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am 20. März 2012
Ganz ehrlich: Mir klang "was Pfarrer Gauck noch lernen muss" auch ein bisschen zu oberlehrerhaft ... Und die Feststellung "Der falsche Präsident" polarisiert natürlich.

Wer diese kleine Streitschrift aber - wie ein Mit-Rezensent - mit einem dürren 'schade ums Papier' abtut, macht es sich zu einfach (und kann sie eigentlich nicht gelesen haben).

Den idealen Bundespräsidenten gibt es nicht und etliche der vergangenen Amtsträger mussten erst in ihr Amt hineinwachsen (auch wenn noch keiner damit so grandios gescheitert ist wie Christian Wulff). Dass Gauck so mainstreammäßige Akzeptanz fand und Applaus gerade vom rechten Rand des Spektrums, darf den kritischen Leser verstören. Dass er - und darauf weist Albrecht Müller mit Recht hin - zu manchen Themen eine erstaunliche Blauäugigkeit (man könnte auch 'Ignoranz' sagen) an den Tag legt, weist auf Defizite, die aber aufgeholt werden können. Das meint Müller mit dem 'was-er-noch-lernen-muss' ...

Wer die NachDenkSeiten kennt, die Müller mit herausgibt und für die er regelmäßig schreibt, weiß dass sich Albrecht Müller an der Person Gauck schon länger abarbeitet: mit konstruktiver Kritik wohlgemerkt. Der Leser der NachDenkSeiten, der zu diesem Bändchen greift, wird deshalb auch viel Bekanntes finden.

Gauck muss seinen Blickwinkel erweitern, seinen Blick schärfen und wird auch in Einigem an seiner Diktion arbeiten müssen, um in einem geeinten Deutschland anzukommen, das eben aus alten und neuen Bundesländern besteht. Dann kann er sicherlich sowohl dem Amt als auch Politik und Kultur neue Impulse geben.

Albrecht Müller nennt in seinem kurzweilig geschriebenen Buch die Punkte, die dafür auf der Agenda stehen. Und deswegen ist das Bändchen wichtig in der Auseinandersetzung mit einem Präsidenten, der so konsensfähig ist, dass er schon fast konturlos erscheint.
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am 20. März 2012
Haben wir nun mit Joachim Gauck einen Präsidenten, auf den Verlass ist, der für alle Bürger da ist,
wenn nötig für sie spricht und Partei ergreift, oder wenigstens nicht andauernd gegen sie, oder doch eher einen Gau(c)kler, der seine einzige Daseinsberechtigung darin sieht, als präsidiales Sprachrohr der Mächtigen zu fungieren, mit Beruhigungspillen und Befriedungsfloskeln in wolkigen Worthülsen bewaffnet? Das wird die Zukunft zeigen.

Der Autor des vorliegenden kleinen Buches "Der falsche Präsident: Was Pfarrer Gauck noch lernen muss, damit wir glücklich mit ihm werden", der Nachdenkseiten-Autor Albrecht Müller, wünscht sich - bei aller vorgetragenen Kritik - ersteres, und diesem Wunsch schließe ich mich an. Wenn man die Debatte der letzten Wochen verfolgte, kam man nicht umhin, jede Menge schriller Töne zu konstatieren, sowohl auf Seiten der Gauck-Befürworter, die keine noch so substantielle Kritik duldeten, wie auch von Gegnern, die es an Argumenten fehlen ließen. Allerdings gibt es aber eben auch jede Menge gut begründete und absolut berechtigte Kritik an der Person Gauck und seinen Positionen, um mit den Namen Friedrich Schorlemmer und Jutta Ditfurth nur zwei prominente Beispiele zu nennen, die sich inhaltlich fundiert zu Wort meldeten. Zu diesen ernstzunehmenden Kritikern zählt auch Albrecht Müller.

In der kleinen Schrift wirft der Autor auf 64 Seiten zahlreiche Fragen zum neuen Bundespräsidenten auf, z. B. wie er sich - etwa auch rückblickend auf zahlreiche durchaus fragwürdige Äußerungen in den letzten beiden Jahren - zu bestimmten Themen stellt. So sprach er davon, daß "Solidarität und Fürsorglichkeikt die Leute erschlaffen lassen könnte, davon, daß sie aus der "Hängematte" aufstehen müssten - die Frage muß erlaubt sein: In welcher Welt lebt Joachim Gauck eigentlich? - bescheinigte Sarrazin "Mut", ohne genauer zu wissen, was der so alles abgelassen hat und bis heute von sich gibt, nannte Kritik an den Finanzmärkten "unsäglich albern" - man gewinnt den Eindruck, daß Herr Gauck sehr oft über Themen redet, von denen er keine Ahnung hat. Und hier setzt Albrecht Müller an, wenn er ausführt, was der neue Präsident "lernen muß, damit wir glücklich mit ihm werden". Er muß sich nicht nur die Themen draufschaffen, sondern auch ein Gespür entwickeln für das, was die Bürger angeht, auch, was sie bedrückt. Kritik an den Finanzmärkten als albern zu bezeichnen, oder angesichts Millionen Arbeitsloser, Minilöhner, Aufstocker sowie Zeit- und Leiharbeiter, die sich, mit Verlaub, den A... aufreißen, um ihre Familien zu ernähren, den Sozialstaat verbal zum Abschuß freizugeben, weil der uns angeblich "erschlaffen" liesse, ist inhaltlich nicht nur fragwürdig, sondern auch wesentlich zu dünn, und gehört darüberhinaus zu den üblichen, billigen, neoliberalen Standard-Parolen. Sagen wir, wie es ist: Entweder Herr Gauck lernt dazu, oder es droht eine Serie hochpeinlicher präsidialer Auftritte, in denen er sich selbst und das Amt der Lächerlichkeit preisgibt - ok, das wäre dann wiedermal Realsatire im Amt, wir hätten einiges zu lachen, aber der Buchautor möchte es gerne anders, damit wir eben nicht in absehbarer Zeit schon wieder einen neuen Präsidenten wählen (lassen) müssten, weil der Amtsinhaber untragbar geworden ist.

