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11 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wie ein Land in den Abgrund taumelt....
Die Erinnerungen des Autors verdeutlichen die Atmosphäre in Deutschland vor und nach der Machtergreifung durch die Nazis. Was dabei dem Autoren dabei herausragend gelingt, ist die Darstellung eines Landes, das dem Abgrund entgegentraumelt und wie sich selbst die Anti-Nazis den neuen Machtherren anpassen und letzten Endes irgendwie mitgehen. Der Autor zeigt das sehr...
Veröffentlicht am 22. September 2002 von andante

versus
24 von 41 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Enttäuschend
Mich hat das Buch sehr enttäuscht, vor allem im Vergleich zu anderen Büchern Haffners, die ich kenne. Das fängt schon bei der Sprache an - es mag mit der Entstehung des Buches zusammenhängen, jedenfalls kommt es einem so vor, als wäre es aus dem Englischen übersetzt. Aber vor allem: während Haffner in späteren Werken so schreibt,...
Veröffentlicht am 15. August 2001 von Ulrich Hartmann


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11 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wie ein Land in den Abgrund taumelt...., 22. September 2002
Von 
andante "peter_berlin" (Cologne, Germany) - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Die Erinnerungen des Autors verdeutlichen die Atmosphäre in Deutschland vor und nach der Machtergreifung durch die Nazis. Was dabei dem Autoren dabei herausragend gelingt, ist die Darstellung eines Landes, das dem Abgrund entgegentraumelt und wie sich selbst die Anti-Nazis den neuen Machtherren anpassen und letzten Endes irgendwie mitgehen. Der Autor zeigt das sehr genau und fein beobachtet in seinem eigenen Freundes- und Bekanntenkreis und seiner eigenen Familie. Mit den Nazis wird das Politische auch das Persönliche. Das Privatleben des Einzelnen hört auf zu existieren, denn es wird von der öffentlichen (Nazi)Sphäre beherrscht.
Mit relativ wenigen Beispielen - es ist kein sehr umfangreiches Buch, wenn man das immense Thema bedenkt - gelingt es Haffner den „Tanz auf dem Vulkan" dem Leser so herüberzubringen, dass dieser ein Gefühl für die Ausweglosigkeit und Verzweiflung dieser Jahre bekommt. Verzweifelt sind natürlich nur die, die das System ablehnen. Doch auch in Haffners eigenen Kreisen gibt es genug, die gerne mitziehen und an den Beginn einer neuen Zeit glauben. Gerade diese Unmittelbarkeit und Nachvollziehbarkeit machen das Buch zu einem Leseerlebnis. In der Veröffentlichung seiner eigenen Erlebnisse und Erfahrungen sieht der Autor die Möglichkeit seine Perspektive dieser Zeit darzustellen mit der einzigen für ihn möglichen Schlussfolgerung, dass Deutschland nicht mehr von innen, sondern nur von außen, durch das Eingreifen anderer Länder, vor sich selber zu retten sei. Durch seinen familiären Hintergrund mit den notwendigen Mitteln ausgestattet, konnte Haffner dann auch Deutschland verlassen.
Haffner kommt auch zu vielen Schlussfolgerungen über den deutschen Nationalcharakter und wie er sich von anderen unterscheidet. Bedenkt man die deutsche Geschichte, ist diesen eigentlich kaum etwas entgegenzusetzen. Es ist wirklich ein Buch, dass Geschichte zum „Anfassen" ermöglicht und den vielen Büchern über das Deutschland im Dritten Reich neue Aspekte hinzufügt.
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14 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Dieses Buch ist ein Erlebnis, 22. August 2003
Wie erlebten die deutschen Schuljungen den ersten Weltkrieg, und warum war dies für das Aufkommen des Nazismus später viel bedeutsamer als das „Fronterlebnis" der Soldaten ? Warum empfanden die Deutschen die Niederlage als so demütigend - waren sie so schlechte Verlierer, oder steckte mehr dahinter ? Warum gestaltete sich die Inflation gerade in Deutschland so desaströs, hatten nicht auch die anderen europäischen Staaten - sogar die Siegermächte - mit ihr zu kämpfen ? Und was hatte sie für spezifische Auswirkungen auf die deutsche Psyche ? Was bedeutete Rathenau, was bedeutete Stresemann dem deutschen Durchschnittsbürger ? Was machte einen großen Teil der Deutschen Anfang der 30er so anfällig für Hitler ? Und warum brachen nach dem Reichstagsbrand und dem darauffolgenden Terror der Nazis nicht nur die Reste der morsch gewordnen ungeliebten Demokratie zusammen, sondern auch fast jeder Widerstand gegen die braunen Horden ?
