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96 von 106 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine biologische Definition des Phänomens Religion
Der Biologe Andreas Kilian macht sich Mühe und hinterfragt Begriffe, die die meisten Menschen als selbstverständlich akzeptiert haben. Zu Recht! Und das Ergebnis kann sich sehen lassen: Reine Logik vom Feinsten; unterhaltsam geschrieben. Das Phänomen Religion kann wissenschaftlich-biologisch erklärt werden.

Ausgehend von den neuesten...
Veröffentlicht am 20. Oktober 2010 von Birgit

versus
3.0 von 5 Sternen Zum Teil interessant, leider aber auch sehr voreingenommen und polemisch
Gleich zu Beginn des Buches wird den Religionswissenschaften bereits der Wissenschaftsstatus abgesprochen (9f.): "In der Welt der Religionen, der Theologie und der Religionswissenschaft gibt es bis heute keine allgemein anerkannte wissenschaftliche Definition des Begriffs Religion." Und weiter (10f.): "Für einen Naturwissenschaftler ist dies Szenario ein...
Veröffentlicht am 7. April 2011 von Lulu


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96 von 106 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine biologische Definition des Phänomens Religion, 20. Oktober 2010
Rezension bezieht sich auf: Die Logik der Nicht-Logik: Wie Wissenschaft das Phänomen Religion heute biologisch definieren kann (Broschiert)
Der Biologe Andreas Kilian macht sich Mühe und hinterfragt Begriffe, die die meisten Menschen als selbstverständlich akzeptiert haben. Zu Recht! Und das Ergebnis kann sich sehen lassen: Reine Logik vom Feinsten; unterhaltsam geschrieben. Das Phänomen Religion kann wissenschaftlich-biologisch erklärt werden.

Ausgehend von den neuesten Forschungsergebnissen untersucht der Autor das Phänomen nach seinen biologischen Ursprüngen. Und er tut das, was die wenigsten Kollegen von ihm machen. Er definiert alle Begriffe, um argumentativ saubere Grenzen zwischen Biologie, Spiritualität, Religiosität und Religion zu ziehen. Heraus kommen leicht nachvollziehbare biologische Definitionen, anhand derer sich die Evolution des Denkens und Glaubens bis hin zur Spiritualität sowie im kulturellen Kontext bis hin zur Religion verfolgen lassen.

Der Autor bemerkt, was anderen anscheinend nicht auffällt: Es gibt bis heute keine allgemein anerkannte wissenschaftliche Definition des Begriffes Religion. Also beginnt das Buch mit blasphemischen Fragen: Was ist Religionsfreiheit, was ist die Legitimation von Religionsunterricht, womit beschäftigen sich Religionswissenschaftler, wenn niemand sagen oder definieren kann, was Religion überhaupt ist? Es gibt keine wissenschaftliche Diskussion, keine Forschung, kein Rechtssystem, wenn niemand sagen kann, worüber er redet. Vielleicht ' so der Autor ' ist dies ja auch so gewollt?

Um sich dem Phänomen Religion zu nähern, klärt Andreas Kilian zunächst die Unterschiede zwischen Denken, Wissen, Spekulieren, Wahrscheinlichkeitsannahmen, das Glauben und der Glauben, sowie zwischen Diesseits und Jenseits. Über den funktionalen Aufbaus des Gehirns, der evolutiv notwendigen Ich-Bezogenheit im Denken, sowie unserem Zwang über Ursache und Wirkung nachdenken zu müssen, werden die biologischen Grundlagen der individuellen Spiritualtät diskutiert. Religion fängt für den Autor dort an, wo man sich auf etwas vermeintlich Erfahrenes einigt. Man zeigt sich gegenseitig selbstgemalte Bilder und selbstgeschnitzte Holzfiguren von seinen Göttern. Religiosität ist für ihn nach Bestätigung suchende Spiritualität.

Über die sogenannten Funktionen der Religionen im Alltag wechselt Andreas Kilian den Blickwinkel zur Verhaltensforschung. Was machen die Gläubigen eigentlich wirklich? Gruppenselektion, Reproduktion, Balzverhalten, frühkindliche Indoktrination, Moral und Ethik sowie die angestrebte Interpretationshoheit werden diskutiert. Religion scheint ein Mittel zum Zweck zu sein, um andere manipulieren zu können. Die Hauptfunktion liegt darin, dass Religionen die Totschlagargumente liefern, denen nicht widersprochen werden soll.

Danach wird die Evolution der Logik dargestellt. Logisches Denken entwickelte sich durch beobachten der Naturgesetzte. Wenn aber alle Artgenossen logisch denken können, dann wird das Verhalten der anderen vorherbestimmbar und ist zu durchkreuzen. Dies gilt auch auf der Argumentationsebene. Gute biologische Egoisten täuschen daher, wenn sie Vorteile haben wollen. Die Lüge entsteht aus der Vernunft. Leider kann man Lügner aber an ihren Taten erkennen. Die letzte Argumentationsebene darf daher nicht hinterfragbar oder überprüfbar sein. Die Vernunft zwingt den biologischen Egoisten dazu, seinen Göttern (s-)einen eigenen Willen zu verleihen.

Die Entstehung verschiedener Typen von Göttern erklärt der Autor durch artinterne und artexterne Selektionsfaktoren. Unsere pleistozän evolvierte Psyche akzeptiert nur bestimmte Illusionen und Begründungen.

