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Kundenrezensionen

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am 5. Oktober 2013
Ich befürchte das Buch wird viele negative Bewertungen bekommen, denn Frau Herrmann argumentiert gegen den Mainstream.
Es ist die Geschichte des Kapitalismus, bei der aufgezeigt wird unter welchen Bedingungen Krisen entstehen bzw. der Kapitalismus Wohlstand erzeugt.

Frau Herrmann setzt den Beginn des Kapitalismus Mitte des 18. Jahrhunderts in Nordwest England an. Vorher gab es durchaus freie Marktwirtschaft, was aber nicht mit Kapitalismus zu verwechseln ist. Aber erst in England begann man menschliche Arbeitskraft konsequent durch Maschinen zu ersetzen - und das obwohl die Technologie wie die Dampfmaschine schon den Römern bekannt war. Die Ursache für den Beginn des Kapitalismus in England sieht die Autorin darin dass die Löhne sehr hoch und Energie sehr billig war.Zuvor gab es Jahrtausende kein kontinuierliches wirtschaftliches Wachstum. Die Lebensqualität hängte in erster Linie von der Ernte ab.

Die Autorin beschreibt die Geschichte des Kapitalismus, ohne den Bezug zur Gegenwart zu verlieren. Die Ursachen für die Krisen des Kapitals in seinen frühen Zeiten bis heute zur Eurokrise hat immer ähnliche Strukturen. Während vor dem Kapitalismus der Mangel an Gütern insbesondere Lebensmittel die Menschen verarmen lies, ist der Hauptgrund der Krisen die Überproduktion bzw. Absatzschwierigkeiten.

Die Regierungen verschärfen die Krisen weil sie Volks- und Betriebswirtschaftslehre verwechseln. Der Wohlstand des Volkes ist alleinig abhängig von der Realwirtschaft. Wächst das Kapital schneller als das reale Wirtschaftswachstum entstehen Blasen. Die Menschen glauben noch Sie seien reich weil sie viel Geld haben. Die Unternehmen investieren verstärkt auf dem Kapitalmarkt anstatt in die reale Wirtschaft weil dort die Rendite deutlich höher ist. Sobald die Blase platzt beginnen plötzlich alle zu sparen was die Realwirtschaft weiter schwächt.

Was die Autorin postuliert ist in den Augen der Konservativen ein wahrer Giftschrank. Ich konzentriere mich auf das was die Gegenwart betrifft, was vielleicht das Buch falsch wiedergibt da ein grosser Teil des Buches sich mit der Vergangenheit beschäftigt. Aber die Fehler der Vergangenheit wiederholen sich bei den heutigen Krisen:

- Sie zeigt dass der Kapitalismus am besten bei hohen Löhnen funktioniert. Bei niedrigen Löhnen lohnt es sich nicht Maschinen einzusetzen und die Firmen bekommen Absatzschwierigkeiten.
- Gute Sozialsysteme schwächen die Krise ab. Als Hinweis gilt u.a. das Kurzarbeitergeld und Abwrackprämie in Deutschland. Gute Sozialsysteme sorgen dafür dass die Menschen auch in der Krise noch konsumieren. Das Problem dass in der Rezession alle Sparen wird gemildert.
- Wenn die Menschen und Unternehmen sparen, darf es der Staat nicht tun. Der Kapitalismus benötigt Wachstum und wenn alle gleichzeitig sparen wird das Wachstum abgewürgt.
- Die Autorin plädiert für höhere Steuern bei den Reichen, da dessen Sparquote höher ist.
- Der Arbeitsmarkt ist kein echter Markt, aufgrund des Machtgefälles zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer
- Die Riesterrente ist eine Vermögensvernichtungsmaschine
- Da die Zinzen nie unter 0 fallen können, ist eine niedrige Inflation sinnvoll um in einer Rezzession noch reagieren zu können. Die Angst der Deutschen vor der Inflation ist unbegründet. Typisch für die Krisen waren immer deflationäre Entwicklung.
- Die Agenda 2010 ist mit verantwortlich für die Eurokrise, und die Austeritätsprogramme verschärfen diese.
- Es war richtig dass die EZB Staatsanleihen kauft.
- Bei andauernden Exportüberschüssen ist es nur eine Frage der Zeit bis sich das Auslandsvermögen in Null auflöst.
- Der Kapitalismus ist nicht zu verwechseln mit Marktwirschaft. Wir haben heute nur noch in den Nischen freie Marktwirtschaft. z.B Handwerk und Gaststätten. Die grossen Konzerne haben keine echte Konkurrenz.
- Der Staat muss ein ein sehr wesentlicher Teil des Kapitalismus sein, sonst bricht dieser sofort zusammen
- Die Globalisierung ist kein neues Phänomen.

