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10 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Kafkaesk, 30. November 2010
Rezension bezieht sich auf: Die Verwandlung von Franz Kafka als Graphic Novel (Gebundene Ausgabe)
Was bei uns immer noch Comic heißt und bei vielen einen schlechten Ruf genießt, heißt im anglo-amerikanischen Raum graphic novel und wird bisweilen dort hoch gehandelt - als eigenständige Kunstgattung und seit längerem als spannende Verarbeitung literarischer Werke.
Mit der "Verwandlung" von Franz Kafka liegt nun auf deutsch eine graphic novel vor, die sich sehen lassen kann: von Corbeyran und Horne in düsteren Bildern umgesetzt, entfaltet Kafkas Geschichte auch in dieser für uns hierzulande noch ungewöhnlichen Form ihre Qualität: originale Textpassagen werden geschickt in die Bilder integriert, die die kafkaeske Atmosphäre treffend einfangen, ohne den Text bloß zu illustrieren. Dazu kommt eine anspruchsvolle Aufmachung durch den Knesebeck Verlag, die das Buch zu einem Gesamtkunstwerk macht.
Ein Lese- und Schaugenuß.
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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Endlich die Wahrheit über Gregor Samsa!, 24. Februar 2011
Rezension bezieht sich auf: Die Verwandlung von Franz Kafka als Graphic Novel (Gebundene Ausgabe)
Jahrzehntelang sind die Leser dieser bitteren Groteske auf die alte Dienstmagd hereingefallen, die zu dem UNGZIEFER nett sein wollte und Gregor darum "alter Mistkäfer" nannte. Dabei hat sich Kafka, der an einer Ungezieferphobie litt, so sehr bemüht, seine Leser leicht erraten zu lassen, in was sich der Vertreter Gregor verwandelt hatte. Gregos nächtliches an der Decke Wandeln, seine Vorliebe für verdorbenes Essen, die Tatsache, dass ein Apfel stecken bleiben konnte im Gewebe des Hautflüglers (vom Chitinpanzer eines Käfers wäre er abgeprallt), das Gauen, das er bei den Zimmerherren auszulösen vermochte... Gregor ein harmloser, sogar ganz hübscher Mistkäfer? Nie und nimmer. Nun erst, da er endlich einmal in seiner wahren Gestalt erscheinen darf, wird klar, wie entsetzlich war, was Gregor widerfuhr, und wie gruslig-komisch zugleich. Corbeyan und Horne ist ein ganz großartiges Buch gelungen, das auch den Kakerlaken zugute kommen wird: Nicht drauftreten! Es könnte Gregor Samsa sein - oder dessen kleiner Bruder.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "DER" Graphic Novel, 4. Januar 2012
Rezension bezieht sich auf: Die Verwandlung von Franz Kafka als Graphic Novel (Gebundene Ausgabe)
Dieses Buch ist der Wahnsinn.

Ich habe dieses Buch in einem kleinen Laden gefunden und war total erstaunt, dass sich jemand traut "Die Verwandlung" (eines meiner Lieblingsbücher) grafisch darzustellen. Gerade weil die erste Frage jedes Lesers meistens lautet: "Wie sieht dieses Wesen aus?"

Gerade diese Vorstellungen sind es im Original, die das Lesen motivieren. Dieses Buch allerdings eröffnet ein ganz anderes Leseerlebnis.

Man hat das Gefühl, ein großes Stück Literatur zu genießen, allerdings in Form eines Comics. Und dieser Comic ist nicht wie bei anderen "Graphic Novels" nur so vollgeknallt mit Text und riesigen Blöcken, nein, die Vorlage erlaubt es, dass hier wirklich nicht mehr Text vorkommt, wie in einem Durchschnittscomic.
Genau so sollte es sein. Wenn der Ansporn der bildhaften Vorstellung der Figuren durch die Bilder wegfällt, muss durch die Bilder motiviert werden.

Die Umsetzung ist klasse.

