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am 12. Dezember 2004
Kafka war angeblich nie in Amerika. Er wählt Amerika als lichtesten und hoffnungsfrohesten Ort seiner "Trilogie der Einsamkeit". Karl Rossmann, ein von den Eltern verstossener, introvertierter Teenager, landet mit dem Schiff in Amerika und muss sich von nun an durchschlagen. Dies gelingt ihm nur unter Wert . Er setzt auf Vertrauen und Ehrlichkeit um den reichen Onkel oder Fremde auf der Wanderschaft als Freunde zu gewinnen. Keinem kann er trauen, keinem gegenüber zeigt er die Härte, die notwendig ist um sich Respekt zu verschaffen. Karl bleibt ein Getriebener, phasenweise bis zur unwürdigen Knechtschaft unter seinen zeitweiligen Weggefährten. Er nimmt den einen Job an und verliert ihn wieder, weil er nicht egoistisch oder nicht diszipliniert genug handelt.
Kafka hat in seinem -leider unvollendeten Werk- die Kehrseite des "American Dream" vorweg genommen: Nicht die Belohnung für Ehrgeiz und Fleiss sondern für den richtigen Deal, ein Verkäufertalent, die richtigen Beziehungen und das nötige Maß an Kaltschnäuzigkeit. Sehr gut beschrieben ist auch die innere Zerrisenheit Karls einerseits die Idee eines Traumjobs zu haben, anderseits nur Jobs zu bekommen, für die er (freudlose) Erfahrungen vorweisen kann.
Sehr interessant auch das letzte Kapitel "Das Naturtheater von Oklhoma": Ein riesiger Wanderzirkus (mit viel Phantasie eine in diesem Zusammenhang vorweggenomme Mischung aus Disney World und New Economy) zieht über die Städte um Personal für das grosse Schauspiel einzusammeln. Sie haben für jeden Verwendung und verbreiten buchstäblich mit Pauken und Trompeten viel Hoffnung unter den Arbeitssuchenden. Die Frage Karls, wie sich denn all der Marketingaufwand rechnen könne, wo das eigentlich Geschäft doch noch sehr unsicher sei wird beantwortet mit: "Darum mache dir mal keine Sorgen." Leider hat Kafka das Werk nicht zu Ende gebracht...
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am 12. Juli 2013
Ich wollte schon immer mal Franz Kafka lesen. Durch die ebooks von Amazon bin ich dazu gekommen und weil ich sie mir auf mein Tablet geladen habe.
Nun, gerader dieser Roman als Einstieg in das Lesen von Kafka war vielleicht gut, vielleicht auch nicht. Ich bin kein Experte.
Aber ich weiß, dass ich mit Karl gelacht und geweint habe, erschreckt und erleichtert war, gelernt und vergessen habe, verliebt war und gehasst habe ... ich war Karl!
Ein sehr schöner Roman, der mich sehr anrührte und durch die (manchmal etwas zu sehr) detailsreiche Erzählung von Kafka aber auch schwer zu ertragen war. Aber ich habe ihn bis zu Ende gelesen, das mich allerdings etwas verwirrt hatte. Denn es war ja eigentlich kein richtiges Ende. Nun ich weiß nicht, was sich der Verlag dabei dachte, das Buch so zusammen zu stellen. Aber dem Inhalt tat es auf jeden Fall keinen Abbruch und ich lese jetzt von Kafka Das Schloß.
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Ein typischer Romane des Prager Juristen ist Der Prozeß, der erste Band der Trilogie der Einsamkeit wie Kafkas bester Freund Max Brod es nannte. Der Prozeß und Das Schloß sind das, was man als kafkaesk bezeichnet, also die Schilderung bedrückend-absurder Geschichten. In den beiden Romanen wird die Hauptfigur schlicht K. genannt, ein Mann in den Dreißigern, mit einem gut bezahlten, angesehenen Beruf, der ohnmächtig gegen die Anfeindungen und Schikanen eines unsichtbaren Gegners ankämpft. Es wird nicht erklärt, warum K. so schlecht behandelt wird, um so beklemmender ist die Wirkung, um so nachdenklicher stimmen die Geschichten und um so stärker ist ihre Wirkung. Im Falle von Amerika liegen die Dinge anders. Die Hauptfigur heißt Karl Roßmann und ist ein 16-jähriger Mittelschüler, der von seinen Eltern in die USA geschickt wird. Auch diesem jungen Mann wird immer wieder Unrecht angetan, aber nie von einer unheimlichen, im Verborgenen arbeitenden Macht, sondern von konkret zu benennenden Personen, wie etwa seinen Eltern, seinen Vorgesetzten und seinen Arbeitskollegen. Somit wirkt die Geschichte sehr viel konventioneller als z.B. die großartige, verstörende Erzählung Die Verwandlung, für Kafkas Verhältnisse ist Amerika fast schon leicht und unbeschwert. An mehreren Stellen, etwa als Karl einen Job als Liftboy annimmt, erinnerte mich die Geschichte an Thomas Manns Felix Krull, besonders der gekonnte Umgang mit der Sprache drängte den Vergleich auf. Und tatsächlich gibt es auch Humor in diesem Buch, wenn auch nur an wenigen Stellen und fein dosiert. Sehr ungewöhnlich fand ich das zwar offene, aber eher fröhliche als pessimistische Ende des Romans. Zwar gibt es auch im Prozeß und im Schloß kleine Lichtblicke, in denen der Held Hoffnung schöpfen kann und Hilfe angeboten bekommt, doch in Amerika ist tatsächlich ein guter Ausgang der Geschichte vorstellbar. Immer wieder wird Karl der rasche Aufstieg in Amerika in Aussicht gestellt, doch immer wieder wird er enttäuscht und rennt ins nächste Unglück. Ein ständiges Auf und Ab und er gibt nicht auf, sondern glaubt an sich. Das Buch endet damit, daß Karl sich dem Naturtheater von Oklahoma anschließt, einer Art Wanderzirkus, in der jeder gebraucht wird und willkommen ist, unabhängig von seiner Qualifikation und bisherigen Berufslaufbahn. Am Ende steigen alle in einen Zug und werden zu ihrem nächsten Einsatzort transportiert. Das kann man unterschiedlich deuten, für mich spielt es auf den bevorstehenden Ersten Weltkrieg an, in dem ein lang ersehntes Gemeinschaftsgefühl die Menschen verband, und in dem selbst diejenigen wichtig wurden, die sich zuvor als Tagelöhner durchschlagen mußten, so wie Karl Roßmann an der Ostküste der USA.