Albrecht Müller wirft die Fragen zu Joachim Gauck in diesem Buch völlig zu Recht auf, seine Kritik ist so deutlich wie konstruktiv. So schreibt er am Schluß des Buches (Zitat): "Der neue Bundespräsident hat alle Chancen. Er hat eine so breite Basis, daß er wirklich vieles wagen und sagen kann, wenn er es denn möchte und wenn er dazu fähig ist. Hoffen wir, daß er letztlich doch nicht der falsche Präsident ist. In 5 Jahren könnten wir dann schreiben: Der richtige Präsident."
Dieser Hoffnung schließe ich mich an. Ob sie trügt oder sich erfüllt wird sich weisen.
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am 20. März 2012
"Mumpitz" erscheint mir obige "Rezension", die anscheinend ein hingerotzter Standardzweizeiler zum Verriss des Autoren ist?

Das kleine, dennoch informationshaltige und sehr aktuelle Buch von Albrecht Müller ist lesens- und des Nachdenkens Wert. Anhand zahlreicher Belege mittels Zitaten des Herrn Gauck zu unterschiedlichen Themenfeldern weist Müller nach, wie sehr Herr Gauck (derzeit noch?) dem ideen- und planlosen neoliberalen Mainstream der Umverteilungsprofiteure und ebenjener Finanzjongleure verhaftet ist, die in ihrer Maßlosigkeit die aktuelle "Finanzmarktkrise" nicht nur verursacht haben, sondern sich auf Kosten der Allgmeinheit bei den untauglichen Versuchen, diese einzudämmen, erneut die ohnehin schon zum Platzen vollgestopften Portefeuilles noch praller füllen (lassen).

Und man muss noch nicht einmal besonders arm oder besonders "links" sein, um sich darüber klar zu werden, dass die "Neue 'Soziale' Marktwirtschaft" nun so gar nichts mehr gemein hat, mit den Zielsetzungen und Absichten der Erhardt'schen, echten "Sozialen Marktwirtschaft". Im Gegenteil reicht manchmal auch aus, Konservativer zu sein, der erkennt, dass die soziale Schieflage unserer Gesellschaft derjenigen zu gleichen beginnt, die die erste deutsche Republik hervorbrachte und die das, was dieser folgte, zu großen Teilen mitverursachte. Erhardt war sich dessen wohl bewusst und diesen "Kardinalfehler" wollte er vermeiden. Konservative beginnen, sich daran zu erinnern und angesichts der in den letzten 30 Jahren erzielten "Ergebnisse", laut zu zweifeln, ob er neoliberale Weg der richtige sei, Herr Gauck bisher nicht.

Manchmal muss man auch bloß Unternehmer sein. Nicht so ein Sogenannter, der seine Profite ausschließlich im Jonglieren mit völlig überzogenen Erwartungen auf künftige Renditen, Blasen und Illusionen in den Finanzkasinos dieser Welt macht. Nein, es reicht, um die gravierenden Fehlentwicklungen der aktuellen Wirtschafts-, Finanz- und Sozialpolitik zu erkennen und Schlüsse daraus zu ziehen oft auch aus, ein Unternehmer zu sein, der tatsächlich noch etwas unternimmt, in der Realwirtschaft, und oft genug in seiner Tätigkeit durch Mächtigen im Finanzkasino behindert und konterkariert wird. Albrecht Müller bezieht diese Zeugen zum Beleg seiner Kritik mit ein und macht deutlich: All' das hat Herrn Gauck bisher nicht wirklich nachdenklich gestimmt. Er verleiht stattdessen, weitgehend unbeirrt, jenem ökonomisch wie sozial verheerenden Treiben sein ganz persönliches Freiheits-Gütesiegel.

So - und da läge Müller im Umkehrschluss völlig richtig, belegt, erläutert und begründet es präzise - würden "wir" mit Herrn Gauck in seinem neuen Amt nicht glücklich werden, zumindest dann nicht, wenn es auch noch um das Glück der Bevölkerungsmehrheit im Lande geht. Dazu müsste Herr Gauck lernen. Müller zeigt, was und wie und versucht, Lerninteresse zu wecken, nicht nur bei Herrn Gauck, nein, auch beim Leser. Nicht nur, aber v. a. müsste Herr Gauck, müssten vielleicht auch wir wieder lernen, wie wenig von der individuellen Freiheits- und Glücksverheißung bei den "kleinen Leuten", zu denen heute selbst große Teile der Mittelschichten gehören / gemacht wurden, noch ankommt, weil diese einerseits jeden Euro oder gar Cent mehrfach umdrehen müssen und andererseits im Zuge des (politikgemachten) Kaputtsparzwangs erleben müssen, wie immer mehr öffentliche Daseinsvorsorge erst funktionsunfähig gemacht und dann teilweise - wo lukrativ und profitabel - "eingespart" und wegen angeblicher "Unfähigkeit" der Öffentlichen Hand privatisiert wird. Aber erst dann, wenn abstrakte Freiheit in Zivilgesellschaften auf einem gesicherten Sockel kollektiver oder eben sozialer Absicherung von Lebensrisiken und Daseinsvorsorge ruht, kann sie sich für das Individumm real entfalten und so für den Einzelnen auch konkret werden. Wer allerdings in immer arbeitsverdichteteren Jobs steckt, von deren Entlohnung er gerade so über die Runden kommt oder sogar, wie schon ein gutes Viertel der Erwerbsbevölkerung, gar nicht mehr, sondern "aufstocken" gehen muss, der mag formell ja frei sein, aber frei, seine Freiheit auch zu leben, ist er indes längst nicht mehr.

