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144 von 152 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Buch wie eine Bergbesteigung
Zentrales Thema in Nietzsches wohl bekanntestem Werk, Also sprach Zarathustra, ist der Übermensch. Hierbei handelt es sich nicht um einen biologisch höherwertigen Menschen im Stile des nationalsozialistischen Herrenmenschen, sondern um den vollends selbstverwirklichten Menschen, der sich aus eigener Kraft von sozialen und moralischen Zwängen befreit hat und...
Veröffentlicht am 23. Dezember 2008 von Avariel

versus
28 von 34 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Großartiges Werk, mäßiges Buch
Dass "Also sprach Zarathustra" ein geniales Werk ist, steht außer Frage. Inhaltlich und sprachlich einzigartig und von einer geistigen Tiefe geprägt, dass es schwer fällt, eine geeignete Beschreibung zu finden. Es ist nicht einfach zu verstehen - hingegen leicht zu missverstehen. Wenn man gewisse Zeilen (z.B. bezogen auf den "Übermenschen") ohne den...
Veröffentlicht am 13. September 2008 von Mnemosynos


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144 von 152 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Buch wie eine Bergbesteigung, 23. Dezember 2008
Rezension bezieht sich auf: Also sprach Zarathustra (Gebundene Ausgabe)
Zentrales Thema in Nietzsches wohl bekanntestem Werk, Also sprach Zarathustra, ist der Übermensch. Hierbei handelt es sich nicht um einen biologisch höherwertigen Menschen im Stile des nationalsozialistischen Herrenmenschen, sondern um den vollends selbstverwirklichten Menschen, der sich aus eigener Kraft von sozialen und moralischen Zwängen befreit hat und Zarathustras Forderung an sich und andere, "Werde, wer du bist", erfüllt hat.

Die Lehren des Buches präsentiert uns Nietzsche nicht als philosophische Abhandlung, sondern in einer vielzahl gleichnishafter Geschichten, in deren Zentrum der namensgebende Zarathustra steht. Zarathustra ist ein, wie er es nennt, "Schaffender", also jemand, der nicht mehr Mensch und noch nicht Übermensch ist, und ist nicht mit Friedrich Nietzsche gleichzusetzen. Im Verlauf des Buches präsentiert sich die Sicht dieses sich selbst verwirklichen wollenden Zarathustra sowohl auf konkrete Elemente der Welt wie Frauen oder das Christentum als auch auf abstraktere Phänomene wie den Sinn des Daseins oder Einsamkeit. Dabei kommen auch weitere wesentliche Komponenten Nietzsches Philosophie wie die Ewige Wiederkehr oder der Wille zur Macht zur Sprache, sodass ein sehr weites Themenspektrum behandelt wird.

Bekanntermaßen vertritt Nietzsche durchgehend sehr extreme und streitbare Positionen, die fast immer in radikalem Widerspruch zur Ethik sowohl seiner wie auch unserer Zeit stehen - Sexismus, rücksichtsloser Egoismus und Verachtung für den gewöhnlichen Menschen gehören zum Weltbild des Zarathustra. In sich ist sein Gedankensystem aber sehr koherent und durchdacht und im Kern keinesfalls "böse", sondern freiheits- und lebensbejahend, ja -ersehnend - alles läuft darauf hinaus, sein Leben so frei und intensiv wie irgend möglich zu leben, was für Nietzsche nur außerhalb und in der totalen Abkehr von der Gesellschaft und ihrer Moral möglich ist.

Allerdings schafft Nietzsche mit Worten wie "die Überflüssigen" und "die All-zu-vielen" (womit er Zarathustra die Menschen beschreiben lässt, die so leben wollen, wie Gesellschaft, Religion und die herrschende Moral es wünschen) und mit dem Lob der mitleidlosen Härte selbst die Voraussetzungen dafür, dass seine Philosophie leicht von den Nazis für ihre Zwecke eingespannt werden konnte. So ist denn auch Also sprach Zarathustra mitnichten eine ausgewogene, differenzierte Betrachtung, sondern ein leidenschaftliches, auf seine Weise geniales, aber auch extrem schwarz-weiß-malendes Pamphlet auf höchstem inhaltlichen wie stilistischem Niveau.

