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Thomas Morus, der von der kath. Kirche heilig gesprochene Staatsmann aus dem alten England hat hiermit ein Idealbild eines Staates geschaffen, das nicht von Pappe ist.
Wäre das Geld nicht, so meinte er in diesem seinem bekanntesten Werk (und wäre die Hoffart nicht!), so könnten die Menschen glücklich zusammen in einem gesicherten Staatsgebilde leben.
Damit steht er nicht alleine, der ehemalige Lordkanzler Heinrichs des Achten und der Ausdruck "kommunistisch" erscheint denn auch irgendwann einmal.
Interessant ist auch der Hinweis auf die Religion der Utopier, die ihren Gott, bzw. die allmächtige Kraft "Mithras" nennen.
Da gibt es natürlich bei Kennern dieser Materie schon mal ein Aha! und das ist gut so.
Thomas Morus läßt in seinem Buch einen gewissen Hythlodeus, einem Gefolgsmann des Amerigo Vespucci aus seinen Erinnerungen von der Insel Utopia erzählen. Diesen Hythlodeus traf er (so sein Bericht!) rein zufällig bei einem Besuch in Antwerpen, als er in Mission seines Königs in Flandern eine delikate Aufgabe zu erledigen hatte.
Wir sehen also, wie geschickt Morus seinen Bericht bringt und schon allein diese Einleitung zeigt den ungemein geschickten und sehr interessanten Erzähler von literarischer Größe.
Übrigens hat er unter einem anderen Namen auch gegen Luther geschrieben, mit dem er nicht unbedingt immer einer Meinung war.
Dieser Bericht: "Utopia" ist, sagen wir mal, ein durchaus ironischer Versuch eines sehr gebildeten Menschen der Renaissance, sich Gedanken über den idealen Staat zu machen.
Dabei wird rigoros (und mutig-ironisch!) Geld und Stolz, wie schon gesagt, als die Ursache allen Unglücks aufgezeigt.
Allen ist Alles gemeinsam und die Verteidigung des Staates (im Kriegsfall!) wird gerne gemieteten Söldnern aus der Nachbarschaft anvertraut.
Völlig überflüssige Gesetze, unerlaubter Reichtum, weil sowieso irgendwie gestohlen, Adel aus Stolz und vor allem die Freude an dem Leid der Armen (die ja erst die Erhebung über sie ermöglicht!), werden wie gesagt gebrandmarkt. So ist es nur allzu gut zu verstehen, daß sich Philosophen und Leute, die sich aus historischen Gründen mit diesem Autor der Renaissance befassen, oftmals nur schmunzeln und ihn beiseite tun.
Nicht so die kath. Kirche, die ihn heiliggesprochen hat, aber wohl mehr aus religiös-politischen Gründen, weil er nämlich später gegen seinen "siegreichen" König Heinrich VIII. agierte und dessen Ehegewohnheiten mißbilligte. Das hat ihm schlussendlich seinen Kopf gekostet.
Thomas Morus hat hiermit einen anderen Entwurf eines Staates aufgezeigt, etwas weiter entfernt von seinem Zeitgenossen Niccolo Machiavelli und trotzdem irgendwie sehr sympathisch anmutend.
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am 17. September 2002
Wenn man das Buch liest, so fällt es einem immer wieder schwer zu glauben, dass es vor knapp 500 Jahren geschrieben wurde. In einer Zeit, in der es kaum Vordenker, kaum Leute gab, die sich mit Gesellschaftsformen an sich beschäftigt haben, nimmt Thomas Morus auf jeden Fall eine Sonderrolle ein.
Thomas Morus beschreibt eine Insel, weit entfernt von Europa und daher unabhängig enstanden, deren Bewohner einen Gesellschaftsvertrag geschlossen haben, der das Leben der Bewohner regelt. In neun Kapiteln erzählt Morus über das Leben auf dieser Insel.
Das Entscheidende ist nicht, das es sich um eine Staatsform handelt, die je umgesetzt werden wird, sondern dass sich überhaupt jemand Gedanken, um die Regeln eines Staates Gedanken gemacht hat. Morus beschreibt ein frommes Volk, welches komplett auf privates Eigentum verzichtet, deren Menschen es aber an nichts fehlt. Es steht daher im krassen Gegensatz zum Elisabethischen England um die Zeit von 1500, das von Armut der Bauern und kleinen Leute und Reichtum der Adligen geprägt war.
Thomas Morus entwarf einen Staat, der für seine Zeit über bahnbrechende, soagr revolutionäre Elemente verfügte.
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Kann es ein gerechtes Staatswesen geben, das alle Menschen glücklich und wohl versorgt leben lässt? Diese Frage treibt den englischen Jurist Thomas Morus um. Er lebt im England des 16. Jahrhunderts, im Zeitalter der Renaissance, der Reformation und der Glaubenskriege, in der ständig Kunde von neu entdeckten Weltengegenden nach Europa dringt. Vor diesem Hintergrund entsteht "Utopia": der angebliche Reisebericht eines Seefahrers, der ein ideales Staatswesen auf der Insel Utopia irgendwo jenseits des Äquators erlebt haben will. Morus diskutiert mit ihm: Soll es Privateigentum geben? Ist soziale Gleichheit gut? Kann eine Gesellschaft genügend Güter erwirtschaften, wenn niemand nach Gewinn strebt? Gibt es das gute und gerechte Staatsoberhaupt, das nicht aus Eigennutz Kriege anzettelt und seine Untertanen auspresst? Die Fragen zeigen: Morus' "Utopia" ist erstaunlich modern. Tatsächlich sind viele Ideen frühsozialistisch, sogar kommunistisch - 300 Jahre vor Karl Marx. Die Suche nach dem glücklichen Idealzustand treibt Schriftsteller und Philosophen bis heute um. Und ob das Privateigentum ein Glück oder ein Unglück für die Gesellschaft ist, wird immer noch diskutiert. Ein weiteres Verdienst hat dieser Text: "Utopia" hat die Literaturgattung der Utopie geschaffen.
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am 7. Oktober 2005
