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23 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Beklemmend und unterhaltsam zugleich
Ich habe mich im Zuge eines Hauptseminars fast ein dreiviertel Jahr sowohl mit dem Roman selbst als auch mit diesem Hörspiel praktisch täglich auseinandergesetzt. Die schlechten Rezensionen zu diesem Produkt kann ich nach dieser intensiven Rezeption überhaupt nicht nachvollziehen. Die Kürzungen finde ich insgesamt sehr sinnvoll, die wesentlichen Sujets...
Veröffentlicht am 22. Juli 2008 von Oliver Bauer

versus
11 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Doktor Faustus. In Stücke gerissen.
Über das Gesamtwerk Thomas Manns soll es über 20 000 fachwissenschaftliche Veröffentlichungen geben. Eine erkleckliche Anzahl beschäftigt sich mit Doktor Faustus. Es ist hier nicht der Ort, diesen eine weitere hinzu zu fügen.
Es geht ausschließlich um die Bewertung der Umsetzung dieses Großromans in eine Hörbuchfassung (10...
Veröffentlicht am 4. April 2008 von Dr. Stumpf Jochen


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23 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Beklemmend und unterhaltsam zugleich, 22. Juli 2008
Rezension bezieht sich auf: Doktor Faustus, 10 Audio-CDs (Audio CD)
Ich habe mich im Zuge eines Hauptseminars fast ein dreiviertel Jahr sowohl mit dem Roman selbst als auch mit diesem Hörspiel praktisch täglich auseinandergesetzt. Die schlechten Rezensionen zu diesem Produkt kann ich nach dieser intensiven Rezeption überhaupt nicht nachvollziehen. Die Kürzungen finde ich insgesamt sehr sinnvoll, die wesentlichen Sujets des Romans kommen noch immer voll zum tragen. Auch die Musik trägt wesentlich dazu bei, dass aus diesem Mammutwerk kein Langweiler geworden ist: Mal pompös, mal albern, mal subtil und finster, die mannigfaltigen Stimmungen des Romans werden gekonnt konterkariert. Nein, es ist keine Zwölftonmusik und kein Mahler was dargeboten wird, auch ist der Musikteppich häufig noch nichteinmal besonders anspruchvoll oder komplex. Ich verstehe ihn eher als einen modernen, leicht skurrilen Soundtrack zu diesem "Hörfilm", der seine Funktion, nämlich die Inhalte zu untermalen, vollends erfüllt.
Die opulente Sprecherriege ist ebenfalls superb! Vor allem Adrians Sprecher fährt eine beeindruckende Bandbreite schauspielerischen Könnens auf. Als sehr gelungen empfinde ich auch Zeitbloms Sprecher: Leicht verstockt, mit einem Hauch von schwulem Touch in der Stimme, ist er sogar relativ nahe bei Thomas Manns eigenem Sprachduktus.
Weil hier Gert Westphals Lesung erwähnt wurde: Im Vergleich zu dieser Fassung wirkt (der zweifellos brilliante) Westphal mit seiner monolithischen Mammutlesung, frei von jeder Musik und Spannnungsbögen, wirklich wie ein verstaubtes Fossil von vor dem Kriege.
Wie bereits erwähnt wurde, soll derjenige, der dem Buch in die Tiefe folgen will, ohnehin zum Volltext greifen. Aber warum nicht beides ergänzen? Ich empfehle dieses Hörspiel uneingeschränkt, man hat über Monate sein Vergnügen damit!
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22 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Thomas Manns Alterswerk, 30. Juli 2008
Der vierte der großen Romane Thomas Manns (neben Buddenbrooks, Zauberberg und Joseph) ist gleichzeitig sein düsterster und sein am schwersten verständlicher. Doch es lohnt sich, die Mühe auf sich zu nehmen, die vor allem die ersten 200 Seiten bereiten, denn in seiner Gesamtheit betrachtet handelt es sich hier um einen der großartigsten Romane der Weltliteratur. Der mythisch-heitere Ton der Joseph-Romane (neben Goethes Faust das wohl ambitionierteste und in seiner Genialität unübertroffene Werk deutscher Literatur) weicht dem unheilschwangeren schweren Ton, der die deutsche Geistesgeschichte analysiert und eine Kontinuität von Luther bis zu Hitler konstruiert. Adrian Leverkühn, der geniale Komponist, der sich seine Schaffenskraft mit dem Wahnsinn erkauft, stellt einen "Akkord" (Gunilla Bergsten) dar, bestehend aus Personen der Geistes- und Literaturgeschichte, von Christus über Faust bis zu Nietzsche. An seiner Lebensgeschichte wird der Niedergang Deutschland bis zum Untergang 1945, der nicht nur dem Nationalsozialismus ein Ende machte, sondern auch der bürgerlichen Welt, exemplifiziert. Ob Leverkühns Charaktereigenschaften - hohe Intelligenz, extreme soziale Kälte, Menschenscheu und ein Hang zur Selbstinszenierung - für den typischen Deutschen stehen können, der den Pakt mit dem Teufel (also mit Hitler) schloss, ist diskutabel.
