Kundenrezensionen


10 Rezensionen
5 Sterne:
 (5)
4 Sterne:
 (2)
3 Sterne:
 (1)
2 Sterne:
 (2)
1 Sterne:    (0)
 
 
 
 
 
Durchschnittliche Kundenbewertung
Sagen Sie Ihre Meinung zu diesem Artikel
Eigene Rezension erstellen
 
 

Die hilfreichste positive Rezension
Die hilfreichste kritische Rezension


4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Wie im Film: eine unendliche Liste an Referenzsystemen
Ich schreibe meine Magisterarbeit über "Inglourious Basterds" und bin Seeßlen für dieses Büchlein sehr dankbar. Zwar kann ich schon verstehen, dass es für den Filmfreak etwas langweilig zu lesen ist, aber für mich war es sehr hilfreich. Warum? Seeßlen listet tatsächlich nahezu alle im Film genannten Referenzen auf und das ist eine...
Veröffentlicht am 26. März 2010 von Bébé

versus
3.0 von 5 Sternen zu konventionell
Eines vorweg: Der Mann ist eigentlich der richtige um einen Tarantino film zu analysieren. Er scheint sämtliche Trashfilme gesehen zu haben, die auch nur im entferntesten Sinne mit Tarantinos Film in Verbindung stehen. Deshalb mutet es schon etwas seltsam an, dass Seeßlen relativ konventionell an die Sache heran geht. Jeder der sich etwas näher mit...
Veröffentlicht am 22. Juni 2012 von Montarde


Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Wie im Film: eine unendliche Liste an Referenzsystemen, 26. März 2010
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Quentin Tarantino gegen die Nazis: Alles über INGLOURIOUS BASTERDS (Broschiert)
Ich schreibe meine Magisterarbeit über "Inglourious Basterds" und bin Seeßlen für dieses Büchlein sehr dankbar. Zwar kann ich schon verstehen, dass es für den Filmfreak etwas langweilig zu lesen ist, aber für mich war es sehr hilfreich. Warum? Seeßlen listet tatsächlich nahezu alle im Film genannten Referenzen auf und das ist eine SEHR lange Liste. Wer sind die im "Identität"-Spiel genannten Personen? Auf welche Westernklassiker und Trashfilme spielt Tarantino mit verschiedenen Einstellungen an? Und vor allem all die kleinen eingestreuten Filmzitate à la Katzenjammer Kids, Selznick etc. Nicht zu vergessen "Die weiße Hölle vom Piz Palü" mit Leni Riefenstahl und was es eigentlich damit auf sich hat.

Also ja, das Buch enthüllt viele Hintergründe, aber nicht in dem Sinne, dass es in eine genauere Figurenanalyse einsteigt oder den Film auf eine Weise "erklärt" die man vorher nicht verstanden hatte. Sein Verdienst liegt vielmehr darin, aufzuzeigen, welches Ziel Tarantino eigentlich mit Inglourious Basterds verfolgt: die Nazis endlich auch auf der Leinwand sterben zu lassen indem er die illusorische Allmacht des Kinos demonstriert. Und das hat Seeßlen sehr schön verständlich herausgearbeitet und mit vielen Illustrationen unterstützt.

Einen Punkt Abzug gibt es für die Kapiteleinteilung: Seeßlen orientiert sich hier am Drehbuch, was zu vielen inhaltlichen Sprüngen führt, anstatt thematisch vorzugehen. Außerdem ist die Literaturliste wesentlich zu kurz geraten.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