Der Roman ‚Utopia' des Thomas Morus ist bis in unsere Tage voller Widersprüche geblieben und von den unterschiedlichsten Gruppen für Ihre Interessen ausgelegt worden. Seien es die Humanisten, welche die Lehre von der Toleranz in den Vordergrund stellten, seien es die Kommunisten, welche den Gleichheitsgrundsatz hervorhoben. Keine Deutung befriedigt wirklich; zu viele Zweifel verbleiben. So kommt der Leser bei der Lektüre in den Genuss, sein eigenes Utopia aufzubauen.
Geboren wurde der Sohn des John Morus, Richter am königlichen Gericht, im Jahre 1478 in London. Nach dem Vorbild des Vaters war ihm die Advokatenlaufbahn vorgezeichnet. Seine Karriere führte ihn bis zum Amt des Staatskanzlers. Zum Verhängnis wurde ihm seine Treue zur katholischen Religion. Er verweigerte Heinrich VIII die Gefolgschaft, als dieser sich von seiner ersten Frau trennte und Anna Boleyns ehelichte. Das Schwert des Henkers beendete 1535 sein Leben. Die katholische Kirche sprach ihn wegen seiner Treue heilig.
Die Utopia besteht aus zwei ungleichen Teilen. Der erste Teil erzählt vom Zusammentreffen des Morus mit einem portugiesischen Seemann namens Raphael Hythlodeus. Dieser stand zunächst in den Diensten Amerigo Vespuccis und entdeckte dann jene Insel Utopia, von der zu berichten sei. Namen und Orte sind von Morus nicht leichtfertig gewählt sondern aus griechischen Wortstämmen abgeleitet (ou = nicht, topos = Ort, Utopia = Nirgendsland). Im zweiten Teil des Romans schildert Raphael Hythlodeus die Eindrücke und Erlebnisse, die er auf der Insel Utopia sammelte.
Utopia ist zwar genau wie England eine Insel, doch hier hören für Morus bereits die Gemeinsamkeiten auf. Denn all die Laster und Ungerechtigkeiten, welche seine Heimat - und nicht nur die - auszeichnen, sind den Utopiern fremd: „Das aber gestehe ich ohne weiteres, dass es im Staatswesen Utopias vieles gibt, was ich in unseren Staaten mehr zu wünschen, als zu hoffen wage". Morus hält seinen Zeitgenossen: den Adligen, der Geistlichkeit, der Regierung aber auch dem einfachen Mann auf der Strasse den Spiegel vor die Augen.
Wo liegt die Ursache für die Ungleichverteilung der Güter und Lasten und die zunehmende Kriminalität? Als Quelle allen Übels identifiziert Morus die Gier der Menschen: ...so scheint mir, wo es noch Privatbesitz gibt, wo alles nach dem Geldwert bemessen wird, da wird es kaum jemals möglich sein, gerecht und erfolgreich Staatskunst zu treiben. Du müsstest denn denken, es gehe dort gerecht zu, wo das Beste jeweils immer den Schlechtesten zufällt, oder man sei dort glücklich, wo alles unter ganz wenige aufgeteilt ist ... die übrigen aber vollends im Elend sitzen". Morus bezieht eine urchristliche, eine sozialistische Position. Das Gewinnstreben der Menschen wird angeprangert und mit einem Seitenhieb stellt er fest, dass : "sogar manche Äbte - heilige Männer -, nicht mehr zufrieden mit den Einkünften und Jahreserträgnissen" sind. Als Beispiel führt er die stetig wachsende Schafzucht an, deren Wolle höheren Gewinn abwerfe als der Ackerbau und deshalb fruchtbare Ackerböden zerstört und Häuser eingerissen würden: „... und lassen eben noch die Kirche als Schafstall stehen".
Ein weiterer Missstand, den Morus brandmarkt, sind die Müßiggänger „die wie Drohnen, von anderer Leute Arbeit leben". Hierzu zählt neben dem Adel auch der „Schwanz von nichttuenden Trabenten", die in ihrem Gefolge leben. Morus rechnet vor, dass die Arbeitszeit auf sechs Stunden am Tage verkürzt werden könnte, wenn sich alle an der Produktion beteiligen würden.
Dem Staat weist er die Aufgabe zu, Kriege zu vermeiden und das Übel zu verringern: "Daher sei des Fürsten vornehmste Sorge das Wohlergehen seines Volkes, nicht sein eigenes". Die Aussetzung eines Kopfgeldes auf den Gegner zwecks Vermeidung eines Krieges, hält er für gerechtfertigt, um „mit dem Tod weniger Schuldiger das Leben zahlreicher Unschuldiger" zu erkaufen.
Ähnlich den Politikern unserer Tage spricht sich Morus für eine drastische Vereinfachung der Gesetze aus. Gesetze, die niemand kenne und verstehen könne, würden auch nicht befolgt werden, ist sein Standpunkt. Ganz im Sinne des Humanismus tritt Morus für den Freitod und die Religionsfreiheit ein. Gleichwohl lehnt er dennoch den Atheismus als Entartung der menschlichen Natur ab.
Auch 500 Jahre nach der Veröffentlichung des Büchleins sind die Wünsche des Thomas Morus Utopie geblieben. Doch die humanistischen Gedanken sind in den Herzen der Menschen verwurzelt.
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TOP 1000 REZENSENTam 19. Februar 2013
Die gesellschaftliche Ordnung des Mittelalters wurde von Renaissance und Humanismus kaum hinterfragt; wo doch, v. a. in Bezug auf eine politische Abgrenzung von lokalen Herrschern (Fürsten, Patrizier) von den Zentralgewalten, die Papst und Kaiser verkörperten. Charakteristisch für die Zeit war der Konkurrenzkampf der Stände - Adel, aufstrebendes Bürgertum, verarmte Bauernschaft - untereinander, auch innerhalb einer Schicht. Der Humanismus indes war bei allen hehren Idealen edlen Menschentums eine weitestgehend elitäre Veranstaltung, die sich für Eleganz, Ars Vivendi, Kunst und Kultur sowie klassisch-antike Bildung begeisterte, für mehr soziale Gerechtigkeit dagegen - wenn überhaupt - nur sehr verhalten einsetzte.
Bei aller Bescheidenheit des Engagements (im Vergleich etwa zu den Reformatoren) ist Thomas More diesbezüglich fast als Ausnahmeerscheinung zu werten. Sein Buch über den Staat Utopia" wurde im Jahr 1516 veröffentlicht. Im ersten Teil lässt er den weltgewandten, politisch hoch gebildeten Raphael sich in vielfältiger Weise gesellschaftskritisch äußern.

