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14 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein großer, spannender und psycholgisch tiefsinniger Roman, der durch diese Ausgabe hoffentlich auch bei uns bekannter wird, 1. November 2010
Von 
Winfried Stanzick (Ober-Ramstadt, Hessen Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 50 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Der Master von Ballantrae: Eine Wintergeschichte (Gebundene Ausgabe)
Obwohl einer breiteren Öffentlichkeit eher weniger bekannt, galt schon zu seinen Lebzeiten das hier in einer Neuübersetzung vorliegende Buch "Der Master von Ballantrae" von Robert Louis Stevenson als ein literarisches Meisterstück.

Der spannende und packende Roman ist eine Abenteuergeschichte auf der einen, und ein subtiler psychologischer Roman auf der anderen Seite. Er erzählt die Geschichte zweier Brüder im Schottland des 18. Jahrhunderts, die ihr ganzes Leben lang einen Kampf ausfechten, dem sie sich nicht verweigern und dem sie nicht entrinnen können. Da ist James Durie, der eine Bruder, ein wagemutiger und skrupelloser Kerl, der für "Bonnie Prince Charlie" in den Krieg zieht.

Wie es die Familientradition will, nimmt an seiner Stelle sein stiller Bruder Henry den Platz des Bruders auf dem elterlichen Schloss Durrisdeer ein. Die Frau, die für James bestimmt war, heiratet nun Henry. Denn der Krieger James wird schon lange für tot gehalten und die Familiengeschichte soll weitergehen.

Doch dann kehrt der tot geglaubte James eines Tages zurück, und eine Tragödie griechischen Ausmaßes nimmt ihren Lauf ...

"Der Master von Ballantrae" ist große Literatur und zeigt einen R.L. Stevenson, der weitaus mehr auf seiner schriftstellerischen Palette hatte als die "Schatzinsel". Es ist zu wünschen, dass diese großzügig in Leinen gebundene Neuausgabe aus dem Mare Verlag diesen Roman besser bekannt werden lässt und dass ihm auch in Deutschland die Wertschätzung entgegengebracht wird, die er schon lange verdient.
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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Zu dieser Ausgabe, 9. Januar 2012
Von 
Sommerwind - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Das Werk von Robert Louis Stevenson (1850 - 1894) erfährt gegenwärtig eine außerordentliche Renaissance. Lange Zeit galt Stevenson als zweitrangiger Hersteller von trivialer Unterhaltungsliteratur.
Dabei war schon die äußerst populäre Schauernovelle über Dr. Jekyll und Mr. Hyde (1886) alles andere als eine plumpe Gruselgeschichte. Auch der viel bemühte Gegensatz von Gut und Böse charakterisiert keines der Werke von Stevenson richtig. In all seinen Werken geht es vielmehr um die Dialektik der Aufklärung, den Despotismus der Vernunft, Herrschaft und die ungezügelte Amoralität des findigen Eroberers. Es geht um "verwilderte Selbstbehauptung" (T.W. Adorno).
Der literarische und ethische Topos, den Stevenson dafür bemüht - auch für seine "festländischen" Stoffe - ist die Rechtlosigkeit des offenen Meeres. Stevenson, Spross einer Dynastie von Leuchtturmbauern, hat die Kanten zwischen maritimer Amoralität und zivilisierter Grausamkeit literarisch vermessen. Alle seine Werke gehören in dieselbe Tradition wie "Robinson Crusoe" oder "Moby Dick".
Das gilt auch für seinen historischen Roman "Der Master von Ballantrae" (1889) - im Anschluss an eine wunderschöne bibliophile Ausgabe im Mare-Verlag nunmehr als wohlfeiles Taschenbuch bei dtv erschienen.
Am existentiellen Konflikt zweier Brüder exemplifiziert Stevenson genial, packend, in einer messerscharfen Diktion den Einbruch des Maritim-Numinosen in die vermeintlich wohlgeordnete und doch latent aggressive Bürgerlichkeit. Stevenson seziert diesen Konflikt, kaltblütig, analytisch, mit gläsern-spröder, scharfkantiger Rhetorik.
Dass all das in deutscher Übertragung lesbar, sichtbar, erlebbar wird, verdanken wir Melanie Walz und ihrer grandiosen Neuübersetzung. Walz (Jahrgang 1953), soeben mit einer klaren, modernen, offenen und stilsicheren Übersetzung von Dickens' "Große Erwartungen" hervorgetreten, macht den harten, aufreibenden Konflikt zwischen James und Henry Durie zu einer völlig diesseitigen, aktuellen Angelegenheit. Ihrem Text ist förmlich anzumerken, wie sehr um die Annäherung an Stevenson gerungen worden ist; und doch wirkt er im Ergebnis völlig selbstverständlich, klar und unprätentiös. Eine Übersetzung für den Leser. Den Leser von heute. Und doch keine Verharmlosung, keine Verballhornung, keine Nivellierung.
Im Gegenteil, Walz' "schlackenfreie", gegenwärtige Übertragung stellt die Handlung klar und offen "in den Raum", präsent, hart und unvermeidbar.
Im Vergleich dazu wirkt die etwas ältere Übersetzung bei Artemis und Winkler betulicher, gedämpfter, weniger gelöst und weniger unmittelbar.
Wer die bibliophile Ausgabe schonen möchte und ein reisetaugliches Lese-Exemplar sucht, der greife zu dieser Taschenbuchausgabe. Er wird auf jeden Fall belohnt werden mit einer zweifachen Neuentdeckung.
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17 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen ein Klassiker wie er im Buche steht!!!, 9. November 2010
Rezension bezieht sich auf: Der Master von Ballantrae: Eine Wintergeschichte (Gebundene Ausgabe)
Wer kennt sie nicht, die Klassiker der Abenteuerliteratur, wie Die Schatzinsel" oder Dr. Jekyll und Mr. Hyde"?
Nun endlich liegt die deutsche Neuübersetzung eines weiteren Klassikers von Robert Louis Stevenson vor. Der Master von Ballantrae" schildert den erbitterten Kampf zweier ungleicher Brüder im Schottland des 18. Jahrhunderts.