10 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Nicht "alles", aber schon sehr viel, 8. September 2009
Rezension bezieht sich auf: Quentin Tarantino gegen die Nazis: Alles über INGLOURIOUS BASTERDS (Broschiert)
Ein Schnellschuss - das war mein erster Gedanke, als ich dieses Buch entdeckte. Aber meine Neugier hat dann doch gesiegt, und nach dem Lesen kann ich sagen: Ein Schnellschuss, ja, das ist das Buch ganz objektiv. Schon was die Entstehungszeit betrifft - aber auch das Tempo seiner Gedankengänge. Ja, der Text sähe wohl anders aus, wenn Seeßlen den Film öfter gesehen hätte, ja, es gibt kleine Fehler in der Filmbeschreibung. Doch das finde ich lässlich gegenüber dem, was Seeßlen dann trotzdem aus dem Film herausholt. Schon die Plotbeschreibung ist weit mehr als reine Nacherzählung. Die vielen Querverweise durch die Filmgeschichte sind nie Selbstzweck, sondern helfen stets, eine Szene oder Figur genau zu verstehen - mit der für den Autor typischen Mischung aus Einfühlungsvermögen und analytischem Scharfsinn. Das Schlusskapitel, für mich das Highlight des Buches, gipfelt in der Analyse der finalen Rachefantasie des Films. Seeßlen nennt sie ein "vergiftetes Geschenk". Das trifft genau die gemischten Gefühle, die ich bei der Szene im Kinosaal hatte (immerhin ertappte ich mich hier beim Bejubeln von Soldaten, die in eine verbrennende Menschenmenge feuern).
Überhaupt: In kleinen Abschweifungen, oft in Nebensätzen versteckt, wirft Seeßlen seine klugen Gedanken manchmal so lässig hin, als wäre er sich ihrer Originalität gar nicht bewusst - wenn er etwa zum Baseballschläger des "Bärenjuden" schreibt, dass Tarantino damit "gegen die Aneignung dieses amerikanischen Ur-Instruments durch die neuen Nazis einschreitet." Das liegt so nahe, aber man muss erst mal drauf kommen. Schnell denken, wild denken eben. Beispiele ließen sich auf fast jeder Seite finden.
Natürlich ist das Buch nicht das letzte Wort zu IB. Aber für die gerade erst anlaufende Diskussion legt es die Meßlatte hoch. Eine Steilvorlage, auch für nötige Einwände und Widersprüche. Den Untertitel "Alles über Inglourious Basterds" würde ich dabei nicht so ernst nehmen. Ist halt werbewirksam, ein Oldschool-Eyecatcher sozusagen.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


5.0 von 5 Sternen Genaue Analyse für anspruchsvolle Leser, 23. Juli 2013
Von 
Rezension bezieht sich auf: Quentin Tarantino gegen die Nazis: Alles über INGLOURIOUS BASTERDS (Broschiert)
Dies ist ein Filmbuch, wie es leider nur selten produziert wird:
Der Autor Georg Seeßlen ist ein echter Kenner und kompetenter Autor zum Thema Kino, der schon unzählige Bücher zu diesem Theme veröffentliocht hat. Im vorliegenden Buch liefert er eine umfassende Analyse von Quentin Tarantinos Kriegsepos ,Inglourious Basterds', samt genauer Angabe der Vorbilder in Kinofiktion und der Realität des Dritten Reichs samt dessen Kriegspropaganda.

Das Buch ist sehr textlastig, ist also keine dieser überflüssigen Publikationen, die nur lustlos bekannte Details aneinanderreihen und den Umfang des Buches mit großformatigen Photos künstlich aufblasen.

,Quentin Tarantino gegen die Nazis - Alles über Inglourious Basterds' ist akademisch und anspruchsvoll geschrieben, dennoch auch verständlich. Dieses Buch liefert einen Einblick in die Inspirationen und Vorbilder, die Quentin Tarantinos Kriegsfilm beeinflusst haben und schafft auch ein tieferes Verständnis. Verwundert muss man erfahren, dass der Nationalsozialismus auch abseits der Leinwand ein eigenes Genre bildet samt einprägsamen, einzigartigen und unverwechselbaren Symbolen.

