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41 von 49 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Jugendbuch für neugierige Erwachsene
Ich fühle mich selber und sehe auch andere oft ausgeschlossen aus den wirklich wichtigen Debatten dieser Zeit, weil die "Geheimsprache" der Philosophen vor uns vieles mehr versteckt denn erhellt. Das neue Buch von Michael Schmidt-Salomon "Leibniz war kein Butterkeks" hilft dem ab.

In einem sokratischen Dialog kommen Schmidt-Salomon und seine Tochter Lea...
Veröffentlicht am 4. April 2011 von F. Navissi

versus
12 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Wenn der Chef-Atheist von Deutschland mit seinem Kinde philosophiert
Auch der bekannte Richard David Precht hat ein Philosophiebuch, das als Dialog mit seinem Kind konzepiert war, geschrieben (Warum gibt es alles und nicht nichts?: Ein Ausflug in die Philosophie). Das von Schmidt-Salomon kann man im Vergleich dazu als sehr gelungen bezeichnen, weil seine Tochter als Abiturientin als selbständige Fragestellerin ein unterhaltsames...
Vor 19 Monaten von Benedictu veröffentlicht


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41 von 49 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Jugendbuch für neugierige Erwachsene, 4. April 2011
Rezension bezieht sich auf: Leibniz war kein Butterkeks: Den großen und kleinen Fragen der Philosophie auf der Spur (Gebundene Ausgabe)
Ich fühle mich selber und sehe auch andere oft ausgeschlossen aus den wirklich wichtigen Debatten dieser Zeit, weil die "Geheimsprache" der Philosophen vor uns vieles mehr versteckt denn erhellt. Das neue Buch von Michael Schmidt-Salomon "Leibniz war kein Butterkeks" hilft dem ab.

In einem sokratischen Dialog kommen Schmidt-Salomon und seine Tochter Lea ins Gespräch über "das Leben, das Universum und den ganzen Rest". Dabei berühren sie die Grundfragen der Philosophie, der Menschheit und des Menschseins.

Die beiden Dialogpartner halten sich nur kurz beim Thema Gott und Religion(en) auf. Im Interview daraufhin gefragt, sagte der Autor, 2im Grunde ist zum Thema Religionskritik ja alles Wesentliche schon gesagt worden und ich habe keine Lust, mich andauernd zu wiederholen."

Und so entwickelt Schmidt-Salomon ein humanistisches Weltbild, das auch als eine Art Lebensleitfaden gelten kann. Fern von Dogmen, aber mit viel Selbstverantwortung für den Einzelnen. Ob es dabei um das Erreichen eines "guten Lebens", um die menschliche Überheblichkeit gegenüber anderen Lebewesen oder um Sex und Tod geht: immer wird eine Möglichkeit eröffnet; eine Idee, wie das Leben zu gestalten ist, wenn wir dabei humanistische und ethische Werte zugrunde legen. Damit hebelt Schmidt-Salomon wie im Vorübergehen auch den Vorwurf aus, keine Utopie anzubieten.

Schmidt-Salomon erklärt nichts Neues im neuen Buch. Wer seine Ideen von einem modernen Humanismus aus dem Manifest und vor allem seinem Buch "Jenseits von Gut und Böse" kennt, kennt auch die Grundaussagen des Leibnitz-Buches. Allerdings hat der Autor das wunderbar Schwierige vermocht: komplexe Gedanken in relativ einfachen Worten auszudrücken.

Natürlich haben die Dialoge nicht so, wie aufgeschrieben, stattgefunden. Denn sonst hätten wir die Antwort der Tochter "Hä" (übersetzt als "Entschuldigung, das habe ich gerade nicht richtig verstanden. Könntest Du mir das bitte erklären?" [Seite 24]) häufiger lesen müssen. Und doch bleibt die Sprache so verständlich, dass auch ein Leser, der sich bisher weder an das Manifest noch an "Gut und Böse" wagte, Schmidt-Salomons Ideen nachvollziehen kann. Und im Idealfalle versucht, für sich umzusetzen.

