Kundenrezensionen

44
4,5 von 5 Sternen
Die Nacht des Jägers  SZ-Cinemathek Nr. 69
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46 von 50 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 18. Juli 2004
Nur damit hier keine Mißverständnisse aufkommen: Der Film auf der DVD ist völlig ungeschnitten!
Der Film war früher mit "FSK 18" eingestuft, wurde aber wie viele andere Werke der 50er Jahre ("Der Tiger von New York", "Laßt mich leben") neugeprüft und mit "FSK 12" freigegeben.
Der Unterschied zwischen den 93 min des Films und den 88 min auf der DVD hängt einfach mit dem sogenannten "Pal-Speedup" zusammen.
Also keine Bange beim Kauf der DVD - der Film ist völlig komplett.
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42 von 47 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Ein surreales, poetisches Meisterwerk. Ein Ausnahmefilm. Der Widerstreit von Gut und Böse als märchenhaftes Gleichnis. Gesellschaftliche Doppelmoral einer Kleinstadtidylle, die entlarvt wird durch die unschuldige Kraft zweier Kinder, die zunächst so verloren und zerbrechlich scheinen wie Hänsel und Gretel, die ihre ausgestreuten Brotkrumen nicht mehr finden. Kann man "Die Nacht des Jägers" erklären und beschreiben? Auch nach über 50 Jahren wohnt dem seinerzeit stark unterschätzten Film ein faszinierender Zauber und eine große Wahrheit inne. Was berührt uns noch heute so sehr? Die fantastischen Darsteller (Mitchum, Gish, Winters), das in sich geschlossene Ambiente, die kontrastreichen Schwarz-Weiß-Bilder? Regisseur Charles Laughton schuf einen Bilderbogen, der unseren düstersten Kindheitsträumen entnommen scheint. Sehen wir "Nacht des Jägers", sehen wir einen Traum: Den ewigen Angsttraum von der Schlange, die züngelnd in unser Paradies eindringt.
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26 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 17. September 2004
Die Nacht des Jägers ist eine echte Perle des Films. Er vereint verschiedene Genre-Elemente in sich, so ist er Psycho-Thriller, Märchen, Groteske und phasenweise blanker Horror. Insgesamt harter Tobak, aber absolut fesselnd. Die ausgeprägte Bildersprache des Films ist einfach phantastisch, und die atmosphärische Dichte beeindruckend.
Der Film stammt aus der Feder von Charles Laughton ("Meuterei auf der Bounty"), der weithin eher als Schauspieler bekannt ist. Seine einzige Regiearbeit, die Nacht des Jägers, geriet in den 50ern zu einem waschechten Flop, nicht zuletzt wegen der düsteren Thematik des Films, die bei den Kino-Zuschauern Reaktionen von Empörung bis zu blankem Entsetzen hervorrufen haben wird. Heute aber gilt er völlig zurecht als Meisterwerk des expressionistischen Films. Zweifellos war der Film seiner Zeit voraus und ein Vorreiter vor allem für das Thriller- und Horrorgenre, auf das der Film jedoch nicht reduziert werden kann.
Mit Hollywood-Legende Robert Mitchum bekam Laughton ein Mimen, der mit so beängstigender Intensität die Hauptfigur, den verrückt-fanatischen und dennoch überaus charismatischen Wanderprediger Harry Powell spielt, dass einem mehr als einmal die Nackenhaare zu Berge stehen. Die Flucht der beiden Kinder vor dem Prediger über den nächtlichen Fluss gehört für mich zu einer der ästhetischsten und zugleich spannendsten Szenen der Filmgeschichte. Ein Film, den man allein schon aufgrund seiner Einzigartigkeit nicht verpassen darf. Zugreifen!
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9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 30. März 2013
Über den Inhalt eines der größten Klassikers der Filmgeschichte ist an dieser Stelle von den diversen Rezensenten schon so ziemlich alles Nennenswerte geschrieben worden.

