Amazon.de: Kundenrezensionen: "Ich". SZ-Bibliothek Band 94

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7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Blicke in die Unterwelt
M.W.,der Held dieses Buches ist - wie immer bei Hilbig - ein schriftstellernder Arbeiter aus der sächsischen Provinz. Als eine alleinstehende Frau aus seinem Bekanntenkreis schwanger wird, stehen plötzlich geheimnisvolle Männer vor seiner Tür und machen ihm klar, daß sie seine Vaterschaft "beweisen" können. Wäre er allerdings bereit, Berichte zu schreiben, dann...
Veröffentlicht am 23. August 2002 von Don Rumata von Estor

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versus
11 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
2.0 von 5 Sternen Das Ende steht fest - der Weg ist unwichtig
Holzschnittartig sind eine Reihe von Erzählebenen miteinander verbunden. Zum einen geht es um die Analyse des Seelenzustandes des Spitzelstaates DDR. Weiterhin läuft im Hintergrund eine (eher weniger) spannende Verfolgungs- bzw. Fluchtgeschichte. Über eine von der Stasi fingierte Vaterschaftsgeschichte sind beide Ebenen verknüpft. Zuletzt muß natürlich auch etwas Sex...
Am 22. September 1999 veröffentlicht

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7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Blicke in die Unterwelt, 23. August 2002
Diese Rezension stammt von: Ich (Fiction, Poetry & Drama) (Taschenbuch)
M.W.,der Held dieses Buches ist - wie immer bei Hilbig - ein schriftstellernder Arbeiter aus der sächsischen Provinz. Als eine alleinstehende Frau aus seinem Bekanntenkreis schwanger wird, stehen plötzlich geheimnisvolle Männer vor seiner Tür und machen ihm klar, daß sie seine Vaterschaft "beweisen" können. Wäre er allerdings bereit, Berichte zu schreiben, dann würden sie sich diskret um die Zahlung der Alimente kümmern.

So wird M.W. in die aufmüpfige, junge Literatenszene in Berlin eingeschleust. Er schreibt Berichte - und muß bald feststellen, daß manche seiner Opfer ebenfalls Berichte schreiben. Und daß manche "feindlich-negative Provokation" von den geheimnisvollen Männern selbst inszeniert wird. Er selbst kann immer weniger zwischen der Wahrheit und ihrer Inszenierung unterscheiden und fragt sich, ob die Staatsmacht die Wahrheit tatsächlich wissen und tatsächllich wahrhaben will...

Wolfgang Hilbig ist eine überzeugende Beschreibung dieser "Halbwelt" in den letzten DDR-Jahren gelungen.
Dieses Buch ist zweifellos sein bestes.

