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12 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gut, das Buch? Auf jeden! Aber sowas von!
Hm .... ich fang ja schon an, selber so zu labern wie Karl Schmidt, der alte Multitox, und Ferdi, der Techno-Methusalem, und all die anderen Gestalten aus Sven Regeners neuestem Werk. Das Buch ist durchgehend witzig, ohne jemals in flachen Klamauk abzugleiten. Im Gegenteil, die Handlung und die Dia- und Monologe sind, bei aller Abgedrehtheit, wenn überhaupt, dann nur...
Vor 20 Monaten von Flachbrettbohrer veröffentlicht

versus
4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Sehsucht nach Herrn Lehmann
Sven Regener habe ich tatsächlich über Herr Lehmann" kennengelernt. Erst später dann über eine der außergewöhnlichsten Deutsch-Rock- Indie-Folk, was weiß ich, Gruppen, die sich wohltuend von allem unterschied und noch unterscheidet. Element of crime braucht keine Hitparaden, keine Medieneinsätze. EoC hatte und hat immer ihre...
Vor 16 Monaten von Apefred veröffentlicht


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12 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gut, das Buch? Auf jeden! Aber sowas von!, 17. September 2013
Hm .... ich fang ja schon an, selber so zu labern wie Karl Schmidt, der alte Multitox, und Ferdi, der Techno-Methusalem, und all die anderen Gestalten aus Sven Regeners neuestem Werk. Das Buch ist durchgehend witzig, ohne jemals in flachen Klamauk abzugleiten. Im Gegenteil, die Handlung und die Dia- und Monologe sind, bei aller Abgedrehtheit, wenn überhaupt, dann nur um Nuancen absurder als das auch das richtigen Leben vorkommen kann und bei Ravern in den Neunzigern vermutlich auch vorgekommen ist. Gut finde ich auch, dass das Geschehen diesmal, anders als bei der Frank-Lehmann-Trilogie, von einem Ich-Erzähler geschildert wird, nämlich von Karl "Charlie" Schmidt, der als ehemals tatsächlich "Irrer" nun sozusagen die personifizierte Vernunft unter den von ihm betreuten und durch die Lande gefahrenen, mehr oder minder bekloppten Techno- und Drogen-Freaks darstellt, auch wenn er gelegentlich vom "dunklen Gefühl", nämlich von Depressionsanfällen heimgesucht wird. Die werden genau so eindrucksvoll beschrieben wie der Alltag in der therapeutischen "Drogen-WG", in der Karl vor seinem Aufbruch zur Magical-Mystery-Tour zusammen mit anderen Multitoxen und natürlich mit Werner, dem alten Sozpäd-Titanen und Leiter der WG, gelebt hat, dem Karl auf dem Höhepunkt der Magical-Mystery-Tour unverhofft wiederbegegnen wird.

