Kundenrezensionen

12
3,8 von 5 Sternen
Der Himmel über Greene Harbor
Format: Gebundene AusgabeÄndern
Preis:19,90 €+Kostenfreie Lieferung mit Amazon Prime
Ihre Bewertung(Löschen)Ihre Bewertung


Derzeit tritt ein Problem beim Filtern der Rezensionen auf. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.

17 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 11. Februar 2013
"Es regnete im Herbst, im Winter und im Frühling. Der Himmel hob und senkte sich; der Ozean zog sich zurück und rauschte heran, aber bis zu jenem Sommer, in dem ich vierzehn Jahre alt wurde, blieb Loyality Island so, wie es war."

Dieser Satz von Seite 12 stimmt einen als Leser schon sehr gut auf die Stimmung, die im Buch herrscht, ein. Dieser düstere, bedrohliche Himmel, der vom nahenden Unheil kündet.

Es ist Spätsommer in Loyality Island, einem Fischerdorf an der Nordwestküste der USA. Jedes Jahr um diese Zeit machen die Männer die Schiffe fertig, um über die Wintermonate in der Beringsee Krabben zu fangen und so das Familienauskommen für das ganze Jahr zu verdienen. Da stirbt John Gaunt, der Reeder, dem die gesamte Flotte der Stadt gehört. Ein Tod, der alle in Loyality Island betrifft, denn Johns Sohn Richard hat keinerlei Interesse daran, den Familienbetrieb weiterzuführen, mit der Folge, dass nahezu die gesamte Bevölkerung arbeitslos wäre und das Fischerdorf vor den Trümmern seiner Existenz läge.

In diesem Szenario wächst der vierzehnjährige Cal auf, von der Mutter großgezogen, die aber lieber wieder in Kalifornien leben würde, statt in dieser Einöde. Überhaupt scheint sie das ganze Jahr über abwesend zu sein und verkriecht sich in ihr Tonstudio, um alte Platten anzuhören. Und da sein Vater auch nur das halbe Jahr zu Hause ist, hat sich Cal mit den Gegebenheiten arrangiert. Ein Schicksal, das viele auf der Insel trifft, und das Nick Dybek grandios zu beschreiben weiß. Mit kühler Emotionalität schildert er den Alltag des Jungen und sein Erwachsenwerden.

Aber wie sollen dem Jungen und den anderen Kindern Werte wie Moral und Anstand beigebracht werden, wie der Unterschied von richtiger und falscher Loyalität? Die wortkargen Väter des Dorfes sind da auch keine Hilfe. Sie interessieren sich fast ausnahmslos für ihre Boote und den Krabbenfang, der aber dieses Mal droht auszufallen. Denn Richard will alle Fanglizenzen an die Japaner verkaufen. Doch die Flotte läuft aus, und dann heißt es, Richard wäre in der kalten See ertrunken.

Nahezu zeitgleich macht Cal eine Entdeckung, die ihn an nahezu allem zweifeln lässt, was er in seinem Leben zu wissen glaubte.