Überrascht stellte ich am Ende des Buches fest, dass der Autor nur sehr wenig andere Bücher und Artikel für sein Buch genutzt hat, er also einen weiten Teil des Buches tatsächlich selbst verfasst hat.
Beim Lesen des Buches wird auch klar, dass sich den Zuschauern wohl nur ein geringer Teil von Quentin Tarantinos Zitatenschatz vollständig erschließt - dieses Buch hilft weiter. Und bei der Lektüre habe ich mich auch gefragt, warum wir Deutschen uns derart die Butter vom Brot nehmen lassen:Die Amerikaner haben doch schließlich oft genug vorgemacht, wie man eine zweifelhafte Angelegenheit durch moderne Medien doch noch gut verkaufen kann:Die Eroberung des Westens samt Unterwerfung der Indianer wurde in unzähligen Western portraitiert und auch der verlorene Vietnamkrieg in den 1980ern an den Kinokassen in bare Münze verwandelt! Man stelle sich nur mal einen Film wie ,Inglourious Basterds' als deutsche Produktion vor mit den Nazis als Helden vor. Ganz so abwegig ist das nicht, denn die Satire ,Iron Sky' ging ja schon in diese Richtung ... Auch war Europa bereits in den Jahrhunderten zuvor wahrlich kein friedlicher Kontinent, sondern gezeichnet durch Verfolgung (Die Christen hatten unter den Römern nichts zu lachen und Römer und Germanen sollen nicht zimperlich gewesen sein! Auch die französische Revolution war nichts für Pazifisten!), Kriege, Konflikte, Eroberungen, Revolutionen u.ä. gezeichnet.
Überhaupt vermittelt das vorliegende Buch anschaulich, dass der zweite Weltkrieg nie ganz weg war, aber seit Ende der 1990er eine regelrechte Renaissance erlebt:Die Literatur lieferte (teils unbequeme) Analysen (,D-Day - Die Schlacht um die Normandie' von Antony Beevor) oder auch eine bissige Satire wie der aktuelle ,Er ist wieder da' von Timur Vermes, fürs Kino entstanden ,Der Soldat James Ryan', ,Windtalkers', ,Der schmale Grat', fürs Fernsehen nicht nur Serien wie ,Band Of Brothers' und ,The Pacific', sondern es vergeht auch kaum eine Woche, in der nicht irgendeine WWII-Doku gesendet wird und auch die Welt der Videospiele griff das Thema WWII dankbar auf und schuf diverse Egoshooter-Reihen (,Call Of Duty', ,Medal Of Honor'), die Großvaters Kriegserzählungen ersetzten, da diese Kriegsgeneration aus verständlichen Gründen nicht mehr so zahlenmäßig hoch vertreten ist wie noch vor 40 Jahren. Erfolgt diese Renaissance, weil die Auswirkungen des WWII auch heute noch spürbar sind? Vielleicht ist es auch die Sehnsucht der Menschen nach einer Zeit, die zwar hart, aber überschaubar war und Freund und Feind klar erkennbar waren. Und nebenbei schufen wir einen Archetypus des Schurken, den Nazi. Dagegen versinken wir heute, wie viele andere westliche Länder auch, in Beliebigkeit und Austauschbarkeit der internationalen Anpassung und Globalisierung.

Ich würde mich freuen, wenn öfter derlei anspruchsvolle Filmbücher veröffentlicht werden würden, aber zu welchen Filmen denn? Bei der Lektüre dieses Buches wurde mir einmal mehr klar, wie oberflächlich und belanglos die meisten, besonders die modernen Mainstream-Filme geworden sind. Ich kann mir ein solches Buch nur schwer zum letzten ,James Bond'-Film ,Skyfall' vorstellen, ich meine, die Dialoge in ,Inglorious Basterds' finden in vier verschiedenen Sprachen statt. Allein derlei würden sich die Produzenten der ,James Bond'-Filme nie trauen, weil sie fürchten würden, ihr Publikum damit zu überfordern!
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


