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25 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Mann mit einem gesunden Menschenverstand, 24. Oktober 2006
Von 
Carl-heinrich Bock "Literatur- und Kinofan" (Bad Nenndorf) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (HALL OF FAME REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Der arme Swoboda (Gebundene Ausgabe)
Die Geschichte führt uns in ein kleines, friedliches, verschlafenes Städtchen in Böhmen. In der Monotonie würden die Menschen wahrscheinlich eingehen, gäbe es da nicht einige verschrobene Mitbürger, deren Verhalten täglich eifrig kommuniziert wird. Zu diesen Figuren gehört auch unser Held, der arme kleine Swoboda. Er sitzt seit Jahrzehnten täglich, von früh bis spät, auf dem Bahnhof herum und wartet auf Touristen, die sich hierher jedoch sehr selten verirren und die ihn dann mit dem Tragen der Reiseutensilien beauftragen.

Wir schreiben das Jahr 1939, es ist ein kalter, schneereicher Märztag, als ein Vorabkommando der deutschen Truppen wie die Vandalen über das Städtchen herfällt. Sie plündern, schlagen vieles kurz und klein, spielen sich mächtig auf und verängstigen die Bürger zunehmends. Um von ihrem unsinnigen Verhalten abzulenken, brauchen sie schließlich einen Sündenbock, der für alles hinhalten soll. Sie finden ihn in dem armen kleinen Swoboda. Er wird beschuldigt, ein Attentat auf den Führer Adolf Hitler geplant zu haben. Swoboda fügt sich in sein Schicksal ein, lässt allerhand mit sich anstellen, landet schließlich im Konzentrationslager. Er fragt sich immer wieder, was er wohl falsch gemacht haben kann, er der einfache, kleine Mann mit dem doch gesunden Menschenverstand. Er überlebt das KZ, aber sein ganzes Leben ist auf den Kopf gestellt. Da beschließt er Rache zu nehmen an diesem Adolf Hitler. Wer ist der schon, dass er so in sein geordnetes, friedliches Leben eingreifen konnte. Swoboda reicht vor Gericht Klage ein. Mehr soll von dem Plot hier nicht verraten werden.

Durch die Augen dieses blauäugigen, arglosen, gutmütigen und Lebens unerfahrenen Dienstmannes, sehen der politische Wahnsinn und die durch den Krieg ausgelösten grausamen Weltereignisse entsetzlich durchsichtig aus.

Es ist ein bewegendes, erbostes Buch über Menschenverachtung, Furchtlosigkeit, Standhaftigkeit, Unerschrockenheit, Assimilation, Drückeberger und Märtyrer. Und es ist in erster Linie natürlich eine wunderbare Satire, Glasscherben scharf, über die Überheblichkeit dieser Menschen in Uniform, die denken mit dem kleinen Mann können wir ja alles machen. Es ist ein wunderbares Buch, rasant geschrieben, einfühlsam erzählt, von unglaublicher Sogkraft, dass man es, einmal mit der Lektüre begonnen, nicht wieder aus der Hand legen möchte.
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14 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Parabel über die Folgen unkritischen Handelns, 10. Oktober 2006
Rezension bezieht sich auf: Der arme Swoboda (Gebundene Ausgabe)
In dem Kurzroman „Der arme Swodoba“ erzählt János Székely im satirischen Ton von der grenzenlosen Dummheit und Einfältigkeit eines Gepäckträgers, der in einem kleinen tschechoslowakischen Kaff, an dem die Weltgeschichte, ohne Eindruck zu hinterlassen, vorbeigezogen ist, die Koffer von Bahnreisenden trägt und durch zusätzliche kleine Dienstleistungen noch ein paar Münzen dazuverdient. Als im Frühjahr 1939 die Nazis in den Ort einmaschieren und Chaos anrichten, beeindruckt Swodoba das herzlich wenig, hat er doch schon mehrere Herrscher erlebt, die keine Tschechen waren und trotzdem das Land regierten.

Székely erzählt so, dass man über Swodobas Unbekümmertheit und Gutmütigkeit nur schmunzeln kann. Solange es Swodoba gut geht, hat er sich nicht zu beklagen, sogar im KZ ging es ihm gut, und er kommt frohgelaunt ins Dorf zurück.

Mit der Figur des weltfremden Swoboda will uns der Autor aufzeigen, wie blind und ohne Kritik viele Menschen Hitler nachgelaufen sind und zweitens die Egozentrik, dass man erst handelt, wenn einem selber Unrecht getan wird. Diese Botschaft wird glasklar vermittelt. Dieser kurze Roman steht im Schatten von Székelys großen Roman „Verlockung“, aber trotzdem ist „Der arme Swodoba“ gerade auch der jüngeren Generation zu empfehlen, da dem Leser auf spielerische Art die Folgen von unkritischem Handeln vorgeführt wird. Darum ist der Roman, der erstmals 1943 erschien, auch heute noch aktuell.
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Der arme Swoboda
Der arme Swoboda von János Székely (Gebundene Ausgabe - Mai 2006)
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