Ich bin großer Comic-Fan und hier wurde eins meiner Lieblingsbücher zu einem meiner Lieblingscomics.
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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Beeindruckende graphische Umsetzung - Empfehlung für Abiturienten, 17. Mai 2012
Von 
M. Hoevermann (Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Die Verwandlung von Franz Kafka als Graphic Novel (Gebundene Ausgabe)
**INHALT**

Gregor Samsa ist ein junger Handlungsreisender, der sein Leben vor allem in Zügen zubringt. Er hasst seinen Beruf. Sein Leben ist eine Aneinanderreihung von Demütigungen und Erniedrigungen. Eigene Bedürfnisse werden ihm abgesprochen, er muss funktionieren. Bedingungslos. Immer. Um den kranken, finanziell gescheiterten Vater zu besänftigen übernimmt er die Verantwortung für seine Kernfamilie, fürchtet sich aber gleichzeitig seine Übermacht.

Eines Morgens erwacht Gregor und findet sich im abstoßenden Körper einer Schabe wieder. Ihn plagt die Angst: Er hat seinen Zug verpasst, wie soll er das nur seinem Arbeitgeber erklären? Den Eltern?

Die Ablösung vom Elternhaus ist Gregor nicht gelungen. Er ist sehr unsicher, isoliert und einsam. Seinem Chef hat er nichts entgegenzusetzen. Ein Privatleben mit Freundin und Beziehung hat er nicht. Nach seiner Verwandlung erkennt Gregor, dass die Familie ihn nicht wirklich braucht. Plötzlich kommen alle wunderbar auch ohne seine finanzielle Hilfe zurecht. Es war nur bequemer, ihn und sein Pflichtbewusstsein auszunutzen.

Gregors Selbstlosigkeit zeigt sich auch in seinem neuen Körper: Stets denkt er an die Bedürfnisse der anderen. Er ist voller Schuldgefühle, spürt Angst und Trauer. Und er will der Schwester, die ihn versorgt und pflegt, seinen ekelerregenden Anblick ersparen. Verzweifelt versucht er, nicht bei seinen Familienmitgliedern anzuecken. Aber jeder seiner Ausbruchsversuche wird als Aggression missdeutet.

Der Vater, der ihm schon vorher das Gefühl gegeben hat, wertloses Ungeziefer zu sein, kann ihn nach der Verwandlung auch genau wie eine Schabe zertreten...

**UMSETZUNG ALS GRAPHIC NOVEL**

Eric Corbeyran und Richard Horne gelingt eine meisterhafte Umsetzung der literarischen Vorlage Franz Kafkas. In zutiefst beeindruckenden Bildern fangen sie gekonnt die düstere Atmosphäre, den Schmerz und die Verzweiflung Gregor Samsas ein. Man kann sich der Sogwirkung der Bilder und der gelungenen Texte nicht entziehen: Gefesselt liest und betrachtet man das Dargebotene und wird in eine ganze eigene Welt und tiefe Nachdenklichkeit gestürzt.

Das Buch ist großformatig und überaus hochwertig produziert. Gedruckt ist es durchgängig farbig auf stabilem Glanzpapier. Der Druck ist sehr scharf. Gleich nach dem Aufschlagen wird man mit der ORDNUNG DER SCHABEN vertraut gemacht. Links findet man einen Bauplan mit anschaulicher Beschriftung einzelner Körperteile, rechts nützliche Informationen.

**ZEITGESCHICHTLICHER HINTERGRUND**

Die Werke des Schriftstellers Franz Kafka (1883-1924) zählen heute zu den bekanntesten Texten Weltliteratur, darunter die drei Romane "Der Process", "Das Schloss" und "Der Verschollene" sowie zahlreiche, kürzere Erzählungen und autobiographische Niederschriften. Obwohl er zu Lebzeiten eigene Manuskripte verbrannte, mit denen er unzufrieden war, und in seinem Testament die ungelesene Vernichtung alles Übrigen anordnete, rettete sein Nachlassverwalter und engster Freund Max Brod das Hinterlassene für die Nachwelt. Und zwar zweimal: Er verbrannte Kafkas verbliebenes Werk nicht, und er bewahrte es 1939 vor dem Zugriff der Nationalsozialisten, als er mit Kafkas Nachlass im Gepäck von Prag nach Palästina floh.