Die vielfach kritisierte Sprache des Romans zeigt sich hier als Stilmittel, das Thomas Mann bewusst einsetzt: Hier redet der Biograph Serenus Zeitblom, ein braver Gymnasiallehrer, sehr gebildet, aber eben doch beschränkt. Zeitblom ist ein bemühter, mitunter jedoch nicht allzu zuverlässiger Zeuge. Welche Kluft zwischen ihm und seinem Freund Leverkühn besteht, zeigt sich darin, dass die besten Kapitel des Romans - neben den beiden Echo-Kapiteln - diejenigen sind, in denen Leverkühn selbst zu Wort kommt: Die Briefe aus Leipzig, das (imaginierte?) Teufelsgespräch und Leverkühns Abschiedsrede, der "Oratio Fausti ad studiosos" aus der "Historia" von 1587 nachempfunden.
Ein Wort zu den musikologischen Passagen. Sie sind für einen Laien mitunter schwer lesbar, doch es zeigt sich schnell, dass es für das Verständnis dieser Passagen nicht auf Detailkenntnis ankommt, sondern auf das Künstlerbild, das ausgebreitet wird: Das des genialen Künstlers, der seine Genialität mit seiner Gesundheit bezahlen muss. Als Beispiel dient im Roman Beethoven. Leverkühns Konzept ist das der gebundenen Freiheit, der man die Gebundenheit nicht mehr anmerkt, eine Freiheit aus Gebundenheit. Erreicht werden soll das durch die Verbindung von Mathematik und Magie (sprich: irrationale Genialität), augenfällig gemacht durch das "Magische Quadrat" aus dem Kupferstich "Melencholia I" Albrecht Dürers. Leverkühns letzte Komposition, "Dr. Fausti Weheklag" ist die Erfüllung dieses Modells, ein rundum negatives Werk der Klage, der 9. Sinfonie Beethovens gegenübergestellt. Der letzte ambivalente Ton, der leise verhallt, gemahnt an den ambivalenten Schluss der "Götterdämmerung" Wagners. So ist auch dieser düstere Roman mit seiner Verschränkung vom Ende der Kunst als dem Ende der Menschheit, das sich im totalen Zusammenbruch Deutschlands zeigt, ambivalent, es besteht die Hoffnung auf eine neue Kunst und ein besseres Deutschland. Diese Hoffnung hat sich im zweiten Punkt erfüllt, was den ersten Punkt angeht, steht Thomas Mann in der deutschen Literatur nach Goethe - neben Fontane - ziemlich allein.
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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Mann's Teufelspakt, 3. August 2011
Faust Versionen gibt es unzählige, aber nur bei wenigen hat man den Eindruck, der Verfasser hätte selbst einen Mephistopheles gebraucht, um sein Werk zu erstellen. Hier drängt sich dieser jedoch durchaus auf; unzweifelhaft das Glanzstück Mann's. Die künstlerischen Orgien in düsteren Stunden werden eindrucksvoll geschildert, unter grandioser Ausführung musiktheoretischer Details, geschickt mit künstlerischen Sprachelementen und Analogien ausgeführt, wird hier der Pathomechanismus einer globalen Gewaltorgie, einer zutiefst denkwürdigen Epoche deutscher Geschichte, gezeichnet, ohne historische Details großartig auszuführen. Dieser "Mann" steht für die Abgründe einer ganzen Generation, vielleicht der gesamten Menschheit, sowohl in ihrer übermenschlichen Genialität als auch animalischen Bestialität. Diese Brücke, dieser Übergang, den Nietzsche forderte, scheint Mann in der Kunst seiner faszinierenden sprachlichen Stilistik verwirklicht zu haben; so wie Leverkühn die Klaviatur der Musik beherrscht, reizt Mann diejenige der sprachlichen Kunst so weit aus, dass die damit verbundene Schönheit und Faszination fast schmerzt.
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62 von 71 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der bedeutendste deutsche Roman der Neuzeit, 4. Januar 2003
