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5.0 von 5 Sternen "Zuständig für die Einzelheiten der Welt"
„Wir phantasieren und träumen gerade das, was wir nicht leben, eben weil wir es nicht leben, aber gern leben würden. Deshalb denken wir uns ein andres Leben aus.“ So der Schriftsteller Mario Vargas Llosa über Literatur. Ganz anders dagegen sein deutscher Kollege Peter Kurzeck. Er muss nicht die Phantasie bemühen, um zu erzählen. Er...
Vor 13 Monaten von Günter Nawe "Herodot" veröffentlicht

versus
1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen "Und mit den neuen Schuhen dann sehen, wie es weitergeht in meinem jederzeitigen Leben..."
Endlich, möchte man aufseufzen. Fotos von Sybille, Pascale, Edelgard, Carina, Jürgen und dem alten Staufenberg. Alles beste Bekannte jedes wahren Kurzeck-Lesers (respektive Hörers). Und Mutter, Vater, Schwester, der kleine Peter mit Lederhose plus Kaninchen. Endlich eintauchen können in diese vergangene Zeit.
Erste Enttäuschung: der Schwager...
Vor 7 Monaten von o-o veröffentlicht


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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Zuständig für die Einzelheiten der Welt", 2. August 2013
Von 
Günter Nawe "Herodot" (Köln) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Peter Kurzeck - der radikale Biograph (Gebundene Ausgabe)
„Wir phantasieren und träumen gerade das, was wir nicht leben, eben weil wir es nicht leben, aber gern leben würden. Deshalb denken wir uns ein andres Leben aus.“ So der Schriftsteller Mario Vargas Llosa über Literatur. Ganz anders dagegen sein deutscher Kollege Peter Kurzeck. Er muss nicht die Phantasie bemühen, um zu erzählen. Er erzählt „die Zeit“, erzählt von Orten und Landschaften, von Städten und Straßen, erzählt von Tieren und Menschen, von Schönheit und Bitterkeit, von seinen Lebensstationen – er „erzählt“ auf nahezu radikale Art und Weise gelebte und abgelebte Zeit, „auf das nichts verloren gehe“. Ums Bewahren geht es ihm. Er, der mit dem Fluch eines grandiosen Erinnerungsvermögens geschlagen scheint, fühlt sich „zuständig für die Einzelheiten der Welt“.

Bewahrt hat Peter Kurzeck, der vor wenigen Wochen – am 10. Juni - 70 Jahre alt geworden ist, dies alles auf exemplarische Weise. Er hat es in einer großartigen autobiographischen Chronik getan: in „Vorabend“ und in „Oktober und wer wir selbst sind“ oder „Ein Kirschkern im März“ und in vielen beispiellosen und unvergleichlich schönen Hörbuchern (für Kurzeck gilt Schreiben und Sprechen gleich). Die Schauplätze seines Lebens werden literarische Topoi, sein Erzählen, mündlich und schriftlich, zu Literatur im besten Sinne.

Seit über fünfunddreißig Jahren schreibt Peter Kurzeck an seinem Erinnerungs- und Selbstvergewisserungswerk. Und das – wie Wieland Schmied in seiner Laudatio zur Verleihung des „Großen Literaturpreises“ 1999 formulierte – in einer einzigartigen Sprache. „Sie geht bis an die Grenze dessen, was Sprache überhaupt – in der Wiedergabe der Realität – zu leisten vermag“ (Schmied). Nicht ohne Grund hat man ihn als „deutschen Proust“ bezeichnet und immer mal wieder im gleichen Atemzug mit James Joyce genannt.

Diesem großartigen Autor ist unter dem Titel „Peter Kurzeck – Der radikale Biograph“ eine wunderbare Hommage gewidmet; eine Fotodokumentation, die uns Peter Kurzeck in Wort und Bild „vorstellt“. Rund einhundertdreißig Schwarzweiß-Aufnahmen in Zusammenhang mit klug ausgewählten Textpassagen aus dem monumentalen Werk entführen Leser und Betrachter zu den Lebensstationen Tachau und Staufenberg, Prag, Lollar, Frankfurt/Main, Bergen-Enkheim, wo er Stadtschreiber war, und Uzès; sie zeigen ihn mit Familie und Freunden. Zu sehen ist seine Tochter Carina, bisher nur in seinen Texten gegenwärtig, jetzt also auch im Bild. Ebenso die Familie und weitere Personen, die wir aus seinem Werk kennen. Und immer wieder Peter Kurzeck selbst – in sehr persönliche Aufnahmen von großer Eindringlichkeit.

