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Kundenrezensionen

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am 9. September 2009
Spannender kann man das Leben des berühmten Malers Caravaggio nicht beschreiben. Von den ersten Sätzen an zieht Tilman Röhrig den Leser mitten hinein in seinen Roman, der überraschenderweise nicht im 16.Jahrhundert beginnt, sondern im Jahr 1969! Ein Gemälde von Caravaggio wird in Palermo geraubt. Wer waren die Diebe, in wessen Auftrag handelten sie? Kann das Bild wiedergefunden werden? Nicht weniger aufregend ist der Blick zurück auf das Leben von Caravaggio, der sich in der Kunstwelt erst nach fürchterlichen Demütigungen und Intrigen einen unbestreitbaren Namen erkämpfen kann. Hinter der Genialität des Malers entdeckt man einen verletzlichen und zugleich impulsiven Menschen, dessen - für ihn letztendlich selbstzerstörerischen - Reaktionen man dennoch verstehen kann. Man kommt dem Künstler und Menschen Caravaggio nahe, fast so nahe wie Paola, die ihn trotz schmerzlicher Trennungen und Enttäuschungen wahrhaftig grenzenlos liebt. Doch kann sie ihn vor den Neidern schützen? Sein Leben retten, nachdem er im Streit einen Menschen getötet hat? Zu viel will ich nicht verraten - mich hat dieser in einer wunderschönen klaren Sprache geschriebene Roman von Tilman Röhrig jedenfalls mehr als ein Krimi gefesselt und zutiefst berührt.
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am 23. November 2009
ist Michelangelo Merisi aus Caravaggio, genannt Michele oder in Künstlerkreisen Caravaggio. Sein Leben wird geschildert: Wie er aufwuchs und Paola kennenlernte, mit der ihn eine Jugendliebe verbindet, wie er in Lehre bei einem Künstler geht. Seine Frustration darüber, sich seine Meriten mit einfachen Porträtmalereien verdienen zu müssen, ohne sich künstlerisch entfalten zu dürfen. Seine Liebe zu Mario, seinem Lieblingsmodell, und weiteren hübschen Knaben. Und schließlich: Sein künstlerischer Durchbruch und sein jäher , früher Tod.

Leider wirkt vor allem die Person des Caravaggio überzeichnet. Keine Gelegenheit wird ausgelassen, sein heißes Temperament durchscheinen zu lassen, welches ihm schließlich den Tod bringen wird. Stellenweise wirken auch seine reiche Tante, Mario und Paola flach und auf wenige Charakterzüge beschränkt. Zudem sind die ersten 150 Seiten (zumindest für mich) nicht wirklich packend gewesen. Die Geschichte nimmt erst ab dort Fahrt auf.

Dieser historische Roman überzeugt jedoch trotzdem durch verschiedene Qualitäten: Sein Stil ist gekonnt an die Zeit um 1600 angepasst, jedoch gut lesbar- Zudem erscheint kein Wort zu viel zu sein und keines zu wenig. Röhrig schafft es, eine fesselnde Grundstimmung aufzubauen, die es dem Leser ermöglicht in die Zeit tief einzutauchen und sich in die Personen gut einzufühlen. Die Thematik des Buches, Kunst und, im weitesten Sinne, kirchliche Verstrickungen, ist interessant erarbeitet und erschließt sich dem Leser gut ohne ihn zu langweilen oder mit zu viel Fachwissen zu überfordern.

Weitere Pluspunkte: Die Rahmenhandlung, die den Plot in der "Neuzeit" verankert, ist interessant gewählt und bietet dem Autoren die Möglichkeit, die historische Handlung zu konkretisieren. Des weiteren ist die Ausstattung des Romans edel, das Cover und auch der Druck auf der Innenseite des Buchdeckels (Caravaggios "Nativitá") ergänzen die Lektüre wunderbar. Ein goldenes Lesebändchen macht "Caravaggios Geheimnis" zu einer stilvollen Lektüre.
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am 29. April 2016
Das Buch wurde schnell und, wie beschrieben, in einwandfreiem Zustand geliefert. Gelesen habe ich es noch nicht. Es steht bei meinen Vorratsbüchern, und ich freue mich schon darauf, beim Lesen wieder in eine andere Welt zu kommen. Mich haben bislang alle Bücher von Tilman Röhrig ab der ersten Seite in den Bann gezogen.
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am 22. September 2009
Dieser historische Roman von Tilman Röhrig ist nicht sein erstes Werk. Er handelt von Michelangelo Merisi, einem italienischen Maler, der in der Zeit von 1571 - 1610 gelebt hat.