Nick Dybek ist ein junger Nachwuchsautor aus den USA, der es in diesem Buch meisterhaft schafft, die großen Fragen des Erwachsenwerdens auf dieses Dorf zu projizieren. Spannend und atmosphärisch erzählt er die Geschichte von Cal, eingebettet in detaillierte Landschafts- und Schifffahrtbeschreibungen. Auch wenn ich mir an der einen oder anderen Stelle noch ausführlicher Details gewünscht hätte, beispielsweise zur Arbeitsweise und zum Leben der Männer auf den Booten, was nur einmal kurz angerissen wird, ist das Buch doch sehr gelungen und lesenswert. Ich freue mich jedenfalls schon, weitere Bücher des Autors zu lesen.
0KommentarWar diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinSenden von Feedback...
Vielen Dank für Ihr Feedback.
Wir konnten Ihre Stimmabgabe leider nicht speichern. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.
Missbrauch melden
3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Der alte John Gaunt war zu früh gestorben, hieß es unter den Fischern auf Loyalty Island, einer fiktiven Landzunge der Olympic-Halbinsel. John gehörte alles im Ort, die Fischkutter, die Ausrüstung, das Kühlhaus und die Fanglizenzen für Riesenkrabben, die die Männer in den Wintermonaten vor Alaska fingen. Mit einem guten Fang an Riesenkrabben konnte ein Mann sehr viel Geld verdienen - und setzte dafür sein Leben ein. Der Winter stand vor der Tür und John hatte keinen Nachfolger. Sein Sohn Richard war zwar schon fast dreißig Jahre alt, hatte aber noch nie einen Fuß auf das Deck eines Kutters gesetzt. Falls John, selbst Sohn eines Selfmade-Mans, einen Plan für seine Nachfolge gehabt haben sollte, hat er mit seinen Männern jedenfalls nicht rechtzeitig darüber gesprochen. Wie viele erfolgreiche Unternehmer kann er sich vermutlich schwer vorstellen, dass ein erfahrener Mitarbeiter die Geschäfte erfolgreicher weiterführen wird als sein leiblicher Sohn. Cal, der Erzähler der Ereignisse, war im Winter von John Gaunts Tod 14 Jahre alt. Seit früher Kindheit erlebt er den Zyklus vom Auslaufens der Boote zu Winteranfang in die Beringsee, die Angst der Angehörigen um Leben und Gesundheit der Fischer und das wiederkehrende Fremdeln in den Familien, wenn die Männer nach ihrer Rückkehr an Land erst wieder Fuß fassen müssen. Die Krise der Ehe seiner Eltern spürt Cal deutlich. Cals Mutter will auf keinen Fall, dass ihr Sohn Fischer wird wie sein Vater - und der sieht sich, verständlich, davon abgewertet. In diesem Jahr beginnt die Fangsaison mit der ungelösten Frage, ob Richard womöglich alles an die Japaner verkaufen und der gesamte Ort ohne Einkommen bleiben wird. Cals Mutter verschwindet in ihre alte Heimat Florida; Cal soll nicht allein im Haus bleiben und wird den Winter in der Familie seines Freundes Jamie verbringen. Die Väter der Jungen hatten Erwachsensein in ihren Anekdoten stets mit harter körperlicher Arbeit verbunden. Wer kräftig genug war, mit dem Vater nach Alaska zu fahren, war ihrer Ansicht nach für das Leben gerüstet. Doch die Existenz bedrohende Nachfolgefrage um Richard Gaunt zeigt den Jungen, dass zum Erwachsenenleben offenbar mehr gehört als Erfahrung auf See. Mit dem Originaltitel "When Captain Flint Was Still a Good Man" begannen stets die Geschichten, die sich Cals Vater zusätzlich für die Helden der Schatzinsel ausdachte. Die Zeit, in der Vater und Sohn miteinander reden konnten, scheint vorbei zu sein. Dabei wäre es wichtig, dass Cal herausfindet, was er mit seinem Leben anfangen möchte. Cal und Jamie haben in diesem Winter ohne ihre abwesenden Väter kräftig zu kämpfen mit der Lösung bedeutender moralischer Fragen, während sie rauchend auf dem Dach vor Jamies Zimmerfenster hocken.

Fazit
Nick Dybek legt einen beeindruckend erzählten Roman über Väter, Söhne, ihre Helden und das Geschichtenerzählen vor. Wer in der recht kurzen Geschichte vom Thema Fischerei und der idyllischen Lage des Ortes nicht zuviel erwartet, wird mit einer großartigen Coming-of-Age-Geschichte belohnt, die das Interesse an weiteren Büchern des Autors weckt.

--------------
"Seine [Richards] Geschichten waren Berichte aus einem Leben, dem wir nie begegnet waren. Das lag nicht etwa daran, dass sie aufregender oder dramatischer waren als die Geschichten unserer Väter über Alaska, aber die Alaska-Geschichten waren grau und durchnässt von eisigem Schleim. Sie ließen uns keuchen, aber nicht lächeln, und die Männer, die sie erzählten, lächelten - wenn überhaupt - nur, wenn sie uns keuchen hörten.