Aber auch einiges wird den Linken nicht gefallen:

- Der Kapitalismus hat den Menschen Wohlstand gebracht.
- Zinzen sind kein Problem, solange die Realwirtschaft (+ Inflationsrate) entsprechend wächst
- Auch die Geldschöpfung aus dem Nichts durch Kredite muss nicht zwingend zu Krisen führen
- Das Wunder von Wörgl entstand nicht aufgrund des Freigelds sondern aufgrund der Nachfragepolitik
- Es war richtig die Banken zu retten.

Gelacht habe ich als sie die Autorin Ronald Reagon Politik als Keynesianismus für Reiche betitelte.

Die Autorin glaubt dass die ökologischen Probleme das Ende des Kapitalismus einläuten werden. Der Kapitalismus funktioniert nur unter Wachstum und endloses Wachstum kann es in einer endlichen Welt nicht geben. Aber das Ende des Kapitalismus wird nicht das Ende der Menschheit sein.

Ich bewerte das Buch mit 5 Punkten, weil es einfach geschrieben ist, und die Argumente gut begründet und mich zum Nachdenken gebracht haben.
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am 14. Januar 2016
Folgende Aussagen haben mir besonders gut gefallen und erscheinen mir nachvollziehbar:

„Weniger als 1% der größten Unternehmen erwirtschafteten 2009 knapp 65% des Umsatzes. Dies ist übrigens in den anderen westlichen Ländern genauso."

"Die moderne Globalisierung ist rund 160 Jahre alt."

"Wenn aber Kreditgeld uralt (über 4000 Jahre, Mesopotamien) ist, dann kann es nicht der Grund sein, warum ab 1760 ein selbsttragendes Wachstum einsetzte."

"Alles kann zu Geld werden – Gold, Tabak, Wechsel, Girokonten. Geld entsteht immer aus dem Nichts, oder man könnte auch sagen: durch den sozialen Kontext.
Geld ist Zahlungsmittel, Recheneinheit und Wertaufbewarungsmittel.
Geld ist symbolisierte Zeit.
Die Schulden des einen sind die Finanzvermögen des anderen."

"Doch Geld allein ist machtlos. Der heutige Kapitalismus ist entstanden, weil man in England ab 1760 auf die Idee kam, menschliche Arbeitskraft systematisch durch Maschinen zu ersetzen. Geld wurde in Kapital verwandelt. Dieser Umbruch hatte mit dem Zineszins nichts zu tun, hat aber umgekehrt den Charakter von Schulden für immer verändert. Kredite finanzieren jetzt das Wachstum, aber sie lösen es nicht eigenständig aus.

Meist droht nicht Inflation, sondern Deflation."

"Den Wachstum kann es nur geben, wenn technischer Fortschritt die Produktivität steigert."

"Geld entsteht aus dem Nichts & ist nichts. Das einzig Entscheidende ist Investition/Technik & steigende Löhne."
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am 26. April 2014
„Warum noch ein Buch über das Kapital?“ Mit dieser Frage begann Ulrike Herrmann kürzlich eine Präsentation ihres Buches, der ich beiwohnte. Dieser Einstieg bestätigte meine ursprüngliche Skepsis, denn ich hatte schon meine Zweifel, ob es angesichts der Flut von Büchern über den Kapitalismus und seine Krisen noch irgendetwas Neues zu sagen gibt. Und in der Tat hat mich die Autorin in ihrem knapp 40-minütigen Vortrag auch weniger mit frischen Inhalten zum Kauf des Buches verleitet als vielmehr durch ihre Gabe, komplexe Sachverhalte einfach, aber im Kern richtig und prononciert darzustellen.