Aufgewachsen ohne Vater, von harter Hand seines Großvaters geführt, entdeckt er sein Talent als Maler. Michele hat sich viel vorgenommen... er will berühmt werden und es aller Welt zeigen. Doch sein unbändiger Jähzorn steht ihm dabei häufig im Weg und bringt ihn immer wieder in schmerzhafte Situationen. Oft weiß er nicht, wie er sich entscheiden soll, auch in der Liebe. Paola, seine große Liebe seit der frühen Kindheit, oder Mario, sein Modell, sein "Prinz". Mehr oder weniger gemeinsam gehen die 3 einen oft steinigen, mühsamen Weg, bis ihm endlich Ruhm und Ehre zu Teil werden. Doch auch dieses Glück hält nicht lange an... zuviel Wein, zuviel Haß, zuviel Neid und ein Mord läßt vieles zerbrechen.

Das Leben, Lieben und Werken des Michelangelo hat mich sehr fasziniert. Die Darstellung von Farben und Formen, das Zusammenspiel von Licht und Schatten in seinem Leben und in seinen Bildern wird so lebendig beschrieben, dass es ein Leichtes ist, in diese Welt einzutauchenn und zu versinken im Treiben der großen Plätze und kleinen Gassen von Rom und anderen Schauplätzen, die mal farbenfroh, oft aber auch dunkel und beängstigend wirken... zu einer Zeit, in der Ketzer verbrannt wurden und es neben dem Glauben der Kirche nichts anderes zu akzeptieren gab.
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am 7. Oktober 2009
Seit langem habe ich mal wieder einen historischen Roman gelesen, musste aber feststellen, dass dies anscheinend nicht (mehr) mein Genre ist. Und dabei hatte ich an Caravaggios Geheimnis weniger auszusetzen als an vielen anderen, konnte ihm aber leider auch nicht viel abgewinnen.
Anfangs musste ich etwas mit Röhrigs Stil kämpfen, als ich mich einmal daran gewöhnt hatte ließ sich das Buch aber flott lesen. Leider konnten mich weder die Handlung noch die Protagonisten fesseln, alles blieb mir zu oberflächlich und mittelmäßig. Schon der Einstieg über den Raub der Natività 1969 war etwas holprig und die Rahmenhandlung meiner Meinung nach überflüssig. Der darin vorkommende Hinweis auf Caravaggios 400. Todestag im nächsten Jahr lieferte mir immerhin die ungeschönte Erklärung für das Erscheinen des Romans.

Die Quellen, die es heute zu Caravaggios Leben gibt, sind umfangreich und man merkt, dass Röhrig gut recherchiert hat. Wenn es darum geht zu zeigen welche Modelle Caravaggio bevorzugte oder welchen Regeln das Mäzenatentum folgte bleiben kaum Fragen offen. Interessant wird es besonders dann, wenn der Autor dem Maler oder seinem Mäzen die Deutung eines seiner Gemälde in den Mund legt. Doch schon die Einblicke in den Maleralltag sind weniger detailliert, und wenn es um die allgemeine Atmospäre im zeitgenössischen Rom geht verliert Röhrig sich in Klischees und Oberflächlichkeit. Die Zeitgeschichte selbst findet nur am Rande Erwähnung, am meisten noch im Prozess um Giordano Bruno. Sobald jedoch Sex ins Spiel kommt werden Röhrigs Beschreibungen wieder konkreter - doch ständige explizite Szenen lassen weder die Atmosphäre dichter noch die Figuren tiefer werden.
Die Protagonisten bleiben größtenteils flach, die wenigsten machen eine Entwicklung durch - allen voran Caravaggio selbst. Zwar bringt er es als Maler zu beachtlichen Erfolgen, doch menschlich tritt er leider arg auf der Stelle. Schon als Kind zeigt er die Charakterzüge, die es ihm als Erwachsenen schwer machen werden. Mich würde wirklich interessieren, was Röhrig zu der Entscheidung veranlasst hat, seine Hauptfigur so unsympathisch darzustellen: er ist egoistisch, agressiv und jähzornig, er säuft, prügelt und verleumdet. Er will alles aus eigenem Antrieb schaffen, ist beim Scheitern aber umso mehr auf die Hilfe anderer angewiesen, die er jedoch immer wieder durch sein Handeln verletzt. Zwar gibt es auch Momente, in denen sein Gerechtigkeitssinn oder seine Liebe zu Paola oder Mario durchkommen, aber diese Augenblicke haben immer auch einen Beigeschmack der Schwäche. Doch wahrscheinlich trifft die Aussage zu, die an einer Stelle fällt: dass Caravaggio nicht der Maler gewesen wäre, der er war, wäre er ein anderer Mensch gewesen.
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In Caravaggios Geheimnis wird das kurze aber pralle Leben des italienischen Malers Michelangelo Merisi, besser bekannt als Caravaggio, im 17. Jahrhundert beschrieben. Im Alter von 6 Jahren beginnt die Geschichte gleich mit einem recht prägnanten Beispiel seines viel gerühmten Jährzorns, der ihn Steine auf seine kleine Nachbarsfreundin Paola werfen lässt und ihr damit die Oberlippe spaltet und ihr Gesicht fürs Leben "zeichnet".

