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5.0 von 5 Sternen Dorfleben
Wer glaubt, dass auf dem Land keine Verbrechen geschehen, wird in Theodor Fontanes Novelle eines besseren belehrt. Wer Schulden hat, am Kartenspiel hängt, nicht weiß, wie er das Geld zurückbezahlen soll, muss sich etwas einfallen lassen, will er sich nicht der Schande aussetzen. Und sei es ein Mord. Der geschieht früh in der Geschichte und im Verlauf...
Veröffentlicht am 16. September 2008 von Code

versus
2.0 von 5 Sternen Etwas zu sehr verkürzt
Die Audio-CD war ganz nett, aber für einen Fontane-Fan war es nicht das, was ich erwarte habe. Ganz einfach gesagt, hier wurde
zuviel verkürzt
Vor 4 Monaten von Klaus Kitzke veröffentlicht


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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Dorfleben, 16. September 2008
Rezension bezieht sich auf: Unterm Birnbaum (Broschiert)
Wer glaubt, dass auf dem Land keine Verbrechen geschehen, wird in Theodor Fontanes Novelle eines besseren belehrt. Wer Schulden hat, am Kartenspiel hängt, nicht weiß, wie er das Geld zurückbezahlen soll, muss sich etwas einfallen lassen, will er sich nicht der Schande aussetzen. Und sei es ein Mord. Der geschieht früh in der Geschichte und im Verlauf handelt Unter dem Birnbaum vor allem von der Gerechtigkeit. Kommt ein Mörder mit seiner Tat davon? Schafft man es, indem man sich verstellt, dass alle einen für unschuldig erklären? Fontane besaß den Blick und die Sprache, um mit spitzer Feder von dem Geschehen um Abel Hradschek und seine Frau zu berichten. Er besaß auch jenen feinen Humor, der sich am Ende zeigt, wenn es darum geht, wo man den Mörder begräbt, und man sich einig ist, dass die Seele der Kirche gehört, aber man den Menschen nicht verwehren kann, dass Kreuz mit dem Namen umzuwerfen, um eine späte Genugtuung zu erringen. Lug und Trug, ein Franzos, statt eines Polen unter einem Birnbaum, ein Freispruch und eine späte Gerechtigkeit, Theodor Fontane beschreibt seinen Kriminalfall variantenreich. Nicht von außen, indem er über das Dorf schreibt, vielmehr von innen, indem er die Bewohner zu Wort kommen läßt.
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20 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Fontane - vorgelesen: ein Genuss., 5. Januar 2000
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Unterm Birnbaum, 3 Cassetten (Hörkassette)
Fontanes Sprache und detaillierte Schilderungen sind ohnehin ein Genuss. Vorgelesen lässt sich das besonders angenehm aufnehmen. Ernst Bloch nannte ihn einen "halben Detektivroman" - Theodor Fontanes "Unterm Birnbaum". Akribische Milieuschilderungen, eine detailgetreue Psychologie, der unentschiedene Kampf zwischen Aberglauben, Religion und Aufklärung sowie eben der spannende kriminalistische Handlungsablauf - das sind die Hauptelemente und literarischen Vorzüge des Buches. Nicht vergessen sollte werden, dass Fontane auch ein Kindheitstrauma, den von einem Ehepaar geplanten Raubmord, mit in diese Geschichte integriert hat. Trotz all der genannten Vorzüge ist die Geschichte von der Literaturkritik seiner Zeit mehr getadelt als gelobt worden. Man war der Gattung Kriminalroman gegenüber allgemein kritisch eingestellt. Unstrittig ist, dass das Buch kein Hauptwerk Fontanes ist - wenn es auch zu seinen bekanntesten Schriften gehört. Wie so viele seiner Erzählungen, so beruht auch "Unterm Birnbaum", die Geschichte vom verscharrten Soldaten auf einer wahren Begebenheit, die T.F. ca. 12 Jahre vorher auf einer Reise, die er zusammen mit seiner Schwester unternommen hatte. Zunächst erschien die Geschichte - wie üblich - in der "Gartenlaube" vom Herbst 1885. Es erfuhr zahlreiche Bearbeitungen für Film und Hörspiel und gehört zum klassischen Kanon der Schullektüre. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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10 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Nicht nur ein Krimianlroman !!!, 6. Dezember 2002