**FRANZ KAFKAS LEBEN**

Franz Kafka ist das älteste von insgesamt sechs Kindern jüdischer Kaufleute und der einzige Sohn, der das Kleinkindalter überlebt. Nach dem Abitur nimmt er auf Geheiß des strengen Vaters, der vor allem sozialen Aufstieg im Sinn hat, ein Jura-Studium an der Universität in Prag auf. 1902 lernt er an der Universität den Mitstudenten Max Brod kennen. Damit beginnt eine lebenslange Freundschaft. Kafka beginnt bereits, während des Studiums zu schreiben und Texte zu veröffentlichen. Er promoviert, absolviert anschließend ein einjähriges Rechtspraktikum am Landes- und am Strafgericht. 1907 wird er Hilfskraft bei der Versicherungsgesellschaft "Assicurazioni Generali", von 1908 bis 1922 arbeitet er in der "Arbeiter-Unfall-Versicherungs-Anstalt für das Königreich Böhmen" (AUVA) in Prag. Seine Arbeit war für ihn nie mehr als ein reiner Brotberuf. Seine wahre Leidenschaft galt immer dem Schreiben.

Franz Kafka richtet sein Leben fast ausschließlich nach den Wünschen seines tyrannischen, extrem dominanten Vaters aus. Seine Sehnsucht nach Befreiung von Zwängen und elterlicher Bevormundung, aber auch das hilflose Verharren in einer unerträglichen Situation spiegeln sich in vielen Werken und ist auch ein zentrales Element in "Die Verwandlung". Diese Erzählung entsteht bereits 1912 und wird drei Jahre darauf erstmals im Oktoberheft der Zeitschrift "Die Weißen Blätter" veröffentlicht. Im Dezember 1915 erscheint in der Reihe "Der jüngste Tag", herausgegeben von Kurt Wolff, die erste Veröffentlichung in Buchform.

1924 stirbt Franz Kafka an Tuberkulose und wird auf dem jüdischen Friedhof in Prag-Straschnitz beigesetzt.

**ZUR INTERPRETATION**

"Die Verwandlung" ist ein vieldeutiges Werk, indem sich die unterschiedlichsten Aspekte finden lassen. Man begegnet mit Gregor Samsa einem Menschen, dessen Wert und Nützlichkeit vollkommen von seiner Berufstätigkeit und Leistungsfähigkeit abhängig gemacht wird. Er quält sich aus Pflichtgefühl gegenüber seiner Familie zu einer verhassten, anstrengenden Berufstätigkeit. Als er selbst dann abhängig und hilfsbedürftig ist, bleiben Anteilnahme und Fürsorge versagt.

Ebenso kann man die Verwandlung auch als Anpassung des äußeren Zustands an den inneren deuten: Gregor Samsa hat innerlich längst gekündigt, ist ausgebrannt und am Ende seiner Kraft. Damit hat er seine gesellschaftliche Nützlichkeit als arbeitender Mensch verwirkt. Wie ein Ungeziefer belastet er nun ein ohnehin schon fragiles System, die Familie.

So kann man das Geschehen zum einen als Kritik an der Gesellschaft deuten, die Schwache und Hilfsbedürftige als wertlos betrachtet, oder aber als Kritik am einzelnen, der anderen zur Last fällt, weil er sich nicht zusammenreißt.