In szenenhaften Absätzen und Fragmenten beschreibt das Buch seinen Werdegang vom kleinen Bauernsohn in der italienischen Provinz bis zum Maler beeindruckender Kirchengemälde in Rom. Dabei begleiten ihn nicht nur die treue Paola und deren kunstinteressierte Herrin, sondern auch jede Menge jugendlicher Liebhaber, allen voran der Geliebte Mario.

Röhrig beschreibt Caravaggios Leidenschaften, die ihm im wahrsten Sinne des Wortes jede Menge Leiden schafften. Seine wild ausgelebte Sexualität zu beiden Geschlechtern und vor allem seine immer wieder schwer beherrschbaren Wutausbrüche brachten ihn mehr als einmal in Teufels Küche. Einmal brachte er deshalb sogar jemanden um und landete auch im Gefängnis. Nur guten Freunden verdankte er immer wieder sein gesellschaftliches Auferstehen. Dazu kam natürlich noch die neidische Konkurrenz im Maler-Milieu, die seine unkonventionellen Werke schlecht machen wollte, seine Vorliebe für Modelle aus der Gosse wie Huren und einfache Arbeiter verlachte und ihm Schläger und Mörder auf den Hals hetzte.

Um die tatsächlich belegten Fakten spinnt Röhrig seine teils brachiale und weinselige Geschichte mit gewohnt kräftiger Sprache. Gestört hat mich allerdings, dass teilweise in sehr rasantem Tempo und deshalb oft etwas oberflächlich durch dieses bewegte Malerleben gehetzt wird. Die Szenen reihen sich Stakkato-artig aneinander, wie kurze Lichtblitze die nur die Höhepunkte beleuchten.

Dadurch konnte ich nicht wirklich in die Geschichte finden und habe zwar viel über den berühmten Maler Caravaggio erfahren, er ist mir aber in keinster Weise ans Herz gewachsen - wie auch keiner der anderen Protagonisten.
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VINE-PRODUKTTESTERam 8. November 2009
Gerne wird in Rezensionen historischer Romane von prallen Sittengemälden" gesprochen. Es trifft sich also gut, dass Tilmann Röhrig nun einen historischen Roman über den Maler Michelangelo Merisi da Caravaggio, besser bekannt unter seinem Künstlernamen Carvaggio, also den Urheber solcher prallen Gemälde" im eigentlichen Sinne, geschaffen hat.
In Caravaggios Geheimnis" erzählt Röhrig vom mühsamen Aufstieg des jungen Michele bis hin zum gefeierten Genie, dessen Gemälde bis heute nicht vergessen sind. Zunächst muss sich der junge Mann als Porträtmaler und Gestalter von Obst für die Werke angesehener Kollegen verdingen, bis er es schafft, sich langsam in der Künstlerszene Roms zu etablieren. Doch dann begeht er einen folgenschweren Fehler und muss Richtung Sizilien fliehen, da er es sich durch seine aggressive Art endgültig mit der Herrscherclique in Rom verscherzt hat ...

Röhrig schafft es tatsächlich, das eingangs erwähnte pralle Gemälde über die Epoche des Frühbarock in Italien zu zeichnen. Man meint förmlich die damalige Stadtluft Roms zu atmen und fühlt sich um 400 Jahre zurückversetzt, da Röhrig plastische Schilderungen beschreibt, wie es nur wenige Romanautoren können. Er geht mit Akribie zu Werke und erschafft so ein detailliertes Bild des damaligen Lebens.
Bei all dieser Genauigkeit, mit der Röhrig dem Malergenie nachspürt, hat mir nur eines am Buch nicht so richtig gefallen, und das ist die Hauptperson Michele Merisi selbst. Ich verstehe ja, dass der Autor ein detailgetreues Bild des Malers schaffen wollte (was ihm auch gelungen ist!), aber zu meiner Sympathie für Caravaggio hat das nicht beigetragen. Mir erschien er als Trunkenbold, der nach einigen Bechern Rotwein nur noch vom Hass und seiner Aggression getrieben wurde, als Mann, der sich zwischen den Geschlechtern nicht entscheiden konnte, und als selbstherrlicher Egoist. Daher konnte ich mich während des Lesens nicht so richtig mit dem Maler identifizieren, da er mir selbst nicht sympathisch war.

