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58 von 63 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Klassiker des Kulturpessimismus
Die Weltgeschichte als Geschichte des stetigen Fortschritts: Aus der finsteren Barbarei der Vorzeit, über schmerzliche Kriege und lange Lernprozesse hat sich die Menschheit eine sichere Zivilisation erarbeitet und geht weiterhin einer glänzenden Zukunft entgegen, so die weit verbreitete Ansicht. Gegen solchen Fortschrittsoptimismus erhob Oswald Spengler...
Veröffentlicht am 17. Juni 2005 von Rolf Dobelli

versus
49 von 63 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Für "starke Denker"
In seinem 1200-S.-Werk mit dem irreführenden Titel "Der Untergang des Abendlandes" stellt sich Oswald Spengler dem Leser als "Geschichtsforscher, Geschichtskenner und Geschichtsphilosoph" vor. Nach des Autors Verständnis besitzt der Geschichtsphilosoph die angeborene, nicht lernbare Fähigkeit, die Bedeutung (d.h. Ablauf und Ziel) der Geschichte zu...
Veröffentlicht am 25. November 2008 von Lothar Völler


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58 von 63 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Klassiker des Kulturpessimismus, 17. Juni 2005
Von 
Rolf Dobelli (Luzern, Schweiz) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (HALL OF FAME REZENSENT)    (REAL NAME)   
Die Weltgeschichte als Geschichte des stetigen Fortschritts: Aus der finsteren Barbarei der Vorzeit, über schmerzliche Kriege und lange Lernprozesse hat sich die Menschheit eine sichere Zivilisation erarbeitet und geht weiterhin einer glänzenden Zukunft entgegen, so die weit verbreitete Ansicht. Gegen solchen Fortschrittsoptimismus erhob Oswald Spengler wortgewaltig Einspruch. In seiner über 1000-seitigen Geschichtsphilosophie "Der Untergang des Abendlandes" (1918) legte er eine Art Lebenszyklustheorie der Hochkulturen vor: Alle Kulturen der Welt ähneln sich demnach in bestimmten Phasen; das ist ihre Homologie - ein Begriff, den Spengler der Biologie entlehnte. Der Clou dieses Verfahrens, für das er von den Fachwissenschaftlern stark kritisiert wurde: Es ließen sich Aussagen darüber machen, wie sich die Kultur des Abendlandes weiter entwickeln würde. Spengler kam zu dem niederschmetternden Ergebnis, das dem Buch den Titel gegeben hat: Die Zeit des Abendlandes sei so gut wie abgelaufen, mit der modernen Zivilisation sei es in die letzte Phase des Verfalls eingetreten. Eine spannende These, die viel Staub aufwirbelte. Spenglers von Goethe und Nietzsche beeinflusstes Werk ist eines der wirkmächtigsten des 20. Jahrhunderts. Auch heute noch werden hin und wieder ähnliche Thesen geäußert, etwa von Samuel Huntington ("Kampf der Kulturen").
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49 von 54 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Spengler lohnt die Auseinandersetung, 20. Oktober 2005
Von Ein Kunde
Spenglers Werk ist zweifelsohne bedeutsam. Hier haben wir es mit einem - vielleich sogar DEM - Klassiker der Anti-Moderne zu tun. Man muss Spenglers anti-demokratische Gesinnung und teils recht bornierten Konservativismus nicht teilen, um nicht scharf- und tiefsinniges in seinem Werk zu finden. Manche seiner Beobachtungen, zum Beispiel über das Phänomen der Kinderlosigkeit in spät-zivilisierten Gesellschaften, lesen sich hoch aktuell und beeindrucken besonders in Anbetracht der fast huntert Jahre, die seit Erscheinen des Buches vergangen sind. Bei den gerade in Deutschland stark ausgeprägten Vorbehalten dem Werk gegenüber stellt sich die Frage: wer hat das Buch überhaupt ganz gelesen? Gewiss ist Spengler methodisch manchmal dunkel, aber nichts desto Trotz ist der Grundgedanke seiner Kritik der Moderne - denn darauf läuft es über weite Strecken hinaus - die Auseinandersetzung wert. In Zeiten, die sich ideologisch immer weniger selbst in Frage stellen, muss das Niveau eines Spenglers erst einmal wieder erreicht werden. An alle, die sich überlegen das Buch zu kaufen: Spengler setzt viel historisches Wissen voraus, manchmal mehr, als selbst sehr gebildete Laien mitbringen.