Es ist die Zeit des zweiten Jakobitenaufstands. Unter den Fahnen des jungen Bonnie Prince Charlie zieht der unerschrockene James Durie in den Krieg. Die mittlerweile bis auf fünftausend Mann angewachsene Hochlandarmee marschiert über Schottland in England ein, wo sie sich noch größeren Zulauf von den englischen und irischen Jakobiten erhoffte. Doch wie so oft in der Geschichtsschreibung wird der Aufstand in einer Schlacht brutal zerschlagen. Bonnie Prince Charlie wie auch sein ergebener Soldat James Durie müssen fliehen. Derweil nimmt Henry den Platz seines Bruders James auf Schloss Durrisdeer ein. Henry ist der englischen Krone treu ergeben und ehelicht die für seinen Bruder James bestimmte Frau.
Doch eines Tages kehrt der tot geglaubte James zurück und ein beispielloser und lebenslanger Kampf der beiden Brüder beginnt. Verbittert durch das harte und entbehrungsreiche Leben eines Freibeuters fordert er vehement sein Erbe zurück.
Der Master von Ballantrae" ist eine psychologisch dichte Nacherzählung des alttestamentarischen Mythos von Jakob und Esau und schildert, voller Symbolik und Anspielungen, den elementaren Kampf zwischen Gut und Böse.

Es ist erstaunlich, wie modern diese fesselnde und gut lesbare Geschichte heute noch zu lesen ist. Dies liegt vor allem an der gekonnten Mischung von psychologisch feinen Charakterbildern und den abenteuerlichen Schilderungen. Mit diesem Amalgam war Stevenson seiner Zeit voraus. Hier findet sich alles, was einen klassischen fulminanten Abenteuerroman ausmacht: Seereisen, Begegnungen mit Piraten, Liebesintrigen, exotische Kulissen, ein vergrabener Schatz und eine schockierende Entdeckung in der amerikanischen Wildnis. Nicht umsonst hat dieses Werk Autoren wie Joseph Conrad, Jack London und Arthur Conan Doyle beeinflusst.

