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15 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Was bleibt?
Was bleibt in der Erinnerung? Ist es der Wolf Larsen, der am Ende nur noch ein Schatten seiner selbst ist? Nein. Es ist der Wolf Larsen, der mit seiner Hand eine rohe Kartoffel zudrückt. Ist es der Humphrey van Weyden, der am Ende den Kampf aufnimmt? Nein. Es ist der, der zu Beginn völlig eingeschüchtert an Bord der Ghost kommt.

Der Konflikt...
Veröffentlicht am 3. Mai 2007 von Michael Kahnt

versus
11 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Finger weg! Massiv gekürzte Nacherzählung
Die vorliegende Ausgabe hat mit Jack Londons Roman nur noch den Titel gemein. Es handelt sich nicht um eine Übersetzung sondern eine reine (und zudem stark gekürzte) Nacherzählung des Originalromanes. Mein Rat: Finger weg! Und stattdessen lieber eine andere originalgetreue Übersetzung wählen.
Veröffentlicht am 5. November 2009 von Tenryu


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15 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Was bleibt?, 3. Mai 2007
Von 
Michael Kahnt (Hamburg) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Der Seewolf (Taschenbuch)
Was bleibt in der Erinnerung? Ist es der Wolf Larsen, der am Ende nur noch ein Schatten seiner selbst ist? Nein. Es ist der Wolf Larsen, der mit seiner Hand eine rohe Kartoffel zudrückt. Ist es der Humphrey van Weyden, der am Ende den Kampf aufnimmt? Nein. Es ist der, der zu Beginn völlig eingeschüchtert an Bord der Ghost kommt.

Der Konflikt dieser Männer, den Jack London sehr beeindruckend schildert, ist der Kern der Geschichte. Ein ungleicher Kampf zwischen dem starken und brutalen "Seewolf" und dem intelligenten schöngeistigen Gegenüber. Ein Kampf, den London im Laufe der Zeit zu immer neuen Höhepunkten treibt.

Einen sehr großen Eindruck haben auch Londons Beschreibungen des Meeres und der Robbenjagd, sowie seine detaillierten Kenntnisse über Segelschiffe und Nautik. Und so wie van Weyden lernt auch der Leser sehr viel.

