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am 22. September 2010
Wer die politische und gesellschaftliche Entwicklung der letzten Jahre auch nur sporadisch verfolgt hat, weiß nicht nur, daß die soziale Schere immer weiter auseinanderklafft, ihn beschleicht manchmal sogar der Gedanke, daß diese Entwicklung politisch so gewollt sein könnte, mindestens aber billigend in Kauf genommen wird. Lohndumping ist normal geworden, in Deutschland wurde der größte Niedriglohn-Sektor Europas geschaffen, die Hartz-Gesetzgebung entwickelt ihre brutale Wirkung gegenüber Arbeitslosen UND Beschäftigten. In der Steuer-Gesetzgebung werden Arbeitseinkommen mit bis zu 42% belastet, dazu addieren sich dann noch die Sozial-Versicherungs-Beiträge, während seit 2009 "leistungslose" Einkommen wie z. B. Dividenden und Zinseinkünfte auch für größte Privat-Vermögen mit gerade mal 25% Abgeltungssteuer "belohnt" werden, und von Sozialversicherungsbeiträgen SELBSTVERSTÄNDLICH freigestellt bleiben. (In diesem Zusammenhang: Wenn die Mövenpickles-Partei von "leistungslosem Wohlstand" schwadroniert, meint sie nicht SOLCHE leistungslose Einkommen.)

Das Buch "Armut im Überfluss - Nachrichten aus einer gespaltenen Gesellschaft" der Autoren Dorothee Beck (Journalistin) und Hartmut Meine (Bezirksleiter IG-Metall) ist vor dieser neuen Steuergesetzgebung (Systemwechsel von der synthetischen Einkommensteuer hin zur dualen Einkommensteuer), nämlich bereits 2007, erschienen, aber es ist nach wie vor hochaktuell.
Es enthält z. B. einen kurzen Abriss zum Berliner Banken-Skandal, samt einer "Anleitung zum Ausplündern einer Stadt" sowie Namensnennungen, wer damals besonders von den Machenschaften profitiert hat (Gerade dieser Tage hat einer der Hauptverantwortlichen dieses unglaublichen Skandals, der damalige CDU-Fraktions-Vorsitzende im Berliner Abgeordnetenhaus, vor dem Bundesverfassungsgericht die Wiederaufnahme seines Verfahrens erstritten). Mit schlimmen Folgen: Berlin wird bis zum Jahr 2032 bis zu 21,6 Milliarden € in dem Skandal gelassen haben. Auch wird beschrieben, welche Konsequenzen diese drastischen Belastungen für die Stadt haben, wie heftigste Sparmaßnahmen ("Sparen bis es quietscht"), Streichungen, wie z. B. Lehrerstellen, deutliche Gebührenerhöhungen wie z. B. für Kita-Plätze, Sozial-Ticket, Förderungskürzungen z. B. für Beratungsstellungen, kulturelle Einrichtungen, Verkauf städtischer Wohnungen, etc..., die gesamte Grausamkeitspalette wrd hier geboten.
Milliardärs- und Millionärs-Einkommen werden mit "normalen" Mittelschichtseinkommen in Relation gesetzt, mit eindeutigem Ergebnis: Dieser Staat wird weit überproportional von der Mittelschicht finanziert, und NICHT von den Reichen, auch wenn diese das gerne behaupten (lassen). Immer schneller und immer drastischer wird, wie die Autoren ausführlich nachweisen, in unserem Staat von unten nach oben umverteilt - willfährige Helfer sind Politiker unterschiedlicher Couleur, ob schwarz-gelbe Kohl-Regierung, grün-rotes Schröder-Kabinett, oder schwarz-rotes 1. Kabinett Merkel, alle waren und sind beteiligt. Demgegenüber listen Beck und Meine auch auf, welche Faktoren z. B. arm machen, und begründen diese klar: Arbeit macht arm, Alter macht arm, Arbeitslosengeld2 macht arm, Kinder machen arm, Schulden machen arm etc...pp..., und stellen fest: (Zitat)"Jeder dritte Deutsche fühlt sich vom sozialen Absturz bedroht. Besonders groß ist die Angst bei Geschiedenen, Arbeitslosen und Studierenden. Diese Angst ist real: Nach nur 12 Monaten Arbeitslosigkeit droht Alg2. Inzwischen kennt jeder jemanden, den es schon erwischt hat. Und jeder weiß: Mir könnte es genauso gehn."

Des weiteren klären die Autoren den Begriff "Sozialneid", und wem die Verwendung dieses Begriffes WIRKLICH nutzt, z. B. gerne als Totschlag-Argument gegenüber Leuten verwendet, die es wagen, die sich immer extremer entwickelnden Einkommensunterschiede hierzulande zu hinterfragen: (Zitat)"Schon der Begriff ist Unsinn. Neid ist, wenn ich etwas haben will, was ein anderer besitzt. Das verstößt gegen eines der 10 Gebote: Du sollst nicht begehren...Aber was soll in diesem Zusammenhang der Begriff "sozial"? Weder "sozialer Neid" noch "Neid aufs Soziale" ergeben irgendeinen Sinn. Sozialneid ist nichts anderes als eine Worthülse, mit der die Diskussion über Verteilungsgerechtigkeit mit einem Tabu belegt werden soll".

