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261 von 302 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Eigentlich müsste man dem Familienministerium ja dankbar sein. Wäre nicht irgendeine übereiftige Bürokratin auf die absurde Idee gekommen, das religionskritische Kinderbuch "Wo bitte gehts zu Gott?, fragte das kleine Ferkel - Ein Buch für alle, die sich nichts vormachen lassen" verbieten lassen zu wollen, hätte es das Buch wohl auch nicht zu einem Topseller bei Amazon gebracht. Wirft man einen Blick auf die offizielle Argumentation des Ministeriums, kann man eigentlich nur noch in schallendes Gelächter ausbrechen. Dort wird erst einmal definiert, dass Medien jugendgefährdend seien, "wenn sie unsittlich sind, verrohend wirken, zu Gewalttätigkeit, Verbrechen oder Rassenhass anreizen". Dies sei im Falle des kleinen Ferkels und seines Freundes, des kleinen Igels, der Fall, da "die drei großen Weltreligionen Christentum, Islam und das Judentum verächtlich gemacht" werden.

Man sollte sich hier kurz einmal die Lachtränen aus den Augen wischen und sich klar machen, worum es in dem Buch des Philosophen Michael Schmidt-Salomon und des Illustrators Helge Nyncke eigentlich geht. Igel und Ferkel leben ein glückliches Leben, bis sie eines Tages an einem Plakat mit der Aufschrift "Wer Gott nicht kennt, dem fehlt etwas!" vorbeikommen. Also machen sie sich auf die Suche nach Gott und treffen dabei unter anderem auf die Vertreter der drei monotheistischen Weltreligionen, die sie mit kritschen Fragen herausfordern. Am Ende stehen alle Religionsvertreter nackt da, um zu symbolisieren, dass sich hinter ihren wohlfeilen Worten nichts verbirgt und die Moral lautet dementsprechend: "Und die Moral von der Geschicht' Wer Gott nicht kennt, der braucht ihn nicht!"

Das Familienministerium betrachtet es offenbar als jugendgefährdend, wenn kleinen Kindern anhand putziger Tierfiguren vermittelt werden soll, dass es gut ist, gegebene Dinge kritisch zu hinterfragen. Also ich hab bisher immer gedacht, dass unser gesamtes Erziehungssystem darauf basiert, unsere Kinder zu mündigen, sprich kritischen, Staatsbürgern zu erziehen. Nun, da lag ich wohl falsch. Selbst im säkularen Kerneuropa ist es wohl immer noch so, dass kritisches Denken vor den Religionen halt zu machen hat. Das ist eigentlich ein Skandal! Für mich ist es jugendgefährdend, wenn Kindern etwzs von der Existenz einer Hölle mitsamt gleichnamigen Qualen erzählt wird, wo jeder landet, der nicht dieses oder jenes Gebot befolgt. Für mich ist es jugendgefährdend, wenn Kindern erzählt wird, dass die kritische Vernunft halt zu machen hat vor den teils absurden und brutalen Geschichten der Bibel oder des Korans. Aber wie kann man es denn für jugendgefährdend halten, wenn zwei putzige Comictierchen über grüne Wiesen hoppeln und kritische Fragen stellen? Das Leben scheibt einfach doch immer noch die besten Geschichten.