Richards Geschichten sagten uns etwas anderes: Es gibt viele Arten, sein Leben zu führen. Ich weiß das jetzt, aber wusste ich es damals? Offensichtlich war mir klar, dass es für mich ein Leben jenseits von Loyalty Island geben könnte. Ich hatte nur keine Ahnung, wie anders die Welt auf der anderen Seite des Puget Sound und des Kaskadengebirges aussah. Mir war nicht klar, was es bedeutete, in Loyalty Island zu bleiben und mir einen Platz auf den Schiffen bei meinem Vater zu erarbeiten. Es hieß nicht etwa, alles erreicht zu haben - es bedeutete vielmehr, unermesslich viel zu verpassen." (S. 216)
0KommentarWar diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinSenden von Feedback...
Vielen Dank für Ihr Feedback.
Wir konnten Ihre Stimmabgabe leider nicht speichern. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.
Missbrauch melden
2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 1. Oktober 2014
Inhalt

Der 14jährige Cal lebt mit seiner Familie auf Loyalty Island. Die Männer leben vom Fischfang und fahren im Herbst mit den Schiffen in die Beringsee Alaskas, um dort das Geld zu verdienen von dem sie den Rest des Jahres versorgt sind. Ihre Frauen bleiben zurück und müssen teilweise auch mit der Angst leben, dass die Männer nie wiederkehren. Als John Gaunt, der reichste Mann im Ort und noch dazu der Reeder, dem die gesamte Flotte gehört, stirbt, liegt das Schicksal der Bewohner in den Händen seines Sohnes Richard. Dieser ist jedoch alles andere als gewillt das Erbe seines Vaters fortzuführen und möchte lieber alles verkaufen, was die Einwohner von Loyalty Island in den Ruin treiben würde. Doch sie finden ihre ganz eigenen Mittel, um dem entgegenzuwirken.

Meine Meinung

Als ich die Kritik von Christine Westermann "Der Autor ist ein Maler mit Worten … Pures Lesevergnügen" las, wurde ich neugierig auf das Debüt von Nick Dybek. Doch leider kann ich die Begeisterung nicht teilen und das Buch bleibt hinter meinen hohen Erwartungen zurück. Der Autor greift Themen auf, wie z.B. das Ende einer Kindheit, die Schwierigkeit eine funktionierende Ehe zu führen und auch ein guter Elternteil zu sein, aber auch Verrat und moralische Verfehlungen. Die Hauptfrage ist jedoch: wie weit ist ein Mensch bereit zu gehen, um sein Ziel zu erreichen.

Die amerikanische Presse hat das Buch als mitreißend bezeichnet und genau das ist für mich der größte Kritikpunkt. Denn das ist bei mir leider gar nicht der Fall gewesen. Die Handlung plätschert vor sich hin und es gibt gerade mal eine Überraschung, von deren Verlauf jedoch die Fortführung der Geschichte abhängt und das Verhalten, der darin verwickelten Protagonisten bestimmt. An überraschenden Wendungen war es das dann allerdings auch schon und das Buch macht da weiter, wo es aufgehört hat. Dabei hat Nick Dybek eigentlich einen guten Schreibstil, der durchaus schöne Lesemomente kreieren kann, aber mir war das Buch über weite Teile zu emotionslos, als das es mich hätte berühren können.

Den Hauptprotagonisten Cal finde ich jedoch sehr gut gewählt. Aus seiner Sicht wird die Geschichte erzählt, die ihn gleichzeitig vom Kind zum Erwachsenen hat werden lassen. Er ist es, der seinen Vater mit den Bewohnern von Loyalty Island belauscht und über die Pläne dieser, wie mit Richard zu verfahren ist, fassungslos ist. Er ist es, der ohne Vater und Mutter und bei Nachbarn aufwachsen muss, da die beiden nicht mehr miteinander leben können und jeder seines Weges geht. Und er ist es, der eine ungeheuerliche Entdeckung macht, die in ihm Zweifel aufkommen lässt, was richtig und was falsch ist. Wäre er nicht gewesen, hätte ich das Buch sicher irgendwann zur Seite gelegt. Nur Cal ist es jedoch zu verdanken, dass ich bis zum Ende diese raue Klima – und damit ist nicht nur das Wetter gemeint – weiter verfolgt habe.

