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5.0 von 5 Sternen ein beeindruckendes Zeitdokument, 22. Februar 2008
Rezension bezieht sich auf: Von Pearl Harbor bis Stalingrad: Die Kommentare zum Krieg (Gebundene Ausgabe)
George Orwell war kein Mensch, der sich das Denken verbieten ließ - er mischte sich in die Ereignisse seiner Zeit ein, wo immer es ihm geboten schien, machte umfassende Erfahrungen mit verschiedensten politischen Systemen und geriet auch schon mal in Konflikt mit der Zensur - Erfahrungen, die sich unter anderem in seinem Roman "1984" widerspiegeln. Viele dieser Erfahrungen machte er als BBC-Korrespondent, was auch in diesem Band hier sehr deutlich wird.
Diese gesammelten Rundfunkkommentare bieten dabei einen umfassenden zeitgenössischen Einblick in die Geschehnisse des 2. Weltkrieges auch auf Schauplätzen (insbesondere Indik / Pazifik), die uns im Geschichtsunterricht in der Regel vorenthalten wurden. Orwell kommentiert aber auch innenpolitische und parteiinterne Vorgänge in Großbritannien, Wirtschaft und diplomatische Aktivitäten. Dass er dabei nicht immer mit seinen Auftraggebern (der Indien-Abteilung der BBC) konform ging, wird in dem Buch sehr anschaulich dargestellt: zensierte, aber in Orwells Niederschriften noch lesbare Passagen werden in eckigen Klammern wiedergegeben. Dazu gehören zum Beispiel Berichte über Rationierungen in der Heimat oder Kritik an der Einsetzung des ehemaligen Kollaborateurs General Giraud als Oberhaupt der französischen Truppen in Afrika 1942.
Natürlich darf man die literarische Autorität Orwell nicht als objektiven Beobachter missverstehen - auch er ist subjektiv und verfolgt bestimmte Intentionen, auch wenn sie den offiziellen britischen Leitlinien mitunter widersprechen. Auch seine Reden sind letztlich Propaganda (zu sehen ist dies zum Beispiel daran, dass Orwell erst mit etlichen Monaten Verzögerung berichtet, dass im besetzten Frankreich mittlerweile die nationalsozialistische Judenpolitik in Kraft gesetzt wurde) - allerdings werden im direkten Vergleich zu den im Anhang reproduzierten Veröffentlichungen anderer Propaganda-Sender enorme qualitative Differenzen sichtbar. Populist ist Orwell ganz sicher nie gewesen - auch hier nicht.
Die Einleitung liefert dem Leser das nötige Hintergrundwissen zum Verständnis der Ereignisse und erläutert kurz Orwells Verhältnis zur BBC, der Anmerkungsapparat zu den Reden selbst ist gleichfalls sehr hilfreich.

Damit bietet dieses Buch gleich dreierlei Argumente auf, die es unbedingt lesenswert machen:
es zeigt einen unmittelbaren Blick auf Ereignisse des 2. Weltkrieges,
liefert einen Beitrag zum Verständnis der facettenreichen Persönlichkeit George Orwell
und öffnet eine neue Perspektive auf das nach wie vor hochbrisante Problem der Glaubwürdigkeit von Medien - eine Fragestellung, die jeden von uns betrifft, will man sich nicht blind von Informationen leiten lassen, deren Herkunft nur schwer zu überprüfen ist.
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Von Pearl Harbor bis Stalingrad: Die Kommentare zum Krieg
Von Pearl Harbor bis Stalingrad: Die Kommentare zum Krieg von George Orwell (Gebundene Ausgabe - 1. August 2007)
Gebraucht & neu ab: EUR 9,29
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