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5.0 von 5 Sternen Rundumschlag, 28. März 2009
Rezension bezieht sich auf: Wie Comics erzählen (Broschiert)
Die vorliegende Studie von Martin Schüwer ist gleich in mehreren Hinsichten bemerkenswert: Sie untersucht eine Gattung, die im 20. Jahrhundert eine Vielseitigkeit und Vielschichtigkeit entwickelt hat, dass man sich wundert, warum ihr doch eine vergleichsweise begrenzte Aufmerksamkeit in den Kultur- und Medienwissenschaften zuteil geworden ist. Zweifellos: alle können etwas über Comics sagen, denn diese Gattung war und ist für viele Menschen zu Beginn ihres Lebens d i e Einführung in das Schrift- wie in das Bildmedium, so dass jeder ein - oft von der eigenen Lektüre beschränktes - Konzept davon hat, was ein Comic ist bzw. kann; darüber hinaus ist die Nähe von Comics zu den filmischen Storyboards eine Perspektive von der Zeit- und Raumdarstellung in einem Printmedium auf den Film und einen auch wahrnehmungspsychologisch aufschlussreichen Zugang zur Entwicklung und Differenzierung unserer Sehgewohnheiten. Dass darüber nicht allgemein und vage gesprochen werden muss, zeigt diese Untersuchung.
Das Buch nimmt sich viel vor - und es bietet auch viel: einen überblick über die Dimensionen des Comics auf der Ebene der Gestaltung und der der Wirkung (Wahrnehmung und von der eigenen Phantasie ausgestaltete Vorstellung [Imagination] virtueller Gestalten, Räume, Zeiten und Sinn-Komplexe durch den Leser): die dargestellte Bewegung und die Bewegung der Wahrnehmung, der dargestellte Raum und der imaginierte Raum des Betrachters, die Strukturierung von Raum und Gestalt in Bewegung durch die verschiedenen Techniken der Sequenzierung, die unterschiedlichen Gestaltungen von Zeit, aber auch den Beitrag zum Erzählen, der im Comic durch die Wahl von Schriften im Bezug zur Zeichnung und zur Welt der Leser erfolgt, das Hervorrufen von Bedeutung durch verschiedeneste Arten des graphischen Verweises - auch des schriftgraphischen, also durch die Wahl der Schrifttype - sowie durch durch literarisch-filmische Anspieltung ("paratextuelle" und "intertextuelle" Strategien), womit eine eigene Tradition von vertrauten Symbolen und Zitaten unter den Comic-Lesern entsteht, sowie der Ausblick auf eine Theorie des Comics - dies ist, hir nur als Aufzählung - der Kreis der Gegenstände des Buches.
Zwar verwendet diese Arbeit wie andere vergleichbare wissenschaftliche Texte Fachvokabular, das für die genauen Analysen nötig ist, damit die beschriebenen Phänomene benannt und unterschieden werden können, aber trotzdem ist sie flüssig geschrieben und lesbar.
Für jeden nichtakademischen Comic-Begeisterten, der den den gelegentlichen Blick ins Fremdwörterbuch nicht für eine Zumutung hält, ist das Buch zudem eine Fundgrube für Beobachtungen und Einsichten über das bereits Vertraute. Die unterschiedlichen Qualitäten von Comics, die einen Leser immer schon fasziniert haben, bekommen Worte - und man liest nachher das Vertraute mit einem neuen Blicknoch einmal so aufmerksam und begeistert. Darüber hinaus öffnet sich manches Türchen zu den anderen Medien, die uns im Alltag umgeben ... Was aber zuletzt nicht vergessen werden darf: das große, aber nicht entmutigende Literaturverzeichnis bietet für den Fan manche interessante und vielleicht nicht unbedingt bekannte Hinweise auf Lexika, Informationsquellen und vielerlei anderes, so dass sich der Blick auch auf diese Seiten des Buches lohnt.
Deshalb als Fazit ein sehr großes Lob und einen besonderen Dank an den Autor für die ungeheuere Mühe, die in diesem interessanten und schönen Buch steckt, das mir sehr gefallen und mich beim Lesen fasziniert hat! Einziger Wermutstropfen: der für Bücher in Wissenschaftsverlagen leider typisch hohe Preis ...
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Wie Comics erzählen
Wie Comics erzählen von Martin Schüwer (Broschiert - 18. August 2008)
EUR 59,50
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