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Psychologie der Massen
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42 von 44 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 27. Februar 2012
Gustave Le Bon (1841 Nogent-le Rotrou - 1931 Marnes-la-Coquette) war ein französischer Arzt, Soziologe und Schriftsteller. Nachdem er sich ab 1870 als Militärarzt betätigte, unternahm er ab 1881 etliche Reisen, unter anderem nach Nordafrika und Indien, um diese Völker zu studieren. Immer mehr angezogen vom Problem der Massen, beschäftigte er sich bis zu seinem Tode mit der Psychologie von Menschenmassen, deshalb gilt er auch als Begründer der Massenpsychologie. Seine Schriften über die Massenproblematik übten großen Einfluss auf Sigmund Freud, Max Weber und insbesondere auf den Nationalsozialismus aus. Adolf Hitler studierte regelrecht dieses Buch und stützte sich beim Entwurf seiner Propaganda auf einige der darin enthaltenen Thesen.
Die Massenthematik wird unter anderem auch in folgenden mir bekannten Büchern untersucht: Die Massenpsychologie des Faschismus von Wilhelm Reich (1946) und Der Aufstand der Massen von José Ortega y Gasset (1930).

Psychologie der Massen erschien 1895, das heißt in einem Zeitraum, als es noch keine so großen Massenveranstaltungen wie heute gab. Gustave Le Bon erkannte bereits, dass das das ihm nachfolgende Zeitalter ein "Zeitalter der Massen" sein würde. Treffend beschrieb er in diesem Buch, wie sich Menschenansammlungen verhalten. Ein Mensch in der Masse wird zu einem anderen Menschen. Verstand und Persönlichkeit lösen sich auf, Gefühle bekommen die Oberhand über rationale, logische Überlegungen:

"Sorgfältige Beobachtungen scheinen nun zu beweisen, dass ein Einzelner, der lange Zeit im Schoße einer wirkenden Masse eingebettet war, sich alsbald - durch Ausströmungen, die von ihr ausgehen, oder sonst eine noch unbekannte Ursache - in einem besonderen Zustand befindet, der sich sehr der Verzauberung nähert, die den Hypnotisierten unter dem Einfluss des Hypnotiseurs überkommt. Da das Verstandesleben des Hypnotisierten lahm gelegt ist, wird er der Sklave seiner unbewussten Kräfte, die der Hypnotiseur nach seinem Belieben lenkt. Die bewusste Persönlichkeit ist völlig ausgelöscht, Wille und Unterscheidungsvermögen fehlen, alle Gefühle und Gedanken sind in die Sinne verlegt, die durch den Hypnotiseur beeinflusst werden. Ungefähr in diesem Zustand befindet sich der einzelne als Glied einer Masse."

Le Bon geht jedoch von kleinen Menschenansammlungen aus bzw. er unterscheidet zwischen dem Einzelnen und der Gemeinschaft von zwei oder mehreren Menschen. Insofern bildet er lediglich eine Grundlage zum Phänomen der Masse, die heute jedoch gedanklich überschritten werden muss. Wenn Le Bon meint, dass die Masse hypnotisiert werden kann bzw. mit einfachen Parolen in eine bestimmte Richtung gelenkt werden kann, dann zeigt dies, dass die Quantität insofern eine Rolle spielt, als dass man eine Ansammlung von Tausenden von Menschen nicht mehr so leicht in den Griff bekommt. Massenveranstaltungen bergen nicht zu unterschätzende Gefahren in sich. Man denke nur an Duisburg oder an manche Fußballstadien, wo Gewalt regelrecht herausgefordert wird. Heute gibt es Niemanden mehr, der eine Menschenmasse lenkt oder unterdrückt, wie es im Nationalsozialismus zum Beispiel in negativer Form geschah.

Le Bons Überlegungen sind insofern wichtig, als dass er dem Leser vor Augen führt, wie und warum es dazu kommt, dass sich Menschen in der Masse hauptsächlich unvernünftig und aggressiv verhalten. Die Verantwortung dafür tragen sowohl die Schule als auch die Erziehung:

"Die Schule bildet heute Unzufriedene und Anarchisten und bereitet für die lateinischen Völker die Zeiten des Niedergangs vor."

Was Le Bon seitenweise kritisiert, ist die Unfähigkeit der Eltern, Erwachsenen und Lehrern, die Kinder zu selbstbewussten, wertvollen, selbst denkenden Wesen zu erziehen. Aus diesem Grunde werden Kinder zu unzufriedenen, im besten Fall zu gleichgültigen Erwachsenen, die jeden Anlass zur Empörung und Gewalt ergreifen werden. Insofern spürt man in den Gedanken Le Bons eine Nähe zu John Stuart Mills Buch Über die Freiheit. Die Herrschaft der Masse unterdrückt den Einzelnen, wenn der Einzelne jedoch nicht einmal stark genug ist, sich als Einzelner zu behaupten, dann hat er in der Masse erst recht keine Chance.