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50 von 56 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Fels in der Brandung, 17. Februar 2007
"Das ist der Untergang des Abendlandes" pflegte meine Oma zu sagen, wenn im Fernsehen Berichte über die "Achtundsechziger" - die heutige Politikergeneration - erschienen. Der Titel von Spenglers Buch ist zu einem geflügelten Wort geworden, das den Bekanntheitsgrad seines Werkes bei weitem übertrifft. Schade eigentlich, dass Spengler heute überwiegend negativ beurteilt wird. Er hat den Versuch einer umfassenden vergleichenden Geschichtsbetrachtung unternommen, allein dieser Selbstanspruch macht ihn schon lesenswert. So oder so, historische Analysen sind immer relativ und Ansichtssache. Woran jedoch der Wert eines Historikers gemessen werden kann, ist seine Fähigkeit, auf Grund seiner Betrachtungen der Vergangenheit eine zutreffende Analyse der Gegenwart und eine Prognose für die Zukunft erstellen zu können. Und dies kann Spengler brillant. Generationen von Kritikern und Abschriftstellern haben es sich zur Aufgabe gemacht, die Schwächen seiner morphologischen Betrachtungsweise herauszustellen. Doch letzten Endes können sie nicht an der Tatsache vorbei, dass Spengler in seiner Vorhersage Recht behalten hat. Die von ihm so genannte "Fellachenkultur" als Zukunftsbild der aufgeklärten Gesellschaft ist tatsächlich eingetroffen - und wir sind Teil von ihr. Vielleicht ist dies der Grund, warum Spengler immer wieder angegriffen wird? Aus der Vielzahl historischer Werke ist "Der Untergang des Abendlandes" wie ein Fels, dem auch der schmutzige Wind politisch verzerrter Urteile nichts anhaben kann. Absolut lesenswert und eine gute Alternative zur Bundeszentrale für politische Bildung.
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10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Faustische Sichtweise, 5. Februar 2011
Von 
Roman Nies (Helibrunna) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Der Autor war bereits nach dem Ersten Weltkrieg in aller Munde wegen diesem Buch. Das Werk soll, wie der Untertitel besagt, eine Morphologie der Weltgeschichte sein. Geschichte ist für Spengler eine Erscheinung des Lebens und habe wie alles Lebendige typische Formen, und die Formen könnten wieder untereinander verglichen werden, was dann zu Feststellungen gleichlaufender Gesetzlichkeiten führe, so dass man schließlich auf dieser Grundlage vom Vergangenen her Voraussagen machen könne über das Kommende. Spengler unterscheidet acht große Kulturgestalten, wovon besonders seine Darstellung der antiken Kultur als einer Erscheinungsform des appollinischen Seelentums, der abendländischen Kultur als einer Erscheinungsform des faustischen und der arabischen Kultur als einer Erscheinungsform des magischen Seelentums interessieren.
Immer sind ihm die Kulturen lebendige Organismen, die aufblühen, welken und sterben und auf die man sogar die Begriffe Frühling, Sommer, Herbst und Winter anwenden könne. Diese biologische Einstellung bringt es mit sich, dass Spengler das Christentum nicht als gewachsene Kultur betrachten kann. Es wird wie auch andere Ideologien aufgeteilt auf die lebendigen Träger, die es erst ermöglichen. So umfasst z. B, die arabische Kultur Judentum, Urchristentum, Kirchenväter, Neuplatonismus und Islam. Die Prophezeiung des Unterganges des Abendlandes stützt Spengler nun auf einen Vergleich unserer heutigen Kultur mit bereits untergegangenen Kulturen. Die dort zu beobachtenden Verfallserscheinungen seien auch in der abendländischen Kultur schon da: Überwiegen des Rationalismus und der Technik - bei allen Kulturen stehe die Technik am Ende- Entstehung der Großstädte, des Kosmopolitismus, der Demokratie, der Humanitätsidee, des Pazifismus, der Menschenrechte und der Bruderliebe.
