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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Friedliche Ostergroteske, 27. April 2008
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Ostergeschichte (Gebundene Ausgabe)
Der Tag des orthodoxen Osterfest ist der richtige Zeitpunkt, um über Robert Gernhardts "Ostergeschichte" zu sprechen.

1986: Peter Maski, Redakteur des "Wetzlaer Tagblatts", sitzt in einer Segafredo-Bar nahe der Piazza Navona in Rom. Gerade war er von einem Unbekannten zu Prosecco eingeladen worden. Der Herr ließ in seinem seltsamen Deutsch die Umlaute weg und sprach ihn mit "mein Sohn" an. Es stellte sich heraus, dass es sich um niemand Geringeren als Papst Wojtila in Personam handelte, der am Ostersonntagabend dem Duckmäuserreich des Vatikans entflohen war, um die Meinung eines Mannes aus dem Volk über seine Ostermesse zu hören. Freilich hätte er lieber Bier oder Wodka getrunken, aber so wurde es ein Glas Prosecco nach dem anderen. Das mache jedoch keine große Fahne und siehe da: Der Mann, der die Welt im Glauben seiner Unfehlbarkeit lassen muss, besitzt jede Menge Selbstironie. Maski erfährt, welche Rolle "Ratte" Ratzinger damals wirklich spielte. Er sinniert darüber, welchem Magazin er die Geschichte verkaufen könne, vermutet aber am Ende nicht zu unrecht, dass nicht mal seine Frau ihm die Sache abkaufen werde.

Gernhardt erzählt die Begebenheit stilistisch wunderbar und mit der für eine Groteske notwendigen Ernsthaftigkeit. Vielleicht hätte man aus der Geschichte noch etwas mehr machen können, aber der Inhalt ist stimmig und friedlich. Ganz im Gegensatz zur "wahren" Ostergeschichte.
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1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Prosecco oder Papst?, 9. Februar 2009
Rezension bezieht sich auf: Ostergeschichte (Gebundene Ausgabe)
Ein Journalist aus der Provinz wird von seiner katholischen Gattin zum österlichen "urbi et orbi" mitgeschleppt, und nun hat er am Abend doch noch eine offene Bar gefunden, um die ganze Kultur ein wenig besser verdauen zu können. Da kommt noch ein weiterer Gast, dessen Gesicht ihm irgendwoher bekannt vorkommt, und lädt ihn zu einem Glas Prosecco ein. Und noch'n Prosecco, und noch einer... Man kommt ins Gespräch, der fremde ältere Herr mit dem gutturalen Akzent und den Schwierigkeiten bei der Aussprache deutscher Umlaute redet den verdutzten Journalisten mit "Mein Sohn" an, wartet auch mit weiteren ungewohnten Wendungen auf -- und entpuppt sich als der Papst Johannes Paul II. Der will verständlicherweise auch mal seine Ruhe haben und betritt inkognito die Eckkneipe aus nachvollziehbaren Gründen nicht in vollem Ornat, lässt sich lieber mit "Karol" anreden, und den Prosecco bechert er nur deswegen, weil er ja schlecht mit einer Fahne in den Vatikan zurückkommen kann; Bier und Wodka wären ihm lieber... Überhaupt, dieser Beruf! Karol ist schwer am Jammern, aber was will er machen, er hat ja "nichts Vernünftiges gelernt", und überhaupt: "Wann komme ich als Pole nochmals so gunstig nach Italien?"
Karol überra... pardon, uberrascht ohnehin mit einem bemerkenswert legeren Umgangston: "Nun verrate mir mal bitte, was an dieser Predigt gut war!", will er wissen. "Diese ganze Unfehlbarkeitskiste hat doch der ganze Klungel ausgekungelt", lästert er sodann, und überhaupt zieht er mal so richtig vom Leder. Vor allem der Ratzinger geht ihm schwer auf die Nerven, an dem lässt er kein gutes Haar... (ward Gernhardt da mit der Gabe der Prophetie beschenkt?)
Man plaudert über Sponsoren, deren werbetragender Zeppelin dem Ostersegen etwas unangemessen Profanes beimengt, über die sprachliche Fehlbarkeit des Heiligen Vaters in bezug auf die Segnung in fremden Zungen, über die Weltpolitik... und über all das halt, was man so in der Kneipe beredet unter Männern.
Aber nachdem sich der fidele Karol verabschiedet hat, erwartet den Herrn Maski eine unangenehme Überr... pardon, Uberraschung.

