Hier klicken Jetzt informieren BildBestseller Fashion Pre-Sale Cloud Drive Photos OLED TVs Learn More Wein Überraschung Samsung AddWash Hier klicken Fire Shop Kindle PrimeMusic NYNY

Kundenrezensionen

4,5 von 5 Sternen6
4,5 von 5 Sternen
Ihre Bewertung(Löschen)Ihre Bewertung


Derzeit tritt ein Problem beim Filtern der Rezensionen auf. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.

TOP 1000 REZENSENTam 23. April 2013
.
Fünf renommierte Ökonomen aus verschiedenen Kontinenten verfassen ein gemeinsames Manifest gegen den Mainstream der herrschenden orthodoxen Wirtschaftspolitik, wie sie vor allem in Europa noch immer praktiziert wird.
Dem Manifest vorangestellt sind Einzelbeiträge der Autoren als theoretische Basis für die gemeinsame Erklärung.

PAUL DAVIDSON
Unsicherheit und staatliche Sparpolitik.

Davidson schreibt über den fatalen Glauben, dass alle Unsicherheit in der Ökonomie auf eine bekannte objektive Wahrscheinlichkeitsverteilung reduziert werden kann; eine Meinung die wider besseres Wissen auch nach dem Finanzcrash vor nunmehr 6 Jahren immer noch vom Mainstream vertreten und von der Politik übernommen wird.
Ökonomie wird immer noch als ‚harte‘ oder ‚ergodische‘ Wissenschaft wie Physik oder Astronomie gesehen, in die die Politik möglichst nicht eingreifen soll, außer zur Aufrechterhaltung dieses Systems.

Die derzeit betriebene Sparpolitik in Europa wird in der Analyse dieses US-Ökonomen als besonders kontraproduktiv für die davon betroffenen Defizitländer dargestellt, da sie ihnen keine Chancen lässt,weder um den Staatshaushalt in Ordnung zu bringen, noch um die Schulden jemals zurückzahlen zu können.

James K. Galbraith
Neues Denken und ein strategisches Grundsatzprogramm.

Galbraith skizziert die Entwicklung vom ‚gemischten Wirtschaftssystem‘ der 50er und 60er Jahre, mit einem öffentlichen Sektor, der verwalten und kontrollieren sollte, und einem privaten Sektor, der die Details regelte, samt den Randerscheinungen die meinten, man könne sowohl auf das eine wie auf das andere verzichten (‚sozusagen die Positionen von Mao und von Mises‘) bis hin zur Thatcher-Reagan-Revolution von 1979 bis 1981 und dem Siegeszug dessen was heute mit Neoliberalismus umschrieben wird.

Er weist darauf hin, dass diese Sicht gerade triumphierte, als die Ausarbeitung des Maastricht-Vertrages und die Ausgestaltung der Europäischen Zentralbank begannen. Weltweit bestimmte der ‚Washington Consensus‘ die wirtschaftspolitische Ausrichtung und die Regierungen gaben die Schalthebel in der Finanzwirtschaft an das Topmanagement der Banken ab.

Aus den Vorschlägen Galbraith’s zu einem neuen strategischen Programm sei hier nur einer hervorgehoben:
Bei der Durchführung von Wetten mit Finanzderivaten sollte der Staat keinen Rechtsschutz mehr gewähren.
Sobald die Gerichte sich weigern, bei der Durchsetzung der Forderungen aus solchen Geschäften zu helfen,
könnte der Markt sich auflösen.

Heiner Flassbeck
Der Arbeitsmarkt und die wirtschaftliche Entwicklung.

In Flassbecks Beitrag geht es in erster Linie um das Dogma der Flexibilisierung der Arbeit und der Lohnzurückhaltung, obwohl wir den niedrigsten Anteil der Löhne im BIP seit dem Zweiten Weltkrieg haben und die Arbeitslosigkeit auf das höchste Niveau der letzten 60 Jahre hochgeschnellt ist.