Spenglers Werk gliedert sich ein in die große Reihe moderner Geschichtsphilosophien, die über Lessing, Herder, Hegel, Marx bis Toynbee und Jaspers reichen. Bei Spengler sind aber die einzelnen Kulturerscheinungen nicht mehr wie bei Hegel sinnvoll in einem Absoluten aufgehoben, er stellt auch nicht wie Marx alles gesellschaftlich-geschichtliche Leben unter ein einziges Gesetz, noch hegt er den allerdings auch schon sehr verdünnten »philosophischen Glauben« an den Menschen, der bei Jaspers immer noch ein Ganzes zusammenhält. Spengler, der Mathematiker, verfällt in das andere Extrem: er sieht nur noch das fließende Leben, entwirft mutige Analogien.
Ist schon der Analogieschluss überhaupt mit Vorsicht zu gebrauchen und ist es äußerst fraglich, ob die Betrachtung der Kulturen nach biologischen Gesichtspunkten nicht mit unzureichenden Kategorien arbeitet, so steigert sich bei Spengler die Unsicherheit seiner Thesen noch besonders durch die von ihm beliebte, höchst persönliche, ja willkürliche, mystisch-genialische Sicherheit, mit der er seine Schau hinstellt. Und doch nahm er für sein Werk wissenschaftliche Exaktheit in Anspruch.
Die Einzelforschung hat jedoch eine Menge seiner Sätze widerlegt, und heute steht ihm in Toynbees »Gang der Weltgeschichte« ein Werk gegenüber, das wirklich auf exakter Forschung beruht. Spengler hat trotzdem großen Eindruck gemacht; teils weil er manches sehr gut gesehen hat, teils weil sein Kulturpessimismus der allgemeinen Zeitstimmung begegnete, teils auch weil seine schriftstellerische Vitalität von großer Suggestivkraft war. Der allgemeine philosophische Untergrund der Spenglerschen Weltanschauung ist ein brutaler Biologismus. Das Leben, das die geschichtlichen Prozesse hervorbringt, ist nicht mehr wie bei Hegel die Idee oder bei Bergson ein élan vital, sondern eine Vitalität im Sinne von Brutalität. »Es handelt sich in der Geschichte um das Leben und immer nur um das Leben, die Rasse, den Triumph des Willens zur Macht, und nicht um den Sieg von Wahrheiten, Erfindungen oder Geld. Die Weltgeschichte ist das Weltgericht: sie hat immer dem stärkeren, volleren, seiner selbst gewisseren Leben Recht gegeben, Recht auf das Dasein, gleichviel ob es vor dem Wachsein recht war, und sie hat immer die Wahrheit und die Gerechtigkeit der Macht, der Rasse geopfert und die Menschen und Völker zum Tode verurteilt, denen die Wahrheit wichtiger war als Taten und Gerechtigkeit wesentlicher als Macht«.
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15 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sollte Standardlektüre sein!, 7. Oktober 2010
Oswald Sprengler analysiert das Wesen einer Kultur oder auch einer Kulturepoche sehr eindrucksvoll. Das Ganze ist sehr philosophisch gehalten und erfordert eine Menge Aufmerksamkeit sowie Interesse an der Thematik. Leider ist dieses Werk in der heutigen historischen Betrachtungsweise kaum noch gefragt. Dazu muss einfach gesagt werden, dass sich Sprenglers Werk nicht einfach so lesen lässt, sondern man eher von einem Studium sprechen muss. Die wirkliche Auseiandersetzung mit dieser Materie erfordert viel Kraft und den Willen dazu außerdem eine Menge Zeit. Es ist keine Bettlektüre, da man bei eintretender Müdigkeit schnell den Faden verliert und den philosophischen Gedankengängen nicht folgen kann. Dennoch ist dieses Werk für den gewissenhaften Historiker eine Pflichtlektüre ebenso für Soziologen.
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37 von 46 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen GELEBTE WAHRHEIT, 27. Juli 2006
Von 
Kurth, Michael (berlin) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Ein alter Schinken aus der Weltkriegszeit verkündet den Untergang seiner eigenen Kultur, wird anfangs bejubelt, später belächelt und bald darauf zum philosophischen Sondermüll erklärt. Schwarzmalerei. Analogie-Naivität. Herrisches Vokabular. Die Kunst des Totsagens kann so einfach sein.
Dennoch empfehle ich dieses Buch als Genußmittel.