Diese bibliophile Ausgabe enthält nicht nur den Entwurf eines Vorworts von Stevenson selbst, sondern liefert neben ausführlichen Anmerkungen auch noch ein Nachwort der Herausgeberin. Mit diesem im Schmuckschuber erschienenen Klassiker hat man wieder mal so ein richtiges zum Lesen animierendes Buch in den Händen, das sich hervorragend für den Weihnachtsgabentisch eignet.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Opulente Abenteuergeschichte um LIebe, Verrat und Tod, 13. Dezember 2010
Von 
Carl-heinrich Bock "Literatur- und Kinofan" (Bad Nenndorf) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (HALL OF FAME REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Der Master von Ballantrae: Eine Wintergeschichte (Gebundene Ausgabe)
Zu den berühmtesten Werken von Louis Stevenson zählen "Die Schatzinsel" und "Der seltsame Fall des Dr. Jekyll". Ein weiterer Klassiker ist sein letzter beendeter Roman "Der Master von Ballantrae", der schon zu seinen Lebzeiten als Meisterwerk galt, eine exzellente Robinsonade die lange im Schatten der Schatzinsel stand, weil es dieses Buch bisher nur in haarsträubenden "antiquarischen Deutsch" gegeben hat. Jetzt ist es dem mare Verlag zu verdanken, dass eine moderne deutsche Übersetzung von diesem wenig bekannten Klassiker vorliegt. Melanie Walz hat es in ihrer Doppelrolle als Herausgeberin und Übersetzerin hervorragend in einer zeitgenössischen Sprache übersetzt und mit einem Nachwort versehen. Das Buch ist ganz hervorragend im Schmuckschuber ausgestattet mit ausführlichen Anmerkungen in denen Henry James und G.K. Chesterton das Werk in den höchsten Tönen loben und so bietet es sich geradezu als Geschenktipp zu Weihnachten an.

Stevenson wurde 1850 in Edinburgh geboren, ging wegen eines Lungenleidens nach Samoa, wo er 1894 starb. In Anlehnung an den alttestamentarischen Mythos von Jacob und Esau schildert Der Master von Ballantrae" den erbitterten, urwüchsigen Kampf zweier ungleicher Brüder zur Zeit des zweiten Jakobitenaufstands im Schottland des 18. Jahrhunderts. Das ist der historische Hintergrund. Es ist ein Roman der aus der verschwenderischen Vielfältigkeit des Lebens gespeist wird. Diese fesselnde Geschichte der Brüder James und Henry, die in zwei völlig unterschiedliche Persönlichkeiten auseinanderfallen, ist auch heute noch literaturhistorisch beeindruckend. Die beiden Brüder, der eine, der ältere "Master", der böse, der kriegerisch bei dem die Verwandtschaft mit Miltons Satan unverkennbar ist; der andere, Mr. Henty, der Jüngere der brave, er ist der Krone treu ergeben und verkörpert so die heimeligen viktorianischen Tugenden. Er wird darin von seinem Verwalter unterstützt, der als Ich-Erzähler die Monstrosität der Handlung zu bezeugen hat. Als der Master auf dem Feld der Ehre verschollen ist, erbt Mr. Henry den Titel und die Braut des Bruders. Nachdem der tot geglaubte, lebendig begrabene James aus der Schlacht zurück ist bekämpfen sich die beiden Brüder mit einer Dramatik, die nicht zu übertreffen ist. Das entbehrungsreiche Leben als Freibeuter hat diesen James verbittert und er fordert von Henry, der zwischenzeitlich die für James bestimmte Frau geheiratet hat, nicht nur sein Erbe zurück. Zum Schluss kommt es zu einer Umkehrung der beiden Charaktere. Der Böse versteht es, wie so oft in der viktorianischen Literatur wenn sie ihrer Bestimmung zum Realismus müde wird, zum Nachteil des Guten an dessen Stelle in den Mittelpunkt des Interesses zu treten. Ein Roman der die facettenreiche faktische Tragödie des Lebens im Brennpunkt gnadenlos widerspiegelt.