Flassbeck hält das deutsche Experiment für katastrophal für Europa. Der temporäre Erfolg des deutschen Weges, besonders wenn die Überschussposition auch noch mit allen Mitteln verteidigt wird, führt unvermeidlich zur Zahlungsunfähigkeit der Schuldnerländer.

Richard Koo
Bilanzrezessionen und die globale Wirtschaftskrise.

Wenn nach einer Finanzkrise alle privaten Segmente der Volkswirtschaft – Konsumenten, Unternehmen und die Banken – ihre Bilanzen sanieren, bleibt nur der Staat übrig um Stimulusprogramme durchzuführen und die Bilanzrezession zu bekämpfen und um zu verhindern, dass das BIP und die Geldmenge schrumpfen.
Der Staat muss dann zum letzten verbleibenden Kreditnehmer werden um eine Implosion der Wirtschaft und der Geldmenge zu verhindern. Dass das möglich ist, ohne die Inflation anzuheizen, dafür gibt Richard Koo nachprüfbare Beispiele.

In der Eurozone hat die Bilanzrezession noch dazu eine besondere Ausprägung, wie ein Beispiel zeigt:
Private Ersparnisse stünden in den Südländern ausreichend zur Verfügung, werden aber trotz höherer Zinsen nicht im eigenen Land angelegt, sondern zu minimalen Zinsen in den noch solideren Staaten des Nordens.
Der Kapitalstrom fließt zurück in den Norden, so wie er vorher vom Norden in den Süden floss, wodurch er dort unter anderem die Immobilienblase vergrößerte, wie im Fall Spanien.

Koo bringt dazu einen interessanten Lösungsansatz: der Verkauf einheimischer Staatsanleihen an Anleger aus anderen Staaten sollte – zumindest vorübergehend - verboten werden. Also zum Beispiel:
griechische Staatsanleihen nur an griechische Anleger. Dies könnte zu mehr Haushaltsdisziplin und auch zu größerer fiskalischer Flexibilität führen, denn die Staaten könnten sich mit mehr als 3 % des BIP verschulden – und zwar mit dem Geld, und damit auch mit der Zustimmung - ihrer eigenen Bürger.

Jayati Ghosh
Wirtschaftliche Integration und globale Krise aus der Perspektive der Entwicklungsländer.

Jayati Ghosh nimmt die Thematik der falsch geleiteten Kapitalströme auf und weist darauf hin, dass diese Kapitalzuflüsse unvermeidlich zu Leistungsbilanzdefiziten im Empfängerland führen. Besonders in den Ländern der Euro-Zone, wo Kapitaltransfers ohne Kursrisiko erfolgen und wo keine Kontrolle oder kein mäßigender Einfluss möglich ist:
‚Alle inländischen Marktgleichgewichte oder Ungleichgewichte werden sich infolge der Kapitalströme verschieben, deren Verursacher wiederum selbst auf die Wirtschaftsdynamik reagieren, die sie selbst ausgelöst haben‘.
Wer denkt da nicht an Spanien, Irland, Zypern etc.? Und wer hat heute noch die Illusion dass diese Ungleichgewichte nicht auch auf die heutigen 'Geberländer' zurückschlagen werden?

Jeder der fünf Beiträge wäre ein eigenes Buch wert, das 5 Sterne verdiente.
Knapp und klar werden die Fehlentwicklungen der europäischen Wirtschaftspolitik aufgezeigt.