Wer auf der Suche nach einer Geschichtsphilosophie ist und sich vor allem für die Wahrheit interessiert, tut gut daran, sich über die Unzulänglichkeiten Spenglers zu beklagen und es dabei zu belassen; wer jedoch eine weitere Quelle der Inspiration aufstöbern will, sollte seine Wünschelrute bei Seite legen und hier mit beiden Händen schöpfen.
Der vielbeschworene Kulturpessimismus kann dem Autor nur von Leuten vorgeworfen werden, die von seinem Werk lediglich den Titel kennen. Spenglers Empfinden für epochale Mentalitäten, Weltbilder und Zeitgeister zeugt von einem tiefen Verständnis des Fremden und gerät zeitweilig sogar zur Schwärmerei, auf jeden Fall aber sollte diese Arbeit als ungeheure Pionierleistung gewürdigt werden.

Spengler erzählt die "Geschichte der Wahrheit" und meint damit die gelebte Wahrheit innerhalb verschiedener Kulturen. Die ganze Erfahrung des In-der-Welt-Seins, die Innerlichkeit mit der man Religion und das Wissen um die Welt erlebt, die jeweilige Mentalität mit ihren emotionalen und kognitiven Fesseln, all das bezeichnet Spengler mit dem schönen Wort "Seele". Eine kulturgebundene Seele kann der Vergangenheit angehören und dennoch "wahr" sein, in dem Sinne wie auch die moderne Mathematik lehrt, daß durchaus mehrere in sich stimmige Axiom-Systeme unabhängig voneinander existieren können. Der ehemalige Mathematiklehrer Spengler betont dementsprechend die Bedeutung - nicht etwa der Mathematik - sondern des mathemathischen Denkens als ein Paradebeispiel für grundsätzliche kulturelle Unterschiede.

Spengler unterscheidet acht große Kulturkreise - etwa die apollinische, magische oder faustische Kultur - und findet deren authentischen Ausdruck unter anderem in Architektur & Kunst, Literatur & Sprache, Philosophie & Wissenschaft und interessanterweise auch im Geschichtsdenken. Als Kulturphilosoph entwirft der Autor erhellende, zum Teil strahlende Interpretationen menschlichen Wirkens. Selbstbewußt bewegt sich Spengler auch auf dünnem Eis, und mitunter möchte man meinen, er versuche übers Wasser zu laufen.
Die Kritiker haben es leicht.
Aber es handelt sich hier um eines der letzten großen Gemälde der Geschichtsphilosophie und solcher Art Kunstwerke ist nicht mit "wahr oder falsch" beizukommen. Für den einen oder anderen besitzt ein kühner Gedanke, der sich als falsch herausstellt, durchaus seine Berechtigung.
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35 von 44 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein gigantisches Werk und Zeugnis echter denkerischer Kraft, 17. Januar 2007
Wie sehr Oswald Spengler für mich zu den Hellsichtigen, ja Propheten zählt, messe ich allein an der Tatsache, dass seit dem Erscheinen dieses Werkes kein deutscher Historiker auch nur annähernd ähnlich brilliant auftrat. Weder im Denken noch in der Sprache, kann diesem Giganten einer von ihnen das Wasser reichen. International betrachtet verhält es sich ebenso. Das Werk Samuel Huntingtons -Kampf der Kulturen- zeigt, wie tief und selbstverständlich das Werk Spenglers in der globalen Denkerklasse rezipiert wurde und wird.