Interessante Parallelen sieht Andreas Kilian zwischen Darwins Evolutionstheorie und der Entstehung von neuen Religionsgemeinschaften. Auch Sekten entstehen im Überfluss und sterben wieder aus. In Zeiten größerer wirtschaftlicher Veränderungen werden aber bestimmte Glaubensinhalte eher als vermeintliche Lösung von unserer Psyche akzeptiert. Daher sind die 'glaubenstechnischen' Lösungsvorschläge der Entstehungszeit immer in dem institutionalen Aufbau der Religionen wieder zu erkennen.

Nachdem der Autor darstellt, was eine gute wissenschaftliche explizite Realdefnition ausmacht und welche Bestandteile sie haben sollte, präsentiert er eine plausibel begründete und gut nachvollziehbare biologische Definition des Phänomens Religion.

Anschließend werden noch allgemeine wissenschaftlich offene Fragen diskutiert, sowie gesellschaftliche Forderungen gestellt, die sich aus der neuen Definition ableiten. So wird die alte Frage beantwortet, ob es sich bei dem Phänomen um ein virale Idee, eine biologische Adaption oder eine Chimäre aus beidem handelt. Gefordert werden Verbraucherschutz vor religiösen Dienstleistungen und mehr zwischenmenschliche Humanität, damit Menschlichkeit verbindet, was Religionen in der Gesellschaft trennen.

Mit Index, Glossar und umfassenden Literaturangaben ist das Buch insgesamt eine runde Sache. Wie bereits in seinem Buch 'Egoismus, Macht und Strategien' spricht Andreas Kilian Themen an, an die sich andere Biologen nicht herantrauen. Die unheimliche Allianz zwischen Staat, Universität und Kirchen verhindert eine offene ehrliche wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Untersuchungsgegenstand Religion. Der Autor sprengt auch hier wieder Grenzen und zeigt was möglich ist, wenn man den Mut hat, konsequent zu Ende zu denken.

Fazit: Sehr empfehlenswert für alle, die wissenschaftlich fundiert und rein logisch argumentieren wollen. Zudem verständlich und unterhaltsam geschrieben. Es sollte als Biologiebuch im Schulunterricht Pflicht werden.
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58 von 64 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Entscheiden muss man sich: eisige intellektuelle Höhen oder herzerwärmende Lebenslüge, 5. Dezember 2010
Von 
G. Wolf "Rezensor" (Magdeburg) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Die Logik der Nicht-Logik: Wie Wissenschaft das Phänomen Religion heute biologisch definieren kann (Broschiert)
Der Autor bringt sein Anliegen schnell auf den Punkt: Es gibt schätzungsweise dreihundertdreißig Religionen mit über einhunderttausend verschiedenen Glaubens-gemeinschaften '[und] etwa fünfhunderttausend Göttern ' Hunderttausende von Propheten, Gurus, Priestern, Imamen, Rabbinern, Schamanen, Geisterheilern, Laienpredigern, Zauberern und Hexen ' widersprechen sich in nahezu allen An-nahmen und Glaubensinhalten. Die Theologen, studierte Fachleute für die Vermitt-lung von Glaubensfragen also, könnten sich noch nicht einmal auf eine Definition einigen, die aussagt, womit sie sich eigentlich befassen. Selbst den Religionswissenschaftlern ginge es so, bis heute gäbe es keine allgemein akzeptierte Definition ihres Gegenstandes, der Religion.
Und polemisierend geht es weiter, bis hin zum Schluss. Hier heißt es, dass sich die einhunderttausend Glaubensgemeinschaften in einem Punkt denn doch einig sind, nämlich darin, dass die Wahrheit der jeweilig anderen keine ist, sondern dass über das, was Wahrheit ist, einzig und allein die eigene Firma gebietet. Die Exklusivität des Wahrheitsanspruchs gilt, so der Autor, auch für die Splittergruppen innerhalb der einzelnen Religionen. Die christliche Lehre zum Beispiel sei alles andere als in sich geschlossen. Die wenigen überlieferten Worte des jüdischen Wanderpredigers Jesus Christus hätten schon zur Zeit des Urchristentums, in den ersten ein- bis zweihundert christlichen Gemeinden des Mittelmeerraumes also, zu unterschiedlichen Auslegungen und Ergänzungen geführt. Heute sind es etwa 35 000 verschiedene christliche Glaubensgemeinschaften, und sie alle verfügen über jeweils eigene Deutungen und (menschengemäße) Zwecksetzungen. Fehlende Logik allüberall, oder wie es der Verfasser nennt: Nicht-Logik.

Für die Logik der Nicht-Logik bietet Kilian nicht minder überzeugende Beispiele an. Ihnen folgend haben die Glaubensinhalte ' nach seiner Auffassung Erfindun-gen des menschlichen Geistes - zwar keine existenzielle Bedeutung, dafür aber eine höchst pragmatische. Sich auf Gott oder einen der fünfhunderttausend anderen Götter und sonstigen übernatürlichen "Wesen" zu berufen, verschaffe Ansehen, Macht und Gut. Und die Mittel zur Repression gegenüber Nicht- und Andersgläubigen. Raffiniert, wie sich nach Ansicht des Autors religiös motivierter Lug und Trug in der Gesellschaft verklammere. Und das bis zum heutigen Tag. Die Mythen und die Argumente folgten einem Ausleseprozess nach Darwinschem Muster: Der Autor spricht von der Evolution der Lüge. Je gebildeter die potenziell Gläubigen, umso erlesener müsse die Argumentationskunst der Religionsvertreter sein. Das "Alpha-Tier" in der Riege der transzendenten Wesen ' sprich: Gott (Nicht-Logik) - darf nicht definierbar sein, muss unerkennbar und letztendlich unbegreifbar bleiben, um es jedweder Überprüfung zu entziehen (Logik!). Ganz im Sinne des im Buch zitierten Ambrose Bierce: Die Religion ist eine Tochter der Furcht und der Hoffnung, die den Nichtwissenden das Wesen der Unerkennbarkeit erklärt.
Nicht minder raffiniert, so der Autor, auch der Versuch der Glaubensvertreter, die Wissenschaft in ihr Boot zu holen. Schöpfung würde als "Evolution plus X" gedeutet, man empfehle, beide Seiten sollten sich im Dialog auf einen Kompromiss einlassen: Die Religion mischt sich nicht in die Wissenschaft ein, und die Wissenschaft nicht in die Religion. Doch hierbei wird, warnt Kilian, unter dem Vorwand der Toleranz ein Grundprinzip der Wissenschaft korrumpiert, nämlich alles in Frage zu stellen und alles kritisch zu untersuchen.