In Teil I beschreibt Ulrike Herrmann warum der Kapitalismus gerade in England Ende des 18. Jahrhunderts entstand, nicht aber im römischen Reich, obwohl es dort auch schon Geld und Fernhandel gab. Das haben schon unzählige Historiker vor ihr getan, z.B. David Landes in „Wohlstand und Armut der Nationen“ und wer sein Buch gelesen hat, findet im ersten Teil von „Der Sieg des Kapitals“ wenig Neues. Auch dass Deutschland (ähnlich wie übrigens die USA) im 19. Jahrhundert plagiiert und kopiert hat wie ein Weltmeister, ist bekannt. Da dies die heute führenden Industrieländer aber nicht wahrhaben wollen und den Entwicklungsländern dieser Aufholweg vor allem durch das Patentrecht und Recht auf geistiges Eigentum verwehrt ist, schadet es angesichts des China-Bashings nichts, diesen Punkt zu betonen.

Die in Teil II beschrieben Irrtümer über das Kapital sind ebenfalls ein alter Hut. Ja: Märkte gab es Jahrtausende bevor der Kapitalismus entstand, die Globalisierung ist nicht neu und Kapitalismus ist nicht das Gegenstück zum Staat – ganz im Gegenteil, er benötigt ihn zu seiner Entfaltung. Wer nicht zum ersten Mal ein Buch über Wirtschaftsgeschichte zur Hand nimmt, erfährt in den ersten beiden Teilen wenig Neues. Alle anderen erhalten aber eine kurze, erhellende und wohlfundierte Einführung in den Kapitalismus.

In Teil III lernt man vieles über den Zusammenhang von Geld und Kapital, was durchaus nicht das Gleiche ist. Das wissen zwar die Ökonomen, die meisten Nichtökonomen tappen hier aber ziemlich im Dunklen. Der Autorin gelingt eine knappe und dennoch verständliche Darstellung dieser komplexen Zusammenhänge, auch wenn ich ihre Meinung nicht teile, dass das "Wunder von Wörgel" nichts mit dem in der Gemeinde verwendetet "Schwundgeld" zu tun hat. Denn die monatlich stattfindende automatische Abwertung der Geldscheine machte das Sparen unattraktiv und um sie zu verhindern, musste das Geld entweder ausgegeben werden (und so den Wirtschaftskreislauf ankurbeln) oder durch eine zu kaufende Wertmarke vor der Entwertung gerettet werden (was aber die Kosten der Geldhaltung erhöht).

Die immer wiederkehrenden Krisen des Kapitalismus und ihre Ursachen und Auslöser beschreibt Ulrike Herrmann in Teil IV. Mit Ausnahme des Kapitels 18 zur Eurokrise steht auch hier nichts, was nicht schon in anderen Büchern ausführlich erörtert wurde.
Interessant - und in dieser Form noch kaum verbreitet - ist ihre Interpretation der Eurokrise, die für die Autorin eigentlich aus vier Krisen besteht:
1. Die Staatsschuldenkrise, vor allem der Länder Griechenland, Portugal, Spanien Italien und Irland.
2. Die Ansteckungskrise, die sich aus der Fehlkonstruktion der Eurozone ergibt, eine Währung aber 17 verschiedene Staatsanleihen zu haben.
3. Die auf der Agenda 2010 basierende, von Deutschland ausgehende Wettbewerbskrise, das mit seiner Politik des Nullwachstums bei den Reallöhnen einen Wettbewerbsvorteil auf den Auslandsmärkten erreicht und somit durch seine Exportüberschüsse die Staatsverschuldung der anderen Eurostaaten mitverursacht.
4. Die Managementkrise des Euro, die darin besteht, dass die Politiker eine Reihe von dramatischen Fehlentscheidungen getroffen haben.

