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am 23. August 2009
Uwe Tellkamp. Der Turm

Trotz des enormen Umfangs habe ich das Buch ganz (mit ein paar Ausnahmen, wo die mir zu anspruchsvolle Syntax mich vor die Wahl stellte, eine Passage dreimal zu lesen oder zu überspringen) und meist auch gerne gelesen, teile aber dennoch die Meinung einiger Kritiker, dass einige Kürzungen gutgetan hätten. Tellkamp ist gelegentlich der Versuchung erlegen, zu viele Anekdoten und Ereignisse, die ihm für sein Thema relevant erschienen (es für sich genommen auch sind) in seinen Roman einzubauen, ohne sie jedoch handlungsmäßig integrieren zu können. Ich denke z.B. an den Verteidigungsminister und sein urologisches Problem, an die Wiedereröffnung der Semperoper, an die Episoden mit Arbogast und seinem Institut oder auch an die Besuche Menos bei Schriftstellern und Mitgliedern der Nomenklatur, wo der Lesegenuss wohl doch eher auf Insider beschränkt ist, die die realen Vorbilder kennen und hier ihre Freude an der manchmal satirisch zugespitzten Darstellung haben.
Insgesamt gewinne ich den Eindruck, dass Tellkamps Talent nicht wirklich das eines genuinen Romanschriftstellers ist. Konstitutive Elemente eines Romans wie Figurendarstellung und Handlungsentwicklung sind oft erstaunlich schwach. Die an Christian interessierte Reina hat plötzlich eine Affäre mit dessen Vater? Christians Mutter schläft mit Rechtsanwalt Sperber, damit dieser sich Christians Sache annimmt? Wie unmotiviert! Zu viele der eingeführten Figuren bleiben ganz blass; selbst Meno, nach Christian die andere Zentralfigur im Roman, ein Mann, dessen in auch Tagebucheinträgen und Gedankenfragmenten vermittelte Sicht der Dinge wir doch offensichtlich teilen sollen, wird insgesamt nicht plausibel entwickelt. What makes him tick? Über das Scheitern seiner Ehe (ein totes Motiv) oder über die Entwicklung seiner (und der seiner Schwester) Abwendung vom Kommunismus hätte ich mehr erfahren wollen.
Ein letzter Kritikpunkt: Die Sprache in den die Handlung vorantreibenden Dialogen erscheint mir oft platt, banal, hölzern. Ganz im Gegensatz dazu stehen dann aber die Beschreibungen, in denen die Sprache treffend und vielschichtig, außerordentlich assoziations- und bilderreich, gelegentlich freilich auch etwas mythisch raunend und gewollt schwierig daherkommt, z.B. in den Passagen, in denen eine quasi halluzinatorische Phantasie das Fließen des Flusses und der Zeit mit Bedeutsamkeit aufladen und auf eine höhere Ebene transportieren will.
Was mich für diese Schwächen entschädigt hat, war die überaus konkrete, durch Detailkenntnisse beglaubigte, absolut authentische wirkende Schilderung einer Epoche, die gewiss zukünftigen Historikern als Fundgrube dienen wird. Viele Schwächen im Leben der DDR waren mir zwar bewusst, in dieser Krassheit haben sie mich aber doch überrascht. Die allgegenwärtige Zerstörung der Umwelt, der durchgängige Verfall der Dinge, der Institutionen, aber auch der moralischen Beziehungen waren wohl viel weiter fortgeschritten, als es den meisten im Westen klar war. Obwohl ich z.B. von der desolaten Situation im Bitterfelder Chemiegebiet gehört und gelesen hatte, kam für mich die Beschreibung der Zustände in der Karbidfabrik als Schock. Allen, die in den 60er Jahren im Westen aufgewachsen sind, waren die Widersprüche des Kapitalismus nur zu offensichtlich; dass die (ganz anders gearteten) Widersprüche des Kommunismus so viel stärker waren, haben wir nicht gewusst. Wer den Turm gelesen hat, versteht, warum die DDR so (scheinbar) schnell und für uns unerwartet nicht nur untergehen konnte, sondern untergehen musste. Wo gäbe es ein ähnlich aufschlussreiches Werk über die NS ' Zeit?