Deshalb beschränke ich mich nach einem Augen- und Ohrenschmaus auf mein begeistertes Urteil der Blu-ray-Fassung, die bei mir keine Wünsche offen ließ:

Das schön gestaltete Mediabook mit Blu-ray, DVD plus einem 12seitigen informativen Booklet überzeugte mich auf ganzer Linie. Als Bonus bieten die beiden Silberlinge zusätzlich noch ein aufschlussreiches Feature (ca.14 Min.), in welchem u.a. Robert Mitchum und Shelly Winters über die Dreharbeiten und ihre Erfahrungen berichten.

Die Blu-ray begeistert auch den anspruchsvollen Genießer mit einem stabilen und sauberen s/w-Bild (1,66.1 / HD 1080 24p), dass sich um Längen abhebt von den bisher erhältlichen deutschen (MGM-)DVD-Fassungen. Der Ton ist in klar verständlichem DTS-HD Master Audio 2.0 abgemischt.

Die Aufmachung dieser nun endlich in HD remasterten Neuausgabe des Noir-Klassikers bekommt von mir die volle Punktzahl! Robert Mitchum als Psychopath muss man - nicht nur als Cineast - einfach gesehen haben! Einen Beitrag zur dunklen Grundstimmung dieses Albtraummärchens ("cinema") leistet dabei übrigens die Filmmusik von Walter Schumann ("Fahrenheit 9/11")
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8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Charles Laughton inszeniert, mit einen genialen Robert Mitchum in der Hauptrolle, einen Meilenstein des Filmes und einen der besten Film Noirs, die ich kenne. Stanley Cortez sorgt darüber hinaus für eine bildgewaltige Visualisierung.

Der psychotisch-psychopathische (vermeintliche) Wanderprediger Harry Powell (Mitchum) zieht einen blutigen Weg durch den Osten der USA. Im Gefängnis trifft er auf den Bankräuber Ben Harper, dessen Tod bevorsteht. Im Schlaf redet er vom erbeuteten Geld (10.000$). Grund genug für den frauenhassenden Powell, die Witwe (Shelley Winters) zu ehelichen und ein sadistisches Spiel mit den Kindern zu treiben. Doch der junge Ben Harper (Petre Graves, bekannt aus "Cobra, übernehmen Sie/Mission Impossible") und seine kleine Schwester Pearl Harper (Sally Jane Bruce) bieten dem Teufel in Menschengestalt, mit seinem hypnotisch-schaurigem Gesang, die Stirn und flüchten -samt Raub- den Fluss entlang...

Gothicstyle Fairytale, das Realismus und Expressionismus in derart poetischer Art und Weise vermischt, dass alleine die Bilder verzaubern und über 90 Minuten hinweg in Begeisterung versetzen. Laughton und Cortez stehen den Filmexpressionisten der 20er und 30er Jahre in Nichts nach. Kontrastierend zu Mitchums dunkler Rolle, spielt Lillian Gish die gute Fee, die Lichtgestalt, der das Böse nichts anhaben kann. Während Mitchum H A T E ist, steht sie für das L O V E auf seiner rechten Hand.
Überragend auch das Spiel des jungen Peter Graves.

Schade, dass dieser außergewöhnliche Film seinerzeit kein großer Erfolg war. Er war seiner Zeit wohl voraus: Diverse Tabubrüche, sowie die ungewohnte Kombination verschiedener Stilelemente sorgten dafür, dass das Publikum mit DIE NACHT DES JÄGERS nichts anfangen konnte.

Die BLU-RAY überzeugt durch eine exzellente Qualität. Gut, eine gewisse Körnung in S/W-Filmen gibt es immer. Man sieht sie aber lediglich, wenn man direkt vor dem TV steht (aber: wer schaut schon einen Film auf einem 46''LED direkt davor stehend?! Wohl keiner - und aus normaler Entfernung ist das Bild hervorragend). Lediglich bei den Luftaufnahmen ist ein deutlich wahrnehmbares Ruckeln des Bildes festzustellen, das aber nichts mit der BD zu tun hat, sondern mit der Aufnahme damals.
Dazu ein beeindruckender Ton. Selbstverständlich auf Englisch und Deutsch mit den jeweiligen UT. Als Extra ist u.a. ein interessantes 14-minütiges Featurette enthalten.