Was hier passiert, ist doch wohl folgendes. Die Christenlobby, die ihre zahlende Kundschaft verliert, macht der Partei mit dem "C" im Namen Druck, doch etwas gegen diesen heidnischen Skandal zu unternehmen. Die C-Partei, die sich eh um ihr konservatives Profil sorgt, gibt nacht. Das Schöne ist, dass erst durch diese Kampagne das Ferkelbuch richtig bekannt geworden ist, und sich tausendfach verkauft. Am 6. März findet die mündliche Verhandlung vor der Bundesprüfstelle statt, an deren Ende eventuell das Verbot des Buches steht. Wer mehr Informationen haben oder gegen diese Politik protestieren will, kann sich auf [...] auf eine Petitionsliste eintragen oder auch einfach nur die weitere Entwicklung des Falls verfolgen. Es geht um viel, es geht um das verfassungsrechtlich verbriefte Recht auf freie Meinungsäußerung.
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10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 30. Januar 2015
Wir haben das Buch von einer Bekannten geschenkt bekommen und fanden es absolut witzig. Alle die hier ellenlange Pamphlete schreiben und wichtig daherschwafeln, als hätten sie selbst den Literaturnobelpreis erhalten, haben nicht verstanden, worum es in dem Buch geht. Natürlich ist es sehr einfach und polarisierend geschrieben: Es ist ja auch ein Kinderbuch. Natürlich kommen die drei monotheistischen Weltreligionen hier nicht gut weg...sollen sie ja auch nicht. Ist ja eh alles erstunkener und erlogener Schwindel.
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147 von 184 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 13. Januar 2009
Judentum, Christentum und Islam in ihrer traditionellen Auslegung sind es, denen Ferkel und Igel in diesem Buch begegnen. Dabei erfahren die beiden einiges über die Inhalte von Thora, Bibel und Koran. Sie machen sich Gedanken darüber, stellen Fragen oder reagieren ganz einfach bestürzt und empört, wenn ihnen etwas besonders Grausames erzählt wird. So wird auf einfache Weise - auch für Kinder gut verständlich - deutlich gemacht, was so problematisch ist an bestimmten Inhalten von Thora, Bibel und Koran. Aber auch Erwachsene können davon profitieren. Wer bislang immer nur die Sonnenseite dieser "Heiligen Schriften" gesehen hat, für den bietet das Buch eine gute Gelegenheit, in einer Art Schnupperkurs eine kritischere Sichtweise kennenzulernen.

Ins Blickfeld gerät dabei manches Wohlbekannte. So die Geschichte von der Sintflut. Sie gehört zu den Geschichten, die Christen gern schon recht früh ihren Kindern erzählen. In acht meiner neun Kinderbibeln kommt sie vor. Alle acht erzählen in unbeteiligtem Ton von diesem Massensterben durch Ertrinken; Mitleid mit den Opfern ist nirgendwo zu finden. Da ist es gut, dass es jetzt ein Buch gibt, in dem das Grauen wieder fühlbar gemacht wird: "Alle Menschenbabys, alle Omas und alle Tiere?", fragt das kleine Ferkel. Ein Augenöffner für Menschen, denen noch nicht aufgefallen ist, wie viele Tote es in dieser Geschichte gibt und wie wenige Ausnahmen. Menschen, denen ganz andere Kommentare zu dieser Geschichte vertraut sind, wie: "... an Noah wird sichtbar, wie Gott schützt und erhält" (Neukirchener Kinder-Bibel: Mit einer Einführung in die Bibel und ihre Geschichten, S. 301), oder: "Alle sind froh" (Komm, freu dich mit mir: Die Bibel für Kinder erzählt, S. 98).

Das Grauen wird fühlbar gemacht im "Ferkelbuch", aber die Kinder werden nicht damit alleingelassen. Sie erhalten allerlei Hilfen, um besser damit umgehen zu können. Das beginnt damit, dass Kindern ein Ventil für ihre Gefühle angeboten wird: "Das ist ja so was von gemein!", denkt das Ferkel. Auf der nächsten Seite hören die Tiere, dass Götter verehrt werden, die es in Wirklichkeit nicht gibt. Das gibt Anlass zu weiteren Überlegungen: "Ich wette, der hat die Geschichte bloß erfunden", meint das Ferkel und erklärt, dass es sie nicht glaubt (viele christliche Eltern glauben sie übrigens auch nicht). Der Igel geht noch weiter: Er glaubt nicht an einen Gott, der so etwas tut. Alles Erschreckende wird in den Bereich der Phantasie verwiesen; Kinder brauchen davor nicht mehr Angst zu haben als vor irgendwelchen Hexen, Drachen oder Science-Fiction-Monstern.