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Unterm Birnbaum (Taschenbuch)
Wie der Titel dieser Rezension schon expliziert darf man den Roman "Unterm Birnbaum" nicht einfach als Kriminalroman klassifizieren. Ich bin mir ziemlich sicher, dass es nicht Fontanes Absicht war "einfach" einen Kriminalroman zu schreiben, der den Leser oder Zuhörer überwältigen und fesseln sollte (obwohl er es tut, denn für Spannung ist gesorgt).
Vielmehr handelt es sich (auch) um ein sozialkritisches Werk, dass die damaligen gesellschaftlichen Verhältnisse nicht nur darstellt, sondern mit einer leichten Ironie analysiert "...er war über seinen Stand hinaus nett...".
Fontane beleuchtet aber nicht nur die soziologischen Gegebenheiten, sondern auch die Einstellungen der Menschen zu Religion, Krieg und Aberglaube(Hexerei) und dies aus den unterschiedlichsten sozialen Positionen.
Zwei so unterschiedlicher Literaturgattungen (Kriminalroman + sozialkritischer Roman) in einem kleinen Büchlein kombiniert machen dieses Buch nicht nur spannend sondern auch historisch interessant.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Wie einem die begangene Missetat verfolgt und früher oder später einholt, 24. April 2010
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Unterm Birnbaum (Broschiert)
Einige bezeichnen dieses Buch als Krininal- oder Detektivroman. Zwar kommt ein Polizist vor, der führt aber keine eigentlichen Ermittlungen durch. Ich würde es schlicht als Novelle bezeichnen, die mich vom Stil her an Gottfried Keller erinnert mit ausgezeichneten, brillianten Beschreibungen von Personen, Gegenständen und Handlungen. Der Leser erhält einen Eindruck vom Leben im 19. Jahrhundert in einem Dorf am Oderbruch an der deutsch-polnischen Grenze. Die damalige Denkweise der Leute, ihr Respekt vor der Obrigkeit, das Kastendenken wonach ein Bauer mehr wert ist als ein Krämer werden präzise geschildert. Die Religionen, zuvorderst der Protestantismus, der als gereinigte Lehre gilt, der Katholizismus, aber auch Hexenglauben beanspruchen ihren Platz im Leben der Dorfbewohner.
Vor diesem Hintergrund begeht einer, zusammen mit seiner Frau als Helferin und Mitwisserin eine Gewalttat, um einer materiellen Notsituation zu entgehen. Das Verbrechen, gut geplant und raffiniert durchgeführt, wird zwar nicht direkt geschildert aber aus den einzelnen, geschickt eingeflochtenen Hinweisen erschliesst sich dem Leser der Tathergang. Der Verdächtige wird vorübergehend festgenommen, nur beweisen lässt sich das Verbrechen nicht. Im Gegenteil: der Täter versteht es sich den Dorfmitbewohnern als Mann von höchsten Tugenden darzustellen. Die Männer am Stammtisch in seiner Weinstube hält er mit allerlei Erzählungen bei Laune. Doch die böse Tat ist damit natürlich nicht ungeschehen gemacht. Hin und wieder treten hässliche Hinweise zu Tage, die sich gegen aussen zwar noch erklären lassen aber das vermeintlich ruhige Gewissen halt doch belasten. Schliesslich wird das Verbrechen nach Jahren aufgeklärt. Die beiden Täter stellen sich zwar nicht selbst, können aber den Folgen ihrer Tat nicht entkommen, werden von ihr eingeholt und decken das Verbrechen sozusagen selbst auf.
Fontane zeigt in dieser Novelle, dass sich ein Verbrechen wohl planen und entsprechend ausführen lässt, die Folgen auf das eigene Gewissen und Schicksal aber unabsehbar sind, ja das es nicht so einfach ist in ständiger Angst vor Entdeckung leben zu müssen und dauernd Vorkehrungen zu treffen um nicht überführt zu werden. Wenn dann noch Hexenglauben hineinspielt, man glaubt zwar nicht daran, aber wann weiss ja nie.