Diskussionsgegenstand sind einige soziale Missstände im englischen Staat. So wird etwa die Ursache der hohen Kriminalitätsrate in England in den gesellschaftlichen Verhältnissen und der nicht vorhandenen Abstufungen im Strafvollzug verortet. Auch sei es widersinnig, dass sich Herrscherhäuser ein großes Heer von Bediensteten inklusive Sicherheitspersonal und Berufssoldaten halten, welche den Staat viel kosten, während sie in keiner Weise produktiv sind. Werden sie dann alt oder krank oder aus anderen Gründen nicht mehr gebraucht, entlässt man sie. Verweichlicht und unfähig, sich mit harter, ehrlicher Arbeit zu ernähren, werden sie nun zu Räubern und Dieben.

Eine ähnliche Gefahr für die soziale Ordnung stellt die von Grund und Boden vertriebene Landbevölkerung dar. Die Schafzucht war im England des 16. Jahrhunderts zum herausragenden ökonomischen Faktor geworden. Mit Wolle und Wollprodukten ließen sich riesige Gewinne machen. Da die Großgrundbesitzer zur Schafzucht Weideland benötigten, wurden die inzwischen nicht mehr leibeigenen und somit nicht mehr durch Lehnsverpflichtungen geschützten Bauern kurzerhand von ihrem Land vertrieben (Einhegungen). So nimmt einerseits die Stadtbevölkerung zu, und andererseits die Verbrechen aus wirtschaftlicher Not. Denn auch die Konsumgüterpreise steigen mit dem Reichtum der Schafzüchter, deren relativ wenige sind. Andere landwirtschaftliche Produkte werden teurer, da sie infolge der Fixierung auf die Schafzucht immer weniger auf den Markt kommen. Man exportiert bereits Vieh, um der Nachfrage nach Fleisch entsprechen zu können.