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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Schlußpunkt literarischer Entwicklungen, 11. Februar 2009
Zweifellos stellt Hilbigs Epos "Ich" einen Meilenstein der literarischen Auseinandersetzung mit dem ehemaligen System der DDR, seinen politischen Machenschaften und menschlichen Defiziten dar. Allein für diese Einzelleistung gebührt dem Autor viel Lob. Gleichzeitig sollte aber darauf hingewiesen werden, dass nicht alle Ideen, die hier zusammengetragen werden, einzigartig oder neu sind. So lassen sich in Hilbigs Wahl einzelner Stasi-Decknamen wie auch generell in seiner Darstellung einer ungreifbaren und anstößigen, körperlich nicht greifbaren Staatsmacht deutlich Anklänge an eine bereits 1993 in der Zeitschrift "Sinn und Form" erschienene Erzählung von Ralph Pordzik finden. Auch in dieser kurzen Novelle namens "Das Aktenzeichen" treten finstere Gestalten namens "Feuerbach" auf, und der Tenor eignet gleichermaßen einer Sicht des Spitzelsystems, die nur auf Sprache, Fiktion und leeren Zeichen errichtet worden ist. Ich kann allen Interessierten diese Erzählung nur empfehlen, die Parallelen sind nicht zu übersehen!
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Jahrhundertroman?, 18. April 2007
Diese Rezension stammt von: Ich (Fiction, Poetry & Drama) (Taschenbuch)
Vom Feuilletonchef der FAZ bei seinem Erscheinen "fast" als "Jahrhundertroman" bezeichnet, ist das sicher eines der großen Bücher der deutschen Literatur, von seiner Sprachmächtigkeit, Drastik und Ironie her nur mit Celine zu vergleichen.
Die Handlung ist nicht etwa wirr oder unzusammenhängend, sondern dem Thema entsprechend, der Auflösung des "Ich" unter dem Druck von Staatsapparat und Spitzelwesen im letzten Jahrzehnt der DDR.
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Der Prolet aus der Provinz, 11. November 2003
Diese Rezension stammt von: Ich (Fiction, Poetry & Drama) (Taschenbuch)
Wolfgang Hilbig war ein Arbeiterschriftsteller, nicht aber im Sinne des Bitterfelder Weges. Um diese staatlich kontrollierte Richtlinie des Literaturbetriebs zu befolgen, war er einerseits zu sehr tatsächlicher Arbeiter, andererseits literarisch zu begabt.
Seitdem er sich losgeworden von der lästigen Doppelexistenz Anfang der 80er Jahre als freischaffender Schriftsteller etablierte, überrascht Hilbig seine Leserschaft allmählich mit längeren Texten, nicht mehr nur Lyrik und Kurzprosa, ab 1989 kann man sich auch über seine Romane freuen.
Nach dem positiv aufgenommenen Erstling "Eine Übertragung", äußert er sich in ""Ich"" auf 378 Seiten zum Thema der Stasi-Debatte um die enttarnten Literaten der Prenzlauer Berger Szene.
„Es gibt keine größere Nähe zu den Ereignissen, keine tiefer eingreifende Beziehung zu ihnen, als sich für sie schuldig zu fühlen", behauptet Hilbig in seinen Frankfurter Poetikvorlesungen (Abriss der Kritik), was unverkennbar die Intentionen des Autors hinsichtlich des ersten Stasiromans der deutschen Literaturgeschichte widerspiegelt.
Hilbigs 'Held' ist sein literarisches Alter ego, verkörpert den Ex-DDR-Schriftsteller mit seinen Bedingungen, seiner Vergangenheit und Persönlichkeit. M.W. leidet unter Kaspar-Hauser-Komplex, seine Entfremdung und Isolierung in der Gesellschaft führt zu seiner Einbeziehung in den Mitarbeiterkreis der Staatssicherheit. Der in Berlin tätige IM irrt sich durch das Labyrinth der Fragen der Literatur, des Zurechtkommens mit der eigenen Identität und der philosophischen Polemisierungen in einem langweiligen Staat, der 'nur als Beweis für eine Theorie existiert'. Inzwischen tauchen Schwierigkeiten mit Geschlechts- und anderen zwischenmenschlichen Beziehungen bzw. unglückliche Familienverhältnisse auf und das Ganze ist in ein Netz von intertextuellen Bezügen verwickelt, dass man am Ende nicht mehr fähig ist, zwischen Realität und Fiktion unterscheiden zu können, wie M.W.(=Cambert=C.) selbst...

Hilbig holte mit seinem 'sprachmächtigen Roman' ernsthafte Anerkennung der Kritiker und mehrere Literaturpreise.