Nach so vielen Krisen muss sich der Ausblick natürlich mit der Frage beschäftigen, ob der Kapitalismus eine Überlebenschance hat und wenn ja, in welcher Form. Für Ulrike Herrmann ist es wahrscheinlich, „dass der Kapitalismus an den Umweltproblemen scheitert, die er selbst erzeugt.“ Was nach ihm kommt, weiß noch niemand. Denn: „Wo der Mensch ist, ist das Ende offen.“

Insgesamt ist „Der Sieg des Kapitals“ sicher kein innovatives Buch, sondern eine auch für Laien gut nachvollziehbare Geschichte der Entstehung des Kapitalismus, Irrtümer über ihn und die von ihm verursachten Krisen, was aus meiner Sicht vier Sterne rechtfertigt.
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am 29. September 2013
Ulrike Herrmann gelingt es auf beeindruckende Weise, eine Schneise in das Dickicht von Globalisierung und Finanzkrisen zu schlagen. Pointiert und flott geschrieben spannt Herrmann einen historischen Bogen, der mit Vorurteilen und Ideologien rund um Marktwirtschaft, Geld und Kapital aufräumt. Überzeugend arbeitet sie die zentrale Rolle des modernen Staates gegen alle neoliberale Rethorik heraus. Ein überaus lesenswertes Buch, kurzweilig geschrieben, voller Denkanstöße und Anregungen.
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am 14. September 2015
Ulrike Hermann gelingt es in diesem Buch sehr gut, Lesern ohne umfassende Vorkenntnisse verständlich zu machen, dass jeder Betrieb mit seinen Mitarbeitern deshalb zu unserem Wohlstand beiträgt, weil Produkte oder Dienstleistungen schöner, innovativer, besser werden. Das nennt man dann Produktivitätssteigerung. Nach totaler Deregulierung der Märkte (Wegfall von Spielregeln) rufen hingegen diejenigen, die ohnedies schon privilegierte "Marktteilnehmer" sind, also Landwirtschaft und Gross-Konzerne. Wo dies hinführt, zeigt uns täglich die Finanzindustrie, die mit ihren "Phantom-Umsätzen" Spekulations-Ergebnisse generiert bzw. umverteilt, die den Betrieben dann fehlen. Nicht Ideologien, sondern alleine Steigerung der Produktivität führen zu Wirtschaftswachstum und Steigerung des Wohlstandes, das vermittelt dieses Buch sehr gut! Auch dass "Wirtschaft" ohne Rahmenbedingungen nicht geht und dass nur gute Ausbildung aller unser künftiges Wohl massgeblich beeinflussen, wird dem Leser bewusst. Ein Buch, spannend und aufregend geschrieben, wie ein Krimi zu einem Thema, das uns alle betrifft. Ein Buch, das zum Verstehen beiträgt, aber auch zum Nachdenken anregt!
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am 7. Juni 2014
Da er selbst kein amazon-Konto hat, hat mich der Autor der folgenden Zeilen gebeten, diese für ihn einzustellen:
Ich habe bis zur letzten Seite des Buches darauf gewartet, dass endlich die Terminologie des wissenschaftlichen Marxismus bemüht wird, um den Kapitalismus zu erklären. Fehlanzeige. Den Begriff „Produktivkräfte“ habe ich nur einmal gezählt, „Produktionsverhältnisse“ keinmal, und den Widerspruch zwischen Produktivkräften und Produktionsverhältnissen, die sich nach der „bürgerlichen Revolution“ (keinmal) im „Gegensatz von Lohnarbeit und Kapital“ entfalten, ebenfalls keinmal. Ulrike Herrmann schafft es, eine Kapitalismus-Analyse zu schreiben, die negative Assoziationen durch einen historisch vorbelasteten Begriffsapparat vermeidet. Dennoch kommt sie zu dem gleichen Ergebnis wie die großen Klassiker der Kapitalismuskritik, nämlich dass dieses System weder mit den menschlichen Vorstellungen von Arbeits- und Konsumethik kompatibel ist noch mit den endlichen Ressourcen unseres Planeten. Die marxistische Notwendigkeit vom Übergang zum Sozialismus jedoch kommt als Resümee nicht vor. Die Zukunft bleibt im Ungefähren: „Es wird sich ein neues System herausbilden, das heute noch nicht zu erkennen ist.“ Der gesamte Komplex alternativer Produktions- und Konsumtionsformen, und damit auch anderer Sozialformen, bleibt außen vor.
Dennoch ist das Buch ein Gewinn, weil es die aktuellen Probleme wie Finanz- und Eurokrise sehr verständlich erklärt und wirtschaftspolitische Konsequenzen aufzeigt, die dramatische Krisen vermeiden könnten. Auch finden sich Vorschläge für wirksame Reformen innerhalb des Kapitalismus (verringerte Arbeitszeiten, höhere Mindestlöhne etc.) , die schon lange in den Wahlprogrammen diverser sozialistischer Parteien propagiert werden.
Das alles ist unterhaltsam geschrieben und überaus lehrreich, setzt kein Studium der Wirtschaftswissenschaften voraus und bereichert zudem noch das historische Wissen der Leser/innen. Hinsichtlich des politischen Nutzwertes bietet Ulrike Herrmann wesentlich mehr als die unendliche Zahl von Crashtheoretikern oder Börsenschlaumeiern, deren Bücher kaum bei der politischen Orientierung helfen.
Hätte sie sich der großen Frage nach einem alternativen Wirtschaftssystem wenigstens in Ansätzen gestellt, durchaus unter Verwendung des entsprechenden Vokabulars, hätte ich fünf Sterne gegeben. Aber vier Sterne sind ja auch nicht schlecht.
Juni 2014
Bernd H. Schoeps, Bochum
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am 23. Januar 2014
Eine intelligente Analyse, die belegt, dass es sehr gefährlich ist Betriebswirtschaft und Volkswirtschaft zu verwechseln. Eine Politik, die versucht den Staat, wie einen Betrieb oder garnicht zu steuern, führt zwangsläufig in die Krisen, die wir heute und in den letzten Jahren beobachten müssen. Das Buch ist kein Plädoyer gegen den Kapitalismus, sondern zeigt, dass erfolgreicher Kapitalismus eine regulierende Steuerung durch den Staat erfordert.
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am 11. Juni 2016
Es gibt wenige Bücher, die man nach dem ersten Lesen aufbewahren und jederzeit griffbereit haben muss.
Manche würden sagen: die Bibel. Ich sage: dieses Buch!