Jochen Menge, 17.8.2009
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am 2. März 2009
Ich war auf diesen Roman gespannt - nicht nur, weil ich in der Nähe von Dresden aufgewachsen bin und den sozialen Rahmen der Handlung zumindest oberflächlich kenne. Dazu war ich in der beschriebenen Zeit so alt wie Christian, eine der Hauptfiguren, und habe so viele seiner Stationen zeitlich parallel erlebt: EOS, Abitur, dreijährige Armeezeit, Ende der DDR. Nach einer anstrengenden bis quälenden Lektüre bin ich mit Uwe Tellkamps "Der Turm" eher unzufrieden. Dieses Buch ist nicht der erwartete Gesellschaftsroman sondern leider nur eine starre, schrullige und gelegentlich größenwahnsinnige Beschreibung eines bestimmten Dresdener Kleinbürgermilieus. Mir kommt es vor wie eine Art gigantisches Selbstgespräch, mit dem der Autor seine Jugendjahre reproduziert.

Dieser "Turm" ist trotz seiner Detailverliebtheit abweisend; er erzählt keine große Geschichte, an deren Handlung und Figuren man Anteil nimmt. Das liegt vor allem an den drei Hauptfiguren des Romans: neben Christian (offensichtlich Tellkamps alter ego) sein Vater Richard und sein Onkel Meno. Jeder hat auf seine Weise bestimmte Konventionen extrem verinnerlicht, erscheint borniert und unbeweglich. Man kann als Leser zu ihnen kein Verhältnis aufbauen; sie bleiben während der gesamten Handlung stets distanzierte Fremde. Speziell die Figur des Christian wirkt so blass, verklemmt und unverständlich. Sie erzeugt keine Neugier und kann einen nicht durch den Roman führen. Ähnlich ergeht es mir mit Meno, diesem zwanghaften Nischen-Intellektuellen, der seine Unfähigkeit zu leidenschaftlichen Gefühlen im Buch immer wieder mit seitenlangem Gesülze kompensieren muss. (Durch die Kursivschrift kann man jeweils leicht weiterblättern).

Andere Mängel des Romans wiegen bei dieser unglücklichen Struktur der Hauptfiguren fast weniger schwer: die hölzernen Dialoge, die durchweg seltsam erscheinenden Frauenfiguren, der Mangel an Sexualität in und zwischen den Figuren, schließlich die langweilende und häufig funktionslose Detailversessenheit. Natürlich gibt es auch Szenen und Episoden, die ich gelungen fand: die Darstellung der Dichtermilieus etwa, des Hauses Arbogast oder des Beginns von Christians Armeezeit. Aber das bleibt für mich zu wenig, um den "Turm" als großen, nachhaltig wirkenden Roman zu bewerten.

Bleibt die Frage, ob das Buch zumindest als wahrhaftige Chronik der späten DDR taugt. Auf jeden Fall zeichnet Tellkamp die kleine Welt seines Romans sehr treffend und realistisch. Ein breites Gesellschaftspanorama sollte man allerdings nicht erwarten. Sicher konnte man in Dresden und anderswo auf den materiellen Mangel und die staatliche Repression so reagieren und sein Leben so gestalten wie die Figuren im Turm". Man musste es aber nicht, ohne dadurch gleich ein Anhänger des Systems gewesen zu sein. Vielleicht wäre aus diesem Buch ein großartiger Roman geworden, hätte Uwe Tellkamp vorher seinen "Turm" tatsächlich verlassen...
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am 24. Juni 2012
Fast 1000 Seiten Wenderoman. Ich, geboren 1963 und bis zu deren Ende in der DDR gelebt, also 5 Jahre älter als der Autor, war richtig gespannt auf dieses Buch. Empfohlen von einem Literatur besessenen ehemaligen Klassenkameraden, der auf schwierige Längen" des Werkes hinwies, dem es grundsätzlich jedoch die Tiefe, das Detailwissen und Erinnerungsvermögen des Autors und die vielfältig vorhandene Parallelität zwischen der Hauptfigur Christian und seinem eigenen Leben angetan hatten. Dazu kamen noch ein Klappentext, der zum Inhalt des Romans meint, dass es wirklich so gewesen sei in der späten DDR, die Tatsache, dass der Stoff jetzt gar hochkarätig verfilmt wird und schließlich ein Vergleiche des Romans mit den Buddenbrooks" und anderen Klassikern weckten meine Vorfreude auf das Werk.