Dieser ebenso engagierte wie ausführliche Bericht der beiden Autoren Dorothee Beck und Hartmut Meine über die Kehrseite unserer sog. "Leistungsgesellschaft", die sich zunehmend als Klassengesellschaft mit immer drastischeren Unterschieden zeigt, in der sich folgerichtig zunehmend manche viel, einige wenige alles, und immer mehr Menschen wenig bis garnichts mehr leisten können, erschien, wie gesagt, bereits 2007, ist aber nach wie vor absolut lesenswert.
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am 17. Oktober 2010
Das vorliegende Buch erschien zwar bereits 2007, also noch vor der sogenannten Finanz- und Bankenkrise 2007/08. Das Buch hat aber nichts an seiner Aktualität verloren und zwar auch dann nicht, wenn einige Zahlen nicht mehr ganz aktuell sind. Im Gegenteil.

Denn es spielt in diesem Zusammenhang auch keine Rolle, ob das Vermögen von Frau Susanne K. oder Herrn Dieter S. nun genau 7,75 Milliarden beträgt oder "nur" 6,5 Mrd. oder 8,5 Mrd. Euro (siehe dazu Tabelle auf Seite S. 27), denn an der Tendenz hat sich überhaupt nichts geändert. (Z.B. wird das Gesamtvermögen von Michael S. im Digramm auf Seite Seite 26 noch mit rund 550 Mio. Euro angegeben, wird aber inzwischen m.W. auf über eine Milliarde Euro taxiert.) Für die meisten Bürger in diesem unserem Lande handelt es sich ohnedies um Größenordungen außerhalb ihrer Vorstellungskraft. Das gilt aber selbst für diejenigen, die mit Zahlen umgehen können und eine Million von einer Milliarde unterscheiden können. Nur zum Vergleich: Eine Milliarde Euro entspricht dem Gegenwert von 2.000 Einfamilienhäusern zum Preis einer halben Million Euro.

Woran liegt es nun, dass die meisten Bürger nie reich werden, auch dann nicht, wenn sie fleißig sind und Monat für Monat hart arbeiten, sozialer Aufstieg zur Illusion geworden ist und gleichzeitig nicht wenige Bürger berechtige Angst vor dem sozialen Abstieg und Altersarmut haben? Viele Menschen führen dies inzwischen auf die "neoliberale" Politik der vergangenen Jahre bzw. Jahrzehnte zurück.

Angesichts des inzwischen inflationären Gebrauchs des Begriffes, definieren die Autoren in ihrem Buch Neoliberalismus "als eine politische Ideoliogie, die auf einer einzelwirtschaftlichen Betrachtung der Volkswirtschaft wie auch von immer mehr Bereichen des sozialen Lebens fußt. Märkte und Wettbewerb sind in dieser Ideologie die effektivsten wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Handlungsfelder und Instrumente." (Beck/Meine, S. 9) Das beste Resultat für das gesellschaftliche Ganze entstehe, wenn jeder eigennützig handeln und bis auf einige wenige Ausnahmen keine Rücksicht auf andere nehmen müsse. Auf diese Weise kann man dann auch niemand für das Gesamtergebnis verantwortlich machen. "Politik und Staat haben sich in der neoliberalen Ideologie darauf zu beschränken, die Freiheit der Märkte zu garantieren." (Beck/Meine, S. 9)

Verkauft wurde und wird diese neoliberale Politik mit inhaltlich pauschalen und tumben Schlagworten wie dem "Moloch Staat", der Entlastung der sogenannten "Leistungsträger", den faulen Arbeitslosen bzw .der sozialen Hängematte, der sozialen Absicherung als "Wohlfahrtsdiktatur", Überregulierung bzw. Deregulierung, Wettbewerbsfähigkeit, Standort Deutschland, mehr Eigenverantwortung, Privatisierung, Mobilität, Flexilibität und vor allem dem angeblich "fetten" Sozialstaat, den man verschlanken müsse, damit auch Kranke, Behinderte, Alte und Pflegebedürftige wieder "fit" wie ein Hochleistungssportler werden.

Ein bekannter und populistischer Slogan neoliberaler Think Tanks lautet zum Beispiel: "Sozial ist, was Arbeit schafft." Sollte man aber in einem der reichsten Länder der Erde von der Arbeit nicht auch leben bzw. am Wohlstand teilhaben und nicht nur überleben können? (Stichwort: "Bei uns muss niemand verhungern.")

Wie die Autoren Beck/Meine in den einzelnen Kapiteln des Buches (Steuerpolitik, Niedriglöhne, Manager, Armut ,Sozialstaat, Hartz IV, Vermögen, Profisport usw.) detailliert und sachkundig nachweisen, stehen neoliberale Dogmen allerdings bei Lichte betrachtet in vielen Bereichen inzwischen in krassem und groteskem Widerspruch zur Realität. Doch was passiert, wenn der Misserfolg dieser als "alternativlos" verkauften Rosskur nicht mehr zu vertuschen ist?