Fazit: Hypnotisch, verstörend, betörend. Teils grotesk, jedoch stets überzeugend kombiniert DIE NACHT DES JÄGERS Thriller- als auch Horrorelemente, in bester Film-Noir-Manier.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 11. Juni 2014
Der Mörder reitet im Sonnenuntergang und singt einen Psalm, "schläft er denn nie"? fragt der Junge, der sich vor ihm versteckt.
Malerei, Poesie und Grauen, alles in einem Bild.
Ich habe gelesen, dass Robert Mitchum nie wieder einen Film mit Charles Laughton als Regisseur drehen wollte.
Mitchum war minimaler Minimalist, Laughton hat seine Tiefen ausgelotet. Es kam heraus, was drinsteckt, das hat selbst den super coolen Mitchum schwer getroffen. Muss man mehr sagen?
Ein Meisterwerk, weniger Hollywood, eher expressionistisch wie Fritz Lang's M.
Schwarz & Weiss, ein Must für jede Sammlung.
resus
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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 13. Februar 2012
Kurz vor seiner Verhaftung nimmt ein verzweifelter Familienvater seinem ca. 11 jährigen Sohn den Eid ab, das Versteck seines geraubten Geldes niemals zu verraten und seine kleine Schwester mit dem Leben zu verteidigen.
Im Knast erfährt der Massenmörder Harry Powell (Robert Mitchum) - er sitzt nur wegen einer Bagatelle kurzfristig ein - von dem Geld, ohne jedoch das Versteck zu kennen. Nachdem er entlassen wird,macht er sich als Wanderprediger getarnt auf, um das Geld zu holen...