3.0 von 5 Sternen zu konventionell, 22. Juni 2012
Rezension bezieht sich auf: Quentin Tarantino gegen die Nazis: Alles über INGLOURIOUS BASTERDS (Broschiert)
Eines vorweg: Der Mann ist eigentlich der richtige um einen Tarantino film zu analysieren. Er scheint sämtliche Trashfilme gesehen zu haben, die auch nur im entferntesten Sinne mit Tarantinos Film in Verbindung stehen. Deshalb mutet es schon etwas seltsam an, dass Seeßlen relativ konventionell an die Sache heran geht. Jeder der sich etwas näher mit Tarantino beschäftigt hat, weiß ja, dass eigentlich fast jede Szene eine besondere Inspiration oder sogar ein Vorbild hat, was der Tarantino Szene fast zum verwechseln ähnlich sieht. Wenn ich einen Tarantino sehe, bemerke ich natürlich die Italowesternstilistik und ähnliches, erkenne die ein oder andere Hommage oder Anspielung, erinnere mich bei der ein oder anderen Musik. Aber ich weiß auch, dass ich nichts weiß. Dass ich nur an der Oberfläche schürfe, dass da eigentlich noch viel mehr ist. Aber dafür fehlt mir einfach die Erfahrung. Um mehr von diesen Bezügen zu entdecken, habe ich dieses Buch gelesen und in dieser Hinsicht hat es nicht viel gebracht. Denn in dem Part, in dem die Handlung Stück für Stück abgearbeitet wird und wo Seeßlen auf diese Bezüge hätte eingehen können, führt er eher eine Drehbuchanalyse durch. Dabei ist besonders auffällig, dass jeder Name, jede Anspielung , die sich in den Dialogen befindet, ausführlich diskutiert wird, Musik und Kameraperspektiven aber fast vollständig unter den Tisch fallen. Kleinere inhaltliche Fehler, scheinen darauf hinzuweisen, dass für diesen Text das Drehbuch eine wichtigere Quelle war, als der Film selbst, möglicherweise, weil dem Autor keine Kopie des Films vorlag und er somit nur die Erinnerung und das Drehbuch hatte. So kann als Beispiel genannt werden, dass die Mexican Standoff Szene falsch beschrieben wird (denn Aldo betritt nicht den Raum mit einem Mitkämpfer, um dann festzustellen, dass Wilhelm noch immer die Waffe in der Hand hat. Er schaut nur kurz um die Ecke.) Natürlich wurden die Stellen im Drehbuch, die nachher nicht mehr im Film verwendet wurden in einer anderen Schrift dargestellt. Das schließt aber solche Fehler nicht aus.
Auch schreibt er, dass das Lied, welches während der Eröffnungszene erklingt, nicht von Morricone ist. Das trifft aber nicht zu. Das Lied, welches gemeint ist, wird nur während des Vorspanns gespielt. Was dann während der Szene zu hören ist, beschreibt er als kurzes Anspielen von "für Elise". In Wirklichkeit handelt es sich aber um einen Morricone score aus "der gehetzte der Sierra Mare" der mit dem anspielen von "für Elise" einen Bezug zu dem österreichischen Antagonisten (von Schulenberg?) herstellen soll. Hier ergibt sich also eine Parallele zu Oberst Landa. So etwas wäre herauszuarbeiten gewesen und daran scheitert der Autor, obwohl er eigentlich die entsprechenden Kenntnisse für solch eine Analyse besitzt.
Anstatt auf diese Weise Szene für Szene zu analysieren, macht sich Seeßlen an eine nur mit Mühe zu verstehende Interpretation des Gesamtwerks. Diese hätte zwar der Bestandteil einer guten Analyse sein müssen, aber nicht unbedingt in diesem Ausmaß. Auch erwähnt der Autor in einem Kapitel jeden möglichen Kriegstrash. Aber statt diesen mit dem Film in Verbindung zu bringen, zeichnet er eine Entwicklung, aus der dann Tarantinos Film als logische Konsequenz folgt. Die vielen Querverweise in Tarantinos Film fallen hier unter den Tisch. Dafür gibt es reichlich Inhaltsangaben.
Dennoch gelingt es dem Autor einige interessante Ideen oder Rechercheergebnisse aufzuzeigen, weshalb das Ganze von mir noch 3 Sterne bekommt.
Fazit: Ein Buch über die Geschichte des "dirty-war-movie" und Tarantinos Film in dem Zusammenhang. Es handelt es sich um eine sehr gute Sinninterpretation, die das Ganze in einen entsprechenden filmhistorischen Rahmen einbettet.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Alles über Inglourious Basterds (?), 22. Oktober 2009
Von 
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Quentin Tarantino gegen die Nazis: Alles über INGLOURIOUS BASTERDS (Broschiert)
Georg Seeßlen, einer der am meisten beachteten Filmpublizisten Deutschlands, liefert mit "Quentin Tarantino gegen die Nazis - Alles über Inglourious Basterds" ein beachtliches erstes Werk in deutscher Sprache, das sich mit dem vielleicht kontroversesten Film des Jahres beschäftigt.

