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32 von 34 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Seit 500 Jahren aktuell
Machiavelli - wohl jeder Politik-Interessierte verbindet mit diesem Namen zuerst einmal skrupellose Machtpolitik und gewissenlose Fürsten-Herrschaft. Doch wer sich die Zeit nimmt, dieses Buch zu lesen, der sieht Machiavelli (1469-1527) mit ganz neuen Augen. In einmaliger Klarheit und in einer Sprache und Denkweise, die heute genau so aktuell ist wie bei der...
Veröffentlicht am 2. Januar 2003 von Lorenz Steinke

versus
2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Moralischer Untergang oder pragmatischer Wegweiser?
Anhand der vielen verfügbaren Versionen ist erkennbar, das aktuell immer noch Interesse an diesem alten Werk zu bestehen scheint. Besonders Politiker und Manager sollen sich angeblich für diesen Ratgeber interessieren. Mein Blickwinkel ist aber ein anderer, mich hat gereizt zu erfahren ob alles "böse" was man zu diesem Werk hört korrekt oder...
Vor 6 Monaten von Prometheus veröffentlicht


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32 von 34 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Seit 500 Jahren aktuell, 2. Januar 2003
Von 
Lorenz Steinke (Hamburg Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Der Fürst (Gebundene Ausgabe)
Machiavelli - wohl jeder Politik-Interessierte verbindet mit diesem Namen zuerst einmal skrupellose Machtpolitik und gewissenlose Fürsten-Herrschaft. Doch wer sich die Zeit nimmt, dieses Buch zu lesen, der sieht Machiavelli (1469-1527) mit ganz neuen Augen. In einmaliger Klarheit und in einer Sprache und Denkweise, die heute genau so aktuell ist wie bei der Niederschrift vor fast 500 Jahren, beschreibt der Autor in 26 Kapiteln die Grundregeln des Regierens und Herrschens. Ganz in der Tradition der Fürstenspiegel - der Herrscherratgeber jener Zeit - liefert Machiavelli eine einfache Anleitung für den Umgang mit politischen Freunden, Gegnern, Schmeichlern und dem ach so launischen Volk. Doch der "Fürst" ist keine Anleitung für die Unterdrückung der Massen oder rücksichtslose Diktatoren. Das Buch entlarvt vielmehr kurzsichtige Politik und rät dem Herrscher (gemeint hat Machiavelli seinerzeit vor allem das Geschlecht der Medici) auch zu Mäßigung, Gerechtigkeit, Entschlossenheit und nicht zuletzt zur Wahl kluger Berater. Mit Erstaunen stellt der politisch interessierte Leser dabei fest, von welch unglaublicher Aktualität Machiavellis Regeln auch heute noch sind. Und so kann man auch heute nur sagen: Hüte Dich vor einem Gegner, der seinen Machiavelli gelesen hat. Denn er ist Dir in der Politik immer einen Schritt voraus.
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18 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Begründer des modernen politischen empirischen Denkens, 20. Februar 2006
Rezension bezieht sich auf: Der Fürst (Broschiert)
"Niccolo Machiavelli gilt manchen als der Inbegrif politischer Unmoral. Er ist aber auch der Ahnherr einer emprisch-pragmatischen Politikwissenschaft. Vor allem sein Buch über den Fürsten (Il principe) ist als eine Provokation empfunden worden und hat die Diskussion über das Verhältnis von Macht und Moral im Staat über die Zeiten stets wach gehalten. Der Principe ist nicht zuletzt deshalb so interessant, weil er auf knappem Raum die Grundzüge des Denkens enthält, die Machiavelli an anderer Stelle...behandelt hat."
Diese Sätze stehen in dem bis heute wichtigsten Forshcungsband über Machiavelli, "Demaskierung der Macht", der von Herfried Münkler und anderen herausgegeben ist. Die Worte beschreiben treffend, warum "Il principe" bis heute ein wegweisendes Buch des politischen Denkens geworden ist. Der Begriff des "Machiavellismus" ist bis heute ein wichtiger - wenn auch - und dies wird bei der Lektüre dieses Werkes deutlich - nicht hilfreicher Begriff, um das Werk Machiavellis zu begreifen. Niccolo Machiavelli war - und dies wird im "Fürsten" deutlich - ein faszinierender Kenner des menschlichen Verhaltens und der Machteroberung und -bewahrung. Nicht umsonst heißt es von modernen erfolgreichen Diktatoren, etwa Hitler und Stalin, sie hätten ihren "Machiavelli" gründlich gelesen. Während Hobbes seine Erkenntnisse als Ergebnisse streng naturwissenschaftlicher Untersuchungen betrachtet, die jederzeit empirisch nachprüfbar sind, beruft sich Machiavelli vor allem auf politische Erfahrung, politische Klugheit und seine Kenntnis der Geschichte. Er fragt nicht nach dem "warum", sondern nach dem "wie". Machiavelli ist ein uneingeschränkter Befürworter des "starken Staates", wie er sich im Absolutismus herausbildete, wobei Machiavelli klarstellte, dass sich ein solcher Staat auch in Form einer Republik - ebenso wie in einer Monarchie - realisieren lässt. Der "Fürst" zeigt, dass Machiavelli ein gnadenloser Realist ist, der als Begründer der "Wissenschaft der Politik" gelten kann. Ebenso wie Platon strebte Machiavelli nach allgemeingültigen Erkenntnissen und analysierte die Erfolgsbedingungen politischen Handelns vor dem Hintergrund der Geschichte. Anders als Platon stellte Machiavelli die politischen Verhältnisse jedoch so dar, wie er sie vorfand, ohne philosophische oder theologische Überhöhung. Dies zeigt sich schon im Vorwort an Lorenzo Medici, das im Jahre 1513, nach der Rückkehr der Medici an die Macht und der Verbannung Machiavellis, entstand: "Ich habe dies Werk nicht ausgeschmückt und überladen mit wohlgebauten Perioden, hochtragbenden und großartigen Worten oder anderem äußerlichen Zierat, womit viele ihre Schriften aufzuputzen pflegen. Denn ich wollte, dass nichts Äußeres ihm Ehre mache und dass allein die Mannigfaltigkeit des Inhalts und der Ernmst des Gegenstandes ihm Gunst erwerbe." Sein realistisches Menschenbild ist es, welches das Werk - den Klassiker der Machteroberung und -erhaltung, noch heute so wertvoll macht. Daher bleibt zu sagen: Wer sich für Macht und Prozesse von Machteroberung und Machterhaltung interessiert, dem sei dieses Werk als wichtige Lektüre empfohlen.
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15 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Machiavelli - ein messerscharfer Denker und Realist, der die Lehren der Geschichte zu einem Konstrukt formt, 19. Dezember 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der Fürst (Gebundene Ausgabe)
Die vielen Schauergeschichten, die über ihn exestieren, werden nahezu komplett mit Hilfe seines Hauptwerkes zerstreut. Für mich wird daraus mal wieder deutlich, wieviele Leute eine historische Persönlichkeit aus Halbwissen denunzieren.