Einzelnen Personen belässt Fontane in seiner Novelle den nicht immer leicht verständlichen niederdeutschen Dialekt. Hier wären wohl ein paar Anmerkungen mehr oder ein Glossar mit Dialektausdrücken am Platz.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen "Armut ist das Schlimmste, schlimmer als der Tod", 13. Oktober 2013
Rezension bezieht sich auf: Unterm Birnbaum (Taschenbuch)
Der Titel von Theodor Fontanes Novelle ‚Unterm Birnbaum’ lässt den Leser nicht erahnen, dass es sich um eine mit Lokalkolorit und Mundart gewürzte Kriminalgeschichte handelt, die auch Platz lässt für Spukgeschichten und ländlichen Aberglauben.

Fontane führt den Leser an den Oderbruch, genauer gesagt in das „große und reiche Oderbruchdorf Tschechin“. Hier macht ihn der Autor mit dem Besitzer des „Gasthaus und Materialwarengeschäfts“ Abel Hradscheck und seiner Frau Ursel bekannt. Wir schreiben den Spätsommer 1831 und der Gastwirt spaziert nachdenklich durch seinen Garten, in dessen Mitte ein alter Birnbaum mit reifen Früchten, Malvesierbirnen, steht, „… als er, am Ende des Gartens angekommen, sich umsah und nun die Rückseite seines Hauses vor sich hatte. Da lag es, sauber und freundlich … Der kaum vom Wind bewegte Rauch stieg sonnenbeschienen auf und gab ein Bild von Glück und Frieden. Und das war alles sein! Aber wie lange noch?“.

Das Bild ist trügerisch, denn den Gastwirt belasten finanzielle Sorgen. Seiner Frau gesteht er: „Ich weiß nicht aus noch ein und habe Sorgen über Sorgen“. Ursel, eine vornehme, hochmütige, aber auch sehr gläubige Frau, fürchtet sich nur vor einem: „Armut ist das Schlimmste, schlimmer als der Tod, schlimmer als …“. Damals, als Ursel allein gelassen mit einem Kind, vom Vater nicht aufgenommen wurde, rettete sie Abel aus der misslichen Notlage: „… weil ich Mitleid mit dir hatte … weil ich dich liebte …“. Eine Parallele zu Fontanes Werk ‚Frau Jenny Treibel’ ist erkennbar: Beide Frauen stammen aus einfachen Verhältnissen und haben Angst vor dem Rückfall (“Ich bin jetzt aus dem Jammer heraus, Gott sei dank, und ich will nicht wieder hinein“) bzw. schauen herablassend auf rangniedrigere Personen (im Falle von Jenny Treibel). Doch der Liebeszauber ist verfolgen; die (Stief-)Kinder sind gestorben und zurück bleibt eine frustrierte Frau und ein trunksüchtiger Wirt, der sein Geld verspielt.

In dieser Notlage findet Abel Hradscheck unter dem Birnbaum seines Gartens das Skelett eines vor langer Zeit Verstorbenen und hat den zündenden Einfall. Dass ein unschuldiger Mensch für Abels Rettung mit dem Leben zahlen muss, stört ihn zunächst nicht: „Ich denke, leben ist leben, und tot ist tot. Und wir sind Erde, und wird wieder Erde. Das andere haben die Pfaffen sich ausgedacht. Spiegelfechterei, sag ich, weiter nichts. Glaube mir, die toten haben Ruhe.“ Doch die Tat liegt wie ein Fluch über dem Hause der Hradschecks. Die Frau stirbt. Als sich die Hausangestellten weigern, in den Keller zu gehen („Et spökt – Es spunkt“) und auch Nachbarin Jeschke, der man Zauberkünste nachsagt, Spukgeschichten verbreitet („De Franzos is rutscht - Der Franzose, d.h. das Skelett ist in den Keller gerutscht“), befällt den „beständig zwischen Aber- und Unglauben“ schwankenden Abel Hradscheck die Angst: Die Leiche muss aus dem Keller. Doch Fontane lässt Gerechtigkeit walten und der Herrgott ruft seinen Sünder zu sich. Der Tote wird „ohne Sang und Klang“ auf dem Gottesacker verscharrt und teilt das Schicksal des Ermordeten und des „Franzosen“ unter dem Birnbaum.