Ein wirklich beeindruckendes Buch.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die zwei Seelen in der Brust des Jack London, 9. März 1999
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Der Seewolf (Gebundene Ausgabe)
Jack Londons Seewolf ist das erste Buch, welches ich von Jack London gelesen habe. Danach habe ich alle gelesen. Mit 13 zum erstenmal und mit 20 zum zweitenmal. Und inzwischen, mit vierzig, habe ich wohl die meisten seiner Titel zum drittenmal gelesen. Es ist beides: ein geniales Werk und zugleich ein literarischer Fehlschlag. Die erste Hälfte des Buches ist ungemein fesselnd, geradezu magisch in ihrer Dramatik, schmerzhaft realistisch und spannend. Die Konfrontation mit dem humanistisch gebildeten van Weyden und dem rohen, aber naturphilosophischen Larsen ist ein mentales Katz- und Mausspiel, welches in der Literatur seinesgleichen sucht. Londons Charakterisierung des Wolf Larsen verrät auch eine Menge über London selbst: Sein Nihilismus, seine Anbetung der natürlichen Ordnung der Dinge, sein verkappter Rassismus und nicht zuletzt seine rudimentäre Homophilie - sozusagen, die dunkle aber machtvolle Seite des Jack London. Dem gegenüber steht der idealistische Entwurf eines Ehtikers, der die Dinge als kulturelle Aufgabe versteht, der lernen muß, über sich selbst hinauszuwachsen und der durch quälenden Selbstzweifel hindurch zu sich selber findet. Der Leser muß jedesmal von Neuem entscheiden, zu welcher der beiden Figuren er sich am meisten hingezogen fühlt. Doch die zweite Hälfte des Buches kippt dann leider um in Kitsch und Unglaubwürdigkeit. Hier mußte London Kompromisse machen: mit seinem puritanistischen Verleger und mit dessen bourgoisem Publikum der Jahrhundertwende. Die fast schon blutleere Schilderung der Beziehung zwischen Maud Adams und van Weyden erinnert oft schmerzhaft an romantische Lovestories eines frühen Karl May und entbehrt jeder Charakterstudie. Hier leben eine junge Frau und ein junger Mann für Monate zusammen auf einer einsamen Insel und es passiert - nichts! Soll ihnen das einer glauben? Erst gegen Schluß wird es wieder interessant und atemberaubend: der Todeskampf zwischen dem erblindeten Larsen und dem inzwischen erstarkten van Weyden, der dann durch eine mutige Maud Adams beendet wird ist ein Stück Spannungsliteratur vom Feinsten. Und dann der langsame Tod Larsens, der nun in seinem mächtigen Körper wie in einem Gefängnis verendet - eine erschreckende Vision. Alles in allem ein Jahrhundertwerk. Aber es gibt noch sehr viele gute andere Jack London Bücher.
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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Tot sind alle Götter: nun wollen wir, dass der Übermensch lebe.", 10. Dezember 2009
Von 
Tanja Heckendorn "heckendorn" (Lörrach) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Der Seewolf: Roman (Taschenbuch)
Die faszinierende Seefahrtsgeschichte des denkbar ungeeigneten Mannes, den man sich für eine wilde Reise durchs raue Meer vorstellen kann, sucht noch heute seinesgleichen. Zu Recht wird dieses Werk von Jack London zu den geehrten Klassikern gezählt, auch wenn die Bezeichnung Abenteuerroman dem tiefsinnigen Spektakel nicht ganz gerecht wird. Die Geschichte lebt von dem knisternden Kampf des Schöngeistes Humphrey van Weyden, der sich in Ich-Form direkt an den Leser wendet, mit dem Freigeist Wolf Larsen, dem grausamen Kapitän des Robbenkutters "Ghost", der den Erzähler auf seinem Schiff gefangen hält, um einen richtigen Mann aus ihm zu machen. Jack London bezeichnete sein Werk einmal als Angriff auf die Übermensch-Philosophie von Nietzsche und sieht man seinen Roman in diesem Lichte, kommen erstaunliche Erkenntnisse zum Vorschein.