Meine Erwartungshaltung war also sehr hoch. Und sie wurde enttäuscht. Ich habe mich durch dieses Werk gekämpft und war froh, dass es zu Ende war. Zum einen liegt es tatsächlich an den Längen, an seitenlangen epischen Passagen. Diese fielen mir außerordentlich schwer, zumal sich dabei weder die Handlung entwickelte noch inhaltliche Vertiefungen erfolgten, die für das Handlungsverständnis notwendig gewesen wären. Dann spielt das Buch vorwiegende in einer intellektuellen, hochgeistigen Sphäre, also in einem sehr speziellen Milieu. Sicher werden dort die Achtziger so abgelaufen sein; ich habe sie anders erlebt. Und ich bin überzeugt, dass viele derer, die diese Zeit bewusst und aktiv erlebt haben, diese Milieuschilderung im "Turm" nicht nachvollziehen können, da sie diese anders erlebt haben und ihnen auch deswegen, da ihnen der Umgang mit bzw. Zugang zu dieser elitären Umgebung fehlte. Insofern halte ich das Werk für nicht repräsentativ, was vielleicht auch gar nicht möglich und nötig ist. In jedem Fall ist aber die Einschätzung von Jens Bisky falsch, dass, "wenn einer wissen will, wie es denn wirklich gewesen ist in der späten DDR, man ihm rasch und entschlossen diesen Roman von Uwe Tellkamp in die Hand drücken sollte".

Was im Buch als eine Ursache für die Wende viel zu kurz kam, war der Einfluss des "Neuen Denkens" der Sowjetunion unter Gorbatschow in breiten Teilen der Bevölkerung der DDR in seiner Wechselwirkung mit der brüsken Zurückweisung dieser Politik durch die SED-Führung. Die Perestroika und vor allem die Glasnost entfalteten eine für die DDR-Führung verheerende Wirkung in breiten Teilen der Bevölkerung. Die von Honecker so ironisch bezeichneten "neuen Freundchen der Sowjetunion" brachten mit den Glasnost-Inhalten die Verantwortlichen im Staat (und "der" Partei) mächtig in Schwierigkeiten. Reaktion der SED-Führung: Unkommentierte Glasnost kritische Leserbriefe aus der Prawda übernommen im Neuen Deutschland abgedruckt, unkommentierte Meldungen über steigende Kriminalität, Armut und schwere Produktionsunfälle in der Sowjetunion und schließlich - das auch im Buch kurz erwähnt - das Verbot diverser Publikationen der Sowjetunion in der DDR, am bekanntesten des "Sputnik". Dieses wiederum führte zu einer stillen Protestwelle in Form von Massenaustritten aus der DSF oder Eingaben an diese oder andere Massenorganisationen. Das alles findet bei Tellkamp nicht statt; ich habe es so schon erlebt.

Eine sehr schön beschriebene Episode, die das generell Neue Ende der späten achtziger darstellt, ist (im Kapitel 69 "Wetterleuchten") zu finden, als Pfarrer Magenstock den Aufruf einer Umweltgruppe im Schaukasten der Kirche anbringt. Der ABV legt ihm nahe, dieses wieder abzunehmen während weitere Passanten stehen bleiben. Eine Gruppe Uniformierter nähert sich, woraus ein Offizier "Auseinander!" befiehlt. Und nicht nur, dass die Menschen stehen blieben, andere Passanten gesellen sich dazu. Und bieten der Staatsmacht durch Ihre gemeinsames Auftreten die Stirn. Der Offizier schwieg." Und noch nie wurde ein ähnlich einsamer Mann gesehen wie" der ABV, der in der Mitte des freien Raumes zwischen beiden Gruppen stand.
Das (!) war es eigentlich, was ganz wesentlich und ursächlich die Situation der DDR zu Ende der achtziger widerspiegelt und die Basis für die friedliche Revolution darstellt. Leider findet man solche Episoden im Buch zu wenig.

