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Kundenrezensionen

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am 17. September 2013
Hm .... ich fang ja schon an, selber so zu labern wie Karl Schmidt, der alte Multitox, und Ferdi, der Techno-Methusalem, und all die anderen Gestalten aus Sven Regeners neuestem Werk. Das Buch ist durchgehend witzig, ohne jemals in flachen Klamauk abzugleiten. Im Gegenteil, die Handlung und die Dia- und Monologe sind, bei aller Abgedrehtheit, wenn überhaupt, dann nur um Nuancen absurder als das auch das richtigen Leben vorkommen kann und bei Ravern in den Neunzigern vermutlich auch vorgekommen ist. Gut finde ich auch, dass das Geschehen diesmal, anders als bei der Frank-Lehmann-Trilogie, von einem Ich-Erzähler geschildert wird, nämlich von Karl "Charlie" Schmidt, der als ehemals tatsächlich "Irrer" nun sozusagen die personifizierte Vernunft unter den von ihm betreuten und durch die Lande gefahrenen, mehr oder minder bekloppten Techno- und Drogen-Freaks darstellt, auch wenn er gelegentlich vom "dunklen Gefühl", nämlich von Depressionsanfällen heimgesucht wird. Die werden genau so eindrucksvoll beschrieben wie der Alltag in der therapeutischen "Drogen-WG", in der Karl vor seinem Aufbruch zur Magical-Mystery-Tour zusammen mit anderen Multitoxen und natürlich mit Werner, dem alten Sozpäd-Titanen und Leiter der WG, gelebt hat, dem Karl auf dem Höhepunkt der Magical-Mystery-Tour unverhofft wiederbegegnen wird.

Ich kann mich nicht erinnern, jemals ein 500-Seiten-Buch so schnell durchgelesen zu haben wie dieses. Man kann es gar nicht euphorisch genug preisen.
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am 7. Oktober 2013
...sondern auch des Klasseautoren Sven Regener, den ich beim kleinen Bruder und Hamburg-Heiner nicht richtig gefunden habe. Der Inhalt des Buches wurde von den anderen Rezensenten ja bereits ausführlich geschildert, das Buch ist witzig, bräsig, bedrückend, warmherzig, durchgeknallt, einfallsreich, tröstend und vieles mehr und einfach nur schön. Die Hörbuchfassung besticht dadurch, das der Autor selber liest, und das ist phänomenal: wenn man sich erst an das schnoddrige, norddeutsche Idiom gewöhnt hat, kann man gar nicht mehr weghören, es ist erstaunlich, wie Regener durch kleine Modulationen seiner rauhen Stimme sowohl "das dunkle Gefühl" wie auch die glücklichen Momente des Protagonisten den Hörer eindringlich spüren lässt, genauso wie die unendlichen Quasseleien des handelnden Personals, einer inhomogenen Truppe, die trotz Zwistigkeiten und Verstimmungen fest und geradezu fürsorglich zusammen hält. Ich empfehle, das Buch zu lesen und sich im Abstand dann noch das Hörbuch anzuhören (oder umgekehrt), es gibt wirklich dabei viel zu entdecken
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TOP 1000 REZENSENTam 9. September 2013
Ja, das ist gut, sehr gut. Besser als der letzte Roman Regeners, das etwas einfallslahme Lehmann-Sequel-Prequel „Der kleine Bruder“. Wieder geht es um eine Abzweigung des großen, liebenswürdigen Lehmann-Kosmos. Um Karl Schmidt, in „Herr Lehmann“ der zupackende Skulpturen-Künstler, der dann des Wahnsinns fette Beute wurde.

Jahre in der "Klapper" folgten, erfahren wir jetzt, dann das Leben in Clean Cut 1, einer betreuten WG mit Drogenkranken. Und nebenbei Beschäftigung als Hilfs-Hausmeister in einem Kinderheim. Ein Leben auf dem Abstellgleis, das Karl doch zunehmend zu schaffen macht. Als ihm ein neuer, ungemein beflissener, sich überall einschleimender Hausmeister vorgezogen wird, wächst der Charlie-Frust.

