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Thomas Cook. Pionier des Tourismus
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Das ist schon eine seltsame Sache mit der Wahrheit. Jeder weiß doch, dass Thomas Cook der Erfinder der Pauschalreise ist. Und des Reiseschecks. Und das ist genauso falsch, wie dass Charles Lindbergh als Erster Nonstop über den Atlantik geflogen ist oder Kolumbus der erste Europäer in Amerika war. Das kollektive Gedächtnis lässt sich leicht täuschen.
Die Wahrheit ist, dass Thomas Cook ein wirklich außergewöhnlicher Mensch war. Ein Pionier. Ein Überzeugungstäter. Was er nicht war? Ein begnadeter Unternehmer. Das war dagegen sein Sohn John Mason und wenn dieser nicht gewesen wäre, niemand würde heute noch den Namen Thomas Cook kennen.
Thomas Cook kam aus kleinsten Verhältnissen, hat sich konstant hochgearbeitet und sich mit ungeheurem Fleiß und Energie auf vielen Gebieten versucht. Er war Drechsler, Drucker, Reiseveranstalter. Er war überzeugter Baptist, ein missionarischer Temperenzler und aus diesem missionarischen Eifer entwickelte sich letztlich die Idee zur Organisation von preiswerten Ausflugsreisen mit der damals noch neuen Eisenbahn. Es waren ausdrücklich Angebote an die Unterschicht, die er auf diese Weise von den Verführungen des Alkohols weglocken wollte. Eine Idee, die eine ungeheure Eigendynamik entwickelte, wenn auch nicht gleich von Beginn an. Mit unbeirrbarer Konstanz hat Thomas Cook seine Leidenschaft zum Beruf gemacht. Er ist zeit seines Lebens selber gereist, besonders als Reiseleiter, er hat mit einer Reisegruppe sogar in 222 Tagen die Welt umrundet, Touren in Amerika und dem Heiligen Land (Palästina) geführt, selbst mitten im deutsch-französischen Krieg ist er auf dem Kontinent unterwegs gewesen. Er muss den Aussagen von Zeitzeugen nach ein sehr sympathischer, energischer und im Umgang höchst liebenswerter Charakter gewesen sein. Und er war zuverlässig bis zur Selbstaufgabe, zahlte bei Pannen und Unglücken seinen Kunden das Geld zurück, war ausgesprochen freigiebig und veranstaltete regelmäßig Spendensammlungen für in Not geratene Völker. Soziale Verantwortung war für ihn ein Lebensprinzip. Dieses Vertrauen, das seine Kunden in ihn setzen konnten und eine geradezu geniale Selbstvermarktung mit Hilfe von eigenen Publikationen und Reiseberichten, die er in der britischen Tagespresse verbreitete, machten sein Unternehmen erfolgreich. Reich wurde mit dem Unternehmen allerdings erst sein Sohn, der auch noch ein exzellenter Geschäftsmann war.

Jörn W. Mundt hat dieses abenteuerliche Leben in allen Einzelheiten seziert. Aus vielen Quellen konnte er schöpfen und herausgekommen ist ein ausgesprochen spannendes Sachbuch, voller Details, lebendig und anschaulich. Es werden die Personen und ihre Zielsetzung durchleuchtet, auf der einen Seite Thomas Cook, der religiös motivierte Überzeugungstäter und auf der anderen John Mason, der visionäre aber knallharte Unternehmer. Sie haben sich wunderbar ergänzt und doch privat nicht gemocht. Phasenweise kommunizierten sie nur über Anwälte miteinander. Erst der Unfalltod von Thomas Cooks Tochter führte zu einer Art Burgfrieden. Man ging sich danach einfach aus dem Weg.

Mundt belegt seine Quellen mit wissenschaftlicher Akribie, zitiert sowohl Selbstzeugnisse wie auch die Aussagen Dritter, zeigt viele Abbildungen von Cookschem Werbematerial, Fotos früher Touristen an ungewöhnlichen Orten, Tickets und Billets. Oft hat Thomas Cook an den von ihm angebotenen Orten überhaupt erst die Infrastruktur für den Tourismus geschaffen, wie z. B. in Ägypten, wo er quasi das touristische Monopol besaß. Selbst nach heutigen Maßstäben ist Cooks Lebensleistung mehr als erstaunlich, umso mehr in einer Zeit ohne Telefon, Flugzeug und Internet. Thomas Cook war der richtige Mann zur rechten Zeit, auch wenn er nicht immer der Erste auf seinem Gebiet war.