Als Beispiel möchte ich auf seine Erklärungen zur Unterscheidung von "Moral" und "Ethik2 verweisen. (ab Seite 211) Diese Unterscheidung irritiert so manchen Berufsphilosophen, ist aber meiner Meinung nach nachvollziehbar und logisch im Kontext der Schmidt-Salomonschen Philosophie. Gleiches gilt auch für die Diskussion um den "freien Willen" und den Stolz. Ideen, die logisch klingen, wenn der Autor sie erklärt, die aber in der schlussendlichen Konsequenz schwer zu begreifen sind, weil sie so sehr unserer Erfahrung zu widersprechen scheinen.

"Leibniz war kein Butterkeks" sollte für Schüler im Ethikunterricht Pflichtlektüre werden und für neugierige Erwachsene ebenfalls. Moderne, moralinfreie Ideen für den Alltag das ist, was Michael Schmidt-Salomon und seine Tochter Lea Salomon dem Leser anbieten. Annehmen muss der Leser dann aber schon selbst mit dem Mut dessen, der sich seines eigenen Verstandes bemüht.

Und wenn es irgendetwas zu kritisieren gibt an dem Buch, dann das: es hört nach 287 Seiten auf.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ändert die Perspektiven! Download und lesen..., 4. April 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
EBooks ergänzen die Bibliothek, vorallem auf längeren Reisen. Das Tablet ist sowieso schon dabei, warum auch noch ein Buch mitnehmen...
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Abriss über die grundlegenden Fragen, 1. September 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
In einer schöne und einfachen Methode bringt der Autor Fragen der Philosophie auf das Tablet(t). Immer wieder ist es mir passiert, dass ich innehielt und mir sagte: "Stimmt, so habe ich das noch gar nicht gesehen." Somit ein Buch nicht nur zum lesen, sondern auch zum Selbstdenken. Sapere Aude!
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27 von 34 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen So langsam habe es auch ich verstanden ..., 3. April 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Leibniz war kein Butterkeks: Den großen und kleinen Fragen der Philosophie auf der Spur (Gebundene Ausgabe)
... und ich bin weder Philosoph noch Leseratte. Aber dieses Buch hatte ich nach ein paar Abenden gelesen und verstehe nun doch einiges besser. Ich fand auch nicht, dass dem Buch ab Kapitel 3 die Puste ausgeht. Die religionskritischen Sachen die hier zum Teil angekreidet werden waren (wenn man sein Engagement für die Giordano Bruno Stiftung kennt) ja auch zu erwarten (und von mir eigentlich auch erhofft).
Kurz: Ich bin Einsteiger, für solche Leute wie mich war es gedacht, und ich fand es gut.
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47 von 60 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Direkt, provokativ, religionskritisch, 14. März 2011
Rezension bezieht sich auf: Leibniz war kein Butterkeks: Den großen und kleinen Fragen der Philosophie auf der Spur (Gebundene Ausgabe)
Direkt, provokativ und religionskritisch geht es zu im neuesten Buch Michael Schmidt-Salomons. Seine Tochter, Lea Salomon, befragt den bekannten Religionskritiker. Schmidt-Salomon antwortet auf den Punkt. Dafür erhalten die beiden von mir - unterm Strich - fünf Sterne.

Dies hat viele Gründe. Trotz anfänglicher Skespis: Bereits nach ein paar Seiten des Lesens wurde ich schnell ein Fan des Vater-Tochter-Dialogs. Schmidt-Salomons Philosophen-Kollegen bauen an verschraubten, kaum verständlichen Sprachgebirgen. Sie zerlegen abseitige Themen mit Riesenaufwand in mikroskopische Bestandteile. Hier dagegen geht es schnell, klar und direkt zu. Der Mut, sich dadurch unvermeidlicher Kritik auszusetzen, ist wertvoll. Lea Salomon trägt mit erfrischender Jugendsprache zum Unterhaltungswert bei. Inhaltlich ist das meiste gut nachzuvollziehen. Die Argumentation ist radikal (= an die Wurzel gehend) im besten Sinne. Erfrischend wirkt es, wenn alte Zöpfe abgeschnitten werden, statt sie zu frisieren. So lesen sich die ersten zwei Drittel des Buches angenehm und anregend.