Um "Also sprach Zarathustra" genießen zu können, bedarf es zum einen der Fähigkeit, einen Text, der das eigene Wertesystem fundamental angreift, zu lesen, ohne sich selbst dabei angegriffen zu fühlen. Zudem bringt es der angesprochene gleichnishafte, exzessiv Metaphern nutzende Stil mit sich, dass viele Botschaften Zarathustras verschlüsselt auftreten und man sich intensiv mit manchmal einzelnen Sätzen befassen muss, will man nicht die Hälfte des im Buch steckende Inhaltes übersehen.

Immer wieder vergleicht Nietzsche das Leben des Schaffenden mit der Besteigung eines hohen Berges, dessen Gipfel der Übermensch ist. Auch dieses Buch ähnelt einer Bergbesteigung: Sehr oft ist es gleichzeitig schön wie auch sehr mühevoll zu lesen, und man kommt ohne Konzentration und geistige Anstrengungen oft nicht voran. Am Ende wird man aber mit der Möglichkeit belohnt, die Welt aus einer völlig neuen Perspektive zu sehen und den eigenen Horizont zu erweitern - und dann Nietzsche zuzustimmen oder ihm zu widersprechen.

5 Sterne für dieses Buch "für alle und keinen" - sicherlich aber für alle, denen Philosophie Freude macht.
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104 von 112 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Sollte es denn möglich sein! Dieser alte Heilige..., 30. September 2007
Von 
Michael Dienstbier "Privatrezensent ohne fina... (Bochum) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Also sprach Zarathustra (Gebundene Ausgabe)
...hat in seinem Walde noch Nichts davon gehört, dass Gott todt ist!" (Zarathustras Vorreden, 2. Teil) Das von 1883 bis 1891 erschienene Hauptwerk Friedrich Nietzsches "Also sprach Zarathustra" gehört für mich zu den inspirierendsten Schriften, die jemals in deutscher Sprache geschrieben worden ist. Ästhetisch ein Hochgenuss, entwickelt "Also sprach Zarathustra" alle Konzepte Nietzsches, die bis heute nachwirken: Den Tod Gottes, den Willen zur Macht sowie den Übermenschen.

Nach zehn Jahren Einsamkeit will Zarathustra seine Einsichten an die Welt weitergeben und steigt von seinem Berg zu den Menschen hinab. Verwundert muss er feststellen, dass offenbar noch keiner vom Tod Gottes gehört hat. In insgesamt 80 Reden breitet Zarathustra seine Philosophie aus, die noch heute absolut zu faszinieren weiß.

Auf Grund der These vom Tod Gottes, wird Nietzsche gemeinhin als Nihilist bezeichnet. Damit wird oftmals fälschlicherweise in Verbindung gebracht, dass Nietzsche für eine Gesellschaft ohne Moral und Werte eintritt. Dies ist falsch. Dahinter steht die engstirnige Ansicht, dass einzig und allein Gott als Quelle moralischer Kategorien anzusehen ist und dementsprechend ohne Gott auch keine Moral möglich sei. Gott als Quelle von Werten lehnt Nietzsche in der Tat kategorisch ab: "Diese Welt, die ewig unvollkommne, eines ewigen Widerspruches Abbild und unvollkommnes Abbild - eine trunkne Lust ihrem unvollkommnen Schöpfer" (Von den Hinterweltlern). Eine Moral hergeleitet von einem "unvollkommnen Schöpfer" hat es nach Nietzsche nicht verdient, bewahrt zu werden. Überhaupt sei der Bezug auf eine metaphysische Instanz nur ein Trick, um zu verbergen, dass Werte höchst menschliche Produkte sind, die manchmal durch Verweis auf ihre angebliche göttliche Herkunft versucht legitimiert zu werden: "Wahrlich, die Menschen gaben sich alles ihr Gutes und Böses. Wahrlich, sie nahmen es nicht, sie fanden es nicht, nicht viel es ihnen als Stimme vom Himmel" (Von tausend und einem Ziele).