Aber dann kommt der entscheidende Anruf, mitten in einem komischen WG-Plenum: Ein Kumpel aus seiner alten Experimentalband "Glitterschnitter" meldet sich. Karl soll einen Tourbus fahren. Zehn Techno-DJs auf „Magical-Mystery-Tour“ quer durch Deutschland, bis hinauf nach Schrankenhusen-Borstel (ich schlage vor, schnellstmöglich in der norddeutschen Provinz eine Gemeinde mit diesem Namen zu gründen). Es ist eine Mischung aus Hippie-Traum und Promotion-Tour für die Labels Bumm-Bumm-Records und Kratzbombe. Der deutsche Dance, Bretter wie „Hallo Hillu“ müssen unters Partyvolk - und der "Hit mit der Flöte", die ja eigentlich ein Saxophon ist.

Die Idee ist: nur ein zwangsweise nüchterner Mann wie Karl Schmidt kann diese Chaos-Truppe zusammenhalten, chauffieren und zwischendrin für ein bisschen Schlaf sorgen. Der cleane Karl kehrt nicht nur zurück ins Leben, er muss gleich einen Parcours der Versuchungen (Drogen! Alkohol! Feiern! Euphorie! Immerzu!) bewältigen. Er begibt sich in die Höhle des Löwen – ein gefährliches Spiel, ein Abenteuer. Das ist eine Erzählidee, die aus den manchmal klamaukhaften Beschreibungen des durchgeknallten Techno-Trosses einen großen Roman macht, lustig und bewegend zugleich.

Herrlich die verzwirbelten, um möglichst nichtige Themen rotierenden Dialoge wie sie nur Sven Regener schreibt. Viele tolle Szenen gibt es, bis hin zu einer großen Meerschweinchen-Debatte. Es ist sehr viel Erfahrung, Menschenkenntnis und Lebensklugheit in diesem Buch. Sehr amüsant die Perspektive des Softrockers Regener auf die große ballernde Techno-Kirmes. Kulturgeschichte der Neunziger, ganz leichthändig erzählt.

Dieses Buch hätte unbedingt auf die Longlist zum Deutschen Buchpreis gehört.
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TOP 500 REZENSENTam 17. September 2013
Was für eine Auferstehung! Am Ende von Sven Regeners Erstlingswerk "Herr Lehmann" war Karl "Charlie" Schmidt noch pünktlich zum Mauerfall in der Klapse gelandet, mit einer dem Konsum diverser bewusstseinsverändernder Substanzen geschuldeten Psychose, jetzt, fünf Jahre später, finden wir ihn als Drogen-WG-ler in Hamburg-Altona wieder, clean, normal und bestens integriert im Berufsleben als Hilfshausmeister und Zoowärter eines Kinderkurheims.

Doch da möchte das Schicksal wieder zuschlagen und schickt ihm einen seiner alten Raver-Kumpels über den Weg, der es inzwischen als Produzent richtig zu was gebracht hat. Der beabsichtigt nämlich, mit seiner Truppe auf eine 10-tägige Deutschlandreise zu gehen: Die Magical Mystery Tour. Allerdings fehlt ihm ein Fahrer, der im Gegensatz zu den Mitreisenden einigermaßen klar im Kopf und in der Lage ist, die Herrschaften, wenn nötig, auch mal vor sich selbst zu schützen, und wer eignet sich da besser als einer, der nichts mehr nehmen darf? Natürlich niemand, und schon geht's los, im randgefüllten Mercedes Sprinter im Zickzack durchs Land: Berlin, Bremen, Köln, München, Hamburg, Essen und zurück, und dazwischen die neueste Attraktion auf Deutschlands Literaturlandkarte: Schrankenhusen-Borstel mit seiner behindertengerechten Agrardisco.

Die 500 Seiten "Laber-Flash" lesen sich weg wie nichts. Hin und her geht es zwischen philosophisch-szenekulturellen Tiefenbohrungen (eher selten) und pillen-induziertem, zirkulierendem Hohlgeschwätz (eher meistens), man bewundert die Gelassenheit, mit der Charlie, unter verbaler und musikalischer Dauerbeschallung, die Kapriolen seiner Freunde erträgt und deren Folgen notfalls in Ordnung bringt, "kontaktstoned" und passivkiffend, immer im Gravitationsfeld von Bier, Koks und Pillen. Charlies Kämpfe mit der Versuchung gehören dann auch zu den eindrucksvollsten Abschnitten des Buches, genauso wie die kurzen Höllenfahrten, wenn die Psychose doch mal wieder leise anklopft und Zweifel nährt, ob sie damals tatsächlich nur durch den exzessiven Drogenmix ausgelöst wurde.