Fazit

"Der Himmel über Greene Harbor" ist ein solides Debüt, das mich jedoch nicht ganz überzeugt hat. Hauptprotagonist und Schreibstil tragen aber dazu bei, dass man weiter liest und wissen möchte, wie die Geschichte endet.
0KommentarWar diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinSenden von Feedback...
Vielen Dank für Ihr Feedback.
Wir konnten Ihre Stimmabgabe leider nicht speichern. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.
Missbrauch melden
2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 27. Mai 2013
Loyalty Island, das ist Wind, Regen, der Geruch von Fisch, Salz und Seetang - und es ist die Heimat des jungen Cal, der als Sohn eines Fischers im Panorama eines stürmischen, dunklen Ozeans aufwächst. Cal ist vierzehn Jahre alt und wartet nur darauf, selbst mit den Männern in See zu stechen, wie sein Vater. Doch seine Mutter ist dagegen. Das Verhältnis der Eltern ist zerrüttet und von Einsamkeit und Gefahr geprägt, was jedoch nichts Besonderes in dieser Ecke der Welt ist. Das gesamte Leben auf der kleinen Halbinsel im Bundesstaat Washington ist auf eines ausgerichtet: den Fischfang. Daneben hat nicht viel Platz. Er ist die Hauptschlagader des einfachen Lebens und allgegenwärtig; Jahr für Jahr machen sich die Männer des Ortes im Herbst mit ihren Schiffen auf in die zerstörerische Beringsee Alaskas, um am Abgrund der Welt das Geld für den Rest des Jahres zu verdienen. Jeder Job und jedes Leben hier scheint irgendwie mit der Fischerei verknüpft, und so ist die Aufregung auf Loyalty Island auch nur nachvollziehbar, als John Gaunt, der reichste Mann der Gegend und noch dazu der Besitzer der wichtigen Fanglizenzen, der Fabriken und der gesamten Fangflotte, stirbt. Das Schicksal und die Existenzen aller scheinen nun in den Händen des einzigen Erben zu liegen: Gaunts eigenwilligen und verantwortungsscheuen Sohn, Richard, der nicht im Traum daran zu denken scheint, an das Leben seines Vaters anzuknüpfen, sondern stattdessen lieber alles zu verkaufen droht und die Einwohner Loyalty Islands somit ihrem kläglichen Schicksal zu überlassen. Und das, kurz vor Beginn der Fangsaison.

Der junge Cal spürt, dass sein Vater und die anderen Kapitäne der Flotte das so nicht hinnehmen können, sondern im Stillen daran denken, irgendetwas zu tun, um nicht nur ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen, sondern gleichsam die Existenzen aller Einwohner vor dem sicheren Unheil zu bewahren. Doch würden sie Richard Gaunt tatsächlich umstimmen können oder gar Schlimmeres? Wäre Cals gutmütiger Vater wirklich dazu fähig?

Um es kurz zu machen: Dybek hat mit "Der Himmel über Greene Harbor", das im Original den wesentlich besseren Titel, "When Captain Flint Was Still a Good Man", trägt, einen vielversprechenden und grundsoliden Debütroman über Moral, Familie und die Schwierigkeiten des Erwachsenwerdens geschrieben. Mit schönen Sätzen, angenehmen Charakteren und klugen Dialogen zeichnet Dybeck das Porträt eines einfachen Lebens, das manchmal doch ziemlich kompliziert und gar höchst dramatisch sein kann. Sicher, der Roman verliert gegen Ende ein wenig an Fahrt, doch das schmälert nicht den Eindruck, dass wir uns auf mehr von dem jungen Amerikaner freuen können.

