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Kundenrezensionen

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am 3. Januar 2014
Ich bin kein Literaturwissenschaftler, kein Historiker, kein Linguist. Ich bin weder Deutschlehrer noch -schüler, der mit diesem Werk traktiert oder traktiert wurde. Ich habe dieses Buch aus freien Stücken mir zur Lektüre gewählt. Warum?

Ich möchte erstens Unterhaltung, aber ich bin zweitens auch interessiert an, beziehungweise nicht abgeneigt gegenüber den obengenannten Disziplinen - man kann sagen, ich möchte auch "etwas lernen". Ich bin nämlich nicht interessiert an schlecht recherchierten zeitgenössischen historischen Romanen, die einem ein klischeeüberladenes Bild der Vergangenheit auftischen. Haben sich diese zwei Erwartungen, die sicherlich in einem Spannungsverhältnis stehen, erfüllt?

Unterhaltsam ist Grimmelshausens Geschichte auf jeden Fall. Spannend ist die Story vom aus einfachen Verhältnissen stammenden Simplicius, der allein im ersten Teil (von sechs) von Soldaten vom Bauernhof vertrieben, von einem Einsiedler erzogen und von Soldaten zum Narren gemacht wird. Simplicius springt auf der Karriereleiter seiner wirren Zeit hin und her - ist manchmal niedriger Soldat oder Bettler, manchmal Befehlshaber oder Aristokrat. Er wechselt die Seiten, verstellt sich, wird gefangen genommen, erfährt plötzliches Glück und Leid. Diese vielen Geschehnisse und teilweise dicht aufeinander folgenden Ereignisse machen das Buch spannend. Witzig ist es ebenfalls, da Grimmelshausen mit Spott und Augenzwinkern die Charaktere und Situationen zeichnet, viele grotesk und surreal anmutende Einfälle hat (Zum Beispiel lässt er Simplicius einen Hexensabbat mit ansehen, oder mit einem Blatt Klopapier sprechen, welches ihm seine lange Geschichte erzählt). Nachdenklich machen die Schlacht- und Folterschilderungen, sowie die Überlegungen über die Bösartigkeit der Menschen. Alles verflechtet sich und so ist man als Leser sehr wechselnden Gefühlen ausgesetzt.

"Was zu lernen" gibt es auch. Einmal über den 30jährigen Krieg - wobei dabei die guten Kommentare von Alfred Kelletat noch mehr helfen. Desweiteren über die Deutsche Sprache an sich, denn das Barock-Deutsch von Grimmelshausen vermengt einerseits französische, lateinische und deutsche Begriffe und benutzt andererseits viele alte und ungewöhnliche Formulierungen oder Begriffe aus der Soldatensprache oder aus Handwerken, die man zwar noch heute benutzt, aber deren Herkunft man nicht kannte. Beim Lesen der teilweise widerständigen Sätze gibt es daher etliche Aha-Momente, wenn man sich der Herkunft einzelner Worte/Wendungen bewusst wird - auch hier sind die Kommentare unverzichtbare Hilfe. Letzlich erhält man einen authentischen Einblick in die Sichtweisen und das Denken einer im Barock lebenden Person auf seine Zeit. Man erkennt doch mehr Ähnlichkeiten zu sich und seiner eigenen Zeit - allgemein menschliches - als man erwartet.

Das Buch ist daher keine leichte Kost - das kann es bei seinem Alter auch nicht sein. Es kostete Phasenweise viel Mühe. Ich habe, um ehrlich zu sein, dieses Buch über viele Monate bei Seite gelegt. Weil es gewisse Längen und schwierig/befremdlich formulierte Passagen besitzt, habe ich es auch beim ersten Lesen manchmal nicht verstanden. Das Buch muss mit Konzentration und Muße gelesen werden - Allein wegen seiner Sprache kann es nicht verschlungen werden (wobei man sich schon nach gewisser Zeit ein Stück weit eingelesen hat). Das Lesen zog sich bei mir, mit den Pausen die ich einlegte, über fast zwei Jahre - wobei man es mit kontinuierlichem Lesen in ein paar Wochen hätte schaffen können - die Frage ist dann nur, wie aufnahmebereit man am Stück sein kann.