Ein in Deutschland vehement verleugneter Autor, von den mediokren Lehrplan-Technokraten für Höhere Schulen totgeschwiegen, vom Mittelmaß in der Wissenschaft beständig geschmäht: dies ist auch eine Bestätigung von Spenglers Aussagen, dass der Westen, die abendländische Kultur (die Faustische, wie er sie nennt) auf abschüssigem Gelände operiert. Wo wahre Größe fehlt, da satteln die Pygmäen ihre Ponys. Immer wieder widmet er sich den Sitzdenkern, wie er sie nennt, den Akademikern, die die Geschichte der Menschheit auf einem Zeitstrahl herauf und herunter fahren sehen - wie die rote Flüssigkeit in einem Thermoterglas.

Spenglers Morphologie der Weltgeschichte führt die Sitzdenker ad absurdum. Das haben sie ihm schon vor rund neunzig Jahren nie verziehen. Oswald Spenglers Werke (lesenwerter Einstieg in sein Denken: Der Mensch und die Technik, ein 80-Seiten-Essay) fehlen in keiner Regierungs-Bibliothek. John F. Kennedy hat die Exemplare geordert, die noch heute in der Bibliothek im Weißen Haus stehen.

Die dümmlichen Versuche, diesen Mann in die Nähe der Nationalsozialisten zu rücken, wollen nicht enden. Doch wen kümmerts denn? Hier haben wir einen Philosophen, verstorben 1936, den diese Gesellschaft (wieder)entdecken muss und wird. Es beruhigt im Grunde, was dort steht. Man ahnt dann wenigstens, wo die Reise hingeht, wo unsere Zivilisation enden wird. Wenn wir uns umblicken, wissen wir zugleich, dass der Prozess bereits im Gange ist. Das hat nichts mit Kulturpessimismus zu tun, das Wort ist viel zu klein für das, wofür uns Spengler die Augen öffnet.

Vieles, was er vor neunzig Jahren verfasst hat, ist genau so eingetreten -ein Grund mehr für seine Neider und Verleumder sich aufzuregen und ihn mit kleinkarierten Kritiken zu überziehen.

Ein Spengler-Zitat: Das Gegenteil von vornehm ist nicht arm, sondern gemein.