Sebastian Haffner blickt, gerade erst nach England emigriert, mit seiner bisherigen Lebensgeschichte und der seiner Umgebung scharf in die Seele des Durchschnittsdeutschen und beantwortet diese Fragen mit der gleichen Brillianz, die auch die meisten seiner späteren Werke so auszeichnet - vielleicht bis auf die letzte. Denn immer noch ist es für uns Spätgeborene unfaßlich, wie nicht nur die schwachen demokratischen, sondern auch die bedeutenden national-konservativen Kräfte dem zügellosen Terror der SA-Banden und der vollständigen Zerschlagung des Rechtsstaates untätig zusahen !
Menschen wurden erschossen, gefoltert, verschwanden in Konzentrationslagern, darunter beliebte und nicht einmal unbedingt politische Prominente, und doch erhob sich kaum eine Stimme des Protestes gegen diese Ungeheuerlichkeiten. Stattdessen schalteten sich Presse und Staatsorgane ohne größeren Druck von allein gleich, lösten sich die Parteien von selbst auf.
„Wo sind eigentlich die Deutschen geblieben ? Noch am 5.März hat die Mehrheit von ihnen gegen Hitler gewählt. Was ist aus dieser Mehrheit geworden ?"
Haffner beschreibt mehrere typische Reaktionen - Flucht in die Idylle, Flucht in den passiven Pessimismus, Flucht in die Partei. Und doch bleibt die Frage, warum von allen Seiten die Flinten ins Korn geworfen wurden, als noch nicht alles verloren war, als es noch etwas zu retten gab, was auch der verstockteste Schlotbaron nicht hätte aufgeben dürfen - die basalsten Grundlagen menschlichen Zusammenlebens.
Im letzten Abschnitt schildert er das Wehrlager für Referendare, an dem er teilnehmen mußte - mußte er es? stellte er sich selbst die Frage. Er beschreibt , wie sich durch das gefährliche Mittel der „Verkameradung" - so nennt er es - und durch scheinbares Ausweichen vor dem Nazismus in das Nur-Soldatische auch die kritischeren Geister, die sich plumper „weltanschaulicher Schulung" widersetzten, willig in das System einfügten.
„Und alle übersahen geflissentlich, daß gerade die Reichswehr der Kanal war, durch den ihre Kräfte in den Dienst Hitlers geleitet wurden. Ein großer, ein entscheidender Vorgang."
Gerüstet mit der Lektüre eines solchen Buches versteht man gewisse historische Mechanismen besser. Das Buch hat nach Haffners Worten eine nicht laut gepredigte, es hat eine stumme Moral. „Ich habe nichts dagegen, daß man nach der Lektüre alle die Abenteuer und Wechselfälle wieder vergißt, die ich erzähle. Aber ich wäre sehr befriedigt, wenn man die Moral, die ich verschweige, nicht vergäße."
Wehret den Anfängen !
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14 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Muss!, 19. Oktober 2002
Nicht umsonst ist dieses Buch in der "Schülerbibliothek" der ZEIT als eines von 50 Büchern, die man (gerade als Deutscher) gelesen haben sollte, enthalten.
Für mich ist dieses Werk die Antwort auf viele Fragen, die ich mir seit Jahren stelle und auf die ich von Großeltern, Eltern, Lehrern, aber auch eben Büchern und Filmen nie befriedigende Antworten erhalten habe.
Endlich erzählt jemand nachvollziehbar davon, wie es zu Hitler u. der Judenvernichtung kommen konnte.
Und zwar aus der Perspektive von "einem von uns".
Seit der Lektüre dieses Buches hat sich mein Blick auf die Gesellschaft verändert, und das ist das eigentlich großartige an diesem Werk: der Leser nimmt wertvolle Erkenntnisse mit und kann aktuelles Geschehen besser einordnen.