Das Buch thematisiert vor allem die (filmischen) Kontexte, in denen sich Tarantino's Kriegsfilm bewegt. So wird zuerst das "Bastard-Kino" allgemein erläutert, angefangen bei der Bedeutung des Wortes "Bastard", bis hin zu Anleihen aus Western, B-Movies, asiatischen Trash-Filmen sowie früheren Werken von Tarantino. Erst im zweiten Kapitel "A Lot of Plot" bezieht sich Seeßlen explizit auf "Inglourious Basterds". Hier wird der Aufbau der Geschichte im Detail aufgezeigt und analysiert, außerdem sind Handlungsstränge des Drehbuchs integriert, die in der endgültigen Version des Films herausgefallen sind. Das dritte Kapitel ("Auflösung der Frontlinien") untersucht den Film in Hinsicht auf amerikanische ("dirty war movies") und italienische ("Italo-Trash") Kriegsfilme und zeigt deutliche Parallelen sowie gravierende Abgrenzungen zu diesen Kriegs-Genres. Das vierte und letzte Kapitel "Mr. Tarantino's Kriegserklärung" befasst sich mit der Repräsentation des großen Finales von "Inglourious Basterds". Die Bedeutung der großen Rachephantasie gegen die Nazis innerhalb des Kinos wird hier mit verblüffender Deutlichkeit herausgestellt.

Oftmals werden enttäuschte Stimmen laut, die sich unter dem Titel "ALLES über Inglourious Basterds" mehr vorgestellt haben. Diese Vorstellung, einer umfassenden, exhaustiven Filmanalyse ist allerdings völlig übertrieben, wenn man die schnelle Erscheinung des Buches und seinen Umfang in Betracht zieht. Das Buch stellt einen äußerst weitsichtigen Einstieg in das Thema dar und wird die ohnehin schon bestehende Diskussion über diesen Film noch mehr anheizen.

Das Buch ist sehr zu empfehlen, sofern man akzeptiert, dass Seeßlen einen weiten Blick über den Tellerrand von "Inglourious Basterds" wirft. Dann jedoch gibt es in diesem Buch sehr viel zu entdecken, das das eigene Filmwissen bereichern kann.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