Allerdings hat Gregor Samsa immerhin fünf Jahre lang aufopferungsvoll für die Eltern und die Schwester gesorgt. Während er zusehends verfällt, sich vom Menschen in ein Tier verwandelt, wandelt sich auch seine Familie: Die Familienmitglieder lösen sich aus ihrer Lethargie und entwickeln eigene Wege, ihre Situation zu verbessern. Offenbar hat Gregors eigenes Verhalten sie vorher in einem Dämmerzustand gehalten: Es gab keine Notwendigkeit zur Aktivität, weil für alles gesorgt war. Erst als mit Gregor der Versorger wegfällt, müssen sie Verantwortung für ihr eigenes Leben übernehmen. So ist Die Verwandlung auch Hinweis dafür, dass es Ansporn und Druck braucht, damit Menschen sich in Bewegung setzen. Ohne äußeren Anschubs tut sich nichts.

Man kann Gregor auch als Menschen begreifen, der sich selbst über die Arbeit und die Sorge für seine Kernfamilie definiert. Nimmt man ihm beides, bleibt von ihm nichts mehr übrig. Freunde und ein eigenes Privatleben besitzt er nicht. Er ist vollkommen auf die Eltern fixiert, die Ablösung vom Elternhaus ist ihm nie gelungen. Hier böte sich auch eine psychoanalytische Deutung an.

Normalerweise sind es die Eltern, die sich um ihre Kinder kümmern, bis diese auf eigenen Beinen stehen können. Gregor Samsa erreicht diesen Zustand nie. Stattdessen drehen sich die Rollen irgendwann um: Er übernimmt die Elternrolle, die Eltern die Kinderrolle.

Eine interessante Funktion hat die jüngere Schwester. Gerade zu Beginn der Verwandlung zeigt sie Empathie und Mitgefühl, versorgt den vollkommen abhängigen, hilflosen Bruder. Aber sie kommt an einem Punkt, an dem ihr Verhalten abrupt wechselt. Vielleicht der Moment, indem sie erkennt, dass sie sich entscheiden muss zwischen der Möglichkeit, ein eigenes Leben aufzubauen und zu führen, und der Pflegetätigkeit. Gregors Untergang entspricht spiegelbildlich ihrem Aufblühen. Am Ende bestreitet sie sogar seine Identität und gibt ihn auf.

Trotz der Verwandlung in ein Ungeziefer bleibt Gregor innerlich ein verletzlicher, empfindsamer Mensch ist. Seine Erinnerungen, Gedanken und Gefühle sind nach wie vor existent, auch wenn er die menschliche Sprache verliert. Der Panzer schützt, aber er trennt auch.

Nicht einmal die Schwester versteht Gregor. Sie erscheint vor den Eltern als seine Vertreterin. Sie ist jung, gesund, schön, stark, hilfsbereit - kurz, sie ist mit allen positiven Eigenschaften ausgerüstet. Sie pflegt und versorgt den Bruder und kümmert sich um seine Bedürfnisse. Eigentlich fällt diese Rolle der Mutter zu. Aber diese steht als Ehefrau und Mutter zwischen den beiden männlichen Familienmitgliedern. Sie identifiziert sich anfangs stärker mit der Mutterfunktion, entscheidet sich dann aber für die Rolle als Ehefrau.

Die über Leben und Tod entscheidende Rolle spielt der Vater: Er lehnt Gregor ab, wird von diesem wegen seiner Feindseligkeit und Aggressivität gefürchtet. Schließlich zerbricht er den Sohn emotional und körperlich. Vor allem das Verhalten des Vaters stürzt Gregor in Wertlosigkeitsgefühle und weckt den Wunsch nach dem eigenen Tod. Das zeigt sich in der zunehmenden Nahrungsverweigerung.

Deutlich sind hier auch die Parallelen zu Kafka selbst erkennbar. Er litt zeitlebens unter dem herrischen, autoritären Vater, dem er nichts entgegensetzen konnte.

**ERZÄHLER UND ERZÄHLPERSPEKTIVE**

In Kafkas Werk ist der Erzähler stark zurückgenommen. Berichtet wird aus der Sicht eines Er-Erzählers, der aber im Hintergrund bleibt und das Geschehen eher berichtet und schildert als kritisch Position zu beziehen.