Die Idee allein schon hat was; naheliegend wie sie ist, kam außer Gernhardt wieder mal keiner drauf... Zum Glück kam der Gernhardt drauf, denn der machte daraus keinen dicken Wälzer, sondern eine kleine fidele Erzählung, die nicht so unschuldig ist, wie ihr lockerer Ton vorspiegelt. Im Gegenteil; da lässt er sein ganzes sprachliches Können mit derselben Vehemenz von der Kette wie Karol seine Tiraden wider "die Vatikan-Klungel" im Allgemeinen und Ratzingern im Besonderen.
Es sind die kleinen sprachlichen Feinheiten, die man fast überliest: Karol Wojtylas Akzent hat Gernhardt dermaßen gekonnt hingekriegt, dass man ihn leibhaftig reden hört, und dass er den salbungsvollen Tonfall in beste Kneipen-Lästerei unter Männern verfrachtet, pfeffert den Witz noch zusätzlich. Hingegen lässt er den nicht mal katholischen Journalisten beim Rekapitulieren der sonderbaren Begegnung in liturgischen Singsang fallen, "nachdenklich blätterte Maski in seinen Notizen", "unschwer erkannte Maski", "angestrengt versucht er"...
Und dann auch noch, "weil's so schön war", diese kleine Anspielung auf Paulus' Mahnung an die Apatschen ("Ihr sollt nicht nach der Predigt klatschen"), wenn Karol sich über den Applaus nach der Osterpredigt mokiert (dabei war die Predigt doch wirklich kein Knaller)...
Dass das Buch nicht nur verlockend schmal ist, sondern auch noch verlockend anzuschauen, illustriert vom Dichter -- nun, das dürfte ein weiteres Argument sein.

Aber Gernhardt wäre nicht Gernhardt, hätte er diese etwas andere "unerwartete Begebenheit" nicht hintersinnig unterfuttert; diesmal mit einer Variation über Russells Paradoxon*:
Wie ist das zu verstehen, dass der leibliche Papst sein Auftauchen implizit nicht nur durch die Unwahrscheinlichkeit seines Auftauchens beweist, sondern obendrein auch noch seine Unfehlbarkeit durch seine juristisch relevante Fehlbarkeit?
Da hat nicht nur die nächtliche Kneipenbekanntschaft dem Herrn Maski einen Streich gespielt, sondern auch noch der Dichter dem verdutzten Leser: Wer war das? Der Prosecco, oder doch der Papst?

*Russells Paradoxon: Wer rasiert den Barbier, der alle rasiert, die sich nicht selber rasieren, aber sonst keinen?
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1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Dieser Schlingel!, 16. März 2008
Rezension bezieht sich auf: Ostergeschichte (Gebundene Ausgabe)
Hätte er das gewusst, dass er mit diesem Büchlein double-bashing betreibt, es wäre ihm vermutlich ein noch grösseres Vergnügen gewesen.Den aktuellen Papst 1986 und den künftigen ( als Ratte tituliert) in einer Geschichte, die dem Satiriker angemessen ist. Der hat ja keine Kleider an. Das rufen diejenigen, den nichts heilig sein darf- das ist ihr Beruf. Je heiliger, desto grösser die Fall-Höhe durch Satire.
Ein Papst, der am Tresen seine Prosecco-Gläser leert ( und natürlich nicht bezahlt, den welcher Papst hätte schon Geld in der Tasche?) und dabei über die Last seiner Rolle und die deutsche Grammatik stohnt ( die Umlaute geben ihm dem Rest).
Wie das nicht selten ist, sind Satiriker im Kern Moralisten und beziehen die Kraft zur Satire aus dem der moralischen Verzweiflung.

Klar, ein Papst kann nicht in der Osterbotschaft die Amerikaner kritisieren, wenn in der ersten Reihe der amerikanische Aussenminister mit seiner katholischen Frau sitzt.

Einen Umstand, den Hochhuth mit der Keule angreift( Der Stellvertreter), spiesst der Schlingel Gernhardt mit stilistisch geschliffenen Florett auf. Es ist die gleiche Sache: wie moralisch ist denn eine moralische Instanz ? Wie sehr ist dies Inscenierung oder wirkliches Anliegen ?

Das wird natürlich nicht diskutiert, sondern als Unbehagen des Karol ausgebreitet.

Wer weiss, was den Papst hinsichtlich seiner Rolle bewegt ? Das leichte, freche Bändchen des Herrn Gernhardt wird der jetzige Oberhirte sicher nicht zur Hand nehmen, so schlecht, wie er da wegkommt.

Vielleicht sitzt Gernhardt auf Wolke 6,5 und denkt: so war es aber auch nicht gemeint, Herr Ratzinger ?
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12 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Anders als erwartet!!, 9. April 2001
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Ostergeschichte (Gebundene Ausgabe)
Obwohl das Buch mit Ostern eigentlich nichts zu tun hat, wird es sicher ein schönes Ostergeschenk werden!!! Zur Handlung: Ein Mann trifft zufällig den Papst bei einem Prosecco in einer Eckkneipe in Rom, und hört ihn mal das reden, was er wirklich denkt. Für jeden, der meint, Menschen an ihrer öffentlichen Präsens erkennen zu können!!! Ein liebevoll, heiteres und wunderschönes Buch, dass ideal für alle Altersklassen ist!!
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Ostergeschichte
Ostergeschichte von Robert Gernhardt (Audio CD - 10. Februar 2010)
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