11 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sechs Striche, fünf Sterne, 15. September 2009
Von 
Klein Tonio - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)   
Rezension bezieht sich auf: Quentin Tarantino gegen die Nazis: Alles über INGLOURIOUS BASTERDS (Broschiert)
Seeßlens Buch über Inglourious Basterds (im Folgenden: I.B.) ist ein bißchen wie ein guter Tarantinofilm: Es unterteilt sich in Abschnitte, die in etwas verschiedenen Tonlagen gehalten sind. Doch das fügt sich alles schon zu einer Einheit. Das Buch beginnt mit einer Art Vorgeschichte (u.a. mit Informationen zur Entstehungsgeschichte des Filmes), setzt sich fort mit einer detailgenauen Nacherzählung, als Drittes folgt ein Kapitel über bestimmte Filmsubgenres als Referenzen, und schließlich kommt die anspruchsvoll und allumfassend angelegte Interpretation. Wer Seeßlen schon mal gelesen hat, weiß, dass bei ihm Genie und Wahnsinn immer auf einem ziemlich schmalen Grat wandeln, dass er gelegentlich zu überlangen Sätzen und obsessivem Breittreten seiner semiologischen Theorien (oder einfach nur fixen Ideen) neigt, dass er vor verquasten Überinterpretationen nie ganz gefeit ist, aber dass er bei allem eine Freude an und ein quantitativ erstaunliches Wissen über Filmtrash hat. Auch in seinen abgedrehtesten Büchern finden sich immer noch bestechende Ideen. Diese Kombination macht es beinahe zwangsläufig, dass QT ihm liegt. Das vorliegende Buch ist für Seeßlen-Verhältnisse nicht allzu verschwurbelt geschrieben, es gibt ein paar wenige Stellen, bei denen sich gewisse Verdrehungen einschleichen, aber insgesamt geht es noch und ist im Gegenteil von Vorteil, dass Seeßlen sich auf eine gewaltige Höhe wagt. Man mag seinen Thesen nicht immer folgen, man kann sie aber zumeist nachvollziehen. Ob QT das alles in den Film reingetan hat, was Seeßlen herausholt, ist mir schnurz: Ein Kunstwerk kann ein Eigenleben entwickeln, und eine über weite Strecken gut geschriebene anspruchsvolle Deutung, die ab und an mal zweifelhaft ist, gefällt mir allemal besser als eine, die gar nicht den Mut hat, aufs hohe Drahtseil zu steigen. Seeßlens Drahtseilakt ist jedenfalls so, dass er nur selten wankt und nie fällt.

Das Buch ist auch optisch gelungen, vor allem durch diverse Schwarzweißfotos in guter Qualität, die nicht nur aus I.B., sondern auch aus diversen Referenzfilmen sind und immer an passender Stelle den Text ergänzen. Beim Register ist allein die Liste der Scores aus I.B. - immer mit Originalfilm, Regisseur und Komponisten - eine Fundgrube für sich. Weitere Details zum Inhalt: Die "Nacherzählung" ist viel mehr als nur das, sie hat schon Elemente einer Szene-für-Szene-Analyse, und das meiste besticht. Seeßlen hat unter anderem (typografisch vom Verlag gut kenntlich gemacht) entfallene Szenen aus der Drehbuchrohfassung eingebaut und kommentiert, was noch die eine oder andere zusätzliche Erkenntnis und interessante Interpretation bzw. Akzentverschiebung bringt (am gelungensten vielleicht die Verbindungen zwischen der Legende vom jüdischen Golem und einer entfallenen backstory des von Eli Roth gespielten "Bärenjuden"). Diverse Film-Assoziationen werden zumeist schlüssig begründet und von guten Hintergrundinformationen begleitet (warum ein Mitrezensent meint, das Buch sei schlecht recherchiert, ist mir offen gestanden nicht klar). Das geht soweit, dass Seeßlen nicht nur die meisten Filmzitate freilegt, sondern sich auch Gedanken über die Namensgebungen macht (beispielsweise durch Verknüpfung von Aldo Rays Kriegsfilmen der Fünfziger mit dem Rollennamen Aldo Raine in I.B.). Fast alles davon ist überzeugend, nur gelegentlich verliert sich Seeßlen in lexikalischer Fischerei im Trüben (ein Dorf in I.B. heißt "Nadine", Seeßlen liefert eine kurze Inhaltsangabe des Filmes "Nadine", aber was der mit I.B. zu tun hat, weiß Seeßlen - wie er indirekt selbst zugibt - auch nicht). Schwamm drüber, die Reichhaltigkeit ist doch so bestechend, dass diese ganzen Assoziationen eine ungemeine Bereicherung sind und das eine oder andere klarmachen, was man vielleicht ansonsten übersehen hätte. Allein für die auf den ersten Blick unpassende, aber letztlich genau passende Querverbindung zu dem Film "Paris - When It Sizzles" (= eine Dialogzeile in I.B.) kann man das Buch lieben: Es handelt sich um die meistunterschätzte, abgedrehteste Audrey-Hepburn-Komödie aller Zeiten, in der es um einen Film im Film im Film geht und in der alle Ebenen munter miteinander interagieren, einander die Logik durchkreuzen und die Grenzen zerschmettern. Klar, dass QT den mögen muss - in einem Film, in dem sich ebenfalls die Ebenen vermischen und die Kino-Kunst der Nazi-Barbarei den Krieg erklärt.