Im letzten Drittel leidet dieser durchweg positive Eindruck. Dem Autor schien die Puste auszugehen.

Einzelne fragwürdige Inhalte und Interpretationen tauchen auf. Beispielsweise soll eine Flut islamkritischer Karikaturen fundamentalistische Moslems heilen. Okay, interessante Idee. Aber dann: "Wie bei allen Phobien" funktioniere nur das. Den Segen der professionellen Psychologie erhält der Autor für diese Konstruktion gewiss nicht! Ein anderes Beispiel: Das Lächerlichmachen religiöser Vorstellungen vertrage sich mit Respekt gegenüber den Gläubigen, meint Schmidt-Salomon. Ich denke: Derlei Humor ließe sich ja ethisch begründen. "Einer besseren Welt" kommen wir auf diesem Weg bestimmt nicht näher. Wer ausgelacht wird, bei einer Sache, die ihm zutiefst ernst ist, hört einfach nicht mehr zu. Soll denn nun die Welt verbessert werden? Oder geht es letzlich nur um die Freude an scharfer Rethorik und eindeutiger Positionierung?

Die Zuspitzung auf Religionskritik nervte zumindest mich zusehends. Das wird im Titel nicht angekündigt und angesichts explodierender Kernreaktoren in Japan: Es gibt noch andere wichtige Themen (und damit philosophische Fragen) in unserer Welt! Negativ wirkt auch die Statik des Textes. Obwohl Lea Salomon sich intensiv mit Lebensfragen auseinandersetzt, verändert sie sich im ganzen Buch nicht. Auch der schlaue, provokative und etwas distanzierte Autor bleibt immer der Gleiche. Er weiß immer weiter und irgendwie läuft es immer aufs Gleiche raus.

Die Einwände der Tochter sind letztlich bescheiden, fast unterwürfig. Zu "kopflastig" gehe es ihr zu,sagt die junge Frau einmal. Der Philosoph stimmt sofort zu. Wenig später erklärt er jedoch, wie Eifersucht mittels Vernunft geschwind abgeschaltet und wieder angeschaltet werden könne! Schöner lässt sich Leas Einwand nicht bestätigen. Aber es geht schon weiter, zum nächsten Thema, weg von der Emotion.

Besser zum Autor passt offensichtlich die Provokation. Zu Themen wie Drogengebrauch, Sterbehilfe und Tierschutz stellt Schmidt-Salomon steile Thesen auf. An ihnen werden sich seine Feinde erregt oder genüsslich abarbeiten. Wer dazu keine Lust hat, kann darüber hinweg gehen. Wer zu zart besaitet ist, für den ist das Buch nichts.

Alles in allem: Das Projekt hätte - wie vieles im Leben - besser gelingen können. Um jedoch keine ungleichen Maßstäbe anzusetzen, sei bilanziert: Hier sind fünf Sterne angebracht.
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11 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Auf solch ein philosophisches Lese- und Lehrbuch hat man lange warten müssen, 3. Mai 2011
Von 
Winfried Stanzick (Ober-Ramstadt, Hessen Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Leibniz war kein Butterkeks: Den großen und kleinen Fragen der Philosophie auf der Spur (Gebundene Ausgabe)
Auf solch ein philosophisches Lese- und Lehrbuch hat man lange warten müssen. Der Philosoph Michael Schmidt- Salomon und sein 20- jährige Tochter Lea Salomon sind in einem lange Dialog "den großen und kleine Fragen der Philosophie auf der Spur".

In drei Teilen haben sie ihr langes Gespräch aufgeteilt:

* Über das Leben, das Universum und den ganzen Rest
* Die Kunst des Lebens
* Der Traum von einer besseren Welt

Durch die Fragen eines jungen Menschen, seine angstfreien und kritischen Nachfragen auf die Antworten des Vaters wird das Buch gerade für junge Menschen gut lesbar und weckt die Lust am Fragen, der Essenz der Philosophie.