auch nachzulesen auf buchpiraten.blogspot.de
0KommentarWar diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinSenden von Feedback...
Vielen Dank für Ihr Feedback.
Wir konnten Ihre Stimmabgabe leider nicht speichern. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.
Missbrauch melden
2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 17. November 2014
Für mich weckt der Umschlagtext etwas falsche Erwartungen. Man kann die raue See leider nicht förmlich sehen und die Fangkörbe mit den Krabben auch nicht riechen. Auch ist der Autor für mich kein Maler mit Worten. Es ist sicherlich eine solide Geschichte, aber ich hatte mich auch darauf gefreut, dass der Küstenort im Nordosten der USA mit seinen Bewohnern etwas mehr "lebendig wird". Leider tauchen auch kaum positive Hauptakteure auf, irgendwie gibt es in dieser Geschichte eigentlich nur unglückliche Menschen. Ich habe das Buch zu Ende gelesen, denn man möchte schon wissen, wie die Geschichte ausgeht, aber ein purer Lesegenuss, der Spaß gemacht hat, war es für mich leider nicht.
0KommentarWar diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinSenden von Feedback...
Vielen Dank für Ihr Feedback.
Wir konnten Ihre Stimmabgabe leider nicht speichern. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.
Missbrauch melden
1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 5. August 2014
Der Roman „Der Himmel über Greene Harbor“ von Nick Dybek hat mir ausgesprochen gut gefallen und erzählt in der Ich-Weise unglaublich detaillierten Naturbeschreibungen rund um den Krabbenfang in Loyalty Island im Nordwesten der USA. Gleich zu Beginn ist die Geschichte sehr spannend und steigert sich im Verlauf weiter. In keinem Moment hatte ich den Eindruck, dass es irgendwie langweilig oder abflauend wird, wie es bei vielen anderen Büchern oft der Fall ist, im Gegenteil, die Spannung wird gehalten bis zum Schluss, der - so wie es eben passiert - völlig unvorhersehbar war. Darüber hinaus ist der Roman sehr atmosphärisch geschrieben. Dazu gesellen sich ganz herrliche Landschaftsbilder, von denen der Autor so erzählt, dass man das Gefühl hat, selbst in einem Boot in der unendlichen Weite des rauhen Meeres rund um Alaska zu stehen und die kühle Luft um die Nase geweht zu bekommen. Einfach toll geschriebenes Buch über die Beziehung zwischen Eltern und Sohn, dem Erwachsen werden und von Schuld wie auch Moral! Das Buch habe ich in nicht mal 3 Tagen regelrecht verschlungen und kann es insbesondere aufgrund der plastischen Bildbeschreibungen der Naturgewalten geradezu empfehlen!
0KommentarWar diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinSenden von Feedback...
Vielen Dank für Ihr Feedback.
Wir konnten Ihre Stimmabgabe leider nicht speichern. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.
Missbrauch melden
am 13. Juli 2015
"Loyalty Island - das war der Gestank von Hering, Lackfarbe und fauligem Seetang an den Anlegestellen und auf Stränden". Aber Cal Bollings liebt das Leben auf der Insel ebenso wie sein Vater Henry. Cals Vater ist Krabbenfischer in der Beringsee und während der Wintermonate in Alaska auf Fischfang. Seine Mutter, aus dem sonnigen Kalifornien stammend, zieht sich in diesen Monaten der Abwesenheit in ihr Kellerstudio zurück, was für Cal ebenso zur Normalität gehört, wie die Tatsache, dass John Gaunt, Besitzer der Fangflotte, bei der auch Cals Vater beschäftigt ist, seine Mutter regelmäßig besucht und sie gemeinsam im Keller Musik hören.

Doch im Sommer 1986 gerät Cals beschauliches Leben aus den Fugen: John Gaunt stirbt völlig unerwartet und hinterlässt seinem einzigen Sohn Richard, einem zynischen Außenseiter, das gewaltige Erbe, von dem die Existenz einer ganzen Insel abhängt. Doch Richard, der noch nie einen Fuß auf einen Krabbenkutter gesetzt hat, lässt die Flotte erstmal an Land und droht den Fischern damit, das ganze Unternehmen an Japaner zu verkaufen... Henry Bollings weiß, dass er gegen den drohenden Verkauf der Fangflotte etwas unternehmen muss. Die zunehmenden Existenzängste lassen die unterschwelligen Konflikte zwischen Cals Eltern aufbrechen, die so weit eskalieren, dass Cals Mutter, schwanger mit dem zweiten Kind, die Familie verlässt, um zu ihrer alten Freundin nach Santa Cruz zu ziehen.

Eines Abends belauscht Cal im Haus seiner Eltern ein Gespräch seines Vaters, der gemeinsam mit seinen Kollegen Sam und Don verzweifelt nach einer Lösung sucht, um Richard Gaunt davon zu überzeugen, die Fangflotte weiterzuführen und damit die Insel am Leben zu erhalten. Aber am Ende des Abends scheint es nur eine Lösung zu geben - Richard Gaunt für immer zu beseitigen... Doch dann läuft die Fangflotte plötzlich aus, mit Richard an Bord, um ihm den Krabbenfang schmackhaft zu machen. Cal wird von seinem Vater zu Betty North und ihrem Sohn Jamie gebracht, dessen Vater Sam ebenfalls mit Henry Bollings in See sticht. Nur zwei Tage später erhält Betty North einen Anruf von der "Laurentide": Richard ist über Bord gegangen, die Suche nach ihm wurde in der eiskalten Beringsee eingestellt!