Eine Sache hat Thomas Cook übrigens wirklich erfunden: Den Reisekatalog.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Biographien erfolgreicher Unternehmer bergen immer einen Schuss Spaß und Verwegenheit in sich. Wer erfolgreich war, ist und sein will, muss ungewöhnliche Wege beschreiten. Mit dem Lehrbuch im Kopf hat es noch keiner ganz an die Spitze geschafft. Man sollte das Lehrbuch jedoch unterm Arm tragen. Gewisse Regeln kann man dehnen, aber nicht brechen.
Wer heutzutage eine Reise im Reisebüro bucht, reist oft mit Thomas Cook. Der Reisekonzern gehört zur ersten Liga der Reiseveranstalter. Der Firmenname geht auf Thomas Cook zurück.
Im 19. Jahrhundert waren Reisen nur der elitären Schicht vorbehalten. Als kleiner Junge, der schon früh den Vater verlor, kamen Reisen für den kleinen Thomas nicht in Frage. Als Wanderprediger zog es ihn zwar in die – für ihn – große weite Welt hinaus. Doch als Reisen wie wir es heute kennen, kann man das nicht gerade bezeichnen. In einer kleinen Gemeinde bleibt der Baptistenprediger Cook hängen, heiratet und gründet eine Familie. Noch immer deutet nicht auf Fernweh und Erholung hin. Das Leben von Thomas und Marianne Cook ist geprägt von der Bibel und dem Kampf gegen den Alkoholismus. Beide – Thomas und Marianne – unterzeichneten sogar eine Absichtserklärung dauerhaft dem Alkohol zu entsagen.
Er schloss sich der Bewegung der Temperenzler an. Diese verteufelten den Alkohol wo und wann immer sie konnten. Erste Ausflüge in die nähere Umgebung dienten dazu potentiellen „Alkoholzusprechern“ davon abzuhalten sich zu betrinken. Alkoholismus war im England des 19. Jahrhunderts ein echtes Problem. Kinder wurden schon früh zur Arbeit gezwungen. Im Erwachsenenalter waren sie körperlich derart kaputt, dass sie zur Arbeit kaum noch taugten und am Rande der Gesellschaft ein trostloses Leben führen mussten.
Der Erfolg der Reisen spornte Thomas Cook an. Aus dem Prediger wurde ein Unternehmer. Seine Reisen waren günstig und begehrt. Mit dem heutigen Geschäftsmodell haben seine Anfänge aber nur wenig zu tun.
Heute würde Thomas Cook nur den Kopf schütteln über die Pauschaltouristen in den Erholungszentren dieser Welt: Alkoholexzesse am Ballermann, rüdes Benehmen gegenüber Personal – das war es nicht, was Thomas Cook im Sinn hatte als er seine Firma im Geschäftsleben etablierte.
Die Biographie Thomas Cooks ist voll mit historischem Wissen, Anekdoten und Zusammenhängen, die heute als gegeben hingenommen werden. Jörn W. Mundt gelingt der Spagat zwischen spannender Reiselektüre und historischen Fakten. Lesenswert für alle, die beim Reisen gern mal nach links und rechts schauen.
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0 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 9. August 2014
Der Brite Thomas Cook (1808-1892) mag nicht der Erfinder von Pauschalreisen oder Traveller Cheques gewesen sein, aber dieser Mann aus einfachen Verhältnissen, der bereits als Zehnjähriger nach dem frühen Tod von Vater und Stiefvater die Schule verlassen, arbeiten und Geld verdienen musste, hat das Reisen revolutionär verändert. Er fand vergleichsweise spät - 1841 - zu seiner Berufung, nachdem er zuvor sich und ab 1833 seine Frau und später zwei Kinder mehr schlecht als recht als Gärtnergehilfe, Laienprediger (Baptisten), Holzdrechsler, Messingdreher und Drucker über Wasser gehalten hatte. Er war Mitglied der Temperenzbewegung (heute würde man wohl Antialkoholiker sagen), die den eigentlichen Impuls für Cooks neue Betätigung lieferte: um insbesondere Menschen der Arbeiterklasse, die häufig einen Ausweg aus ihrem und eine Ablenkung von ihrem tristen Leben im Alkohol suchten, eine Alternative zu bieten, organisierte er Bahnreisen, zunächst Tagesfahrten, später auch mehrtägige, anfangs noch ohne Verpflegung und Übernachtung (Cook gab nur Empfehlungen), später alles inklusiv. Die erste von ihm 1841 organisierte Reise war eine Bahnfahrt für rund 500 Temperenzler, Picknick am Zielort (Loughborough) inbegriffen.
