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18 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Les Adieux - Nature Morte im Schnee
Viel Handlung wird man bei Stewart O'Nan nie wirklich finden, Speed Queen ist da eher die Ausnahme. Die absolute Stärke seiner Romane und Erzählungen ist seine Beobachtungsgabe, eine bewusst reduzierte, bzw. unspektakuläre Prosa.
So auch "Letzte Nacht". Ein wirklich perfektes Prosabild, ich habe dieses Buch, ein Roman ist es nicht, eine Novelle auch...
Veröffentlicht am 6. August 2008 von Roland F.

versus
3.0 von 5 Sternen Leise und melancholisch - ein Winter-Roman
Ein verschneiter Winterabend im Kettenrestaurant "Red Lobster" in einem Einkaufszentrum in den USA, und zwar der 20.12., der letzte Abend vor der Schließung der Filiale. Wir begleiten den Geschäftsführer Manny, 35 J., und einige seiner Angestellten durch diese letzte Nacht. O'Nan beschreibt die Tätigkeiten, die im Service anfallen, putzen, kellner,...
Vor 12 Monaten von Rebecca veröffentlicht


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18 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Les Adieux - Nature Morte im Schnee, 6. August 2008
Rezension bezieht sich auf: Letzte Nacht (Gebundene Ausgabe)
Viel Handlung wird man bei Stewart O'Nan nie wirklich finden, Speed Queen ist da eher die Ausnahme. Die absolute Stärke seiner Romane und Erzählungen ist seine Beobachtungsgabe, eine bewusst reduzierte, bzw. unspektakuläre Prosa.
So auch "Letzte Nacht". Ein wirklich perfektes Prosabild, ich habe dieses Buch, ein Roman ist es nicht, eine Novelle auch nicht, Stewart O'Nan verzichtet auf eine nähere Bezeichnung, wie ein "im Moment des Betrachtens zum Leben erwachendes Nature Morte empfunden". Es sind die kleinen Dinge, die so faszinieren, Blicke, Gesten, zwischenmenschliche Spannungen, Tristesse und eine große Menschlichkeit, die aus jeder Zeile dieses kleinen Prosajuwels funkelt.
Der letzte Tag im Red Lobster kurz vor Weihnachten, bevor es für immer geschlossen wird. Der Chef Manny, seine Mitarbeiter, von denen er nur wenige zu seiner neuen Arbeitsstätte mitnehmen kann, aber auch die Gäste dieses besonderen Tages, "gerade heute muss alles perfekt sein" und das Wetter, dichter Schneefall und Verwehungen, nur wenige Gäste verirren sich ins Red Lobster. Persönliche Spannungen, verlorene Liebe, Entscheidungen fürs Leben, die Suche nach dem Weihnachtsgeschenk für die schwangere Freundin, während man sich von einer verflossenen Leidenschaft zu lösen versucht. Wer kommt an diesem letzten Tag noch zur Arbeit, wer kommt nicht, wieso erscheint man, wenn man eigentlich nicht müsste?
Stewart O'Nans sympathisch unspektakuläre Helden, bzw. Protagonisten, sind Menschen wie Du und ich, sie machen uns bekannte Fehler, sie treffen uns bekannte Entscheidungen, sie haben Wünsche und Hoffnungen wie wir, sie könnten unser Nachbar, die Kellnerin im Stammbeisel (bzw. Stammkneipe), der Tankwart unseres Vertrauens, oder unser Postbote sein.
Ein Buch, das sich einfach lesen lässt, das den Leser nicht mehr loslässt, ein Buch, dessen wahre Schönheit wir erst zur Gänze wahrnehmen, wenn wir das Buch nach den 157 Seiten zuklappen, in dem Augenblick, in dem Stewart O'Nans winterliches Nature Morte wieder erstarrt.