Aber das ist nicht der einzige Themenkomplex, den Albrecht Müller in diesem spannenden, kleinen Buch darlegt. Leseproben gibt es hier: [...]

Fazit: Lesen, kaufen, selber denken anstatt uninspirierte Zweizeiler abzulassen. Die Ausgabe lohnt sich allemale und in gewinnbare Einsichten sollte man "investieren"
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am 20. März 2012
Dieses Buch ist eine Ehrenrettung für die im Hinblick auf Joachim Gauck weitgehend uniform-begeisterungsvolle deutsche Medienlandschaft. Natürlich stört es so manchen Mitbürger, wenn jemand nicht in den allgemeinen und leider oft auch zu dünnhäutiger Unduldsamkeit neigenden Gauck-Jubel einstimmt, - doch ist nicht gerade dies ein wesentlicher Aspekt von Demokratie: dass auch vom Mainstream abweichende Meinungen zugelassen werden, ja willkommen sind, auf dass in offener Diskusion alle Beteiligten etwas dazulernen können? So ähnlich wird das, wir dürfen es hoffen, auch der "Demokratielehrer" Gauck sehen, der ja bereits angekündigt hat, er werde sich als Bundespräsident "neu auf Themen, Probleme und Personen einlassen".

Es überrascht nicht, dass Müller als SPD-Mitglied, ehemaliger Planungschef im Bundeskanzleramt (1973-1982) und Mitherausgeber des kritischen Internet-Blogs "Nachdenkseiten" besonders betont, dass seiner Ansicht nach bei Gauck die wirtschaftlich-sozialen bzw. sozialstaatlichen Voraussetzungen der Ausübung von Freiheitsrechten zu kurz kommen. Wer Müllers Argumente gelesen hat, wird dieser Position schwerlich noch ganz ablehnend gegenüberstehen können. Er oder sie wird sich vielleicht sogar einmal fragen, wie wohl Gaucks Worte von Freiheit, Eigenverantwortung und Selbstermächtigung in den Ohren der vielen Millionen Arbeitslosen und Billiglohnarbeiter klingen?

Jedenfalls ist jedem politisch Interessierten die Lektüre des erschwinglichen Bändchens zu empfehlen. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass auch unser neuer Bundespräsident sich die Zeit dafür nimmt.
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am 22. März 2012
Albrecht Müller kritisiert Texte von Gauck aus Schriften und Interviews. Er begründet und führt in die Tiefe, zu neuen Zusammenhängen. Und immer bringt er Hoffnungen ein, die er kaum für realisierbar hält.
Wo wird sich der Bundespräsident künftig verorten, bei den Bessergestellten? Wenn ihm Freiheit und Demokratie wichtig sind, wird er dann zur Macht der Finanzmärkte schweigen? Wenn ihm soziale Sicherheit als Basis der Freiheit wichtig ist, wird er sie in seinen Reden außen vor lassen und dadurch viele Menschen diesem Land entfremden?
Kann einer sich für Frieden einsetzen, der in der Entspannungspolitik Brandts einen Kniefall vor den Kommunisten sah?
In seinem Bändchen weist Müller auf viele Widersprüche des konservativ liberalen Sozialdemokraten hin (oder war die Reihenfolge anders?), aber immer schimmert sein Wunsch durch, dass dieser von der großen Mehrheit der Bundesversammlung gewählte neue Präsident doch auch demokratische Anstöße geben möge.

