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Das neue Netz: Merkmale, Praktiken und Folgen des Web 2.0
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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 22. November 2011
Seit dem ersten Erscheinen des Buches 2009 hat sich viel getan im Web. In vielen Einzelheiten, so unter anderem, dass Anwendungen neu sich installieren, ehemals durchaus verbreitete Anwendungen und Orte im Netz aber ebenso einfach verschwunden sind.

Dem trägt die nun neue Auflage des Buches von Jan Schmidt Rechnung und aktualisiert seinen Darlegungen aus dem Jahre 2009. Auf dem neusten Stand wendet sich das Buch den Merkmalen, Praktiken und Folgen des Web 2.0 zu. Weiterhin, wie in der ersten Auflage, legt Jan Schmidt fundiert und einsichtig dar, wie sehr und wie weit das Internet in den letzten Jahren mit der Gesellschaft zusammengewachsen ist und sich ebenso eng mit Formen sozialer Organisation verbunden hat. So dass das Internet eine Form von 'vernetzter Individualität' und 'vernetzter Öffentlichkeit' zugleich darstellt. Eine Vernetzung natürlich mit Folgen. Zu Recht betont Schmidt dabei, dass hier letztlich weniger die 'Technik' des Net im Vordergrund steht, denn diese Technik wird ja von Menschen benutzt und in ihre Lebenswelt eingebunden. Das Internet 2.0 bildet somit, das ist die Grundannahme des Buches, zutiefst soziale Prozesse ab. So ist es folgerichtig, dass Schmidt den Begriff 'Social Web' der verbreiteten Bezeichnung 'Web 2.0' eindeutig vorzieht.

Im Aufbau des Buches begründet Schmidt zunächst diese Begriffswahl, beschreibt die grundlegenden Phänomene des Social Web und zeigt aktuelle, empirische Befunde zur Nutzung und Verbreitung der wichtigsten Anwendungsgattungen auf. In eine erste auswertende Tiefe dringt Schmidt im Folgenden vor, wenn er die Nutzungspraktiken des Social Web aus einer kommunikationssoziologischen Perspektive heraus untersucht (und betont hier unter anderem auch den 'Aufforderungscharakter' der Interaktion im Netz).

Herausgearbeitet werden sodann die drei wesentlichen 'Praktiken' der Nutzung des Internet. Identitätsmanagement, Beziehungsmanagement und Informationsmanagement.

Nach diesen grundlegenden Setzungen zieht Schmidt im zweiten Teil des Buches die Folgerungen aus der so erhobenen und differenziert dargestellten Betrachtung des Stauts Quo von Technik und Nutzung des Social Net. Folgen, die tatsächlich das Verständnis von den Grenzen zwischen 'Privat' und 'Öffentlich' in der modernen Gesellschaft verändern (nicht nur, wie durchaus bekannt, mit positiven Folgen für jene, die zuviel 'Privat' in die 'Öffentlichkeit' des Internet setzten). Zudem legt Schmidt eine konkrete Auswertung dieser Nutzungsweisen und sozialen Veränderungsprozesse für den Bereich der 'professionell bearbeiteten Öffentlichkeit' (hier zentral für den Journalismus und die politische Kommunikation) vor. Ein Feld, in dem eine Angleichung an moderne Kommunikationsformen langsam mehr und mehr Eingang findet.

Mit einem Blick auf zwei konkrete Anwendungsbereiche modernen Informationsmanagements im Net (Tagging und Wikipedie) rundet Schmidt seine Einlassungen ab.

Zusammenfassend stellt Schmidt als Ergebnis fest, dass das Social Net keine 'Revolution' im eigentlichen Sinne darstellt, sondern sich eher aus sich selbst heraus in die sozialen Bereiche 'hinein entwickelt' hat und einen 'technischen Rahmen' zur Verfügung stellt, der nun allerdings intensiv individuell ausgeformt wird und damit die technischen Hürden für das persönliche Management auf individueller, sozialer und informativer Basis senkt.

Jan Schmidt legt mit dem Buch eine differenzierte und fundierte, manches Mal sprachlich nicht einfach zu erfassende, Betrachtung vor allem der Nutzung des Social Web und der Folgen dieser Nutzung vor und zeigt auf, wie sehr sich das Internet als technisches Medium mit dem individuellen, dann aber auch gesellschaftlichen und politischen Leben bereits verzahnt hat. Eine Verzahnung, die jedem Nutzer sicherlich intuitiv deutlich ist, die aber in dieser Darstellung gerade auch die Folgen für die professionelle Arbeit in und mit dem Internet Impulse zu geben vermag. Für die professionelle Arbeit mit der Nutzung und Vernetzung des Social Web ist das Buch durchaus erhellend und zu empfehlen.
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Es war schon bei der ersten Auflage nicht die Absicht des Autors, mit dieser Publikation die Bestsellerlisten anzuführen. Dazu hätte es eine Sprache gebraucht, die sich weniger am Stil einer Dissertation orientiert und für Otto Normalverbraucher auch verständlich ist. Aber bei Jan Schmidt habe ich bei der Gesamtbewertung Stilfragen außer Acht gelassen. Denn ich fände es schade, wenn das jemanden davon abhalten könnte, sich mit dem spannenden Inhalt zu beschäftigen. Zudem kenne ich kein populärwissenschaftliches Buch, das sich so gründlich mit den Merkmalen, Praktiken und Folgen des Web 2.0 auseinandersetzt.