Die Einzelschicksale, insbesondere von Christian und Richard, wie eindrucksvoll, detailliert und nachvollziehbar auch dargestellt, münden nicht logisch in die Notwendigkeit einer Wende. Sie verlaufen im Roman merkwürdig parallel zu den gesellschaftlichen und politischen Veränderungen Ende der achtziger Jahre.

Positiv, ohne Frage, die Detailkenntnisse vieler Bereiche, wie des Gesundheitswesens, EOS, NVA, die vieles auch bei mir in Erinnerung riefen, während einiges für mich auch neu war, so Strafkompanie Schwedt oder Einsatz der NVA-Soldaten in der Produktion.

Zusammenfassend ein Roman, den man gelesen haben sollte um das Verständnis für diesen historisch wichtigen Zeitabschnitt im Vorfeld der deutschen Wiedervereinigung zu vertiefen.
Ein Werk, das ich nicht als Schulliteratur empfehlen würde, da die Handlung die Breite und Tiefe dieser Zeit zu wenig repräsentiert und die Längen des Buches den Nachwuchs statt für Literatur zu öffnen und für Geschichte zu interessieren, diesen eher verstören werden.
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am 29. Dezember 2010
Um es vorweg zu sagen: das ist er nicht, DER Wenderoman. Und einem Vergleich mit den Buddenbrooks, obwohl naheliegend und von manchen Rezensenten so gesehen, kann er auch nicht standhalten. Aber zunächst kurz zum Inhalt. Der fast tausendseitige Roman beginnt Anfang der 1980er Jahre in Dresden und endet mit dem 9. November 1989. Die handelnden Personen sind in erster Linie Bewohner eines Dresdner Villenviertels welches, von Christian, der Hauptperson, der "Turm" genannt wird. Zu Beginn des Romans steht Christian kurz vor dem Abitur, am Ende steht er nach 5 Jahren Militärdienst- und Haftzeit just am Beginn einer neuen Zeitrechnung. Dazwischen erleben wir wie Christian bereits als pubertierender Abiturient in seiner Schulzeit Schwierigkeiten mit dem herrschenden System bekommt. Das Wunschstudium der Medizin ist gefährdet. Später als Panzerkommandant bei der NVA erlebt er den tragischen Tod eines Kameraden bei einer Militärübung in der Elbe. Das läßt ihn aufbegehren gegen seine Vorgesetzten und bringt ihm eine Haftstrafe in einschlägigen DDR-Gefängnissen und Arbeitsanstalten ein. Aber Christian ist kein aktiver Widerständler gegen das politische System sondern sein Protest ist eher der spontane Ausbruch eines lang angestauten Unmuts und Mißtrauens gegenüber staatlicher Deckelung und Unterdrückung. Das macht die Handlung vor dem Hintergrund der tatsächlichen Ereignisse im Herbst 1989 glaubwürdig und Christian sympathisch. Am Ende dieser fünf für Christian verlorenen Jahre ist auch das Ende der DDR gekommen und man fragt sich, wozu das Ganze? Das verleiht dem Roman eine tragische Komponente.
Neben Christian sind weitere Personen, an denen der Leser Anteil hat, vor allem sein Vater Richard und sein Onkel Meno. Richard, ein Arzt, der sich im familiären Kreis durchaus gegen das System äußert, hat ein Verhältnis mit einer Angestellten seines Krankenhauses und wird daraufhin von der Stasi erpresst. Das ist gut nachvollziehbar und verleiht dieser Figur Fleisch und Blut. Die Gestalt des Onkel Meno dagegen, ein Lektor in einem Verlag mit Kontakten zu einflußreichen Repräsentanten des Systems, wirkt eher hölzern. Seltsam unwirklich und blutarm wirken auch die Vertreter des sogenannten "Ostrom", einem politischen Sperrbezirk zu dem Meno mit besonderen Passagierscheinen Zugang hat. Mit Meno und diesen Vertretern aus der politischen und künstlerischen Mittelschicht der DDR verbinden sich für mich die langweiligsten Passagen des Romans, die leider nicht gerade kurz geraten sind. Glücklicherweise lassen sich gerade die schöngeistigen Auslassungen Menos anhand des Kursivdrucks schnell ausfindig machen und sind leicht zu überfliegen.