Müssen wir Vorschusslorbeeren geben? Dürfen wir nicht kritisch anmerken? Müssen wir nicht kritisch begleiten?
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am 20. März 2012
Albrecht Müller, tapferer und leidensfähiger Sozialdemokrat (u.a. ehemaliger Wahlkampfleiter von Willy Brand und Mitherausgeber der "NachDenkSeiten") veröffentlicht mit dem Büchlein "Der falsche Präsident: Was Pfarrer Gauck noch lernen muss, damit wir glücklich mit ihm werden" den wohl gegenwärtig wichtigsten Beitrag hinsichtlich der vielen offenen Fragen, die an das frisch gewählte Staatsoberhaupt angesichts dessen, was wir bisher von ihm wissen zu richten sind. Denn das, was wir wissen, wenn wir es denn überhaupt wissen, kann nicht zwingend jedermann und jedefrau fröhlich stimmen in diesem Land. Albrecht Müller zeigt deshalb auch zunächst, dass dieser geradezu irrationale Hype um Joachim Gauck, dem so genannten Präsidenten der Herzen, zunächst einmal ein von den so genannten "Qualitätsmedien" bewusst implementierter und gesteuerter Vorgang ist und - wie immer dann - dreist auf die Unwissenheit der Menschen setzt. Denn kaum jemand der in Seligkeit Taumelnden kann, gefragt, schlüssig und nachvollziehbar erklären, warum denn ausgerechnet Joachim Gauck dieser Präsident der Herzen sein soll. Oder er plappert eben nach, was er in der Zeitung gelesen hat. Hinzu kommt der bemerkenswerte, ebenso irrationale Konsens der Parteien (außer den Linken), der natürlich tief in die Mitglieder- und Sympathisantenkreise derselben hineinwirkt. Und es fröhlich weiter tut, wenn Sigi Pop, äh, Sigmar Gabriel dem Bundespräsidenten nach dessen Rede anlässlich seiner Vereidigung attestiert: "Das war die beste Rede, die ich bislang hier im Deutschen Bundestag gehört habe!" Solch Apotheose macht doch sehr, sehr nachdenklich. Albrecht Müller legt mit seinem Buch nun eine Arbeit vor, die das fehlende Wissen über den neuen Bundespräsidenten nachzuholen anbietet.

Darüber hinaus trägt Müller die von der Mainstream-Presse pauschal als unlauter und feige diffamierte Skeptik und Ablehnung gegenüber dem Kandidaten und jetzt gewählten Präsidenten auf eine äußerst transparente und vor allem faire Ebene, indem er jeden einzelnen der Kritikpunkte aus dem bisherigen - weltanschaulich-ideologischen - OEvre Gaucks belegt. Allein diese - noch völlig unkommentierte - Zusammenstellung ist es schon wert, sich dieses Buch zu kaufen! Müller verzichtet in seinem Büchlein konsequent auf jede auch nur annähernd fragwürdige Kritik an Gauck, die in den letzten Wochen gelegentlich durchs Netz mäanderte, obwohl man hie und da tatsächlich gerne fragen würde... Der Autor lässt sich in dieser Hinsicht jedoch auf nichts ein, und er bedient sich allein aus Gauck selbst. Nicht einmal Gaucks Bedeutung als "Bürgerrechtler" oder die natürlich berechtigte Frage, ob sich Gauck diesen Ehrentitel überhaupt zu Recht anheften lässt bzw. warum er ihm nicht widerspricht, interessiert den Autor. Auch die vielfach heftig kritisierte, nicht zwingend ideologiefreie Amtsführung der Behörde, die bald schon seinen Namen trug, thematisiert er nicht. Jeglichem Spekulativen erteilt Müller eine klare Absage, indem nicht eine Silbe aus solcher Herkunft in das Buch eingegangen ist. Geneigte Leser, die sich an Populistischem, an Polemik, böser Verurteilung und Abrechnung laben und sättigen möchten, sollten dieses Buch liegen lassen, es nährte sie nicht. Denn dieses Buch ist journalistisch, also auf Fakten basierend, blitzsauber und vorbildlich. Zum Ärger sicher der zahlreichen Gegner, die Albrecht Müller selbstverständlich hat, ja hoffentlich haben muss.

Nun, nachdem sich unser neues Staatsoberhaupt trotz oder aufgrund seiner unbenommen vorhandenen rhetorischen Fähigkeiten eines eher ungewöhnlichen, oft fast lyrischen Sprachduktus bedient und nicht selten ins Orakelhafte driftet, eröffnet er dadurch natürlich immer wieder weite Interpretationsfelder. Die vergangenen Wochen zeigten ja auf eine geradezu bizarre Weise, wie um die Deutungshoheit Gauck'scher Zitate gnadenlos gekämpft wurde. Albrecht Müller interpretiert Joachim Gauck natürlich auf seine sozialdemokratische, präneoliberale Weise, glasklar auf den Punkt kommend und vor allem über diesen hinaus denkend. Obschon man andererseits nun bei weitem nicht alles von Gauck interpretieren müsste, da er gerade dann, wenn es um seine Feindbilder geht, knapp, hart und unmissverständlich zu formulieren weiß.