Das Inhaltsverzeichnis und die über 30 Seiten starke Literaturliste lassen vermuten, dass Jan Schmidt die Arbeit nicht allein leisten konnte. Und er dankt denn auch gleich im Vorwort seinem Projektteam für die Unterstützung, der Deutschen Forschungsgemeinschaft für die Förderung des Anliegens und dem Hans-Bredow-Institut in Hamburg für die Möglichkeit der Durchführung. Bei der Überarbeitung entschied sich der Autor für einen Mittelweg. Er aktualisierte Zahlen und Daten, passt URLs an, nahm Rückmeldungen von Rezensenten der ersten Auflage auf und widmete sich nochmals den Druckteufelchen.

Unaufgeregt widmet er sich der Frage, wie die Gesellschaft durch das Web verändert wurde und stemmt sich schon früh gegen den inflationären Gebrauch des Wortes "Revolution". Die beste Inhaltsangabe liefert übrigens der Autor selber, indem er im achten Kapitel "Ausblick: Zur Kritik des neuen Netzes" die Kernthesen seines Buches auf jeweils 140 Zeichen komprimiert und damit twittertauglich macht. Ein solches Highlight gibt natürlich denen Rückenwind, die ohnehin der Meinung sind, man müsse Wissenschaftler nur weniger Platz zur Verfügung stellen, wenn ihre Publikationen verständlich sein sollen.

Nach der Einleitung gibt der Autor einen geschichtlichen Überblick über die Entwicklungen im neuen Netz, beschreibt die Gattungen und Angebote, präsentiert die aktuellste Datenlage zur Verbreitung und Nutzung des Web 2.0, das er eigentlich lieber Social Web genannt haben möchte. Denn schließlich geht's ihm vor allem um die sozialen Beziehungen und nicht primär um die Technik.

Spannender, da für mich neuer, fand ich Jan Schmidts Analyse von Nutzungspraktiken. Und wer sich noch nie Gedanken zu den Regeln, Relationen und Codes gemacht hat, wird die grafischen Darstellungen schätzen. Die drei zentralen Social-Web-Praktiken stellt der Autor im vierten Kapitel vor. Es sind dies: Identitäts-, Beziehungs- und Informationsmanagement. Ohne dass sich diese immer sauber auseinanderhalten lassen. Danach stehen persönliche Öffentlichkeit und Privatsphäre im Zentrum von Schmidts Ausführungen. Die Lektüre des fünften Kapitels empfehle ich daher vor allem denen, die sich undifferenziert und oft sehr emotional zur Frage äußern, wo das Recht auf Anonymität seine Grenzen haben soll. Dass die öffentliche Diskussion über den Schutz der Privatsphäre weiterhin notwendig ist, zeigt eine 2009 durchgeführte Evaluation der Plattformen. Ergebnis: Nur acht Betreiber hatten alle Punkte der Selbstverpflichtung umgesetzt.

Im sechsten Kapitel geht es um die Erweiterung professionell hergestellter Öffentlichkeiten und damit auch um Journalismus, politische Kommunikation und Teilhabe. Tagging, Wikipedia und ganz allgemein der Umgang mit Informationen und Wissen sind dann Gegenstand von Schmidts letzten Untersuchungen, bevor er noch einen Ausblick wagt.

Mein Fazit. Jan Schmidt hat Soziologie studiert und sich früh kommunikationssoziologischen Fragen gewidmet. Dass er psychologischen Aspekten des Web 2.0 weitgehend aus dem Wege geht, finde ich zwar schade, aber richtig. Denn fehlt das wissenschaftliche Instrumentarium für eine solche Betrachtungsweise, sind wilden Spekulationen und persönlichen Glaubensvorstellungen Tür und Tor geöffnet. Empfehlen kann ich Jan Schmidts Buch allen, die sich vertieft mit den Folgen des Web 2.0 auf die Gesellschaft und die menschliche Kommunikation auseinandersetzen wollen. Und die sich an einer wissenschaftlichen Sprach nicht stören.
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