Ich bin mir der Widersprüchlichkeit meines Maßstabes (Unterhaltung + Bildung) bewusst, bewerte das 350 Jahre alte Werk aber trotzdem danach - von der literaturhistorischen Relevanz sehe ich dabei ab!

Zusammenfassend: Das Buch ist ein Kampf - man braucht eine gewisse Bereitschaft dazu, dann ist es spannend durch und durch, aber auch anstrengend und ermattend - Letzlich gibt es aber viel zu erbeuten.
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am 1. März 2009
Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen (1622 - 1676), Regimentsschreiber in der kaiserlich Habsburger Armee, veröffentlichte im Jahre 1669 einen Roman, der den 30jährigen Krieg (1618 - 1648) aus erster Hand schilderte: "Der abenteuerliche Simplicissimus". Viele Landstriche in Deutschland fanden die Chronisten erst um 1700 wieder leidlich bevölkert. Wie aber dokumentierte der Zeitzeuge Gimmelshausen die wütenden Schlachtengemetzel und die furchtbaren Leiden der Bevölkerung? Verlieh er seiner tiefen Betroffenheit Ausdruck oder schockierte er mit schonungslosem Realismus? Tobte er mit zornigem Ingrimm oder zählte er die Opfer mit sachlicher Nüchternheit? Das Titelbild des historischen Hörspiels, ein rechter Wolpertinger aus Satyr und Chimäre (künstlerisch authentisch, da dem Frontispiz des Erstdrucks entlehnt), liefert einen ersten Eindruck von der Intention des Autors. Ein Mischwesen aus Spott und Abenteuer wollte er schaffen, nichts weniger als - Satire. Das Personal der Geschichte verkörpert seine Ideen. Närrische Gesellen wie der verdrehte "Jupiter" oder das "Kalb von Hanau" halten ihren Zeitgenossen den Spiegel vor. Und hohe Militärs machen sich entweder zum Affen oder sie wählen den Ausstieg aus der Gesellschaft. Durchaus moderne Verhaltensweisen, so oder so. Grimmelshausens Werk bleibt zeitlos aktuell: Hohe Offiziere verkünden den "einzig wahren" Glauben und versuchen ihn dadurch zu beleben, indem sie ihre Soldaten in den Tod hetzen. Bankiers und Kriegsgewinnler betrügen ihre Klienten für ein bisschen Rendite. Die einzig Weisen sind und bleiben: die Narren. Der Autor verfasste demnach einen Schelmenroman, keinen Kriegsbericht.

Wer sich auf die blumige Sprache des Barock einlässt, hat bei Grimmelshausen viel zu lachen. Wer aber auf die Prämisse unserer nüchternen Kulturgesellschaft pocht (kurz fassen, nur das Nötigste zu Papier bringen), wird den Hessen für einen unlesbaren Schwadroneur halten. Aber sind seine schnörkelhaften Satzgebilde nicht ungleich malerischer als die trockenen Wortskizzen unserer Tage? Das mag ein jeder, Freund der hohen Literatur wie Fan von tollen Abenteuergeschichten, für sich selbst entscheiden. Jedenfalls tun dergleichen Diskussionen der Freude an dem vorliegenden Hörspiel keinen Abbruch. Das barocke Idiom wurde nicht auf Teufel komm raus modernisiert, sondern aus Rücksichtnahme auf heutige Hörgewohnheiten sanft gemildert. Die ausufernden Eskapaden des Romanciers wurden unaufdringlich in elegante Bahnen gelenkt. Schließlich stand den Produzenten vom WDR nicht alle Sendezeit der Welt zur Verfügung.