Resumé: eine kluge, glänzend formulierte, bis ins Jahr 2010 recherchierende Lek-türe, die Logik dort einsetzt, wo es der anderen Seite an solcher gebricht. Verhal-tensbiologische Aspekte stehen im Vordergrund. Verhältnismäßig wenig wird auf die hirnbiologischen Untersuchungen zur Spiritualität eingegangen, obwohl gerade sie doch recht gut erahnen lassen, warum wir eine gewisse Neigung zum Mystischen verspüren ' der eine weniger, der andere mehr, und oft seiner eigenen Logik entgegen. Ohne eine solche Tendenz hin zum "Homo religiosus" wären die Ubiquität und der Erfolg der Religionen noch erstaunlicher als ohnehin. Sicher hatte der amerikanische Genetiker Dean Hamer mit seinem Buch "Das Gottes-Gen" (2006) zu kurz gegriffen. Dennoch spricht vieles dafür, dass es charakterlich gebundene Bereitschaften für religiöses Denken gibt, für Hoffen und Glauben - Verhaltenstendenzen, die auf der Kombination von mehreren oder auch vielen Gen-Varianten beruhen. Was fängt ein Mensch mit den Überlegungen des Autors an, wenn er bei den "großen und letzten" Fragen eher a-logisch, eher gefühlsmäßig operiert? Auf der Suche nach Sinn und Trost hofft er auf den Strohhalm. Und er wird es trotz Kilian und der vielen anderen Aufklärer weiterhin tun, so er deren Überlegungen überhaupt zur Kenntnis nimmt. Und die anderen, die vom Baum der Erkenntnis nicht genug naschen können? Ich bin mir sicher, so manche sehnen sich aus ihren eisigen intellektuellen Höhen hinunter in die Ebene der herzerwärmenden Lebenslügen. Und der Autor selbst? Auf Seite 65 kündigt er einen Abschnitt 3.5 zur Sinngebungsrolle der Religionen an, spricht dann aber (S. 109 ff.) über etwas ganz anderes: über "Interpretationshoheit". Zeigt sich hier ein persönliches Problem?
Übrigens: Unter demselben Titel hätte auch ein Buch über die Quantenmechanik und die moderne Astrophysik geschrieben werden können - die Gottesfrage einbe-zogen, logisch.
Prof. Dr. Gerald Wolf, Magdeburg
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36 von 41 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Verhaltensbiologische Wurzeln von Spiritualität, Religiosität und Religionen, 4. November 2010
Rezension bezieht sich auf: Die Logik der Nicht-Logik: Wie Wissenschaft das Phänomen Religion heute biologisch definieren kann (Broschiert)
Warum hängt eine überwiegende Mehrheit der Menschen irgendeiner Religion an? Birgt Religiosität einen evolutionären Vorteil in sich, und wenn ja, welchen? Wo liegen die biologischen Wurzeln von Glauben und Religiosität? Was ist letztlich Substanz und Funktion von Religionen?
Wer Antworten auf solche und ähnliche Fragen sucht, sollte durchaus zu dieser rund zweihundert Seiten umfassenden Abhandlung des Biologen Dr. rer. nat. Andreas A. Kilian greifen.
Sein konsequentes Herangehen an den allgemein als Kulturphänomen betrachteten Gegenstand Religion aus der Sicht der Evolutions- und Verhaltensbiologie mag zunächst verwundern, führt aber letztlich zu außerordentlich klaren, naturwissenschaftlich begründeten, unaufgeregten und polemikfreien Aussagen über Begriffe wie Spiritualität, Religiosität, Religion, Religionsgemeinschaft, Kirche u. dgl. Genau aus dieser exakten biologischen (und keineswegs biologistischen!) Definition der Begriffe erwächst die Stärke des Buches.
Nach seiner Eingangsfeststellung, dass es bisher keine wissenschaftliche Definition des Phänomens Religion gibt, entlarvt Kilian dieses konsequent als geschickte Argumentationsebene biologischer Egoisten, die sich die natürliche Spiritualität ihrer Gruppenmitglieder geschickt zunutze machen, um sich Vorteile zu erschleichen. Zitat: 'Religiöse Inhalte unterliegen ' einer permanenten Auslese dessen, was den Gläubigen gerade noch verkauft werden kann und was nicht. Daher sind auch die meisten religiösen Glaubensinhalte in allen Religionen der Welt relativ ähnlich. ' Die Evolution der Religionen war ' wohl eher ' nach den Aussagen ihrer Vertreter ' eine Evolution der 'Unwahrheit' und der Irrlehren.'
Kilians Untersuchung mündet schließlich in seine biologische Definition des Phänomens Religion. Die Fairness gegenüber dem Autor gebietet selbstverständlich, diese hier nicht zu verraten.
Bei aller Wissenschaftlichkeit und begrifflichen Exaktheit gelingt Kilian ein außerordentlich gut lesbarer, ja an einigen Stellen geradezu spannender Stil, so dass das Studium des Buches einen runden geistigen Genuss bietet. Und nicht zuletzt habe ich endlich die christliche Trinitätslehre verstanden, die mir bisher kein Pfarrer oder Theologe plausibel machen konnte (vgl. S. 156f).
Mit seinem umfangreichen Anmerkungsapparat (Quellen, Fußnoten, Glossar und weiterführende Literatur) ist dieses Werk ausgezeichnet als Schlüssel zu weiterführenden Studien zum Thema nutzbar.
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36 von 42 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine Brücke in die Zukunft!, 6. Dezember 2010
Von 
Joachim Woerner "Buchprüfer" (Mainz Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die Logik der Nicht-Logik: Wie Wissenschaft das Phänomen Religion heute biologisch definieren kann (Broschiert)
Dieses Buch trifft die Achilles-Ferse der Kirchen, Sekten und aller Religionsgemeinschaften: Wie lange noch können sie ihre phantastischen, tausend- und mehr jährigen Erzählungen und Legenden als glaubwürdig den intelligenteren Menschen von heute und morgen vermitteln?