Machiavelli gelingt es anschaulich und historisch verifiziert, die Handlungen von Fürsten zu erklären, zu begründen und gleichzeitig Vorschläge zur Besserung zu unterbreiten. Hierbei verfällt er weder in langatmige Füllpassagen, noch in groteske logische Verzweigungen, wozu zahlreiche Philosophen zeitlebens tendierten. Es gelingt unserem Niccolo eine Verbindung zum Leser aufzubauen, da er mittels der Ich-Form eine besondere Form der Niederschrift erwählte, die das Verständnis erleichtert.

Gleichzeitig bewundere ich besonders, da ich selbst das eher selten vermag, in welcher hervorragenden Kürze (vorallem bzgl. der Kapitel) es dem cleveren Italiener gelingt, komplexe Gedankenstrukturen darzulegen. Besonders fasziniert jedoch die Übertragbarkeit seines Werkes in Jahrhunderte, als er schon lange unter der Erde lag. Dass sich Hitler, Lenin, Churchill etc. dieses Werk zu Gemüte führten, wirkt besonders einleuchtend, wenn ihre jeweiligen Charaktere dem Leser ebenfalls bekannt sein sollten.
Natürlich werden auch aus heutiger Sicht grausame Thesen formuliert (jedoch wenige), die allerdings immer aus dem historischen Hintergrund einer Zeit betrachtet werden müssen, als ein Menschenleben als solches kaum ein Wert beigemessen wurde.