Charles Laughton einzige Regiearbeit fällt vor allem durch eine besonders eindrucksvolle Bildsprache auf. Der in S/W inszenierte Film besticht zum einem durch starke Kontraste, Silhouetten und Schatten, die an alte Stummfilmklassiker wie z.B. Murnau's Nosferatu erinnern. Beispeilhaft dafür die Szene im Schlafzimmer unterm Dach, das eher einer Kathedrale gleicht. Perfekt. Auch der Moment, als die Kinder Powell am Horizont nur als Schattenriss auf dem Pferd erkennen können, erzeugt eine unheimliche Stimmung. Ein geniales Bild!!
Ein weiteres Stilmittel sind die Tiere, die bei der Flucht der Kinder immer in das Bild hineinmontiert wurden. Die aus der Fabel oder Märchen bekannten Motive lassen erkennen, ob die Kinder noch in höchster Gefahr(Spinne) oder in Sicherheit(Kaninchen)sind. Sehr beeindruckend.
Mitchum spielt diesen wahnsinnigen Harry Powell, der sich für seine Taten von Gott berufen fühlt, äußerst eindringlich und nuanciert. Ihm gegenüber steht die brave Mutter(Shelley Winter) der Kinder, die wie die tumbe und bigotte Dorfgemeinschaft dem Schein des vermeintlichen Gottesmannes erliegt. Erst mit der Witwe Rachel(Lillian Gish), die die Kinder aufnimmt, bekommt Powell einen Gegner, der ihm gewachsen ist.
Da der Film seinerzeit ein Reinfall war, gab Laughton die Regiearbeit wieder auf. Sehr bedauerlich,denn seine Bildsprache und dieser Mix aus Thriller, Drama, Märchen und Horror macht unheimlich viel Spaß.
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27 von 33 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 7. März 2001
Ein wahrhaft märchenhafter Film, spannend von der ersten bis zur letzten Sekunde mit einer atmosphärischer Dichte, die ihresgleichen sucht. Hier gibt es Elemente des Märchens (Hänsel und Gretel), Anklänge an die expressive Filmwelt von Fritz Lang (die Schatten in der Dachkammer) und Elemente des Horrorfilms (das unter Wasser wehende Haar der ermordeten Mutter; der gleich einem apokalyptischen Reiter bei Vollmond über Land reitende, singende falsche Priester). Dabei weist der Film auf gesellschaftliche Mißstände in der Zeit der Depression hin - man denke nur an die bettelnden, vagabundierenden Kinder - und übt Kritik an für Amerika typischen falschen Pietismus. Großartig ist Robert Mitchum als Personifikation des Bösen, er spielt die Rolle seines Lebens. Am Ende siegt das Gute, das hat den Film für mich als heimlich fernsehende Sechsjährige seinerzeit erträglich gemacht. Mein fünfjährige Schwester hatte Alpträume, aber immer, wenn dieser Film im Fernsehen gezeigt wird, ruft Sie mich an: "Heike, UNSER Film kommt!"
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Produkt: DVD (1 Stück). Herausgeber: Twentieth Century Fox. ASIN: B00016JDYC.
Deutscher Titel: Die Nacht des Jägers. Originaltitel: The Night of the Hunter
Produktionsland: USA. Premiere: 1955
Mit: Billy Chapin, Sally Jane Bruce, Robert Mitchum, Lillian Gish, Shelley Winters, Peter Graves u. A.
Regie: Charles Laughton (einzige Regiearbeit)
Literarische Vorlage: nach dem gleichnamigen Roman von Davis Grubb aus dem Jahre 1953
Musik: Walter Schumann
Bild: gut / SW / 4:3. Sprache: englisch. Synchronisation: deutsch, italienisch, französisch und spanisch. Untertitel: deutsch, englisch u. a.
Filmlänge: 88 Minuten und 48 Sekunden (Originallänge im PAL-Verfahren)
Genre: Thriller > Fluchtthriller > Psychothriller > Märchen > Allegorie
Specials: nur Trailer