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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen Hass und Selbsthass, 15. Februar 2008
Hilbig, Wolfgang, "Ich", (1993) (SZ-Bibliothek 2008)

Ein quälend fesselnder Roman, der das unmenschliche Leben eines Stasi-Spitzels in einem unmenschlichen Staat (Ex-DDR) zum Gegenstand hat.
M.W., der dann als Spitzel den Decknamen "Cambert" bekommt, lebt zunächst mit seiner Mutter in einer Kleinstadt . Dort verkommt er innerlich und äußerlich, seine Schreibversuche werden als Spitzeltätigkeit gedeutet, er wird von den Arbeitern gemobbt, treibt sich mit anderen fragwürdigen Existenzen herum. Als ihm Cindy das Kind, das sie von Harry bekommt, anzuhängen versucht, benutzt die Stasi diesen Vorfall, um ihn unter Druck zu setzen und M.W. zu ihrem Mitarbeiter zu machen. Er weicht nach Berlin aus, findet aber mehr und mehr in der Stasi Rückhalt und einen Familienersatz, es geht ihm durch den Kopf, "dass er in seiner Kindheit stets auf der Flucht vor seiner Mutter gewesen war... und damit vielleicht unbewusst auf der Suche nach seinem Vater"? (95). Den Vaterersatz findet er dann in seinem "Führungsoffizier" mit dem Namen Feuerbach, einem zynischen Stasimann, mit dem er Gespräche auf gleichem intellektuellem Niveau über die Strategie der Stasi und über Literatur führt. Er fürchtet diesen allgegenwärtigen Mephisto, wie er sich ihm verfallen fühlt, gegen Schluss wird dann noch deutlich, dass Feuerbach ein aggressiv-homosexuelles Interesse an M.W. hat (und offensichtlich an Harry, auf den er M.W. ansetzt). M.W. setzt sein verlottertes Leben in Berlin fort, findet in seiner älteren Zimmerwirtin eine willige Bettgenossin und den Mutterersatz, während er gleichzeitig von der "Firma" eine Dienstwohnung und regelmäßige Zahlungen erhält und während er als Literat lanciert wird, um in der oppositionellen "Szene" Zugang zu bekommen und Berichte über andere Schriftsteller, in erster Linie einen gewissen "Reader", zu verfassen. Die Existenz M.W.s ist eine ausgesprochen gespenstische: Er zieht sich in die Kellergänge unter den Häusern in Berlin zurück, um dem Vibrieren der gewaltigen Stadt zu lauschen. Er schleicht nachts durch die Straßen, starrt fasziniert von seinem Dunkel aus in die Wohnzimmer, in das erleuchtete Leben der anderen, steigt als Stalker der mutmaßlichen Freundin von "Reader" nach. Sein Zeitgefühl löst sich auf, er taumelt gewissermaßen zwischen dem Bett seiner Wirtin, seinen verquälten Schreibanstrengungen, der "Szene" inklusive Saufgelagen und Auseinandersetzungen mit Feuerbach hin und her.

Entsprechend ist der Schreibstil. Die Darstellung rotiert um diese Eckposten seiner Existenz, die Übergänge zwischen den einzelnen Szenen finden übergangslos statt, so wie der Sprecher vollkommen besessen und überlagert ist von von den immer gleichen Gedanken, die seine Existenz ausmachen: "Finsternis war über ihn hergefallen, er hatte begonnen zu leben wie ein Schlafwandler, und in 'Berichtszeiträumen', es war ein Dasein, das darin bestand, fremde Lebenszeit auf dem Papier zu dokumentieren: sein "Ich" war dafür nicht vonnöten." (300). Entsprechend (vgl. Titel) finden sich immer wieder Schilderungen seines existentiellen Schattendaseins. Die Auflösungserscheinungen der DDR in den späten 80er Jahren werden immer deutlicher, M.W. kommt in seinen Grübeleien über diesen Staat schließlich dahinter: "Das Rätselhafte dieses Staates ... war der Hass, den er genährt hatte."(327) Und die Stasi-Informanten waren "die Nahrung für diesen Hass" , "wir waren der Schatten des Lebens, wir waren der Tod... wir waren die fleischgewordene Dunkelseite des Menschen, wir waren der abgespaltene Hass, 'Ich' war der Hass..." (328). Hilbig war 1985 aus der DDR in die Bundesrepublik übersiedelt, in seinem kurzen Nachwort erklärt er, er habe sich auf Informationen einiger Informeller Mitarbeiter gestützt, im Übrigen die Handlung des Buches frei erfunden.