"Diese Pestbeulen entfernt von eurem Leibe; macht ein Gesetz, daß die Dörfer und ackerbautreibenden Städte von Jenen wieder hergestellt werden müssen, die sie zerstört haben, oder daß sie sie Solchen abtreten, die sie wieder herstellen und aufbauen wollen. Dämmt diese Aufkäufe der Reichen ein, die ihnen die Möglichkeit gewähren, ein Monopol auszuüben. Es sollen sich weniger und immer weniger Leute vom Müßiggange ernähren können; der Ackerbau werde wieder eingeführt, die Wollindustrie wieder blühend gemacht, man schaffe ehrlichen Erwerb, der jener arbeitslosen Menge nützliche Beschäftigung bietet, die die Not bisher zu Dieben machte, und jenen umherschweifenden, stellenlosen Dienern, die bald zu Dieben werden müssen.", so Raphaels Rat an einen sich mit ihm über die Missstände beratschlagenden Kardinal.

Im zweiten Teil des Buches entfaltet More dann seine Idee des Idealstaates. Charakteristische Züge sind eine streng durchstrukturierte Ordnung, die jeden sinnvoll sozial einbindet und ihm Aufgaben überträgt, ihn aber auch so gut wie nie unbeobachtet lässt; ein politisches System mit einem gewissen Grad an mittelbarer Demokratie (vergleichbar vielleicht der der germanischen bzw. keltischen Vorfahren) und partnerschaftliche Außenpolitik, die allerdings eine Expansionspolitik bei zusätzlichem Landbedarf nicht ausschließt.

Als Vertreter des Humanismus lieferte More in Utopia" nicht sehr viele Gedanken und Vorstellungen, die nicht ähnlich schon bei seinem berühmten Freund Erasmus zu finden waren. Doch v. a. die originelle Form, in der er dies tat, verschaffte seinen Ausführungen weit größere Popularität.

Interessant und historisch sehr bedeutsam ist der veränderte Tenor in Mores Sozialkritik. So wird in Utopia" in dieser Form wohl erstmalig ein Zusammenhang zwischen dem Gesellschafts- und Wirtschaftssystem und der Moral der Individuen in der Weise hergestellt, das letzteres als fast gesetzmäßig von ersterem bestimmt erscheint. Heute scheinen uns derartige Denkmuster geläufig. Dem abendländischen Denken vor More dürften sie jedoch eher fremd bzw. inakzeptabel gewesen sein. Ein hoch geachteter Rechtsgelehrter konnte dergleichen jedoch - im Unterschied zu den schwärmerisch- chiliastischen Bauernkriegsführern - gesellschaftsfähig machen. More bildet damit gewissermaßen den frühsozialistischen" Gegenpol zu Machiavelli. Dazu passt dann dann auch der antiliberale Zug in seinem Denken. Er traut dem Einzelnen nicht viel zu, solange er nicht in ein allzu enges gemeinschaftliches Netz eingebunden ist. Somit hinterließ der katholische Heilige ein zwiespältiges Erbe. Mutig und höchst lobenswert seine Gesellschaftskritik und sein Einsatz für die Armen. Kritisch zu betrachten seine Relativierung individueller Verantwortung und Freiheitsrechte.
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am 19. Juni 2010
Geteilt in "zwei Bücher" verfasste Thomas Morus hier ein Gedankenspiel das, vielleicht, in seiner Machart und Glaubwürdigkeit einzigartig sein könnte.