Es ist nicht nur eine packende, atemberaubende und raffinierte Abenteuergeschichte im Kampf zwischen Gut und Böse, sondern Stevenson entwirft in dieser klassischen Geschichte des tragischen Bruderzwistes psychologisch feine Charakterbilder und erweist sich auf den unterschiedlichsten atmosphärisch dichten Reflexionsebenen als Meister der "Figurenpsychologie".

Ein eindrucksvolles Buch in einer wunderbar klaren poetischen Sprache von emotionaler Wucht. Ein Roman von solcher Sogkraft, dass man ihn, einmal begonnen, nicht wieder aus der Hand legen wird.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein mitreißendes Familienepos, 12. März 2014
1889 erstmals erschienen, hat man es bei dieser schönen Neuübersetzung und gelungene Ausgabe des "Master of Ballantrae" mit einem hierzulande eher unbekannten Werk des schottischen Schriftstellers Robert Louis Stevenson zu tun. Wie in seinem Großwerk "Kidnapped" entwickelt sich die Handlung auch hier aus den Wirrnissen des Jahres 1745, als mit Bonnie Prince Charlie noch einmal ein schottischer Monarch des Hauses Stuart versuchte, die Unabhängigkeit von England zu erreichen und den schottischen Thron zu besteigen.

Berichtet wird uns - ausgebreitet über einen Zeitraum von nahezu 25 Jahren - die Geschichte der Gebrüder Durie, des älteren Bruders James, Junker auf Durrisdeer, genannt Mr. Bally, und seines jüngeren Bruders Henry. Der Verwalter Ephraim Mackellar erzählt davon, wie der draufgängerische, dem Leben mit Hohn, seiner Familie meist mit Verachtung begegnende James in den Wirren nach der Schlacht von Culloden fliehen muß, wie er in Paris, auf See und schließlich in der neuen Welt sein Glück zu machen versucht, zurückkehrt, die Familie terrorisiert, seinen Bruder, der ihm seiner Meinung nach Rang, Stellung und schließlich die Frau genommen hat, derart reizt, bis es schließlich zum Duell der scheinbar so Ungleichen kommt, welches der Jüngere gewinnt. Der für tot Gehaltene kann sich retten, flieht erneut den Ort seiner Schmach, kehrt erneut zurück, diesmal mit einem seltsamen indischen Diener im Gefolge, was die Familie - James, seine Frau Alison sowie die Kinder Katherine und Alexander - dazu veranlasst, Schottland hinter sich zu lassen und nach Amerika, genauer: nach New York zu fliehen. Mackellar berichtet uns von den Wochen, die er gemeinsam mit dem ihm verhassten Mr. Bally auf Durrisdeer verbringt, in der Annahme, mit seinem ihm mittlerweile freundschaftlich verbundenen Dienstherrn, Henry Durie, nun seit geraumer Zeit immerhin Lord Durrisdeer, einen teuflisch guten Plan ausgeheckt zu haben, um den Feind im eigenen Haus in Schach halten zu können. Doch Mr. Bally, seines Zeichens immer noch der 'Master of Ballantrae', ist keineswegs bereit, sich geschlagen zu geben. Und so treten die beiden, gemeinsam mit Mr. Bally ergebenem Diener - Secundra Dass - die Überfahrt in die Kolonien an, um dort die Entscheidung herbeizuführen. In den Wäldern des nördlichen Staates New York schließlich wird die Brüder ihr Schicksal ereilen.

