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5.0 von 5 Sternen Unbequem, 23. Januar 2011
Rezension bezieht sich auf: Irrlicht und Feuer: Werkausgabe (Gebundene Ausgabe)
Zweiter Band der neuen Werkausgabe von Max von der Grün: Mit Irrlicht und Feuer gelang Grün damals endgültig sein Durchbruch als Schriftsteller. Das Geld hatte er auch nötig, denn seine Zeche warf ihn schlichtweg raus, weil er in ebendiesem Werk unliebsamerweise Interna aus dem Alltag unter Tage ausplaudert. Die Klage der Zeche gegen das Werk blieb erfolglos - so dass der Nachwelt der unzensierte Lesegenuss erhalten blieb.
Die Geschichte spielt Anfang der 60er Jahre. Jürgen Fohrmann arbeitet unter Tage, hat sich bisher nichts zu Schulden kommen lassen. Das kann er sich auch nicht leisten, denn seine Frau kommt jeden Tag mit einem neuen dringenden Wunsch daher, Auto, Waschmaschine, Bügeleisen, alles, was die Nachbarn haben, muss sie auch haben, und zwar sofort, notfalls auf Raten. Da darf ihr Mann natürlich keinesfalls seinen Job verlieren. Doch eines Tages wird Jürgen auf einmal nachlässig: Er trifft eine Frau auf dem Weg zur Schicht und geht das erste Mal in seinem Leben einfach nicht zur Arbeit. Stattdessen hört sich die Geschichte der Frau an, die regelmäßig von ihrem Mann verprügelt wird. Zwischen dieser Frau und Jürgen entwickelt sich eine seltsame Verbindung. Später lernt er auch ihren Mann kennen. Was hat dieser mit der KZ-Vergangenheit des Mannes von Jürgens guter Freundin Veronika zu tun? Veronikas kokette Tochter Rosi stellt auch Jürgen unbequeme Fragen zur in den 60ern noch nicht allzu lang vergangenen Nazi-Zeit.
Als die Zeche schließt und Jürgen schließlich wirklich seinen Job verliert, muss er auf Teufel komm raus irgendwie das Geld für die zahlreichen Ratenverträge nach Hause bringen. Er versucht sich in verschiedenen Hilfsarbeiter-Jobs und eckt überall an, bei den Arbeitgebern wie auch bei den Kollegen, denen er vorwirft, sich für den Erhalt ihres neuerworbenen Wohlstands alles gefallen zu lassen und nicht mehr für ihre Rechte zu kämpfen.
Gelungene, literarisch gekonnt umgesetzte Gesellschaftskritik. Der Band enthält zusätzlich die Texte "Bewegungsfreiheit ist nicht Freiheit", "Und 1987, acht Jahre später", "Wenn der Abend kommt" sowie ein Interview mit Max von der Grün. Das Nachwort hat Heinz Ludwig Arnold.
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5.0 von 5 Sternen "Schmutzig" kann man sich die Hände überall machen ..., 4. November 2011
Von 
Reinhard Busse "reinhardlbusse" - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Irrlicht und Feuer: Werkausgabe (Gebundene Ausgabe)
*Die Nacht war klar und kalt. Meine Schicht begann seit Monaten um 24 Uhr. Wie ich sie hasste, diese Zeit und die Schicht. Täglich, ob Sommer oder Winter, musste ich vier Kilometer an den Betriebsgleisen entlang. Wie ich sie hasste, diese Zeit! Um Mitternacht drängt das Verborgene an die Oberfläche. Wer mitternachts zur Arbeit fährt, sieht die andere Seite des Lebens ...*
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Zum Inhalt: Max von der Grün schildert einen tödlichen Betriebsunfall unter Tage, verursacht durch einen - technisch nicht ausgereiften - mechanischen Kohlehobel.
Jürgen Fohrmann arbeitet als Hauer unter Tage. Im Zuge der ersten Zechenkrise verliert er seine Arbeit. Zunächst wird er Hilfsarbeiter, erhält aber schon bald eine Anstellung in einem automatisierten Betrieb der Elektroindustrie. Anfangs ist der ehemalige Grubenarbeiter durchaus froh, dem dreckigen Kohlenstaub entronnen zu sein und feiert seinen vermeintlichen sozialen Aufstieg. Doch schnell merkt er, dass das Tragen eines weißen Kittels nur scheinbar besser ist als die beschwerliche Arbeit auf der Zeche. Denn auch hier fühlt er sich von Arbeitgebern und auch Betriebsräten verraten und oft genug auch für dumm verkauft.
Schmutzige Arbeit unter Tage - saubere Arbeit über Tage. "Schmutzig" kann man sich die Hände überall machen ...
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Fazit und Anmerkungen: "Irrlicht und Feuer" ist der zweite Band in der vom Pendragon Verlag herausgegebenen 10-bändigen Werkausgabe. Mit diesem erstmals 1963 erschienenen Roman gelang Max von der Grün endgültig der Durchbruch als Schriftsteller. Aber er rief auch heftigste Reaktionen und Anfeindungen hervor. "Irrlicht und Feuer" bescherte ihm wütende Proteste von Arbeitgebern (was nicht verwunderlich war), aber auch harsche Kritik von Seiten der Gewerkschaft. "Wenn es Dir nicht passt, kannst Du ja gehen - in die DDR." - ein vielgehörter Spruch in jener Zeit.
Max von der Grün wurde auf der Zeche entlassen und man versuchte Teile des Romans gerichtlich zu verbieten, letztendlich allerdings ohne Erfolg.
Den Roman zeichnet aus die genaue Darstellung der Arbeitswelt und eines durch Arbeitsverlust plötzlich entfremdeten Lebens - was auch für viele heutigen Existenzen zutrifft, auch wenn sich die Rahmenbedingungen seit den 60er Jahren natürlich grundsätzlich verändert haben. Trotzdem ist festzuhalten: Max von der Grüns Kritik an den Zuständen der modernen industrialisierten Leistungsgesellschaft hat auch heute nichts von seiner Relevanz eingebüßt - im Gegenteil, ich möchte fast sagen: diese Kritik ist aktueller denn je.
Der vorliegende Band wird ergänzt durch diverse Texte sowie einem Interview mit dem Autor aus dem Jahr 1975.
Höchste Empfehlung!
[Reinhard Busse]
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Irrlicht und Feuer: Werkausgabe
Irrlicht und Feuer: Werkausgabe von Max von der Grün (Gebundene Ausgabe - 23. September 2010)
EUR 22,90
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