Spätestens mit der gesicherten wissenschaftlichen Erkenntnis, daß der Mensch vom Affen abstammt, wurden die gebildeten, hinterfragenden Gläubigen in zunehmendem Maße zu bestenfalls Halbgläubigen - auch wenn man nicht darüber spricht.

Inzwischen haben Biologen, wie der Autor, wissenschaftlich die einstigen Ursachen für die Entstehung religiöser Phantasien weiter erforscht und nachvollziehbar gemacht. Aber der Druck dieser Erkenntnisse ist noch nicht stark genug, um zweitausendjährige manipulative Methodik bei den Menschen aufzuheben, um sie in neue, bessere Bahnen zu lenken.

Biologisch gesehen, benötigt jedes Lebewesen einen gewissen Egoismus als existenzielle Veranlagung, um überlebensfähig zu sein. Ohne diesen Selbsterhaltungstrieb wird jedes Lebewesen durch seine Umwelt oder Artgenossen früher oder später ausgelöscht oder schwerkrank. Diese genetische Veranlagung ist unterschiedlich ausgeprägt und entwicklungsfähig. Sie führt zur Bildung von Alpha-Tieren bzw. -Menschen. Diese setzen alle erdenklichen guten und weniger akzeptierbaren Methoden ein, um Alphas oder wenigstens Betas zu bleiben.

Diese Lebewesen sind nicht gut oder böse, sondern genetisch gesteuerte Varianten der Natur, die andere für sich nützlich machen, sich verbünden, bekriegen oder auf die Dauer gegenseitig so lange schwächen, bis sie bedeutungslos geworden Neuem weichen müssen. Wen diese Erkenntnis rechtzeitig erleuchtet, dem entsteht dadurch gleichzeitig eine Goldene Brücke der Umbesinnung, die zu begehen jedoch sein Glaube von gestern stark behindert.

Diesem Buch sind viele Neu-Auflagen zu wünschen, allerdings unter Mitwirkung eines erfahrenen Lektors, der nicht nur die Vielzahl von flüchtigen Druckfehlern erkennt.
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12 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Beeindruckend, 31. Juli 2011
Rezension bezieht sich auf: Die Logik der Nicht-Logik: Wie Wissenschaft das Phänomen Religion heute biologisch definieren kann (Broschiert)
Dieses Buch hat mich begeistert. Unaufgeregt aber sehr engagiert erklärt der Autor das Massenphänomen Religion aus biologischer Sicht. Hierbei legt er grossen Wert auf sprachliche Exaktheit und Abgrenzung der verwendeten Begrifflichkeiten.
Der Stil ist präzise wiewohl unterhaltsam, die Argumentation beeindruckend.
Ich habe schon einige kritische Bücher zum Thema Religion gelesen ( Dawkins, Hitchens usw.) aber in dieser Abhandlung werden Argumentationsketten aufgebaut, die ich in dieser Form noch nicht kannte, danke dafür !
Sehr gut hat mir gefallen, dass der Verfasser nicht polemisiert sondern streng bei seinem eingangs formulierten Argumentationsschema bleibt. Die Gedankenketten,die er vorträgt, wirken auch ohne Verunglimpfung. Ich wünsche diesem Buch eine grosse Leserschaft. und hielte auch eine Verwendung für den Schulunterricht durchaus für sinnvoll.
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10 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Naturwissenschaftlich begründete religiöse Aufklärung, 23. Januar 2013
Von 
Gerfried Pongratz (Osterwitz, Österreich) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die Logik der Nicht-Logik: Wie Wissenschaft das Phänomen Religion heute biologisch definieren kann (Broschiert)
Eine persönliche Bemerkung vorneweg: Der Rezensent kennt nur wenige Bücher zu den biologischen und kulturellen Grundlagen von Religionen, die dem vorliegenden an inhaltlicher Fülle, Aussagekraft, argumentativer Schärfe und Tiefe sowie stringenter Logik und Klarheit gleich kommen.