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12 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Spengler ist nicht tot, 1. Juli 2012
... er wird nur angestrengt totgeschwiegen. Wir haben allen Grund, ihn zu fürchten, weil er grimmige Einsichten wachruft, die wir lieber vergessen hätten. Mit blindem Eifer bauen wir an einer idealen Welt, die höchsten moralischen Standards genügen soll. Leider zählen aber nicht Wünsche und Vorstellungen, sondern ausschließlich Tatsachen, so Spengler. Während andere Kulturen den unerbittlichen Lauf der Welt als das Tatsächliche hinnehmen und seine Auftriebskräfte nutzen, gerät der Westen im Glauben, er sei am Ende der Geschichte, auf abschüssiges Gelände. In Spenglers leicht verständlichem Essay "Der Mensch und die Technik" heißt das so: "Statt das technische Wissen geheim zu halten, den größten Schatz, den die "weißen" Völker besaßen, wurde es auf allen Hochschulen, in Wort und Schrift prahlerisch aller Welt dargeboten, und man war stolz auf die Bewunderung von Indern und Japanern. ... Es beginnt statt des Exports ausschließlich von Produkten der Export von Geheimnissen, von Verfahren, Methoden, Ingenieuren und Organisatoren. Selbst Erfinder wandern aus. Der Sozialismus, der sie in sein Joch spannen möchte, vertreibt sie." Der "Untergang des Abendlandes" gehört zu den Schlüsselwerken des 20. Jahrhunderts. Wer es gelesen hat, wird es nie wieder vergessen.
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49 von 63 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Für "starke Denker", 25. November 2008
In seinem 1200-S.-Werk mit dem irreführenden Titel "Der Untergang des Abendlandes" stellt sich Oswald Spengler dem Leser als "Geschichtsforscher, Geschichtskenner und Geschichtsphilosoph" vor. Nach des Autors Verständnis besitzt der Geschichtsphilosoph die angeborene, nicht lernbare Fähigkeit, die Bedeutung (d.h. Ablauf und Ziel) der Geschichte zu erkennen. Außer sich selbst benennt O.S. niemanden mit dieser ungewöhnlichen Begabung.
Mit Abendland meint er "die gesamte westliche Welt". Der Untergang (der gesamten ? westlichen Welt) könne - müsse aber nicht - "in einigen hundert Jahren" erfolgen.

Geschichte habe zwar eine Bedeutung, sei aber ansonsten sinnlos ("erhabene Zwecklosigkeit"). Für ca. 2020 prognostiziert O.S. "starke Denker" , die seine Philosophie und die Bedeutung der Geschichte verstehen werden. Wie die vielen Auflagen des Buches, die Übersetzungen, die Erwähnungen, Zitierungen und pos. Rezensionen vermuten lassen, könnte er sich mit seiner Prognose geirrt haben.

Der normale Denker wird indessen große Teile des Werkes (zugestanden : nicht alles) sterbenslangweilig und/oder unverständlich und /oder nichtssagend und/oder fehlerhaft finden. Manche Aussagen sind sogar total abwegig; z.B. daß O.S. den beiden goldsüchtigen Raubmördern Pizarro und Cortes "das Heldentum echter Rassemenschen" bescheinigt. Etwas harmloser: "Es kann keine bündigere Widerlegung Darwins geben als die Ergebnisse der Paläontologie."

Oswald Spengler bemängelt an der deutschen Sprache, daß sie ihm nicht die Mittel bietet, seine Gedanken präzise darzustellen. (Er hätte mal ein bißchen bei seinem Zeitgenossen Karl Kraus schmökern sollen.) O.S. konstruiert lieber; z.B. "negerhafter Cäsarenwahn". Was das genau zu bedeuten hat, geht aber auch aus dem Kontext nicht hervor, denn es gibt nirgendwo einen Kontext. O.S. hantiert mit seinen Ideen wie ein Mosaikkünstler, der sein Bild mit der Schaufel gestaltet.

In dem 90-S.-Kapitel mit der Überschrift "Pythagoras, Mohammed, Cromwell" wird Cromwell folgendermaßen abgefertigt (und dann nie wieder erwähnt): "... Puritanismus ... erscheint im Heere Cromwells und seiner eisernen, bibelfesten ... Independenten, im Kreise der Pythagoräer, die ... das fröhliche Sybaris zerstörten". (Sybaris wurde - nebenbei gesagt - nicht von den Pythagoräern zerstört.) In einigen Nebensätzen werden Mohammed und Pythagoras erwähnt, und ihnen wird geistige Verwandschaft unterstellt. (Pythagoras würde sich im Grabe umdrehen.) Ein Vergleich Mohammeds mit dem Münsteraner Knipperdolling wäre treffender.