Autor Nick Dybek hat mit "Der Himmel über Greene Harbor" ein beachtenswertes Romandebüt geschrieben, dessen Stärke die atmosphärisch dichten Schilderungen sind. Man riecht das Meer, schmeckt das Salz auf den Lippen und spürt den Wind in den Haaren, wenn der junge Autor (geboren 1980) von dem Leben auf der Insel erzählt, das von den Frauen geprägt wird, die sich mit der monatelangen Abwesenheit ihrer Männer arrangieren müssen, und heranwachsenden Kindern, die ihren Vätern fast fremd sind und sie kaum kennen. Loyalty Island ist eine fiktive Insel, aber das Leben auf ihr ist ebenso real dargestellt wie es auf unzähligen anderen kleinen Inseln an der Nordostküste Amerikas stattfindet. Aus dem Namen der Insel lässt sich "Loyalität" herauslesen, tatsächlich das tragende Thema dieses interessanten Romans und für Nick Dybek scheinbar so wichtig, dass er sich diese Bezeichnung ausgedacht hat.

Der Konflikt, den Nick Dybek seinen jungen Protagonisten aussetzt, ist glaubwürdig und nachvollziehbar. Cal ist ein Junge, der seinen Vater bewundert, vielleicht sogar idealisiert, weil er wie so viele andere Väter aus beruflichen Grünen kaum zuhause ist. Zuerst kommt Cal mit der ungewohnten Situation kaum klar, da Betty North ebenfalls wie seine Mutter stark unter der Abwesenheit des Ehemanns und Vaters leidet. Mit dem gleichaltrigen Jamie, der nun sein Zimmer mit Cal teilen muss, will er eigentlich gar nichts zu tun haben. Es dauert lange, bis sich die beiden Jungen freundschaftlich annähern. Cal fühlt sich von seiner Mutter verlassen und lehnt jeden Kontakt mit ihr ab, beantwortet die Anrufe seiner Mutter bei den Norths einfach nicht, bis sie ganz ausbleiben. Und dann quält Cal ständig der Gedanke an das belauschte Gespräch seines Vaters mit den anderen Fischern: Ist sein eigener Vater wirklich fähig, einen Mord zu begehen?

Nick Dybek erzählt einfühlsam über die Fragen und Konflikte, die innerhalb einer Familie aber auch innerhalb einer Gesellschaft, wie die auf der kleinen Insel, aufgeworfen werden. Da geht es um Loyalität und die Angst, die Entscheidungen seiner Eltern in Frage zu stellen. Es geht um Geheimnisse und Verschwiegenheit, um Unausgesprochenes und den Lernprozess jedes Heranwachsenden, eigene Entscheidungen zu treffen und Verantwortung zu übernehmen. Das alles spielt vor der wunderbaren Kulisse des Meeres und dem Leben auf der Insel. Die Beschreibungen sind so detailliert, als wäre Nick Dybek selbst in dieser Gegend aufgewachsen. Doch der Autor stammt nicht von der Küste, sondern wuchs in Michigan auf. Umso beeindruckender ist die Tiefe und Authentizität seiner Schilderungen, vor allem zum Krabbenfang und dem harten Leben an Bord eines Kutters, die alleine auf der hervorragenden Recherche des Autors basieren.

Eine gewichtige Rolle in "Der Himmel über Greene Harbor" spielt auch die Schallplattensammlung von Cals Mutter. Da bedauert man es fast, dass dem Buch nicht eine CD mit allen Titeln, die in dem Roman genannt werden, beiliegt. Offenbar war die umfangreiche Plattensammlung der eigenen Eltern prägend für Nick Dybek, wie er in einem Interview erwähnt. Und Nick Dybek bezieht sich in seinen Schilderungen immer wieder auf den Literaturklassiker "Die Schatzinsel" von Robert Louis Stevenson, was sich auch im Originaltitel seines Romans "When Captain Flint Was Still a Good Man" widerspiegelt.

Nick Dybek ist ein beeindruckender Erzähler, der den Leser mit wunderschönen Sätzen wie "Ihre Haut war gerötet und rau, ihr Gesichtsausdruck so leer wie das Foyer eines verlassenes Theaters" oder "Tragödien verwandeln sich mit zunehmendem Alter in Komödien und sterben ab, wenn die Witze nicht mehr komisch sind" zu beglücken weiß, was auch der brillanten Übersetzung aus dem Amerikanischen von Frank Fingerhuth zu verdanken ist. Auf den letzten 100 Seiten wird die Spannung des Romans fast unerträglich, die Ereignisse in "Der Himmel über Greene Harbor" überschlagen sich und man kann das Buch kaum aus der Hand legen.