Die Geschichte vom Kreuzestod Jesu ist eine weitere Geschichte, auf deren Problematik Michael Schmidt-Salomon zu Recht hinweist: Die Tiere sind erschrocken beim Anblick des blutenden Gekreuzigten, sie denken daran, wie furchtbar das weh tun muss; und das Ferkel stellt fest, wie unnötig dies schwere Leiden ist. Hier wird freilich eine Chance vertan: Das Leiden ist nicht nur dann unnötig, wenn Ferkel und Igel "immer ganz brav" waren. Es ist auch dann unnötig, wenn sie - wie die meisten Kinder - das eine oder andere ausgefressen haben. Es wäre sogar dann unnötig, ja unsinnig, wenn sie wirklich schlimmen Schaden angerichtet hätten. Durch eine Strafe, die einen Unschuldigen trifft, wird ja nichts besser; es kommt nur neues Unrecht hinzu.

Damit genug der Beispiele. An dieser Stelle muss ich eingestehen, dass meine Rezension bis hierher fürchterlich ernsthaft und ziemlich schwerverdaulich klingt. Das liegt an mir. Neidlos muss ich anerkennen, dass es dem Autor des "Ferkelbuchs" gelungen ist, sein Thema leicht verständlich und auf unterhaltsame Weise zu präsentieren. Kinder wie Erwachsene können ihre Freude haben an den pfiffigen Fragen und Überlegungen von Ferkel und Igel. Auch sonst bietet das Buch einiges zum Lachen.

Leider hat das Buch auch seine Schattenseiten. Für Kinder würde ich es nur mit Einschränkungen empfehlen.

Nicht so gut finde ich, dass Kinder dazu ermuntert werden, die Kleidung der Religionsvertreter "lustig" zu finden. Die Neigung von Kindern, über ungewöhnliche Kleidung zu lachen, bringt schon genug Überheblichkeit und genug Ausgrenzung mit sich. Muss ein Kinderbuchautor noch zusätzlich in diese Kerbe hauen?

Leider scheint der Autor nicht einmal etwas dagegen zu haben, wenn Menschen - so wörtlich - "ausgelacht" werden. Respektvoller Umgang mit Andersdenkenden ist ein wichtiges Erziehungsziel. Respektlosigkeit gegenüber bestimmten religiösen Vorstellungen darf nicht in Respektlosigkeit gegenüber ihren Anhängern umschlagen. Im "Ferkelbuch" geschieht das leider an mehreren Stellen: "Wer ist schon so blöd, dass er eine solche Geschichte glaubt?" - sind also die Menschen blöd, die das glauben? "Die Leute vom Tempelberg sind wirklich verrückt!" - die Leute, nicht nur ihre religiösen Vorstellungen? Und macht der Gottesglaube - was auch immer man davon halten mag - den Rabbi, den Bischof und den Mufti zu Menschen, die das Ferkel auslachen darf?

Wenig hilfreich finde ich schließlich die Szene, in der Rabbi, Bischof und Mufti körperlich aufeinander losgehen. Sicherlich werden einige Kinder darüber lachen, weil es ihnen absurd vorkommt, dass Vertreter von Religionen sich so benehmen; so völlig anders als die wirklichen Vertreter von Religionen, denen die Kinder begegnet sind. Das könnte ein falsches Licht auf die Glaubenslehren werfen, die im Buch zur Sprache kommen: Als wäre es ebenso absurd und ebenso weit von der Wirklichkeit entfernt, dass ein Rabbi, ein Bischof oder ein Mufti derartige Lehren vertreten. Ein wichtiges Anliegen des Buches - die Aufmerksamkeit auf diese Lehren und ihre Problematik zu lenken - könnte dadurch weniger zum Zuge kommen.