Innerhalb der literarischen Vorlage wird Gregors Verwandlung selbst, das Warum und Wie, nie zum Thema. Weder Gregor noch die Außenwelt fragen sich, wie es dazu gekommen ist, ob man sie rückgängig machen kann. Niemand stellt fest, dass so eine Transformation überhaupt nicht möglich ist. Stattdessen wird die Verwandlung eher wie eine Krankheit wahrgenommen. Man geht zunächst davon aus, dass sich sein Zustand wieder bessern wird.

**FAZIT**

Die Deutschen tun sich schwer mit Comics: Nach wie vor haben diese den Status eines Kinderbuchs. Dabei existieren schon sehr lange schöne, aufwendige, intellektuell ansprechende "Bilderbücher" für Erwachsene. Mit der Bezeichnung Graphic Novel, was etwa so viel heißt wie illustrierter Roman, wird eine sprachliche Aufwertung über einen weiteren Anglizismus versucht. Damit ist die Hoffnung verbunden, hierzulande auf gesteigerte Akzeptanz eines erwachsenen Publikums zu treffen. Möge das gelingen!

"Die Verwandlung" zeigt mit ihrer meisterhaften gestalterischen Umsetzung und ihren gelungenen Texten, dass literarischer Anspruch und Comics sich nicht ausschließen. Im Gegenteil: Die Lektüre dieses Buches bereichert und erweitert das Verständnis der literarischen Vorlage. Manch einem eröffnet sich vielleicht dadurch auch erst der Zugang zu Franz Kafkas Werk.

Die Erzählung ist verbindliche Lektüre für das Abitur in Deutsch in Niedersachsen. Sie ist Wahlpflichtmodul in "Literatur und Sprache um 1900 - neue Ausdrucksformen der Epik".

Schülerinnen und Schüler werden von der Lektüre dieser Graphic Novel profitieren.

Abgesehen davon von hier eine zeitlose Geschichte stimmungsvoll aufbereitet: Gregor Samsa widerfährt ununterbrochen Gewalt. Am Ende übernimmt er schließlich die Sichtweise der Familie: Sie behandeln ihn wie Ungeziefer, also wird er Ungeziefer. Seine Selbstwahrnehmung passt sich der Fremdwahrnehmung an. Am Ende ergibt er sich seinem Schicksal. Er verliert den Kampf gegen den Vater. Er bleibt das Opfer, gibt sich auf und geht den Weg konsequent bis zum bitteren, unausweichlichen Ende.
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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen abgewandelte Verwandlung, die sehr beeindruckt!, 10. Januar 2011
Von 
Detlef Rüsch "detlefruesch" (Landshut, Bayern) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 50 REZENSENT)    (#1 HALL OF FAME REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Die Verwandlung von Franz Kafka als Graphic Novel (Gebundene Ausgabe)
Es ist schon gewagt, "Die Verwandlung" als Graphik novel zu inszenieren. Durch die Comics und die hinzugefügten Texte bzw. Sprechblasen, geht etwas von dem Original verloren. Zudem wird man sich, falls man diese Version als Erstlektüre nimmt, schwer von den dargestellten Bildern trennen können. Und dennoch hat diese Erzählung in dieser Form ihre Berechtigung und wird Franz Kafka voll und ganz gerecht; auch wenn sich wohl so mancher eher einen Käfer als eine Schabe bei der Verwandlung vorgestellt hat. Es gelingt Corbeyran und Horne die Dramaturgie der Erzählung mit den so dunklen Bildern im ewigen Wechselspiel von Licht und Schatten beeindruckend darzustellen. Die (aus)gezeichnete Stadtszenerie erinnert stark an Prag und die Figuren und das Interior wird in die Zeit um die Jahrhundertwende von 1900 gestellt. Man muss sich zwar sehr stark an die dunklen Bildsequenzen, die Großbuchstabenschrift und die überwiegenden Schwarz, Weiß und Braun/Ocker-Töne im Comic gewöhnen müssen, wird aber so auch immer mehr in die Geschichte hineingezogen. Und so ist es treffend, dass Gregor Samsas Schwester Grete auf den letzten Bildern ausgesprochen farbig dargestellt wird.
Wer "Die Verwandlung" schon aus früheren Lektüren oder Theaterinszenierungen kennt, wird vielleicht sogar sich nochmals die Erzählung im Original durchlesen und nach Ursprungstext und Ergänzungen Ausschau halten.
Die Vorsatzblätter werden zur Beschreibung der (Ordnung) der Schaben genutzt, wobei diese ausführlich erklärt wird.
Man hätte sich vielleicht doch mehr Erläuterungen zum Leben und Wirken von Franz Kafka gewünscht, als das die Beschreibung der Schaben wiederholt wird.
Ansonsten aber eine ungemein beeindruckende zeichnerische Leistung, die jeden Liebhaber kafkaesker Literatur überzeugen wird.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Verwandlung (Knesebeck), 12. März 2012
Rezension bezieht sich auf: Die Verwandlung von Franz Kafka als Graphic Novel (Gebundene Ausgabe)
Franz Kafka: Die Verwandlung (Knesebeck)