Bis heute haben es weder Theologie noch Religionswissenschaft vermocht, eine allgemein anerkannte Definition für den Begriff Religion zu finden, auch werden Bezeichnungen wie Religion, Religiosität, Glaube, Wissen, Spiritualität etc. von Religionsvertretern, wie auch von manchen Wissenschaftlern und einer breiten Öffentlichkeit, häufig synonym verwendet. Um hier Klarheit - als unbedingte Voraussetzung wissenschaftlichen Denkens - zu schaffen, unternimmt der Autor den - nach Meinung des Rezensenten sehr gut gelungenen - Versuch, das Phänomen Religion naturwissenschaftlich-biologisch zu definieren. Dies ergibt sich nicht zuletzt auch aus der Frage, ob die menschliche Fähigkeit zu religiösem Glauben, zur "Suche nach Gott", eine biologische Adaption an die Umwelt, oder ein kulturell entwickeltes Mem, das sich dem Verstand angepasst, sich dort vermehrt und durch Kommunikation verbreitet, darstellt.

"Nichts in der Biologie macht Sinn, außer man betrachtet es im Lichte der Evolution!" Dieses Zitat könnte als Motto dieses Buches dienen, Religion und die damit verwandten Begriffe werden unter evolutionären Gesichtspunkten und mit wissenschaftlichen Methoden - unter Einbeziehung einer nahezu überwältigenden Fülle von Literaturzitaten - analysiert und bewertet. Dabei werden - neben vielen anderen biologischen "Basics" - die Grundlagen unserer kognitiven Fähigkeiten und unseres Denkens aufgezeigt und die diesbezüglichen Adaptionen (seit dem Pleistozän vor ungefähr 2 Mill. Jahren) dargestellt. Das menschliche Gehirn wurde in Auseinandersetzung mit der Umwelt darauf selektioniert, Ursache und Wirkung und deren Zusammenhänge im Hinblick auf das eigene Wohl zu suchen und zu interpretieren, woraus nicht zwangsläufig Erkenntnis an sich, sondern Vorteilhaftes für den eigenen Egoismus, das eigene Fortkommen, resultiert.

Das Buch diskutiert nicht, wozu nichts gesagt werden kann (Gott, Göttliches etc. sind als "nicht definierbar" definiert), es untersucht und analysiert menschliches Verhalten, irrige Vorstellungen, Phantasien, religiöse Interpretationen und daraus resultierende Verhaltensweisen und deren Folgen.

Da es an dieser Stelle nicht möglich ist, die Fülle der im Buch behandelten Themen auch nur annähernd umfassend darzustellen, seien hier nur die wichtigsten Abschnitte mit einigen wesentlichen Aussagen angeführt:

In Kapitel 2, "Die biologische Substanz", werden u.a kognitive Fähigkeiten, das Thema "Glauben" mit individueller und synchronisierter Erfahrung behandelt. Spiritualität wird dabei als "neuronale Generierung individueller Antworten zu generellen Ursache-Wirkungs-Mechanismen des bekannten Universums unter unbewusster Zuhilfenahme von ich-bezogenen Denkschemata" definiert. Ausgehend von dieser Definition "basieren Religionen auf artifiziellen Konzepten spiritueller Vorstellungen" und ist Religiosität "nach Bestätigung suchende Spiritualität" (Kapitel 7).

Kapitel 3, "Die Funktionen im Alltag", beschäftigt sich mit Individuum und Gruppe, mit den Auslösern für religiöses Verhalten, mit Tradierung, Manipulation und Interpretationshoheit. Die funktionalen Besonderheiten von Religion können wie folgt definiert werden: "Religion ist das tradierte Bereitstellen von funktionalem Verhalten und Rechtfertigungen, um seine Egoismen gegen oder mit seinen Gruppenmitgliedern ausleben zu können sowie dafür zu sorgen, dass die Gemeinschaft zum Ausnutzen erhalten bleibt".

Kapitel 4, "Die Logik der Nicht-Logik", beschreibt deren Evolution und definiert Religion u.a. als "folgerichtiges und konsequentes Anwenden der Nicht-Logik, um seine Egoismen schein-argumentativ rechtfertigen und durchsetzen zu können".

In Kapitel 5, "Umwelt und Erkenntnis", wird die artexterne und artinterne Umwelt als Selektionsfaktor dargestellt. "Religiöse Inhalte orientieren sich an aktuellen angstauslösenden wirtschaftlichen und sozialen Problemen".

Kapitel 6, "Der Einfluss der Geschichte", beschreibt die Imperial-Religionen (Judentum, Christentum, Islam) und Philosophien (Hinduismus, Buddhismus, Tao, Konfuzianismus, Humanismus); als zeitgeschichtliche Definition des Phänomens Religion wird postuliert: "Neue religiöse Kerninhalte werden aus starken wirtschaftlichen oder gesellschaftlichen Umbrüchen geboren und passen sich in ihrer Ausprägung durch konservativ gesteuerte Modifikationen der weiteren Gesellschaftsveränderung an".