Mit Theodor Fontane verbindet man liebevoll detaillierte Beschreibungen seiner norddeutschen Heimat. Die Novelle ‚Unterm Birnbaum’ bietet hierfür nur selten Platz, doch hin und wieder schiebt der Dichter retardierende Momente ein, um dem Leser eine willkommene Pause zu gönnen: „Das alles war Mitte März gewesen, und vier Wochen später, als die Schwalben zum ersten Male wieder durch die Dorfgasse hinschossen, um sich anzumelden und zugleich Umschau nach den alten Menschen und Plätzen zu halten …“. Andererseits bricht Fontane in seinen Schilderungen oft kurz vor dem entscheidenden Moment ab und hält dadurch den Spannungsbogen aufrecht und gibt dem Leser Raum für eigene Interpretationen (z.B. beim Tod des Protagonisten).

Auch wenn die Novelle nicht zum Hauptwerk Fontanes zählt, lohnt die Lektüre.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ick wet joa: de Giebelstuw'..., 8. Mai 2013
Rezension bezieht sich auf: Unterm Birnbaum (Broschiert)
Es beginnt so, wie gediegene Kriminalromane zu beginnen pflegen: Zum nicht allzu vorbildlichen Ehepaar Abel und Ursel Hradscheck, Besitzer eines hoffnungslos überschuldeten Kramladens mit angeschlossenem Gasthaus, kommt ein höchst unwillkommener Besucher, nämlich der Beauftragte ihres Hauptgläubigers. Leichtsinnigerweise übernachtet er bei den Hradschecks; dieses widerwärtige Novemberwetter im Oderbruch aber auch... Bleibt tags drauf die Frage: Wo ist die Leiche?
Ein stimmiger Lokalkrimi mit exakt recherchiertem historischem Hintergrund, dessen Haupt- und Nebenfiguren unverwechselbaren Charakter haben. Wieder einmal zeichnet Fontane hier mit Worten. Diesmal breitet er ein Bild aus von einem Dorf im Oderbruch Mitte des 19. Jahrhunderts -- nicht weit entfernt von Berlin, merkt man irgendwann verblüfft, denn diese Tetschiner leben in einer völlig anderen Welt. Die verschiedenen Charakterköpfe, die man so nach und nach mit all ihren Verschrobenheiten genau kennenlernt, dazu die Dorfgemeinschaft, die sich aus der Nähe betrachtet als nicht so idyllisch entpuppt, wie uns einige zeitgenössische Gemälde zu erzählen scheinen -- all das erzählt Fontane kurz und doch detailliert. Diese präzisen Milieuschilderungen lesen sich ebenso spannend wie die "eigentliche" Krimihandlung von "Unterm Birnbaum" -- mindestens ebenso spannend.

"Unterm Birnbaum", das ist aber auch ein Krimi, in dem einem der Mörder sogar manchmal irgendwie bekannt* vorkommt. Dabei mordet er kaltschnäuzig, als sich ihm die unerwartete günstige Gelegenheit bietet, und beinahe wäre ihm das kriminelle Versteckspiel gelungen. Und gewiss ist er kein Sympathieträger: Er spielt und säuft ("trinkt" wäre allzu höflich formuliert), und verschlagen ist er obendrein. Aber von dieser Sorte gibt's viele, die deswegen noch lange niemanden umbringen... Was seine Gattin und Komplizin angeht: Sie hat zwar ein Gewissen, aber kein unüberwindbares.
Liest man genau, wie Fontane uns die Dorfbewohner ausführlich und geschickt aus verschiedenen Perspektiven vorstellt (genauer gesagt: den Dorfbewohnern Gelegenheit gibt, sich uns nach und nach von allen Seiten vorzustellen, ohne es zu merken), so beginnt man zu grübeln: Unterscheidet sich dieser Abel Hradscheck tatsächlich von den meisten anderen? Vom Ölmüller Quaas oder Pastor Eccelius, vom Ladenjungen Ede, Dorfschulzen Woytasch und vielen anderen? Eine Milieuschilderung der Spitzenkategorie, wie gesagt.