Robert Louis Stevenson gilt heute gemeinhin als Verfasser von Abenteuergeschichten, die sich hauptsächlich an jüngere Leser wenden. Eine fatal falsche Schlußfolgerung. Erst im Laufe des 20. Jahrhunderts wurde diese Literatur zu Kinderliteratur, allem voran die "Schatzinsel", ebenfalls ein Werk Stevensons. Dabei kann man schon dort das eigentliche Thema seines Werkes, eine Art Grundmotiv, erkennen - die Frage danach, was gut, was böse ist, wodurch sich beides definiert und wie es zueinander in Bezug steht. Ist Long John Silver gut? Ist er böse? Und wie geht man - gerade als Kind - damit um, zu wissen, daß der Mensch, der einem in unsicherer Zeit Schutz bietet, moralisch gesehen vollkommen bankrott ist? Zumindest gegen die gültige zeitgenössische Moral gestellt? Stevensons berühmteste Auseinandersetzung mit dem Thema ist zweifelsohne "Dr. Jekyll and Mr. Hyde", wo er - vollkommen unbeeindruckt von moderner Psychoterminologie - das Drama einer gespaltenen Persönlichkeit in Zusammenhang bringt mit der Allegorie auf den Menschen an sich, der sich eben seiner dunklen Seite zu stellen hat. Doch hier, im "Master of Ballantrae" kommt etwas anderes hinzu - nie, so wird Stevenson im Anhang zitiert (aus einem Brief an seinen Verleger), nie sei er dem Teufel so nah gekommen, wie in der Charakterisierung des Masters selbst, Mr. Bally. Und doch gelingt ihm Erstaunliches, indem er uns, den Lesern, diese Figur zunächst fürchten, hassen und abgrundtief verachten läßt, sie zutiefst unsympathisch zeichnet, nur damit wir sie plötzlich, auf den letzten 60 Seiten nicht nur anfangen zu mögen, sondern vor allem beginnenden Respekt empfinden. Ja, sogar die Motive, die hinter der scheinbaren Respektlosigkeit, der Böswilligkeit stehen, mit der er seiner Familie begegnet, erschließen sich uns mehr und mehr. Bis hin zu dem Moment, an dem wir ihm sein zuvor als Anmaßung empfundenes Reden anfangen abzunehmen - "In mir ist etwas Königliches!" herrscht er Mackellar auf der Überfahrt nach Amerika an. Und obwohl - oder gerade deswegen? - Mackellar sogar versucht, ihn umzubringen, kann er nicht umhin, diesen Mann mehr und mehr zu achten. Immerhin gelingt es dem Junker, aus dem an sich ebenso feigen wie geschwätzigen Mackellar den Mut zu einer gemeinen, ja bösen Tat hervorzukitzeln. Das ist psychologisch großartig und literarisch Weltklasse. Da erreicht Stevenson Höhen, aus denen sonst solche Giganten wie Dostojewski oder Flaubert herunter lugen. Und man begreift, daß so mancher Spätere - namentlich sei hier Joseph Conrad genannt - viel von Stevenson gelernt hat.

Stevenson begreift seine Figuren sehr genau und er verfügt über die Möglichkeiten, ihnen sehr genauen Ausdruck zu verleihen. Die inneren Bewegungen, die Motive werden konsequent ins Außen verlagert, Handlung und Aktion sind ihm wesentlich. Und dennoch mangelt es den Figuren, der Handlung, den Konflikten nicht an Tiefe und der nötigen Reibung. Es sind letztlich moralische Konflikte, die diese Protagonisten umtreiben und sie werden im Ablauf der Handlung, in der Tragik des Scheiterns an den eigenen inneren Widersprüchen gespiegelt und verdeutlicht. Dazu trägt ganz ungemein die Art der Erzählung bei. Stevenson wählt den indirekten Weg, indem er mit Mackellar einen eigentlich Unbeteiligten, einen, der von außen kommt und somit scheinbare Objektivität vorweisen kann, berichten läßt. Doch ändert sich der Ton der Erzählung, fast meint man einem geistigen Wandel beizuwohnen, wenn der Erzähler nach anfänglicher Abscheu und Verachtung beginnt, langsam, gegen seinen Willen, Respekt und schließlich sogar Verständnis für seinen Feind aufzubringen. Dadurch, daß Mackellars Erzählung dreimal - zweimal durch Einschübe aus den Aufzeichnungen eines Oberst Burke, der Mr. Bally nach der Schlacht bei Culloden begleitete und einige Abenteuer mit ihm teilte, einmal durch die Erzählung eines Händlers, der von den Ereignissen im Norden des Staates New York erzählt - unterbrochen wird, erhält sie hohes authentisches Gewicht, wirkt noch mehr, als die Aufzeichnungen Mackellars an sich schon, wie ein für ein erlesenes Publikum zusammengestellter Bericht.