Dabei ist es noch besser, wenn Kinder das Verhalten von Rabbi, Bischof und Mufti für absurd halten, als wenn sie auf den Gedanken kommen, von den religiösen Menschen in ihrer Umgebung etwas Ähnliches zu erwarten. Es wäre keine Hilfe zur Entwicklung zutreffender Vorstellungen. Jedenfalls nicht in Städten wie Braunschweig, wo ich seit drei Jahrzehnten lebe und wo meine Kinder aufgewachsen sind. Dort haben wir die meisten Christen als Menschen erlebt, mit denen wir gut auskommen können. Gewalt zwischen den Religionen gab und gibt es in dieser Welt, gewiss, aber für meinen Jüngsten kommt es erst einmal auf die Menschen an, denen er tatsächlich begegnet. Es ist mir wichtig, dass er unbefangen und ohne unbegründetes Misstrauen auf diese Menschen zugehen kann. Ich werde ihm das "Ferkelbuch" nicht vorlesen.
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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 10. September 2014
Als eingefleischte Atheistin und Fan von Michael Schmidt-Salomon ist es klein Wunder, dass ich dieses Buch für meine Enkelkinder gekauft habe . Meine Tochter kommt mich diesen Monat besuchen, mal sehen, ob sie es ihren Kindern grn schenkt. Ich fand's klasse.
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170 von 223 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 30. Oktober 2007
Michael Schmidt-Salomon ist dieses Kinderbuch einfach wunderbar gelungen! Die Gottesmänner in ihren "lustigen Gewändern" sind auch nur Menschen (bzw. ... wie wir nur nackte Affen ...) und auch in ihrem Glauben menschelt es sehr. Ich hatte als Kind und Jugendlicher immer große Angst davor, ewig in der Hölle zu schmoren wenn ich vergessen hatte abends zu beten. Die Bibel und alle abrahamitsche Religionen arbeiten sehr viel mit Drohungen und Ängsten - besonders Kinder sind hier sensibel und besonders Kindern kann das schaden. Hätte ich damals dieses Buch gehabt, ich bin mir sicher, dass es mir ein bischen geholfen hätte.

Mein Fazit: Ein wunderbares kleines Bilderbuch, das die kindliche Höllenangst lindert.
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7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 17. Mai 2014
Solche Bücher sollte es mehr geben.

Auf altersgerechte Art werden die Kinder ans Thema Religion herangeführt. Rasch bekommen sie mit, dass es mehrere grosse Religionen gibt. Und dass jede behauptet, die richtige zu sein. Um diesen Anspruch durch zu setzen, ist auch Gewalt kein Tabu. Das reicht dem Schwein bereits. Und sollte auch den Kindern reichen, um um Religion einen Bogen zu machen.
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138 von 185 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 12. Dezember 2007
Als der kleine Igel und das kleine Ferkel durch ein Plakat auf Gott aufmerksam gemacht werden, begeben die beiden sich auf die Suche nach ihm. Auf ihrer Reise treffen sie einen jüdischen Rabbi, einen christlichen Bischof und einen islamischen Imam. Jeder der drei berichtet über die furchtbarstes Vorstellungen von Gott und konfrontiert Ferkel und Igel mit den Dogmen seiner Religion. Als Ferkel und Igel die Regeln der Männer nicht befolgen wollen, werden sie von den wütenden Predigern verjagt, die in einem chaotischen Finale aufeinander treffen und sich schließlich gegenseitig um ihre Ansichten streiten. Das Buch übt Kritik an der institutionalisierten Religion, ihren Dogmen und ihrem Prinzip, sich die Angst der Gläubigen zu Nutze zu machen, um sich ihrer Gefügigkeit zu versichern. Die Sehnsucht nach einem supernaturalistischen Überwesen, dass in die Geschicke der Lebenden eingreift wird indes nicht thematisiert. Die anspruchsvollen Zeichnungen bieten viele Details zum Betrachten. Das Buch ist absolut empfehlenswert.
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135 von 181 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 11. Oktober 2007
Meine 9-jährige Nichte erzählte mir kürzlich, dass ihr Religionslehrer meinte die Sterne entstehen aus Erdklumpen. Ihr Kommentar: "So ein Quatsch."
Um ihre Zweifel weiter zu nähren, werde ich mit ihr dieses schön illustrierte und klar formulierte Kinderbuch gemeinsam lesen. Denn dafür ist es bestens geeignet, und Erwachsene haben auch etwas zum Schmunzeln.
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66 von 89 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 3. März 2008
Durch den Indizierungsantrag verleitet bestellte ich mir das Buch, welches heute ankam.
Zuerst das Lob: Der Illustrator Helge Nyncke hat hier einen sehr guten Job gemacht. Die Illustrationen sind kindgerecht hell, fröhlich in den Farben ohne chaotisch bunt zu werden. Der Strich ist sauber und präzise, dabei aber unaufdringlich und funktional, statt sich expressiv in den Vordergrund zu drängeln. Die Behandlung des Raumes zeigt, wie Nyncke sowohl den Einsatz von Perspektive als auch die Figurendarstellung aus dem Effeff beherrscht - da ist keinerlei als kindliche Naivität getarntes Unvermögen zu erkennen.