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11 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Abschiednehmen, 2. März 2008
Rezension bezieht sich auf: Letzte Nacht (Gebundene Ausgabe)
Manny, der Geschäftsführer einer Restaurant-Filiale, wird an diesem kalten Wintertag alle Dinge zum letzten Mal erledigen. Für ihn und seine Angestellten ist es der letzte Arbeitstag, bevor das Restaurant schließt. Die meisten von ihnen, werden danach arbeitslos sein. Manny selbst und vier seiner Kollegen haben bereits einen neuen Job. Wehmut liegt in der Luft, egal ob in der Küche, wo die Köche zum letzten Mal ihre Fisch-Spezialitäten zubereiten, oder bei den Serviererinnen, die auch heute ihre Gäste so zuvorkommend bedienen, als gäbe es ein nächstes Mal. Alles läuft wie immer, und doch ist alles anders. Denn mit dem Ende ihrer Arbeit, enden auch die Beziehungen der Angestellten untereinander. So weiß Manny, dass seine heimliche Affäre mit der Bedingung Jacquie mit dem Ende dieses Tages ebenfalls zu Ende sein wird. Abschiednehmen, das ist das Thema dieses Buches, alle müssen die Melancholie ertragen, die sich über jeden Satz und jeden Handgriff legt, wie eine Staubschicht. Diese Atmosphäre vermittelt O'Nan hervorragend, und so hinterlassen ein paar Stunden in einem kleinen Restaurant einen großen traurigen Eindruck beim Leser.
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34 von 39 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Er wird immer besser, 29. Oktober 2007
Rezension bezieht sich auf: Letzte Nacht (Gebundene Ausgabe)
Stewart O Nan gehört zu den Autoren, die selten im Rampenlicht und fast genauso selten zu den Bestseller-Gästen gehören. Das ist schade - einerseits. Andererseits dürfen sich alle Leser dieses US-Amerikaners freuen, zu der wachsenden Schar derer gehören, die ihn für sich entdeckt haben. O Nan ist vielen durch die "Speed Queen" ein Begriff geworden; spätesten mit "Halloween" hätte ihm eigentlich der Durchbruch gelingen müssen.

Nun legt er mit "Letzte Nacht" einen schmalen Band vor, der ausnahmsweise nicht bei Rowohlt, sondern bei Mare erscheint. Der Aufmachung tut das durchaus gut, denn der feine Verlag hat sich Mühe gegeben, den - das sei vorweg genommen - tollen Roman in angemessener Aufmachung anzubieten.

Erzählt wird die "letzte Nacht" einer Lobster-Filiale. Dabei geht es zwar oberflächlich um ein Restaurant, viel wichtiger aber sind die Porträts, die O Nan von seinen Charakteren zeichnet. Im Mittelpunkt steht der Filial-Leiter, der in einem spannenden Beziehungsnetz zu seinen Angestellten steht und zumindest in einem Fall auch tief im Herzen berührt ist von dem, was um ihn herum passiert. "Seinem" Lobster steht das Aus unmittelbar bevor, und was alles passiert an diesem finalen Tag, das beschreibt O Nan mit einer solchen Souveränität, dass es einem beim Lesen zuweilen den Atem verschlägt.

Dieses Buch muss man einfach lesen, wenn man a) Lust hat auf eine Neuentdeckung; oder b) sowieso Fan von O Nan und seinem Schaffen ist oder c) sich einfach auf eine gute Geschichte in hervorragendem Stil einlassen mag. Auch bei diesem Buch aus der Feder dieses Autors gilt: Die Vorfreude auf das nächste Werk beginnt schon beim Lesen!