Insgesamt aber ein toller Schmöker für lange Winterstunden über einen weltbekannten Maler und dessen weniger bekanntes aufregendes Leben!
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Im nächsten Jahr gedenkt die Kunstwelt des 400. Todesjahres von Michelangelo Merisi da Caravaggio (1571-1610). Und so ist sicher kein Zufall, dass Tilman Röhrig - ein Meister darin, für seine Bücher immer wieder ein spannendes Sujet zur rechten Zeit zu finden - einen farbenprächtigen und fantasiereichen Roman über den in der Kunstgeschichte kontrovers diskutierten Maler des Frühbarock geschrieben hat. Er erzählt darin die Geschichte vom anfangs verkannten Genie, das in mühevoller und gefährlicher Weise seinen Aufstieg betrieb, um dann die Abgründe des Ruhms kennen zu lernen.

Röhrig schafft sofort Nähe zu seinem Protagonisten, indem er mit dem spektakulären Raub des Caravaggio-Gemäldes "Natività" am 17. Oktober 1969 aus einer Kirche in Palermo beginnt und von da aus den Weg zurück zu Leben und Werk des Meisters findet. "Weit war der Weg und steil", den der Künstler gehen musste. Eigenwillig, zornig, von sich selbst überzeugt und teilweise gewaltsam versucht Caravaggio zum Erfolg zu kommen. Gewalt, die ihm auch angetan wird. Denn sehr schnell merkt die Kunstwelt, welches Potential in dem jungen Künstler steckt. Aber auch welche Gefahr. Ist doch sein Stil revolutionär und für ihr eigenes Schaffen gefährlich. Wagt sich Caravaggio doch, die vermeintlichen Grenzen der Malerei zu überschreiten und neue künstlerische Horizonte zu eröffnen. "Ich zeichne auf meinen Bildern einfache Leute. Die haben mehr Leben im Gesicht.", heißt es an einer Stelle im Roman.

Konflikte also mit den Kollegen, Konflikte auch mit der mächtigen Kirche, die sich in dieser Zeit sowohl als Förderer als auch als Verhinderer erweist. Und dies nicht immer mit den vornehmsten Mitteln. Dennoch gelingt es Caravaggio, Mäzene zu finden, die seine provozierenden Gemälde aus Licht und Schatten und mit fragwürdigen Modellen kaufen und empfehlen. In dieser ohnehin komplexen Situation steht sich der Künstler selbst im Wege. Licht und Schatten auch bei ihm. Sein anstößiger Lebenswandel, seine brutalen Schlägereien, seine sexuellen Eskapaden, seine Sauferei, aber auch seine große, lebenslange Liebe zu Paola - Caravaggio ist ein Mensch mit allen seinen Widersprüchen. Denn es gibt auch den sensiblen Liebhaber, den gütigen und den verletzlichen Menschen. Ein Geheimnis umgibt den Maler. Hat der Autor es entschlüsselt?

Es ist die Kunst von Tilman Röhrig, nicht nur den aufregenden Lebensweg des Künstlers, der nach seinem Aufstieg einen fatalen Abstieg erleben und letztlich bis zum Tode erleiden muss, spannend "auszumalen"; er zeigt uns auch den Künstler, der geliebt und gehasst, der krank an Seele und Leib in schon fast obsessiver Weise ein immenses Werk schafft. Er skizziert aber auch in wunderbaren Szenen ein grandioses Zeit- und Sittennbild des 16./17. Jahrhunderts.