Man kann sich nur schwer eine realistische Vorstellung davon machen, wie hart dieser Mann sein Leben lang arbeitete. Allein für Reisen in Großbritannien musste er mit einer Reihe von Bahngesellschaften verhandeln, sodass die Menschen, die sich seiner Organisation (und häufig auch Führung) anvertrauten, nicht bei jeder einzelnen einen Fahrschein lösen mussten, sondern ein einziger, von Cook ausgestellter Voucher für die ganze Strecke verwendet werden konnte. Derartige Gutscheine organisierte Cook später auch für Hotels und dehnte seine Aktivitäten allmählich auf Europa, Palästina, Ägypten, die USA und schließlich fast die ganze Welt aus (1872/73 veranstaltete er eine Weltreise in 222 Tagen). Wenn Cook günstige Konditionen für seine Fahrten aushandeln konnte, dann gab er die Ersparnis üblicherweise an seine Kunden weiter. Cook stellte Fahrpläne zusammen, Prospekte, Broschüren, ja ganze Handbücher und druckte diese in den ersten Jahren auch selbst. Woher nahm er die Informationen? Sicherlich hat er einiges von den Bahngesellschaften übernehmen können, aber für Sehenswürdigkeiten an den Zielorten musste er andere Quellen nutzen. Das Buch macht hierzu leider keine Angaben, sagt auch nichts darüber aus, ob Cook einfach bei anderen „abschrieb“ (auch das Zusammenstellen von Informationen ist in diesem Zusammenhang als Leistung zu sehen) oder ob er eigenständig Texte verfasste. Von ihm während seiner Auslandsreisen verfasste Berichte wurden später in britischen Tageszeitungen abgedruckt.
Cook war zweifellos ein Mann mit einer Vision und aus einzelnen Zitaten hier und da im Buch lässt sich wohl schließen, dass ihm das Reisen selbst auch Freude machte, obwohl Altruismus sicherlich eine große Motivation für ihn war - viel verdient hat er mit seiner Tätigkeit nicht. Erst sein Sohn John Mason (1834-1899) hat, nach hartem Ringen gegen den Widerstand des Vaters, das Unternehmen wirklich erfolgreich gemacht.
Im Buch bleiben viele Fragen offen: die Schwierigkeiten mit dem ersten (betrügerischen) Geschäftspartner in den USA werden erwähnt, aber nichts wird dazu gesagt, wie Thomas Cook im Ausland Kontakte knüpfte (er sprach nur Englisch), wie er Partner und Agenten fand, nach welchen Kriterien er sie auswählte, wie das wachsende Unternehmen organisiert war, wie es Reisen (vor-) finanzierte und ausländische Partner bezahlte. Es werden im Buch zwar Preise für einzelne Reisen genannt (die Bahnfahrt im Jahr 1841 kostete die Temperenzler einen Shilling), aber es werden keine Vergleichszahlen genannt (Tageslohn, Kosten für Nahrungsmittel o.Ä.), sodass diese Angaben wenig aussagefkräftig sind. Die Zitate aus dem Englischen sind vom Autor meistens schlecht übersetzt (man merkt ihnen deutlich an, dass sie übersetzt wurden) und nachdem an einer Stelle „nearly threescore times“ (fast sechzigmal) mit „fast einhundertmal“ übersetzt wurde, habe ich Zweifel an der sachlichen Richtigkeit der Übersetzungen.
Die Zeittafel am Ende des Textes ist eine nette Idee, aber ich hätte es für sinnvoller gehalten, neben das Leben von Thomas Cook solche Zeitereignisse zu stellen, die etwas mit Reisen zu tun hatten oder sich auf die Reisen auswirkten (der schlesische Weberaufstand 1844 hat nun rein gar nichts mit dem Ausflug für Sonntagsschüler zu tun, die Cook in diesem Jahr organisierte).
Die zahlreichen Fußnoten stehen am Ende des Buches, aber die Bibliographie muss man sich aus dem Internet herunterladen, was ich lästig finde - hätte der Abdruck dieser sieben Seiten die Kosten unvertretbar erhöht, oder warum wurde auf die Bibliographie im Buch verzichtet? Ärgerlich finde ich auch, dass in den Fußnoten mitunter eine Zeitung mit Datum und Seitenangabe als Quelle genannt wird, aber nicht der Titel des Artikels und dessen Autor.
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