***Schlimmer Spoiler***
Fans von Herrn Lehmann seien noch darauf hingewiesen, dass dieser fast einen Kurzauftritt gehabt hätte, aber den hat Charlie leider verschlafen.

- Kostenloses Rezensionsexemplar -
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am 25. Februar 2016
Viel richtiges und wichtiges wurde bereits in anderen Kommentaren gesagt, darum möchte ich hier nur noch eine ganz spezifische Beobachtung teilen, die mir das Buch besonders hat ans Herz wachsen lassen:

Ich finde, "Magical Mystery" beschreibt, wie auch alle anderen Bücher Regeners, einen wichtigen Teil des "Erwachsen-" oder meinetwegen auch einfach "Reifer-werdens". Nach dem Auszug bei Mutti (Neue Vahr Süd), dem Aufbruch ins Unbekannte (Der Kleine Bruder) und dem coolen selbstgenügsamen Rocknroller-Leben (Herr Lehmann) wird in "Magical Mystery" nicht weniger thematisiert als das ernüchternde "Herunterkommen" und die Konfrontation mit der nackten Realität, wie es der moderne Mensch im mittleren 30er bis beginnenden 40er Bereich erlebt. Dass Karl Schmidt das Herunterkommen durch die "Klapper" besonders drastisch erlebt, hindert einen nicht daran, sich gut mit ihm identifizieren zu können, denn Regener ist bei der Beschreibung des Lebens und seiner Phasen ein feiner, poetischer Beobachter.

Eine Stelle, die sich mir in dieser Hinsicht besonders eingeprägt hat ist jene, in der Karl Schmidt seine "coolen" Zeiten in Berlin beschreibt. Er sagt dort: "Wir lebten nicht, sondern wir spielten Leben." Das ist sehr fein beobachtet: Da alles wie ein Schauspiel, eine Inszenierung war, hatte das Leben in der Jugend (also bei Charly in seinen 20ern) noch mehr Bedeutung: Jede Handlung war aufgeladen mit Sinn, der sich einfach daraus ergab, dass man das Leben "spielte". Sobald man beginnt, ohne diesen "Rollenspielaspekt" der Coolness, des freien Lebensstils und der gemeinschaftlich inszenierten Erlebnisse nurmehr in der "Wirklichkeit" mit der ewigen Wiederkehr von Arbeit, Familie, Arbeit, Familie, Urlaub, Arbeit zu leben, beginnt eine Nüchternheit, die einem das Leben schnell schal erscheinen lässt, denn alles ist nur noch wie es ist: Die Arbeit ist nur Arbeit und kein kreatives Chaos mehr, die Familie nurmehr Verwandtschaft, keine Leidenschaft und der Urlaub die Wiederholung des ewig gleichen an anderem Ort.

Mit genau dieser Ernüchterung des endgültigen Erwachsenwerdens spielt Regeners Roman und zeigt dabei nicht nur sämtliche möglichen Fluchtwege (nochmal in die Jugendkultur eintauchen, immer mobil und kreativ arbeiten, den richtigen Partner finden) sondern auch die zahlreichen Sackgassen (Drogen, Verbitterung, Eingesperrtsein im Käfig, Alter-Trottel-Werden) auf. Dass das nicht mehr so lustig ist wie Herr Lehmann ist klar und stört kein bisschen. Dass das trotz Happy End nicht blöd wird und man weiterlesen will, wie es Karl Schmidt nun im Mega-uninteressanten Alter zwischen 40 und 50 ergeht, zeichnet Regener aus. Das Buch reiht sich würdig in sein Werk ein und man darf gespannt sein, was als nächstes kommt.
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TOP 500 REZENSENTam 23. Oktober 2013
Karl Schmidt ist wieder da, der Künstler aus dem Dunstkreis von Frank Lehmann war einige Zeit in der Psychiatrie und bis zu seiner Entdeckung durch Raimund Schulte in einer Drogen-WG untergebracht. Dort, im Cean Cut 1, darf er an Therapiesitzungen und diversen Freizeitvergnügungen teilnehmen und nebenbei als Aushilfshausmeister und Tierpfleger in einer Einrichtung für Kinder jobben. Eigentlich scheint alles gut zu sein, doch Raimund braucht Karl Charlie" dringend, denn für die Reise seiner Truppe braucht er jemanden, der von Amts wegen nüchtern bleiben muss und so wirbt er Charlie kurzerhand als Fahrer und Mädchen für alles an und Charlie sagt zu.
Wer die Storys um Herrn Lehmann gemocht hat, wird um dieses Buch nicht herum kommen. Es ist meiner Meinung sogar noch besser als Herr Lehmann", noch ausgereifter im Stil, noch humorvoller.