Le Bon beschreibt auch die Auswirkungen politischer Entscheidungen, die deshalb fragwürdig bleiben, weil sie von mehreren Menschen getroffen werden. Stark, autark und vernünftig kann nur ein einzelner Mensch sein. Deshalb konnte auch Hitler von diesem Buch profitieren. Le Bon zeigt nämlich, dass jede Masse sich freiwillig einem führenden Kopf unterwirft. Dieser führende Kopf wird dadurch erfolgreich, als dass er Behauptungen aufstellt, sie auf die anderen überträgt und durch Wiederholung derselben in den anderen festigt. Je abstrakter und vage eine Behauptung ist, je unbestimmbar und allgemein die darin enthaltenen Wörter sind, desto mehr wird die Masse davon beeinflusst:

"Die Macht der Worte ist mit den Bildern verbunden, die sie hervorrufen, und völlig unabhängig von ihrer wahren Bedeutung. Worte, deren Sinn schwer zu erklären ist, sind oft am wirkungsvollsten. So z.B. die Ausdrücke Demokratie, Sozialismus, Gleichheit, Freiheit u.a., deren Sinn so unbestimmt ist, dass dicke Bände nicht ausreichen, ihn festzustellen. Und doch knüpft sich eine wahrhaft magische Macht an ihre kurzen Silben, als ob sie die Lösung aller Fragen enthielten. In ihnen ist die Zusammenfassung der verschiedenen unbewussten Erwartungen und der Hoffnung auf ihre Verwirklichung lebendig."

Le Bon zeigt in diesem Buch schön auf, aus welchen Individuen sich eine Masse bildet und gibt Regierenden Vorschläge zur Führung und Lenkung derselben, ohne jedoch einige Missstände auf beiden Seiten unberücksichtigt zu lassen. Etwas veraltet ist seine Sicht der Dinge eben deshalb, weil wir heute mit weit größeren und andersartigen Massenphänomenen konfrontiert sind als Ende des neunzehnten Jahrhunderts. Einerseits gibt es eine größere Anzahl an unterschiedlichen Gruppierungen, andererseits wird die Masse, aufgrund unseres technischen Informationsalters, unsichtbar, nicht mehr greifbar und konkret, wie Le Bon sie noch erlebte.

Interessant ist die Entwicklung, die die Massenpsychologie in den Gedanken der Intellektuellen und Philosophen durchgemacht hat. Zunächst wird die Masse als etwas Konkretes, Lenkbares aufgefasst, im Laufe der Zeit entschwindet das Konkrete zugunsten einer nicht mehr definierbaren Verschwommenheit, die ins Nichts zu münden scheint. Gustave le Bon war noch der Meinung, dass die Masse genau beschreibbar und lenkbar sei, bereits Ortega y Gasset, der die Masse 35 Jahre später untersuchte, erklärte die Masse zu einer subjektiven, rein aus Gefühlen bestehenden Ansammlung von Menschen bis schließlich Jean Baudrillard (1929-2007), ein postmoderner Philosoph, in der Masse eine "schwammige, undurchsichtige, aber zugleich durchlässige Realität, ein Nichts" sieht.
Heute können Massen aufgrund beliebiger Äußerungen und Entscheidungen gelenkt und geführt werden. Launen bestimmen immer mehr den Fortgang des sozialen Lebens. Die Masse an sich gibt es nicht mehr, außer bei unwichtigen Ereignissen wie Fußballspielen und Konzerten. Die Masse als zu lenkende und führende Menschenansammlung ist aufgrund ihrer enormen Größe in tausende Richtungen zersplittert und deshalb nicht mehr greifbar.
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162 von 173 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 31. Dezember 2005
Gustave Le Bon avancierte mit seinem Buch „Psychologie der Massen“ zum Begründer der Massenpsychologie. Sein positiver Einfluss auf Psychologie und Soziologie ist unbestritten und wurde nur dadurch etwas getrübt, dass sich Adolf Hitler seines Werkes ermächtigte, um die Massenseele für seine Zwecke zu studieren.
Le Bons Hauptthese konzentriert sich darauf, dass das Individuum in der Masse seine Kritikfähigkeit verliert und Dinge macht, die er als Einzelner ablehnen würde. In der Massensituation kommt es zur „psychischen Ansteckung“ und der Einzelne neigt zu affektivem, primitiv-barbarischen Verhalten.
Der Einzelne gibt in der Massensituation sein individuelles Bewusstsein zugunsten eines Massenbewusstseins auf und lässt seine Handlungen davon leiten. Gefühle, Moral und geistiges Niveau können im Massenkollektiv höher oder niedriger sein als beim Einzelnen. Die Versuchung ist gross, sein eigenes, höheres Niveau auf das Niveau der Masse abzusenken, wodurch ein Volk, welches durch die Masse beherrscht wird, zwangsläufig eine Abwärtsspirale in geistig-kultureller Hinsicht durchmacht, bis die Dekadenzerscheinungen die Kultur zum Untergang zwingt.
Wichtig zu verstehen ist, dass Masse nicht die Summe vieler Einzelmeinungen ist, auch nicht ein Durchschnitt davon, sondern ein völlig eigenständiges Kollektiv. Massenbewusstsein wird nicht durch Denken oder Logik, sondern von Gefühlen und Bildern beherrscht. Es kann zu Hochkulturen, aber ebenso in die Diktatur führen. Die Masse zieht die Täuschung immer der Realität vor. Massen sind nicht durch Beweise zu überzeugen. Und wer die Masse beherrschen und manipulieren will, muss deren Trägheit vor Augen haben.
Le Bon unterscheidet veränderliche und unveränderliche Meinungen, die genauso wie Ideen manchmal ein paar Jahrzehnte, in anderen Fällen –etwa beim Christentum- Jahrhunderte überdauern können. Wer dem Volke, also der Masse, das Schnellerreichbare um sonst vor die Füsse wirft –auch wenn es nur eine Attrappe ist- wird es für sich gewinnen. So absurd die Verheissungen der Machthaber auch sind, das Volk wird es glauben. Je offensichtlicher die Lüge, umso bereitwiller wird es das Volk schlucken. Der Mensch ist dumm, und in der Gesellschaft noch mehr! Grund dafür ist die Angst, die ihm davon abhält der Wahrheit ins Auge zu schauen, weshalb er lieber die Illusion kauft, die ihn zwar nicht vor der Realität bewahren kann, sich dafür aber wie betäubendes Opium um seine Synapsen schlängelt.
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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
TOP 100 REZENSENTam 3. März 2015
Sie fragen sich, wie Manipulation funktioniert? Mit welchen Tricks ehemalige erfolgreiche Manipulatoren erfolg hatten obwohl sie evtl. sehr wahnwitzige Vorstellungen von der Welt hatten? Sie wollen wissen ob sie heutzutage immer noch Manipuliert werden und wie sie das erkennen?