Was Nietzsche hier postuliert, ist die Tatsache, dass Werte und moralische Kategorien nicht naturgegeben, sondern menschliche Konstrukte sind. Als Gegenkonzept entwickelt Nietzsche den Übermenschen. Der Übermensch ist oftmals ist oftmals als ein bestimmter Typus eines körperlichen Menschen missinterpretiert worden. Vielmehr bezeichnet der Übermensch eine bestimmte individuelle Lebenseinstellung, zu der jeder Mensch das Potential hat. Ein Übermensch akzeptiert die Menschen so wie sie sind und braucht keine von einer göttlichen Instanz hergeleiteten Werte als Krücke, um ein menschliches Leben zu führen. Mit dem Übermenschen ist die Chimäre eines Gottes überflüssig geworden. Der Weg zum Übermenschen sei jedoch hart und schwer, da der Mensch Angst vor der Selbstverantwortung habe: "So fremd seid ihr dem Grossen mit eurer Seele, dass euch der Übermensch furchtbar sein würde in seiner Güte!" (Von der Menschen Klugheit) Um den Zustand des Übermenschen zu erreichen, brauche es den Willen zur Macht. Der Wille zur Macht ist im Grunde nichts anderes, als der Wille zum Übermenschen.

Nietzsche wirkt bis heute nach. Vor allem die poststrukturalistischen Denker berufen sich auf ihn. Michel Foucault, der in seinen Untersuchungen zur Sexualität, zu Gefängnissen, Krankenhäusern und Psychiatrien das Konzept der Konstruiertheit aller Wahrheiten verfeinert hat, ist da an erster Stelle zu nennen.
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9 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine geniale CD!!!, 6. Januar 2001
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Also sprach Zarathustra (Audio CD)
FRIEDRICH NIETZSCHE ALSO SPRACH ZARATHUSTRA.
OTTO CLEMENS spricht NIETZSCHE
Die Stimme des Wiener Schauspielers Otto Clemens ist den Fernsehern und Radio-Hörern in Österreich wohlvertraut . Mit seinem unverwechselbaren Timbre fasziniert er stets ein Millionenpublikum. Österreichische Tageszeitungen bezeichneten ihn mit Superlativen wie THE VOICE OF AUSTRIA oder DIE STIMME DES UNIVERSUMS.
Friedrich Nietzsches Sprache im ZARATHUSTRA ist eine Naturgewalt, eine Lawine, ein auf uns zukommendes Gewitter. Steil aufgerichtet und fürchterlich nah. Voll Anklage gegen alle, die sich schlafend stellen. Jedes sorgsam gehütete Gewissensgebäude wird bis in die Grundfesten erschüttert.
Otto Clemens tanzt mit seiner Stimme einen Seiltanz zwischen Erhabenheit und Abgrund, Trauer und Schmerz. Durch enorme Konzentration, durch die Suggestivkraft einer Phantasie auf höchsten Touren, vollzieht sich ein Phänomen der Beschwörung. Man wird entführt in eine Zone ungeheuerlicher Spannung. In eine Zone, die nicht mehr loslässt, wenn man sie einmal betreten hat, sodass die Worte sich einem unvergesslich eingraben!
Am Kontrabass wird er begleitet von Peter N. Gruber.
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51 von 55 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Übermensch und Tänzer, 16. Februar 2006
Rezension bezieht sich auf: Also sprach Zarathustra (Gebundene Ausgabe)
Nietzsche. Genial. Spielerisch.
Zarathustra, nicht der historische, lehrt vom Übermenschen. "Gott ist tot!" - dieser Ausspruch ist wohl vielen bekannt. In Nietzsches wohl genialster Lebendigkeit, Sprunghaftigkeit, Vielfalt, erzählerischer Leichtigkeit, Leichtfüßigkeit und tänzerisch-singender Sprache geht es um den Menschen, der nur ein Seil, ein Übergang ist, von Affen zu Übermenschen. Es gilt, wie ein Seiltänzer, dieses Seil zu überschreiten und zum Übermenschen zu werden.
Dieser Übermensch aber ist nicht, wie in vielerlei Religionen, ein von der Erde (Erde hier auch als Sinnbild für all jene "tierischen Triebe" oder "Erdenhaftigkeit") losgelöstes Wesen. Es ist vielmehr mit einem Bein auf der Erde, mit dem anderen im Himmel. Ein Tier. Ein Gott. Ein Seil zwischen beidem.
Ein mit, wie gesagt, stilistisch genialem Charakter aufwartendes Buch. Inhaltlich ist es sehr verspielt. Die Erzählungen gleichen Tänzen, singenden Metaphern, in die es gilt, einzusteigen, mitzuerfahren. Oder bildhaft gesagt: Mitsingen, mittanzen.
Nietzsche beschreibt aber nicht nur jenen Übermenschen, den Zarathustra exemplarisch darstellt, sondern auch "uns" den Menschen und letztlich wie es mit uns weitergeht, den "letzten Menschen". Viel Psychologie, Psychoanalyse (als Analyse des menschlichen Geistes und der menschl. Seele), viel radikale Durchschau von Vorurteilen und scheinbar-offenbaren Erkenntnissen.
Sehr zu empfehlen auch wenn Nietzsches Stil sicherlich sehr eigen ist und somit vom Leser (je nachdem, was man mag) auch mehr abverlangt. Doch es lohnt sich.
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25 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine geniale CD !!!, 6. Januar 2001
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Also sprach Zarathustra: Auszüge (Audio CD)
FRIEDRICH NIETZSCHE ALSO SPRACH ZARATHUSTRA. Die CD.
OTTO CLEMENS spricht NIETZSCHE