Von 
Leslie Richford (Selsingen, Lower Saxony) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Meine Geschichte mit "Dr. Faustus" sieht folgendermaßen aus: Ich nahm mir das Buch als junger Mann vor, nachdem ich den "Zauberberg" meinte gemeistert zu haben, legte es aber bald zur Seite, da ich Manns Gedankenfülle nicht mehr folgen konnte. Fast 30 Jahre später griff ich mir das Buch noch einmal, um einen Krankenhausaufenthalt zu erleichtern, und fing an zu entdecken, dass ich ein Meisterwerk in Händen hielt. Allerdings erschloss sich mir erst nach einer wiederholten Lektüre unter Zuhilfenahme von Sekundarliteratur die ganze Tragweite dieses wohl von allen deutschen Romanen der Neuzeit bedeutendsten Buches. Hier geht es mitnichten nur um eine Musikerbiographie! Es ist ein Buch über Deutschland, über Politik, Kultur, Kunst und Philosophie, über Psychologie und Soziologie, über Sprache und Autorentum, über Musik und Religion ... Letzten Endes ist es ein Buch über das Leben und für das Leben. Für mich persönlich nur schade, dass ich in meinem Bekanntenkreis niemanden finde, der sich der Herausforderung, es zu lesen und darüber zu diskutieren, stellen mag. Es täte jedem Deutschen gut, sich eine Weile mit diesem Buch auseinanderzusetzen.
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27 von 31 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Unterhaltung auf hohem Niveau, 2. Juli 2005
Einem Roman von Thomas Mann etwas anderes als 5 Sterne zu geben wäre anmaßend.
Für die inhaltliche Bewertung des vorliegenden Werkes möge der interessierte Leser die vielfachen Rezensionen der Buchversion hier nachlesen.
Bliebe aus meiner Sicht an dieser Stelle lediglich noch folgendes hinzuzufügen:
a) Ganz gleich, was Gert Westphal vorliest, ist dies immer höchstes (Hör-) Vergnügen.
b) Ich schließe mich nicht der Meinung eines Buchrezensenten an, "Doktor Faustus" sei der beste Roman Thomas Manns. Die Buddenbrooks, der Zauberberg, besonders aber der Joseph-Roman haben meines Erachtens mehr zu bieten. Dennoch verdient auch dieser Roman allemal 5 Sterne - auf der leider nicht weiter nach oben offenen amazon-Skala.
c) Thomas Mann ist in allen seinen Werken nicht nur ein präziser Beobachter und Beschreiber auf hohem stilistischen Niveau gewesen, sondern so manches Mal in negativer Übersteigerung eben dieser Fähigkeiten auch ein Schwadroneur und Causeur. Seine Schwatzhaftigkeit fällt ganz besonders in diesem Werk auf und kann über weite Strecken die Grenze des Erträglichen überschreiten.
d) Auch in diesem Werk fällt dem aufmerksamen Leser der oftmals zu beobachtenden modulare Aufbau auf. Th. Mann versteht es, Versatzelemente, schriftstellerische Fingerübungen oder Gedankenausflüge zu gänzlich anderen Themen aus Politik, Wissenschaft oder Kunst Seiten füllend und ohne jeglichen inhaltlichen Zusammenhang in seine Werke so zu integrieren, dass es dem Leser nur sehr schwer auffällt.
e) Besonderes Vergnügen hat der Leser, dem es auch in diesem Roman gelingt, jene Abschnitte zu entdecken, die eindeutig autobiographische Züge haben oder Verarbeitungen Manns eigenen (Er-) Lebens sind.
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25 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Ohrengenuß!, 21. November 2007
Rezension bezieht sich auf: Doktor Faustus, 10 Audio-CDs (Audio CD)
»Was werden die Deutschen meinen?« fragte sich Thomas Mann 1947, als er seinen, im kalifornischen Exil geschriebenen, Roman »Doktor Faustus« abschloss. Er ist sein vielschichtigstes Werk geworden. Es handelt vom Denken, von den Sehnsüchten und von der Musik des sogenannten Kulturvolks der Deutschen, das den Teufelsbund mit dem Faschismus einging. Thomas Mann hat hierfür der Deutschen Volksbuch, den Faust, zum Vexierstoff eines Zeitromans gewählt. Es ist der Faustus des Mittelalters, der Reformation bis hin zu seiner Gestaltung im Drama Goethes, den Mann hier als den deutschen Mythos über die Jahrhunderte hinweg herbeizitiert.