Den Abschluss bildet das gemeinsame Manifest der Autoren, praktisch als Resümee der einzelnen Beiträge und als möglicher Ausweg aus der Dauerkrise. Es handelt sich hier nicht um revolutionäre Thesen, eher um Positionen die eigentlich jene der Sozialdemokratie sein sollten. Aber ich kenne keine Sozialdemokratie in Europa die auch nur ansatzweise bereit oder in der Lage wäre, die Wirtschaft aus der Sackgasse herauszuführen, in die wir geraten sind, weil vor gut 30 Jahren die Weichen falsch gestellt worden sind, und zwar mit Unterstützung eben dieser Sozialdemokratie. Trotzdem ist es gut zu wissen: es müsste nicht so sein wie es ist.
.
11 Kommentar|30 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 1. März 2016
Fünf renommierte Wirtschaftswissenschaftler veröffentlichen ihre Analysen und Lösungsansätze. Abgerundet wird dies durch ein Manifest. Und ja, das alles klingt nach der Rückkehr des Meisters: John Maynard Keynes! Während selbst die ehrlichen Chicago Boys eingestanden haben, das sie krachend gescheitert sind und sogar die Synthese aus Neoklassischer Schule und Postkeynesianismus für keinen fruchtbaren Ansatz mehr halten, geistern in deutschen Talkshows immer noch alte Neoliberale wie Hans Werner Sinn und verkünden die unheilige Dreifaltigkeit aus Deregulierung der Finanzmärkte, Lohnmäßigung und der Gefahr hoher Staatsdefizite. Daher und weil die Anzahl echter Keynesianer an den Universitäten gering ist, ist dieses Buch so wichtig. Es gibt Alternativen, diese wurden mal in den 50er und 60er erfolgreich umgesetzt. Leider haben dies einige Leute vergessen. bzw. wollen auch die Erinnerung daran verhindern ...
Fazit: Absolut lesenswert!
0Kommentar|War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 6. Mai 2013
In fünf Essays beleuchten fünf namhafte, erfahrene und renommierte Wirtschaftswissenschaftler aus untersichtlichen Blickwinkeln die gegenwärtige globale wirtschaftliche Situation und formulieren daraus gemeinsam ein globales Manifest, mit dem sie die Wirtschaft retten wollen, das sie mit folgenden Worten einleiten:
„Handelt jetzt! Ergreift Maßnahmen zur Belebung der Weltkonjunktur. Der Neoliberalismus ist gescheitert. Verhindert den Rückfall in Nationalismus und Kampf der Nationen. Eine ernsthafte internationale Kooperation und eine sofortige Beendigung der Austeritätspolitik sind das Gebot der Stunde.“

Wer sich kurz und knapp über die Forderungen der fünf Autoren an die Politik informieren will, der sollte zuerst das 15- seitige Manifest am Ende des Buches lesen und dann ggf. auch in Auswahl sich den einzelnen Essays zuwenden. Besonders erhellend für mich war der Essay der Inderin Jayati Ghosh, der mir viele neue Erkenntnis brachte zu dem Thema „Wirtschaftliche Integration und globale Krise aus der Perspektive der Entwicklungsländer“.

Überall, in Deutschland und auch in Europa, aber auch in anderen Teilen der Welt, wird in den letzten Wochen verstärkt öffentlich debattiert über die Folgen einer rigiden Sparpolitik, die in Europa offenbar nicht in der Lage ist, die südeuropäischen Sorgenländer zu stabilisieren und auch für die Musterländer im Norden immer mehr sichtbare negativen Folgen bringt.

Das Thema wird in den nächsten Monaten noch stärker werden und sicher auch den Bundestagswahlkampf mit bestimmen. Dieses Buch jedenfalls hat den beteiligten politischen Akteuren nicht nur in den Parteien eine argumentative Steilvorlage gegeben, mit der sie sich auseinandersetzen müssen.
11 Kommentar|12 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 8. November 2013
Ok, nicht alle Kapital sind gleichwertig, da das Buch von verschiedenen Autoren ist und verschiedene Themen bearbeitet. Trotzdem gibt es sehr interessante neue Kenntnisse und auch gute Erklärungen zu vielleicht einfachere oder mehr bekannten Themen.
Ich denke, das Buch sich sehr gut für wirtschaftinteressierte eignet, die jetzt nicht unbedingt eingefleischte VWLer sind.
0Kommentar|Eine Person fand diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 22. Juni 2013
Es zeigt, dass er mit seinen Argumenten nicht alleine da steht. Seine Bücher zeigen eindrucksvoll, wie Währungen und Volkswirtschaften am Besten funktionieren würden.
0Kommentar|Eine Person fand diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden
am 10. Mai 2013
Dieses Buch von fünf Wirtschaftswissenschaftlern möchte dem neoliberalen Mainstream eine keynesianische Alternative entgegen stellen.