Als der Schiffbrüchige von der Mannschaft der Ghost an Bord gezogen wird, ahnt der Gentleman nicht, dass er direkt in der menschlichen Hölle gelandet ist. Vom angesehenen Mitglied der Gesellschaft wird er zum Schiffsjungen degradiert. Der seltsame Kapitän, Wolf Larsen, scheint sich seine eigene Philosophie über das Leben zu Recht gelegt zu haben und wenn diese auch bar aller Moral ist, scheint es sein edles Bestreben zu sein, den weichlichen, jungen Mann durch eine besondere Behandlung auf "eigenen Füßen stehen zu lassen". Bei der schweren Arbeit nützen dem armen Hump, wie er vom Kapitän genannt wird, die stets so reichlich gepflegten Studien der Literatur nur wenig. Vielmehr wird er sich der fehlenden Muskelkraft bewusst, da ihm bis jetzt das Training des Geistes erstrebenswerter erschien, wie körperliche Ertüchtigung. Die Tyrannei des Küchenchefs Mugridge kommt ihm da besonders bitter an, den er bald von Herzen hasst. Wolf Larsen beobachtet die Entwicklung seines neuen Schiffsmitglieds interessiert, wie alle Vorgänge auf seinem Kutter und geht sogleich zum Angriff auf das Weltbild von Weydens über. Hatte Humphrey es bisher für eine unumstößliche Tatsache gehalten, dass das Leben eines jeden Menschen einen besonderen Wert hat, wird er nun durch die gnadenlosen Theorien Larsens erschüttert. Für die Allgemeinheit hat das Leben des Einzelnen kaum einen Wert, so Larsen, vielmehr ist es der Mensch selbst, der seinen Wert bestimmt. Dabei würde dieses Leben des starken Menschen bis aufs Blut verteidigt und selbst sogenannte moralische Grundsätze, besonders das Mitleid einem anderen Wesen gegenüber, seien dabei hinderlich und daher zu vernachlässigen. Dem Entsetzen Weydens folgt die Erkenntnis, dass ihm die bisherige Welt, die er vor allem aus Büchern kannte, eine Sicht-weise verschloss, die er nun als schreckliche Wirklichkeit zu entdecken scheint. Auch wenn er von dem amoralischen Handeln seines Gegners immer noch abgestoßen ist und seine Mordgedanken durch die praktischen Beispiele der Philosophie des Kapitäns gefördert werden, beginnt sich nicht nur der durch die harte Arbeit gestählte Körper Humps zu verändern. Im rauen Meer vor Japan spitzen sich die Ereignisse zu, als Wolf einen Angriff auf das Schiff seines Bruders Tod Larsen plant. Doch dann kommt unvermittelt ein weibliches Element in die schwierige Gleichung, als die schiffbrüchige Schriftstellerin, Maud Brewster, aufgelesen wird. Die zarte Dame scheint nicht nur die Gefühle von Humphrey zu bewegen, auch Wolf Larsen scheint nicht unberührt zu sein. Es kommt zu spannenden Entwicklungen.

Wer sich mit der Person und Philosophie Nietzsches auseinandersetzt, wird tatsächlich einige Auffälligkeiten an dem Kapitän Wolf Larsen entdecken. Wie der große Philosoph wird auch Larsen von heftigen Kopfschmerzattacken geplagt und auch das unrühmliche Hinsiechen mit Blindheit und Lähmungserscheinungen scheint beiden beschieden. Auch in der Denkweise gleichen sie sich. Die Gattung Mensch wird als eine Art Grundmasse gesehen, in der es dem Übermenschen gelingt, aus sich selbst ein Kunstwerk zu schaffen, indem er mit sich und anderen hart und mitleidlos verfährt. Ziel ist jedoch nicht die Herrschaft über andere, sondern die höchsteigene Überlegenheit, der "Wille zur Macht". Dem gegenüber steht der schwache Mensch, der durch seine empfundene Unterlegenheit Zuflucht zu einer imaginären Welt sucht. Ein Beispiel hierzu scheint im Roman der Schiffskoch zu sein, der stets betont, dass er eigentlich aus guter Familie stammt und ein besseres Los im Leben verdient hätte. Wolf Larsen zählt auch die Vorstellung einer unsterblichen Seele zu den Fluchten des Erdenmenschen, der sich in der Wirklichkeit nicht zu behaupten weiß.
Am Ende wird der Kapitän von seiner eigenen Philosophie geschlagen. Die Tugenden dagegen, die der Seewolf stets verachtete, wie Liebe und Mitgefühl, triumphieren am Schluss und bedeuten denjenigen, die sie bis zum Schluss bewahrten, ein glückliches Leben.
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8 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der Harte und der Zarte, 5. Januar 2007
Von 
Rolf Dobelli (Luzern, Schweiz) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (HALL OF FAME REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Der Seewolf (Taschenbuch)
Jack London eroberte 1904 mit seinem Roman Der Seewolf nicht nur die Herzen der Amerikaner, das Buch wurde auch weltweit in rund 70 Sprachen übersetzt und mehrmals verfilmt. Kein Wunder, lädt die Story doch geradezu dazu ein, auf großer Leinwand zum Leben erweckt zu werden. Die Geschichte handelt vom Facettenreichtum der menschlichen Seele, vom Kampf ums nackte Überleben und von der Überlegenheit des gebildeten Geistes gegenüber der rohen Gewalt. Der Roman ist eine spannende, teilweise fast gruselige Seeabenteuergeschichte, gleichzeitig aber auch eine hellwache Darstellung zweier psychologisch völlig unterschiedlicher Persönlichkeiten und nicht zuletzt eine zarte Liebesgeschichte. Mit dem skrupellosen und brutalen Kapitän Wolf Larsen (dem Seewolf) und Humphrey van Weyden, einem feinfühligen Ästheten, der als Schiffbrüchiger auf die "Ghost" und damit in die Pranken des Kapitäns gerät, hat der Autor zwei Hauptfiguren gewählt, die sich diametral gegenüberstehen. Doch trotz ihrer Unterschiedlichkeit kommen sich beide im Lauf der Geschichte erstaunlich nahe, und jeder profitiert von den Stärken des anderen im Kampf gegen die Naturgewalten auf hoher See. Bis sie am Ende - natürlich wegen einer Frau - doch auf Leben und Tod aneinander geraten und einer von ihnen auf der Strecke bleibt ...
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Völlig missdeuteter, großartiger Roman, 1. Dezember 2009
Rezension bezieht sich auf: Der Seewolf: Roman (Taschenbuch)
Allenthalben liest und hört man vom "Seewolf" als Abenteuerroman. Automatisch denkt man (denke ich) bei dieser Gattungsbeschreibung an Karl May, Die Schatzinsel oder Die drei Musketiere. Dass es sich beim Seewolf aber um einen hochgradig intelligenten und philosophischen Roman handelt, wird oft mit keiner Silbe erwähnt.