Sein »Faust« erschien am 17. Oktober 1947 in Stockholm, 1948 in den USA, im selben Jahr, aber zuletzt in Deutschland. Dort wurde er zur proklamierten »Stunde Null« als unangemessene Darstellung des deutschen »Schicksals« heftig kritisiert. Bis heute dürfte die Auflage sich jedoch weltweit auf eine Million Exemplare belaufen. Ein Longseller also seither ? aber ein Lieblingsbuch der Deutschen wurde der Roman nicht.

Thomas Manns Diktum, es gebe nicht zwei Deutschland, ein böses und ein gutes, sondern nur eines, »dem sein Bestes durch Teufelslist zum Bösen ausschlug«, wird im »Faustus« durchgespielt, was vielen Lesern im Nachkriegsdeutschland mißviel. Darüber hinaus gilt der Roman als Thomas Mann schwierigstes und komplexestes Werk: Hinter der klassischen Ich-Erzählform verbirgt sich eine moderne Montagetechnik, die in die Monologe und Gesellschaftsszenen theologische Diskurse, Schönbergs Kompositionslehre, Adornos Musiktheorie, Nietzsches Leben sowie konservativ-revolutionäre Moralideologie des frühen 20. Jahrhunderts einarbeitet. Der Germanist Heinrich Detering vermerkte: »Dieser Roman tut enorm vieles und Kompliziertes auf einmal. Kann man ihn verschlingen wie die Buddenbrooks? Man kann nicht nur, man sollte unbedingt!« Mann hat hier ein »Geschichten- und Unterhaltungsbuch« geschrieben, das in lebenssatter Fabulierlust den Künstler- und Deutschlandroman mit Elementen von Psycho-Thriller, Liebesdrama und Horrorgeschichte verknüpft.