1963 wurde das Narrenstück aufgenommen. Als Regisseur fungierte Ludwig Cremer (1909 - 1982), ein Meister des deutschen Nachkriegshörspiels, der in den 60ern solche grandiosen Radio-Adaptionen wie "Anna Karenina" von Leo Tolstoi, "Dr. Schiwago" von Boris Pasternak und "Der Untertan" von Heinrich Mann inszenierte. Als Titelheld des "Simplicissimus" konnte man Hans Clarin (1929 - 2005) gewinnen. Man würde diesem Mimen schwer Unrecht tun, wollte man ihn auf die Edgar-Wallace-Filme oder die Pumuckl-Späße der folgenden Jahre reduzieren. Freilich lässt sich die Fülle seiner Kino-Hits, Fernseherfolge und Theater-Triumphe nur schwer auf einen Nenner bringen. Komik und Tragik gingen bei seinen Rollen oft Hand in Hand. Man kann sich ein recht schönes Bild von Clarins Kunst machen, lauscht man seinem "Simplicissimus": zu Beginn spitzbübisch naiv, am Schluss abgeklärt und voller Weltschmerz. Man verlässt diesen lieb gewonnenen Freund nach dem Ausklang der letzten CD nur ungern.

Aber bei allen verdienten Lobeshymnen auf Hans Clarin sollte man seine 40 Sprecherkollegen nicht außer Acht lassen: Hervorgehoben (eine ungerechte Auswahl bei so vielen Künstlern!) seien Rolf Schult (Synchronstimme von Robert Redford, Anthony Hopkins und Patrick Stewart), Peter René Körner ("Der Hase Cäsar", "Kasper und René"), Karl-Maria Schley ("Münchner Geschichten") und Bodo Primus, der auch heute noch im Metier des Hörbuches rührig ist ("Detektiv Jonas"). Nicht unerwähnt lassen möchte ich auch Brigitte Lebaan, die auf unwiderstehliche Art - darf ich sagen: erotisch trotz oder wegen aller Kratzbürstigkeit? - Simplicissimus' zweite Frau spricht.

Eine besondere Ehrenstellung nimmt die Musik ein. Schon beim ersten Klang der Sackpfeife befindet man sich mitten im tiefsten Spessart. Trommelwirbel führen einen auf die Schlachtfelder des "teutschen Krieges". Gerne folgt man der Laute in die Boudoirs von Paris. Verantwortlich für die Musik zeichnet der Komponist Hans-Martin Majewski (1911 - 1997); die Gitarre zupft Professor Siegfried Behrend (1933 - 1990). Ab und an gibt Hans Clarin ein zeitgenössisches Lied zum Besten. Wenn der Simplex mit seiner Knabenstimme vom "Schnitter Tod" singt, läuft dem Zuhörer ein wohliger Schauer über den Rücken.