Müller weist in diesem kleinen Büchlein minuziös nach, dass zumindest der bisherige Gauck einige Lernstunden nötig hätte, um unser aller Präsident zu werden. Dies ist, wie schon gesagt, auch nach seiner geradezu messianisch gefeierten Rede anlässlich seiner Vereidigung nicht anders geworden, auch wenn er ein paar Themen seiner Kritiker mit in sie aufnahm. Alles andere wäre auch undenkbar gewesen. Nun, Müller bietet ihm Denkanstösse in Hülle und Fülle. Was der Autor da zwischen die Deckelchen dieses schmalen Büchleins komprimiert zusammen getragen hat an - auch für alle Nicht-Bundespräsidenten - Nachdenkenswertem und dabei stets Punkt und Komma findet, ist höchst bemerkenswert! Er schafft es, darin (s)ein gesamtes ur-sozialdemokratisches Gesellschafts- und Menschenbild als vehementen, starken Gegenentwurf dem bisher bekannten Wahrnehmungsspektrum unseres neuen Staatsoberhauptes gegenüberzustellen. Inklusive einer strukturierten Analyse der Veränderungen unserer Gesellschaft von einem einstmaligen Sozialstaat hin zu einem von den Interessen Weniger gesteuerten, neoliberal gefluteten Land, das die Bedürfnisse und Rechte der Vielen ignoriert und diskreditiert. (Die Begriffe des Gegensatzpaares der "Wenigen" und der "Vielen" sind hier vom Autor übernommen.) Dieses Büchlein ist ein Muss für alle jene, die ein Unbehagen über unser sich so auseinanderklaffend entwickelndes Gemeinwesen in sich tragen. Und auch ganz ohne Gauck als Antipoden im Buchtitel ist dieses Buch äußerst lesenswert vor allem auch für jene, die die krassen Defizite in unserer Gesellschaft auf wenige Seiten gefasst benannt und den Finger tief, aber frei von jeder Polemik in der Wunde sehen wollen. Würde es doch der Adressat lesen! Der Vorwurf, das Erscheinen dieses Buches käme einer Vorverurteilung gleich, die dem Bundespräsidenten nicht einen einzigen Tag der Bewährung im Amte gelassen hätte, greift nicht. Angesichts jener unglaublichen, massiven und in dieser Geschlossenheit so noch nie da gewesenen Kampagne der Meinungsmache Pro-Gauck fast aller so genannten Qualitätsmedien darf doch, bittschön, dieses bescheiden schmale Büchlein konstruktiv den Fokus auf ein paar Fakten lenken, anhand derer wir unser Staatsoberhaupt in Zukunft erst wirklich beurteilen können. Deshalb vor allem ist es ein Buch für heute und für morgen.

Aber, ach, die Konsequenzen, die Albrecht Müller aus der Präsidentschaft von Joachim Gauck vorhersieht und die selbst bei allerwunderlichster Lernfähigkeit Gaucks unabwendbar sein werden, verursachen einem schon einen Kloß im Hals: Diese Republik wird noch neoliberal-konservativer werden als sie es jetzt schon ist. Aber Humor ist bekanntlich, wenn man trotzdem lacht, und wir wollen deshalb trotzdem erst mal sehen, ob uns Joachim Gauck nicht doch noch überraschen kann und, wie viele vor ihm, im Amte wächst.
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am 24. März 2012
Das Buch von Albrecht Müller könnte auch den Titel "Die falsche Politik" tragen, denn es setzt sich nicht vorrangig mit der Person des J. Gauck auseinander, sondern mit den politischen und gesellschaftlichen Grundüberzeugungen, die sich hinter unserem neuen Staatsoberhaupt versammeln und die ihn offenbar antreiben.

Für "Falsch" können Überzeugungen von Präsident und Politik (Schwarz-Gelb-Rot-Grün)
gehalten werden, wenn man Demokratiebegriff und Soziale Marktwirtschaft immer auch mit sozialer Teilhabe, Gerechtigkeit und annähernder Chancengleichheit verbunden sehen will. Demokratie bedeutet dann nicht nur "vom Volk" gewählt, sondern eben auch, dass Politik im Sinne des Volkes, das heißt, für möglichst viele Menschen, gemacht wird. Dass dies in den letzten Jahren immer weniger geschieht, fasst das Buch auf ca. 60 Seiten zusammen.

Finanzwirtschaft, Daseinsvorsorge, Arbeitsmarkt oder Außenpolitik - immer deutlicher wird der falsche Weg neoliberaler Politik, der immer mehr Menschen national und international zu Verlierern des Systems macht. Das Erschreckende daran ist, dass schwarz-gelbe Politik ebenso daran Schuld trägt, wie schwarz-rote und eben auch rot-grüne. Mit der Agenda 2010 und der begleitenden Steuerentlastungs-politik für Wohlhabende und Finanzakteure haben SPD/Grüne vor allem dem Mittelstand in Deutschland nachhaltig großen Schaden zugefügt und große Teile der Bevölkerung in unsichere Lebensverhältnisse und auch Politikverdrossenheit getrieben.

Auf dem Weg zur nächsten Bundestagswahl 2013 haben CDU, SPD, FDP und Grüne nun einen weiteren Beweis dafür geliefert, dass sie sich politisch und inhaltlich immer weniger von einander unterscheiden: die fast unkomplizierte Einigung auf Joachim Gauck als Staatsoberhaupt. Damit wurde ein offiziell parteiloser, aber offensichtlich kaum neutraler Mann ins oberste Amt bestellt, der uns in den nächsten Monaten einreden wird, dass es keinen Grund gibt, an der momentanen Form der Marktwirtschaft zu zweifeln. Egal, ob ständiger Leiharbeiter, alleinerziehende Mutter, Hartz IV-Empfänger, arme Rentnerin oder perspektivloser Jugendlicher - Jammert nicht und seid froh darüber, dass Ihr frei seid und es Euch besser geht, als einer Großmutter vor 80 Jahren! - so die Botschaft an alle Unzufriedenen und Ausgegrenzten.

Doch damit wollen und sollen sich die betroffenen Menschen und auch die, denen trotz guter eigener Lebensverhältnisse Empathie, gesellschaftlicher Zusammenhalt und Sozialstaatlichkeit noch wichtig sind, nicht mehr abfinden! Das Buch von Albrecht Müller kann als rote Ampel verstanden werden, die auf dem Weg zu weiteren fünf Jahren verantwortungsloser Politik gegenüber dem Großteil der Bevölkerung ein Stopp-Signal setzen will und zum NachDenken und Umdenken auffordert. Da sich höchstwahrscheinlich weder Joachim Gauck noch die Spitzen der vier ihn stützenden Parteien von dem zerstörerischen, unsozialen Kurs der letzten Jahre abbringen lassen, bleibt nur die Hoffnung auf eine starke, linke Partei. Auch weil der Neoliberalismus weltweit Armut, Krieg und Umweltzerstörung fördert und ein politisches Gegengewicht braucht.