Herausgegeben hat diesen schönen Band die Fotografin Erika Schmied, die unter anderem auch bekannt geworden ist durch ihre Porträts von Thomas Bernhard. Sie hat Orte und Schauplätze immer wieder aufgesucht, fotografiert und um Familienaufnahmen und Fotos von Ute Schendel ergänzt. Mit sehr interessanten Textbeiträgen zu einzelnen Lebensstationen bringen uns zudem Manfred Papst und Thomas Meinecke, Beate Tröger und Wieland Schmied sowie Wend Kässens im Gespräch mit Pater Kurzeck den Schriftsteller Peter Kurzeck näher.

Es gibt eine Passage aus dem Roman „Vorabend“, in der es – in typischer Kurzeck-Diktion - um ein Geburtstagsgeschenk geht: „Die Frau Vogel – Emmi. Elly, Marianne – weiß nicht nur, was das Geburtstagskind gern hätte, sondern auch, was die anderen schenken. Damit man nichts doppelt – aber will, mit anderen verglichen, auch nicht zu ärmlich dastehen. Im Notfall kann man immer eine Sammeltasse, schön und praktisch. Die Frau Vogel weiß von jedem Haus. Welches Porzellanmuster – Rosen, Zwiebel, blaue Blümchen und Goldrand.“

Peter Kurzeck dürfte dieser Band als „Geburtstagsgeschenk“ sicher sehr gefallen. Und dem Leser ebenfalls. Im übertragenen Sinne ist dieses wunderbare Buch „eine Sammeltasse… mit Goldrand“.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ein Muss für alle Kurzeck-Fans, 14. Oktober 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Peter Kurzeck - der radikale Biograph (Gebundene Ausgabe)
Wer die Bücher von Peter Kurzeck liebt, wird auch diese von Erika Schmied herausgegebene Biographie über ihn mögen. Seine atmosphärischen dichten Beschreibungen der Orte und Menschen seiner Lebensstationen in seinen stark autobiographischen Romanen können nun noch mit Fotos vervollständigt oder auch überprüft werden. Was für eine wunderbare Empfindung, dass die Orte tatsächlich so aussehen, wie man sie sich dank Kurzecks akribischer Erzählung in seinem Kopf vorgestellt hat. Aber auch wegen der vielen Textpassagen aus seinem Werk, die man gerne nochmals liest, und den weiteren Beiträgen ist dieses Buch sehr empfehlenswert.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen "Und mit den neuen Schuhen dann sehen, wie es weitergeht in meinem jederzeitigen Leben...", 24. Januar 2014
Rezension bezieht sich auf: Peter Kurzeck - der radikale Biograph (Gebundene Ausgabe)
Endlich, möchte man aufseufzen. Fotos von Sybille, Pascale, Edelgard, Carina, Jürgen und dem alten Staufenberg. Alles beste Bekannte jedes wahren Kurzeck-Lesers (respektive Hörers). Und Mutter, Vater, Schwester, der kleine Peter mit Lederhose plus Kaninchen. Endlich eintauchen können in diese vergangene Zeit.
Erste Enttäuschung: der Schwager fehlt und der Neffe. Und nanu, Carina schon groß jetzt, sozusagen erwachsen. Aber so isses nun mal.
Soweit also (fast) alles o.k. Wenn er nicht leider inzwischen gestorben wäre, der große Erzähler, der dieses Biotop ja gar nicht geschaffen hat, sondern viel mehr: genauestens beobachtet - einschließlich (vor allem) seiner eigenen Person. Dies Leben hätte doch weitererzählt werden müssen, wegen mir in hundertzwanzig Bänden...

Der vorliegende Bildband dokumentiert natürlich auch das nicht literarisierte Dasein des Peter Kurzeck. Das ist, obwohl in Verantwortung einer professionellen Fotografin erstellt, die etwas schwächere Hälfte des Buches. Hier dominieren Banalität, misslungene bis sogar bescheuerte Aufnahmen (etwa K. mit Kleidersack aus einem vermüllten Krumauer Ladeneingang tretend, dahinter ein Plakat, das dem Porträtierten Hasenohren aufsetzt). Und es fehlen Erläuterungen, die den Fotos einen dokumentarischen Wert hätten verleihen können (wenn schon der optische mangelt). Sicher hätte sich die Spurensuche in Tachau, Teplau, Karlsbad etc. mit biografischen Hinweisen versehen lassen. Die Urlaubs-Szenen im Waldviertel, die Rauriser Literaturtage. Und Uzès als zweiter Lebensmittelpunkt seiner späten Jahre: viele Fotos, teilweise ausdruckslos, meist ohne Kommentare, vorhandene Zitate manchmal unpassend. Da hätte man irgenwie mehr erwartet.
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Peter Kurzeck - der radikale Biograph
Peter Kurzeck - der radikale Biograph von Erika Schmied (Gebundene Ausgabe - Juni 2013)
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