Ich kann mich nicht erinnern, jemals ein 500-Seiten-Buch so schnell durchgelesen zu haben wie dieses. Man kann es gar nicht euphorisch genug preisen.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Sehsucht nach Herrn Lehmann, 8. Januar 2014
Von 
Apefred "Fred Ape" (Dortmund Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Sven Regener habe ich tatsächlich über Herr Lehmann" kennengelernt. Erst später dann über eine der außergewöhnlichsten Deutsch-Rock- Indie-Folk, was weiß ich, Gruppen, die sich wohltuend von allem unterschied und noch unterscheidet. Element of crime braucht keine Hitparaden, keine Medieneinsätze. EoC hatte und hat immer ihre fans. Und womit? Mit Recht. Sven Regener, ist der Vorzeigelyriker, der Prosaist unter den Songwritern, der Anti Liedermacher - Liedermacher. Und er hat verdammtes Schreibtalent. Man könnte vor Neid erblassen, grad, wenn man - wie ich - auch in dieser Suppe schwimmt, von Kreativität und Songwriting gewürzt. Wie gesagt, Herr Lehmann, paar Jahre her, so lange, dass man es vielleicht wieder lesen sollte. Denn wer mit Magical Mystery bei Regener einsteigt, erwischt ihn, und somit auch sich, auf dem falschen Fuß. Hochachtung, um es gleich vorwegzunehmen, vor der Beschreibung des Entzugs, von was immer für Drogen oder Alkohol. Karl Schmidt, damals schon im Berliner Dunstkreis von Franki Lehmann, lebt seit fünf Jahren in einem Altonaer Wohnprojekt mit dem Ziel, clean zu werden, bzw. zu bleiben. Aufgabe der Sozialarbeiter: Tagesstruktur für Ex-Junkies, Ex-Alkis, etc... Der Zufall will es, dass er gefunden wird, von den alten Jungs, die ihn brauchen, und er gleich wieder in die Szene einsteigen soll, so als Tourfaktotum, hier allerdings geht es um rave. Also Mayday und so Sachen. Bumm, Bumm in Endlosschleifen. Um die Aufleger, mit dem einem Ohr immer am Kopfhörer. Das ist alles teilweise lustig, aber auch manchmal langatmig, weil sich der Tourstress immer wiederholt und irgendwann fängt man an, zu überlesen. Es gibt auch kein wirkliches Ende. Es plätschert dahin. Aber genial, die Beschreibung von Karl, wie er erklärt, wenn und wie die Persönlichkeit austickt, wegdriftet, sich im freien Fall befindet. Man wartet auf einen Aufprall den wir normal Abhängige, ja oft genug schmerzhaft erleben - aber die pathologisch abhängigen (Juhnke winkt aus dem Himmel) prallen nicht auf. Sie fallen permanent. Wie auf einem Kettenkarussell, bei dem sich eine Gondel löst und dann abgeht, aber nie aufknallt. Unbehaglich richtig beschrieben. Eins will ich in meinem Leben allerdings nicht mehr kennenlernen: Fluxihotels. Vor allem nicht in Schrankenhusen - Borstel.
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11 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Nicht nur die Rückkehr des Karl Schmidt...., 7. Oktober 2013
Rezension bezieht sich auf: Magical Mystery oder Die Rückkehr des Karl Schmidt (Audio CD)
...sondern auch des Klasseautoren Sven Regener, den ich beim kleinen Bruder und Hamburg-Heiner nicht richtig gefunden habe. Der Inhalt des Buches wurde von den anderen Rezensenten ja bereits ausführlich geschildert, das Buch ist witzig, bräsig, bedrückend, warmherzig, durchgeknallt, einfallsreich, tröstend und vieles mehr und einfach nur schön. Die Hörbuchfassung besticht dadurch, das der Autor selber liest, und das ist phänomenal: wenn man sich erst an das schnoddrige, norddeutsche Idiom gewöhnt hat, kann man gar nicht mehr weghören, es ist erstaunlich, wie Regener durch kleine Modulationen seiner rauhen Stimme sowohl "das dunkle Gefühl" wie auch die glücklichen Momente des Protagonisten den Hörer eindringlich spüren lässt, genauso wie die unendlichen Quasseleien des handelnden Personals, einer inhomogenen Truppe, die trotz Zwistigkeiten und Verstimmungen fest und geradezu fürsorglich zusammen hält. Ich empfehle, das Buch zu lesen und sich im Abstand dann noch das Hörbuch anzuhören (oder umgekehrt), es gibt wirklich dabei viel zu entdecken
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25 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Tour de Trance, 17. September 2013
Von 
Felix Richter - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 100 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Was für eine Auferstehung! Am Ende von Sven Regeners Erstlingswerk "Herr Lehmann" war Karl "Charlie" Schmidt noch pünktlich zum Mauerfall in der Klapse gelandet, mit einer dem Konsum diverser bewusstseinsverändernder Substanzen geschuldeten Psychose, jetzt, fünf Jahre später, finden wir ihn als Drogen-WG-ler in Hamburg-Altona wieder, clean, normal und bestens integriert im Berufsleben als Hilfshausmeister und Zoowärter eines Kinderkurheims.