Erzählt wird die Geschichte von Humphrey Van Weyden, der sich nach einem Fährunglück in der Bucht von San Francisco im Meer treibend und dem Tode nahe wiederfindet, bis ihn ein Segelschoner an Bord nimmt: Die "Ghost", das Schiff des skrupellosen, brutalen, aber nichtsdestoweniger hochintelligenten Kapitäns Wolf Larsen. Ob er über diese Rettung froh sein soll, weiß Van Weyden bald nicht mehr so recht, denn Kapitän Larsen denkt nicht im Traum daran, den "Gentleman" wieder an Land zu setzen: Er will ihn, der auf den Beinen seines Vater steht, vielmehr lehren, auf den eigenen Beinen zu stehen und möglicherweise sogar auf ihnen zu laufen. Dazu muss man wissen, dass der Gentleman als solcher oftmals keinem Beruf nachging, da er ein "Einkommen" hatte, also von Zinsen eines meist ererbten Vermögens lebte. Und genau das ist die Kerbe in die Wolf Larsen seinen Hebel treibt, der Van Weyden bald mehr als nur ein bisschen schwanken macht. Der verweichlichte Stadtmensch erlebt auf der "Ghost" Darwin in Reinform: Nur wer stark genug ist, überlebt; wer aufmüpfig wird, bekommt die schiere Kraft des Seewolfes zu spüren.
Van Weyden ist von Tag zu Tag empörter über das, was er erlebt - und versucht, Larsen mit seiner bildungsbürgerlichen Moral Einhalt zu gebieten. Aber so einfach ist Larsen nicht beizukommen, denn so etwas bigottes wie "Moral" lässt er nicht gelten. Er ist Freigeist und misst dem Leben des Menschen nicht mehr Bedeutung bei als dem Leben von Tieren.
Als die Dinge auf der "Ghost" schließlich in Mord und Totschlag zu enden drohen, werden erneut Schiffbrüchige aufgelesen - unter ihnen Maud Brewster, eine bekannte Schriftstellerin, in die sich Wolf Larsen und der inzwischen zum Mann gereifte Van Weyden gleichermaßen verlieben. Als Larsen sich an Maud vergreift, fasst Van Weyden den Entschluss, gemeinsam mit der Frau in einem kleinen Beiboot das Weite, bzw. das relativ nahe japanische Festland zu suchen. Doch selbst das gewagte und höchst gefährliche Unterfangen kann die beiden nicht aus dem Bannkreis Wolf Larsens bringen: seine Kraft scheint unerschöpflich. Und doch scheint es nur so...