Mehr kann ein solches Buch nicht erreichen, daher: 5 Sterne!
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10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Sehr lesenswerte Erfahrungen zu Beginn der Nazizeit, 12. September 2000
Von Ein Kunde
Sebastian Haffners Schreibgeschick hier erneut zu loben wäre gleichbedeutend damit, Eulen nach Athen zu tragen. Was dieses Buch jedoch weiterhin lesenswert macht, ist die Darstellung des Lebens zu Beginn der Nazizeit in Deutschland.
Haffner schildert in diesem Werk die Erinnerungen an seine eigene Jugend und beginnt damit bereits 1914, zu Beginn des ersten Weltkriegs. Anschaulich beschreibt er, wie die Einstellungen und Werte der Gesellschaft jener Zeit einen Menschen prägten. Er verknüpft historische Fakten verschiedener Art mit seinen eigenen Gedanken und schafft es, dem Leser ein umfassendes Bild der teilweise widersprüchlichen Gefühle der Menschen jener Zeit zu vermitteln. Haffner versucht nicht, die geschichtlichen Entwicklungen zu rechtfertigen, sondern erläutert, auf welcher sozialen Grundlage und auf welcher Erwartungshaltung aufbauend Deutschland sich entwickelte. Erstaunlich ist, daß er in diesem Werk, das noch vor dem zweiten Weltkrieg geschrieben wurde und dessen Inhalt 1933 endet, wesentliche Elemente der weiteren Geschichte treffend vorhersagt.
Unbedingt lesenswert für jemanden, der sich mit Geschichte und Politik, aber auch mit der Gesellschaft zu jener Zeit auseinandersetzen möchte.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen unbedingt lesen!, 4. Dezember 2004
Von 
M. Hansen (Berlin) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Ich habe dieses Buch gelesen, da ich es in der Schule vorstellen sollte, was ja erst einmal nicht für allzu viel Interesse sorgt. Doch nach ein paar Seiten war ich so gefangen von diesem Thema, dass ich wirklich nicht mehr aufhören konnte zu lesen, denn hier werden wirklich einmal die Grundlagen des deutschen Charakters erklärt und das in einer unglaublich schönen Art des Schreibens. Endlich schafft es mal ein Geschichtsautor, in einer anschaulichen und trotzdem recht poetischen Sprache über ein interessantes Thema zu berichten! Das Buch zählt zu meinen absoluten Lieblingsbüchern!!
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Psychogramm einer Gesellschaft, 29. Oktober 2004
Von 
C. Holst (Bremen) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Anhand seiner eigenen Jugend und seinem Erwachsenwerden erzählt Haffner den Aufstieg des Nationalsozialismus in Deutschland. Er beginnt dabei mit dem Ersten Weltkrieg, dem Trauma, das sein Ende für Deutschland mit sich brachte, die Wirren der darauffolgenden Zeit, in der die Gesellschaft aus den Angeln gehoben zu werden schien, die allmähliche Beruhigung und schließlich sehr ausführlich, die Machtübernahme der Nazis, die von vielen zunächst als eine schnell vorübergehende politische Verirrung eingestuft wurde. Haffners Erzählungen sind von ungeheurer Authentizität, da er sie anhand seiner eigenen Biografie und daher ganz aus seiner subjektiven Sicht erzählt. Dennoch gelingt es ihm immer, den gesamtgesellschaftlichen Kontext zu beleuchten, teils indem er seine früheren tagesaktuellen Meinungen erinnert, teils aus der zeitlichen Distanz (das Buch wurde 1939 im Exil geschrieben). Seine Scharfsicht und Urteilsfähigkeit ist überaus bemerkenswert, denn 1939 hatte die Katastrophe ihren Höhepunkt ja noch längst nicht erreicht. Die Sicht eines Beteiligten und die des distanzierten Beobachters greifen so permanent ineinander. Haffners Essay ist nicht bloß Erinnerung und Augenzeugenbericht, sondern zugleich Psychogramm einer Nation, das erklärt, wie die politischen und gesellschaftlichen Ereignisse zwischen 1914 und 1933 den Nährboden für die Naziherrschaft bilden konnten, ohne jemals in die Rolle des Moralapostels zu verfallen, aber auch ohne sich jemals eines dezidierten Standpunktes zu enthalten und gleichgültig zu sein.