Ss gibt auf den Buchseiten allerhand zu entdecken an "nebensächlichen" Details, wie dem Knopf auf dem Fensterbrett im Badezimmer. Dies hätte man sogar noch etwas verstärken können, in einzelnen Buchseiten wie z.B. bei der Begegnung mit dem Rabbi ist die kompositorisch schöne Idee (wie der Rabbi im Zentrum eines Steinpflasters steht) eher auf Erwachsene zugeschnitten, welche es sicherlich gern so klar mögen. Für Kinder ist da dann eventuell zu wenig "Augenfutter" vorhanden. Aber es gibt ja Ausgleich, z.B. auf der Seite, wo die beiden Helden nach dem Weg fragen und wir nebenbei eine ihr Rad schiebende, vom Einkaufen kommende Gans sehen, die sich mit einem Hasen-Jogger unterhält.
Wunderbar beobachtet sind dabei typische Kinder-Posen, welche der Illustrator auf Igel und Ferkel übertragen hat: Wie z.B. das Ferkel seinen kleineren Freund einmal Huckepack trägt, während sie sich mit dem Bischof (einem Erwachsenen) unterhalten und so auf eine sehr kindliche Weise das Zusammenhalten der beiden nicht so sehr gezeigt, als vielmehr gelebt wird - das ist großartig! Überhaupt haben die beiden Heldenfiguren einen starken Knuddelfaktor, man muß sie einfach gern haben!
Störend ist der Seitenanschnitt: Die schönen Illustrationen werden häufig zu abrupt von den Seitenrändern abgeschnitten - man hätte sich ein sanfteres Fade-Out gewünscht. Wie Nyncke eigentlich eine Szenerie auf einem Blatt Papier anzuordnen vermag, kann man anhand der Budenplanken des Badezimmers erkennen: das Layout hätte besser auf seine Zeichnungen eingehen sollen!

Zum Inhaltlichen: Hier wurde eindeutig Potential verschenkt. Die Geschichte ist nicht spannend genug, denn es existiert kein echtes Problem, das gelöst werden muß. Ferkel und Igel suchen Gott, finden ihn nicht und gehen wieder heim. Nirgendwo geraten sie in eine wirklich krisenhafte Situation oder gar in Gefahr, wie es in jedem spannenden Märchen der Fall ist. Entsprechend fehlt ihnen auch jede Möglichkeit, sich wirklich zu bewähren, über sich selbst hinauszuwachsen. Außerdem ist ihre Freundschaft - so herzerwärmend sie sein mag - zu eindimensional. Nur einmal erfahren wir, daß der Igel seinen Mut nur vorspielt und eigentlich genauso ängstlich ist wie sein Freund Ferkel. Mehr Auseinandersetzung gibt es zwischen den beiden nicht, obwohl der Streit, das gegenseitige Einanderherausfordern und Übetrumpfenwollen , welches mit dem Zusammengehörigkeitsgefühlt und der Solidarität unter Freunden austariert sein will, doch zur kindlichen Realität dazugehört.

Was für die Charakterisierung der beiden Helden zutrifft, läßt sich auf die gesamte Story ausweiten: Sie ist zu eindimensional und macht somit denselben Fehler wie alle "Erbauungsliteratur": die Message des Autors gewinnt Oberhand über seine Fabulierlust. Es wird hier schlicht nur die Dummheit des Gottesglaubens vorgeführt. Das ist ja okay und als Anliegen ebenso legitim wie Agitprop für irgendeinen Gott (wenn nicht sogar noch etwas legitimer ;-) ). Aber der Plot verliert zusehr an Gewicht. Dabei gäbe das Thema mehr her: Gottesglauben kann verführerisch sein, so verführerisch wie das Lebkuchenhaus bei Hänsel und Gretel.
Warum begehen weder Igel noch Ferkel Fehler (aus denen sie dann ja lernen könnten)? Warum probiert nicht eins von beiden mal den magischen Trick mit dem Beten aus? Die Grundidee ist zu sehr auf die Schlußpointe "Wer Gott kennt, dem fehlt was" (hier oben...) hin ausgerichtet. Dabei hätte man sie spannender, nachvollziehbarer, lebendiger gestalten können. So macht der Autor es sich und seinen Lesern allzu einfach: Igel und Ferkelchen, die für die Kinder stehen, sind pfiffig und nett, die religiösen Autoritäten (Erwachsenen) sind ziemlich dumm und so können die Kinder - pardon! - Tiere sich einvernehmlich zuzwinkern und an die Stirn tippen. Okay, hier kann man ein bißchen grinsen, schmunzeln, lachen. Aber im Gedächtnis bleibt wenig, denn es gab kein echtes, wichtiges, ernstes Problem zu lösen. Schade!

Zur Diskussion wegen des Indizierungsverfahrens: Mir kommt es so vor, als wäre ein Teil der inhaltlichen Schwäche der political correctness geschuldet, mit welcher der Autor vorgeht. Alle drei behandelten abrahamitischen Religionen werden anteilig gleich behandelt und kommen auch noch in der Reihenfolge ihrer Entstehung vor, statt ansteigend nach Wichtigkeit bezogen auf das zu vermutende Erlebnisumfeld der angsprochenen Kinder. Das Judentum, welches für ein durchschnittliches Kind in Deutschland kaum von Interesse sein dürfte, nimmt ebensoviel Platz ein wie das Christentum, welches hierzulande ja doch wesentlich häufiger anzutreffen ist. Dadurch, daß der Rabbi ausgerechnet eine Geschichte erzählt, welche Kinder zumeist aus dem christlichen Kontext kennen, wird möglicherweise sogar Konfusion bei den Kindern geschürt: Wer glaubte denn jetzt noch gleich an die Sintflut - die Juden oder die Christen? Der Islam kommt relativ farblos weg, der Hinweis darauf, daß der Mufti sich in seinen religiösen Gefühlen verletzt fühlt, ist eher ein Augenzwinkern für Erwachsene - für Kinder dürfte nicht so recht klar werden, worum es denn beim Islam jetzt noch gleicht geht, eine Höllendrohung ist im Vergleich zu der Sintflut oder der Kreuzigung denn doch eher unkonkret und fühlt sich nicht wirklich wichtig an. Die Akkuratesse, mit welcher alle drei Religionen exakt gleichviel Fett abbekommen, wirkt so, als habe selbst bei Schmidt-Salomon irgendeine Meta-Schere im Kopf gewirkt.
Daß dies eventuell notwendig gewesen sein könnte, ist traurig. Zwar ist die Geschichte m.M.n. juristisch "wasserdicht", zwar werden weder falsche Behauptungen in dem Buch erhoben, noch stiftet sie zu Rassenhass oder anderen feindseligen Handlungen an. Aber ihr fehlt damit auch etwas der für Kinder typische Anarchismus: Ausgewogenheit ist eigentlich eher was für Erwachsene.

Eineinhalb Punkte Abzug für diese inhaltlichen Schwächen, ein halber Punkt Abzug wegen des Seitenbeschnitts - bleiben leider nur 3 Sterne übrig. Die aber sind wohlverdient!
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82 von 112 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Es klingt ja alles wie ein schlechter Scherz! Vor Monaten hatte das CDU-geführte Bundesfamilienministerium bei der Bundesprüfstelle die Indizierung des religionskritischen Kinderbuches "Wo bitte gehts zu Gott?, fragte das kleine Ferkel. Ein Buch für alle, die sich nichts vormachen lassen" von Michael Schmidt-Salomon sowie dem Illustrator Helge Nyncke beantragt. Im Antrag hieß es, dass das Buch dazu führen könne "die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen oder ihre Erziehung zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit zu gefährden". Da fragt man sich natürlich erschreckt, was für ein monströses Werk denn da auf unsere Kinder losgelassen werde. Jeder, der sich trotzdem todesmutig der Lektüre dieses so gefährlichen Buches ausgesetzt hat, muss sich danach unweigerlich fragen, welche kognitiven Fehlleistungen in den Gehirnwindungen der MitarbeiterInnen des Familienministeriums dazu geführt haben können, so gegen dieses Buch vorzugehen.

Worum geht es überhaupt? Das kleine Ferkel und sein bester Freund, der kleine Igel, führen ein schönes Leben, bis sie eines Tages feststellen, dass jemand ein großes Plakat mit der Aufschrift "Wer Gott nicht kennt, dem fehlt etwas!" an ihrem Haus angebracht hat. Also beschließen die beiden, diesen Herrn Gott mal kennenzulernen und treffen im Verlauf der Geschichte auf die Vertreter der drei großen monotheistischen Religionen. Mit ihren kritischen Fragen bringen sie den Priester, den Rabbi und den Imam so gegen sich auf, dass die kleinen putzigen Tierchen jedes mal erschreckt das Weite suchen müssen und am Ende zu dem Entschluss kommen: "Und die Moral von der Geschicht': Wer Gott nicht kennt, der braucht ihn nicht!" Auf den abschließenden Seiten des Buches finden sich um die 20 nackte Menschen, unter anderem die Religionsvertreter, um zu zeigen, dass sich hinter ihren heiligen Reden nichts verbirgt.

Wieso ein putziges Schweinchen und ein noch putzigeres Igelchen, die über grüne Wiesen hoppeln und vorgegebene Dogmen kritische hinterfragen jugendgefährdend sein sollen, ist mit gesundem Menschenverstand nicht nachzuvollziehen. Die Motive des Indizierungsantrages dürften ganz woanders liegen: Die CDU sorgt sich in Zeiten der Großen Koalition um ihr konservatives Profil und beugt sich dem Druck der christlichen Lobby innerhalb ihrer Partei, mal ein Zeichen zu setzen. Dabei schreckte man nicht einmal davor zurück, dem Buch antisemitische Tendenzen zu unterstellen, ein Vorwurf, der so absurd ist, dass er sogar vom Zentralrat der Juden zurückgewiesen wurde. Das alles sahen zum Glück auch die Richter der Bundesprüfstelle so und schmetterten den Antrag des Ministeriums am 6. März diesen Jahres in allen Punkten ab. Ein Sieg für die Meinungsfreiheit in diesem Land, was auch von den meisten Gegnern des Ferkelbuches so gesehen wird.

Die Aufregung um das Buch lässt sich nachvollziehen, wenn man bedenkt, dass hier ein längst notwendiger Tabubruch stattfindet. Selbst in einem säkularen Staat wie Deutschland gilt es als unfein oder gar als Zeichen von Intoleranz, die Dogmen der Religionen zu kritisieren und abzulehnen. Daher ist die Erziehung in unserem Land auch noch von den Wertevorstellungen des Christentums durchdrungen, denen sich keiner entziehen kann. Das säkulare Eltern nun ein explizit religionskritisches Buch in die Hände bekommen können, ist für die Lobbyisten der Religionen natürlich ein großes Ärgernis. Den Autoren kann man für diesen Tabubruch nur danken und hoffen, dass andere diesem Beispiel folgen werden.
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