ich denke dieses Buch ist die Antwort auf sehr viele bis alle dieser Fragen. Ich habe das Buch gelesen weil ich mich schon immer dafür interessiert habe wie das alles im Einzelnen zusammenhängt und bin dankbar das ich da von diesem Buch gehört habe. Es beschreibt sehr anschaulich viele Manipulationstechniken und warum sie so wirken und funktionieren wie sie es tun. Wenn sie dieses Buch gelesen haben werden sie sehr häufig in der Welt versuche von Manipulation erkennen, teilweise sehr erschreckende. Ich denke das dieses Buch eigentlich ein Grundwissen liefert welches jeder Mensch der nicht jedem dahergelaufenen Typen hinterher rennen will weil er das "Gefühl hat" es sei das richtige, zur Verfügung stellt.

Sprachlich ist das Buch sehr einfach und verständlich geschrieben. Ich finde es gut, dadurch wird es quasi "massentauglich" also auch für nicht unbedingt hochgradig gebildete Studenten lesbar. Ich denke das ist die Schwäche von anderen Büchern die "Niveau" vermitteln wollen. Man will eben nicht alle 3 Sek nach irgendwelchen Fremdwörter in einem deutschen Buch nachschlagen .

Aus all diesen Gründen kann ich dieses Buch auf jeden Fall weiterempfehlen. Ich habe es innerhalb von 2-3 Tagen gelesen und bin wirklich angenehm überrascht davon. Ich habe viel gelernt was mich auf jeden Fall als Mensch weiterbringt.

