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München - Stadt der Künste: Kulturgeschichte vom Mittelalter bis heute
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TOP 500 REZENSENTam 14. Juni 2014
Wer sich einen guten Überblick über die Münchner Kulturgeschichte verschaffen will, wird mit diesem mit vielen Fotographien ausgestatteten Buch gut bedient sein. Es ist z.T. ein Augenschmaus, in ihm zu blättern.

Wem es allerdings um genaue und verläßliche Informationen zu tun ist, wird sich daran stören, daß es sich bei dem Band um eine Artikelserie der Süddeutschen Zeitung (SZ) handelt. Schließlich texten Zeitungsredakteure bekanntermaßen zielgruppenkonform, d.h. sie schreiben im wesentlichen das, was ihre zahlenden Leser und Abonnenten so erwarten. Wer kein SZ-Leser ist, möchte aber primär vielleicht gar nicht das erfahren, was Balsam für die Seele oberbayerischer Lokalpatrioten ist, sondern ist einfach nur an ungeschönten Sachverhalten interessiert.

Am Beispiel der beiden weltweit berühmtesten Wahlmünchner, dem Philosophen Wilhelm von Ockham und dem Schriftsteller und Literaturnobelpreisträger Thomas Mann, läßt sich zeigen, daß die einzelnen Artikel von verschiedenen Autoren leider auch von höchst unterschiedlicher Qualität sind. Die Bandbreite reicht tatsächlich von wertlos bis gut:

► STARK | Wilhelm von Ockham
Der Artikel von Martin Bernstein über den Franziskanermönch Wilhelm von Ockham, den sich Umberto Eco in Der Name der Rose als Vorbild für die Figur des William von Baskerville nahm, ist ein Beispiel für einen sehr gelungenen und informativen Beitrag. Der bedeutende spätmittelalterliche Denker Wilhelm von Ockham hatte im 14. Jahrhundert auf der Flucht vor dem Papst aus Avignon in München bei König Ludwig dem Bayern Schutz gefunden. Leider erinnert außer der Ockham-Straße in Schwabing nichts mehr an den großen Philosophen. Das alte Franziskaner-Kloster, in dem Ockham begraben wurde, ist schon 1802 abgerissen worden. Heute ist hier der Max-Joseph-Platz.
Aber auch in diesem löblichen Artikel macht der Autor ganz zum Schluß doch noch das, was alle Zeitungen von ihren Redakteuren erwarten. Er bedient Klischees in den Köpfen der Zeitungsleser. Das Klischee, das der Autor in seinem Schlußsatz ohne Not aufgreift, ist das des finsteren Mittelalters. Das kennt jeder, und trotzdem ist es falsch. Kaum einer - es sei denn er ist Wissenschaftler - hat heutzutage offenbar den Mut, auszusprechen, daß der Beginn der Neuzeit mit ihren Hexenverbrennungen und den schier unfaßbaren Kolonialverbrechen in der Neuen Welt (und später in Afrika) mit Abstand finsterer war. Trotzdem gehört der Artikel über Ockham zu den informativsten im Band.