"Der falsche Präsident" ist ein wichtiges Buch. Es gibt auch den politisch weniger Interessierten die Möglichkeit in knapp umrissenen Kapiteln die wichtigsten ( Fehl- ) Entwicklungen der aktuellen deutschen Politik mit Herrn Gauck als neuer Symbolfigur zu überschauen und sich bei Hunger nach mehr ( schmerzhaften ) Wahrheiten auf nachdenkseiten.de tiefer in den momentanen Zustand unserer Demokratie hineinzulesen.

Ich habe zehn Exemplare des Buches gekauft und werde neun davon in Norddeutschland "freilassen". Weitere sollen bis zur Wahl 2013 folgen.
Wer etwas Geld in die Aufklärung unserer Mitmenschen stecken möchte/erübrigen kann, den bitte ich, dasselbe zu tun und damit auch die bedeutende Arbeit von Albrecht Müller und seinen Mitstreitern zu unterstützen.
Empört Euch bitte immer weiter!!!
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am 23. März 2012
Dieses Buch ist eine gute Grundlage um sich kritisch mit dem neuen Bundespräsidenten zu beschäftigen. Von Anfang an war es mir schon unheimlich, wie die Medien im Großen und Ganzen äußerst positiv und einfach oberflächlich über Gauck berichteten. Ich kann mich durchaus noch an die sehr kritischen Äußerungen zu Gaucks Arbeit als Stasi-Unterlagenbeauftragter erinnern (etwa von Seiten Egon Bahrs). Davon wurde wurde nicht einmal berichtet. Das bereitete einem schon bedenken, wie messianisch jemand aufs Schild gehoben wurde.
Aber das in dem Meer der Loberei auch Leute gibt, die sich nicht blenden lassen und hinter die Fassaden mal schauen, beweist dieses Buch von Herrn Albrecht Müller. Er zeigt auf, wie Gauck inhaltlich aufgestellt ist. Dabei kann Gaucks Ansichten teilen oder nicht. Aber klar wird, dass Gauck nicht gerade der Präsident für das Jahr 2012 ist, sondern man sich eher an die Reden und Inhalte der 1950-60er erinnert fühlt. Damals waren sicherlich Gaucks Ansichten sehr fortschrittlich, aber heute muten sich mit ihrem verstaubten adenauerischen Anti-Kommunismus aufgeladen Reden undStatements wie ein Anachronismus. Oft hat man das Gefühl die bösen Kommunisten stehen vor der Tür... Aber es gibt in Europa keine ernsthafte kommunistische Bewegung mehr. Die Bipolarität ist seit über 20 Jahren zu ende.
Insgesamt bekommt man den Eindruck beim Lesen dieses Buches, dass Gauck einfach inhaltlich nicht wirklich geeignet ist das Amt des Bundespräsidenten auszuüben. Die drängenden Frage der Zeit und Kritik am jetzigen Finanzsystem, sind für Gauck gleich zu setzen mit einem "kommunistischen" Systemwechsel. Er hält viel lieber den freien Markt hoch, ohne zu sehen welche brutale und grausame Entwicklung dieser entfesselt hat...
Am Ende der Lektüre hat man das Gefühl etwas mal von der gauckischen Gedankenwelt erfahren zu haben und nicht nur von den Medien eingelullt zu sein. Am Ende steht die Hoffnung, dass dieser Präsident sich weiterentwickelt und inhaltlich im Jahre 2012 ankommt, auch wenn ich persönlich zweifele.
Insgesamt kann ich das Buch nur jedem empfehlen, der sich mal mit der anderen Seite bzw. überhaupt mal mit Gauck auseinandersetzen will. Schluss kann am Ende ja jeder noch selber ziehen.
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am 29. März 2013
Ein sehr gutes Buch über die politische Lage in Deutschland und seine Verquastungen. 23 Jahre nach der Wende gibt es nur noch Opfer und Widerstandskämpfer, keine Angepassten oder Täter. Der Pastor der Leipziger Nicolaikirche wäre vermutlich die bessere Wahl gewesen..........
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TOP 1000 REZENSENTam 11. September 2015
Was Pfarrer Gauck noch lernen muss,....ja schön wäre es gewesen, hätte er mal 2h investiert und diese kleine Streitschrift (64 S.) von Albrecht Müller über seine Person gelesen. Aber eine kurzweilige kritische Reflektion würde vermutlich dem zeitlichen Aufwand, welcher für die Kultivierung des Gipfels der Selbstgefälligkeit und -verliebtheit, dem "Gauck-sein" aufgebracht werden muss, entgegenstehen.

Joachim Gauck der weltfremde, reaktionäre, marktgläubige, von Friede Springer protegierte Pfaffe, die Inkarnation des amerikanophilen und russlandhassenden Ostdeutschen, Freiheitsverliebt bis zum Hirntod ohne jedwedes soziales Maß, weltweit einziger Dissident mit Reiseprivilegien, ein Propagandist und Schönredner, Atlantikbrückenmitglied, der sich anschickte den materiell Abgehängten in Deutschland zu erklären wie schön sie es doch haben, sowie dass deren Misere teils selbstverschuldet ist, und negatives Empfinden darüber nur aus mangelnder Erklärung der gegenwärtigen Politik dem Volk gegenüber entstanden ist.