Hier werden unsere Wirtschaftsordnung, die Abläufe, die Stärken und die Stolpersteine anschaulichst erklärt.
Dabei verfolgt Ulrike Herrmann einen historischen Ansatz - sie rollt kurzweilig und nachvollziehbar auf,
warum es in der Menschheitsgeschichte jahrtausendelangen relativen Stillstand gab, bevor ab dem 18. Jahrhundert alles explodierte.

Ich hatte, und garantiere anderen, viele verblüffende Einsichten, z. B.:
- Marx & Engels waren begeistert von der Produktivität des Kapitalismus
- Die in Deutschland propagierte "Marktwirtschaft" ist eine augenwischerische Fiktion
- Banker und Linke teilen den selben Irrglauben an die Macht/Magie des Geldes.

Die Autorin verzichtet auf Statistiken und Formeln und entzaubert so die Wirtschaftskreisläufe.
Sie befindet sich damit IMHO in der Tradition von John Maynard Keynes, der in der Wirtschaftswissenschaft
eine Sozialwissenschaft sah, die den Fokus auf die Motive der Akteure legt.

So stellt sich das Buch deutlich gegen die neoliberale Wirtschaftsauffassung und plädiert, zwischen den Zeilen,
für staatliche Eingriffe (jaja, böses Wort. Aber der Staat sind wir, also ist's doch schön, wenn wir mitbestimmen können ;-)

Nach der mehrmaligen Lektüre des Buches möchte ich folgendes Fazit ziehen:
- Dieses Buch versöhnt Linke mit dem Kapitalismus. Es geht eben nicht um die Produktion sondern um die weltweite Verteilungsgerechtigkeit!
- Es vergeht kein Tag, wo ich nicht mindestens eine Meldung aus den Nachrichten auf die Themen in diesem Buch beziehen kann.

Wenn mehr Menschen in Deutschland diese Zusammenhänge verstünden, würde das bestimmt dafür sorgen, das wir seltener gegen unsere eigenen Interessen abstimmen. Deshalb hab' ich das Buch auch mehrmals verschenkt. Mal gucken, ob's was genützt hat....