Ein Jahrzehnt nach der Rundfunkaufnahme wurde der Stoff auf ähnlich kongeniale Weise in vier Teilen verfilmt: mit Matthias Habich in der Titelrolle. Der Phantasie einen weiten Spielraum überlassen zu haben, dieser erste Verdienst gebührt aber dem Hörspiel des WDR. Viele der Mitwirkenden hat der Schnitter bereits in eine bessere Welt geführt. Ihre begnadeten Stimmen, ihre intelligenten Texte, ihre authentische Musikalität haben in "Der abenteuerliche Simplicissimus" überlebt: auf ebenso eindringliche wie anrührende Weise.
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am 7. Dezember 2012
Dieser erste deutsche Roman, bei dem ich tatsächlich Tränen lachte, handelt vom Leben in den Zeiten des Dreissigjährigen Krieges (1618 bis 1648), der Deutschland in einer Weise verheerte, die noch lange nachwirkte.
Mit dem Geplänkel auf seiner Sackpfeife lockte ein Knabe, der Ich-Erzähler, einen Trupp von Soldaten an. Diese ergriffen den Jungen und schleppten ihn zu dem Gut seines Vaters, wo sie das Vieh schlachteten und die Leute quälten. Auf der Flucht vor den Reitern trifft er im Wald einen alten Einsiedler, der ihm Unterkunft und zu essen gab. Der Einsiedler beschloss den ungebildeten Jungen zum Christenmenschen zu machen und ihn noch allerhand anderer Dinge beizubringen. Da der Junge noch keinen Namen hatte, nannte ihn der Einsiedler ab sofort 'Simplicius'. Dann stirbt der Einsiedler, Simplicius will vor dem Winter ins Dorf ziehen, doch das ist von einem Trupp Marodeure schon in Schutt und Asche gelegt.
Das Buch ist natürlich auch - ganz Barock - eine Narrensatire. Bereits das Titelkupfer des 'Simplicissimus Teutsch' zeigt Satyr, ein Mischwesen zwischen Mensch und Tieren unterschiedlichster Gattungen, hält ein Buch und zeigt mit der Hand die Geste des 'Hörneraufsetzens' während er mit den Füßen einige auf dem Boden liegende Masken zertritt. Simplicius' Leben ist eine unaufhörliche Wanderschaft, sie entspricht seiner inneren Ziel- Lebenszeit Grimmelshausens (1622 bis 1676). Als Schüler wurde der Zeuge, wie seine Geburtsstadt Gelnhausen 1634 von kaiserlichen Truppen verwüstet wurde. Später kämpfte er als Soldat an verschiedenen Fronten, wurde Gutsverwalter, Gastwirt und geriet 1673 am Oberrhein erneut in einen Krieg. Aber das Buch, obwohl als Icherzählung angelegt, ist keine Autobiografie. Der satirische Zorn, die religiöse Sinnsuche, die Exkurse ins Fantastische, Lehrreiche und Komische führen weit über eine Lebensbeschreibung hinaus. Mit seinem Simplicius, der den Irren spielen muss, um diese irre Welt zu überstehen, hat Grimmelshausen eine Gestalt von bleibender Bedeutung geschaffen. Die Sprache ist voll von originellen Bildern, Grimmelshausen erzählt so anschaulich, weil er frei bleibt von jeglicher Sentimentalität. Ja, er schildert sogar Grausamkeiten so satirisch, dass einem das Lachen im Hals stecken bleibt, sobald man sich darüber bewusst wird, über was man da gerade lacht. In dieser von Alfred Kelletat besorgten und gut kommentierten Ausgabe, die den Text maßvoll modernisiert, kommt die kraftvolle Sprache Grimmelshausens am besten zum Ausdruck. Eines der besten Bücher, das ich je las.
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Wohl jeder hat schon einmal von der kuriosen literarischen Figur der Barockzeit, dem Simplicissimus gehört. Und auch sein Verfasser, der 1622 in Gelnhausen geborene und am 17. August 1676 in Renchen gestorbene bedeutendste deutsche Erzähler des 17. Jahrhunderts, Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen, ist kein Unbekannter.

In seinem Hauptwerk, dem fünfbändigen Roman "Der Abentheurliche Simplicissimus Teutsch" (im selben Jahr kam noch ein sechster Fortsetzungsband mit dem Titel "Continuatio des abentheuerlichen Simplicissimi" hinzu) beschreibt er das Leben "eines seltzamen Vaganten / genant Melchior Sternfels von Fuchshaim / wo und welcher gestalt Er nemlich in diese Welt kommen / was er darinn gesehen / gelernet / erfahren und außgestanden / auch warumb er solche wieder freywillig quittiert." Und dies "überauß lustig / und männiglich nutzlich zu lesen / An Tag geben von German Schleifheim von Sulsfort".
"Melchior Sternfels von Fuchshaim" und "German Schleifheim von Sulsfort" waren übrigens nichts anderes als Anagramme des Namens "Christoffel von Grimmelshausen", derer sich der Autor gern bediente.

Das vorliegende historische Hörspiel in der 1963 vom Westdeutschen Rundfunk produzierten Fassung kommt jedoch keineswegs derart verrätselt, monströs und als Wortungetüm daher, wie die Originalausgabe aus dem Jahr 1669. Die Umsetzung des Stoffes mit dem großartigen - im August 2005 verstorbenen - Hans Clarin zeichnet sich durch hervorragende akustische und inhaltliche Qualität aus. Regisseur Ludwig Clemer verzichtete auf moralisierende Umdeutungen und inhaltlichen Verbiegungen und bleibt wohltuend nah am Original.

"Der abenteuerliche Simplicissimus Teutsch" berichtet von den Abenteuern eines einfältigen Jünglings, eines "tumben Toren", der zum Soldaten, Narren, Bauern, Räuber, Sklaven, Pilger und Einsiedler wird. Der Hörer verfolgt - dem Gattungsmuster des Schelmenromans gemäß - aus der Ich-Perspektive die Entwicklung und das Sichzurechtfinden eines Einfältigen, naiv-unschuldigen Protagonisten - der "jedem die Wahrheit so ungescheut sagt" - in einer verderbten Welt.