Und verschlingen kann man dieses sperrige Literatur-Möbel nun unbedingt. Der fast vierzehnstündigen Hörspielfassung von Thomas Manns Roman Doktor Faustus darf man vieles nachrühmen. Sie ist mit großer Sorgfalt und souveränem Stilgefühl erarbeitet, sie ist texttreu und setzt dennoch eine Fülle eigener Akzente, sie ist zurückhaltend inszeniert und gleichwohl höchst originell, sie findet für die Klangräume dieser Komponistentragödie überzeugende, dabei nie auftrumpfende Lösungen - und sie versteht es, das gute halbe Hundert an Sprechrollen mit einem Ensemble zu besetzen, das noch für die kleinsten Nebenpartien unverwechselbare Sprachmasken bereithält. Klug hält das Hörspiel die Mitte zwischen Sprechoper und szenischer Lesung, zwischen Kargheit also und Opulenz. Wenn es mit rechten Dingen zugeht, dürfte, ja müsste diese Produktion dem spätesten und schwierigsten der vier Großromane von Thomas Mann ein Publikum erschließen, das den puren Minderheitenstatus, den derart anspruchsvolle Hörfunk-Unternehmungen üblicherweise bedienen, merklich hinter sich lässt.
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25 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein düster-geniales Konstrukt, kein Roman, 12. Dezember 2001
Von Ein Kunde
Thomas Mann versucht in seinem Faustus alle Geistesgeschichte und -kontroverse seiner Person, seiner Zeit und seines Volkes zusammenzuraffen und in einen teils genial-eleganten, teils gewaltsam konstruierten Zusammenhang zu drängen: Er verdichtet Genie und Wahnsinn, Nazidiktatur und Mittelalter, Autobiographie und Kulturkampf, Aberglaube und Politik, Philosophie und Musiktheorie, Religion und Gesellschaft zu einem kaum faßbar dichten großen Plan, der schließlich in Romanform gepresst wurde und in dieser auch noch Parallelen, Reflexionen und Reaktionen auf den Faust als Volksbuch und goethisches Nationalheiligtum, auf die Ansichten des Kater Murr, auf Nietzsches Leben und Werk und sein eigenes gespaltenes Selbst tragen muss. So viel Inhalt und Idee, so viel Anspielung und Konstruktion musste unbedingend noch seinen Weg in das Werk finden, in dem Mann wohl sein ganzes Dasein und Schaffen und alle Verirrungen seines Volkes in Vergangenheit und Nazigegenwart erklären und verarbeiten wollte, dass sich der Inhalt, geschweige denn der Sinn und schon gar nicht der „große Plan" in allen Aspekten und Facetten, dem Leser kaum offenbart: Der Roman ist so gut wie unlesbar. Stattdessen will er bezwungen werden: Ein stetiges, diszipliniertes Vorabreiten nicht nur durch einen Text, der sich eben durch Mann'sche Schwere und Verworrenheit auszeichnet, sonder vor allem durch seine bis zuletzt immer unklare Bedeutung, die sich nur auf Grundlage umfangreichen Vor- und Zusatzwissens, begleitender, erklärender, helfender Literatur und eines kritischen Diskurses langsam und schemenhaft erschließt. Thomas Mann hat das Werk nicht eigentlich geschrieben, sondern eben konstruiert: Es wurde über Jahre nach und nach Zusammengetragen und aus zahlreichen fremden Textstellen konstruiert. Diese endlos vielen Teile wollen wieder auseinadergenommen, einzeln betrachtet und verstanden und dann wieder zusammengesetzt werden, um einen Blick auf das Ganze zu eröffnen.