Doch da möchte das Schicksal wieder zuschlagen und schickt ihm einen seiner alten Raver-Kumpels über den Weg, der es inzwischen als Produzent richtig zu was gebracht hat. Der beabsichtigt nämlich, mit seiner Truppe auf eine 10-tägige Deutschlandreise zu gehen: Die Magical Mystery Tour. Allerdings fehlt ihm ein Fahrer, der im Gegensatz zu den Mitreisenden einigermaßen klar im Kopf und in der Lage ist, die Herrschaften, wenn nötig, auch mal vor sich selbst zu schützen, und wer eignet sich da besser als einer, der nichts mehr nehmen darf? Natürlich niemand, und schon geht's los, im randgefüllten Mercedes Sprinter im Zickzack durchs Land: Berlin, Bremen, Köln, München, Hamburg, Essen und zurück, und dazwischen die neueste Attraktion auf Deutschlands Literaturlandkarte: Schrankenhusen-Borstel mit seiner behindertengerechten Agrardisco.

Die 500 Seiten "Laber-Flash" lesen sich weg wie nichts. Hin und her geht es zwischen philosophisch-szenekulturellen Tiefenbohrungen (eher selten) und pillen-induziertem, zirkulierendem Hohlgeschwätz (eher meistens), man bewundert die Gelassenheit, mit der Charlie, unter verbaler und musikalischer Dauerbeschallung, die Kapriolen seiner Freunde erträgt und deren Folgen notfalls in Ordnung bringt, "kontaktstoned" und passivkiffend, immer im Gravitationsfeld von Bier, Koks und Pillen. Charlies Kämpfe mit der Versuchung gehören dann auch zu den eindrucksvollsten Abschnitten des Buches, genauso wie die kurzen Höllenfahrten, wenn die Psychose doch mal wieder leise anklopft und Zweifel nährt, ob sie damals tatsächlich nur durch den exzessiven Drogenmix ausgelöst wurde.

***Schlimmer Spoiler***
Fans von Herrn Lehmann seien noch darauf hingewiesen, dass dieser fast einen Kurzauftritt gehabt hätte, aber den hat Charlie leider verschlafen.
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34 von 40 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen EINE ECHTE KRATZBOMBE, 9. September 2013
Von 
Ja, das ist gut, sehr gut. Besser als der letzte Roman Regeners, das etwas einfallslahme Lehmann-Sequel-Prequel „Der kleine Bruder“. Wieder geht es um eine Abzweigung des großen, liebenswürdigen Lehmann-Kosmos. Um Karl Schmidt, in „Herr Lehmann“ der zupackende Skulpturen-Künstler, der dann des Wahnsinns fette Beute wurde.

Jahre in der "Klapper" folgten, erfahren wir jetzt, dann das Leben in Clean Cut 1, einer betreuten WG mit Drogenkranken. Und nebenbei Beschäftigung als Hilfs-Hausmeister in einem Kinderheim. Ein Leben auf dem Abstellgleis, das Karl doch zunehmend zu schaffen macht. Als ihm ein neuer, ungemein beflissener, sich überall einschleimender Hausmeister vorgezogen wird, wächst der Charlie-Frust.

Aber dann kommt der entscheidende Anruf, mitten in einem komischen WG-Plenum: Ein Kumpel aus seiner alten Experimentalband "Glitterschnitter" meldet sich. Karl soll einen Tourbus fahren. Zehn Techno-DJs auf „Magical-Mystery-Tour“ quer durch Deutschland, bis hinauf nach Schrankenhusen-Borstel (ich schlage vor, schnellstmöglich in der norddeutschen Provinz eine Gemeinde mit diesem Namen zu gründen). Es ist eine Mischung aus Hippie-Traum und Promotion-Tour für die Labels Bumm-Bumm-Records und Kratzbombe. Der deutsche Dance, Bretter wie „Hallo Hillu“ müssen unters Partyvolk - und der "Hit mit der Flöte", die ja eigentlich ein Saxophon ist.

Die Idee ist: nur ein zwangsweise nüchterner Mann wie Karl Schmidt kann diese Chaos-Truppe zusammenhalten, chauffieren und zwischendrin für ein bisschen Schlaf sorgen. Der cleane Karl kehrt nicht nur zurück ins Leben, er muss gleich einen Parcours der Versuchungen (Drogen! Alkohol! Feiern! Euphorie! Immerzu!) bewältigen. Er begibt sich in die Höhle des Löwen – ein gefährliches Spiel, ein Abenteuer. Das ist eine Erzählidee, die aus den manchmal klamaukhaften Beschreibungen des durchgeknallten Techno-Trosses einen großen Roman macht, lustig und bewegend zugleich.