Warum es sich bei "Der Turm" nun nicht um ein rund um gelungenes Werk handelt, liegt meines Erachtens in den doch ernormen Längen, die der Roman aufweist. Gerade die Tagebucheintragungen des Onkel Meno gehören für mich zum Langweiligsten, was Literatur zu bieten hat. Auch die große Detailverliebtheit des Autors sowie Abschweifungen in diverse Nebenhandlungen ohne Zusammenhang zur Haupthandlung sind sehr störend. Und leider sind nicht alle wichtigen Personen so genau gezeichnet wie Christian oder sein Vater. Kein Vergleich auch mit den Buddenbrooks an deren Ende der Leser doch mitfühlt. Im "Turm" ist das nur ansatzweise in Gestalt Christians gelungen. Schade, ein interessanter Stoff wurde hier etwas verschenkt. Auf DEN Wenderoman, geschweige denn DEN DDR-Roman müssen wir noch warten.
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am 10. September 2015
Ich habe mich tatsächlich durch gequält. Manche Passage musste ich dabei mehrfach lesen, da ich sie beim ersten und zweiten Mal nicht erfassen konnte. Epische Ausschweifungen reihen sich aneinander. Sympathisch ist keiner der Charaktere. Man darf das Buch nicht länger auf die Seite lesen, sonst verliert man aufgrund der vielen Anekdoten und Randerzählungen den Überblick und en Anschluss. Nicht empfehlenswert.
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am 15. April 2016
Ich habe wirklich versucht dieses Buch zu Ende zu lesen, aber nach der nachfolgenden Passage habe ich aufgegeben:
Erklärung: In der Schlange zu einem Büffet lässt man für Chefarzt Müller eine Lücke)
Zitat:"Und ob es die Folge einer allgemein-menschlichen Neigung zur genauen Beobachtung erfolgreicher Manöver oder ebenso unbewußten wie notwendigen, weil gleichsam in der Luft liegenden Zweit-Entstehung des Phänomens war- auch Müller hatte sich nicht schneller, als es seine ja nicht dadurch, dass man sich nicht im Dienst befand, plötzlich gewisser maßen in Luft auflösende Stellung erlaubte, von seinem Platz entfernt und war zunächst statt zum Büffet mit seiner Frau, der er elegant und zuvorkommend lächelnd den Arm gereicht hatte, noch einmal in Richtung 'Tauwetterlandschaft' geschritten, währenddessen Wernstein und ein weiterer Assistent am Büffet einen Blick wechselten und der Assistent, der vorn stand und mit Müller direkt zu tun hatte, sich beim Weiterrücken etwas verspätete, so daß sich Chefarzt Müller und Gattin, Müller tupfte die Oberlippe mit dem Ring und neigte das Ohr seiner Frau zu, einreihen konnten'.." Zitat Ende
Nie wieder Tellkamp.
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am 19. November 2011
Ich habe sicher nichts gegen anspruchsvolle Texte, komplizierten Satzbau und auch einen größeren Umfang des Buches (ca. 1.000 im vorliegenden Fall). Doch für mich hat eine "aufgeblasene" Sprache nichts mit Anspruch zu tun.

Man kann natürlich vor Ehrfurcht erstarren, wenn man Sätze liest wie "Und während die Nadel, schrieb Meno, die Musik aus der Schallplatte hob und Niklas' Gesicht sich veränderte, die Anspannung und Erstarrung einer glücklichen Ruhe wichen, begannen in meinem Kopf farbige, aus den Feuerfasen der Musik gewobene Fotografien zu erscheinen, glitten mit quallenweichen Umrissen auf, verharrten für Sekunden, in denen ich sie klar und wie Stücke einer mit Leben gefüllten, aus Leben bestehenden Retina sah; Brandung, die Dinge anschwemmt, Möblierung des Meeres ....."

Und ich musste mich nicht anstrengen, um einen solchen Satz zu finden.

Ich gehöre allerdings nicht zu der Kategorie Leser, die hier vor Ehrfurcht erstarren.

Handlungsstränge, kaum werden sie interessant, werden von langatmigen und verqueren Auslassungen aus Menos Tagebuch unterbrochen, wie ich sie oben zitiert habe. Keine der Figuren erzeugen bei mir eine Empathie, die in mir letzten Endes das Interesse geweckt hätten, erfahren zu wollen, wie es denn nun weitergeht mit ihnen.