Ich rezensiere normalerweise keine Bücher und hoffe ich konnte ihnen einen guten Eindruck geben von diesem Buch. Falls sie fragen haben melden sie sich ruhig. Ich antworte so schnell wie es geht :) Ich würde mich über eine Bewertung freuen
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36 von 40 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 2. Oktober 2007
Ich finde, es gibt kein Buch, das das ganze Drumherum um das augenblickliche Amerika (USA) besser erklären kann.
LeBon beschreibt, wie die Massenseele funktioniert. Was braucht es, um eine Masse zu bilden, sie aufzurütteln und alle demokratischen Grundrechte zu vergessen?
Es braucht ein die Massenseele berührendes Ereignis.
Hier haben wir Amerika, der 11. September.
Die amerikanische Masse, längst unsicher und im Wandel begriffen, greift dieses Ereignis auf. Ein dummer aber die Massenseele berührende Sprücheklopfer (Bush) nimmt dieses Ereignis und schafft es, mit Einverständnis der Masse Dinge zu bewerkstelligen, die kein vernünftiger Mensch tun würde. Wahrheit interessiert nicht mehr, Gerechtigkeit interessiert nicht mehr. Die ängstliche Massenseele will nur noch Sicherheit und gibt ihre individuelle Integrität, ja sogar ihre demokratischen Grundrechte freiwillig auf.
LeBon geht auch auf die Anführer ein. Sie sind meistens nicht sonderlich intelligent, haben aber ein gutes Gespür für die Massenseele und die Worte und Bilder, die sie braucht. Sie sind auch immer ein wenig wahnsinnig, nie intellektuell und nie der Zeit vorausgreifend. Man begreift beim Lesen einfach besser, wie es so einer Witzfigur wie Adolf Hitler gelingen konnte, ein ganzes Volk zu begeistern: Er hat das gar nicht getan! Die Massenseele war einfach auf der Suche nach jemandem, der ihre Triebe befriedigen kann. Deshalb ist das Wort "Führer" auch falsch. Da oben stand und steht kein Anführer, sondern nur ein demagogischer Trottel, der die Massen bedient und der vom Wahn besessen ist.
Der Einzelne mag sich wehren, doch in der Masse gibt es keinen Einzelnen. Massen werden nicht durch Vernunft regiert, nicht durch individuellen Willen. Liberale Gedanken sind ebenso wenig von Bedeutung wie Menschenrechte. Nichts zählt mehr, alles ist emotional.
LeBon nennt den Massenwahn ein hypnotisches Phänomen. Wer verstehen will, wie dieser Wahn entsteht, muss LeBon lesen.
Ich war schwer beeindruckt. Als Einzelner steht man wie doof davor und fragt sich: "Wie war Hitler möglich, wie Mussolini?" "Wie kam dieses ganze Kopfabschlagen in England und Frankreich zustande?" "Wie können einzelne Menschen, für sich genommen so klug, intelligent und ehrenhaft plötzlich zum wilden Tier werden?" Ich konnte es einfach nicht nachvollziehen. Jetzt verstehe ich es: Es ist einfach ein ganz anderes System. Etwas bildet sich und dieses Etwas ist ein wildes Tier ohne Sinn und Verstand, von Furcht geleitet oder Aggression. Es hat keine Vernunft, es hat nur Trieb. Wenn man LeBon liest, dann versteht man plötzlich die Oktoberrevolution und das, was danach kam. Man versteht, dass dieses Tier jeden und alle verfolgt, die gegen es sind. Man versteht die Hooligans, egal ob sie politisch sind oder Fußballfans. Man versteht: Die Masse folgt immer einer Religion. Der chinesische Kommunismus zum Beispiel ist so eine Religion, auch wenn es dort heißt "Religion ist Opium fürs Volk!". LeBon erzählt, wie ein überzeugter Christ beschloss Atheist zu werden. Er nimmt all seine Statuen weg von Christus und Maria und das Kreuz, stellt Bilder seiner Philosophenatheisten auf und zündet dann die Kerzen auf dem Altar neu an.
Das Tier handelt rein instinktiv, es ist brutal, es löscht alles Andersdenkende aus und es kann dabei sogar noch Moral kennen, auch wenn diese total absurd wirkt. LeBon erzählt z.B. an einer Stelle, dass diejenigen, die den letzten französischen König zum Schafott führten, nichts in seinem Palast anrührten. Sie konnten ihm die Guillotine bringen, weil die durchgedrehte Massenseele das für gerecht befand, doch dieselbe Massenseele war nicht fähig zum Raub, sondern bildete mitten im Wahn einen verschrobenen Gerechtigkeitssinn.
LeBon erzählt das alles sehr nüchtern und ohne überflüssige Dramaturgie. Man merkt: Hier hat jemand wirklich nachgedacht und beschreibt das was passiert so einfach und verständlich, dass man den Wahn irgendwie betrachten kann. Die Fassungslosigkeit verschwindet zwar nicht, aber man hat es in Worte gepackt und kann es erklären, und das hilft. Mir hilft es auch dabei, die Konsumentenmassen zu begreifen, die jeden Unsinn kaufen müssen, die sich vollstopfen und die ganz ohne Verstand sind und sich dummdoof den Rest ihres Hirns beim Swappen verderben und ansonsten meistens dabei erwischt werden, wie sie andere erwischen.
Ich denke, dass das Buch dabei helfen kann, sich selbst davor zu bewahren, bei diesen Dingen mitzumachen. Es kann aber wohl kaum dafür sorgen, dass dergleichen nicht passiert, denn wir leben im Massenzeitalter, da geht kein Weg dran vorbei. Wir leben kaum noch in einer Demokratie, sondern unter der Knute der Massen. Politiker führen nicht mehr, sie bedienen, Medien klären nicht mehr auf, sie liefern nur Futter fürs sabbernde Tier.
Beim Lesen wurde mir klar: Man kann nur versuchen wenn sowas wie das Dritte Reich zum Beispiel passiert, irgendwie unauffällig zu bleiben oder man riskiert Kopf und Kragen im Namen einer Gerechtigkeit, für die die Masse keinen Sinn hat. Jetzt verstehe ich meine Urgroßeltern besser, Er überzeugter Nazi, Sie die typische deutsche Kinderproduktionsmaschine. Sie waren Teil der Masse. Ihre individuellen Sinne für Anstand waren in der Masse aufgegangen. Sie wussten von den KZs, aber sie waren von der Massenseele besessen und erklärten sich das irgendwie zurecht, so dass es für sie einen Sinn ergab. Ihre individuellen Seelen waren nicht da und wären sie da gewesen, wäre ihnen nur entweder Stillhalten und Feigheit geblieben oder aber Widerstand. Das Eine kostet die Seele, das Andere das Leben.
Fazit: LeBon ist großartig zu lesen. Man sieht danach klarer und kann sich besser von dem abgrenzen, was einfach widerlich ist.
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42 von 47 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 8. April 2010
Wie oft liest man Bücher, deren Texte 100 Jahre alt sind, und verliert dennoch jedes Zeitgefühl, da die Aussagen des Autors nach wie vor brandaktuell sind!?