► SCHWACH | Thomas Mann
Der Artikel von Jutta Czeguhn über Thomas Mann ist von den Fotos abgesehen so gut wie wertlos. Selbst der öffentlich-rechtliche Rundfunk, der sich im Programm BR2 einmal dem Thema gewidmet hat, weiß mehr als die Autorin, die die bitterbösen Worte Manns in bezug auf München einfach verschweigt. In der Biographie Die Manns: Der 'Zauberer' und seine Familie stehen sie gleich auf der allerersten Seite. Als 1942 München erneut bombardiert wurde, notierte Mann in sein Tagebuch: „Der alberne Platz hat es geschichtlich verdient.“ Dieses gefühllose Diktum kann man den Lesern unmöglich vorenthalten, auch wenn oder gerade weil sich der Nobelpreisträger in doppeltem Irrtum befindet:
1. Historisch: Man darf die Rolle Münchens in der Entwicklungsgeschichte der NSDAP zwar nicht unterschätzen, muß aber auch nicht gleich den Nazi-Jargon für München als "Hauptstadt der Bewegung" für bare Münze nehmen. Daß die Geschichte komplizierter ist, läßt sich daran erkennen, daß Bayern nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Reich tatsächlich bis zum März 1933 als sichere Zuflucht für in Berlin bedrohte Organisationen und Politiker galt. So liest man im Handbuch der bayerischen Geschichte Bd. IV,1: Das Neue Bayern: Von 1800 bis zur Gegenwart. Erster Teilband: Staat und Politik, daß die Reichs-SPD glaubte, in Zukunft von Bayern aus weiterarbeiten zu können, und eine jüdische Organisation sogar ihren Sitz nach München verlegte.
2. Moralisch: Wer zu Terrorbomdardements auf Innenstädte zur Vernichtung von Kulturgütern und Tötung Unschuldiger applaudiert, ist selber tief gesunken. Vielleicht nicht weniger tief als mancher dumme Mitläufer, der 1933 bei der Emigration der Familie Mann applaudiert haben mochte. Thomas Mann hatte in die angesehene Münchner Familie Pringsheim eingeheiratet und insgesamt vierzig Jahre in München gelebt. Daß es sich um die Heimatstadt seiner Frau handelte, der er Tod und Verderben an den Hals wünschte, ist noch eine besondere Facette dabei.
Da erübrigt sich fast die Frage, warum Thomas Mann nicht nach München zurückgekommen ist, so wie Theodor Adorno und Max Horkheimer nach dem Krieg ins zerstörte Frankfurt am Main zurückkamen.

FAZIT
Ausgerechnet der Artikel über Thomas Mann, dessen Foto schon auf dem Einband prangt, ist der schlechteste des ganzen Buches. Er wird dem schwierigen Verhältnis zwischen dem weltberühmten Schriftsteller aus Lübeck und seiner zweiten Heimat noch nicht einmal im Ansatz gerecht.