"Allein waren das Leben an Land und auf See unerträglich, aber jedes von beiden war das Gegenmittel für das Gift des anderen" - der Roman "Der Himmel über Greene Harbor" ist für alle Väter und Söhne sowie für alle, die der Rauheit des Meeres etwas Schönes abgewinnen können, wirklich wunderbar und lesenswert!

© Steffani Lehmann
0KommentarWar diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinSenden von Feedback...
Vielen Dank für Ihr Feedback.
Wir konnten Ihre Stimmabgabe leider nicht speichern. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.
Missbrauch melden
am 15. Juni 2013
Der junge Cal der im rauen Klima eines Fischerortes im nordwestlichsten Teil der USA, im Staat Washington, aufwächst, erzählt die Geschehnisse rund um ein zentrales Ereignis seiner Jugend. Ein Ereignis das zur Wendemarke seines Lebens wird, das gleichzeitig den Punkt des erwachsen seins markieren wird.
Die Fischer des Ortes, zu denen auch Cals Vater gehört, fahren im Herbst zu den Krabbenfanggründen vor Alaska. Entbehrungsreiche, harte Zeiten und die monatelangen Fangzüge erhalten geradezu mythische Qualitäten für die Jungen des Ortes. Irgendwann wollen Sie auch dabei sein. Die Fischer selbst stehen im Dienst von John Gaunt dem Fangflotte und Fischereibetrieb gehören.
Als Gaunt, der auch eine enge Beziehung zu Cals Mutter pflegt, plötzlich stirbt, droht den Fischern das Aus. Gaunts Sohn Richard scheint geneigt Fangboote und Fanglizenzen zu verkaufen. Eine Lösung muss her und ob die so hart, unerbittlich und einfach wie das Leben der Fischer ist wird sich im Lauf der Handlung erweisen.

Dybek startet fulminant, gerade das erste Drittel des Buchs ist atmosphärisch, spannend, voller starker Bilder, Andeutungen und Geheimnissen. Personen werden eingeführt, deren Charaktere ausgearbeitet und das Lebensgefühl in dieser Gemeinschaft und in der Landschaft am Meer wird erlebbar. Wie der Rhythmus des Ortes und damit auch Cals Leben und das seiner Mutter geprägt sind durch die monatelange Abwesenheit der Väter / Männer wird überdeutlich. Ganz groß und packend.
Das zwischen Cals Eltern nicht alles zum Besten steht ist schnell klar. Cals Mutter steht für eine ganz andere Art zu leben: urban, Musik und Literatur zugeneigt. Sie möchte ein offeneres, freieres Leben und das erweist sich als unüberbrückbarer Konflikt.

Cal und dessen bester Freund werden in die Taten der Erwachsenen verstrickt und müssen Entscheidungen treffen. Moral, Loyalität, Familiensinn, schlichte Menschlichkeit und Verantwortung sind die Themen die hier verhandelt werden. Nick Dybeck versteht es das nahezu nebenbei zu tun. Cal zwischen Mutter und Vater hin und hergerissen muss selbst zu Entscheidungen finden. Am Ende trifft er eine, die nicht unbedingt erwartbar, aber glaubhaft ist.

Was daneben über Cals Jugend, sein Freunde, Erlebnisse mit der Mutter, dem Vater, Geschichten aus dem Ort und darüber was Menschen im innersten bewegt, erzählt wird, gibt dem Roman Substanz und Farbe, ist aber in der Mitte nicht ohne Längen. So stark wie im ersten Drittel wird es leider nicht wieder.
Ein interessanter, kluger, unterhaltsamer und gut erzählter Roman, dem auf der Gesamtlänge die Kraft des Beginns fehlt.
0KommentarWar diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinSenden von Feedback...
Vielen Dank für Ihr Feedback.
Wir konnten Ihre Stimmabgabe leider nicht speichern. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.
Missbrauch melden
3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 3. Juni 2013
"Der Himmel über Greene Harbor" wird aus Sicht des 14jährigen Fischersohns Cal erzählt und dreht sich um die Menschen in Loyality Island, die alle vom Fischfang abhängig sind, wenn nicht als Fischer selbst, dann von der fischverarbeitenen Industrie am Ort. Als der hochgeachtete, geradezu verehere Alleinherrscher dieses Imperiums stirbt und dessen Sohn Robert als Alleinerbe auftaucht, verschiebt sich die Welt dort, denn Robert will anscheinend alles verkaufen und würde den gesamten Ort praktisch seiner Existenz berauben.