Ansonsten liefert Machiavelli hervorragende Ansätze für Verbesserungen in Politik und Wirtschaft, um einen Staat effektiver zu gestalten. Allein aus seinen Ausführungen wird deutlich, was Machiavelli für ein Kenner jener bis dahin existierenden Literatur (vorallem der griechischen und römischen Antike) gewesen ist und wie geschickt es ihm gelingt, aufzuzeigen, wie signifikant der Rückgriff in die Geschichte für einen Menschen oder für einen Staatsdiener doch sein kann.

Die Abhebung von anderen Denkern gelingt ihm allein dadurch, dass er keine Idealvorstellungen von der Menschheit und der Welt zu Tage fördern möchte, sondern ein realitätsorientiertes und zielführendes Konstrukt eines Staates konzipiert. Er erklärt die Welt, wie sie wirklich funktioniert.

Es sei jedem Menschen ans Herz gelegt, der sich für Politik, Geschichte oder Philosophie interessiert und dem es ein Bedürfnis ist, große Werke von großen Denkern zu lesen, anstatt seine Zeit mit belangloser Gegenwartsliteratur zu verschwenden. Auch kann es im Alltagsleben nach meiner Ansicht von Nutzen sein, sich Machiavellis Haltung zu einem entsprechenden persönlichen Dilemma zu erschließen.

Ich werde mir zur Komplettierung seines Werkes noch die "discorsi" besorgen, in der er Republikverhalten analysiert. Weiterhin könnte dem Leser nützlich sein, eine Biographie dieses Mannes ebenfalls zu studieren, da die Lebensverhältnisse und Charakterzüge jede objektive Analyse beeinflussen (ich habe mich für jene von Ross King entschieden). Mit der berühmten Gegendarstellung Friedrichs des Großen gedenke ich, sein Werk abzuschließen.

Alles in allem eine klare Kaufempfehlung für dem Ideal der Allgemeinbildung verpflichtete deutsche Staatsbürger.
Sie erhalten beim Kauf dieses Buches ein Werk der Weltliteratur, das viel geistigen Ertrag liefert - und das zu einem mehr als geringern Preis.
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8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Klassiker, ewig aktuell, 28. Juli 2011
Rezension bezieht sich auf: Der Fürst (Gebundene Ausgabe)
"Il principe" gehört zweifelsohne in den Kanon der Politischen Theorie.
In einer Welt der "Hypermoral" ist die "machiavellistische" Art, speziell seine Amoral teilweise herrlich erfrischend, ein Beispiel:

"Vor allen Dingen aber enthalte er sich, das Vermögen der Untertanen anzutasten, denn die Menschen verschmerzen allenfalls noch eher den Tod des Vaters, als den Verlust des Vermögens."

M. E. n. hat das Buch, die Ideen Machiavellis, des gescheiterten Politikers, Anspruch auf Ewigkeit.

Zur Ausgabe an sich bleibt zu sagen, dass auch Menschen mit weniger gut sehenden Augen das Buch problemlos lesen werden können, da es in gefühlter Schriftgröße 18 abgedruckt wurde.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Politische Tüchtigkeit trotzt dem Walten des Schicksals., 5. September 2010
Von 
kpoac - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der Fürst (Gebundene Ausgabe)
"Von sich aus erhitzen, zeugen und beerben die Gedanken einer den anderen."
(Michel de Montaigne)

Wenn der gesellschaftspolitische Erregungspegel hoch schlägt, muss Besonderes an die Öffentlichkeit gelangt sein. Vor gut 500 Jahren gab es jenen Mann, Niccolò Machiavelli (1469-1527), ein italienischer Politiker, dem es gelang, mit seinem Buch "Der Fürst" dieses Erregungspotential in ein Land zu bringen, dass er retten wollte. Viel geschmäht für seine vermeintlich skrupellose und rücksichtslose Machtpolitik, wurde sein Name Inbegriff des Machiavellismus. Dieses Buch schreiben konnte er jedoch nur, weil er politisch gescheitert war. Fünfzehn Jahre verbrachte Machiavelli in Staatsdiensten und nach seiner Entlassung versuchte er mit neuem Weg den Wiedereinstieg zu schaffen. Sein Buch ist somit eine Bewerbungsschrift an die herrschenden Medici zur Wiedereinstellung.