Amerika von Franz Kafka ist ein flüssig zu lesender Roman, der durch seine klare und schöne Sprache besticht. Eine Geschichte über das Erwachsen werden und die Probleme eines naiven und sensiblen Teenagers in einer oft groben Welt, in der die meisten nur an ihr persönliches Vorankommen denken. Mal ein anderer, Mut machender, Franz Kafka.
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am 10. Oktober 2014
als vielmehr die Bedrückung Kafkas, wo auch immer er war, als er diese Zeilen zusammenschrieb.

Die Geschichte handelt vom jugendlichen Karl, der von den Eltern verstoßen und nach Amerika abgeschoben wurde. Wie für Kafka typisch trifft er auf zwei Menschengruppen: Die einen mächtig, aber tyrannisch, bösartig und willkürlich; die anderen zwar hilfsbereit, aber ohnmächtig. Eine schützende, herzhafte Vater- oder Muttergestalt ist auch hier Fehlanzeige, Kälte regiert das Geschehen. Anders als das Schloss und der Prozess haben wir hier aber keinen bürokratischen Apparat, der den Protagonisten in die Enge treibt, sondern großes Land, da sich für Karl aber dennoch immer wieder verengt. Die Motive und Figurentypen sind damit ein Stück weit ähnlich, der Rahmen jedoch ein deutlich anderer. Und ein weiterer Unterschied: Die positiven Elemente sind weitaus stärker als in den beiden anderen Romanen, der Verlauf erstirbt gerade nicht mit jeder Seite immer mehr in Hoffnungslosigkeit, Amerika steht hier wohl symbolisch für Größe und permanente Hoffnung.

Die eigentliche Geschichte bricht mittendrin ab, es folgt ein erstes eher grotesk-absurdes Fragment, dann aber ein zweites, die Geschichte quasi schließendes, jedoch auf auch öffnendes zweites Fragment: Karl kommt nun irgendwo an, wo nicht nur bösartige Tyrannen und ohnmächtige Pseudofreunde sind, sondern wie Lichtgestalten angenehme, starke Menschen. Und mit diesen geht es in das Innere des Landes. Am Anfang bestaunt Karl die Größe der Freiheitsstatue, am Ende die Größe des Landes. Es ist zwar nicht der eigentliche Schluss, es kann aber gut als hoffnungsfrohes Ende einer ansonsten hoffnungsarmen Geschichte gewertet werden. Insoweit enthält der Roman weitaus mehr Sonnenschein als die beiden übrigen Romane.
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am 19. September 2006
Dieses Buch is wohl sehr umstritten, sowohl bei Kafka-Fans als auch bei den armen Schülern die z.T. gezwungen sind dieses Buch zu lesen. Wer liest schon gern halbfertige (oder eher viertelfertige) Bücher. Womit wir auch schon bei jener Gruppe von Lesern angelang sind, die die Finger von diesem Buch lassen sollten.