Der Erzählstil ist angenehm, die Ortsbeschreibungen wirken glaubwürdig und die Geschichte ist anfangs auch noch ganz interessant, ruscht dann aber für mich einfach ins Unglaubwürdige ab. Vor allen Dingen fand ich die Figur von Cals unglücklicher Mutter sehr überzeichnet. Auch konnte ich die Handlungen von Cal und seinem Freund nicht nachvollziehen, die ein Geheimnis entdeckt und dann über eine lange Zeitspanne einfach mehr oder weniger den Kopf in den Sand gesteckt und abgewartet haben, die Existenzängste usw. wurden zwar erwähnt, aber insgesamt war mir die Handlungsweise zu unkritisch und unglaubwürdig - schade.

Das Buch konnte mich leider nicht überzeugen.
11 KommentarWar diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinSenden von Feedback...
Vielen Dank für Ihr Feedback.
Wir konnten Ihre Stimmabgabe leider nicht speichern. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.
Missbrauch melden
5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
"Es gibt viele Arten, sein Leben zu führen." Das wird klar, wenn man >Der Himmel über Greene Harbor< liest und der Geschichte der wortkargen Hochseefischer lauscht, die ihr halbes Leben auf Fischkuttern zum winterlichen Krabbenfang in der Beringsee nahe Alaska verbringen. Zurück bleiben ihre Familien, die mit dem rauen Klima sowie der Einsamkeit auf der Fischerinsel Loyality Island im Norden Amerikas zurechtkommen müssen. Die Existenz aller Familien auf der Insel hängt vom Fischerei-Imperium der Gaunts ab. Als John Gaunt, der Besitzer der Fischflotte stirbt, übernimmt sein Sohn Richard das Ruder. Dieser hat keinerlei Interesse am Fischfang. Dass er wenig später seinen Tod findet, und die eingeschworene Gemeinschaft der Fischer loyal zusammenhält, ist fast vorhersehbar. Doch was noch alles unter der tief hängenden Wolkendecke der regenwaldartigen Halbinsel passiert, ist voller Dramatik und geht unter die Haut wie die feuchte Kälte im Hafen von Greene Harbor.

Die eindringliche Geschichte über Väter und Ihre Söhne, die voller moralischer Konflikte steckt, wird durch den heranwachsenden Cal und seinen Freund Jamie erzählt, beides 14jährige Söhne der Hochseefischer. Unausweichlich treten sie in die Fußstapfen ihrer Väter, dabei versuchen sie das Richtige zu tun, ohne sich im Klaren darüber zu sein, was das Richtige ist.

>Der Himmel über Greene Harbor< ist in höchstem Maße bildgewaltig. Man riecht förmlich den Ozean, das Maschinenöl und den Fisch auf Loyality Island, während vor dem geistigen Auge die Fangkörbe mit den Krabben eingeholt werden. Die enorme Ausdruckskraft ist die Stärke dieses Romanes. Das Buch ist aufwühlend wie die See im Winter und sorgt für intensive Bilder im Kopf. Hinzu gesellen sich die unausweichlichen Geschehnisse, die den Leser durch die fast schon bedrohliche Energie erschaudern lassen und in gespannter Erwartung vorantreiben.

Ehe man sich versieht, ist man am Schluss der Geschichte angelangt, verblüfft über die Ereignisse und vor allem über das Ende. Das grandiose Debüt von Nick Dybek wird in der Presse hoch gelobt. Von mir ebenfalls: Für mich ist der Roman aus dem mare-Verlag eine Leseempfehlung mit Tiefgang.
0KommentarWar diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinSenden von Feedback...
Vielen Dank für Ihr Feedback.
Wir konnten Ihre Stimmabgabe leider nicht speichern. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.
Missbrauch melden
     
 
Kunden, die diesen Artikel angesehen haben, haben auch angesehen
Wie keiner sonst: Roman
Wie keiner sonst: Roman von Jonas T. Bengtsson (Taschenbuch - 8. Dezember 2014)
EUR 10,99

Der Andere: Roman (Literatur-Literatur)
Der Andere: Roman (Literatur-Literatur) von David Guterson (Gebundene Ausgabe - 19. Februar 2013)
EUR 22,99

Der amerikanische Architekt: Roman
Der amerikanische Architekt: Roman von Amy Waldman (Taschenbuch - 8. September 2014)
EUR 9,99