In Kapitel 7, "Eine biologische Definition des Phänomens Religion", wird die Abgrenzung von Religion zu Ideologien und Wahnvorstellungen dargestellt, zusätzlich werden andere Definitionen integriert und Antworten auf offene Fragen gegeben. Die Ausgangsfrage, ob Religion eine biologische Adaption an die Umwelt darstellt und somit biologischen Sinn und Zweck besitzt, wird anhand der Kriterien Vererbbarkeit und Selektionsfaktoren diskutiert. Vererbbarkeit mittels eines "Religions-Gens" ist höchst unwahrscheinlich, Sinn und Zweck auf der Selektionsebene führt in einer Evolution der Logik (zwangsläufig) zur Logik der Nicht-Logik: "Glauben bedeutet, dass man denkt, mit der letzten unredlichen Argumentationsebene (Anm.: "Der freie Wille Gottes") die Lücke im Wissen um die Ursache-Wirkungs-Mechanismen füllen zu können. Während Wissenschaft der Versuch ist, diese Lücke mit methodischem Vorgehen zu verkleinern".
Als wichtigster Abschnitt dieses Kapitels wird versucht, alle funktionalen, substanzialistischen und zeitgeschichtlichen Definitionen zu Spiritualität, religiösen Inhalten und zur Religion auf einen gemeinsamen biologischen Nenner zu bringen.

Im Schlusskapitel 8, "Was ist zu tun?", beschreibt der Autor die biologische Ausgangssituation, in der sich Religionen befinden: "Religionen basieren auf der stärksten Macht, die die Evolution zu bieten hat: dem Egoismus. Sie können aber keine Probleme lösen, weil sie selber mit die Probleme schaffen, die es zu lösen gilt...... Glauben werden die Menschen immer, daran ist prinzipiell nichts auszusetzen, solange es eine private Angelegenheit bleibt; auch ist gegen die Vorstellung Gott nichts einzuwenden, wenn sich alle Beteiligten bewusst sind, dass es sich immer nur um persönliche Vorstellungen handelt."
Das Kapitel behandelt weiters die Stellung der Religionen in der Öffentlichkeit ("Der ewige Streit"), das persönliche Kennenlernen von Religionen und den Nutzen einer expliziten Realdefinition, der u.a. "in der Minimierung von Willkür" zu sehen ist.

Die Besprechung dieses nach Meinung des Rezensenten sehr empfehlenswerten Buches einer naturwissenschaftlich begründeten "angewandten Aufklärung" sei mit einem Zitat aus Kapitel 8 beschlossen: "Lehren wir unsere Kinder das Definieren und das kritische Hinterfragen von Sachverhalten, die alle anderen für "wahr" erklären.
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10 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ist Religion eine biologische Anpassung?, 8. November 2011
Rezension bezieht sich auf: Die Logik der Nicht-Logik: Wie Wissenschaft das Phänomen Religion heute biologisch definieren kann (Broschiert)
Religiöses Verhalten ist eines der interessantesten und rätselhaftesten Merkmale der Menschen. In der Vergangenheit wurde es bevorzugt mit den Methoden der Ethnologie, der Geschichtswissenschaft, der Soziologie oder der Psychologie untersucht. In den letzten Jahren kam die evolutionsbiologische Betrachtung hinzu. Dieser Ansatz erscheint insofern erfolgversprechend als religiöses Verhalten zwar nicht allgemein aber doch so weit verbreitet ist, dass man einen genetischen Anteil vermuten kann. Zudem scheint es biologische Vorteile mit sich zu bringen, denn religiöse Menschen haben mehr Kinder als ungläubige. Dies gilt nicht für alle Konfessionen, aber der statistische Zusammenhang ist doch recht eindeutig. Und so wurde vermutet, dass religiöses Verhalten eine biologische Anpassung ist.

Von evolutionsbiologischem Interesse sind weniger die nach Zeit und Ort unterschiedlichen Erscheinungsformen religiösen Verhaltens, sondern die allgemein menschliche, kulturübergreifende Tendenz, die natürliche und soziale Welt als durch übernatürliche Mächte bestimmt aufzufassen. Da die konkreten Erscheinungsformen der religiösen Denkweise höchst vielfältig und schillernd sind, fokussieren sich die evolutionsbiologischen Untersuchungen meist auf einen speziellen Aspekt. Dies gilt auch für das Buch von Andreas Kilian. Es bestimmt Religion als ein rhetorisches Mittel, das auf der evolutionär entstandenen Tendenz der Menschen beruht, komplexe Situation schnell bewerten zu müssen, und dabei auch notfalls Akteure und Ursachen zu erfinden. Im sozialen Kontext können die nicht überprüfbaren Aussagen dann dazu dienen, Eigeninteressen durchzusetzen und andere Gruppenmitglieder zu manipulieren. Religiöses Verhalten wird also aus den evolutionären Mechanismen der machiavellischen Gruppendynamik beim Menschen erklärt. Mit dieser Definition erfasst Kilian sicher ein wichtiges und verbreitetes Element von Religion, inwieweit er dem Phänomen damit umfassend gerecht wird, sei aber dahingestellt.

Die evolutionsbiologische Methode hat einen großen Vorteil, wenn es darum geht, menschliches Verhalten zu verstehen. Da sie die Besonderheiten unserer eigenen Spezies aus der Distanz betrachtet und auf allgemeine biologische Notwendigkeiten zurückführt, erleichtert sie es, diese wissenschaftlich zu verstehen, ohne sie vorschnell zu bewerten. Diesen Vorteil gibt Andreas Kilian aus der Hand. Es mag sein, dass Religion (auch) eine spezielle Ausdrucksform des allgemeinen biologischen 'Egoismus' ist, die ungerechtfertigte Vorteile verschafft, indem sie unüberprüfbare Aussagen macht. Die weitergehende evolutionsbiologische Fragestellung wäre nun aber zu untersuchen, unter welchen Umständen diese Strategie eingesetzt wird, worin ihr Nutzen und ihre Kosten bestehen und warum sie von den anderen (benachteiligten) Gruppenmitgliedern toleriert wird. Es ist ja nicht so, dass unüberprüfbare Aussagen generell akzeptiert werden. So wird beispielsweise Kindern, die eine Notlüge mit erfundenen Personen ausschmücken, in der Regel ja auch nicht geglaubt.