1. Davidson argumentiert, dass Blasen und dadurch entstehende Krisen wegen der Theorie effizienter Finanzmärkte den Mainstream widerlegen.

2. Galbraith hält die keynesianische Politik der 1970er Jahre für richtig; diese sei nur scheinbar gescheitert (Stagflation). Heute müsse man wieder wie damals das Problem der Rohstoffe beachten, nachdem es einige Zeit aus speziellen Gründen aus dem Blickfeld verschwunden sei.

3. Flassbeck zeichnet den Zusammenhang zwischen Arbeitslosigkeit und Lohnquote nach und findet die Theorie, dass Lohnkosten die Arbeitslosigkeit erhöhen, falsch. Viele Arbeitslose würden vielmehr die Macht der Gewerkschaften schwächen und so die Löhne drücken.

4. Koo vergleicht die aktuelle Situation mit Japan und findet beide Male eine Liquiditätsfalle (Wirkungslosigkeit der Geldpolitik). Die Unterschiede zwischen Deutschland und Griechenland sind je zur Hälfte durch Arbeitsmarktreformen (bzw. Lohnzurückhaltung) in Deutschland sowie durch die Geldmenge in den Ländern zu erklären.

5. Gosh prüft, ob sich die Entwicklungsländer hinsichtlich des Wirtschaftswachstums von den Industrieländern abgekoppelt haben und tritt für scharfe Maßnahmen ein, u. a. für Kapitalkontrollen, gegen Spekulation, teilweise Verstaatlichung der Banken sowie einen Fokus auf Lebensqualität an Stelle des Wirtschaftswachstums.

Das Manifest fordert:

- Macht der Finanzmärkte einschränken
- staatlich koordinierte Lohnpolitik (Ersatz: Fiskalpolitik)
- Geldpolitik gegen Deflation und für Investitionen und Beschäftigung
- Fiskalische Expansion in Ländern mit Leistungsbilanzüberschüssen

Das beinhaltet u. a.:

- Kampf gegen Jugendarbeitslosigkeit,
- Maßnahmen für Demokratie statt Lobbyismus
- mehr Umweltschutz (d. h. Preiseingriffe und Ressourcen umlenken)

***

Das Buch hat mir nicht gefallen.

So zeigt das Diagramm sehr wohl einen Zusammenhang zwischen der Lohnquote und der Arbeitslosigkeit. Es stimmt, dass die Lohnquote langfristig gefallen ist; das lag aber an der Geldpolitik und nicht an der angeblichen Schwäche der Gewerkschaften. Gewerkschaften zählen die Arbeitslosen nämlich als gestiegene Produktivität und erhöhen ihre Forderungen entsprechend.

Die (teilweise) Zurückführung der Entwicklungen in Deutschland und Griechenland ist löblich. Aber warum soll Deutschland die Probleme der anderen Länder lösen? Warum sollte der Staat etwas besser können als die freiwilligen Entscheidungen der EU-Bürger? Hoffentlich bastelt der Staat nicht so lange an der Krise wie in Japan; sonst dauert es bei uns auch 30 Jahre. (Wenn der Staat nichts tut, geht es schneller, was die Depression von 1920/1921 in den USA beweist.) Das Problem liegt auch nicht beim Sparen der Regierungen, sondern bei den Steuererhöhungen.

Leider bietet das Buch nicht Neues; alles wurde schon ausprobiert und ist gescheitert. Deshalb soll zur Ablenkung vom Versagen der Wirtschaftspolitik auch nicht mehr Wirtschaftswachstum, sondern Lebensqualität angestrebt werden. Das Problem liegt wie immer in der Regimeunsicherheit: Unternehmen investieren nicht, weil die Regierungen ständig ihre Politik ändern. Es gilt das alte Sprichwort "Stabilisierung ist Chaos".
1111 Kommentare|12 Personen fanden diese Informationen hilfreich. War diese Rezension für Sie hilfreich?JaNeinMissbrauch melden