P.S.: Es gibt auch ein "Deutschlanderklärbuch" der Autorin namens "Hurra, wir müssen zahlen". Da wird das Brennglas nicht auf die Welt
sondern auf good old Germany gerichtet. Kann ich mindestens genauso empfehlen.
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am 5. Juni 2016
Es gibt gute und es gibt schlechte Bücher und dann gibt es Bücher die dein Leben verändern, da sie deine Ansichten über die Welt so wie sie dir von der Schule und anderen Institutionen impliziert werden über den Haufen werfen. Mir wurde diese Erkenntniss zu Teil als ich 14 Jahre alt war und das Buch von Stefan Zweig über Joseph Fouche durch den Hinweis meines damaligen überaus engagierten Geschichtslehrers der seine Schüler zu selbstständig denkenden Wesen auszubilden versuchte, aufmerksam gemacht wurde.
Solch einen Moment durfte ich dank Ulrike Hermann wieder erleben.
Wer die Makroökonomie verstehen will, dem sei gesagt, dieses Feld wird sehr kontrovers von vielen Experten beackert, doch noch niemand, hat es geschafft eine solch in sich schlüssige Abhandlung der Zusammenhänge und Abhängigkeiten wirtschaftlicher Aktionen aller Art zu Papier zu bringen. Was ist dieser Frau gelungen, was den anderen(überwiegend männlichen) Autoren von Fachbüchern Im Bereich Wirtschaft(fast)nie gelungen ist? DER GROßE ZUSAMMENHANG !
Niemand konnte bisher die Wirtschaftsgeschichte einfacher und verständlicher erklären als diese Autorin.
Wir werden sehenden Auges in die Katastrophe steuern, da grundlegende Probleme nicht mehr gelöst werden können. Auch wenn ich ihre Analysen zu den Ursachen und Folgen von 1929 nicht zu 100% teilen mag, der grobe Ablauf wird sich wiederholen, nur diesesmal um einiges heftiger als damals, diesesmal spielen noch negative Faktoren wie Überalterung der Industriegesellschaften, Bevölkerungsexplosion in den Drittweltländern, Ende des letzten Kondratieffzyklus mit sehr wackeligem Übergang in den Neuen Zyklus der Recyclingwirtschaft, massivste Umweltprobleme, absehbares Ende der Ressourcen etc.etc.dazukommen. All diese Probleme gab es bei der ersten großen Wirtschaftskrise der 1930er Jahre nicht. Wir stehen einem Supersturm entgegen, den nur wenige weitsichtige Ökonomen kommen sehen, da sie in ihrem Mikrodenken gefangen bleiben, oder in ihrer innovativen Technikgläubigkeit alles lösen können.
Es sind in diesem Werk Parallelen zu Weik und Friedrich sowie zu Martin Armstrong erkennbar. Ebenfalls Querdenker, welche von unseren sogenannten Experten nur milde belächelt werden. Auch weist sie ähnlich wie Heiner Flassbeck auf das Lohndumping in Deutschland hin, mit fatalen Folgen für die anderen EU-Staaten.
Frau Hermann ist es mit diesem Buch gelungen auch Menschen mit wenig ökonomischem Grundwissen durch ihre Exkursion durch die Geschichte des Finanzwesens und der Realwirtschaft ein grundlegendes Verstehen dieser Vorgänge beizubringen. Auch wenn es Experten viel zu einfach geschrieben ist, so sei diesen Experten gesagt: komplizierte, schwer zu verstehende Vorgänge sehr abstrakt und schwer verständlich zu vermitteln, mögen den Verfasser zur Ehre gereichen, sein NUTZWERT allerdings sinkt proportional dazu.