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7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Im Schnee, 13. Februar 2008
Rezension bezieht sich auf: Letzte Nacht (Gebundene Ausgabe)
Stewart O'Nan ist der Meister der kurzen Form. Wie bei einer Novelle beschränkt er seine Geschichte in Letzte Nacht auf einen Ort, auf einen Tag, auf eine Handvoll Menschen, die im Übergang leben. Das Red Lobster schließt eine seiner Filialen, obwohl zumindest dem Geschäftsführer Manny nicht ganz klar ist, warum. So schlecht waren die Zahlen nicht. Einige seiner Mitarbeiter werden übernommen, für andere ist es der letzte Arbeitstag. Ein Bus Chinesen, denen übel ist, zwei eingeschlagene Windschutzscheiben, ein unartiges Kind und eine ausgestandene Affäre zwischen Manny und einer Angestellten: vielmehr passiert nicht. Und doch wird von dem ganzen Abenteuer erzählt, das die Menschheit abseits der Fernsehgeräte und Werbeversprechungen ausmacht. O’Nan gelingt es meisterhaft, in seinem kleinen Kosmos die Welt zu spiegeln. Seine Menschen funktionieren, obwohl draußen die Stadt im Schnee versinkt, sie warten auf Gäste, bedienen sie, schlagen sich mit eigenen Hoffnungen und Enttäuschungen herum und lassen keinen Zweifel daran, dass es nächste Woche, nächstes Jahr, an einem anderen Ort, in anderer Zusammensetzung nicht genauso ist. Der Held Manny macht sich selbst, als er wehmütig das Restaurant verläßt, noch Gedanken darüber, ob er alles zur Zufriedenheit seines Arbeitgebers erledigt, ob er nicht etwas abzuschalten vergessen hat. Währenddessen schwimmen die Lobster, die er zu viel bestellt hat, mit zugebundenen Scheren im Aquarium. Ein Bild, das auf die Menschen in dieser beeindruckenden Geschichte paßt. Die Lobster werden wohl in einer anderen Filiale verzehrt werden. Und Manny und seine Crew nie merken, dass ihre Scheren längst außer Gefecht gesetzt wurden.
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13 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Nur ein Tag..., 26. Dezember 2007
Rezension bezieht sich auf: Letzte Nacht (Gebundene Ausgabe)
.. und der zugehörige letzte Abend von Manny als Betreiber des Restaurants "Red Lobster" werden in diesem Buch beschrieben. Angefangen von der ersten Seite, auf der Manny noch eine Weile in seinem Auto sitzt und durchatmet, bevor er sich dem Unvermeidlichen stellt, über die unterschwellige Hilflosigkeit, als nur ein Bruchteil seiner Mitarbeiter zur letzten Schicht erscheint bis hin zu den letzten Gästen, die nicht einmal etwas essen wollen, fühlt der Leser mit Manny und seinem zerstörten Lebenstraum. Und dennoch scheint auf jeder Seite durch, dass der Anstand, mit dem Manny den letzten Abend hinter sich bringen will, letztlich nicht unbegründet ist. Großes Kino.
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Hommage an alle Kellner und Kellnerinnen, 9. Dezember 2008
Rezension bezieht sich auf: Letzte Nacht (Gebundene Ausgabe)
"Die letzte Nacht" ist ein wunderschönes, sehr anrührendes Buch. Es erzählt von der letzten Nacht eines Restaurants, das aus betriebswirtschaftlichen Gründen geschlossen werden muss. Geschichte klingt simpel, ist aber so liebevoll erzählt, dass es schwer fällt, das Buch aus der Hand zu legen. Es ist eine Hommage an alle Kellner und Kellnerinnen. Wohl kaum jemand, der dieses Buch gelesen hat, wird je wieder quengeln, wenn es mit dem Essen nicht schnell genug geht. Oder gar versäumen Trinkgeld zu geben... LESEN!
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3.0 von 5 Sternen Leise und melancholisch - ein Winter-Roman, 2. Juli 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Letzte Nacht (Taschenbuch)
Ein verschneiter Winterabend im Kettenrestaurant "Red Lobster" in einem Einkaufszentrum in den USA, und zwar der 20.12., der letzte Abend vor der Schließung der Filiale. Wir begleiten den Geschäftsführer Manny, 35 J., und einige seiner Angestellten durch diese letzte Nacht. O'Nan beschreibt die Tätigkeiten, die im Service anfallen, putzen, kellner, kochen, Schnee fegen - und nebenbei erfährt man so einige über die Bezieungen, die zwischen den Leuten bestehen. Es ist ein leiser, ruhig erzählter Roman, die Athmospäre wird sehr schön eingefangen an diesem Winterabend, sehr melancholisch. Es war mein erstes Buch von O'Nan, aber es werden noch mehr folgen.