Botschaft und Idee dieser Schrift sind es, nicht einer Utopie, nicht den diversen Möglichkeiten moderner und zukünftiger Staatsführung zu folgen wie es seine Vorgänger machten, sondern sich zu beziehen auf das, was schlechthin die Realität genannt wird. Damit beginnt Machiavelli mit einem Bruch gegenüber der bisherigen Politikberatung. Ihm gelang es, die Politik zu säkularisieren und sie somit wie es auch Aristoteles wollte, als wissenschaftliche Disziplin zu etablieren. Dass dadurch die Kirche ihren Machtanspruch verlor, führte eben dazu, dass die Jesuiten eine Gegen-Reform einführten. Wurde zunächst das Buch noch von der Kirche in Rom im Jahre 1513 gedruckt, erfolgte die Stilllegung bis zur Wiederauflage im Jahre 1532 nach dem Tode des Autors.

Machiavelli fordert im Fürsten ein klares Wort gegen die bisherige Haltung des weichen 'Sowohl - als auch' und bekräftigt in stetiger Forderung ein entscheidungsstarkes 'entweder-oder', damit es zu Entscheidungen auf politischer Ebene schneller kommen kann. Der weitere Punkt ist das bereits erwähnte Realitätsprinzip. Im Kapitel 15 formuliert er deutlich: "Da meine Absicht darauf gerichtet ist, etwas für den, der Verständnis hat, Nützliches zu schreiben, so scheint es mir, die Dinge so darzustellen, wie sie in Wirklichkeit liegen, als bloßen Phantasien über sie zu folgen. Gar viele haben ja Republiken und Monarchien erdacht, dergleichen niemals gesehen worden, oder in der Wirklichkeit begründet gewesen sind. Aber es besteht ein so großer Unterschied zwischen dem, was das Leben ist und dem, was es sein sollte, dass der, der das erste vernachlässigt und sich nur nach dem Letzteren richtet, sich eher den Untergang schafft als die Rettung. Jemand, der es darauf anlegt, in allen Dingen moralisch gut zu handeln, muß unter einem Haufen, der sich daran nicht kehrt, zugrunde gehen." Alles Handeln als Folge, so Machiavelli, unterliege nun dem Prinzip der "Notwendigkeit".

Da "Der Fürst" auf dem Index der verbotenen Bücher stand, gilt sein Ruf bis heute als zwiespältig. Jedoch wird der damalige Vermerk auf der Liste, aus überhöht religiösem Eifer gefordert, wohl heute keine Bedeutung haben dürfen. Eine weitere Geringschätzung findet auch darin keinen Grund. Daher bleibt auch abzuwehren, was die Leser, allen voran Mussolini, den Generationen danach suggerierten. Man könnte meinen, dass der Leser eines Buches durch sein Verhalten, sein Denken, seiner Politik dem gelesenen Buch die allgemeine Wertung aufprägt. Wenn man, und gerade das letzte Kapitel mit der Forderung der Vereinigung Italiens, diese Schrift als nationales Dekret deutet, dann ist es falsch, diese Interpretation faschistisch zu führen, wenn heute unter gleichem Denken, eine Vereinigung Europas gefordert wird.

Machiavelli will in all seinem Realitätssinn der Politik eine neue Wahrnehmung der Probleme geben, wie auch einen erneuten und deutlichen Aufruf zur Problembearbeitung. So - und das kennen wir nur allzu genüge - haben seine Äußerungen durchaus etwas Schroffes, Polemischen und sicher auch Provokantes. Man muß als Leser ihn nehmen, wie es die Zeit erforderte und damit eine Gewichtung seiner Gedanken nehmen aus der Zeit, in der sie entstanden. Denn, so läßt die Historie erblicken, war Italien gesplittet, der Florentiner gescheitert, Italien ein Spielball fremder Mächte (französisch-spanischer Machtkampf) und Machiavelli sah in seiner Schrift die Möglichkeit einer Bewerbung bei den Medicis, wieder in Anstellung, Lohn und Brot zu kommen. Allerdings verfehlte er sein Ziel.