Gustave Le Bon gehört zu den ganz großen Denkern, der seiner Zeit voraus war. Was die Historiker erst nach Jahrzehnten klar sahen, war für den herausragenden Intellekt Le Bons Gegenstand seiner Überlegungen, Erkenntnisse aber auch Sorgen:

1. Der Wandel alter Werte und Gesellschaftsstrukturen vor dem Hintergrund der Aufklärung sowie stärker werdenden demokratischer und sozialistischer Strömungen
2. Die Macht der (Menschen-) Massen und deren Eigenschaften
3. Die Einflussfaktoren der Handlungsweisen von Massen aus psychologischer Sicht

So hat Le Bon beispielsweise keine Zweifel, dass der Sozialismus und dessen hehren Versprechungen an der Realität zerchellen werden. Demutsvoll kann der Leser hier nur sein Haupt vor soviel Weitsicht neigen.

Le Bon ist jedoch aus vielerlei Sicht sehr interessant:

1. Weil sein Werk den großen Diktatoren des 20. Jahrhunderst angeblich als Vorbild diente
2. Weil Le Bon nicht wusste, wie sich das 20. Jahrhundert entwickeln würde, aber treffende Aussagen macht (siehe Sozialismus oben)
3. Weil wir leicht verständlich in die Grundzüge der Massenpsychologie eingeführt werden
4. Und weil sich die hochmodernen und aktuellen Aussagen in Le Bons zeitlichen Bezugsrahmen bewegen. Was er als Rasse bezeichnet, wurden wir heute als ethnische Gruppe titulieren. Seine zeitgemäße Abwertung der Frau (z.B. weibisch=unlogisch=hysterisch=emotional, irrational, etc.) lässt die Augenbrau heben. Doch ist hier der Leser gefordert, sich zu vergegenwärtigen, zu welcher Zeit dieses Werk entstand.

Tief beeindruckt war ich jedoch vom Kapitel V des zweiten Buches mit der Überschrift "Unterricht und Erziehung". Ich darf hier zitieren: "...psycholigischer Grundirrtum, sich einzubilden, die Intelligenz entwickle sich durch Auswendiglernen von Lehrbüchern. ...mit dem Inhalt von Büchern voll zu stopfen, ohne jemals sein Urteil und seine Entschlusskraft zu üben."
Wer fühlt sich da nicht an die eigene Schulzeit erinnert. Abseits des Bezuges zum Dritten Reich, den wir allein durch den Buchumschlag schon herstellen, empfand ich Le Bons sehr moderne Sichtweisen zu den Misständen im Unterricht und der Erziehung sehr bedrückend, da sich unser Schulsystem in 100 Jahren scheinbar nicht substantiell weiterentwickelt hat....

Nun gut, jedenfalls kann man/ich dieses Werk von Gustave Le Bon nur wärmstens weiterempfehlen. Es ist einfach zu lesen, gut verständlich, genial und bedrückend aktuell - und das nach 100 Jahren! Fünf Sterne!
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55 von 62 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 8. Juli 2002
Es kommt im unternehmerischen Alltag immer wieder vor, dass Führungskräfte bestehende Unternehmenseinheiten neu übernehmen. Sie treffen damit auf eine bereits formierte Masse und unternehmen den Versuch diese Masse mit neuen oder weiteren Ideen, Zielen und Herausforderungen zu konfrontieren, sie zu synchronisieren und zu fokussieren. Oftmals trifft man dabei auf hohe Resistenzen oder erlebt eine Spaltung in zwei Lager, nämlich in die Gruppe derer, die signalisieren, dass sie neue Ideen aufnehmen und in die Gruppe derer, die zweifeln und im Verborgenen eine Art Gegenrevolution schüren. Jede Gruppe gehorcht interessanter Weise in sich selbst wieder den Regeln der Massenseele, wie sie Le Bon im Kapitel "Allgemeine Kennzeichen der Massen" beschreibt.
Ich hoffe, es stört Ihr intuitives Empfinden bezüglich der Freiheit und Selbstbestimmung des Menschen empfindlich, wenn Sie diese Ausführungen lesen, aber es ändert nichts daran, dass Effekte der Massenseele tatsächlich auftreten und wir als Führungskräfte dieser Realität ins Auge sehen sollten. Forschungen durch Le Bon haben ergeben: "Allein durch die Tatsache, Glied einer Masse zu sein, steigt der Mensch also mehrere Stufen von der Leiter der Kultur hinab. Als Einzelner war er vielleicht ein gebildetes Individuum, in der Masse ist er ein Triebwesen, also ein Barbar. Er hat die Unberechenbarkeit, die Heftigkeit, die Wildheit, aber auch die Begeisterung und den Heldenmut ursprünglicher Wesen, denen er auch durch die Leichtigkeit ähnelt, mit der er sich von Worten und Vorstellungen beeinflussen und zu Handlungen verführen lässt, die seine augenscheinlichsten Interessen verletzen. Aus diesem Grunde sprechen Schwurgerichte Urteile aus, die jeder Geschworene einzeln missbilligen würde, Parlamente nehmen Gesetze und Vorlagen an, die jedes einzelne Mitglied ablehnen würde."
Dieses Buch ist höchst lesenswert für alle, die mit der Führung von Mitarbeitern beauftragt sind.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 19. Mai 2014
Als ich das Buch das erste mal aufgeschlagen habe ist mir sofort das Inhaltsverzeichnis aufgefallen, dass die Lektüre nicht nur in Kapitel und Unterkapitel unterteilt sondern ebenfalls mit Schlagwörtern /-Sätzen versieht, was ganz nützlich ist um das jeweilige Kapitel noch einmal im Schnelldurchlauf revue passieren zu lassen.