Am Ende seine brillanten Romans führt uns der Autor wieder in unsere Wirklichkeit zurück. Das gestohlene Gemälde ist bis heute nicht gefunden. Der Künstler aber ist uns - dank Tilman Röhrig - sehr gegenwärtig geworden.
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am 22. Februar 2010
Ich schließe mich gern der Rezension von Margot Klein an - ein wundervolles Buch, das Caravaggio in neuem Licht darstellt und neugierig auf die Werke dieses lebenshungrigen Malers macht. Wenn ich jetzt im Museum vor einem Caravaggio stehe, denke ich ganz sicher an sein dramatisches Leben! Sehr zu empfehlen!
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Caravaggio ist ein kleiner Ort in der Lombardei und durch den Maler gleichen Namens weltberühmt geworden. Wie damals üblich (Leonardo kommt selbstredend aus da Vinci) gibt die Herkunft die Blaupause für den Mythos. Michelangelo Merisi ist der bürgerliche Name dieses umtriebigen, impulsiven und leidenschaftlichen Malers, dem Tilman Röhrig einen preisgekrönten Beststeller modelliert. Ein Roman, der so pulsierend und kraftvoll ist, wie der Maler und dessen Werke selbst: laut, jähzornig, vulgär und unglaublich authentisch. Fast fünfhundert opulente Seiten, die einen in die italienischen Staaten des ausgehenden 16. Jahrhunderts mitnehmen, in denen Technik und Gesellschaftsformen in mancherlei Hinsicht noch ganz unterentwickelt und zart knospend waren, in denen aber Liebeslust, Lebensdramen und soziales Miteinander nicht weniger oder mehr aufwühlend und erregend gewesen sind wie heute.
Aus solcherlei Gründen faszinieren historische Romane: einerseits greifen sie, wie jede gute Literatur, die pointierten Affektionen, Wünsche, Depressionen, Stimmungen und Möglichkeiten der Leser auf und geben Raum für Kongruenz und charakterliche Selbstbestimmung. Andererseits aber transportieren sie die Gerüche und Geschmäcker einer vierhundert Jahre alten Zeit und zeichnen die Impressionen der Zeit auf. Imaginative Traumreisen und historische Faktizitäten segeln auf dem Meer der höchsten Kunst, die Röhrig nach vielen Jahren als Schauspieler und Schriftsteller mittlerweile perfektioniert hat.
Nach Schauspielausbildung und Bühnenpräsenz begann Röhrig in den 1970er Jahren mit Kinder- und Jugendbüchern, die schon damals auf prosaischer Grundlage erklären und helfen wollten - historische Fachbücher oder Unterrichtsmaterialein stammten aus seiner Feder. Je reifer, desto vollmundiger verschenkt er nun den prallen Zauber als umfassender Schriftsteller, der mit diesem Roman das große Publikum erreicht hat. Die Story ist fesselnd, der historische Bezug naheliegend und Röhrigs Schreibe schnell, klar, logisch und ohne ausschweifende Pausen oder schlimme Satzkonstruktionen.
Der Roman beginnt in Micheles Jugend in Caravaggio und berichtet von dem schicksalshaften Gefühlsausbruch nach dem Tode der großväterlichen und väterlichen Vorbilder. Seine Jugendfreundin Paola bewirft er mit einem Stein und fügt ihr eine lebenslang, nicht zu verheilende Narbe zu. Doch trotz Narbe bleibt Paola seine Freundin und mehr ' denn diese leidenschaftliche Liebe mit all ihren Irrungen und Wirrungen ist Teil des Handlungsstranges, die den Maler von seiner Heimat über Mailand nach Rom begleitet. Beschrieben wird natürlich in erster Linie der künstlerische Werdegang in Akademien - bei strengen und verdorbenen Lehrmeistern oder bei profitgierigen Ausbeutern -, kombiniert mit persönlichen Schicksalsschlägen und vor allem dem ruhelosen Charakter dieses Malers, der alle Nase lang die Fäuste vors Gesicht nimmt und sie drohend dem Gegenüber ballt.
Überhaupt ist diese Aggressionsgebärde ein zentrales Merkmal dieses Werkes. Wann immer Menschen (Caravaggio ganz besonders, aber auch nahezu alle andere Charaktere, seien sie sonst auch noch so ruhig) jemandem anderen sagen wollen, das sie mit dessen Gehabe nicht einverstanden sind, so drohen sie mit den Fäusten und mitunter schwingen sie sie auch. Gerade diese kleine Geste mit großer Wirkung ist ein wunderbarer Schachzug Röhrigs, der, im Gegensatz zu vielen anderen historischen Romanen, hier wirklich Welten und Verhaltensweisen zeigt, die in einer anderen Zeit stattfanden und die heute so nicht mehr möglich sind.
Viele andere haben dieses Werk bereits ausgiebig belobigt und an dieser Stelle mag man sich bedingungslos anschließen. Ein packender, heißer, aufwühlender Roman, der nicht nur Lust macht, Röhrigs Oeuvre kennen zu lernen, sondern auch sich tief in die schattierte und unheimlich realistische Welt der Gemälde Caravaggios einzulassen.
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