Der Leser-Verblüffung noch immer kein Ende: Man ahnt schon, noch bevor es richtig losgeht, dass da metaphorische Gewitterwolken über dem Oderbruch-Dorf Tschechin hängen, noch während der Inhaber des Gasthauses und Materialwarengeschäfts Hradscheck wie jeder andere seines Standes einen Wagen Rapssäcke verkauft. Man ahnt es noch mehr, wenn man zum ersten Mal ihn und seine Gattin näher kennenlernt -- ein vertrackt ineinander verliebtes (im weitesten Sinne des Wortes) Ehepaar, mit tausendundeinem Missverständnis zweier höchst verschiedener Charaktere, und außerdem haben sie beide in jungen Jahren nicht ganz das getan, was dem Anstand entsprochen hätte. Sie unterscheiden sich und hängen doch aneinander, und vor allem unterscheiden sie sich, wenn's drum geht, gute Nerven zu bewahren -- so scheint es zunächst.
Wie Fontane das alles anhand von Kleinigkeiten ausbreitet, das allein schon fesselt. Man hat die Szene stets vor Augen, und zwar bis in die kleinste verhutzelte Malvasierbirne (auch "Franzosenbirne" genannt -- den handfesten Grund für die ehrerbietige Umbenennung erfahren wir bald).
Die eigentlich absehbare Handlung fesselt also, und ebenso fesselnd sind all die Details. Erstrecht fesselt ihr Ergebnis: Eine treffsichere Milieuschilderung, dazu all diese Charakterköpfe... und dann die feinziselierten Haupt- und Nebenhandlungen, inclusive dem zwischenzeitlichen Irrweg des Lesers in Sachen "Wo haben sie die Leiche verscharrt?".
Freilich ist "Unterm Birnbaum" kein Whodunnit: Wer da mit welchem Mordmotiv den Herrn Szulski aus Krakau (vor dem Polnischen Aufstand 1831 hieß er "Schulz" -- Fontanes Frotzeleien sind feinziseliert) gemordet hat, und wie die Hradschecks den Mord inclusive Alibi ausbaldowert haben, das ist dem Leser längst klar, während vor Ort allenfalls die alte Jeschke, "die alte Hex'", mysteriöse Zusammenhänge orakelt und das Entscheidende für sich behält.

Wem's freilich schwerfällt, Plattdeutsch zu verstehen, dem dürfte das Lesen von "Unterm Birnbaum" schwerfallen. Denn das sollte man schon lesen können, was da alles geredet und gemauschelt und gemunkelt und laut oder leise gedacht wird, und sich die Sprecher vorstellen und vor allem den mitunter höchst doppelbödigen Plausch genießen können. Fontane lässt sie ausgiebig zu Wort kommen, die Haupt- und Nebenfiguren, und zwar so, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist. Dafür lernt man so nebenbei viele schöne neue bzw. alte Wörter: Tüffeln, kumpafel, Trumeau... und noch so einige. In den Anmerkungen werden sie zum Glück übersetzt. Ein klein wenig Geschichtsunterricht gibt's gratis dazu, insbesondere in Sachen Polnischer Aufstand 1831.
Zwar geizt der Anmerkungsapparat der Reclam-Ausgabe mit hochdeutschen Übersetzungen ganzer plattdeutscher Sätze, aber vermutlich wären Sätze wie dieser "übersetzt" auch nur halb so schön: "Joa, blot Se, Herr Szulski. Na, nu geihen's man in de Stuw'. Un dat Felleisen besorg ick. Un will ook glieks en beten wat inböten. Ick wet joa: de Giebelstuw', de geele, de noah de Kegelboahn to." Sätze dieser Art in dieser Sprache liest man viele. Und es macht Spaß, sie zu lesen, wenn man nur ein wenig Gespür dafür hat. So unverständlich ist diese eng mit dem Deutschen verwandte Fremdsprache nämlich garnicht. Bevor ich's vergesse: Die "Giebelstuw'" wird am Ende noch eine wichtige Rolle spielen, und ebenso ihr architektonisches Gegenstück...