Die ganze Tour wird aus der Perspektive von Charlie berichtet - in der ganzen Truppe von Ravern, die Drogen und Alkohol nicht abgeneigt gegenüber stehen, hat er ziemlich zu kämpfen, um nicht in Versuchung zu geraten, doch gerade sein nüchterner Blick auf alles ist es, der die Sache für den Leser ungeheuer witzig macht. Charlie wertet nicht - er hört und sieht zu und gibt einfach nur wieder, was er wahrnimmt und das ist teilweise rasend komisch.

Obwohl sich seine Paranoia immer wieder anschleicht, scheint er der einzige Normale" unter seinen Leuten zu sein. Wie ein Fels in der Brandung kümmert er sich klaglos um das Auto, die mitreisenden Meerschweinchen Lolek und Bolek, um die Buchführung und um seine ziemlich oft verpeilten Kollegen. Und irgendwann merkt Charlie, dass er vielleicht doch in der Lage ist, es wieder mit der Wirklichkeit aufzunehmen.

Die inneren Monologe, bei denen die häufigen Wiederholungen die Eindimensionalität des Erzählers zeigen und die ausführlichen sinnbefreiten Gespräche sind es, die dieses Buch so außergewöhnlich witzig machen. Die Dialoge sind total aus dem Leben gegriffen und irgendwie ertappt man sich dabei, irgendwann selbst schon so wunderbar sinnbefreit geredet zu haben, oder zumindest Leute zu kennen, die das tun. Durch Charlies neutralen Bericht darüber, seine Art, die Worte einfach so im Raum stehen zu lassen, wird ihre gesamte Banalität und Komik umso mehr offenbar.

Mein Fazit: Ich bin sicher, wer den Stil von Regener bisher mochte, der wird dieses Buch auf jeden Fall lieben, denn es ist großartig.
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am 9. November 2013
Um es gleich zu sagen: Mir hat's EXTREMO gefallen, das Buch mein ich. Die Story ist gut. Aber was bringt ne gute Story, wenn sie nicht gut geschrieben ist? Und da sind halt die Geschmäcker verschieden. Herr Regener schreibt wie er immer schreibt. In langen, manchmal sehr laaaangen Sätzen. Ich meine, da hat man doch was von, oder? Da kann sich so ein Satz schon mal über ne Seite hinziehen. Er hat's halt nicht so mit den Punkten. Na und? Es ist deshalb nicht komplizierter zu lesen oder so. Dann mag Herr Regener auch gerne manchen Situationen durch die ein oder andere Wiederholung Nachdruck verleihen. Das finde ich auch gut so. Dann wird's auch jedem klar, daß da gerade was Wichtiges passiert. Es gibt durchaus Menschen, die können mit Herrn Regeners Büchern und seinem Schreibstil und seinem wunderbaren Humor einfach nichts anfangen. Meine Mutter zum Beispiel. Die könnte so was nie lesen. Dann muß man's halt lassen. Ich hingegen bin absoluter Regener-Fan. Und jetzt sag ich Ihnen noch was: Ich hab das Buch noch nicht einmal zu Ende gelesen. Selbst wenn Herr Regener auf den letzten zweihundert Seiten den Wetterbericht von Timbuktu im letzten Jahr niedergeschrieben hätte, allein sein Erzählstil würde auch das lesenswert machen. (Selbst seine -leider sehr seltenen- Newsletter sind literarische Highlights:) Also muß ich mir das Buch gut einteilen. Jeden Tag ein bisschen, ein, zwei Sätzchen zum genießen, damit ich noch lange was davon hab'. Herr Regener: Vielen Dank für Ihre Bücher - und bitte lassen Sie uns nicht so lange auf ein neues warten!!
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am 13. November 2013
Ich mag Sven Regeners Sprache in seinen Romanen und in diesem im Speziellen. Die Sätze sind locker mal eine Seite lang und spiegeln die Gedankenwelt des Karl Schmidt. Verworren, intelligent und auf der Suche nach einer Lebensstrategie nach einer Vergangenheit von Drogen und Psychischen Erkrankungen. Was ist wohl Ursache und was die Folge? Ein intelligentes, unterhaltendes, tiefgehendes Buch, das nicht mit dem Finger zeigt.
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TOP 500 REZENSENTam 25. September 2013
Endlose innere Monologe und absurde Dialoge in Perfektion bietet Sven Regener im ersten Band nach der Lehman-Trilogie, und ich habe mich kein bisschen gelangweilt. Die 500 Seiten lesen sich in einem Stück weg und sind größtenteils hemmungslos sinnbefreit, entbehren aber nicht einer gewissen Komik und sind eine Milieuschilderung der 90iger Jahre Techno-House-Ambient-Rave-Szene vom Feinsten.