Man braucht nicht selbst den Hunger erfahren zu haben, um zu begreifen, was Hunger ist, indem man das Buch mit diesem Titel von Knut Hamsun liest. Man braucht auch nicht selbst den Hass entwickelt zu haben, um zu begreifen, was Hass und Selbsthass ist, indem man dieses Buch von Wolfgang Hilbig liest. Schön ist das nicht, aber authentisch.
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11 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
2.0 von 5 Sternen Das Ende steht fest - der Weg ist unwichtig, 22. September 1999
Von Ein Kunde
Diese Rezension stammt von: 'Ich' (Gebundene Ausgabe)
Holzschnittartig sind eine Reihe von Erzählebenen miteinander verbunden. Zum einen geht es um die Analyse des Seelenzustandes des Spitzelstaates DDR. Weiterhin läuft im Hintergrund eine (eher weniger) spannende Verfolgungs- bzw. Fluchtgeschichte. Über eine von der Stasi fingierte Vaterschaftsgeschichte sind beide Ebenen verknüpft. Zuletzt muß natürlich auch etwas Sex dabei sein. Dies sind besonders unnötige, ja geradezu ärgerliche und wenig handlungsfördernde Szenen.

Die Charakterisierung des Protagonisten M. W., Deckname Cambert und seines Führungsoffiziers Wasserstein, Decknamen Feuerbach und Kesselstein, sind der eigentliche Inhalt des Buches. An ihnen wird die gesamte Starrheit des Stasi-Systems vor Augen geführt.

Das System lebt nur durch Angst und die Verdächtigung von jedermann. Das Schreckgespenst der Anarchie muß immer wieder heraufbeschworen werden, um die Existensberechtiung des Überwachungsstaates zu rechtfertigen. Dieses Spitzeltum führt zu Haß des Volkes auf den Staat.

Die einzige Möglichkeit, sich diesem System zu entziehen, besteht für Cambert darin, Stunden im Kellersystem der Berliner Altbauten zu verbringen. Hilbig erklärt das Wegsehen und Sich-Entziehen. Cambert bewegt sich wie eine Marionette im Staat. Schon seine Dienstverpflichtung hat er in einem traumartigen Zustand über sich ergehen lassen. Unabhängig von der Beurteilung dieses Verhaltens durch den Leser ist Hilbig diese Beschreibung überzeugend gelungen.

Allein die Aussagen über Angst, Haß, Spießertum, ungerechtfertigte Machtausübung usw. sind verstreut und kaum miteinander zu einem Ganzen verknüpft. Außer Feuerstein bleiben alle wichtigen Personen im Leben von Cambert dem Leser schemenhaft.

Der Lesefluß wird durch seitenlange Einschübe in Klammern nicht gefördert. Besonders ärgerlich sind Formulierungen, die eher einem Groschenroman entstammen als ernsthafter Literatur (so auf S. 297). Die Wiederholung einer abgeschmackten Verhörmethode ist plump.

Insgesamt hat der Roman bei nachvollziehbarer Darstellung der Charaktere Cambert und Feuerstein Schwächen in der Handlung. Charakterisitka des Staatssystems "DDR" werden nur vereinzelt dargestellt. Das Gesamtbild ist unvollständig. Hilbig erlaubt sich kaum entschuldbare stilistische Schnitzer. Die unnötigen Sexszenen geben ein weiteres Minus.

Zusammenfassend ist der Roman nicht zu empfehlen.

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1 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen Besoffen durch Kellergewölbe, 24. Januar 2004
Diese Rezension stammt von: 'Ich' (Gebundene Ausgabe)
Hilbig, Jahrgang 41, in Meuselwitz gebürtig, emigriert 85 in die Bundesrepublik, lebt heute in Berlin (Ost). Mehrfach literarisch vorbestrafter Autor, zuletzt Büchner-Preis 2002.