Gänsehaut, Schaudern, Abwehr und jede Menge Ungewissheit. Franz Kafkas 'Die Verwandlung' erschien erstmals in Buchform im Dezember des Jahres 1915 und zählt in der heutigen Zeit zu einem der bedeutendsten Werke der Weltliteratur, so gut wie jeder Schüler ist in seinem Leben mindestens einmal mit den Werken des gebürtigen Pragers (damals noch Österreich-Ungarn) konfrontiert worden. Kafkas Hang zur Vermischung von Realismus und Surrealismus in einem zu meist düsteren unter ständiger Bedrohung leidenden Umfeld, brachte dieser besonderen Art der Darstellung die Bezeichnung ' kafkaesk ein.

Eines Morgens erwacht der Handlungsreisende Gregor Samsa aus dem Schlaf um eine schreckliche Feststellung zu machen, er ist eine Schabe. Seine eigene Familie und seine Kollegen reagieren mit Abscheu. Getrieben durch diese Ablehnungen zieht sich Gregor in seine Kammer zurück in der er sich versteckt. Innerlich noch immer der Selbe junge Mann der er einst war wandeln sich seine Triebe immer mehr zum tierischen hin. Die Familie sieht sich einer zu großen Belastung durch dieses 'Ding' ausgesetzt, als das sie in ihrer ohnehin ärmlichen Lage, einen anderen Ausweg fänden. So kommt es wie es kommen muss.
Der französische Graphic-Novel-Autor Eric Corebeyran und der Comiczeichner Richard Horne haben die alptraumartige Welt von die Verwandlung, als Graphic Novel neu interpretiert. Literatur dieser Größenordnung in ein visuelles Medium, sei es Film oder Comic, zu verpacken birgt große Risiken, können doch wichtige Elemente durch den Transfer verloren gehen oder gar Bedeutungen verquer dargestellt werden. Den Künstlern ist es hierbei allerdings gelungen durch eine sehr große Nähe zum Originaltext eine Ergänzung zur Novelle zu schaffen, die großen Respekt vor ihrer Vorlage wahrt. Die melancholischen Zeichnungen in düsteren Farben und die starke Überschattierung schaffen es meiner Meinung nach wirklich, kafkaesk zu wirken und geben dem Text eine zusätzliche Dimension.
Die Deutung der Botschaft ist bei einem derart literarischen Text eine mehr als anspruchsvolle Aufgabe, hat doch jeder Rezensent von Max Brod (religiöse Sicht) bis Vladimir Nabokov seinen ganz eigenen Blick auf die tiefere Bedeutung von Kafkas Worten. Ich persönlich bin ein Anhänger, des psychologischen Ansatzes, da ich mich selbst mehr in den Geisteswissenschaften ansiedele. So ist für mich die Verwandlung, die Projektion der gequälten vom übermächtigen Vaterbild unterdrückten Seele Kafkas in ein tierisches Motiv, welches auf Grund seiner Andersartigkeit so abgestoßen wird, wie Kafkas Hang zur Literatur von seiner eigenen Familie. Viel wichtiger ist allerdings und so sehe zumindest ich die Sache, dass jeder für sich ganz persönlich aus dem Fundus eigener Erfahrungen und Emotionen sein ganz privates Bild davon erschaffen kann, was die Verwandlung ist und genau darin liegt die Brillanz dieses Werkes.