Meine Herangehensweise an das Buch ist eine sehr eigenwillige und ich habe keinen Schimmer wie nah oder fern ich damit der Wahrheit bin. Darüber, was Kafka- oder Literaturexperten über das Buch zu sagen haben, hab ich mir nie einen Kopf gemacht. Aber, dass mir das Buch doch ganz gut gefällt liegt eben auch stark an meiner Interpretation der Motivation Kafkas dieses Buch zu schreiben und warum er daran scheiterte. Und eben dies versuche ich nun hier, egal wie falsch ich damit liege, mit anderen zu Teilen.

Kafka war sich natürlich bewusst, dass seine Geschichten immer sehr düster waren und beim Leser wenig positive Gefühle erzeugten. Um zu beweisen, dass er es auch anders kann wollte er versuchen einen Roman zu schreiben, der einen positiv stimmt und 'glücklich' endet. Eben dieser Roman sollte Amerika werden.

Er beginnt deshalb auch nur halb so bedrückend wie seine restlichen Geschichten, aber es ist unverkennbar Kafka. Mit der Zeit gerät die Hauptperson aber doch immer wieder in Kafka typische Handlungen, ohne selbst viel dazu beizutragen. Wie man es aus unruhigen Träumen kennt, wird sie immer wieder, für den Leser/Träumenden vorhersehbarer, in den Strudel unsäglicher Ereignisse hineingezogen um dann am Ende doch noch von einem guten Menschen in letzter Sekunde gerettet zu werden. Darauf scheint die Hauptperson wieder erneut wo Fuß zu fassen, aber kurz darauf nehmen die Ereignisse wieder eine düstere Wendung ...