Herrlich die verzwirbelten, um möglichst nichtige Themen rotierenden Dialoge wie sie nur Sven Regener schreibt. Viele tolle Szenen gibt es, bis hin zu einer großen Meerschweinchen-Debatte. Es ist sehr viel Erfahrung, Menschenkenntnis und Lebensklugheit in diesem Buch. Sehr amüsant die Perspektive des Softrockers Regener auf die große ballernde Techno-Kirmes. Kulturgeschichte der Neunziger, ganz leichthändig erzählt.

Dieses Buch hätte unbedingt auf die Longlist zum Deutschen Buchpreis gehört.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Es gibt kein Fluxi in Schrankenhusen-Borstel..., 23. Oktober 2013
Von 
Eskalina (Hannover) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Karl Schmidt ist wieder da, der Künstler aus dem Dunstkreis von Frank Lehmann war einige Zeit in der Psychiatrie und bis zu seiner Entdeckung durch Raimund Schulte in einer Drogen-WG untergebracht. Dort, im Cean Cut 1, darf er an Therapiesitzungen und diversen Freizeitvergnügungen teilnehmen und nebenbei als Aushilfshausmeister und Tierpfleger in einer Einrichtung für Kinder jobben. Eigentlich scheint alles gut zu sein, doch Raimund braucht Karl Charlie" dringend, denn für die Reise seiner Truppe braucht er jemanden, der von Amts wegen nüchtern bleiben muss und so wirbt er Charlie kurzerhand als Fahrer und Mädchen für alles an und Charlie sagt zu.
Wer die Storys um Herrn Lehmann gemocht hat, wird um dieses Buch nicht herum kommen. Es ist meiner Meinung sogar noch besser als Herr Lehmann", noch ausgereifter im Stil, noch humorvoller.

Die ganze Tour wird aus der Perspektive von Charlie berichtet - in der ganzen Truppe von Ravern, die Drogen und Alkohol nicht abgeneigt gegenüber stehen, hat er ziemlich zu kämpfen, um nicht in Versuchung zu geraten, doch gerade sein nüchterner Blick auf alles ist es, der die Sache für den Leser ungeheuer witzig macht. Charlie wertet nicht - er hört und sieht zu und gibt einfach nur wieder, was er wahrnimmt und das ist teilweise rasend komisch.

Obwohl sich seine Paranoia immer wieder anschleicht, scheint er der einzige Normale" unter seinen Leuten zu sein. Wie ein Fels in der Brandung kümmert er sich klaglos um das Auto, die mitreisenden Meerschweinchen Lolek und Bolek, um die Buchführung und um seine ziemlich oft verpeilten Kollegen. Und irgendwann merkt Charlie, dass er vielleicht doch in der Lage ist, es wieder mit der Wirklichkeit aufzunehmen.

Die inneren Monologe, bei denen die häufigen Wiederholungen die Eindimensionalität des Erzählers zeigen und die ausführlichen sinnbefreiten Gespräche sind es, die dieses Buch so außergewöhnlich witzig machen. Die Dialoge sind total aus dem Leben gegriffen und irgendwie ertappt man sich dabei, irgendwann selbst schon so wunderbar sinnbefreit geredet zu haben, oder zumindest Leute zu kennen, die das tun. Durch Charlies neutralen Bericht darüber, seine Art, die Worte einfach so im Raum stehen zu lassen, wird ihre gesamte Banalität und Komik umso mehr offenbar.