Sie schreiben am Ende ihres langen, spannenden, lehrreichen und zum eigenen Nachdenken ständig animierenden Gesprächs:
"Wir beiden hoffen, dass dieses Buch ein wenig dazu beitragen kann, die Lust am wilden, ungehemmten Philosophieren zu fördern. (...) Das mag vielleicht anstrengender sein, als althergebrachten Glaubensrezepten blind zu vertrauen, aber eine solche Anstrengung lohnt sich in jeder Hinsicht: Denn Nachdenken ist nicht nur vernünftiger als Nachbeten, es macht auch viel mehr Spaß."

Vielleicht macht da Buch auch Lust auf seine vielen anderen Bücher, die er für große und kleine Menschen bisher geschrieben hat. Auf seiner Webseite stellt er im Übrigen folgendes klar:
"Der Spiegel" bezeichnete ihn einmal als "Deutschlands Chef-Atheisten", was von einigen Medien übernommen wurde. Doch er selbst versteht sich weder als "Chef" noch als "Atheist", sondern vielmehr als "evolutionärer Humanist", der (bis zum Beweis des Gegenteils!) die "elegante Hypothese" vertritt, dass es im Universum "mit rechten Dingen" zugeht, also weder Götter noch Dämonen, weder Hexen noch Kobolde in die Naturgesetze eingreifen...
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25 von 34 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Leichtfüßige Philosophie mit Tiefgang, 7. April 2011
Rezension bezieht sich auf: Leibniz war kein Butterkeks: Den großen und kleinen Fragen der Philosophie auf der Spur (Gebundene Ausgabe)
So wahrhaftig und dabei leichtfüßig kommt Philosophie nur ganz selten daher. Dennoch sollte man auf die Lektüre dieses Buches das folgende Zitat daraus (S.134) anwenden: 'Du kannst dein Essen achtlos herunterschlingen, ohne wirklich mitzubekommen, was du zu dir nimmst. Du kannst aber auch sehr achtsam essen und die vielen feinen, unterschiedlichen Geschmacksnuancen wahrnehmen, die selbst eine einfache Speise wie ein Brot bietet. Durch Achtsamkeit wird aus einer schlichten Nahrungsaufnahme ein sinnlicher Genuss ' ein Erlebnis, das uns mit Lebensfreude erfüllt.' Denn es lohnt, sich viele der herzerfrischenden Formulierungen und klugen, ja bisweilen auch provokativen Gedanken genüsslich auf der Zunge zergehen zu lassen, so wie diesen Satz, der durchaus das Zeug zum Geflügelten Wort hat: ''Nachdenken ist nicht nur vernünftiger als Nachbeten, es macht auch viel mehr Spaß!' (S. 11)
Ein allgemeinverständliches philosophisches Buch, völlig frei von irgendwelchem transzendentalen Gefasel ' wie gut das tut. Dabei entbehrt der launige Plauderton keineswegs der Tiefe. Besondere Freude beim Lesen stellt sich ein, wenn man dabei all die treffenden, pointierten Formulierungen Michael Schmidt-Salomons aus seinen Interviews und Talkshows wiederfindet, wie zum Beispiel solche über das merkwürdige Verhältnis von Wissen und Glauben; einerseits innerhalb des Individuums: 'Im Alltag agieren diese Menschen absolut vernünftig, doch sobald es um Fragen der Religion geht, setzt bei ihnen irgendwie der Verstand aus. Wie sonst soll man erklären, dass es Frauenärzte gibt, die sechs Tage die Woche einen tollen Job machen, aber am siebten Tag an die 'jungfräuliche Geburt' glauben?' (S. 40) und andererseits zwischen verschiedenen Individuen: 'Ein Wissenschaftler weiß, dass er etwas glaubt, was ihm heute gültig erscheint, vielleicht aber schon morgen widerlegt ist. Ein Gläubiger hingegen glaubt, dass er tatsächlich etwas weiß, was noch übermorgen gültig sein wird, obwohl es in der Regel schon heute widerlegt ist.' (S. 41)