Genau hier liegt also das Besondere des Romans, das Problem und die Herausforderung: Es braucht schon ein gewisses „Siphillisches Fieber" wie das des Titelhelden, um dem Werk gerecht zu werden: Man kann nicht nur, man muss sich „festbeißen" an den unzähligen Querverbindungen, Mustern und Spiegelungen, will man mehr als nur die Schönheit der dunklen Sprache bewundern. Allerdings hat Mann seine Hinweise und Anspielungen auch großzügig gestreut, und auf jeder Seite lässt sich etwas neues entdecken, wenn man nur genau hinschaut: Nach nochmaligem Lesen des 3. Kapitels den Schlüssel zur seltsamen Stelle am Ende des 17. zu finden und dann im Kommentar zu lesen, dieses sei eine Antwort auf einen Roman des 18. Jahrhunderts, was bei Durchsicht des 5 Kapitels völlig klar wird, ist einfach ein Erlebnis, dessen Intensität nach dem persönlichen Einsatz richtet, der dem Buch zugestanden wird.
Wer solchen Eifer und Ausdauer allein aufbringt, ist umso mehr zu bewundern. Ich konnte dieses Werk nur im Verbund mit anderen und dessen neuen Ideen halbwegs fassen, zumal ich es ohne Zwang von außen wohl kaum so umfassend studiert hätte. Wer aber nur die Oberfläche betrachtet, ist zu recht enttäuscht: Ein flüssiger Gesellschaftsroman ist gewiss nicht gelungen, vielmehr ein Machwerk im eigentlichen Sinne, dass soviel will, dass man es beim besten Willen wohl nie zur Gänze durchschauen kann: Schließlich bleibt alles geradezu auf teuflische Art eben doch nur Andeutung und wage Ahnung, Gewissheit aber bleibt meist aus. Dieser Zwang zur Spekulation und die im Innersten Düstere Stimmung und Botschaft des Werkes können kaum zu einem uneingeschränkt positivem Literaturerlebnis verhelfen, doch was bleibt, ist mit Sicherheit Faszination, die sich in Abscheu oder Euphorie andere Rezensenten ausdrücken mag.
Fazit: Kein Roman zum Lesen, sondern eine Herausforderung an Ausdauer, Bildungsbürgerwissen, Kombinationsgabe und Zweckoptimismus, die sich lohnt.
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30 von 35 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ich ziehe meinen Hut, 4. Januar 2006
Von Ein Kunde
Ich ziehe meinen Hut sowohl vor Thomas Mann, als auch vor jedem, der das Buch ganz gelesen hat. Ich verstehe jeden, der das Buch nach den ersten Kapiteln weggelegt hat, da für jeden, der die Art des Sprache nicht mag, versteht oder einfach zu anstrengend findet, der Roman zu einer Qual wird. Andererseits ist der Roman einfach nicht für die breite Masse geschrieben. Thomas Manns "Kunst" all die in den vorigen Rezensionen genannten wichtigen Aspekte in einem Roman zusammenzufassen, diesem einen roten Faden zu verleihen und in eine Sprache zu betten, welche über fast 700 Seiten perfektionistisch und unnachahmbar ist, verleiht dem Roman den Titel "Meisterwerk". Dieses Werk zeichnet Mann nicht nur als Sprachkünstler aus, sondern auch als einen Leistungsethiker ohne gleichen aus. Seine Kenntnisse von Musiktheorie und Musikgeschichte, die er sich vor dem Schrieben des Romans durch intensives Studium aneignen musste, lassen auf einen absoluten Perfektionisten schließen. Alles in allem kann dieser Roman als das wohl perfektionistischte, anspruchvollste und langatmigste Werk Tomas Manns gelten. Wer sich aber bemüht das Buch zu lesen, zu verstehen und auch noch ein wenig Spaß daran hat, wird erkennen wie genial, wichtig und unvergleichbar dieser Roman eigentlich ist.
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24 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Intellektuelle Fleißarbeit, die sich auszahlt, 11. Juli 2006
Obwohl ich Thomas Manns Werke bereits seit über 15 Jahren lese und liebe hatte ich mich bis vor kurzem um den 'Dr. Faustus' gedrückt, da dessen Reputation als verkopfter Bildungsbürgerroman ja kaum zu überbieten ist.