Nach kurzer Vorbemerkung und Vorrede setzt er sich im "ersten Buch" (ca. 40 Seiten) mit den damaligen Ansichten der Gesellschaft in Europa und im speziellem von England auseinander und skizziert Lösungen, wie man beispielsweise mit Straftätern umgehen könnte oder welche Reformationen ein ausgeglichenes Leben für jedermann schaffen könnten.

Im "zweiten Buch" (ca. 90 Seiten) berichtet ein Seefahrer von seinen Erfahrungen auf der Insel Utopia.

Wie es wäre, in einer (Insel-)Welt zu leben, in der es kein Privateigentum gibt, jeder glauben darf was er will, jedes Familienmitglied mit in den Krieg zieht, Sklaverei nur als Bestrafung angewendet wird, es viele Ausgleichsgesetze gibt (Bevölkerungszuwachs, Berufsausübung, Freizeitgestaltung), Rohstoffe im Überfluss und geringerem Wert, Städte gleichen sich sehr stark - all diese Lebensum- und zustände werden dargelegt.

Ich zumindest, war hin und hergerissen von solchen "Ideen" und Gedanken, da sie zum Teil durchführbar scheinen, aber teilweise auch sehr unmenschlich wirken, ob man in der utopischen Welt nun bei einer Überbevölkerung "deportiert" wird oder Familien einfach auseinandergerissen werden, um (bei womöglich durch Kriegseinflüsse minimierte Stämme) Geschlechter, Wissen und Arbeitskräfte auszugleichen versucht.

Der Zeitgeist dieses Werkes ist selbstverständlich nicht von der Hand zu weisen. Wo wir beispielsweise heute kriegerische Auseinandersetzungen als (fast) überflüssig ansehen, beschreibt Morus die Eindrücke seines Seefahrers so, das Krieg zwar stattfindet, jedoch unter "besseren" und humaneren Umständen, als sie in der Mitte des vergangenem Jahrtausend normal waren.
Und trotz des fortgeschrittenen Alters dieser, schon magisch anmutenden Utopie, liest sich selbige nicht so schwer, wie man es bei dieser erstaunlich alten aber aktuell wirkenden Niederschrift womöglich erwarten könnte.

Eines ist aber sicher - über den Inhalt dieses Büchleins lässt sich lange nachdenken und diskutieren.
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am 23. März 2010
Thomas Morus, ein Heiliger der kath. Kirche, war Lordkanzler unter König Heinrich VIII in England. Thomas Morus hat vor ca. 500 Jahren dieses schmale Büchlein verfasst. Er hat sich im Buch "fiktiv" mit einem Autodidakten, einem weitgereisten Philosophen über die realen Zustände der Regierung bzw. des Königshauses in England und eben die UTOPIE einer Gesellschaft unterhalten.

Es ist verblüffend, ja fast schon erschreckend wie aktuell die Gedanken dieses Thomas Morus noch immer sind. Dieses Buch sollte jeder gelesen haben, der sich Gedanken darüber macht, was eine Gesellschaft zusammenhält und wie man das Zusammenleben einer Gesellschaft (auch im modernen Europa) regeln kann und - ja auch - regeln sollte. Philosophie pur, aber leicht zu lesen. Themen wie Grundeinkommen. Beteiligung des einzelnen an der Wertschöpfung, Selbstverwirklichung, lebenslange Bildung kommen alle darin vor. Und sind schon "vorgedacht".
Meine "Lieblingsstelle" ist eigentlich die, an der es darum geht, warum sich denn ein Volk einen König gibt / nimmt. Nicht damit es diesem gut geht. Sondern? Ja das soll hier nun nicht verraten werden. Aber wenn der Leser oder die Leserin an die Stelle des Königs - Regierung setzt? Dann hat er diesen verblüffenden Effekt,wie aktuell das Buch ist.
Die sehr neue Auflage des Anaconda Verlag ist sehr schön gemacht und sollte gesondert erwähnt werden. Sehr angenehmes Format. Ein schöner Einband. Gutes Papier. Gute Typografie. Und ein ausgesprochen günstiger und damit attraktiver Preis. Da lohnt sich ein Download des Buchs nicht.
Was will man mehr?

