfalls nicht von der Handlung ab und verstärkt die seltsam-morbide Stimmung.

Die Monologe sind Kafkas ursprünglichem Text entnommen und - zumindest meiner stichpunktartigen Überprüfung nach - unverändert geblieben.

Einziger Kritikpunkt von meiner Seite ist die nicht gut ausgewählte Typo. Comic Sans in Versalien ist viel zu plump und fett - gerade im Vergleich zu Maëls Zeichnungen.

Wer zum 100sten Todestag Kafkas "neue" Arten entdecken will, sich seinem Werk zu nähern, ist mit diesem Comic bestens beraten. Das Album wurde in Tschechien gedruckt. Die Druckqualität und Verarbeitung sind tadellos. Somit verdiente fünf Sterne.
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3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen irre-realistisch, 24. März 2012
Von 
Detlef Rüsch "detlefruesch" (Landshut, Bayern) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 50 REZENSENT)    (#1 HALL OF FAME REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: In der Strafkolonie (Gebundene Ausgabe)
Es ist wirklich nicht leicht, "In der Strafkolonie" als Graphik Novel treffend zu inszenieren. In der Erzählung geht es um einen Forschungsreisenden, der in eine Strafkolonie kommt, um mehr über die dortigen Zustände zu erfahren. Man zeigt ihm eine grausame Bestrafungsmaschine, die den Angeklagten das Urteil mit einer Nadel in den Körper immer tiefer ritzt, zwölf Stunden lang, bis der Verurteilte die Bedeutung des Schriftzugs erkennt und schließlich getötet wird. Ein Kommandant hat diesen Apparat sich ausgedacht, wohnt aber der bevorstehenden Vollstreckung nicht bei. Der für die Vollstreckung der Strafe bestimmte Offizier erläutert die Maschinerie sehr präzise und unumwunden. Der Beschuldigte (ein Soldat der während des Dienstes eingeschlafen ist) kann sich aber nicht verteidigen und erfährt auch bis zur Ausführung der Strafe nichts über das Urteil, welches 'Ehre deinen Vorgesetzten' lautet. Die Spannung der Erzählung besteht darin, dass man nicht weiß, wie der Reisende auf die bevorstehende Urteilsvollstreckung reagieren wird und wie das Schicksal des Offiziers sein wird.
Die vielen Details bekommen durch die Comics noch einmal eine ganz andere Wirkung und werden realistischer. Durch die hinzugefügten Texte bzw. Sprechblasen, geht aber nichts von der Originalversion verloren. Diese "schwer verdauliche" Erzählung hat in dieser Form ihre Berechtigung und wird Franz Kafka voll und ganz gerecht; Es gelingt Sylvain Ricard und Mael die besondere Dramaturgie der dunklen Erzählung im Wechselspiel von Maschinen- und Richter-/Schuldiger- Darstellung beeindruckend darzustellen. Man muss sich zwar sehr stark an die dunklen Bildsequenzen, die Großbuchstabenschrift und die überwiegenden Schwarz-, Orange- und Braun/Ocker-Töne im Comic gewöhnen, wird aber so auch immer mehr in die Geschichte hineingezogen. Dabei wird man erschüttert sein, wie ein totalitäres System sich unmenschlich gestaltet. Die Vorsatzblätter werden zur Beschreibung der Maschinenbestandteile treffend genutzt.
Man hätte sich vielleicht doch mehr Erläuterungen zum Leben und Wirken von Franz Kafka gewünscht, ist aber dennoch froh, dass ein erläuternder Text hilft, die Erzählung leichter zu interpretieren.
Ansonsten eine ungemein beeindruckende zeichnerische Leistung, die jeden Liebhaber kafkaesker Literatur überzeugen wird.
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In der Strafkolonie
In der Strafkolonie von Sylvain Ricard (Gebundene Ausgabe - 14. Februar 2012)
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