Hätte man das Buch wirklich auf die interessanten Handlungsstränge und Figuren "eingedampft", wäre vielleicht noch ein interessantes Buch daraus geworden. Aber in dieser Form war das Buch schlicht eine Zumutung.

Wenn mich zunehmend das Gefühl beschleicht, nur noch mit einem Buch zu kämpfen, ohne dass ich hier einen Erkenntnisgewinn erhalte, der zumindest den Kampf lohnt, ist eine weitere Lektüre Zeitverschwendung.

Aus der Lektüre dieses Buches, da ich nach längerem Kampf dann auf Seite 350 beendet habe, lernte ich das Folgende:

Traue keinem Buch mehr, dass den "Deutschen Buchpreis" gewonnen hat. Zum wiederholten Male wurde ich von solchen "Preisträgern" enttäuscht.
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am 9. April 2012
Warum noch eine weitere Rezension zu Tellkamps Roman, wenn in anderen Rezensionen schon alles gesagt wurde? Weil ich im Falle dieses Romans die Diskrepanz zwischen der Meinung der 'offiziellen', heißt: professionellen Kritiker und der Leser interessant und aufschlussreich finde.
Ja - es stimmt alles: die seitenlangen, detailreichen und -verliebten Schilderungen, sprachlich zum Teil sehr gelungen, sehr originell und wohl auch authentisch. Aber: eine Geschichte wird hier nicht erzählt. Ja - auch das stimmt: die Charaktere sind schwach, blass und bieten wenig Möglichkeit zur Identifikation. Doch nicht nur das. Auch psychologisch nachvollziehbar ist ihr Verhalten oft nicht. Im Falle des Christian mag Tellkamp eine Art 'Anti-Entwicklungsroman' vor Augen gehabt haben, doch übrig bleibt für den Leser nur eine traurige, banale Geschichte, wie sie vielleicht in der DDR alltäglich gewesen sein mag (wie übrigens vieles, was in dem Roman geschildert wird) - mitteilenswert wird sie deshalb nicht. Ähnliches gilt für die Figuren Richard Hoffmann und Meno Rhode.
Besonders schlecht fand ich die extrem gestelzten, unnatürlichen Dialoge zwischen den Jugendlichen im ersten Drittel des Romans. Niemals und zu keiner Zeit und in keinem Land der Erde haben sich Jugendliche so unterhalten.
Vielfach überschreitet Tellkamp - bei aller sprachlichen Kunstfertigkeit (die wirklich die stärkste Seite des Werkes ist) - die Grenze zum Sprachkitsch. Da tänzelt er seitenlang um irgendwelche Schilderungen, um auch noch das letzte Quentchen aus der Sprachtube herauszupressen. Hier muss der Leser schon arg die Zähne zusammen beißen, und es verlangt von ihm viel Selbstdisziplin, um bei der Stange zu bleiben.
Bei vielen Passagen hatte ich zudem den Eindruck, dass der Autor hier auch noch die allerletzten eigenen Tagebucheinträge und Schreibübungen um jeden Preis in die Handlung einbauen wollte, obwohl sie zum Fortgang der Handlung (welcher?) nichts beitragen. Für sich genommen mögen sie interessante Momentaufnahmen sein - in einem Roman haben sie meiner Meinung nach nichts zu suchen.
Traurig, dass die 'offizielle' Literaturkritik sich von dem angeblich so brisanten Thema (die letzten Jahre der DDR) und der dick aufgetragenen Sprachkunstfertigkeit so blenden lässt (oder auch nicht?) - in diesem Fall fällen die Leser das zutreffendere Urteil.
Wie viele andere Rezensenten halte ich den Vergleich mit den 'Buddenbrooks' für absolut unzutreffend. Warum? Tellkamp erzählt keine Geschichte. Man legt den Roman (in meinem Fall: aufatmend) nach 1000 Seiten beiseite und in der Erinnerung bleibt wenig zurück. Vielleicht die sonderbare, der Wirklichkeit entrückte Atmosphäre vom Beginn der Handlung. Sonst nichts.
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am 4. Oktober 2013
3 Sterne für den Fleiß, den dieses Buch zu schreiben erfordert hat.