Die Autoren sind Redakteure der SZ, die sich, wie jede andere große Zeitung auch, an den Erwartungen ihrer Leserschaft orientiert. Ein Nicht-SZ-Leser oder Nicht-Münchner muß sich dieser prinzipiellen Schwäche bewußt sein, wenn er zu diesem ansonsten lesenswerten Buch greift. In die Gedankenwelt der Bürger Münchens und Oberbayerns paßt es sicherlich nicht schlechter als die SZ auch. Der fotographische Eindruck des Bildbandes ist jedenfalls hervorragend.
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1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 4. März 2014
Ich muss da auch widersprechen.
Ich habe mit dem Buch vergnügliche Stunden verbracht; ich kenne mich mit der Geschichte Münchens und der Geschichte der Kunst im Grunde gut aus, habe aber dennoch viel Neues erfahren, und das auch noch ansprechend präsentiert. Nicht nur, was die Texte angeht. Auch optisch ist das Buch wunderschön. Und der Preis von knapp 30 Euro ist für den Umfang und diese Aufmachung erstaunlich günstig.
Klar, das Buch hat keinen Index. Aber es ist kein Lexikon, sondern ein Lesebuch. Es erhebt nirgends den Anspruch auf Vollständigkeit; viele Beiträge sind zudem eher feuilletonistisch verfasst. Es gibt keine platten Lebensläufe; das Bemühen der Autoren war vielmehr offensichtlich, das Wirken der Künstler und Autoren an dem zu veranschaulichen, was von ihnen geblieben ist. Welche Orte, Personen etc. auftauchen, hängt daher zum großen Teil vom jeweiligen Artikel-Konzept und vom Geschmack des Autors ab. Was soll ich da mit einem Index? Die "Künstlerspuren" dagegen führen dorthin, um was es den Autoren ging: das Heutige der kulturellen Vergangenheit zu zeigen. Ich finde das nicht nur nachvollziehbar, sondern auch angenehm innovativ. Das Buch hat Nutzwert, wenn man so will.
Dass die vergangenen 100 Jahre in nur zwei Kapitel gegliedert sind, halte ich für gut, aus mehreren Gründen.
- Der Zweite Weltkrieg war kulturell ein derart harter Einschnitt, dass er die Gliederung geradezu bestimmen muss.
- Die im Kapitel "Nach dem Krieg" genannten Künstler sind zum allergrößten Teil Kinder der Nachkriegszeit; was die später geborenen angeht, geht es auch ihnen um "neue Wege", also bewusst abgesetzt von der Zeit davor.
- Was die Gegenwart angeht, ist die Vielfalt an künstlerischen Ausdrucksformen und Entwicklungen so groß, dass eine tiefere Gliederung nicht nur künstlich wäre, sondern auch verfrüht. Also unseriös.
- Münchner Künstler "des 21. Jahrhunderts" treten im Buch kaum auf; wer das sein sollte, ist mir derzeit auch noch nicht klar.
- Und schließlich sehe ich die Kapitel im Kontext des Buches. Da gibt es nur sieben Kapitel für mehr als 850 Jahre Stadtgeschichte. Da ist zunächst vom "Mittelalter" die Rede, da reden wir von einem Zeitraum von ca. 350 Jahren; dann kommt die "Frühe Neuzeit", das sind wiederum mehr als 100 Jahre; es folgen "Barock und Absolutismus" für die Zeit bis 1806. Die Gliederung ist also grundsätzlich grob. Gut, die Prinzregentenzeit erhält vergleichsweise viel Platz - aber dabei handelt es sich immerhin um den Zenith der Münchner Kunstgeschichte. Die vergangenen nur 70 (!) Jahre also in ein gemeinsames Kapitel zu fassen, zeugt keineswegs von drastischer "Simplifizierung", sondern vielmehr von einem Blick fürs Ganze, ohne sich in den Eitelkeiten der Gegenwartskunst zu verzetteln.
In dieser Rezension hat nun die Antwort auf eine Vor-Rezension recht großen Platz eingenommen; daher ein Fazit in aller Kürze:
Wer ein Lexikon über Münchner Kulturgeschichte erwartet, der wird dieses Buch nicht mögen. Es ist kein Lexikon. Wer aber abends im Sessel schmökern und sich dabei gut unterhalten lassen will, der schon.
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2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 24. Januar 2014
Da muss ich EdPro widersprechen! Meines Erachtens vereint die Münchner Kulturgeschichte nicht nur einen hohen Informationsgehalt mit interessanten Aussagen von Weggefährten oder Zeitzeugen der jeweiligen Künstlerinnen und Künstler, sondern die Bildervielfalt des Buches spigelt auch den Reichtum der bayerischen Hauptstadt in ansprechender Weise wider. So lädt das Werk ein zum schmökern und sich informieren. Und ganz nebenbei erfährt man zum Beispiel, was Freddi Mercury mit München verbunden hat oder wie Marie von Kalckreuth bis nach Chicago gekommen ist.
Die Kapitel "Mittelalter", "Frühe Neuzeit", "Barock und Absolutismus", "Königreich", "Aufbruch in die Moderne", "Zwischen den Kriegen" und "Nach dem Krieg" gliedern das Buch in zwar große, aber übersichtliche Kapitel und ermöglichen der Leserin und dem Leser im Inhaltsverzeichnis einen schnellen Überblick über die aufgeführten Maler, Autoren, Filmemacher und Architekten.
In der Tat mögen den Leserinnen und Lesern der SZ die Texte bekannt vorkommen - sind sie doch als Serie in der Zeitung erschienen. Gesammelt auf 416 Seiten bieten sie sich aber gerade in Buchform als Geschenk oder geschichtlichen Schmöker regelrecht an.
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3 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 21. Dezember 2013
Eben hab ich das Buch in meinen Händen und schon der erste Eindruck enttäuscht:
Das über 400 Seiten umfassende Werk hat keinen Index - lediglich eine alphabetische Auflistung "Künstlerspuren".
Der Inhalt der letzten hundert Jahre (und damit fast der Hälfte des gesamten Buchumfangs) ist gegliedert lediglich in: 1.) "Zwischen den Kriegen" und 2.) "Nach dem Krieg".
Auch das 21. Jahrhundert als die Zeit "Nach dem Krieg" zu bezeichnen zeugt schon von einer drastischen Simplifizerung.
Einige Beiträge erwecken den Eindruck, daß hier nur ein schneller "Re-Use" der zuvor bereits in der SZ erschienen Artikel stattgefunden hat.
Auf den ersten Blick entsteht der Eindruck, daß hier "quick and dirty", relativ konzeptlos ein Buch produziert werden sollte, das dem Anspruch des Titels in meinen Augen jedenfalls keineswegs gerecht wird. Schade!
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