Der Aufbau des Buches ist mir sehr schlüssig gewesen. Monsieur Le Bon beginnt erst einmal damit die Massen mit Kennzeichen zu versehen, wobei er sehr Allgemein bleibt.
Danach widmet er den Größten Teil seines Buches der Definition der Masse. Dies beinhaltet u.a. die Beeinflussbarkeit, Leichtgläubigkeit, Impulsivität,verminderte Rationalität und das triebhafte, verantwortungslose Handeln der Massen.
Nach dem er die Definition der Massen abgearbeitet hat beginnt er mit den Anschauungen und Glaubenssätzen der Massen und wie diese vehement zu bestehen vermögen, wenn erst einmal ein Glaubenssatz das Kollektivbewusstsein durchdrungen hat. In diesem Kapitel stellt er ebenfalls sehr schön dar, wie und was eine Masse lenkt und Im Unterkapitel Nimbus (oder auch Aura) (in meinen Augen das eindrucksvollste Kapitel) sieht man vor allem wer die Massen lenken kann.
Im Letzten Kapitel unterteilt der Autor die Massen in Sekten, Kasten und Klassen, die zumeist den rasseneigentümlichen Eigenschaften unterworfen sind.

Ich habe allerdings auch 2 Kritikpunkte anzubringen.
Gustave Le bon führt seine Argumente nicht immer zu ende und lässt seine Kausalitätenkette desöfteren mit dem Satz, dass dies jetzt zu weit führen würde oder damit, dass er dies Thema schon in anderen Schriften abgearbeitet hat, unabgeschlossen.
Ich in manchen Kausalitätsketten den endgültigen Beweis vermisst und der Autor vertröstet einen damit, dass die jetzt zu weit führen würde.
Ebenfalls habe ich zu bemängeln, dass der Autor stur rational vorgeht und in diesem Erhabenen Intellekt Glaube, Überzeugungen und Religion nur als Abfallprodukt des Trostes in einer ungerechten Welt darstellt und nicht mehr darin erkennen kann, als Massenpsychologie.
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25 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 10. Oktober 2007
Ein Professor empfahl in einer Vorlesung beiläufig die Auseinandersetzung mit Le Bons "Psychologie der Massen".

Also bin ich auf zu amazon und habe die kostengünstige und somit studentenfreundliche Ausgabe von RaBaKa-Publishing bestellt.