Betrachtet man den Vortrag von Max Weber: "Politik als Beruf", dann sieht man, das Max Weber den Gedanken Machiavellis in ein "verbessertes" Wort gebracht hat, was ohne Aufforderung zur Provokation gelesen werden kann. Die Unterscheidung zwischen Gesinnungs- und Verantwortungspolitik haben beide getroffen, so auch die These Webers und daher folgt er seiner Idee, Machiavelli als Begründer einer Verantwortungspolitik zu begreifen. Wenn dem so ist, dann scheint ein richtiges Wort zur falschen Zeit schwierig. Machiavelli betont in Kapitel 25, dass es "dem gut geht, der in seiner Handlungsweise mit dem Geiste der Zeit zusammentrifft, und andererseits der Mißerfolg haben muß, der mit den Zeiten in Widerspruch gerät". Das scheint aktuell.

Wichtig scheint für ihn festzustellen, dass analog den biblischen Gleichnissen durch Zeichen und Wunder dem Menschen geholfen wurde. "Alles hat sich vereinigt zu Eurer [des Menschen] Größe" und "alles andere müßt Ihr selbst tun". Um der Freiheit des Menschen Willen gibt es keine Vorgabe Gottes und vor allem deswegen, damit der "Teil des Ruhmes" beim handelnden Menschen bleibt.