Neben Haffners Buch »Anmerkungen zu Hitler«, sind diese Erinnerungen ein absolutes Muss für jeden, der verstehen will, wie es zur Nazidiktatur kommen konnte.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Deutsche Literatur in seiner besten Form, 17. Oktober 2004
Von 
M. Hansen (Berlin) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Haffner schuf mit diesem, von ihm selbst häufig unterbewerteten, Werk eines der besten Bücher, die ich je gelesen habe. Es ist wirklich ein Genuss, dieses Buch zu lesen, weil es in einer sehr schönen Sprache geschrieben ist und man hat teilweise das Gefühl, jedes Wort sei wirklich an dieser Stelle bestimmt und sehr passend gewählt. So las ich gerne Passagen mehrmals, nicht weil es Probleme gab sie zu verstehen, nein, ganz einfach: Es war wunderschön, sich die Wörter noch ein zweites Mal vor Augen zu führen und endlich schaffte es ein Autor einmal, meine Gedanken in Bezug auf dieses Thema in Worte zu fassen. Vielen Dank, Herr Haffner!
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Bekenntnis gegen den Nationalismus, 9. April 2002
Von 
F. Althoff (Köln) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
1939 blickt Sebastian Haffner auf die Zeit von 1914 bis 1933 zurück. Dabei haben sich mir neue Einsichten in die deutsche Geschichte eröffnet wie die Wichtigkeit des Jahres 1923. Haffner beschreibt Geschichte als die Geschichte eines Jugendlichen/jugen Mannes, wie es sicherlich viele gegeben hat. Genau dies macht dieses Buch so faszinierend.
In einer bemerkenswerten Sprache lässt er die Leser an dem teils schleichenden Weg Deutschlands in die Diktatur unter Hitler teilnehmen - und an der Unfähigkeit, an der Entwicklung etwas ändern zu können. Auch belegt er wie nur wenige vor ihm, dass man damals die Augen schon sehr fest schließen musste, um "nichts gewusst zuhaben". Bereits 1933 konnte jeder wissen, dass es Konzentrationslager gab, auch wenn das Ausmaß der Verbrechen, die dort begangen wurden, noch nicht absehbar waren. Aber dass Hitler einem verbrecherischen System vorstand, war offensichtlich.
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25 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen das langsame Heranwachsen der nationalsozialistischen Gefahr, 20. März 2005
„Wenn du dich für das Thema Nationalsozialismus interessierst, dann lies mal die „Geschichte eines Deutschen" von Sebastian Haffner", hatte mir ein Freund gesagt.
Gerade mal 31 Jahre war Haffner, als er 1939 im britischen Exil dieses Buch schrieb.
1939 - also mitten in der NS-Zeit, die zu diesem Zeitpunkt noch längst nicht ihren blutigen Höhepunkt erreicht hatte.
Haffner rechnet mit einem System ab, dass zu diesem Zeitpunkt noch besteht. Im selben Jahr, in dem Deutschland in Polen einmarschiert und der Zweite Weltkrieg losbricht.
Doch diese Anklage (im Grunde ist es weniger eine Anklage, als vielmehr ein Tatsachenbericht) richtet sich nicht nur gegen einen Großteil seines Volkes, Haffner richtet diese Anklage auch immer wieder gegen sich selbst. Immer wieder hinterfragt er auch sein eigenes Handeln, oder vielmehr: sein eigenes Nicht-Handeln.
Meist finden sich literarische Berichte zur NS-Zeit in Form von Anklagen gegen ein ganzes Volk oder in autobiographischen Schilderungen. Haffner versteht es, beides geschickt zu verknüpfen. So beschreibt er sich als Teil einer Generation, die viele Nazianhänger hervorbrachte. Er selbst bezeichnet es als „die Privatgeschichte eines zufälligen, gewiß nicht besonders interessanten und nicht besonders bedeutenden jungen Menschen aus dem Deutschland von 1933" - aber gerade das ist es, was diesem Bericht seine Einzigartigkeit verleiht.