Simplicius' Leben ist eine unaufhörliche Wanderschaft. Er erfährt am eigenen Leib, dass nichts von Dauer ist, denn weder Glück noch Erfolg bleiben ihm treu. Kaum hat er sich durch List oder Gewalt ein Vermögen erworben, steht er wieder mit leeren Händen da.
Gleichzeitig zeichnet Grimmelshausen ein realistisches Bild der sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse und der verkommenen feudalen Gesellschaftsstrukturen während des Dreißigjährigen Krieges.

Besonders hervorzuheben ist die musikalische "Untermalung" dieser Hörspielfassung, für die der Komponist Hans-Martin Majewski verantwortlich zeichnet. Majewski, einer der vielseitigsten und schaffensreichsten musikalischen Nestoren der Nachkriegszeit (er komponierte die Musik zu mehr als 200 Filmen und über 100 Hörspielen - u. a. "Die Brücke" von Bernhard Wicki), prägt diesem Hörspiel einen besonders wertvollen Stempel auf. Gitarren- und Lautenmusik (gespielt von Prof. Siegfried Behrend), Flötentöne und natürlich die Sackpfeife verleihen dem gesprochenen Wort zusätzliche Authentizität und sind harmonisch verbindendes Glied zwischen dem ausgezeichneten Sprecherensemble.

Der großartig aufgelegte "Pumuckl" Hans Clarin, der die Titelrolle des Simplicius markant und absolut glaubwürdig - mal schelmisch, mal ironisch - spricht, ja geradezu hervorzaubert und ihr eine ideale Gestalt gibt, rundet schließlich das vollkommen stimmige Bild der hervorragenden Inszenierung ab.

Fazit:
Beinahe sieben Stunden allerfeinste und vergnügliche Unterhaltung sind dem Hörer dieser historischen Aufnahme aus dem Jahr 1963 gewiss. "Der abenteuerliche Simplicissimus Teutsch" lässt viel über das Leben und die Anschauungen der Menschen während des Dreißigjährigen Krieges erfahren und hat auch über 300 Jahre nach seinem Entstehen - dank dieser hervorragenden akustischen Fassung - nichts von seinem Reiz verloren.
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am 2. Oktober 2008
Thomas Krüger von "Schall und Wahn" hat dieses historische Hörspiel des WDR aus dem Archiv befreit. Das vormals achtteilige Werk wurde von den jeweilgen einleitenden Zusammenfassung befreit und in die fast sieben stündige CD-Fassung gebracht.

Die Geschichte vom Simplicissimus gehört nicht nur zu den bedeutendsten deutschsprachigen Romanwerken, sie ist auch eine der farbenfrohesten und kurzweiligsten Erzählungen, die ich kenne. Das ständige Auf- und Ab im Leben des Protagonisten, die satirischen Einschläge, die sehr eindrucksvoll und mahnenden Schilderungen des Krieges machen das Werk zu zahlreiche unterschiedliche Emotionen beim Leser bzw. Hörer anspricht.

Bei der Bearbeitung hat sich Bastian Müller sehr nah an den Text gehalten. Zum Teil sind ganze Kapital fast wortgetreu übernommen worden. Das Hörspiel umfasst die Geschichte der ersten fünf - und somit die ursprünglichen - Bücher des Simplicissimus. Die "Continuatio" hat man vollständig außen vorgelassen und auch insbesondere das fünfte Buch wurde gerade zum Ende hin, stark, aber sehr sinnvoll gekürzt.

Die enge Bindung hat aber auch zur Folge, dass die schnellen Sprünge von Kapitel zu Kapitel ins Hörspiel übernommen wurden. Daran, als auch an die besondere Sprache, muss man sich als Hörer gewöhnen, das gelingt aber eigentlich recht rasch.