Das Buch bringt eine Fülle von interessanten Details und gibt einen guten Überblick über den Stand der evolutionsbiologischen Diskussionen zum Thema Religion. Das Geheimnis der weiten Verbreitung der religiösen Denkweise löst es meinem Eindruck nach aber nicht, da zentrale Fragen offen bleiben. Unter welchen Umweltbedingungen beispielsweise ist die Religion eine effektivere Strategie zur Durchsetzung individueller Interessen in einer Gemeinschaft als körperlicher Zwang und Uniformierung, oder gemeinsame Feiern, Phantasien und Kunst?
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10 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein (ge)wichtiges Buch, 16. April 2011
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Die Logik der Nicht-Logik: Wie Wissenschaft das Phänomen Religion heute biologisch definieren kann (Broschiert)
Ich wusste schon aus anderen Büchern etwas über den evolutionären Vorteil der Selbst- und Gruppentäuschung. Aber die Detail- und Fachkenntnis dieses Buches ist an einigen Stellen schlicht atemberaubend.

Wenn jemand z.B. wissen will, warum man als kleines Kind im Bett Angst hatte ein Bein aus der Bettdecke raushängen zu lassen oder woher der Reflex kommt, beim Beten in den Himmel zu schauen bzw. die Armen dahin zu strecken, der möge dieses Buch lesen (nur zwei einfache Beispiele von vielen).
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10 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Stresstest - für liebgewonnene Wunschvorstellungen..., 24. Mai 2011
Rezension bezieht sich auf: Die Logik der Nicht-Logik: Wie Wissenschaft das Phänomen Religion heute biologisch definieren kann (Broschiert)
Angst und Furcht auf der einen Seite - in einer potentiell gefährlichen Umwelt, als Einzelwesen oder Gruppe, bezogen auf die eigene Stellung in der für das Überleben wichtigen Gemeinschaft, über die Rolle in der Gesellschaft oder gegenüber einzelnen Mitgliedern, aber auch letztlich bezüglich des Lebensendes und der Frage eines Lebens nach dem Tode - Ungewissheit oder Unsicherheit jeder Art beherrschen und belasten das Leben von Menschen als Einzelwesen und in der Gesellschaft, nicht nur emotional.
Diesen belastenden Faktoren stehen auf der anderen Seite Wissen und Gewissheiten - auf Grund von Erfahrungen oder Tradition, oft nur scheinbare Sicherheit gewährend - gegenüber, Sicherheiten, an denen sich das eigene Denken, Fühlen und Handeln ausrichten kann. Aber auch Regeln und Rituale sollen zu sicheren, stabilen und kalkulierbaren Lösungen für das Zusammenleben in dieser Welt führen
Neben den für das operative Geschäft zuständigen "politischen" Institutionen haben sich in der Gemeinschaft spirituelle Strukturen gebildet, die mit den Begriffen Religion und Kirchen umrissen werden können.
Sie haben sich mit dem Hinweis auf die Bedeutung ihrer Rolle für die Existenz der Gemeinschaft in Vergangenheit und Zukunft eine Interpretationshoheit gesichert, die letztlich keine wichtigen Fragen des menschlichen Lebens ausklammert.
Die Berechtigung dieser Stellung und ihrer Funktion stellt Kilian nun unter biologischen Aspekten auf den Prüfstand - denn letztlich geht es immer um das Überleben:
All dies geschieht in biologischen Gemeinschaften, zu denen auch der Mensch gehört, im Rahmen der Evolution: es gilt letztlich immer, eigene Vorteile dauerhaft zu sichern.
Im Zusammenleben gibt es allerdings nicht nur den "ehrlichen" Umgang miteinander in Form selbstlosen Handelns, sondern da wird zum eigenen Vorteil, zur Kompensation irgendwelcher Nachteile getäuscht und getrickst.
Das ist bei "geistlichen" Fragestellungen nicht anders als bei ökonomischen, wo der rational handelnde Marktteilnehmer als idealistischer Ansatz inzwischen dem egoistisch-zweckmäßig Handelnden gewichen ist.
Diese Egoisten handeln auch und gerade in Institutionen wie Kirchen und Religionen, die immer wieder unter bestimmten historischen Bedingungen entstehen und im evolutionären Wettbewerb z.T. dadurch überleben, dass sie symbiotische Verbindungen mit bestimmten strategischen Partnern, d.h. Regierungen und Staaten eingehen, wobei die Regierungsformenwechseln können. Die Argumentation folgt unter formalen Gesichtspunkten logischen Kriterien; die Basis der Vorstellungen und Begriffe kann aber als Nicht-Logik bezeichnet werden; so kommt der Titel dieses Buches zustande.
Kilian geht es darum, eine objektive Basis für Vergleiche, Beurteilungen und Entscheidungen zu finden, die für die Weiterentwicklung des gesellschaftlichen Lebens von entscheidender Bedeutung sein können.
Ernüchternd ist die - eigentlich nicht überraschende - Tatsache, dass ein Zusammenleben der Religionen angesichts der Alleinstellungsansprüche gar nicht möglich ist. Toleranz wird jeweils für den eigenen Standpunkt und die eigene Interpretationshoheit in Anspruch angenommen. "Täuschen und Tricksen" wird den jeweils anderen unterstellt, für sich selbst aber gerechtfertigt.
Es fällt dem Leser leicht, eigene Beispiele zu finden: Das Verständnis von Ökumene der katholischen Kirche - um ein naheliegendes Beispiel aus dem christlichen Bereich zu erwähnen - läuft darauf hinaus, dass die lutherischen Kirchen gern in den Schoß der römisch-katholischen Institution zurückkehren können, wenn sie ihren historischen Irrtum einsehen würden...
Es kann halt nur eine "wahre" Religion geben!