Final betrachtet, ist Machiavellis Schrift zu einer Geschichtszäsur geworden. Sie hat dazu beigetragen, das Augenblickliche zu sehen und im Diskurs in notwendiger Veränderung zu beleben.
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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Machiavelli, 25. Januar 2010
Rezension bezieht sich auf: Der Fürst (Gebundene Ausgabe)
Von der Diktion her schwierig zu lesen da sie sich eng an die Übersetzung hält. Zum Inhalt: hier werden die Mechanismen der Politik sehr gut dargestellt. An zahllosen Beispielen wird der wahrscheinlich erfolgreiche "Fürst" dargestellt und gleichzeitig die Meschanismen eventuellen Scheiterns angeführt, desgleichen für den Versagenden.Dieses läßt sich zwanglos auf heute übertragen. Machiavelli hält die Darstellung in der permanenten Gegenläufigkeit bis zum Schluß durch. Liest man dieses Werk aus der heutigen Sicht wird klar warum die Attentate wie geplant auf Hitler nicht funktionieren konnten. Beim lesen, dieses wirklich sehr eindrucksvollen Buches, muß man sich immer wieder vor Augen führen, dass es trotz seiner bestechend logischen Folge vor der Aufklärung und vor dem Humanismus geschrieben wurde. zusammengefaßt sehr lesens wert
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5.0 von 5 Sternen Das kleine Einmaleins der Machtpolitik, Ränkeschmiederei, Manipulation und eiskalter Berechnung, 14. Dezember 2014
Rezension bezieht sich auf: Der Fürst (Gebundene Ausgabe)
Machiavellis hauptsächlicher Impuls und gleichsam die Hoffnung hinter dem Werk war, es als Geschenk dargeboten, als kluger Stratege anerkannt und wieder in seine verlorenen Machtpositionen eingesetzt zu werden. Dies misslang zwar, aber als einer der ersten Lehrherrn und Vorgänger der modernen spin doctors verstand er es, die Mechanismen hinter Aufstieg und Fall bekannter historischer Persönlichkeiten und Großreiche und die zugrunde liegenden Denkfehler minutiös aufzuzeigen.
Primär bemüht er Beispiele aus der römischen und italienischen Geschichte um, ganz glühender, auf Vereinigung Italiens unter einem souveränen Banner hoffender, Patriot der er war, für die als Leser zu gewinnenden Herrscher und Generäle einen emotionalen Ankerpunkt mit einzubeziehen.
Die Ökonomie war Machiavelli ein Anliegen, da er den Zusammenhang zwischen zufrieden arbeitenden Untertanen und prosperierendem Heeres- und Allgemeinwesen erkannte und den steten Blick auf die interne Entwicklung empfahl. Die als Ideal empfundene Staatsform ist dabei immer autokratischer Natur, wenn auch auf Wohlstand und Zufriedenheit der Unterdrückten bedacht, um Aufständen vorzubeugen.
Vom Massenpsychologischen her sind die angeregten Vorgehensweisen durchdacht und zeugen von der Kenntnis des Autors über die menschliche Psyche. Kein Pathos, keine falschen Heroen werden bemüht, sondern aufgrund scharfer Beobachtung richtige Rückschlüsse gezogen und somit bis heute gültige Prognosen über die Auswirkungen getätigt. Als einer der Begründer der Politikwissenschaften geht Machiavelli systematisch vor und zieht wissenschaftlich seriös und bar jeglicher religiöser oder philosophischer Verklärung seine gültigen Schlüsse. Dies hebt ihn angenehm von griechischen und römischen Denkern ab, deren Thesen, hinter Unmengen an glitzerndem Beiwerk versteckt, teils schwer zu finden und verinnerlichen sind.
Auf viele erdenkliche Konstellationen von Machtverhältnissen wird eingegangen, seien es die Vorbedingungen zur Herrschaftserlangung, deren Erhalt und Ausbau, den Umgang mit Feinden, Verbündeten und vermeintlichen Allianzen, die Wichtigkeit einer sprachlichen und kulturellen Einheit, den Aufbau eines eigenen, söldnerfreien Heereswesen sowie dem Umgang mit dem eigenen Volk und den politischen Mitläufern und Gegnern. Es wird eindringlich vor der Wahl falscher, inkompetenter Berater gewarnt und die Wichtigkeit des Augenmerks auf Mäßigung und, wenn auch nur vermeintliche, Gerechtigkeit gelegt. Wobei er auch, konkret zur Wahrung des äußeren Scheins, zu Manipulation und Lügen anregt um im politischen Tagesgeschäft überleben zu können und sich der Gewogenheit des Volkes sicher sein zu können. Der Zweck heiligt die Mittel. Dieses ursprünglich religiöse Leitmotiv durchzieht das gesamt Werk und es wird vor nichts zurückgeschreckt.
Diese Offenheit war es, die einen größeren Erfolg zu Lebzeiten im Keim erstickte, da die konservative Gesellschaft sich von so unchristlichen Praktiken einfach brav konditioniert abwenden musste. Der Mechanismus zur Verdrängung unliebsamer Tatsachen mit den Mitteln der Realitätsverweigerung, selektiver Wahrnehmung und konservativ-bigottem Weltbild ist derselbe geblieben.
Was die vielfach angekreidete Skrupellosigkeit anbelangt, findet sich kein Unterschied zu modernen Denkfabriken aus Militär, Politik und Wirtschaft. Sicher werden die Übergriffe heutzutage marketing- und PR-technisch ausgewogen noch euphemistischer verbrämt, um ganz im Sinne der besseren Klangart, politischen Korrektheit und der corporate responsibility attraktiv zu wirken und die beinharte Vorgehensweise kaschierend und verfremdend dargestellt. Nur das Anliegen, konkurrierende Staaten, Firmen und auch Personen mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln nicht nur zu schädigen, sondern in Kampfunfähigkeit, Staatbankrott und Privatkonkurs zu treiben, ist dasselbe geblieben. Es wird heutzutage nur nicht, was man Machiavelli noch zugute halten muss, ehrlich kommuniziert, sondern hinter undurchschaubaren Verträgen, juristischen Klauseln, diplomatischen Winkelzügen und beschwichtigender Rhetorik versteckt. Und konsequent gegen eine der Grundregeln, sich beim eigenen Volk sowohl beliebt als auch gefürchtet zu machen, verstoßen. Die zeitlose Gültigkeit etlicher Regeln zeugt sowohl von der Weitsicht des Autors als auch von der verderblichen Anziehungskraft der Macht und den Folgen, die dieses Werk unmittelbar verursacht hat und in Zukunft noch verursachen wird.
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen ...deshalb sollten Sie sein Buch dringend lesen..., 19. November 2012
Rezension bezieht sich auf: Der Fürst (Gebundene Ausgabe)
Niccolò Machiavelli prägt mit seinen Ausführungen, wie ein Fürst denken und handeln müsse die Gedankenwelt der Politik und der Managementliteratur bis auf den heutigen Tag erheblich mit. Deshalb sollten Sie sein Buch dringend lesen!