5 Sterne für das Buch. Aber auch 5 Sterne für diese so sehr gelungene Neuauflage. Bravo.
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Der fränkische Künstler selig Prechtl schmückte für die Büchergilde Gutenberg "Utopia", das ist meine Ausgabe. Beck wird sie ja hoffentlich auch so schön übernommen haben. DIN A 4 sind die witzigen wie technisch brillanten Illustrationen, die von Meerkatzen, zwei besonderen Matrosen und vielem mehr handeln. Wer es wissenschaftlich lesen will, schnappt sich eine original-lateinische Ausgabe, meinetwegen, doch wer noch ein schön gestaltetes Buch möchte, ist hier schon richtig.

Zum Inhalt wurde schon viel geschrieben. In angemessener Kürze also: es wird (häufig übersehener Teil) ums Politiker-Werden gestritten, und ein Reisender kündet von der Insel Utopia. Sie macht vieles anders, entschärft den damals bereits aufschimmernden Kapitalismus mit Erziehungsdruck von oben. Eines der Vorbilder ist Sparta, doch nicht nur es. Offensichtlich macht es Morus intellektuelles Vergnügen, einmal ein Gegenbild zu entwerfen: stabil-befriedet, imperialistisch gegenüber dem Umland und auch eine Parodie seiner Zeit. Wer Morus gelesen hat, wird Anteile seines Denkens noch in unserer Zeit finden (USA-Außenpolitik, Herzls Kibbuzzim-Israel, ...). Thomas Morus ist auch fünfhundert Jahre später einflussreich - und, wie gesagt, die Prechtl-Illustrationen sind einfach schön. Fünf Sterne.
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am 5. Januar 2007
Was wäre die Welt, wenn sich die Gedanken von Thomas Morus verwirklicht hätten. Ein Paradies. Geschrieben lange vor der französischen Revolution. Die Vertreter der Kirche als Tagediebe bezeichnet, die sich eine schöne Zeit auf Kosten des Volkes machen. Der Mensch und seine angeborenes Gefühl für das Gute als Basis für ein neues Gesellschaftssystem? Salman Rushdie greift dieses Thema nochmals in seinem Roman Grimus auf. Was hat einen Wert? Wer definiert Werte? Unabhängig von Spiritualität, der Ansatz für eine gemeinsame Menschengemeinschaft auf dieser Erde. Es wäre an der Zeit!!!
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am 17. Mai 2003
Ein Karl Marx ist sicher nicht an einem Morgen aufgewacht mit der Erleuchtung: „Der Kommunismus, der ist es!". Nein, auch er hat in seiner Jugend viele Werke gelesen, die ihn prägten, so auch einen Thomas Morus, der in seiner „Utopia" eine Welt ohne Privatbesitz und ohne die daraus folgende Gier und Geizheit des Menschen beschreibt. Man mag sich aus heutiger Sicht streiten, in wie fern die Insel Utopia kommunistisch ist, also human - doch man möge die Zeit im Auge behalten, wann dieses Werk geschrieben wurde, um zu erkennen wie revolutioniert Morus eine Gesellschaft darstellt, die allerdings mit ihrem Sklaventum und durchaus kriegsbereiten Volk Schwächen zeigt. Jedoch gehört Morus mit diesem Werk zu einer der ersten, der ganz nach seinem idealistischen Weltbild eine Gesellschaftsform beschreibt, die erst Hunderte Jahre später begründet wurde.
Indessen empfehle ich neben Morus auch Machiavelli zu lesen, da diese beiden Personen mit ihren beiden Hauptwerken, die Spaltung der Philosophie zu Zeiten der Renaissance symbolisieren. Der eine, Materialist, der vom Schlechten im Menschen ausgeht und im „Der Fürst" beschreibt, wie dieser beherrscht und unterdrückt werden soll und ihm gegenüber der Idealist, der zwar auch den Menschen stehlen und morden sieht, jedoch das Übel in seiner gesellschaftlichen Umwelt findet. Machiavelli und Morus symbolisieren nicht nur die philosophische Spaltung, sonder auch die der späteren Systemvorstellungen, nämlich die des Führerprinzips und die des gemeinschaftlichen Zusammenlebens ohne Herrschaft.
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