Freilich enthält das Buch Religionskritik. Die ergibt sich zwangsläufig, wenn man die Welt von einem realistischen, naturalistischen und humanistischen Standpunkt aus betrachtet. Und sie ist auf alle Fälle so lange notwendig, wie es religiös gesteuerte Mörder oder katholische Bischöfe gibt, die solche Absurditäten predigen wie 'Ethik des Leidens' oder 'Heil bringender Schmerz'. Für manchen unserer Zeitgenossen mag der Gedanke schmerzlich oder schwer zu ertragen sein, aber 'Wir nehmen uns als Spezies viel zu wichtig!' Die Religionen ''sind bei genauerer Betrachtung Manifestationen eines kaum noch steigerungsfähigen Größenwahns.' (S. 52) Wie klein und ohnmächtig wir dem Universum gegenüberstehen, wird soeben mit den schrecklichen Katastrophen in Japan mehr als deutlich.
In einem wahren Parforceritt galoppieren Lea und Michael Schmidt-Salomon durch die Evolutionsbiologie, gemeinsam mit Gepard, Windhund, Faultier, Chamäleon, Pfau und Löwe auf den Spuren der künstlichen, natürlichen und sexuellen Selektion hin zum unterschiedlichen Partnerwahlverhalten von Frauen und Männern, worauf sie zu dem Schluss kommen: 'Einerseits könnte man sagen, das Leben sei 'viel Lärm um nichts', anderseits ist es jedoch das Bedeutsamste, das wir überhaupt kennen. Sinn und Unsinn des Lebens gehen Hand in Hand.' (S. 104)
Was wäre eine philosophische Debatte ohne die Frage nach dem Glück? Die ganze siebzehn Seiten kurze Diskussion über die drei Glücksstrategien Hedonismus, Selbstverwirklichung und Engagement für eine größere Sache enthält mehr sinnvolle Hinweise zur Lebensgestaltung als so mancher Glücks-Wälzer aus dem Ratgeber-Regal. Des Schwertes Zweischneidigkeit solcher Strategien lassen die Autoren dabei keineswegs außer Acht. Aber (glücklicherweise?) hängt unser Glück im Leben mitnichten allein von uns selbst ab. Zwar heißt es, ein jeder sei seines Glückes Schmied, aber nur allzu oft schlägt der Blitz in die Schmiede ein, sei es nun zufällig oder wegen des vielen Eisens. Und daher fällt das Fazit der Debatte zwar nicht geradezu euphorisch, aber immerhin tröstlich aus: 'Das Leben ist ungerecht! Daran gibt es keinen vernünftigen Zweifel. Die Frage ist nur, wie wir mit dieser Tatsache des Lebens umgehen, ohne an ihr zu verzweifeln'' (S. 142)
Dieses sympathische Buch erhebt eben nicht den Anspruch, auf jede Frage eine Patentantwort bereitzuhalten.
Richtig spannend wird es, wenn es um das Problem der nicht vorhandenen Willensfreiheit geht: Wie, ich habe keinen Grund, auf mich stolz zu sein, weder auf meine Schönheit noch auf mein Talent, ja nicht einmal auf meine schwer erkämpften Leistungen und Erfolge?
Und ich hätte nicht die Wahl, nach der Disco betrunken Auto zu fahren oder nicht?