Einzige - vermeintliche - Schwachstelle ist vielleicht das Ende des Romans, wenn die Ereignisse sich anfangen zu überschlagen und alles auf eine ebenso finale wie letale Lösung zudrängen muß. Allerdings findet Stevenson eine Lösung - die hier nicht unbedingt verraten werden soll - die dem Begriff 'Master' ebenso gerecht wird, wie sie diese epische Geschichte zweier in gegenseitigem Hass vertaner Leben zu einem schlüssigen Ende bringt.

"Der Master von Ballantrae" ist ein vielleicht doch wieder- oder neu zu entdeckendes Werk Robert Louis Stevensons, das hier in dieser gelungenen Neuübersetzung in einer sehr schön kommentierten und mit verschiedenen Vorwortfassungen des Autors, sowie einem klaren Nachwort der Übersetzerin Melanie Walz ausgestatteten Ausgabe vorliegt. Es lohnt sich!

[Text bezieht sich spezifisch auf die dtv-Neuausgabe 2012]
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5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Eine Wintergeschichte / Tragödie, 8. Dezember 2010
Von 
Thorsten Wiedau (Hamburg) - Alle meine Rezensionen ansehen
(HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Der Master von Ballantrae: Eine Wintergeschichte (Gebundene Ausgabe)
Die Geschichte DER MASTER VON DER BALLANTRAE von Robert Louis Stevenson ist eher unbekannt im Gegensatz zur Schatzinsel die wohl jeder kennt, doch mit dieser Geschichte hat der Autor eine Abenteuergeschichte und einen psychologische Detailsicht auf die menschlichen Beweggründe und Absichten geschaffen. Dieser hier in einer Neuübersetzung vorliegende Roman zeigt den Kampf zweier ungleicher Brüder auf, im Schottland des 18. Jahrhunderts angesiedelt und sich zu Höhen aufschwingend, das man fast glauben mag, eine Tragödie epischen Ausmaßes vor sich zu haben.

Gebunden in schönes und tiefgrünes Leinen, präsentiert in einem stabilen Schuber lässt uns das Werk DER MASTER VON DER BALLANTRAE von Robert Louis Stevenson schon beim ersten aufblättern der Seiten teilhaben an etwas Besonderem. Der Duft der Seiten, der erste Gruß des Autors, einfach wunderbar und faszinierend.

Im Grunde genommen ist es eine sehr klassische Geschichte, zwei Brüder, der eine wild und ungezähmt aber auch der Ältere, der andere besonnen und ruhig und der Jüngere. Der Erste verschwindet in den Wirren des Krieges um Bonnie Prinz Charlie und der Jüngere nimmt das Mädchen das an und für sich ihm zugesprochen war zur Frau und wird auch Herr auf Schloss Durisdeer - doch dann kehrt der tot geglaubte Bruder zurück und eine Katastrophe bahnt sich an.

Obwohl Robert Louis Stevenson auf seiner persönlichen Schatzinsel saß, währenddessen er DER MASTER VON DER BALLANTRAE so beschreibt er die schottischen Highlands so passend, die Düsternis der Gänge auf Schloss Durisdeer, den Nebel und die Armut und Verstocktheit der Menschen.

DER MASTER VON DER BALLANTRAE bietet fantastisch detailreiche Schilderungen des 18.Jahrhunderts in Schottland, die grassierende Armut, die Bösewichter überaus detailreich und herrlich verrucht, die Liebe und die Zuversicht eines Paares dessen Glück davon getragen wird wie von einem Sturm.

DER MASTER VON DER BALLANTRAE von Robert Louis Stevenson liest sich gut als Historienkrimi mit unverkennbar schottischem Flair, eine Abenteuergeschichte für Erwachsene, manchmal etwas blutrünstig und gewalttätig, doch das 18. Jahrhundert war ja auch nicht gerade zimperlich.

Aus der Feder von Robert Louis Stevensen, in einer Neuübersetzung von Melanie Walz, jede der 348 Seiten waren es wert gewesen gelesen zu werden.

Empfehlenswert!
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Der Master von Ballantrae: Eine Wintergeschichte
Der Master von Ballantrae: Eine Wintergeschichte von Robert Louis Stevenson (Gebundene Ausgabe - 24. August 2010)
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