Damit sei übergeleitet zum interpretatorischen Teil, es geht natürlich in I.B. um den Sieg des Kinos über die Wirklichkeit, über die Geschichte. Tarantinos Krieg ist ein Krieg der Bilder, und als solchen fasst Seeßlen ihn auch auf. Doch geht Letzterer noch etwas weiter und stellt die kühne These auf, dass das auch ein Krieg des Kinos gegen das Kino sei. Das ist allemal brillant und interdisziplinär (kulturtheoretisch, semiotisch, geschichtlich, politisch) argumentiert sowie hochinteressant zu lesen, allein, es hat mich nicht so ganz überzeugt. Wenn Seeßlen hier meint, nach Auschwitz könne man eigentlich nicht mehr vom Krieg erzählen und die gesamte (Kino-)Kunst sei in einer Art postfaschistischen Falle gefangen, dann sieht er hier mehr Gespenster als ich (auch der Vergleich von Bundeswehrgelöbnissen zur NS-Ästhetik ist reichlich gewagt). Für ihn ist I.B. ein Befreiungsschlag, für mich war dieser Befreiungsschlag nicht ganz so nötig. Aber gut ist er, und es lohnt sich eine Beschäftigung auch mit der etwas anderen Ansicht von Seeßlen.

Uneingeschränkt gelungen ist das Buch hingegen, wenn es um die Entstehung des damaligen Nazismus und das Bild des kultivierten Nazis geht. Hier ist die politische Analyse zwar genauso pointiert, aber nach meinem Empfinden stichhaltiger, und Seeßlen gelingt ein beeindruckender Beitrag zu der auch unter Historikern tobenden Debatte, ob die Barbarei gerade in der Kultur oder gegen die Kultur möglich war. Seeßlen erteilt der These, dass Erziehung und Bildung das Schlimmste verhindert hätten, eine radikale Absage. Das mag angesichts der heutigen Erscheinungen am rechten Rand verwundern - aber bei einem Blick nach Frankreich, wo die Rechtsextremen viel stärker im kulturellen Establishment und in der bürgerlichen Oberschicht verwurzelt sind, schon weniger. Und es verwundert gar nicht mehr, wenn man sich beispielsweise einmal mit der Rolle von Beamten und Justiz im "Dritten Reich" und der davor liegenden Zeit beschäftigt. Das alles entfernt uns nie zu sehr von I.B. - natürlich finden wir die Figur des kultivierten Barbaren in Hans Landa wieder. Und auch wenn ich es als etwas billigen Plot-Trick empfunden hatte, dass dieser oberschlaue Schurke gepackt von seiner Eitelkeit in eine leicht zu erkennende Falle rennt: Vielleicht ist es ja doch konsequent, dass Aldo Raine diesem kultivierten Barbaren einen Strich durch die Rechnung macht.