Die Stimme des Wiener Schauspielers Otto Clemens ist den Fernsehern und Radio-Hörern in Österreich wohlvertraut . Mit seinem unverwechselbaren Timbre fasziniert er stets ein Millionenpublikum. Österreichische Tageszeitungen bezeichneten ihn mit Superlativen wie THE VOICE OF AUSTRIA oder DIE STIMME DES UNIVERSUMS.
Friedrich Nietzsches Sprache im ZARATHUSTRA ist eine Naturgewalt, eine Lawine, ein auf uns zukommendes Gewitter. Steil aufgerichtet und fürchterlich nah. Voll Anklage gegen alle, die sich schlafend stellen. Jedes sorgsam gehütete Gewissensgebäude wird bis in die Grundfesten erschüttert.
Otto Clemens tanzt mit seiner Stimme einen Seiltanz zwischen Erhabenheit und Abgrund, Trauer und Schmerz. Durch enorme Konzentration, durch die Suggestivkraft einer Phantasie auf höchsten Touren, vollzieht sich ein Phänomen der Beschwörung. Man wird entführt in eine Zone ungeheuerlicher Spannung. In eine Zone, die nicht mehr loslässt, wenn man sie einmal betreten hat, sodass die Worte sich einem unvergesslich eingraben!
Am Kontrabass wird er begleitet von Peter N. Gruber.
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39 von 43 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein literarisches Ereignis das man endlich auch erleben kann, 2. November 2001
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Also sprach Zarathustra: Auszüge (Audio CD)
Auch wenn es sich nur um einige Kapitel aus dem Zarathustra handelt und auch wenn diese teils nur in gekürzter Form gelesen werden, macht die gelesene Variante den Zarathustra zum echten Erlebnis.
Genial gelesen musikalisch unterlegt durch einen einzelnen Kontrabass wird einem erst richtig klar, mit welch sprachlicher Brillanz Nietzsche zu Werke geht.
Schade nur, dass es sich eben nicht um den gesamten Zarathustra handelt. Denn man wünscht sich natürlich auch die Teile zu erleben, die nicht auf der CD zu finden sind.
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29 von 32 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wo die Geister sich scheiden, 20. Juni 2003
Von 
Kurth, Michael (berlin) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Also sprach Zarathustra: Auszüge (Audio CD)
Ich habe ein Problem mit Hörbüchern. Das steht ganz unmittelbar mit dem im Zusammenhang, worauf Reich-Ranicki bereits 1962 hingewiesen hat. Zum Thema Autorenlesungen hieß es: „Bei der lediglich akustischen Darbietung literarischer Texte werden die Gegenstände der Betrachtung nicht in ihrer ursprünglichen Gestalt präsentiert, sondern zugleich mit einer Interpretation versehen. Stimme und Tonfall erzeugen eine Atmosphäre, die vielleicht, hätte man nur das Manuskript in der Hand, unbemerkt geblieben wäre."
Es versteht sich von selbst, daß der Vortrag seine Aufmerksamkeit nicht nur auf eine bestimmte Interpretation lenkt, sondern sie gleichzeitig jeder anderen beraubt. Mit anderen Worten, der Text verliert. Eine ähnliche Erfahrung macht man immer wieder, bei der Verfilmung literarischer Vorlagen. In der Hauptsache enttäuschen sie, nicht unbedingt, weil schlechte Filme entstehen, sondern weil sie der Tiefe und Mehrdimensionalität eines Textes nicht gerecht werden.