Le Bon verfasste seine Ausführung über die Massenpsychologie bereits 1895, nichtsdestotrotz hat dieses Thema an Aktualität nichts eingebüßt. Seine Analyse der Massenseele und dem ihr innewohnenden Wunsch nach Führungspersönlichkeiten ist sowohl verständlich als auch beeindruckend. Zumal sich seine Theorie bereits knapp 40 Jahre später in der Praxis bewahrheitete und einen traurigen Höhepunkt im 3. Reich fand.
Der Autor geht sehr detailiert auf die verschiedenen Aspekte der Massenpsychologie ein. Das Buch ist in 3 Teile gegliedert: 1. Die Massenseele; 2. Die Meinungen und Glaubenslehren der Massen; 3. Einteilung und Beschreibung der verschiedenen Massen. Jeder Teil ist in sich nochmals sehr übersichtlich gegliedert und man findet sofort die gesuchten Themenbereiche und Informationen.
Außerdem hat mich das Format des Buches begeistert, ich konnte in der Bahn genauso gut damit arbeiten wie am Schreibtisch.
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92 von 105 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 5. Februar 2003
Le Bon's Buch habe ich schon im Alter von 16 Jahren gekauft, weil ich wissen wollte, was die großen Fanatiker dieses Jahrhunderts (Hitler und Goebbels) so eingehend studiert hatten. Damals verstand ich das Buch noch nicht. Lediglich eines wurde mir klar: Was diese beiden in Ihrer Zeit zur Perfektion betrieben haben, nämlich die Massen zu verführen und lenken, wurde von Le Bon auch aufgrund der Studien der französischen Revolution zu Papier gebracht - lange bevor jemand "Wollt Ihr den totalen Krieg" schrie.
10 Jahre später las ich das Buch nochmals, und vieles wurde mir klar. WERBUNG-MARKETING-HYSTERIE um POPSTARS-BÖRSEEREIGNISSE-MOBING - sprich die irrationalen Verhaltensweisen (oder auch die Dummheit) von Menschen in größeren Gruppen. Jeder der sich nur irgendwie mit den Verhaltensweisen der Menschen beschäftigt, oder auf der Suche nach den Ursachen seiner eigenen Entscheidungen ist sollte dieses anfangs etwas schwieriger zu lesende Buch erwerben. Es ist ein Meilenstein, von dem ich glaube, dass viele Entscheidungsträger auch heute noch sehr intensiv dieses Buch studieren und anwenden. Finger weg von diesem Buch, wenn Sie die Wahrheit nicht vertragen oder diese lesen wollen. Dieses Buch wurde übrigens schon um 1900 geschrieben-über hundert Jahre haben wir nichts dazugelernt....
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10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
TOP 1000 REZENSENTam 1. August 2010
"Eine zufällige Menge wird auf der Straße zusammengeballt, sie hat EIN Bewusstsein,
EIN Fühlen, EINE Sprache bis die kurzlebige Seele erlischt und jeder seines Weges geht."
(Oswald Spengler in: Untergang des Abendlandes)

Ein Standardwerk über "Die Psychologie der Massen" ist zweifelsfrei dieser Werk von Gustave Le Bon (1841-1931). Ihm gelingt es in kurzweiliger, präziser und logisch wie emotional nachvollziehbarer Weise seine Gedanken zur Massenpsychologie im Jahre 1895 darzulegen und damit sich als Begründer zu etablieren. Seinen Gedanken folgte nahezu uneingeschränkt Sigmund Freud in seinem Buch über "Massenpsychologie und Ich-Analyse", (1921) und selbst in dem Briefwechsel mit Albert Einstein zur Erörterung der Frage: "Warum Krieg?", (1932) ist dieses Phänomen ein Baustein der Überlegungen.

Le Bon gestaltet seine Analyse über die Wirkung und das Auftreten von Massen dreiteilig. Von der Frage, wie sich Kulturwenden auszeichnen und sie sich Auswirken auf Denken und Handeln des Menschen, ist eine Antwort zu erwarten aus der Beschreibung, aus den Kennzeichen von Massen aus Sicht der Psychologie. In dem Wissen, dass der "Gebrauch der Vernunft noch neu und zu unvollkommen ist", gelingt es ihm, die Frage des Allgemeinen im Phänomen der Masse zu erkennen, nämlich jene Massenseele, die aus Trieb, Instinkt und geformter Gleichartigkeit jeden Einzelnen zu einer Reduzierung, gar Aufgabe der Individualität zwingt und hin zur Teilnahme an den einzigen Augenblick bewegt, der nicht mehr von der reinen Vernunft sich leiten läßt. Er beleuchtet eloquent und mit Beispielen zusätzlich erklärend, wie die Zusammenhänge zwischen Individuum und Masse wirken im und zum "Gesetz der seelichen Einheit der Massen".

Im zweiten Buch wird abgeleitet, wie Meinung und Glauben wirken von Einzelnen auf alle; welche emotionale und im Grunde (ver-)führerische Technik herrschen kann und muß, um die Masse in einen Bann zu bekommen. Im dritten Buch widmet Le Bon sich der Auf- und Unterteilung, der Beschreibung unterschiedlicher Massen oder Gruppierungen und ihrer Bedeutung bzgl Herkunft, Entstehung und Wirkung.

Dass "die Menschen sich niemals von den Vorschriften der reinen Vernunft leiten lassen", ist eine wichtige Botschaft aus diesem Werk. In diesem Satz wird mehr als deutlich, dass die Phänomene von Gruppe, Wirkung, Ekstase etc mehr Bedeutung erlangen, als die Intelligenz, das Wissen des Einzelnen im Umgang mit sich selbst. "Die Gleichförmigkeit der Umgebung schafft die sichtbare Gleichartigkeit der Charaktere." Damit meint Le Bon nichts anderes, als dass die Möglichkeiten des Guten wie Schlechten im Menschen in der Masse beeinflusst und ausgelöst werden können. Die Reduzierung aller auf eine einzige Grundanschauung im Augenblick der Massenbewegung heißt damit nicht mehr, dass nur diese Anschauung gültig ist, weil sie in dem Augenblick jeder Prüfung entgeht. Dass Massen eine Führung brauchen, steht außer Frage. Doch der alten Führer-bezogenen Massenbewegung steht heute eine entgegen, die Programm-bezogen ist. Die Uniformierung im weitesten Sinne gilt auch hier, wenn auch diese postmoderne Masse eher mediatisiert und bunt ist. Es geht, wie Sloterdijk an anderer Stelle schrieb, um den Gegensatz von "Entladung und Unterhaltung".