Gigantischer Wortschatz . Unglaubliche Detailverliebtheit . Leider auch unglaubliche Selbstverliebtheit des Autors in seine geistigen Ergüsse . Zumindest wirkt es auf mich so, aber eine Kritik ist ja immer subjektiv .

Etliche Handlungsstränge plätschern und laufen aneinander vorbei, nichts reisst wirklich mit . Die wenigen von der Anlage her starken Figuren ( Schevola, Meno ) gehen im allgemeinen , man verzeihe den Ausdruck, „Geschwurbel“ einfach unter . Hier eine Affäre, da ein bisschen Stasi, hier böse Obrigkeit , da eine Prise unmenschlicher Armee-Drill und ungerechte Bestrafungen ... alle Zutaten sind da, aber alles vermischt sich zu einem faden , unzusammenhängenden Sermon .

Der eigentliche Inhalt, die Geschichte, oder besser die vielen Geschichtchen, wirken nach dem Lesen merkwürdig belanglos, alles schon mal dagewesen. Was die Kritiker dazu bewogen hat diesen Roman so hochzujubeln verschliesst sich meinem schlichten Gemüt .

Insgesamt wirkt der Roman auf mich zwanghaft bemüht intellektuell – oder besser was manche dafür halten . Auch das Ende des Buches wirft bei mir nur Fragen auf : „ Und ? Was jetzt ? War's das ? Und was sollte das jetzt ? “ . Ich persönlich nenne das Abschlußschwäche, da steht der Autor allerdings bei Weitem nicht alleine da, dieses Phänomen gibt es leider nur zu oft, warum auch immer .

Unmengen an Ideen, ja . Aber alles nur angerissen, nichts zu Ende gebracht oder gedacht .

Dieses Buch komplett zu lesen ist echte Arbeit . Für Kritiker ein Fest . Für Elfenbeinturmbewohner eventuell sogar manchmal ein kleiner Augenöffner . Für alle die mit beiden Beinen auf dem Boden stehen und wissen, was auf diesem Planeten so läuft, mehr eine Beschreibung von Normalitäten und Belanglosigkeiten . Banal und selbstverliebt , ja, das trifft es am ehesten .
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am 16. September 2013
Dresden in den 80ern. Dass die DDR nicht mehr lange existieren würde, das konnte damals noch keiner wissen.
Der Staat verfällt zusehens, selbst das Villenviertel in Elbflorenz verkommt mehr und mehr.
Richard ist Arzt in einer Klinik und muss mit der Mangelwirtschaft klarkommen - und mit einer Lebenslüge. Er hat seit vielen Jahren eine Affäre und Kinder und der fremden Frau. Sein Sohn Christian lernt unterdessen das Innenleben der NVA kennen - in seiner vollen Härte. Dabei möchte er eigentlich Arzt werden, aber für das Studium muss er für drei Jahre zur Armee. Meno ist Lektor in einem Verlag und lernt dabei auch die Reicheren und Schöneren kennen, verfängt sich jedoch auch immer mehr im System.

Uwe Tellkamps Roman "Der Turm" gilt als der Schlüsselroman über die DDR. Er erhielt dafür diverse Preise. Und in der Tat gelingt es ihm auf nicht ganz 1000 Seiten die letzten Jahre des SED-Staates in vielen seiner Facetten offenzulegen. Was passierte in der Gesellschaft? Das Gesundheitssystem. Die Armee. Die Infrastruktur. Die Wohnungswirtschaft. Städtebau. Politik und Repressionen, natürlich die Stasi und der Polizeiapparat.
Inhaltlich ein hervorragender Stoff. Die Art, wie das aufgeschrieben ist, ist extrem unterschiedlich. Da gibt es mitreißende Kapitel mit spannenden Dialogen und Begegebenheiten. An anderen Stellen doziert Tellkamp seitenlang und nahezu absatzfrei. Man möchte fast sagen: blabla. Rauscht am Leser vorbei. Schon die Ouvertüre auf den ersten Seiten ist harter Tobak, den man gern mal überblättert.
Das Buch ist schwere Kost, und nicht nur, weil es so dick ist. Ein Roman zwischen Spannung und Qual, nicht nur inhaltlich. Schade, für mich ist "Der Turm" lange nicht <em>der</em> Roman.
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