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3.0 von 5 Sternen Rührend einfach oder schlicht banal? Geschichten aus dem Alltag können mehr Dramaturgie vertragen, ohne verlogen zu sein!, 24. Juni 2012
Von 
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Letzte Nacht (Gebundene Ausgabe)
Ich bin und bleibe ziemlich unentschieden, was diesen schmalen Band angeht. Ist die Erzählung rührend einfach oder schlicht banal? Mir ist der Stil und der besondere Blick Stewart O'Nans auf den Alltag und die Menschen sehr wohl vertraut, ich mag das alles in allem und finde es sehr löblich, den Lebenswelten, Geschichten und Gefühlen der gemeinhin und verharmlosend "einfach" genannten Leute eine Stimme und einen literarischen Ort zu geben.
Doch täte man das nicht auch und vielleicht strahlender, wenn man ihnen eine richtige Geschichte widmete, mit Haltung und Tiefe und Charakter? Ich will bei weitem nicht immer und überall eine dramaturgisch durchgearbeitete Konfliktabfolge mit persönlicher Entwicklung und Happy Ending vorgeknallt kriegen, aber einfach nur die Tristesse einer Episode in Form einer Kuriosität am Rande des Alltags nachzuzeichnen - mit dem banalen Erkenntniszuwachs, dass die quasi unsichtbaren Dienstboten der modern-oberflächlichen Warenwelt eben auch mit Gefühlen gesegnete Menschenwesen sind, erscheint mir doch zu wenig... fast sogar kontraproduktiv: die arbeitende "Unterschicht" ist ja kein zu begaffendes Lebend-Inventar eines Menschenzoos!
Vielleicht ist der Roman auch nur etwas zu sehr konzentriert auf den Chef der Restaurant-Truppe. Multiperspektivisches Erzählen wäre sicher interessanter gewesen, wenn die Handlung dann auch im Großen und Ganzen etwas aufgebläht wäre.

Aber wie man es dreht und wendet, enthält diese Erzählung trotz allem viele prägnante Beschreibungen, großartig bildhaft gestaltete Szenen, die in mikroskopischer Genauigkeit mit wenig Worten viel Menschlichkeit und Wahrhaftiges in sich tragen! Doch ich bleibe dabei, dass ich mir mehr dramaturgische Tiefe, vielleicht auch nur mehr charakterliche Background-Stories gewünscht hätte, anstatt im Grunde nur an Stereotypenfiguren zu appellieren, die dem Leser schon aus US-Independent-Filmen, Fotoreportagen über die Arbeitswelt oder aus Edward-Hopper-Gemälden bekannt sein sollten. Geschichten aus der alltäglichen Arbeitswelt können mehr Dramaturgie vertragen, ohne verlogen zu sein!
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Man fühlt sich dabei an einem zauberhaften Abend, 29. November 2009
Von 
Rezension bezieht sich auf: Letzte Nacht (Taschenbuch)
Für mich eines der schönsten Bücher des Jahres.Die Geschichte wird aus Sicht des Restaurantchefs Manny erzählt,dessen Lokal einer Restaurantkette zum letzten Mal geöffnet ist,es ist für die Firma unrentabel geworden.Es ist kurz vor Weihnachten,es schneit stark.
Manny will wie immer alles perfekt machen,ein Dutzend Angestellte sind auch zur letzten Schicht gekommen.Der Alltag im Restaurant wird geschildert,recht unspektakulär,es passiert nichts Sensationelles,keine spannenden Vorkommnisse und kein knalliges Ende.