In den Worten von Seeßlen: Genauer gesagt sind es sechs Striche.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


8 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Eher enttäuschend, 21. September 2009
Rezension bezieht sich auf: Quentin Tarantino gegen die Nazis: Alles über INGLOURIOUS BASTERDS (Broschiert)
Ich hatte mir mehr von dem Buch erhofft. In dem Film gibts, wie in jedem Tarantino so viele verstecke Details auf die hier aber kaum bis garnicht eingegangen wird. Stattdessen wird lang und breit der "Bastard-Film" ansich und die Entstehung des Wortes erläutert, der ganze Film grob nacherzählt und viel zu ausführlich auf ältere Kriegsfilme eingegangen, um evl Parallelen aufzugreifen. Vielleicht für den einen oder anderen auch interessant, aber ich hätte mir eher eine Interpretation des Films erhofft. Schade.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


3 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Spannend erzählte Hintergrundinfos, 8. September 2009
Von 
Rezension bezieht sich auf: Quentin Tarantino gegen die Nazis: Alles über INGLOURIOUS BASTERDS (Broschiert)
Auch Tarantinos neuster Film ist wieder ein Sammelsurium an filmischen Einflüssen, Zitaten und Querverweisen, die ein Mensch allein unmöglich alle erkennen kann. Dieses Buch bietet einen Überblick und beschreibt die verschiedenen Quellen ausführlich, ohne jemals den Bezug zum eigentlichen Werk zu verlieren. Gerade bei Inglorious Basterds fand ich es sehr interessant, den Film vor seinem filmhistorischen Hintergrund als Fortführung des Genrefilms und gleichzeitig auch vor seinem geschichtlichen Hintergrund als Auseinandersetzung mit dem Naziterror zu betrachten und die Neuartigkeit des Films vor beiden Hintergründen mit einander in Verbindung gesetzt zu sehen. Zudem wird der Film in Tarantinos Werk eingeordnet. Dabei setzt sich der Autor durchaus auch kritisch mit dem Film auseinander und verfällt nicht in nervige Lobhudeleien. Alles in allem lohnt sich die Lektüre als begleitende Maßnahme zum Kinogang in jeden Fall.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


0 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Klasse Buch, 20. März 2010
Rezension bezieht sich auf: Quentin Tarantino gegen die Nazis: Alles über INGLOURIOUS BASTERDS (Broschiert)
Das Buch habe ich mir vor einiger Zeit bei Amazon bestellt und war sehr positiv davon Überrascht. In dem Buch wird deutlich gezeigt wie der Film "INGLOURIOUS BASTERDS" aus unterschiedlichen Filmen entstanden ist. Sehr informativ und gut geschieldert.

Ich gebe dem Buch die volle Bewertung.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


5 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Knapp daneben ist auch vorbei, 23. August 2009
Rezension bezieht sich auf: Quentin Tarantino gegen die Nazis: Alles über INGLOURIOUS BASTERDS (Broschiert)
Um es vorweg zu nehmen, Tarantinofans sollten am besten die Finger von dem Büchlein lassen. Zwar ist es eine gut gemeinte Analyse des Films und seiner Entstehung und Hintergründen, doch ist es sehr schlampig recherchiert und voller kleiner Fehler. Der Satz "alles über Inglourious Basterds" wirkt schon sehr wie ein cash-in zum Kinostart, vor allem wo in Zeiten des Internets es eigentlich nicht hätte schwierig sein sollen, eine etwas sauberer recherchierte und konsistente Analyse des Films abzuliefern, bei den Unmengen an frei verfügbaren Interviews im weltweiten Netz. So bleibt unterm Strich leider das erste deutschsprachige Buch zum Film, mit einer Menge wirklich kluger Beobachtungen und Bemerkungen zum Film, aber überschattet von einfach, und es tut mir wahrlich Leid dies sagen zu müssen, schlampiger Recherchearbeit, am mickrigen Quellenverzeichnis wohl noch am deutlichsten sichtbar.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein


Hilfreichste Bewertungen zuerst | Neueste Bewertungen zuerst

Dieses Produkt

Quentin Tarantino gegen die Nazis: Alles über INGLOURIOUS BASTERDS
Quentin Tarantino gegen die Nazis: Alles über INGLOURIOUS BASTERDS von Georg Seeßlen (Broschiert - 17. August 2009)
Gebraucht & neu ab: EUR 7,90
Auf meinen Wunschzettel Zahlungsmöglichkeiten ansehen
Nur in den Rezensionen zu diesem Produkt suchen