Es gibt aber Fälle, da kehrt es sich gerade zum Gegenteil. Der Vortrag des Zarathustra von Otto Clemens ist ein solcher Fall. Am Zarathustra, heißt es, scheiden sich die Geister. Für die einen ist es das Herzstück von Nietzsches Schaffen, Dichtung und Poesie, deutsche Sprachgewalt wie es sie seit Luther nicht mehr gab; für die anderen eine Aufweichung, der von Nietzsche gewohnten Sätze aus Granit, einfach und schwer, geschaffen für einen Steinwurf gegen das Glashaus der Zeitgemäßen. Ich habe mich immer den letzteren zugezählt. Der Zarathustra scheint mir, wenngleich wenig zimperlich, doch von einer überdichteten, mitunter ins Rührseelige verfallenen Art, die nicht nur sprachgewaltig ist, sondern auch der Sprache Gewalt antut. Beim Lesen habe ich meine Probleme. Beim Hören nicht. Das Projekt von dem bekannten Theater- und Filmschauspieler Otto Clemens und dem Musiker Peter N. Gruber hat mich emotional überzeugt. Der Vortrag hat mich nicht berührt, er hat mich durchdrungen. Für mich hat er den Zarathustra gerettet.
Naturgemäß hört man auf der CD nicht das ganze Werk, sondern eine gefällige Auswahl. Die aber wird dem Ganzen durchaus gerecht, zum einen, weil Nietzsche selbst den Zarathustra nicht systematisch konzipiert hat und zum anderen, weil es hier mehr um das Atmosphärische und Ästhetische geht, als um den Gesamtzusammenhang. Weniger um Philosophie, mehr um Dichtung.
Eine Bereicherung bietet die musikalische Unterstützung, die sich allein auf einen Kontrabaß beschränkt. Niemand braucht sich hier vor einer peinlichen Orchestrierung fürchten, wie man sie oft im Filmischen erdulden muß. Stimme und Instrument erreichen hier eine seltene Intimität. Das eine scheint erschaffen für das andere. Beide haben Nietzsche beim Wort genommen, als er einmal meinte, „Man darf vielleicht den ganzen Zarathustra unter die Musik rechnen".
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36 von 40 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Lesens- und "Lebens"-wert, 19. März 1999
Von Ein Kunde
Dieses Buch kann Jeden faszinieren. Ob Kröner oder ein anderer Verlag: der Inhalt macht es aus. Nietzsche zu verstehen, ist nicht leicht - aber sicher "leichter" als Kant oder gar Hegel. Gerade als Einstieg zur Nietzsche-Lektüre ist dieses Werk anzuraten.
Nietzsche spielte in jedem Buch auf aktuelle Themen seiner Zeit an, aber das kann beim Zarathustra insofern ignoriert werden, als er hier nicht den Schwerpunkt auf Gesellschaftskritik im engen/seinerzeit aktuellen Sinne legte.
Ich empfehle jedem, der sich mit Nietzsche/Philosophie beschäftigen möchte, dieses Buch, weil es nicht nur "Inhalts-schwanger" ist, sondern auch, weil es durch grandiose Poesie glänzt. Allein die Form, in der es gehalten ist, stimmt [mich jedenfalls] fröhlich/optimistisch.