Ich weiss jetzt nicht wann Kafka dann beschloss das Ende des Romans zu schreiben. Das Ende ist schön, glücklich, vergleichbar mit Pinocchios Ankunft im Land der Spielereien. Man stelle sich vor die Geschichte endet dort und der kleine Holzjunge spielt glücklich bis an sein Lebensende. Ob Kafka nun Das Ende zuerst schreib oder erst als er merkte, dass er es einnfach nicht schafft auf ein positives Ende hinzuarbeiten weiss ich nicht. Der Zweck wär in beiden Fällen der selbe, ein Ziel vor Augen zu haben, auf das er beim schreiben zusteuern kann. Aber er ist letztendlich daran gescheitert. Er war nicht in der Lage einen so positiven Roman zu schreiben und hat wohl irgendwann, wie so oft, aufgegeben ihn zu beenden.
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am 25. November 2004
Anders als der Bonner Politikwissenschaftler Chr. Hacke, der in seinem Buch über amerikanische Außenpolitik den Lebenslauf Bill Clintons als typisch amerikanisch bezeichnet, vermittelt Franz Kafka in seinem starken Roman "Amerika" nicht den Eindruck, die typisch amerikanische Karriere würde im Weißen Haus enden. Vielmehr beschreibt der Lebensweg Karl Roßmanns den mißglückten Versuch den amerikanischen Traum zu leben. Von seinen Eltern aus Europa und kurz darauf auch von seinem Onkel in Amerika unschuldig verstoßen glaubt Karl durch Fleiß und Arbeitstüchtigkeit schnell nach oben zu gelangen. Doch eine Reihe von Ereignissen, die er nicht selbst verursacht, die ihm aber, da seine Glaubwürdigkeit unter seiner geringen sozialen Stellung leidet, zur Last gelegt werden, so daß ein sozialer Aufstieg nicht gelingt und er letztlich als Handlanger im Wanderzirkus arbeitet.
Leider ist der Roman nicht vollendet worden, zwischen den beiden letzten Kapiteln fehlen wichtige Ereignisse, die der Herausgeber durch den Abdruck einiger Fragmente aufzufüllen sucht, was nur teilweise gelingt und zudem weitere Fragen aufwirft. Ein Kommentar über die Entstehungsgeschichte wäre grade da der Roman nicht fertig gestellt wurde sehr hilfreich, fehlt aber leider.
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am 27. April 2016
Ich mag dieses Buch nicht. Es ist hauptsächlich peinlich & skurril. Das einzige was mich interessiert daran ist das letzte Kapitel: "Das Naturtheater von Oklahoma". Das hat was.
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am 9. Oktober 2015
Der 16-jährige Karl Roßmann wird nach Amerika geschickt, weil er sich von einem Dienstmädchen verführen ließ, dass ein Kind von ihm erwartet.
Seinem Werdegang in Amerika stellen sich ständig neue Hindernisse in den Weg. Immer verzögert irgendetwas das, was er gerade verwirklichen will. Obwohl er seine Situation eigentlich immer genau versteht, vermag er die Realität nicht zu meistern.
So wird er vom sogenannten Schicksal ständig durchs Leben geschüttelt. Dem Leser tut es weh, zu beobachten, wie Karl Roßmann seine Situation zwar durchaus erkennt, aber trotzdem keinem seiner Ziele auch nur 1 Zentimeter näher kommt.
Wie auch im 'Prozess' oder dem 'Schloss' erweckt Kafka in uns das Gefühl, dass leben nichts als scheitern heißt. Aber im Gegensatz zu anderen Autoren hat dieses Scheitern nichts heroisches.
Ich glaube, dass das unheroische Scheitern uns an Kafka so fasziniert.' Der Verschollene' ist nur der Anfang. Der 'Prozess' und das' Schloss' führen das in niederschmetternder Weise fort.
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am 18. Juli 2013
Manchmal erweist es sich als äußerst segensreich, wenn Nachlaßverwalter einen Wunsch des Verstorbenen ignorieren. Im vorliegenden Fall war es Max Brod, der mit einer posthumen Veröffentlichung vieler Werke seines Freundes Franz Kafka gegen dessen erklärten Willen gehandelt hat. Neben vielem Anderen wurden so auch die in der Reihenfolge ihres Entstehens aufgezählten drei Romane «Amerika», «Der Prozeß» und «Das Schloß» veröffentlicht. Ein Jammer, wenn dies nicht geschehen wäre! Ersterer wird heute auch unter dem Titel «Der Verschollene» verlegt, was zu dem Erzählten, wie ich es interpretiere, in der tatsächlich vorliegenden fragmentarischen Form keinesfalls besser passt als der von Brod gewählte Titel «Amerika».

Verschollen nämlich ist hier niemand, der tragische 17-jährige Held des Romans, Karl Roßmann, wird von seinen Eltern in die USA geschickt, weil er sich von einem doppelt so alten Dienstmädchen hat verführen lassen, die dann prompt auch schwanger wurde. Er wird also regelrecht abgeschoben von seinen Eltern, um als Auswanderer, wie schon so viele andere vor ihm, in der Neuen Welt sein Glück zu machen. Aber was er dann erlebt im «Land der unbegrenzten Möglichkeiten», das ist alles andere als Glück, er findet sich auf einer permanenten Abwärtsspirale wieder, seine Situation wird immer unerfreulicher und beklemmender, obwohl er sich als bescheidener, fleißiger und aufgeweckter junger Mann alle Mühe gibt, obwohl er sich für keinen Job zu schade ist.

Kafkas literarische Ausdrucksform, dieser typisch lakonische, rätselhafte und bedrohlich wirkende, aber glasklare Schreibstil erzeugt eine albtraumartige Stimmung beim Leser, der unwillkürlich mit dem Protagonisten mitfühlt, ungewollt tief hineingezogen wird in die Verstrickungen der Geschichte und ihrer traumatischen Wendungen. Der Held erscheint uns wie jemand, der ins Moor gefallen ist und nun durch jede seiner Bewegungen, mit denen er sich retten will, immer tiefer hinein sinkt. Dieses typische dem Unrecht und der Schikane ausgeliefert sein des gutwilligen Individuums, das sich ähnlich auch in den beiden anderen Romanen der Trilogie findet und hier wie dort zu gleichermaßen bedrohlichen wie grotesken Situationen führt, hat das sogar dudenwürdige Adjektiv kafkaesk entstehen lassen, dem Autor somit ein weiteres Denkmal setzend über sein Werk hinaus.