Das Erzähler-"Ich" ist ein von der Stasi in den 70er und 80er Jahren "geförderter" Schriftsteller, der Ostberliner Szeneautoren nachstellen soll. Er zieht es jedoch vor, durch unendliche Kellergewölbe, die die halbe Stadt durchziehen, zu tapern und sich über das Verhältnis von Literatur und Staat, Staat und Gesellschaft, Literatur und Ich zu brüten (- worüber er nach und nach sein "Ich" verliert und zu einem Erzähler-Er mutiert - ), seine alternde Landlady zu pimpern und mit seinem Führungsoffizier zu saufen. Wenig wirklich gelungene Gedankensplitter und groteske Szenen, die sich zum 89er DDR-Chaos hinschleppen in einem sich auch ansonsten meist besoffen dahinschleppenden Roman, dem nicht geschadet hätte, wenn LektorIn hier oder da genauer hingesehen hätte.

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1 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
2.0 von 5 Sternen Das Ende steht fest - der Weg ist unwichtig, 22. September 1999
Von Ein Kunde
Diese Rezension stammt von: 'Ich' (Gebundene Ausgabe)
Holzschnittartig sind eine Reihe von Erzählebenen miteinander verbunden. Zum einen geht es um die Analyse des Seelenzustandes des Spitzelstaates DDR. Weiterhin läuft im Hintergrund eine (eher weniger) spannende Verfolgungs- bzw. Fluchtgeschichte. Über eine von der Stasi fingierte Vaterschaftsgeschichte sind beide Ebenen verknüpft. Zuletzt muß natürlich auch etwas Sex dabei sein. Dies sind besonders unnötige, ja geradezu ärgerliche und wenig handlungsfördernde Szenen.

Die Charakterisierung des Protagonisten M. W., Deckname Cambert und seines Führungsoffiziers Wasserstein, Decknamen Feuerbach und Kesselstein, sind der eigentliche Inhalt des Buches. An ihnen wird die gesamte Starrheit des Stasi-Systems vor Augen geführt.

Das System lebt nur durch Angst und die Verdächtigung von jedermann. Das Schreckgespenst der Anarchie muß immer wieder heraufbeschworen werden, um die Existensberechtiung des Überwachungsstaates zu rechtfertigen. Dieses Spitzeltum führt zu Haß des Volkes auf den Staat.

Die einzige Möglichkeit, sich diesem System zu entziehen, besteht für Cambert darin, Stunden im Kellersystem der Berliner Altbauten zu verbringen. Hilbig erklärt das Wegsehen und Sich-Entziehen. Cambert bewegt sich wie eine Marionette im Staat. Schon seine Dienstverpflichtung hat er in einem traumartigen Zustand über sich ergehen lassen. Unabhängig von der Beurteilung dieses Verhaltens durch den Leser ist Hilbig diese Beschreibung überzeugend gelungen.

Allein die Aussagen über Angst, Haß, Spießertum, ungerechtfertigte Machtausübung usw. sind verstreut und kaum miteinander zu einem Ganzen verknüpft. Außer Feuerstein bleiben alle wichtigen Personen im Leben von Cambert dem Leser schemenhaft.

Der Lesefluß wird durch seitenlange Einschübe in Klammern nicht gefördert. Besonders ärgerlich sind Formulierungen, die eher einem Groschenroman entstammen als ernsthafter Literatur (so auf S. 297). Die Wiederholung einer abgeschmackten Verhörmethode ist plump.

Insgesamt hat der Roman bei nachvollziehbarer Darstellung der Charaktere Cambert und Feuerstein Schwächen in der Handlung. Charakterisitka des Staatssystems "DDR" werden nur vereinzelt dargestellt. Das Gesamtbild ist unvollständig. Hilbig erlaubt sich kaum entschuldbare stilistische Schnitzer. Die unnötigen Sexszenen geben ein weiteres Minus.

Zusammenfassend ist der Roman nicht zu empfehlen.

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