Sebastian Koch, der in der Neuverfilmung des ZDF die Rolle des Seewolfs übernommen hat, sagte in einem Interview, Wolf Larsen rühre ihn immer wieder zu Tränen. Dem kann ich nur beipflichten. Denn obwohl Larsen ein grausames Schwein ist, das auf Teufel komm raus Darwins Theorien zu beweisen und das stärkste Stückchen Gästoff in seinem Dunstkreis zu sein versucht, bringt Jack London doch das Kunststück fertig, ihm so viel Seele einzuhauchen, dass ich nicht anders konnte, als ihn von Herzen gern zu haben. Seine ungezügelte, wilde "Denke" und seine bedingungslose Ehrlichkeit sind über alle Maßen faszinierend, gerade in einer Welt in der Bigotterie oftmals wieder zum Standard erhoben worden ist. Überdies blitzen bisweilen auch Sanftheit und Traurigkeit in Larsen auf, was den Charakter alles in allem zu einem der vielleicht stärksten der Weltliteratur macht.

Auch wenn Sie es als Jugendlicher versäumt haben: lesen Sie dieses Buch, es lohnt sich für den Erwachsenen, der denken kann und will genauso wie für den Jugendlichen, der "Abenteuer" sucht und findet: dies Buch ein absoluter Genuss; in beinahe jeder Hinsicht.
Einzig die Übersetzung der dtv-Ausgabe könnte ein wenig flotter sein ("Herr" statt "Sir", "San Franzisko" statt "San Francisco" und noch einiges mehr, das mir gerade nicht einfallen will) und ist im zweiten Teil an manchen Stellen ein wenig schlampig redigiert. Meine Empfehlung wäre daher die erfahrungsgemäß sehr ordentliche Arbeit von Christine Hoeppener in der diogenes-Ausgabe.
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15 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der erste Medienstar des 20. Jahrhunderts, 11. November 1999
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Der Seewolf (Gebundene Ausgabe)
Jack London ist einer der Schlüsselfiguren der amerikanischen Literatur des 20. Jahrhunderts, zugleich der erste echte Medienstar. Mit ihm beginnt die Ära der modernen Short-Story (und nicht mit Hemingway, wie so oft angenommen), gewinnt die Sprache unseres Jahrhunderts langsam an Kontur. Einen Kipling des Nordens hat man ihn genannt, aber auch "oy-socialist"und "orking Class Hero" Und so ganz en passant entdeckte er für sich eine neue Form des investigativen Journalismus (bei uns "allraffen" genannt, indem er sich für Monate unter die Ärmsten der Armen im Londoner East-End mischte, um eine bis heute einmalige Dokumentation zu schreiben. Und London wußte, wovon er sprach: aufgewachsen unter ärmlichen Bedingungen, früh schon in das triste Dasein eines jungen Lohnsklaven gepreßt, brach er als 15jähriger mit den Fesseln der industriellen Ausbeutung und wurde eine Art Pirat - ein Austernräuber in der Bucht von San Francisco. Sein Lebenslauf liest sich wie ein von ihm selbst geschriebener Abenteuerroman - stets rastlos auf der Suche nach Glück, gleichzeitig aber auch von Bildungshunger und politischem Engagemant getrieben, fährt er zur See, sucht nach Gold in Alaska und durchkreuzt als Eisenbahntramp die USA. Früh beginnt er zu schreiben, früh hat er Erfolg und früh stirbt er dann auch - im Alter von nur 40 Jahren an Nierenversagen (und keineswegs durch eigene Hand, wie immer wieder kolportiert wird). Jack London war ein widersprüchlicher Charakter, von starken Selbstzweifeln gequält. So nimmt es nicht wunder, daß er seine literarische Begabung nutzte, um sich in seinem Werk zu spiegeln; fast jeder seiner Romane hat autobiographische