Und wie ist das mit meiner Schuld, wenn ich dann einen anderen Menschen schädige?
Hier werden herkömmliche und weit verbreitete Denkmuster gehörig über den Haufen geworfen ' zu unser aller Nutzen, wie sich schließlich zeigt, denn 'Man wird entspannter, wenn man sein eigenes Selbst nicht mehr ganz so tödlich ernst nimmt.' (S. 157) und
'Ich bin überzeugt, dass wir viel fairer und freundlicher miteinander umgehen würden, wenn wir unsere Neigung zu stolzer Selbstüberschätzung überwinden könnten.' (S. 160)
Ja, mehr Bescheidenheit und mehr Gelassenheit täte einem gedeihlichen Zusammenleben unserer Artgenossen auf diesem kleinen Planeten sicherlich gut.
Das Buch könnte auch den Untertitel tragen Einführung in die Kunst des Lebens. Die Autoren bleiben nicht bei Kants Rat stehen, mutig den eigenen Verstand zu gebrauchen, sondern setzen sich leidenschaftlich für das Recht des Menschen auf Unvernunft ein. Das ist nur konsequent, geht man von einem realistischen, evolutionären Menschenbild aus: Wir sind halt nicht nur kopf- sondern zu einem Gutteil eben auch 'bauch'gesteuert.
''ich habe das verdammte Recht, unvernünftig zu sein! Und niemand sollte mir dieses Recht streitig machen ' zumindest nicht, solange kein anderer Mensch durch meine Unvernunft gefährdet oder über Gebühr ' in Mitleidenschaft gezogen wird.' (S. 187)
Das betrifft sowohl unter Umständen gesundheitsschädliche 'Laster' wie Rauchen, Alkohol- oder Drogenkonsum aber eben auch Liebe, Leidenschaft und Intuition, die überhaupt erst so etwas wie Kreativität hervorbringen. Für sich selbst das rechte Maß zu finden und möglichst zur rechten Zeit die kontrollierende Vernunft einzuschalten ' genau darin besteht die Kunst.
Und sie gehen noch einen Schritt weiter, indem sie eine Lanze brechen für die freie Entscheidung des Individuums für ein gutes Leben bis hin zu einem guten, ja auch selbstbestimmten Sterben.
Nach der Betrachtung individueller Weltanschauung geht es im letzten Teil des Buches um Fragen des Zusammenlebens der Menschen, also soziale und ethische Probleme.
Da 'die Götter immer nur so klug und vernünftig (waren) wie die Menschen, als deren Phantasiegebilde sie erschaffen wurden' (S. 213), können auch die beliebten Zehn Gebote der Bibel für uns heute keinen gültigen Moralkodex mehr darstellen. Überhaupt sei es an der Zeit, das überaus verbreitete konventionelle Denken in ethischen Fragen zu überwinden, um zu einer konsequenten Anwendung des 'Prinzips der gleichen Berücksichtigung gleichrangiger Interessen' (S. 217) zu gelangen, einschließlich einer Ethik, die über die Interessen unserer Spezies hinausgeht. Die Beantwortung aktueller Fragen der Bioethik wird durch die Überwindung konventioneller Moralvorstellungen überhaupt erst möglich. Aber leider 'wird die Politik des 21. Jahrhunderts noch immer von Traditionalisten bestimmt, die ausgerechnet von einer 3500 Jahre alten Berggottheit aus dem Ostjordanland Antworten auf die drängenden Fragen unserer Zeit erwarten'' (S. 232f)