Haffner, 1907 geboren, gehörte zu einer Generation, die den Ersten Weltkrieg nicht an der Front miterlebte. Für ihn und Gleichaltrige war es vielmehr eine Art Abenteuerspiel, die aktuellen Kriegsberichte in den Straßen von Berlin nachzuspielen.
Als der Krieg dann 1918 zu Ende war, war Haffner, damals elfjährig, verwirrt und enttäuscht. Wo doch die Kriegsberichte immer so positiv klangen - und nun bat ausgerechnet Deutschland um ein Ende des Krieges? Unvorstellbar. Und wohl einer der Gründe, warum später so viele grade aus dieser Generation den Frieden von Versailles als „Schandfrieden" ansahen.
An die Stelle der Kriegsspiele trat zur Zeit der Weimarer Republik der Sport. Was bei den Spielen anfing, mit dem Sport weiterging, wurde schließlich später in großem Maße von den Nationalsozialisten fortgeführt: das Ideal der Kameradschaft, der Zugehörigkeit zu Gruppen.
Im Laufe des Buches rückt der Antisemitismus immer mehr in den Vordergrund. Spielte er zur Zeit der Weimarer Republik kaum eine Rolle, so gewinnt er mit der Machtübernahme
Der Nationalsozialisten im Januar 1933 immer mehr an Bedeutung, rückt in sein persönliches Umfeld. Sein bester Freund Frank, ein Jude, verläßt das Land rechtzeitig. Auch Haffners damalige Freundin verdeutlicht ihm die Gefahr, die das neue System für seine Freunde bereithält.
Doch warum wehrt sich ein intelligenter junger Mann wie Sebastian Haffner nicht gegen die dort aufkommende Gefahr? Zum Teil wohl aus anfänglicher Unterschätzung. Später jedoch auch aus Angst - „jeder die Gestapo des anderen" - wer Nazi ist und wer nicht ist durchaus nicht mehr ohne weiteres zu bestimmen.
Was der Leser nach diesem Buch ein wenig besser begreift, ist die Frage, wie die Nationalsozialisten überhaupt möglich werden konnten. Dass sich dabei immer noch (oder vielleicht auch wieder) erschreckende Parallelen zu unserer heutigen Zeit finden lassen, dürfte wohl kaum überraschen. Haffner hatte gehofft, eine nie offen genannte Moral weitergeben zu können. Er hat davor gewarnt, dass ein System wie die Diktatur der Nationalsozialisten erneut entsteht. Denen, die dieses Buch gelesen haben, wird diese Moral wohl auch im Gedächtnis bleiben.
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11 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Emphelenswert, 10. Januar 2001
Als amerikanischer Jurastudent in Deutschland hat mir dieses Buch eine bessere Idee geschafft, wie die Deutschen zu der Zeit dieser Erinnerungen waren und wie sie heute sind. Interessant ist vor allem die Tatsache, daß Haffner es 1939, also noch während dieser Nazizeit, welche u.a. die verfassungsmäßig garantierte persönliche Freiheit und Bürgerwürde wegnahm und die deutschen Zivilisation fast vernichtete, geschrieben hat und dabei als junger Mensch (als "Durchschnittsmench") die Folgen dieser Zeit schon so klar verstanden und vorausgesagt hat. Dies ist eine privat Geschichte, die gleichzeitig einen psycologischen Hintergrund zu dieser Zeit gibt. Er schreibt zum Beispiel über die tägliche Versuchung für "Arier" die Nazipartei beizutreten: "Ein kleiner Pakt mit dem Teufel--und man gehörte nicht mehr zu den Gefangenen und Gejagten, sondern zu den Siegern und Verfolgern". Ich mußte denken, als ich das Buch las, wie aktuell noch das ganze Thema "Nazitum" in Deutschland und Österreich ist und wie man daran zu Erinnerung gerufen wird; z.B., Haffner sagt, daß die Juden wurden vorgeworfen, die hätten Kunst, Wissenschaft etc. "überfremdet". Das erste Mal, das ich das Wort sah war es auf ein Wahlplakat in Wien für die F.P.Ö.: "Stop der Überfremdung".
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Geschichte eines Deutschen: Die Erinnerungen 1914-1933
Geschichte eines Deutschen: Die Erinnerungen 1914-1933 von Sebastian Haffner (Audio CD - 12. Oktober 2007)
EUR 24,95
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