Allerdings findet man in diesem Kapitel , wie auch in jedem anderen, geschichtsphilosophische 'Erkenntnisse' wie z.B. "Das Gewordene kommt nach dem Werden" oder "Raum verhält sich zu Zeit wie Auge zu Blut, wie Heiliges zu Heldenhaftem". Noch eine Leseprobe: "Das Ausgedehnte wird auch religiös als Augenwelt von dem Ich als Lichtmitte aus erfaßt. Gehör und Getast werden dem Geschehen eingeordnet und das Unsichtbare, dessen Wirkungen man sinnlich verspürt, wird zum Inbegriff des Dämonischen." Hat das etwas mit Puritanismus oder Cromwell zu tun? Der normale Denker erkennt es jedenfalls nicht auf den ersten Blick.

Der Titel ist insofern irreführend, als O.S. eigentlich "Große Kulturen" auf Gemeinsamkeiten hin untersucht.
(Große Kulturen: 1. Abendland; 2. antik. Gr.; 3. Rom; 4. Indien; 5. China; 6. Ägypten; 7.Maya; 8.Israel, Babylon, Arabien.)
Große Kulturen SIND für O.S. Lebewesen (nicht: sind wie): Sie werden geboren, reifen, altern und sterben. In entsprechenden Lebensaltern erscheinen laut O.S.analoge Ereignisse und Personen; z.B. die "Zeitgenossen" Aristoteles und Kant; sie seien große Philosophen, aber nicht große Mathematiker gewesen. Oder: Puritanismus bei Pythagoras und Cromwell. Ein Leser findet es besonders tiefsinnig, daß O.S. den Bildhauer Polyklet (geb.480 vor) und den Komponisten J.S.Bach (geb.1685 nach) zu "Zeitgenossen" erklärt. Na, meinetwegen. (Mit größerer Berechtigung kann man G.W. Bush zum "Zeitgenossen" von Dschingis Kahn befördern.)
Wenn man nun wüßte, wann Oswald Spengler die "Große Griechische Kultur" sterben ließ (1453 wäre ein sympathisches Datum), könnte man ausrechnen, wann wir "dran" sind.

Hans Albert fand irgendwo bei Oswald Spengler folgenden Satz: "Die Menschheit ist eine Rasse durch Wissenschaft größenwahnsinnig gewordener Raubaffen."

Das ist allerdings eine wahre Aussage.

LV
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28 von 36 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Meilenstein der Geschichtsphilosophie, 25. Oktober 2002
Von Ein Kunde
"Der Untergang des Abendlandes" gehört zu den wenigen Werken, die die Bezeichnung "Meilenstein" verdienen. Obwohl bereits 1922 erschienen, legt das Werk eine geradezu erschreckende Weitsicht an den Tag; acht Jahrzehnte konnten ihm hinsichtlich Hellsichtigkeit und Realitätsgehalt nichts anhaben. Spengler unterstreicht, dass jede Kultur eine Verfassung der Seele bezeichnet, die sich in vielerlei Weise (Architektur, Naturwissenschaften, Religion,Philosophie, etc) manifestiert und die ein in sich geschlossenes einzigartiges System bildet, das von Außenstehenden nicht vollständig begriffen werden kann. Den immer gleichen Aufbau der Entwicklung und des Vergehens einer Kultur zeigt Spengler kenntnisreich an der chinesischen, ägyptischen, orientalischen ("magischen"), antiken, abendländischen und russischen Kultur auf. Vor allem in den sogenannten westlichen Demokratien, die dazu neigen, den ganzen Rest der Menschheit mit ihren Vorstellungen bezüglich der richtigen Regierungsform und Lebensweise beglücken zu wollen, halte ich die Lektüre von Spenglers Werk für absolut erforderlich. Ein MUSS für jeden, der sich dafür interessiert, nach welchen Gesetzmäßigkeiten Geschichte funktioniert.
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Der Untergang des Abendlandes: Umrisse einer Morphologie der Weltgeschichte
Der Untergang des Abendlandes: Umrisse einer Morphologie der Weltgeschichte von Oswald Spengler (Gebundene Ausgabe - 18. Mai 2007)
EUR 25,00
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