Aber wie die Geschichte erzählt wird,finde ich genial.Ich war quasi mittendrin dabei,spürte die Hektik im Hauptbetrieb,den Stress der Mitarbeiter,die Animositäten untereinander,für mich eine wunderbare klare Sprache.Ich hab im Studium 5 Jahre in ner Kneipe gearbeitet,das Buch hat es geschafft,alte Erinnerungen in mir wieder aufzuwecken.
Und die kleinen Vorkommnisse sind für mich genial.Z.B.merkt Manny,dass seine Jacke aufgeschlitzt wurde,nur ein Angestellter,der schon gegangen war,konnte es gewesen sein.Er beruhigt sich,weil er sicher ist,dass seine Jacke mit der des Kochs verwechselt wurde,da dieser den Mitarbeiter manchmal drangsaliert hat,und er,Manny,ist doch DER Vorgesetzte,für alle da,immer hilfsbereit und fürsorglich gegenüber seinem Personal.Und später sieht er,dass die Jacke des Kochs genauso beschädigt wurde....
Die Geschichte lässt auf ähnliche Weise einige Einschätzungen in Rauch aufgehen,und es geht alles nahe,weil alle Personen als ganz normale Durchschnittsmenschen gezeichnet sind,alle kommen einem bekannt vor,auch ihr Verhalten.
Ich kann das Buch nur Jedem ans Herz legen,es ist an einem ruhigen Winterabend gelesen,hinterlässt trotz oder sogar wegen dem felhlenden Zuckergussende einen positiven und herzerwärmenden Eindruck
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2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Traumhaftes Kopfkino, 3. August 2009
Rezension bezieht sich auf: Letzte Nacht (Gebundene Ausgabe)
Vier Tage vor Weihnachten öffnet Manny DeLeon zum letzten Mal vor der endgültigen Schließung die Filiale der Red-Lobster-Restaurantkette. Die melancholische Eröffnungsszene, in der er alle Maschinen und Geräte überprüft, immer im Bewusstsein, dieses Ritual zum letzten Mal durchzuführen, gibt die Grundstimmung des Buches vor.
Manny ist ein guter Filialleiter, er liebt seine Arbeit und befolgt die Anweisungen der Zentrale. Die meisten Mitarbeiter sind an diesem Tag nicht mehr zur Arbeit erschienen und von denen, die gekommen sind, werden noch einige vor Ablauf ihrer Schicht verschwinden.
Manny tut alles, um einen geregelten Ablauf zu sichern, so als handele es sich um einen ganz gewöhnlichen Tag. Vor dem Lokal herrscht ein Schneesturm, dem sich ohnehin niemand freiwillig aussetzen würde, und so sind die letzten Gäste eine Busladung chinesischer Touristen, die sich beim Muschelessen in einem anderen Restaurant den Magen verdorben haben und nur die Toilette benutzen möchten. Trotzdem wird der Abend nicht langweilig. Alte Feindschaften, interne Streitereien und Eifersüchteleien, kleine Racheakte, Liebeskummer und ein Stromausfall halten die Besetzung des Red Lobster auf Trab, ebenso wie diebische Großmütter, zänkische Mütter mit ihren verzogenen Kindern, unzuverlässige Schneeräumdienste, Trinkgeldknauserer und Gutscheinfuchser. Manny bekommt alles unter die Nase gerieben und jahrelang gehütete Dinge werden gesagt. Er begegnet allem gleichmäßig freundlich und stoisch. Doch in dieser Nacht wird er auch ein ums andere Mal über seinen Schatten springen.
Als Film wäre Letzte Nacht einer jener bittersüßen Kleinstadtfilme, die mitten ins Herz treffen. Für die Verfilmung wünsche ich mir dann folgendes Ende: Die Kamera fährt sachte von den erleuchteten Fenstern rückwärts in die Dunkelheit, während die orchestrale Musik langsam verklingt und vom Einsatz eines Dylan-Songs abgelöst wird. Abspann.
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Letzte Nacht
Letzte Nacht von Stewart O'Nan (Gebundene Ausgabe - 17. September 2007)
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