Das gilt in diesem Zusammenhang auch für das althergebrachte Schema von Gut und Böse, das auf der Gruppendynamik nach innen und Gruppenaggressivität nach außen gründet und das in der Geschichte der Menschheit unermesslichen Schaden verursachte aber dessen ungeachtet noch immer eifrig kultiviert wird: 'Ich meine aber, dass für eine ethische Betrachtung der Welt durch einen Abschied vom Moralismus viel gewonnen wäre: Denn erst wenn wir auf solch nebulöse moralische Begriffe wie 'gut' und 'böse' verzichten, wird unser Blick wirklich frei für das, worum es in der Ethik gehen sollte, nämlich um gerechte, für alle Betroffenen faire Lösungen von Interessenkonflikten. Moralische Empörung verhindert leider allzu häufig, dass wir die ethisch angemessenen Entscheidungen treffen.' (S. 246)
Im Disput um die allgegenwärtige Forderung nach Toleranz schaffen die Autoren begriffliche Klarheit über die Kategorien Toleranz, Akzeptanz und Respekt und zeigen deren jeweilig angemessene Grenzen auf ' unentbehrliche Grundlage für eine ebenso gesittete wie konsequente Auseinandersetzung. Dabei 'sollte absolut klar sein, dass Menschenrechtsverletzungen prinzipiell nicht zu tolerieren sind und dass es dabei gleichgültig ist, ob solche Verstöße gegen die Menschlichkeit religiös begründet werden oder nicht!' (S. 265f)
In mancher der unterdessen erschienenen Rezensionen liest man, Michael Schmidt-Salomon sei im Ganzen zu schroff, zu provokativ, seine Religionskritik zu radikal, von 'steilen Thesen' ist gar die Rede. Aber verlangen nicht die enormen, keineswegs so neuen Herausforderungen, vor denen die Menschheit steht, geradezu ein radikal (heißt: an die Wurzel gehendes) neues Denken und Handeln, das sich konsequent an den Realitäten sowohl der uns umgebenden als auch unserer eigenen Natur orientiert ' und eben nicht mehr am übersteigerten Selbstbewusstsein unserer Spezies oder an irgendwelchen wahnhaften Wunschvorstellungen?
Schmidt-Salomons geschliffene Argumentation, die Bonmots, die anschaulichen, die launigen Beispiele ' so muss Philosophie daherkommen, damit sie für viele lesbar, ja spannend wird und in der Lage ist, Menschen zum Nachdenken anzuregen, die bisher über solche Dinge nicht nachgedacht haben. Das Buch ist damit eine absolute Empfehlung als Geschenk für junge Leute, zum Beispiel zur Jugendweihe ' aber natürlich auch zur Konfirmation, warum denn nicht?!
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6 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sokratisches Philosophieren - knapp, klar und humorvoll!, 23. August 2012
Von 
Gerfried Pongratz (Osterwitz, Österreich) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Leibniz war kein Butterkeks: Den großen und kleinen Fragen der Philosophie auf der Spur (Gebundene Ausgabe)
Populärphilosophische Bücher haben Konjunktur; einige gelangen sogar auf Bestsellerlisten (z.B. "Sofies Welt" von Jostein Gaarder), wenige sind aber so beschaffen, dass das Lesen nicht nur profundes Wissen vermittelt, sondern auch Vergnügen bereitet. Michael Schmidt-Salomon und seiner Tochter Lea ist mit dem vorliegenden Buch beides geglückt, indem sie die schon vor 2.500 Jahren von den Griechen entwickelte Methode zur Vermittlung philosophischer Einsichten verwenden: Den Dialog!