Mein Fazit: Ich bin sicher, wer den Stil von Regener bisher mochte, der wird dieses Buch auf jeden Fall lieben, denn es ist großartig.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Melancholie, 13. November 2013
Ich mag Sven Regeners Sprache in seinen Romanen und in diesem im Speziellen. Die Sätze sind locker mal eine Seite lang und spiegeln die Gedankenwelt des Karl Schmidt. Verworren, intelligent und auf der Suche nach einer Lebensstrategie nach einer Vergangenheit von Drogen und Psychischen Erkrankungen. Was ist wohl Ursache und was die Folge? Ein intelligentes, unterhaltendes, tiefgehendes Buch, das nicht mit dem Finger zeigt.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Mit Charlie Schmidt auf Tour., 12. März 2014
Sven Regners "Magical Mystery" war von der Buchmesse-Kultur-Beilage des SPIEGEL arg verrissen worden. Da hatte ich das Buch schon im Regal stehen und hatte für eine Weile kaum noch Lust es zu lesen...

Das wurde nun nachgeholt und ich kann feststellen: so schlimm war es gar nicht; im Gegenteil - ich wurde gut und kurzweilig unterhalten. In kürzester Zeit sind die 500 Seiten durch - dank der Einteilung in 79-Kurzkapitel hätte man auch jederzeit pausieren können. Trotzdem bleibt ein etwas schaler Nachgeschmack: dieser Roman reicht bei weitem nicht an die Vorgänger der Lehmann-Trilogie heran. Es fehlt das Herzblut und die treffsichere Identifikation mit den komischen "Vögeln".

Sven Regner als Vollblut-"Musikhandwerker" ist die Distanz zur BummBummBumm-DJ-Musik immer anzumerken, wenn er mit leicht herablassendem Blick auf die Techno-Szene (ohne Mehrfach-"k") blickt. Die Hauptakteure sind bräsig abgeklärt und zugleich seltsam alt aber kindisch. Die Nebencharaktere (aus dem Techno-Tourbus) bleiben dagegen vollkommen blass.

Sprachlich grenzen die Dialoge häufig an Klamauk und drehen sich im Kreis, bis es nur noch Gaga ist. Manche Running-Gags sind am Ende vollkommen abgedroschen (z.B.: "Clean Cut 1 und seine Plenums oder Plena oder gar Plenata wie Klaus Dieter sie immer nannte" - bei JEDER der häufigen Erwähnungen des Plenums, kommt der Rattenschwanz der "Plena" + "Plenata" dazu).

Starke Momente gibt es auch: Der Einstieg ins Buch mit der betreutes-Wohnen-Drogenentzugs-WG "Clear Cut 1" ist zwar etwas stereotyp, aber zündet. Wie Charlie seine Paranoia beschreibt und erlebt, gehört zu den eindrücklichen Szenen, die hängen bleiben.
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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen The paranoid survive, 9. November 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Um es gleich zu sagen: Mir hat's EXTREMO gefallen, das Buch mein ich. Die Story ist gut. Aber was bringt ne gute Story, wenn sie nicht gut geschrieben ist? Und da sind halt die Geschmäcker verschieden. Herr Regener schreibt wie er immer schreibt. In langen, manchmal sehr laaaangen Sätzen. Ich meine, da hat man doch was von, oder? Da kann sich so ein Satz schon mal über ne Seite hinziehen. Er hat's halt nicht so mit den Punkten. Na und? Es ist deshalb nicht komplizierter zu lesen oder so. Dann mag Herr Regener auch gerne manchen Situationen durch die ein oder andere Wiederholung Nachdruck verleihen. Das finde ich auch gut so. Dann wird's auch jedem klar, daß da gerade was Wichtiges passiert. Es gibt durchaus Menschen, die können mit Herrn Regeners Büchern und seinem Schreibstil und seinem wunderbaren Humor einfach nichts anfangen. Meine Mutter zum Beispiel. Die könnte so was nie lesen. Dann muß man's halt lassen. Ich hingegen bin absoluter Regener-Fan. Und jetzt sag ich Ihnen noch was: Ich hab das Buch noch nicht einmal zu Ende gelesen. Selbst wenn Herr Regener auf den letzten zweihundert Seiten den Wetterbericht von Timbuktu im letzten Jahr niedergeschrieben hätte, allein sein Erzählstil würde auch das lesenswert machen. (Selbst seine -leider sehr seltenen- Newsletter sind literarische Highlights:) Also muß ich mir das Buch gut einteilen. Jeden Tag ein bisschen, ein, zwei Sätzchen zum genießen, damit ich noch lange was davon hab'. Herr Regener: Vielen Dank für Ihre Bücher - und bitte lassen Sie uns nicht so lange auf ein neues warten!!
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8 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Hemmungslose Sinnbefreitheit, 25. September 2013
Von 
olli2308 (Halfing) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Endlose innere Monologe und absurde Dialoge in Perfektion bietet Sven Regener im ersten Band nach der Lehman-Trilogie, und ich habe mich kein bisschen gelangweilt. Die 500 Seiten lesen sich in einem Stück weg und sind größtenteils hemmungslos sinnbefreit, entbehren aber nicht einer gewissen Komik und sind eine Milieuschilderung der 90iger Jahre Techno-House-Ambient-Rave-Szene vom Feinsten.