Elemente. So auch dieser: Der Seewolf, Londons erfolgreichstes Buch neben "er Ruf der Wildnis" und "olfsblut" Durch den "eewolf"(erschienen 1904) wurde er im Jahre 1905 zum bestverdienen Autor weltweit und zugleich zum Medienereignis. Jack Londons Seewolf ist das erste Buch, welches ich von Jack London gelesen habe. Es ist beides: ein geniales Werk und zugleich ein literarischer Fehlschlag. Die erste Hälfte des Buches ist ungemein fesselnd, geradezu magisch in ihrer Dramatik, schmerzhaft realistisch und spannend. Die Konfrontation des humanistisch gebildeten van Weyden mit dem rohen, naturphilosophisch ausgerichteten Larsen entwickelt sich zu einem mentalen Katz- und Mausspiel, in welchem es keinen Gewinner und keinen Verlierer gibt. Londons Charakterisierung des Wolf Larsen verrät gerade hier eine Menge über London selbst: Sein Nihilismus, seine Anbetung der natürlichen Ordnung der Dinge, sein verkappter Rassismus und nicht zuletzt seine rudimentäre Homophilie - sozusagen die dunkle, aber machtvolle Seite des Jack London. Dem gegenüber steht der idealistische Entwurf eines Ehtikers, der die Dinge als kulturelle Aufgabe versteht, der lernen muß, über sich selbst hinauszuwachsen und der durch quälenden Selbstzweifel hindurch zu sich selber findet. Der Leser muß jedesmal von Neuem entscheiden, zu welcher der beiden Figuren er sich am meisten hingezogen fühlt. Doch die zweite Hälfte des Buches kippt dann leider um in Kitsch und Unglaubwürdigkeit (In Teil 2, achtes Kapitel). Hier mußte London Kompromisse machen: mit seinem puritanistischen Verleger und mit dessen bourgoisem Publikum der Jahrhundertwende. Die fast schon blutleere Schilderung der Beziehung zwischen Maud Adams und van Weyden erinnert oft schmerzhaft an romantische Lovestories eines frühen Karl May und entbehrt einer glaubwürdigen Charakterstudie. Böse Zungen behaupten, daß Londons zweite Frau Charmian hinter dieser Verharmlosung steht, wahrscheinlicher ist aber, daß Londons Frauenbild selbst prägend gewesen sein dürfte. In kaum einem London-Roman erfährt der Leser Erotik, ja Leidenschaft zwischen den Geschlechtern, stattdessen ist fast jede Beziehung zwischen Mann und Frau von Kameradschaft geprägt. Londons Vorstellung vom "ate" von der Partnerin als "umpel"oder Genosse, ist anhand seines Lebensweges deutlich nachzuvollziehen. Doch gegen Schluß gewinnt der Seewolf wieder Qualität: der Todeskampf zwischen dem erblindeten Larsen und dem inzwischen erstarkten van Weyden, der dann durch eine mutige Maud Adams beendet wird, ist ein Stück Spannungsliteratur vom Feinsten. Und der langsame Tod Larsens, der nun in seinem mächtigen Körper wie in einem Gefängnis verendet - eine erschreckende Vision. Alles in allem ein Jahrhundertwerk, erfolgreicher als vieles, was je von amerikanischen Autoren hervorgebracht worden ist.
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Große Kunst und kein bisschen angestaubt: Der Seewolf von Riff Reb's, 28. Mai 2013
Von 
Udo_Erhart - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 50 REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)   
Rezension bezieht sich auf: Seewolf, Der (Gebundene Ausgabe)
Unterhaltsame Comic-Aufbereitungen klassischer Lektüre ist mir bisher nur selten untergekommen. Doch Riff Reb's Bearbeitung von Jack Londons Roman "Der Seewolf" macht neugierig auf das Original - und ist nicht nur zeichnerisch hochkünstlerisch ausgefallen.