Machiavelli setzt sich mit klaren, logischen Gedanken unerbittlich über das christliche Menschenbild hinweg. Menschen sind Werkzeuge, Freund oder Feind und in bestimmten Situationen gnadenlos zu vernichten. Eigenartigerweise schrieb er nur nieder, was andere dachten und taten. Trotzdem ist es Machiavelli, der für diese Denkweise, für machiavellistisches Denken, steht. Sein Buch gilt als Lehrbuch der Treulosigkeit, des Unrechts und des Bösen.

Dennoch ist Machiavellis Buch nicht einfach so abzustempeln. Es zählt nicht umsonst zu den berühmtesten Büchern überhaupt. Es gehört zu den Büchern, über die viel geschrieben wird. Und was die Empfehlung angeht, es zu lesen oder nicht, so verhält es sich wie mit vielen berühmten Werken. Es ist nun einmal sinnvoller, Goethes Werke zu lesen als Bücher über Goethes Werke. Es ist besser, die Bibel zu lesen als Bücher über die Bibel.

Lesen Sie deshalb auch in diesem Fall das Original. Das Buch wird bald 500 Jahre alt. Es ist aber trotz vieler historischer und lokaler Bezüge erstaunlich gut verständlich. Und ohne Anhang und Einleitung sind es kaum mehr als 100 kleine Seiten. Diesen Zeitaufwand ist es wert, das Original zu kennen und zu wissen, was Machiavelli wirklich geschrieben hat. Es lohnt sich nicht, auf ein noch ein klein wenig dünneres Sentenzbüchlein auszuweichen. Machiavellis Werk ist nicht mit einer Ansammlung von Zitaten zu erfassen, sondern nur in der Abfolge seiner klaren Gedanken. Diese haben ihn bekannt gemacht und nicht einzelne Sprüche.

Eines sollten Sie dabei auf jeden Fall auch im Auge behalten, und deshalb finden Sie diese Empfehlung an dieser Stelle: Viele strategische Gedanken lassen sich auch ohne ihren Anteil an Bösem und an Unrecht in die moderne Wirtschaftswelt übersetzen und anwenden.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Aktueller denn je!, 17. Oktober 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der Fürst (Gebundene Ausgabe)
Wenn man das Buch als Ratgeber versteht muss man zwangsläufig nach nur wenigen Seiten erschrecken. Buchstäblich jedes Mittel scheint recht zu sein, solange es dazu dient die Macht zu erhalten und sich der Layalität bestimmter Gruppen zu versichern. Bei mir viel der Groschen als ich während des Lesens erkannte, dass die beschriebenen Mechanismen noch die gleichen sind wie im 16. Jahrhundert (als das Buch geschrieben wurde). Denn "Der Fürst" ist m.E. vor allem eine Beschreibung typisch menschlicher Verhaltensweisen wenn es darum geht Macht auszuüben, den eigenen Vorteil zu suchen, die eigene Position zu stärken, Ruhm und Ansehen zu erwerben oder gefürchtet zu sein (je nach herrschenden Umständen und Zweckmäßigkeit). Den größten Gehalt (ggf. auch Nutzen) werden Sie ziehen, wenn Sie die beschriebenen Mechanismen auf das aktuelle Wirtschaftssystem oder (noch spannender) Ihren Arbeitsplatz beziehen. So verstanden ist das Buch voll auf der Höhe der Zeit!
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Genial, 20. Juli 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der Fürst (Gebundene Ausgabe)
Für alle, die einmal ohne romantische Verklärung ein paar intelligente Worte zum Thema "Macht" lesen möchten, ist das hier meiner Meinung nach das Maß aller Dinge.
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Der Fürst
Der Fürst von Niccolo Machiavelli (Gebundene Ausgabe - 4. Februar 2009)
EUR 4,95
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