Man möge sich nicht jede Silbe verständlich machen wollen/zu Herzen nehmen! Insbesondere mag es Gläubige schockieren, daß hier der Satz fällt: "Gott ist tot". Der Gesamtzusammenhang lehrt uns eines Besseren! (Oder) Zumindest gibt er Anlaß, die Ursachen zu dieser Äußerung zu hinterfragen - und die "Gegenoffensive" anzugehen. (!)
Trotz seines Bestrebens, den Nihilismus zu verbreiten/proklamieren (wollte er das wirklich?!?), darf man gerade dieses Zitat nicht als "den/die Nietzsche-Satz" und -Ansicht betrachten.
Selbst meine Mutter -eine sehr gläubige Frau- las ihn und war trotz einiger Schwierigkeiten (sie nahm eben vieles zu wörtlich) sehr angetan.
Fazit(1000 Wörter Maximum...): Wer an Philosophie interessiert ist - oder wenigstens an "Lebensfragen"- und dieses Buch nicht liest, ist selber Schuld. Es ist ohne Weiteres mehrfach lesbar, man entdeckt immer wieder Neues, das bei vorherigem Lesen nicht wahrgenommen wurde. Die DICHTE dieses Werkes macht schon Freude beim Lesen auf die Wiederholung des Procederes. Wer sich darauf einläßt - UND:sich eigene Gedanken dazu macht, was (auch) Nietzsche ungeheuer wichtig war - und sich Mühe gibt, wird belohnt durch Anstöße/Erkenntnisse, die heute vielleicht banal/unwichtig erscheinen, im Grunde aber essentiell wichtig sind.
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29 von 32 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ausgezeichnet! Jedermann sollte es lesen!, 24. März 2003
Dieses Werk ist derart kompakt, dass es allerhöchste Konzentration erfordert. Keine Zeile darf überlesen werden, da dem Leser sonst mit Sicherheit ein Aphorismus verloren geht.
Nietzsche drückt seine Gleichnisse in alter, um nicht zu sagen biblischer, Sprache aus, was das Lesen zwar nicht erleichtert, aber das Verstandene ungleich wertvoller macht. Zum Glück ist das Werk angenehm in unzählige kurze (ca. 4-10 Seiten) Kapitel unterteilt, die nicht unbedingt in direktem Zusammenhang zueinander stehen. Diese Kapitel können ohne weiteres einzeln aus dem Kontext gerissen werden, ohne ihre Grundaussage zu verlieren.
Mit Sicherheit eine Empfehlung für anspruchsvolle Leser. In mir hat es das Interesse an der Philosophie geweckt.
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74 von 83 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Supremum dichterischer Kraft, 4. Juni 2001
Von Ein Kunde
Nietzsche's "Zarathustra" ist pure Ekstase. Welches Werk kann es an Sprachgewalt und dichterisch philosophischer Kraft mit diesem Wurf aufnehmen? Vielleicht könnte man Hölderlin als Kandidaten aufstellen, zusammen "hocken sie nahe beisammen auf entferntesten Gipfeln" (frei nach Heidegger). Den "Zarathustra" kann man nicht innerhalb eines absehbaren Zeitraumes lesen. Ich selbst lese darin seit zehn Jahren. So seltsam es bei all seiner agnostisch atheistischen Botschaft scheinen mag, aber dieses Buch hat ein spirituelles Bewußtsein in mir erweckt, wie es religiöse Schriften niemals vermocht hätten.
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Also sprach Zarathustra
Also sprach Zarathustra von Friedrich Nietzsche (Gebundene Ausgabe - März 2011)
EUR 6,95
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