"Der Seewolf" berichtet vom wohlhabenden Humphrey Van Weyden, der Schiffbruch erleidet und von Käptn Wolf Larsen, dem Seewolf, und seiner Mannschaft "gerettet" wird. Doch so eine rechte Rettung will das nicht sein, was ihn da auf dem Robbenschoner "The Ghost" erwartet. Denn entgegen seinem Wunsch wird er nicht an Land gebracht, sondern zum Anheuern gezwungen. Körperlich dem enorm brutalen und aufbrausenden Kapitän kein bisschen gewachsen, muss sich Van Weyden beugen. Er erlebt brutale Abenteuer auf dem Robbenschoner, Stürme, Meuterei und Tod, kommt dabei jedoch emotional dem Seewolf recht nahe. Und obwohl Van Weyden eines Tages vom Schiff flüchten kann, kommt er nicht mehr vom Seewolf los...

Riff Reb's Bilder sind ebenso gewaltig wie der Charakter des Seewolfs. Das Meer, der Nebel, die Natur an sich sind bei ihm immer in Bewegung und sehr organisch. Ich weiß nicht, wie lange der Zeichner an diesem Band gearbeitet hat, aber ein Fleißkärtchen bekommt er von mir für all die Schraffuren und Strukturen allemal. Auch für die Kolorierung zeichnet Riff Rab's verantwortlich. Er hat sich auf jeder Seite für eine Farbe entschieden und koloriert zum schwarzen Strich dann in den jeweiligen Farbnuancen. Außerdem bringt er sogar noch farbige Schraffuren an. Insgesamt ist "Der Seewolf" in der Version von Riff Reb's richtig große Comic-Kunst.

Der Splitter-Verlag hat erneut ein druck- und bindetechnisch tadelloses gebundenes Comic-Buch vorgelegt. Die Klappen des Schutzumschlags beinhalten eine kurze Biografie Jack Londons. Einziges Manko des Bandes: Ich hätte die Panels gerne in einem großformatigen Album reproduziert gesehen, denn der Detailreichtum der Zeichnungen ist unglaublich.

Von mir beherzte volle fünf Sterne und 'ne Buddel voll Rum für dieses Comic-Kunstwerk. Leseempfehlung - nicht nur für Freunde klassischer Stoffe!
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Eines dieser Bücher..., 24. August 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der Seewolf (Gebundene Ausgabe)
...deren Handlung bekannt erscheint und die man dennoch nicht wirklich kennt. Der Roman "Der Seewolf" von Jack London wurde mehrfach verfilmt und war zu seiner Zeit ein riesiger Erfolg. Ein Erfolg der jedoch bald schon in Vergessenheit geriet.