Eine zentrale Rolle spielen die größtenteils unter Drogenkonsum stehenden Dialoge und die inneren Monologe von Karl Schmidt, dem besten Freund von Frank Lehmann, der nach einem Drogenmissbrauch in der Klapse gelandet war und die Schnauze voll hat von der ganzen Drogen-WG Sozipäd-Laberei. Da kommt das Angebot seiner ehemaligen Freunde gerade Recht, als nüchterner Fahrer eine Horde dauerbekiffter Raver mit einem Tourbus durch Deutschland zu kutschieren.

Die Laberflashs haben schon was Absurdes wie bei "Warten auf Godot", oszillieren zwischen Blödsinn auf hohem Niveau und intellektuellem Kauderwelsch, füllen aber die langen Wartezeiten zwischen den Auftritten, die die Raver-Gruppe auf der Magical Mystery Tour in so illustre Orte wie Schrankenhusen-Borstel führt, wo die Absurdität auf den Höhepunkt zusteuert, weil die Raver ihre Techno-Hits "HostiBrosti" und "Ballon, Ballon – der Hit mit der Flöte" in einer behindertengerechten Agrardico vor lauter Rollstuhlfahrern spielen.

Unterwegs werden nicht nur jede Menge Kaffee, Bier, Koks, Joints und Zigaretten vernichtet, es stirbt auch ein Meerschweinchen, der Coffee to go wird erfunden und Karl Schmidt hantiert mit einem der ersten funkgesteuerten Handys herum. Im zweiten Teil lebt der Roman von der Spannung, ob Karl Schmidt den Drogenversuchungen widerstehen kann, mit der Raverin Rosa eine Beziehung wagt und ob er seinen ehemaligen Freund Frank Lehmann wieder trifft.

Persönlicher literarischer Höhepunkt für mich als Theodor Storm Fan und Schleswig-Holsteiner und Panikattacken-Erfahrenen ist die Szene, wo Karl Schmidt auf Schrankenhusen-Borstel zufährt und mit einer aufkommenden Paranoia zu kämpfen hat: "Die Paranoia schaukelte sich hoch, stieg höher und höher wie das Wasser vor dem Deich beim Schimmelreiter, …ich hatte mich in die Bierfluten geworfen wie einst der Deichgraf sich in die hereinstürzenden Wassermassen…und während der Komabrettwagen bockte und schwankte wie ein besoffenes Pferd, wurde die Paranoia schlimmer und schlimmer, ich traute mir selbst nicht mehr, ich wurde zum Monster meines eigenen Paranoia-Albtraums, ich war nicht mehr nur der Deichgraf, der Scheiße gebaut hatte, …ich war auch zugleich die Bauernmeute, die ihm misstraute…, Paranoia bei gespaltener Persönlichkeit, eine üble Mischung…"

Am Schluss bricht Karl Schmidt, der von seinen neuen Freunden jede Menge positives Feedback bekommt und zu einem von allen Ravern respektierten Tourmanager mutiert, in ein neues Leben auf, und so hat das Psychogelaber dann doch etwas von einem Entwicklungsroman und auch etwas von einem Liebesroman.
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Magical Mystery oder Die Rückkehr des Karl Schmidt
Magical Mystery oder Die Rückkehr des Karl Schmidt von Sven Regener (Audio CD - 19. August 2013)
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