Da Herr Gauck jeden Monat eine neue Sau durchs Dorf treibt, aber einem selbst im Jahr 2015 studierte Personen entgegen halten, dass er doch alles sehr gut macht, habe ich mir es zur Aufgabe gemacht, einmal alles über die Person Gauck zu recherchieren. Erfahrungsgemäß sind die Bücher von Albrecht Müller dabei eine sehr gute Wahl. Das Buch geht bis 2012, nach dem Inhalt des Buches füge ich noch kurz die wichtigsten, jüngsten Entwicklungen hinzu.
Zum Inhalt des Buches:

Kernthesen zur Person Gauck:
- Bürgerrechtler Hans Jochen Tschiche Feb 2012: Gauck gehörte nicht zu den Vätern der protestantischen Revolution. Sein Ziel war es in der konservativen westlichen Gesellschaft anzukommen. Ihm ist es egal, wenn der entfesselte Markt die Menschen um ihre Gesundheit bringt, sie in reich und arm spaltet, wenn Leute zurückbleiben.
- A. Müller: Seine negative Haltung gegenüber engagierten Menschen / System-Kritikern ist nicht gut. Genauso wie seine Häme über die Friedensbewegung. Die Unkenntnis über die Reformen der sechziger und siebziger Jahre, sowie die pauschale Zurückweisung von Überlegungen zu einem dritten Weg zwischen Kapitalismus und Sozialismus, seine Bedienung von Vorurteilen gegen linke Pfarrer und Lehrer, die Missachtung von in soziale Not Geratenen, die auch bei vielen Aufsteigern im Westen vorzufinden ist, sowie seine unreflektierte Marktgläubigkeit und die Verachtung für einen ordnenden Staat. Joachim Gauck ist jemand der seinen Erlebnissen starte Schlüsse zieht, diese aber nicht anhand der Wirklichkeit überprüft, so prangert er Kommunismus, Technikfeindlichkeit, Menschen in der Hängematte, die Konsumorientierung, Systemveränderer und Besitzstandswahrer an. Weder verstoßen die obigen, eigentlich nicht vorhandenen Probleme gegen das Grundgesetz, noch sind sie teilweise überhaupt existent.

Kernthesen der Gauckschen Philosophie:
- Keinerlei Verständnis für die Wichtigkeit der Periode Brandt, bzgl. des Auflebens der positiven Entwicklung der deutschen Zivilgesellschaft.
- Komplette Übernahme der neoliberalen Philosophie. Das Prinzip "wer in Not ist, ist selber Schuld", die private Organisation von jedweder Institution ist vorteilhaft, maximale Freiheit für den Starken ist toll. Solidarische Risikovorsorge, laut Helmut Schmidt, das Vermögen des kleinen Mannes, wird verteufelt.
- Während die Eigenverantwortung im Privatbereich beschworen wird und der Abbau der sozialen Sicherungssysteme von ihm als Schritt in die Freiheit betrachtet wird, findet er keine negativen Worte zur staatlichen Rettung der Bankensystems und den horrenden Kosten, welcher der Jugend durch die Rettung aufgebürdet werden, während die Manager immer noch Topgehälter beziehen. Proteste wie Occupy, welche dagegen ankämpfen wollen, redet er klein, da er genügend negative Erfahrungen mit staatlichen Banken gemacht hat. Er sieht die Proteste als schnell verebbend
- Kompletter Marktglaube. Niemand bestreitet die Effizienz von Märkten und Wettbewerb. Aber das real existierende Marktversagen ist in der Regel in der Wissenschaft anerkannt. Ungeheure Machtkonzentration, Aushebelung von Gesetzen, Spekulation und Casinobetrieb, keine Adressierung von Umweltschutz- oder sozialen Sicherungsaspekten werden von ihm ignoriert. Die Freiheit ist wichtig und muss beschworen werden.
- Mit dem Stilmittel der Beschönigung spricht er von den katastrophalen wirtschaftlichen Fakten, der Reallohnstagnation, der horrenden versteckten Reservearmee der Arbeiter schön, als wären sie alle nicht so schlimm.
- Linientreue zu UNO und anderen Einsätzen, anstatt kritisch darüber zu reflektieren, was man damit eigentlich anrichtet, und ob es nicht innenpolitische Interessen der Aggressoren sind, welche den Krieg legitimieren (George Bush jun. Irak, Thatcher Falkland). Auch keine Gedanken dazu, ob es wirklich sichere Geheimdienstinformationen sind, bzw. auch im Nachhinein keine kritischen Worte zu völkerrechtswidrigen Angriffskriegen. Glaube, dass keine geopolitischen Interessen, wie Ausweitung militärischer Macht oder Kampf und Ressourcen die Motivation hinter diversen Kriegen des Imperiums stehen.
- Entspannungspolitik und Aussöhnung mit dem Osten, wird von ihm als "Appeasementpolitik" betrachtet, wobei man dem bösen Russen keinen Zentimeter entgegen hätte kommen dürfen. Die Gesten der Entspannung in der Ära Brandt, die darauf mögliche Wiedervereinigung und das Entgegenkommen der Russen werden wegen deutscher Ostgebiete im Jahre 2012 von ihm immer noch in Frage gestellt.
- Als Teil einer "sowohl als auch" Strategie beschreibt er sich selbst als "linken liberalen Konservativen". Dies kann nur aus strategischen Motiven einen großen Bevölkerungsanteil zu vereinnahmen, denn er scheint kaum jemand zu sein der sich Gedanken um Umweltfragen oder den Familienzusammenhalt macht.
- Verunglimpfende Verallgemeinerungen gegenüber der
* 68er Generation (welche sehr heterogen aus Marxisten, Kritiker der Desinformation und Macht des Springer Verlages, und anderen welche sich mit gesellschaftlichen Problemen befassten, bestand)
* der Anti-Atombewegung, welche nicht aus "Angstreflexen", sondern aus mangelnden Lösungen bzgl. der Endlagerproblematik zu sehen ist
* Stuttgart 21, obwohl er das gesellschaftliche Miteinander einstehen für etwas gutes hält, möchte er keine Protestkultur (Anm. Economist: klappt ja bei den Franzosen auch nicht)