«Homo homini lupus», so hat der englische Philosoph Thomas Hobbes kurz und knapp in seiner berühmten Staatstheorie mit dem Titel «Leviathan» seine Prämisse formuliert, der Mensch ist dem Menschen ein Wolf. «Amerika» nun, - ich bleibe bewusst bei diesem Romantitel, weil er perfekt passt zu dieser Geschichte -, ist der schlagende Beweis für die Richtigkeit der These, sei es in der Fiktion dieses Romans oder in der heutigen Wirklichkeit eines Staates, dessen Rüpelhaftigkeit nicht nur durch den aktuellen Skandal um den US-Geheimdienst NSA demonstriert wird. Eine Nation, in der es mehr Schusswaffen gibt als Einwohner, genau deren raue Mentalität hat Kafka in seinem Roman gekonnt benutzt, um sein Thema zu verdeutlichen, er hätte sich keinen besseren Handlungsort aussuchen können. Bestens passend dazu ist die Schilderung der gigantischen Handelsfirma des reichen Onkels wie auch das nicht minder riesenhafte Hotel «Occidental», und die Krone dieser Monstrositäten ist im letzten Kapitel das «Naturtheater von Oklahoma», für das in einer ebenso kitschigen wie absurden Anwerbeveranstaltung massenhaft Leute gesucht werden. Mit hunderten Posaune blasenden Engeln und Teufeln am Eingang eine deutliche Metapher für das Jenseits, denn trotz aller Fragen und Prüfungen steht eines vorab schon fest: Genommen wird jeder! Ein toller Roman für Leser, die Absurdes nicht irritiert, die den Faden der Handlung gerne selbst weiterspinnen und sich durch das Fragmentarische mit Wonne zu eigenen Gedankengängen inspirieren lassen möchten.
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am 18. Juli 2011
Die Geschichte von Karl Rassmann ist gepraegt von einer Aufeinanderreihung von Zufaellen und das er nirgendwo lange bleibt.Er trifft zufaellig einen Verwandten,der ihn fuer kurze Zeit aufnimmt und Englischunterricht bezahlt,doch wieder auf die Strasse setzt nachdem er sich einmal wiedersetzt hat,das zu tun was er fuer richtig haelt.
Kurz danach trifft er in einem Hotel indem er sich niedergelassen hat,zwei Maenner,die auf dem Weg zu einer Arbeitsstaette sind und ihn dahin mitnehmen,denn Karl reist nur mit einem Koffer ohne Ziel umher.Auch mit den beiden kommt es zu Streitigkeiten,sodass er bald wieder alleine ist
und so geht es immer weiter ohne das es ein Ende gibt.
Franz Kafka hat das buch vor seinem Tod nicht zu Ende geschrieben,doch das Buch bedarf meiner Meinung nach kein Ende,denn der Titel der Verschollene,setzt schon voraus ,dass dieses karussel von Zufaellen und kurzen Aufenthalten nie aufhoert.Hoehepunkte gibt es deshalb kaum.

Der Autor setzt sich mit der Einwanderung nach Amerika auseinander und deshalb auch mit den verschiedenen Vor und Nachteilen der Kulturenvielfalt.Zum Beispiel wird gleich zu Anfang,als Karl auf sein Schiff steigt,auf einen Heizer aufmerksam,der aufgrund seiner tschecheslowaken Wurzeln diskriminiert und ungerecht behandelt wird.

Ein eindeutiger Fall dagegen ist auch ,dass Karl in einer Gaststaette ,sofort als Liftjunge eingestellt wird,nachdem sich herrausstellt,das Karl genau wie die Eigentuemerin deutscher ist.

Absurde Dialoge,wie eine Unterhaltung mit der Tochter eines bekannten,seines verwandten,die droht Karl zu verpruegeln,obwohl sie ihn nicht kennt,sind fast Regelfall in diesem Buch.

Die Geschichte ist aus Sicht,der Er Erzaehler geschrieben.Es werden kaum Gefuehle,der einzelnen personen beschrieben,sondern nur was sie wie tun und sagen in welchem Tonfall,sodass der Leser selbt dazu aufgefordert wird sich seine eigenen Gedanken zu machen.

Es ist mehr ein Buch zum Nachdenken als zur Unterhaltung. Ein Grund warum man das Buch nicht an einem Stueck durchlesen muss.
Es hinterlaesst einen bleibenden Eindruck,da man den Sinn einiger Szenen immer wieder hinterfragt.

Man muss dieses Buch nicht gelesen haben,aber es ist auf seine Art interessant.
Besonders das Ende,hinterlaesst den Leser im dunklen.
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