Die gesamte Finanzproduktbranche ist hochkompliziert gestaltet und zumeist von der Realwirtschaft entkoppelt, doch nur um Narrenfreiheit zu haben, denn was der Politiker nicht versteht kann er auch nicht bekämpfen....oder will es nicht :-( Von der alles umfassenden Gier die diese Märkte ergriffen hat, ganz zu schweigen. Intelligent gleich Klug? Eindeutig NEIN !!
Äußerst interessant fand ich die Äusserungen von Frau Herrmann zu den Ansichten von Occupy.
Auch die Crux des Energiesparens, welche ja einen Effizienzgewinn darstellt, der aber wiederum zu einem erhöhten Warenoutput führt(Bumerangeffekt) löst unsere Probleme nicht automatisch, nein sie können sich sogar noch verschärfend auswirken.
Merke: Kapitalismus braucht Konsumenten!
Fazit: dieses Buch ist herausragend einfach geschrieben, welches komischerweise wieder einmal einer Frau gelungen ist. Die Erkenntniss aus diesem Buch allerdings ist schrecklich: Diese gewaltige Blase kann nicht mehr kontrolliert abgelassen werden, von diesem Traum können wir uns in dieser extremst vernetzten, globalisierten, völlig überpumpten Weltwirtschaft verabschieden. Momentan wird nur noch Zeit erkauft, da niemand auf der ganzen Welt weiß, wie er dem entgegen wirken kann, ohne eine Katastrophe auszulösen, denn fällt auch nur ein kleines Klötzchen, kann dies unkontrollierbare Auswirkungen auf den Rest der Welt haben. Was hier noch garnicht angesprochen wurde, ist der berühmte "Schwarze Schwan" von Nasim Taleb (z.B. eine etwas größere Naturkatastrophe) Dieser könnte von heute auf morgen dieses Welttheater beenden, da die Weltwirtschaft mittlerweile nur noch auf tönernen Füßen steht. Die Folgen jedenfalls werden schrecklich sein. Wer es noch nicht verstanden hat: endliche Ressourcen, der Zwang zu stetigem Wirtschaftswachstum sowie eine explodierende Bevölkerung in der Dritten Welt ergeben einen Sprengstoff mit schier unglaublicher Sprengkraft.
Hier gefiel mir auch der Hinweis auf das damalige Römische Reich, wo sich die damalige Elite nur kurz vor ihrem Untergang gar nicht mehr vorstellen konnte, wie eine Welt ohne Fußbodenheizung, einer zentralen Wasserversorgung und anderen Errungenschaften aussehen konnte. Aber dann kam es doch anders... Als Ergänzung: damals höchstwahrscheinlich ausgelöst durch den verheerenden Ausbruch des Tambora 535 n.Chr.
Wahrlich schöne Aussichten :-))
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am 31. Oktober 2015
Gute, meiner Meinung nach objektive Entwicklungsgeschichte des Kapitalismus. Insbesondere, dass U.H. das Wesen des Kapitalismus sauber herausarbeitet und abgrenzt vom bloßen Geldbesitz und Gelderwerb ist bemerkenswert. Beeindruckend ist ferner wie U.H. als eher linke Wirtschaftsjournalistin die positiven Gesellschaftsentwicklungen wie Frauenwahlrecht und demokratische Errungenschaften auf den wohlstandssteigernden Effekt des Kapitalismus zurückführt. Abgerundet wird das Buch durch die eher pessimistische aber dennoch ehrlichen Zukunftssicht aufgrund des im Kapitalismus systemimmanenten Wachstumszwangs.
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