Was in der BRD schief läuft, schon mal besser war, aber Gauck mangels Kenntnis nicht realisiert:
- Gauck spaltet anstatt zu versöhnen
Laut seiner Vorstellung liegt es im deutschen Selbsthass begründet, wenn sich muslimische Einwanderer nicht so integrieren, wie sie es sollten. Auf die Idee, dass die mangelhafte Integration und der Rechtspopulismus aufgrund von sozialen und wirtschaftlichen Nöten entsteht kommt er nicht. [Anm. Economist: AM geht hier nur auf die Spaltung zwischen Muslimen und nicht Muslimen ein. Ich persönlich sehe die Spaltung der Gesellschaft in jedweder Richtung. Ich kann keinen nur irgendwie integrativen Ansatz in den Reden Gaucks erkennen.]
- TINA Präsident. Gauck sieht seine Aufgabe nicht in der Infragestellung von politischen Entscheidungen, sondern in der Beihilfe zur Rechtfertigung und Erklärung. Er hilft bei der Umsetzung "Es gibt keine Alternative" / TINA Doktrin
Was Gauck nicht versteht, wir hatten mal ein besseres System, das neue System ist gekennzeichnet durch
- Irrglauben, jeder sei seines Glückes Schmied
- durch die Kommerzialisierung aller Lebensbereiche: Schule, Medien und Gesundheit
- durch Deregulierung und Privatisierung
- durch systematische Verarmung des Staates
- durch die Privatisierung der Altersvorsorge und der Krankenvorsorge bei gleichzeitiger Förderung dieser privaten Interessen mit öffentlichen Mitteln
- durch die Überführung von immer mehr privater mittlerer Unternehmen in die Hände von Private Equity Gruppen und Hedge Funds
- durch den Irrglauben an die Pferdeäpfeltheorie (trickle down effect)
- durch die Steuerpolitik zu Gunsten Besserverdienender und zulasten Geringverdienender
- politische Einflussnahme der Finanzmärkte
- durch die Schaffung einer Reservearmee von Arbeitslosen und der Abkehr von einer aktiven Bevölkerungspolitik
Wie bei allen AM-Büchern - klare Kaufempfehlung!
Kritische Bewertung: Ich teile nicht alle AM Einschätzungen zu Gauck. Ich würde mit Gauck übereinstimmen, dass bei der Atomdebatte, sehr viel Emotionen im Spiel sind. Meinem Empfinden nach wird stark ideologisiert in diesem Bereich. Weiterhin finde ich den Vorwurf der Hetze durch Sarrazzins Buch, und ein Ankreiden Gaucks bei dessen Nichterkennung als problematisch. Es ist klar dass AM integrativ wirken möchte, aber auch wenn Dinge nicht politisch korrekt sind, sollte man über alle Dinge öffentlich und frei diskutieren können.
Wenn unser Bundespräsident nur den einen berühmten Satz von Jean Baptiste Henri Lacordaire verstehen würde, wäre schon viel erreicht:
"Zwischen dem Starken und dem Schwachen, zwischen dem Reichen und dem Armen, zwischen dem Herrn und dem Diener ist es die Freiheit, die unterdrückt, und das Gesetz, das befreit."

Weitere Entwicklungen:
Was Albrecht Müller in seinem Buch von 2012 noch nicht erkennen konnte,
- ist auch Gaucks Haltung zur NSA Affäre und seiner stillschweigenden Zustimmung zum massenhaften Grundrechtsbruch. Aber das ist ja alles nicht so schlimm, ist ja weder die Gestapo noch die Stasi, sondern die ehrenwerten Amerikaner, welcher Handeln seit jeher nur durch edelste Motive auffällt.
- Weiterhin ist seine russlandhassende Art im Ukrainekonflikt und bereits zuvor mehrfach in Erscheinung getreten
- Was sich weiterhin verdeutlicht hat, ist dass er die Not in weiten Bereichen der deutschen Bevölkerung, den alleinerziehenden Müttern, den Armutsrentern und den Hartz 4 Empfängern nicht anerkennt und in ihm auch keinerlei Solidarität erwachsen lässt.

Fazit: Er ist nicht nur der "falsche Präsident", er ist der "komplett fehlbesetzte Präsident".
Der Mann müsste weg. Rechtschreibfehler dürfen behalten werden. Negative Bewertungen sind mir egal. Konstruktive Kritik ist gerne willkommen.
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