* Nein, ich kenne keine Mörder. Hoffentlich nicht.
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6 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Spannend und wirklich klassisch., 13. Januar 2000
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Unterm Birnbaum (Taschenbuch)
Ernst Bloch nannte ihn einen "halben Detektivroman" - Theodor Fontanes "Unterm Birnbaum". Akribische Milieuschilderungen, eine detailgetreue Psychologie, der unentschiedene Kampf zwischen Aberglauben, Religion und Aufklärung sowie eben der spannende kriminalistische Handlungsablauf - das sind die Hauptelemente und literarischen Vorzüge des Buches. Nicht vergessen sollte werden, dass Fontane auch ein Kindheitstrauma, den von einem Ehepaar geplanten Raubmord, mit in diese Geschichte integriert hat. Trotz all der genannten Vorzüge ist die Geschichte von der Literaturkritik seiner Zeit mehr getadelt als gelobt worden. Man war der Gattung Kriminalroman gegenüber allgemein kritisch eingestellt. Unstrittig ist, dass das Buch kein Hauptwerk Fontanes ist - wenn es auch zu seinen bekanntesten Schriften gehört. Wie so viele seiner Erzählungen, so beruht auch "Unterm Birnbaum", die Geschichte vom verscharrten Soldaten auf einer wahren Begebenheit, die T.F. ca. 12 Jahre vorher auf einer Reise, die er zusammen mit seiner Schwester unternommen hatte. Zunächst erschien die Geschichte - wie üblich - in der "Gartenlaube" vom Herbst 1885. Es erfuhr zahlreiche Bearbeitungen für Film und Hörspiel und gehört zum klassischen Kanon der Schullektüre. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Hörbuch, 3. Oktober 2012
Von 
Villette - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Fontane: Unterm Birnbaum (Audio CD)
Diese Hörbuchfassung von "Unterm Birnbaum" umfasst drei CDs und wird vom unvergesslichen Meister Gert Westphal gelesen. Der Mann hat seine Kunst mehr als beherrscht und bietet einen großen Hörgenuss. Selbst die plattdeutschen Stellen gibt er authentisch wider. Leider ändert das nichts an der Tatsache, dass Menschen, die des Plattdeutschen nicht mächtig sind, von Zeit zu Zeit Verständnisprobleme bekommen. Hinzu kommt ein kleines Tonproblem. Gert Westphal wird manchmal sehr leise beim Lesen, wenn er beispielsweise zu verheimlichende Gedanken liest. Wenn man die verstehen möchte, werden viele andere Stellen viel zu laut. Man muss also konzentriert zuhören.

Was die Geschichte angeht, so nimmt sie sich wirklich Zeit. Es braucht erstmal eine ganze CD, bis man überhaupt eine Ahnung davon bekommt, dass es sich um eine Kriminalgeschichte handelt, wie der Untertitel es verspricht. In der Zwischenzeit lernt man Land und Leute kennen und hört so manche sympathische Geschichte über sie. Und dann verunglückt plötzlich ein Geldeintreiber auf dem Rückweg nach Polen. In die Oder soll er gefallen sein, aber außer einem Teil seiner Kleidung findet man nichts. Es dauert nicht lange, bis das kleine Dorf an Sabotage glaubt und einen Schuldigen zu finden meint. Dorfklatsch und Rufmord breiten sich aus, Freunde werden zu Verrätern, aber wer zu letzt lacht, lacht am besten, denkt sich der Beschuldigte ganz ruhig. Mehr sollte man hier gar nicht verraten.