Vorbemerkung: die filmische Kunstrichtung des Film Noir ist eine bemerkenswerte Innovation. Es gibt jedoch Werke, die über diese Kunstrichtung hinausreichen und sie sogar übertreffen. Um solch ein Werk handelt es sich bei dem hier vorliegenden Film. Wenn ich streng nachdenke, dann kann ich nicht behaupten, dass es sich bei diesem Film um Film Noir handelt, sondern dass er lediglich ein paar Elemente davon besitzt. Als Ganzes jedoch müsste man diesen Film als etwas bezeichnen, was es de facto als Genre nicht gibt. Der Film steht für sich allein und es gibt keinen zweiten, der ihm als Genre entsprechen würde. Wenn man sagt, dass der Film ein Thriller sei, so stimmt das. Aber das ist er nur im groben Sinn. Als Gesamtwerk ist er viel mehr. Viel mehr auch als Horror, Märchen, Studie, Gesellschaftsbild. Er ist etwas, was als Genre noch nicht definiert wurde. Er steht allein, weil nach ihm niemand vermochte Ähnliches zu erschaffen. Er ist ultimative Cineastik.
Vorgeschichte, die nicht im Film gezeigt wird:
Harry Powell (Robert Mitchum) ist ein Frauenmassenmörder, der unerkannt durch die Lande zieht und seine Untaten vollführt. Spezialisiert ist er auf Witwen, die er verführt und deren Vertrauen erschleicht. Nach deren Ermordungen bemächtigt er sich ihrer Geld- und Wertsachen. Dann macht er sich aus dem Staub und sucht sich ein neues Opfer.
Filmhandlung:
Er ist ein Psychopath, der in Zwiesprache mit Gott ist, dessen Bild er sich speziell für sich und seine Bedürfnisse zusammengezimmert hat. Sein Gott ist eher ein Partner, denn ein Souverän über ihn. Harry tötet, aber er sieht auch Gott als Mörder an. Von daher unterhält er sich mit ihm über das Morden, als ob es um's Wetter ginge. Er sieht die sündigen Frauen, welche ihm über den Weg laufen, als gottgeschickt an, an denen er das endgültige Urteil vollstrecken darf.
Er sitzt inmitten von Männern im Sessel und betrachtet die Darbietung einer Tänzerin auf der Bühne, die ihre Kurven verführerisch zur Geltung bringt. Dabei lässt er seine Gefühle nach Außen erkennen. Er ballt die linke Faust zusammen, auf deren vier Fingerrücken die vier Buchstaben H A T E eintätoviert sind. Er steckt die Faust in den Mantelsack, aus welchem die Schneide eines Stilettos rausbricht. Dann sagt er: "Es gibt zu viele auf der Welt, du kannst sie nicht alle töten." Es ist unerheblich, ob er diese Worte an Gott oder sich selbst richtet, denn er sieht sich als Gottes Werkzeug.
In diesen ersten Sequenzen ist bereits sehr genau der pathologisch-grenzenlose Hass Harry Powells charakterisiert, den er aufgrund falschinterpretierter Gottesbilder zu rechtfertigen trachtet. Dabei scheint er in seinem Treiben einer sich selbst uneingestandenen Mordlust und Quälsucht zu verfallen, deren bestialische Befriedigungen er unter dem Tarnmantel der Erfüllung des Willens Gottes rechtfertigt und auslebt.
Und dieser gefährliche Mensch wird besiegt durch zwei kleine Kinder und eine alte Frau, in denen sich die wahre Gnade Gottes verkörpert. Die wunderbare Lillian Gish spielt die Rolle einer alten Waisenheimleiterin unvergesslich und berührend. Die beiden Kinderdarsteller aber sind die eigentlichen Helden des Filmes: Der zur Zeit der Dreharbeiten elfjährige Billy Chapin und die damals erst sechsjährige Sally Jane Bruce.
Man kann Harry Powell die Kunst der Verführung nicht absprechen. Zunächst tritt er auf als frommer Prediger mithilfe des typisch freikirchlichen Missionierslangs, welcher bei den naivgläubigen Provinzlern auf fruchtbaren Boden stößt. Weiters gibt er sich eloquent, vorbildlich, entgegenkommend und nett. Er pocht auf Frömmigkeit und Moral, was den Kleinbürgern imponiert. Solch ein Ideal von Mann gefällt alleinstehenden Frauen mit Kindern und wird a priori heiß begehrt, ersehnt, umworben. Denn auf den Fingerrücken der rechten Hand trägt er die eintätovierten Buchstaben L O V E.
Mag sein, dass der Frauenhass des Psychopathen zusätzlich genährt wird aufgrund der vertrauensseligen Naivität der sich leicht blenden lassenden Frauen. Mag sein, dass er dahinter deren vordergründige Triebhaftigkeit herausliest, die es in jedem Falle zu ahnden gilt gemäß seinem gestörten Kodex, bzw. Komplex. Es würde nämlich die Sache anders aussehen, wenn ihn eine kritikfähige und mißtrauische Frau schlicht abweisen würde. Er scheint sich durch die freiherzige Gewährung und Willigkeit der Frauen geradezu in einen Rausch der Machtauslebung und Züchtigung hineinzusteigern.
Shelley Winters besitzt in diesem Film die undankbare Aufgabe einer gutmütigen, aber dennoch schwachen Persönlichkeit, welche für den machthungrigen Psychopathen das ideale Opfer ist.
Der Höhepunkt des Films ist der Mittelteil, der die Flucht der beiden Kinder vor dem sie verfolgenden Mörder visualisiert. Da gibt es bezaubernde Bilder des Trostes im Ungemach. Die Nachtfahrt auf dem Boot durch den stillen Fluß wirkt beinahe behütet und geborgen. Charles Laughton vermochte in diese brutale Geschichte Bilder von tiefer Hoffnung und Zuversicht hineinzuzaubern, denen man sich neben all dem drohenden Grauen nicht entziehen kann. Hier gerät der Thriller tatsächlich in den Rahmen eines Märchens. Märchen über Rotkäppchen, Hänsel und Gretel oder Der Wolf und die sieben Geißlein, sind de facto äußerst grausame Geschichten, die man jedoch als solche gar nicht wahrnimmt, wenn man sie im Gewande des Märchens betrachtet. So ähnlich ist es auch mit diesem Thriller. Am Ende siegt doch das Gute über das Böse mit einer entwaffnenden Courage und Leichtigkeit. Dennoch ist es unverantwortlich den Film mit FSK 12 freizugeben, weil seine bedrohlichen Muster einfach für Jugendliche in diesem Alter unzumutbar sind. Der Film ist zwar ein Märchen von der Tiefendimension her, jedoch ein äußerst grausamer Thriller von der vordergründigen Visualität her. Daher müsste der Film mindestens mit FSK 16 versehen werden.
Charles Laughtons einzige Regiearbeit lässt erahnen, um welch einen genialen Meister es sich bei dieser Ausnahmeerscheinung gehandelt hat. Robert Mitchum in einer seiner besten und glaubwürdigsten Darbietungen. Die Musik von Walter Schumann ist schaurig schön und sehr passend.
Die Nacht des Jägers und Ein Köder für die Bestie sind für mich die zwei besten Thriller der Filmgeschichte, die gleichwertig nebeneinander stehen, weil jeder von ihnen seine spezifische Brillanz aufweist. In jedem Fall aber ist dieses geniale Werk einer der herausragendsten und komplexesten Thriller, sowie einer der besten Filme der Filmgeschichte.
Mladen Kosar
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13 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Ein absolutes Highlight aus den 50s. Robert Mitchum (vielleicht in seiner besten Rolle) ist der perfekteste Filmbösewicht überhaupt, es gelingt ihm grandios diesen psychopathischen Wanderprediger zu spielen.