Die großen und kleinen Fragen des Lebens, der Philosophie und unserer Existenz werden auf höchst unterhaltsame Weise im Frage- und Antwortspiel zwischen Vater (44) und Tochter (20) erörtert; erläuternde Einschübe vermitteln philosophiegeschichtliches Grundwissen wie auch vertiefte Kenntnisse und Einsichten zum jeweils besprochenen Thema.

Dem Vorwort nach ist das Buch für Menschen gedacht, "die sich scheuen, lange philosophische Abhandlungen zu lesen". "Es soll aber auch philosophisch Versierten gefallen, die Spaß daran haben, abstrakte Konzepte auf knappe, prägnante Formulierungen herunterzubrechen" - ein Vorhaben, das als gelungen bezeichnet werden kann. Die erfrischend unkonventionell und klug formulierten Fragen werden sehr direkt und teilweise auch provokativ kritisch beantwortet; mit viel Humor, manchmal auch mit einer guten Portion Ironie.

Das Buch ist in 3 Abschnitte mit jeweils mehreren Unterkapiteln unterteilt:
1. Über das Leben, das Universum und den ganzen Rest
2. Die Kunst des Lebens
3. Der Traum von einer besseren Welt

Als herausragende Themen diverser Unterkapitel seien hier kurz genannt:
Vom Sinn und Unsinn des Lebens, Glücksstrategien (Hedonismus - Achtsamkeit, Selbstverwirklichung, Leben im Dienst einer höheren Sache), Ich-Bewusstsein, soziale Intelligenz, Gut und Böse, Willensfreiheit (Freiheit von Zwängen bedeutet nicht Freiheit von Ursachen), Ethik versus Moral, Wissenschaft versus Weisheit, Gerechtigkeit versus Selbstgerechtigkeit, Gedanken über den Freitod, zu Toleranz versus Akzeptanz, zu "dürfen wir töten" und "warum sind Menschen oft grausam". Größere Abschnitte sind auch der "Stufentheorie der Entwicklung moralischen Verhaltens" und dem "Prinzip der gleichen Berücksichtigung gleichrangiger Interessen" gewidmet. Neben all diesen - und noch vielen anderen -Themen werden auch Fragen nach dem Sein und Nichts, der Außen- und Innenwahrnehmung, dem "Ding an sich" sowie möglicher Wahrheitsfindung durch Logik und Empirie aufgeworfen und eingehend beantwortet.

Wie diverse negativen Rezensionen zeigen, können nicht alle Leser den Ausführungen des Buches zustimmen; besonders die religionskritischen Anmerkungen werden z.T. sehr aggressiv (als "neu-atheistische Jugendpropaganda") abgelehnt und auch Aussagen z.B. zur Sexualmoral und zum Drogenkonsum sowie die Empfehlung, die Welt (ethisch) ohne Moralismus zu betrachten, erregt offensichtlich manche Gemüter. Diesen wäre zu empfehlen, bei allem - unterstellt "ehrlichem" - Bemühen, Schwachstellen des Buches, bzw. der Argumentationen, aufzuzeigen, auch die Motivation ihrer Kritik und Ablehnung zu hinterfragen.

Das letzte Kapitel des Buches beinhaltet den gut begründeten Appell, sich der großen Emanzipationsbewegung der Menschheit anzuschließen, aus dieser Welt einen besseren, humaneren, lebenswerteren Ort zu machen!
Ein Aufruf, dem aus Sicht des Rezensenten der Wunsch hinzuzufügen ist, dass auch dieses Buch in Bestsellerlisten aufscheinen möge.
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16 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen lebensnahe Einführung in Philosophie und Aufklärung, 24. März 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Leibniz war kein Butterkeks: Den großen und kleinen Fragen der Philosophie auf der Spur (Gebundene Ausgabe)
Es ist immer sehr erfreulich wenn jemand Anderes Gedanken und Empfindungen, die ich schon immer hatte in Worte fassen kann. In diesem Fall in leicht verständliche Worte. Dass darüberhinaus der Dialogstil und die fiktiven Personen dem ganzen eine lustige Würze geben ist umso angenehmer.

Anders als Richard David Precht (Wer bin ich und wenn ja wie viele) traut man sich hier aber auch an die heißen Eisen heran.

Allzusehr Tiefgang ist - wie bei Precht - in den Themen nicht vorgesehen und nicht beabsichtigt. Dafür gibt es am Ende jedes Dialoges eine Zusammenfassung auch der Historie mit der Möglichkeit über Namen und Begrifflichkeiten weiter zu recherchieren. Alles lässt sich en Detail eben nicht zwischen nur 2 Buchdeckeln pressen.

Fazit: Empfehlenswertes, aktuelles Einsteigerbuch und gut zu lesen
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10 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Manchmal fast zu einfach, 4. Juni 2011
Rezension bezieht sich auf: Leibniz war kein Butterkeks: Den großen und kleinen Fragen der Philosophie auf der Spur (Gebundene Ausgabe)
Wirklich ein super Buch, seine Ansätze zeigen sehr gut, wie Moral und Ethik in dieser Welt funktioniert. Manchmal fand ich die Gespräche schon fast zu konstruiert und die Art wie er schreibt zu einfach. Aber allen kann man es wohl eh nicht recht machen.

Eine absolute Leseempfehlung von mir.
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