Fashion Sale Öle & Betriebsstoffe für Ihr Auto Sport & Outdoor calendarGirl Cloud Drive Photos Learn More madamet Erste Wahl saison Hier klicken Fire Shop Kindle PrimeMusic Lego Summer Sale 16

Kundenrezensionen

2,0 von 5 Sternen2
2,0 von 5 Sternen
5 Sterne
0
4 Sterne
0
3 Sterne
1
2 Sterne
0
1 Stern
1

Ihre Bewertung(Löschen)Ihre Bewertung
Sagen Sie Ihre Meinung zu diesem Artikel

Derzeit tritt ein Problem beim Filtern der Rezensionen auf. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.

VINE-PRODUKTTESTERam 6. Dezember 2007
Goytisolo, Juan, Landschaften nach der Schlacht, 1982 (SZ-Bibliothek 2007)

Dem Normalleser wird der Zugang zu diesem Buch, in dem das Sentier-Viertel in Paris als Modell für die Gegenwart und das menschliche Universum dargestellt ist, ziemlich schwer gemacht, umso mehr, als es geradezu zur Strategie und Philosophie des Sprechers gehört, dies zu tun.
Es handelt sich nicht um ein Geschehen, das sich mit handelnden Personen allmählich entfaltet. Vielmehr wird ein Protagonist erkennbar, der alles Mögliche tut, um den Wirklichkeitsgehalt seiner Aussagen zu verschleiern, dessen Aussagen überwiegend sarkastisch also indirekt sind, der in seiner Person solche Extreme vereinigt, dass es kaum möglich ist, ihn als ein einheitliches Ich zu erkennen und der vor allem seine Eindrücke vom Sentier-Viertel in den Vordergrund stellt (Sentier: gekennzeichnet durch eine chaotische Völkermischung, nur noch wenige Franzosen sind da, stattdessen findet eine für die Franzosen bedrohliche Überlagerung durch fremde ethnische Gruppen, Gebräuche, Zeichen statt).
Der Sprecher, der früher Korrespondent war und für sozialistische Ideale kämpfte, hat nicht mehr das Gefühl, ein gefestigtes Ego zu haben: "Mehr denn seine früheren Besuche als Korrespondent in den vielfältigen Spannungszentren dessen, was man unzutreffend Dritte Welt nennt, hat der lange Aufenthalt im Sentier unseren Helden die heilsamen Tugenden des Relativismus gelehrt. Wie der komplizierte, wundersame Mikrokosmos der Zellen birgt sein Viertel das universale Chaos. Eingetaucht in sein flüssiges Protoplasma hat der Schreiber nach und nach auf seine egozentrischen Anmaßungen verzichtet." (132) Also sind seine Eindrücke vom Viertel, die sich überwiegend in Fantasien, apokalyptischen Visionen oder sarkastischen Überspitzungen äußern, das Wichtigste, eine Ansammlung von Fragmenten, in denen der Protagonist auch gelegentlich vorkommt: als ein verschrobener Einzelgänger, der sich unauffällig kleidet und ein monotones Leben mit immer gleichen Gewohnheiten führt, um sich umso ausschweifender seinen mentalen Exzessen hinzugeben. Dazu gehört nun leider auch, dass er sich allen möglich perversen sexuellen Fantasien hingibt, die dem gutwilligen Leser schon einiges abverlangen. Der Sprecher ist ein böser Onkel, ein "Monster", das gelegentlich alles tut, um sich als Widerling darzustellen.
Seine Frau (existiert sie überhaupt?, einmal behauptet er, sie sei nur fiktiv - 140) lebt auf der anderen Flurseite, er kommuniziert mit ihr gelegentlich mittels Briefchen, die er ihr unter die Tür durchschiebt, sie empfindet ein Zusammenleben mit ihm als Zumutung. Mehr und mehr hat er sich von allen Menschen zurückgezogen, besonders seit dem Tod seines Freundes, eines Künstlers, mit dem er jahrelang zusammen qualitätvoll geschwiegen hatte. Seitdem kompiliert er Zeitungsausschnitte, schreibt auf Sex-Annoncen und flaniert durch sein Viertel, deren Veränderungen seine apokalyptischen Visionen auslösen und zu ständig erneutem Sarkasmus anstacheln. Die gehobene Kunst, die Natur, die gepflegten bürgerlichen Stadtteile von Paris sind ihm unerträglich, ihn zieht es zum Labyrinthischen der Unterwelt der Metro, den Pornokinos, dem chaotischen Treiben auf der Straße. Warum?
Wie die Romantiker, die die Vergänglichkeit, das Rasen der Zeit panikartg erlebten, so auch unser Held: "Der winzige Planet, auf dem er lebt, ist vollgepropft mit Sprengstoffen: während er still seine Bahn zieht, hat er sich heimtückisch zum Pulvermagazin verwandelt. Der unglaubliche Zufall, der auf der nahezu unsichtbaren Warze, die in einer erstickenden Dichte von Milchstraßensystemen treibt, das organische Leben geschaffen hat, steht kurz vor der Auflösung." (64) Da er glaubt, dass die politischen Alternativen fehlgeschlagen sind und sich das jetzige Treiben einer rationalen Kontrolle entzieht, wirft er sich der Auflösung ganz in die Arme und will es auf die Spitze treiben, um eine umso ehrlichere Bestandsaufnahme zu erreichen. Und er tut dies auch, wie er in einem imaginierten Gespräch mit seiner Frau äußert, "damit ihr mich versteht, und, na ja, ein bisschen mögt." (125) Er verzichtet ansonsten auf Anerkennung, weil er glaubt, nur so der Wahrheit dienen zu können. Sein "literarisches Ideal: der wandernde Sufi-Derwisch. Ein Mensch, der die Eitelkeit verabscheut, Regeln und äußerliche Formen der Konvention verachtet, keine Jünger sucht, kein Lob duldet." (143f.).
Also: ein herbes Lese-Abenteuer, das man wegen des Erkenntnisgewinns angehen muss. Man kann natürlich auch, und dies ist der Reiz der Literatur, an seiner virtuosen, grotesken Artistik Spaß haben und ihn vielleicht, na ja, sogar ein bisschen mögen.
0Kommentar|8 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 1. Februar 2015
Wenn Goytisolo den Leser verstören wollte, so ist ihm dies zweifelsohne gelungen. Ob man sich das allerdings antun muss, wird sicher nicht jeder Leser mit einem "Ja" beantworten, auch auf die Gefahr hin als gegenüber vermeintlich moderner Kunst unaufgeschlossen zu gelten. Ganz vereinzelt bietet das Buch zwar immer wieder interessante Passagen und auch die Schilderung des urbanen Milieus des multikulturellen Paris hat seine Reize. Goytisolo schafft es jedoch immer wieder, den Leser anzuekeln, wenn er gerade anfängt Gefallen zu finden. Wie gesagt, manche mögen das als Kunst bezeichnen. Für mich war es allerdings eine große Enttäuschung und ganz bestimmt kein Lesevergnügen.
0Kommentar|War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden