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am 23. Juli 2008
Michael Schmidt-Salomons "Plädoyer für eine zeitgemäße Leitkultur" hat große Verbreitung gefunden. Darüber darf man froh sein. Er greift die wesentlichen Aspekte unserer Gesellschaft auf, unterzieht sie einer strengen Prüfung und stellt uns eine (auf)geklärte, geläuterte Version vor. Kritik an der Kirche und ihrer Apologetik ist ein wesentlicher Teil von Schmidt-Salomons Werk:
Er entlarvt die Theorie des "Intelligent Design" als den hilflosen Versuch, wissenschaftliche Erkenntnisse in Glaubensschemata zu pressen. "In Anbetracht des weltweit fortschreitenden religiösen Fundamentalismus ist es deshalb von absoluter Dringlichkeit, auf einen Prozess weltweiter religiöser Abrüstung hinzuwirken."
Grundbedingung dafür sei, dass auch minderprivilegierte Menschen Zugang zu Wissenschaft, Philosophie und Kunst finden. Rationale Aufklärung über Wesen und Wirkungsweise von Religion muss den gebührenden Stellenwert im Bildungssystem erhalten.

Besonders erhebend fand ich das vierte Kapitel über Sinn und Sinnlichkeit, mit dem Untertitel: "Warum uns der evolutionäre Humanismus nahe legt, aufgeklärte Hedonisten zu sein": Einen Sinn des Lebens kann man nur in diesem Leben erfahren (ist eigentlich logisch), mit und durch seine Sinne. So gesehen vertritt der Autor hier ein wunderbar einleuchtendes Theorem, das uns erlaubt, durch unsere Sinne zu leben und ihnen auch zu vertrauen - ganz im Gegensatz zur kirchlichen Lehre, die Leib- und Sinnesfreuden gegenüber feindlich eingestellt ist und die den Sinn des Lebens nicht in diesem aktuellen irdischen, sondern in einem jenseitigen, himmlischen (oder höllischen) Leben sucht.

Schmidt-Salomon beweist, dass eine Ethik ohne Gott möglich ist, mehr noch: dass wichtige Errungenschaften wie Menschenrechte und Demokratie nicht dem Konto des Christentums gutgeschrieben werden können, "musste doch jedes einzelne Menschenrecht dem Christentum ... in einem erbitterten Machtkampf abgerungen werden. ... Eine Ethik aber, die die Grundbedürfnisse (Interessen) der Menschen derart ignoriert, verdient es nicht, 'Ethik' genannt zu werden".
Bis heute hat der Vatikan die Europäische Menschenrechtskonvention nicht ratifiziert!

Schmidt-Salomon beschränkt sich nicht nur auf die christlichen Religionen. Religionen an sich kommen bei ihm schlecht weg. Dazu gehören auch die sog. "politischen Religionen" in totalitären Systemen.
Dort, wo er Kritik übt, tut er das unbarmherzig, tabulos, aber fair. Er bietet immer Auswege an und stellt Alternativen vor. Diese scheinen logisch, plausibel und durchdacht.
Es sieht aber auch die Grenzen: die "prinzipielle Unverträglichkeit von aufklärerischem und religiösem Denken". Klar arbeitet er heraus, dass das "Christsein" keine halbe Sache sein kann: "Ein christlicher Fundamentalist weiß - und das ist sein Vorteil gegenüber dem liberalen (Tauf-)Schein-Christen! -, dass Jesu Erlösungstat ohne Voraussetzung von Hölle und Teufel in etwa so sinnlos ist wie ein Elfmeterschießen ohne gegnerische Mannschaft." Dies ist mit ein Grund dafür, dass nicht nur die Anzahl der konfessionslosen Menschen steigt, sondern auch die der religiösen Fundamentalisten.
Als zusammenfassende Erklärung darf man im Anhang B die zehn Angebote (nicht: Gebote!) des evolutionären Humanismus verstehen, die den Zehn Geboten des Buches Exodus (Anhang A) gegenübergestellt werden. Diese zehn Angebote sind im Vergleich zu den beklemmenden "göttlichen" Zehn Geboten erhebend, befreiend und vor allem unverbindlich.
Zu vorletzt möchte ich noch auf die Anmerkungen hinweisen, in denen ich zahlreiche interessante Literaturhinweise fand.
Und zuletzt gilt mein Werben der Seite 196, wo Sie einen Aufruf zur Diskussion finden und das Manifest online unterzeichnen können. Die Giordano Bruno Stiftung ist allemal einen Besuch wert!
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am 4. August 2014
Jeder der nicht verbohrt religiös ist, etwas Hirn im Kopf hat und diese Buch gelesen hat kann sich den einleuchtenden Argumentationen von Michael Schmidt-Salomon einfach nur anschließen.
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am 18. August 2014
Das Manifest des evolutionären Humanismus ist das Beste, was ich in den letzten Jahren zu Fragen der Religion, der Menschenrechte und der Kultur Europas gelesen habe.
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am 20. Juni 2007
Ein sehr gutes Buch! Mit messerscharfem Verstand und mit fundierter Kenntnis stellt Dr. Michael Schmidt-Salomon allgemein verständlich den säkularen Humanismus vor. Dabei wird auf Religionskritik (neben den theistischen Religionen" werden auch die atheistischen und politischen Religionen kritisiert) nicht verzichtet.

Er stellt die Stützpfeiler des evolutionären Humanismus vor (Wissenschaft, Philosophie, Kunst). Es wird klar, dass der Evolutionäre Humanismus kein dogmatisches, sondern ein "offenes System" ist. Es wird deutlich warum der rationale Glaube an die Wissenschaft nicht mit "Wissenschaftsgläubigkeit" zu verwechseln ist.

Kritik und Verbesserung ist der Motor des evolutionären Humanismus, der damit im totalen Gegensatz zu der Ideologie der Religionen steht, die absolute nicht zu hinterfragende "Wahrheiten" verkünden.

Es werden brandaktuelle und kontrovers diskutierte Themen behandelt (halbierte Aufklärung, Fundamentalismus, ID, Bioethik, Sozial- und Bildungssystem usw.) Sehr gefallen hat mir das Kapitel "Den Eigennutz in den Dienst der Humanität stellen!" und die Zehn Angebote (nicht Gebote) des evolutionären Humanismus.

Fazit: Ein sehr lesenswertes Buch ! 5 Sterne !
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am 31. Mai 2016
MSS drückt in sehr knapper Form genau die Gedanken, die mir schon immer auf der Zunge lagen. Es ist sicher so, daß Religionen (alle) zum Ziel haben, den Menschen unmündig zu machen, um sie als Soldaten eines Glaubens (!!!) zu missbrauchen. Ohne Aufklärung wären wir jetzt noch im tiefsten Mittelalter, wo Bischöfe und Kirchenobere über das Schicksal aller, aber vor allem der Nichtgläubigen bestimmt haben. Päpste haben sogar über die Ernennung von Königen und Kaisern bestimmt, das Volk war absolut ohne Bedeutung. Die Anmaßung der Kirchen kannte keine Grenzen, der Vergleich mit den heutigen Islamisten drängt sich zwangsläufig auf. Christen, die heute mit dem Finger auf die radikalen Islamisten zeigen, müssten erst ihr eigene Geschichte aufarbeiten, und sämtliche Verbrennungen und Foltern von Abtrünnigen oder Nichtgläubigen als das benennen, was sie waren, und die eigenen Schandtaten zugeben. Es genügt nicht zu sagen, alles geschah vor langer Zeit und ist längst Geschichte, uns kann so etwas nicht mehr passieren. Geschichte wiederholt sich, wenn man sie verniedlicht, die Rolle der Aufklärung muss immer wieder betont werden, und daß das, was man heutzutage als "christliche Denkweise" bezeichnet durch die Aufklärer in langen schweren Kämpfen gegen die Kirchen erzwungen wurde, und ganz und gar nicht "urchristlich" ist.
Eigentlich Schade, daß so ein Manifest kaum von Menschen gelesen wird, die Religionsgläubig sind.
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am 14. April 2007
Auch wenn MSS sein Buch ein Manifest nennt, ist es eher eine mit sehr spitzer Feder großartig und empathisch vorgetragene Streitschrift. Streitschriften sind spitz, plakativ, direkt und in Bezug auf die Argumentation selbstbezüglich zur Zielsetzung. Seine Ideen, Wissenschaft, Kunst und Philosophie in Mittelpunkt des Lebens zu stellen, kann man sehr wohl und schnell teilen. Humanismus und Aufklärung sind seine Forderungen einer Leitkultur, die alle Menschen begreifen, da die o. a. Triade von Wissenschaft den rationalen Aspekt, Philosophie als Verbindung zur Kunst und diese dann selbst den intuitiven, emotionalen und empathischen Teil aller Sinneswahrnehmungen bedient. In scheinbaren Widerspruch setzt er die Religion. Hier jedoch unter dem Aspekt der religiösen Institutionen und den bibelexegetischen Auswertungen mit hohem Bezug zur Wörtlichkeit. Damit verschränkt er seine Argumentation mit Widersprüchen, da historisch bedingte Veränderungen der Interpretation ausgelassen werden, um seinem Ziel argumentativ näher zu kommen.
MSS predigt nahezu den Gedanken der Aufklärung, ist verliebt in die Idee des Kantschen SAPERE AUDE und sieht dennoch im Widerspruch zu ihm die fehlende Vernunft nicht ursächlich in der selbstverschuldeten Unmündigkeit. Für ihn ist sie nicht selbstverschuldet, sondern von der Sozialisation im historischen Kontext bewirkt.

Umso mehr sieht er den Zwang, hier ausbrechen zu müssen; den Eigennutz ohne Bezug zur Gemeinschaft zu fördern, weil letztendlich sich dieser Bezug evolutionär und logisch folgend von selbst als Integration einstellt. Mir scheint, als folge er Marc Aurel, der sinngemäß sagte, kümmere dich um die, die noch Sinn in die Gemeinschaft bringen. Insgesamt scheint MSS auch begeistert von der Stoa, den Schriften Epikurs und Epiktets, die letztendlich in der Sicherheit eines Lebens im Diesseits, das Jenseits nicht als Nachlebensziel postulierten, sondern die Freude im jetzigen. Seine Kritik an der Religion ist deutlich überspitzt, da er sich ausschließlich um die Stellen bemüht, die seiner Denke pointiert und diametral entgegengesetzt sind und in der öffentlichem Meinung dazu führen müssen, nur ihm recht zu geben. Die Anleitung zum subversiven Denken hat er leider beherzigt. Polarisierung an der falschen Stelle ist immer zu vermeiden.

Zur Übertragung auf das heutige Leben ist er fanatisch in der Forderung nach Bildung, weil nur hier der aufgeklärte Gedanke fortgepflanzt werden kann. Das Ziel des Lebens besteht in der Vermehrung von Freiheit und Verantwortung, wusste schon Camus zu sagen. Auch wenn MSS heute offensichtlich auf Tradition in seiner Idee des aufgeklärten Humanismus verzichten muss, möge ihm der Gedanke von Mahler helfen, Tradition von einer anderen Wahrte aus zu betrachten. Dieser sagte: "Tradition ist nicht die Asche, die man bewundert, sondern die Weitergabe des Feuers."

Feuer ist allemal in seiner lesenswerten Streitschrift des evolutionären Humanismus. Evolution schließt alle Unwägbarkeiten und sogar den Tod mit ein, gem. dem Shakespeareschen "by chance or natures changing".
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am 10. Februar 2014
Dieses kleine Büchlein hat es wahrlich in sich. Ich habe es innerhalb von 2 Tagen verschlungen. Es gehört für mich zu dem besten, was Michael Schmidt-Salomon bisher geschrieben hat, da es grundlegende ethische Prinzipien des evolutionären Humanismus kurz, knackig, aber wohl begründet auf den Punkt bringt. Besonders gut hat mir die Verknüpfung des aktuellen wissenschaftlichen Forschungsstandes in Natur- und Kulturwissenschaften mit den hier dargelegten philosophischen Überlegungen gefallen. Es werden grundlegende Themen wie die Bedeutung von Wissenschaft, Philosophie und Kunst ebenso dargestellt, wie die Rolle unseres Grundgesetzes, der Einfluss ökonomischer und ökologische Rahmenbedingungen auf das menschliche Verhalten, Tierethik und vieles mehr. Das alles wird mit einer pointiert formulierten Religionskritik verknüpft. Darüber hinaus werden gute Vorschläge und Forderungen des ethischen Handelns für den Alltag und die Politik entwickelt.
Summa summarum kann ich nur sagen, dass es sich in meinen Augen hier um ein immer noch viel zu wenig beachtetes Büchlein handelt. Viele Argumente in diesem Buch könnten und sollten nach meinem Dafürhalten in der Schule behandelt und diskutiert werden, z.B. im Ethikunterricht, oder wie es der Autor fordert: in einem für alle verbindlichen Werteunterricht.
Fazit: Sehr empfehlenswert.
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am 9. Dezember 2006
Vergessen Sie die Bibel, vergessen Sie das kommunistische Manifest und lesen Sie stattdessen das "Manifest des evolutionären Humanismus".

Jenseits christlicher Abendlandsromantik und postmoderner Beliebigkeit steht die Idee einer Leitkultur, die sich auf Humanität und Wissenschaft gründet. Eine Kultur, die pluralistisch ist und doch einheitlich human, welche die Freiheit des Denkens hochhält und gerade deshalb die Wissenschaft fördert.

Man sollte dieses Manifest nicht als alleiniges Werk eines einzelnen Philosophen ansehen, vielmehr ist es Resultat einer langen Tradition von Humanismus und Aufklärung und fasst die wichtigsten Ansätze für eine moderne Ethik zusammen und bringt sie auf den Punkt. Kaufen!
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am 17. Februar 2016
Sehr schön. Menschlichkeit ohne Religion.
Sollte man zum Lehrbuch erklären.
Das Buch bringt viele Dinge auf den Punkt.
Ein Regelwerk für Gutmenschen und welche die es werden wollen.
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am 20. Januar 2016
Im Kontext mit den Büchern "Der Appell des Dalai Lama and die Welt" und "Der Gotteswahn" v. Richard Dawkins die beste "Hilfe", das wahre Unheil von Religionen zu erkennen.
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