"Unterm Birnbaum" ist eine kleine, nette Geschichte mit vielen kauzigen Figuren. Sprachlich ist sie äußerst gelungen. Zu Fontanes Meistererzählungen gehört sie aber nicht.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein fast perfektes Verbrechen, 8. Dezember 2011
Von 
callisto (Freiburg) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Unterm Birnbaum (Kindle Edition)
1831. Tschechin ein Dorf im Oderbruch 9 Meilen von Berlin entfernt. Abel Hradscheck, Wirt und Kramwarenladenbesitzer ist überschuldet, teils wegen seiner Spielsucht, teils wegen der hohen Ansprüche seiner Frau. Sein Hauptgläubiger Szulski drängt nun auf sofortige Begleichung der Schuld aufgrund der prekären politischen Lage in Polen. Nun ist guter Rat teuer, wollen Abel und Ursel Hradscheck nicht alles verlieren, was sie sich über die Jahre aufgebaut haben. Die beiden ergreifen daher verzweifelte Maßnahmen und spinnen einen perfiden Plan.

Fontane verfasste die kleine Kriminalgeschichte 1883 - 1885. Fontane und Kriminalgeschichte, wie passt das zusammen? Es handelt sich nicht um eine Kriminalgeschichte im klassischen Sinne, hier wird die Tat aus Sicht der/der Täter erzählt inklusive Planung und Vertuschung des Verbrechens und der Aufklärungsversuche der örtlichen Polizei.
Betrachtet man diese Geschichte als klassischen Krimi, so wirkt sie gehetzt, die Ausarbeitung ein wenig schlampig und nicht stichhaltig. So fragt sich der erfahrene Krimileser, warum Abel Hradscheck die Leiche nicht zusammen mit dem Wagen im Wasser entsorgt? So hätte es das Problem mit der verschwundenen Leiche nie gegeben, man hätte beim Mord nur darauf achten müssen Szulski so zu erschlagen, dass es als Kutschunfall durchgegangen wäre, die Forensik war ja noch in den Kinderschuhen. Das Verwirrspiel, dass Hradschek und seine Frau ersonnen haben, mit dem Franzos und den Specksaiten hingegen ist durchaus gelungen und schafft ihm die neugierige Nachbarin von Hals indem sie diskreditiert wird, da könnte sich noch so mancher moderner Krimi ein Beispiel dran nehmen.
Ein fast perfektes Verbrechen, wenn da nicht doch jemand zum Schluss kalte Füße bekommen hätte und eine ungewöhnliche, durchaus gelungene (Kurz-)Geschichte für Fontane.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Mit spitzer Feder, 29. Mai 2011
Rezension bezieht sich auf: Unterm Birnbaum (Broschiert)
Der Kaufmann Hradschek gerät durch Ungeschick und Spielleidenschaft in Geldnöte, die er durch einen wohlüberlegten Mord überwindet. Gemeinsam mit seiner Frau gelingt es ihm Zeit seines Lebens, den Verdacht von sich abzuwenden. Leider verkraftet seine Frau die drückende Schuld nicht, siecht dahin und stirbt schließlich. Er selbst fährt fort, sein Leben zu genießen.
Mit spitzer Feder zeichnet Fontane die Charaktere der Dorfbewohner und stattet den Mörder mit gemütlichen, verständlichen Zügen aus. Gerade diese legere Distanz gibt dem Werk seine Schärfe. Obwohl Fontane nur in Andeutungen spricht, weiß der Leser um die Tat. Trotzdem bleibt dieser Krimi spannend bis zum Schluss. Grausig und meisterhaft.
Einziger Nachteil: Der Dialekt, in dem die Dialoge geschrieben sind, ist, zumindest für mich, kaum verständlich.
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Unterm Birnbaum
Unterm Birnbaum von Theodor Fontane (Audio CD - 13. Mai 2013)
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