Nachdem ich aber Liebhaber klassischer Musik und dazu geschichtsinteressiert bin, habe ich mich schließlich zur Lektüre überwunden und war nach Anfangsschwierigkeiten äußerst angetan: Zwar ist die Einführung, die Leverkühns und Zeitbloms (des Ich-Erzählers) Jugend in Thüringen schildert trotz netter Milieuschilderungen noch etwas langatmig und gespreizt geraten - Mann-Anhänger mögen mir verzeihen.

Was aber bei der Schilderung der Lehrjahre bereits beginnt und sich im weiteren Verlauf des Buches weiter steigert und entwickelt, das sind die ausdrucksstarken und feinsinning analysierten Bezüge zur Zeitgeschichte, in denen sich dem Leser oft weniger der fiktive Erzähler Zeitblom als vielmehr Thomas Mann selbst zuwendet, um von den düsteren Erfahrungen der letzten Kriegstage und dem Untergang des 3. Reichs zu berichten.

Diese Abschnitte werden gegen Ende der Geschichte (also auch gegen Kriegsende) immer länger und intensiver, wie etwa die Schilderung der Bombardements von München und Umgebung. Für mich stellen diese fast autobiographischen Passagen neben dem komplexen aber makellosen Erzählstil Manns die eigentlichen Höhepunkte dieses Romans dar!

Weiterhin faszinierend sind die viel beschworenen Parallelen zwischen fiktivem Teufelspakt des Künstlers und realem Faschismus sowie der Untergang der jeweils 'verführten' Seite - beides meisterlich miteinander verknüpft. Dagegen sollte man bei den viel gelobten musikalischen Exkursen selbst entscheiden, ob man sie detailliert lesen - oder eher überblättern möchte: Außer für Freunde klassischer Musik und hier besonders der neuen Wiener Schule bieten sie dem Laien kaum Unterhaltsames, so beachtlich Manns Fachwissen über Schönberg und Konsorten auch ist.

Insgesamt ist dieses Buch natürlich stark kopflastig und ganz sicher nicht der richtige Einstieg für an Thomas Manns Werk interessierte Leser. In Anbetracht seiner Längen und seiner doch stark formalisierten Sprache kann ich es auch nicht uneingeschränkt empfehlen. Wer aber komplexen Schreibstil gewohnt ist und sich für Zeitgeschichte interessiert wird hier auf allerhöchstem Niveau brilliant unterhalten und lernt gleichzeitig mehr über Musik und deutsche Geschichte.
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13 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Empfehlenswerte Umsetzung des Klassikers, 16. November 2007
Rezension bezieht sich auf: Doktor Faustus, 10 Audio-CDs (Audio CD)
Doktor Faustus ist mein persönliches Lieblingswerk von Thomas Mann. War daher sehr gespannt als ich dieses Hörbuch geschenkt bekam. Ich bin nicht enttäuscht worden!

Zu aller erst muss man sagen, dass es (zum Glück!) kein reines Hörbuch ist, in dem ein Erzähler den Text einfach so runterliest. Verschiedene Sprecher und ein Erzähler führen den Hörer hörspielhaft durch das Leben des deutschen Tonsetzers Adrian Leverkühn. Dies ist in meinen Augen eine sehr geschickte Art und Weise, die Aufmerksamkeit des Hörers aufrechtzuerhalten (dies hat sich ja zum Glück bei vielen größeren Hörbuchproduktionen halbwegs durchgesetzt, reine "Vorleseorgien" irgendwelcher Einzelsprecher sind für mich einfach nur zum einschlafen!).

Dramaturgisch halte ich die Umsetzung ebenfalls für sehr gelungen. Natürlich ist der Text gekürzt, sonst müssten es ja 30, 40 oder gar mehr CDs sein. Germanisten, die ins Detail gehen wollen, werden aber wohl sowieso zum Buch greifen, daher fällt dies für mich nicht negativ ins Gewicht.

Alles in allem eine sehr gelungene Umsetzung als Hörbuch/Hörspiel, die es hier bei Amazon zum fairen Preis/Leistungs Verhältnis gibt. Unterhaltung auf hohem Niveau, nicht nur für Thomas Mann Fans.
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Doktor Faustus
Doktor Faustus von Thomas Mann (Audio CD - 7. Oktober 2009)
EUR 29,95
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