Eine wirklich werkstreue Adapation eines großen Klassikers der 'hohen' Literatur in sanfter Symbiose mit dem modernen Medium Comic. Ein klares Muss für alle Kafkaliebhaber und jene, die es noch werden wollen.

9.1 von 10 missverstandene Wesen
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5.0 von 5 Sternen Sehr nah am Original, 29. Mai 2013
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die Verwandlung von Franz Kafka als Graphic Novel (Gebundene Ausgabe)
Gefällt mir sehr gut, hat die Stimmung genau so eingefangen, wie ich sie mir beim Lesen immer vorgestellt habe. Auch die Textnähe ist für Kafkafreunde erfreulich.
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5.0 von 5 Sternen großartige umsetzung, 25. August 2012
Rezension bezieht sich auf: Die Verwandlung von Franz Kafka als Graphic Novel (Gebundene Ausgabe)
diese graphic novel verdient den namen literatur, sie ist hervorragend gestaltet und die bisher beste ergänzung für die berühmteste geschichte von kafka,
er wollte ja nie, dass das insekt gezeigt wird und wie die künstler damit in diesem comic umgehen ist einfach genial, es gibt auch einige verfilmungen, aber keine ist so gut wie dieses comic, meine empfehlung, für jede mittelschule einen klassensatz bestellen, so macht literatur richtig spaß
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5.0 von 5 Sternen Schonunglos und ohne Hoffnung, 28. November 2011
Rezension bezieht sich auf: Die Verwandlung von Franz Kafka als Graphic Novel (Gebundene Ausgabe)
Ich halte Graphic Novels für eine wunderbare Möglichkeit, Klassiker-Inhalte in Kurzform zu präsentieren. Ich ziehe so etwas inzwischen einem mittelmäßigen Film tausendmal vor, weil sich eine Graphic Novel zur Bett-, Wartezimmer- oder Zuglektüre eignet und trotzdem einen visuellen Eindruck liefert.
Durch die düster gehaltenen Bilder bekommt das Buch einen noch apokalyptischeren, deprimierenden Charakter. Das kann man mögen oder nicht. Bei Kafkas "Verwandlung" halte ich das für angemessen. Das Eklige an der Kakerlake wird so richtig schaurig schön in Szene gesetzt, dass ich das Buch von meinen noch kleineren Kindern gut versteckt halte (sonst träumen die noch von Monster-Kakerlaken).
Kafkas Botschaft kommt gut rüber: Wie die Umwelt uns sieht und annimmt, hängt viel von unserem äußeren Erscheinungsbild und Auftreten ab. Anders gesagt: Wir tun uns schwer, jemanden zu akzeptieren, der uns unnormal, hässlich und eklig vorkommt. "Die Verwandlung" ist da schonunglos und ohne Hoffnung.
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1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Krass gut!!!!, 29. Juni 2012
Von Amazon bestätigter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die Verwandlung von Franz Kafka als Graphic Novel (Gebundene Ausgabe)
Die Graphic Novel zur Verwandlung ist klasse. Die Zeichnungen sind sehr eingänglich und ermöglichen einen vollkommen anderen Zugang zum text. Für mich haben sich vollkommenneue Lesarten ergeben und ich war von der ersten bis zur letzten Seite begeistert.

Tipp Tipp Tipp. Das Buch ist einfach fantastisch!!!!! Es ist ein Schatz.
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Die Verwandlung von Franz Kafka als Graphic Novel
Die Verwandlung von Franz Kafka als Graphic Novel von Richard Horne (Gebundene Ausgabe - 24. August 2010)
EUR 19,95
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