Dieser Text (in deutsch seit dem Jahre 1910 verfügbar) ist aus zwei aktuellen Themen heraus eine wirkliche Empfehlung: zum einen wird das Phänomen Masse und Panik in den Medien diskursiv behandelt, zum anderen wird das Wissen von Vielen im Zuge der Digitalisierung der Kultur höher eingestuft als das Wissen von Genies.

M a s s e und P a n i k
Das aktuelle Geschehen in Duisburg zeigt, dass im Moment der vom Verstand losgelösten Empfindung Angst und Not dominieren und für alle einzig die Entscheidung instinktiv richtig zu sein hatte, aus einer Enge zu fliehen, koste es, was es wolle. Anschluss an diese Gruppe der Flüchtenden wollte jeder, der sich von der Angst der Enge entladen wollte. Und genau diese Entladung von Angst definiert Elias Canetti als Motiv für den Anschluß an eine Gruppe.

M a s s e und E n t s c h e i d u n g
Für Duisburg gilt aber auch eine zweite Gruppe, die mit Le Bon sehr gut beschrieben ist. Nämlich die Gruppe oder Masse, die losgelöst von den vernunftorientierten Gründen, allein aus dem Wunsche nach Prestige (Nimbus), ein überdimensionales Festival in ihrer Stadt sich wünschte. Und gerade diese Abstimmung, ob ja oder nein zu dieser Veranstaltung, wird im Sinne Le Bons abgestimmt, unter den Prämissen, es stattfinden zu lassen. Nämlich entfernt von einer zu Recht entgegensetzten Meinung bzgl. Sicherheit und Fluchtwege anderer außerhalb der Gruppe, wurde die Durchführung entschieden im Bewusstsein einer kollektiven Meinung, die Sicherheit a priori verheißt, da die Masse einen "Riskoschub" ignoriert. Le Bon spricht deutlich von der augenblicklichen Unkenntnis, dass die Risikobereitschaft der Einzelnen niedriger als die der Gruppe ist. Die zusätzliche unausgesprochene Annahme, eine Gruppenentscheidung führe nicht zur individuellen Schuld, begründet Le Bon aus der psychologischen Sicht, die später Sigmund Freud als Verschmelzung der "Heterogenität" zur "Homogenität" der Beteiligten und einen hypnothischen Modus von der Masse auf den Einzelnen erkennt. Damit hilft er hier sehr bei der Aufarbeitung von Entscheidungswegen. Eine weitere Tragik liegt nun darin, dass der Nimbus des Erfolgs verschwindet im Augenblick des Mißerfolgs. Eine Ablehnung in Folge des Mißgeschicks der Veranstalter und der Stadt scheint folgerichtig in der Le Bonschen Aussage: "Die Gläubigen zertrümmern stets voll Wut die Bilderwerke ihrer früheren Götter."

Wie das in der Antike gültige Scherbengericht verfährt heute der moderne mediale Ostrakismos. Denn ohne den Beweis eines Vergehens einzuklagen, fordern die Medien wie im Scherbengericht den Abgang aus Amt und Würden. Le Bons deutlicher Hinweis auf die "Nivellierung der Masse" ist als eine deutliche Warnung zu verstehen. Diese Nivellierung entbehrt jeglicher Vernunft und ist damit identisch mit einer zuvor formulierten Aussage Le Bons: "Der Masse gelingen nur aufgedrängte und niemals geprüfte Urteile." Le Bon bleibt aktuell.

M a s s e und W e i s h e i t
Die Annahme, das Internet sei eine grandiose Plattform, das Wissen vieler zu verbinden und damit die Weisheit zu erhöhen, ist unter all den Gesichtspunkten Le Bons nur abschließend wenn vernunftgeprüft zu entscheiden. Hatte Descartes noch mathematisch nachgewiesen, dass die Wahrscheinlichkeit der richtigen Aussage Einzelner höher sein muss, als die Wahrscheinlichkeit einer Gruppe, steht er dennoch im Widerspruch zu Aristoteles, der noch postulierte, dass "aus der Vereinigung aller etwas Größeres an Wissen resultiere". Beide haben Recht, denn das Produkt von Wahrscheinlichkeiten im Bereich von 0 < p < 1 ist mathematisch kleiner als die Einzelwahrscheinlichkeit (Descartes) und doch zeigt die Erfahrung Gegenteiliges, was für Aristoteles spricht. Nur, und darauf legt Le Bon Wert, sind nur unabhängige Wahrscheinlichkeiten als Produkt sinnvoll und weiterhin sind in der Gruppenfindung von Entscheidungen, Manipulationen möglich, weil gerade die Rhetorik Weniger alle zur Zustimmung bewegen kann. Dass Phänomen der Masse trifft auch hier. Ein Grund mehr, Le Bon zu lesen und mit ihm das bravouröse Vorwort von Hofstätter.
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