Dazu Beck, Meine S. 11: "Reichtum wird zwar immer noch vertuscht, Armut aber längt nicht mehr verdrängt, sondern legimiert."

In diesem Sinne werden arbeitslose Hartz IV-Empfänger dann pauschalierend als dekadente Sozialschmarotzer diffamiert oder sie verschwinden schöngerechnet aus der Statistik. Bürger, die drei Stunden in der Woche arbeiten werden z. B. wie Vollzeitbeschäftigte behandelt und man spricht vom "Jobwunder" und dem "Aufschwung XXL", der bei den Bürger ankomme. Oder die Bürger werden mit gezielter Manipulation hinters Licht geführt: "Die" Deutschen würden immer reicher werden. Inzwischen hätte "jeder" Deutsche sogar mehr als 60.000 Euro (Geld) auf dem Bankkonto. Oder man gibt "wertvolle" Tipps: Wenn jeder arbeitslose Harzt IV-Empfänger sich jeden Tag kalt duschen würde, würde er auch einen gut bezahlten Arbeitsplatz bekommen. "Die Folgen lassen sich aber auch in den Zugewinnen neonazistischer Parteien ablesen, die die Verniedlichung als >>Protest<< längst hinter sich gelassen haben." (Beck/meine , S. 11)

Gibt es keine Alternativen zur "alternativlosen" neoliberalen Reformpolitik? Auf den Seiten 314 bis 322 finden sich auch Reformvorschläge der Autoren. Reformvorschläge, die der breiten Masse der Bevölkerung zugute kommen würden, ohne den Reichen und vor allem den Superreichen auch nur annähernd wehzutun. Offenkundig kann man in einer "aufgeklärten" und repräsentativen Demokratie wie der Bundserepublik Deutschland aber keine Politik umsetzen, von der 90 Prozent profitieren würden.

Fazit: Auch wenn manche Zahlen und Daten nicht mehr ganz auf dem neuesten Stand sind, beibt eine in verständlichen Worten fomulierte und äußerst aufschlussreiche Analyse für alle Bürger, die hinter die plumpen Slogans neoliberaler Think Tanks und der herrschenden politischen Nomenklatura blicken wollen.
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am 6. Dezember 2007
"Reden wir darüber, dass der Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, pro Stunde mehr Geld bekommt als ein Durchschnittsverdiener in zwei Monaten." Es ist in der Tat höchste Zeit, dieses Thema anzugehen. Beck und Meine belegen unaufgeregt und in bewunderstwerter Klarheit und Sachlichkeit mit zahlreichen Namen, Fakten und Zahlen, dass im drittreichsten Land der Welt Armut zugunsten einer unfassbar reichen Oberschicht systematisch erzeugt und bewusst strukturell vermehrt wird. Und dass wir nicht etwa auf dem Wege wären, von dieser Entwicklung weg zu kommen, sondern dass die Schere seit den Neunzigerjahren ganz im Gegenteil im großen Stil und mit Hilfe der oft erschreckend hilflosen Politik zunehmend erweitert wird. Was dieses Buch allein in den ersten Kapiteln über die 100 reichsten Milliardäre unseres Landes berichtet, ist erschreckend: Dieses Buch ist überfällig, denn es "...kratzt an dem Mythos, viel Geld habe etwas mit großer Leistung zu tun ...die 100 deutschen Milliardäre ...haben ihr Geld nicht verdient, sondern geerbt und leben jetzt von den Zinsen." Dieses Buch ist schon deshalb bedeutsam, weil bislang noch nie jemand so klar und deutlich Namen und Vermögen derer, die man sonst im Dunkeln nicht sieht und denen wir das soziale Ungleichgewicht der deutschen Gesellschaft verdanken, durchleuchtet hat. Zitat: Für Ackermanns "...Jahressalär müssten Otto Normalverdiender und Monika Mustermann 490 Jahre lang arbeiten." Frage: Ist das Ackermanns Leistung angemessen? Beck und Meine geben Antworten und analysieren Banken und politische Führungsetagen ebenso detailliert und unprätentiös, wie den armuterzeugenden Mechanismus des postmodernen Sozialsstaats, die Kunst der öffentlichen Statistik, die Anatomie der legalen Umverteilung und die bittere Realität der neuen Unterschichten. Kurz - faktensatte Pflichtlektüre für jeden, der begreifen möchte, was in Deutschland derzeit schief läuft. Egal ob politisch rechts, links oder gar nichts: Erst dieses Buch lesen, dann weiter weiterdiskutieren. Prädikat: Unbedingt lesen!
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am 24. März 2009
Sehr schönes Buch und vor allem gut geschrieben.
Liest sich sehr angenehm und regt zum nachdenken an.
Ich kann es nur empfehlen.
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