Er hat es auf das Geld abgeshen, dass zwei beiden Kinder in einer Puppe versteckt haben...hört sich simpel an, die Machart ist aber sehr komplex, sehr aussergewöhnlich und extravagant erzählt. Vor allem die Bilder sind meisterhaft durchkomponiert: Düster, teilweise expressionistisch. Die Religionswut der Amerikaner wird gut und von vielen Seiten beschrieben. Sie kommt letztendlich auch nicht gut weg. Wahrscheinlich hatte Laughton Mühe mit diesem Aufkeimen des Fundamentalismus, so beschreibt er dieses Treiben sehr bizarr, die Figur des Predigers setzt dem noch die Krone auf.

Tatsächlich steckt da auch viel an Grimms Märchen oder The Wizard of Oz drin, die Odyssee der beiden Kinder gestaltet sich als eine Art Kampf des Lebens und die Suche nach "Zuhause", wo immer das auch ist. Die Familie versagt: Der Vater wird hingerichtet, die Mutter (Shelley Winters) fällt auf den fremden Gottessmann herein und ehelicht ihn, da ist der erste Mann noch gar nicht lange unter der Erde.

Die Nachbarn und Freude: Oberflächliche, bigotte und engstirnige Trottel.

Der Mann mit der Bibel letztendlich ein Frauen- und Serienmörder, der die Kinder gnadenlos jagt.

Zuflucht finden sie letztendlich bei einer älteren Frau (Lilian Gish spielt diese "Mutter Teresa"), die auf ihrer kleinen Farm eine Art "Waisenhaus" betreibt und dem Priester die Stirn bietet.

Einen fesselnden und genialen Film hat Schauspieler Laughton da gemacht, er wurde seinerzeit nicht besonders gut aufgenommen.

Heute ist der Film auf ganzer Linie rehabilitiert, er zählt mit Recht zu den besten Filmen aller Zeiten.
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