Für alle, die im Selbstverständnis christlicher Religionen aufgewachsen sind, also auch für die, die sich für tolerant halten, ist dieses Buch mehr als ein Stresstest, denn alles, was an dieser Religion lieb und wert zu sein scheint, wird vor dem Hintergrund biologischer Interpretationsmöglichkeiten in Frage gestellt.
Aber nicht nur die religiösen, auch die philosophischen Aspekte kommen auf den Prüfstand: schaut man genau hin, wird aus der kritischen Philosophie rasch ein Zweck-Instrument, das sich entweder mit Geschichte oder historischen Fragestellungen, zumindest aber nicht mit Thesen beschäftigt, die der Stellung der Kirche(n) gefährlich werden könnte. Auch hier ist der Staat gefordert, damit nicht Partikularinteressen die Unabhängigkeit von Wissenschaft und den damit verbundenen Fortschritt lähmen können.

Man sollte sich als aufgeklärter Mensch diesem Stresstest stellen, um sich der Beeinflussung durch Interessen-geleitete Medien und Institutionen zu entziehen, um sich als mündiger Staatsbürger eine eigene Meinung bilden zu können.
Möglicherweise muss man sich von solchen Wunschvorstellungen verabschieden, die man im Erziehungsprozess unreflektiert aufgenommen hat; man gewinnt aber die Freiheit und Toleranz, die für das friedliche Zusammenleben unverzichtbar sind.

Ein für manchen schockierendes, aber sicher heilsames Buch!
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7 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Überzeugend begründet!, 3. Februar 2012
Rezension bezieht sich auf: Die Logik der Nicht-Logik: Wie Wissenschaft das Phänomen Religion heute biologisch definieren kann (Broschiert)
Zwar spät, aber endlich einmal gekauft und im Nu gelesen.
Kann mich hier nur den überwiegend positiven Rezensionen anschließen.

Im ersten Drittel empfand ich das Buch dem Faktum Glauben gegenüber fast etwas zu rücksichtsvoll. Aber ab etwa der Mitte (S. 100 +/-, z.B. ab Kap. 3. Die Funktionen im Alltag) läuft Kilian zur Hochform auf und benennt Ross und Reiter: "Wer hat denn die christlichen Missionare aufgenommen, durchgefüttert und ihnen Unterkunft gegeben? [...] Genau die Heiden, deren Moral nicht gut genug sein sollte. [...] Hätten diese Menschen damals nicht in Nächstenliebe gehandelt, so wäre das Christentum keine drei Meter weit gekommen" (S. 100). Oder in Wissenschaft und Glaube (S. 114 ff): "Christentum ist Kreationismus pur." Mit meinen Worten: Wunderglauben ist mit Naturwissenschaft schlicht unvereinbar. Ein ultimatives 'Deus vult!' (S. 99, 121) religiöser Egoisten ist da, richtig konstatiert, zu platt, zu billig, um darauf dauerhaft hereinzufallen. 'Religiöser Egoismus' wird häufig (und m.E. gerechtfertigt) als Schlüsselelement angeführt.

Das Buch liest sich außerordentlich flüssig; ein roter Faden ergibt sich nicht nur aus den abschnittsweisen Zusammenfassungen und Überleitungen in das nächste (Unter-)Kapitel.

Kilian trennt als Naturwissenschaftler sauber Begrifflichkeiten wie Spiritualität, Religiosität, Religion und kommt im Laufe seines Buches zu verschieden komplexen Definitionen dieser Begriffe, die - hier losgelöst wiedergegeben - nur unverständlich bleiben würden, aber im Kontext des Buches leicht nachvollziehbar sind. Überhaupt ist m.E. alles auf dem Forschungsstand der Zeit, selbst der (hypothetische) genetische Flaschenhals der Menschheit (ausgelöst durch die Toba-Katastrophe vor gut 70.000 Jahren) findet Erwähnung (S. 126).

Über Evolution der Lüge, Alpha-/Beta-Tier-Strategien, die versuchte Beantwortung offener Fragen kommt der Autor zum letzten Kapitel (8. Was ist zu tun?, S. 189 ff) mit der durchaus praktikablen Forderung nach persönlichem Kennenlernen (der Andersdenkenden) - in der Tat mutig, aber auch für manche Ungläubige sicher eine Herausforderung, "sich ehrlich darauf einzulassen" (S. 199).

Die Bemühung Konstantins (S. 155 f) als Wegbereiter des Christentums erscheint aber durchaus fraglich und wird aus Platzgründen nicht weiter ausgeführt, statt dessen auf Veröffentlichungen von Onfray und Deschner verwiesen. Für eine Folgeauflage erscheint es ratsam, hier auch auf die verdienstvollen Bergmeier-Bücher über Konstantin und "Schatten über Europa" zu verweisen bzw. gar etwas einzugehen.
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Die Logik der Nicht-Logik: Wie Wissenschaft das Phänomen Religion heute biologisch definieren kann
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