Sprache und Musik sind letztlich auch die einzigen Mittel, um der Geschichte eine Kulisse zu verleihen. Geräusche oder auch nur Räume hört man bis auf ganz wenige Ausnahmen nicht. Das Stück ist ein reines Mono- und Dialoghörspiel. Die eingestreuten Musikstücke als Trenner zwischen einzelnen Kapiteln oder aber auch als Teil der Handlung, sind thematisch sehr passend. Nicht nur stimmungsvolle zeitgemäße Melodien zur Untermalung sind zu hören, auch finden sich bekannte Stücke der Zeit, die einen direkten Bezug zum Geschehen haben, bspw. "Es ist ein Schnitter" oder "Wir zogen in das Feld", wieder. Als kleiner Ohrenschmaus werden einzelne Stücke auch von Hans Clarin gesungen.

Dieser trägt als Simpliciccimus sowohl als handelnde Figur, als auch als Erzähler nahezu das Stück ganz allein. Es gibt kaum, bedingt durch die abwechslungsreiche Handlung, andere größere Rollen. Clarins Leistung ist gerade im Beginn der Geschichte sehr gut. Er hesselt sich durchs Althochdeutsch und verleiht der Figur so die nötige Glaubwürdigkeit. Je mehr seine Figur von der Welt kennenlernt, desto mehr verschwindet der Dialekt. Aber es tauchen später einzelne Passagen auf, in der diese Sprachfärbung wiederkehrt. Eine kleine Merkwürdigkeit in einer insgesamt erstklassigen Leistung.

Die Umsetzung nur mit Sprache und Musik wirkt auch für ein Hörspiel aus den frühen sechziger Jahren recht nackt. Viele Szenen schreien gerade zu nach einer akustischen Auskleidung und so hätte ich dem Stück zumindest eine hörbare Gestaltung der Räume gegönnt.

Eine gute, wenn nicht sogar die beste, Umsetzung des Stoffes in eine Hörspiel, das haarscharf an der nächsthöheren Wertung vorbeischrammt. Dazu war mir die Soundkulisse - auch in Bezug auf das Produktionsjahr - letztlich zu dünn. Ansonsten ist dieses Hörspiel aber absolut empfehlenswert.
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am 10. Juni 2009
Ein Ohrenschmaus. Die Sprache und die Dialoge sind fürs neuzeitliche Ohr so ungewohnt, dass allein das konzentrierte Zuhören Spass bereitet. Zudem hört man hier einen wirklichen historischen Roman und keinen - wie es Trend ist - nachgeahmten. Die Stimmen der Figuren/Sprecher sind allesamt hervorragend intoniert. Manchmal hätte ich mir, da es ja eine Hörspielfassung ist, mehr Hintergrundleben (z.B. Geräuschkulisse beim Gefecht) gewünscht. Dieses Werk birgt weit mehr als das vordergründige Etikett "Schelmenroman" anzeigt.
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am 20. April 2016
Historisch ist das Buch von größtem Interesse, die Sprache und die langatmigen Schilderungen der absurden Erlebnisse des Simplicissimus erfordern für das Lesen aber etwas Geduld
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am 18. August 2013
Zur Lieferung 'Der Abenteuerliche Simplicissimus Teutsch: Roman. Hrsg. Alfred Kelletat':
Neben einigen Originalfassungen habe ich jetzt diese neuere (12/1975) Ausgabe in der Schriftsprache von 1975 mit einem ziemlich praktischen Anhang Erläuterungen, kleinem Glossar, Textnachweis und Zeittafel. Dadurch ist zwar die Originalität etwas beeinträchtigt, aber damit ist leider zu rechnen. - Zustand des Buches ist besser als angekündigt. - Lieferung war prompt und ohne Mängel. Danke.
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am 19. Mai 2013
Sehr schöne erzähliuhg mit der unvergleichlichen stimme von Hnas Clarin. Er konnte definitiv nicht nur Pumuckl!!
Auch die einspielungen der damaligen musik + text ist sehr passend gemacht. Rundum gelungen. Sehr gut für leute die keine 800 seiten lesen wollen.
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am 2. Januar 2014
Ich wollte es schon immer einmal lesen und finde Aufzeichnungen aus diesem Zeitraum spannend. Die Formulierungen sind teilweise schwierig und nicht so einfach lesbar.
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