Traut man sich an dieses Buch heran, so wird man nicht nur ein klassisches Muster der Verstrickung von Liebe, Hass und den Zwiestreit von Gut und Böse vorfinden, sondern darüber hinaus eine tiefgehende Auseinandersetzung mit der menschlichen Seele.
Der junge van Weyen spielt hierbei zunächst die Rolle des unerfahrenen Naivlings aus der Oberschicht, welcher in die harte Realität der Ghost, dem Schiff des Seewolfs gestoßen wird. Hier lernt er langsam sich zu beweisen, wobei dem Leser trotz aller Grausamkeit kein schnelles Urteil über Kapitän Wolf Larssen erlaubt wird.
Vielmehr wird der Krieg des Kapitäns gegen die Moralvorstellungen von van Weyden und später von Maud Brewster eine Auseinandersetzung mit dem Wertesystem der zivilisierten Welt. Larssen ist in seinem Wesen ein freier Geist, der seine Stärke ausspielt und gleichzeitig die Sehnsucht verspürt sich dabei zu erklären. Das Resultat ist ein spannender Lernprozess an dem der Leser durch die Ich-Erzählung van Weydens teilhaben darf.
Zuweilen war der Spannungsbogen nicht ganz so gelungen, doch mag es sein, dass weibliche Leser die Passage über die Mühsalinsel mehr schätzen und sich über das "Versteckspiel" der Gestrandeten amüsieren können, die sich ihre Gefühle nicht eingestehen können. Das Festhalten an den Moralvorstellungen von "getrenntem Wohnen" in einer nasskalten Umgebung mit nächtlichen Stürmen erschien mir allzu galant und der Protagonist dadurch doch künstlicher als nötig. Weiterhin konnte ich nicht lesen woraus van Weyden die Tür baute an die er bei Mrs. Brewster immer klopfte (will nicht kleinlich wirken, aber es sprang mir sehr ins Auge).
Mir schien dieser Teil gar zu klischeehaft inszeniert, während die Seefahrergeschichte dem Autor meines Erachtens besser gelang. Ich will aber nicht zuviel verraten, denn trotz der genannten Punkte war der Lesespaß war bis zur letzten Seite ungebrochen. Doch eines sei kurz erwähnt: Jack London führt dem Leser keine einfachen Charaktere vor. Ich grüble heute noch über das Ende des Buches: wer möchte der schreibe mir einen Kommentar zum Schicksal des Kapitäns. Ob in diesem letzten Teil der Handlung ein Urteil über den Seewolf oder über die Welt in ihrer Unberechenbarkeit gefällt wird, regt mich noch immer zum Nachdenken an...

Fazit: Ein gutes Buch, das auch ein paar verzeihliche Schwächen zeigt. Langweilig ist es nicht, nicht unter- oder überfordernd, aber auf jeden Fall sehr, sehr nachdenklich...
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Abenteuer pur, 7. Februar 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der Seewolf (Taschenbuch)
Jack London ist ein Altmeister des Abenteuer-Romans. Der "Seewolf" ist eins seiner besten Bücher. Spannend für Jung und Alt. Auch in packender Form verfilmt. Mehr Sterne und mehr Empfehlungen für ein spannendes Buch kann ich nicht vergeben.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der Wolf im Robbenpelz, 28. Juli 2010
Rezension bezieht sich auf: Der Seewolf (Taschenbuch)
"Der Seewolf" ist eines der Hauptwerke Jack Londons, das man gelesen haben sollte wenn nicht gar gelesen haben muss. Dabei handelt es sich nicht nur um einen Abenteuerroman, sondern ist darueberhinaus auch ein psychologisches Spiel zwischen Kapitaen Larson und van Weyden, der verweichlicht und besseren Kreisen angehoerend, von der Besatzung des Robbenschoners Ghost als Schiffbruechiger aufgenommen und fuer den Rest der Reise gegen seinen Willen in die Mannschaft integriert wird. Larson ist der Meinung, dass nur der Staerkste ueberlebt und Schwache auf Dauer keine Chance haben. Van Weyden widerlegt ihn und wird im Laufe der Reise einen Wandel durchlaufen, an dessen Ende der Show Down mit Larson stehen wird. Weiteres Konfliktpotential besteht zwischen Larson und seinem Bruder sowie Larson und einer weiteren Schiffsbruechigen, zu der sich sowohl Larson als auch van Weyden hingezogen fuehlen. Jack London hat mit dem Seewolf einen spannenden Abenteuerroman geschaffen, der nicht nur in seiner Handlung ueberzeugt, sondern Charaktere kreiert, deren Handeln und Reaktionen den Leser fesseln und zum Weiterlesen treiben. Darueberhinaus erfaehrt der Leser Wissenswertes ueber Robbenfang und Seefahrt. Highlight des klassischen Abenteuerromans.
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Der Seewolf (Roman)
Der Seewolf (Roman) von Ulrich Horstmann (Übers.) (Gebundene Ausgabe - 27. Februar 2013)
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