Eine zentrale Rolle spielen die größtenteils unter Drogenkonsum stehenden Dialoge und die inneren Monologe von Karl Schmidt, dem besten Freund von Frank Lehmann, der nach einem Drogenmissbrauch in der Klapse gelandet war und die Schnauze voll hat von der ganzen Drogen-WG Sozipäd-Laberei. Da kommt das Angebot seiner ehemaligen Freunde gerade Recht, als nüchterner Fahrer eine Horde dauerbekiffter Raver mit einem Tourbus durch Deutschland zu kutschieren.

Die Laberflashs haben schon was Absurdes wie bei "Warten auf Godot", oszillieren zwischen Blödsinn auf hohem Niveau und intellektuellem Kauderwelsch, füllen aber die langen Wartezeiten zwischen den Auftritten, die die Raver-Gruppe auf der Magical Mystery Tour in so illustre Orte wie Schrankenhusen-Borstel führt, wo die Absurdität auf den Höhepunkt zusteuert, weil die Raver ihre Techno-Hits "HostiBrosti" und "Ballon, Ballon – der Hit mit der Flöte" in einer behindertengerechten Agrardico vor lauter Rollstuhlfahrern spielen.

Unterwegs werden nicht nur jede Menge Kaffee, Bier, Koks, Joints und Zigaretten vernichtet, es stirbt auch ein Meerschweinchen, der Coffee to go wird erfunden und Karl Schmidt hantiert mit einem der ersten funkgesteuerten Handys herum. Im zweiten Teil lebt der Roman von der Spannung, ob Karl Schmidt den Drogenversuchungen widerstehen kann, mit der Raverin Rosa eine Beziehung wagt und ob er seinen ehemaligen Freund Frank Lehmann wieder trifft.

Persönlicher literarischer Höhepunkt für mich als Theodor Storm Fan und Schleswig-Holsteiner und Panikattacken-Erfahrenen ist die Szene, wo Karl Schmidt auf Schrankenhusen-Borstel zufährt und mit einer aufkommenden Paranoia zu kämpfen hat: "Die Paranoia schaukelte sich hoch, stieg höher und höher wie das Wasser vor dem Deich beim Schimmelreiter, …ich hatte mich in die Bierfluten geworfen wie einst der Deichgraf sich in die hereinstürzenden Wassermassen…und während der Komabrettwagen bockte und schwankte wie ein besoffenes Pferd, wurde die Paranoia schlimmer und schlimmer, ich traute mir selbst nicht mehr, ich wurde zum Monster meines eigenen Paranoia-Albtraums, ich war nicht mehr nur der Deichgraf, der Scheiße gebaut hatte, …ich war auch zugleich die Bauernmeute, die ihm misstraute…, Paranoia bei gespaltener Persönlichkeit, eine üble Mischung…"

Am Schluss bricht Karl Schmidt, der von seinen neuen Freunden jede Menge positives Feedback bekommt und zu einem von allen Ravern respektierten Tourmanager mutiert, in ein neues Leben auf, und so hat das Psychogelaber dann doch etwas von einem Entwicklungsroman und auch etwas von einem Liebesroman.
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am 30. Januar 2016
... handelt Sven Regeners -Magical Mystery-. Hört sich seltsam an, und ist auch so. An diesen 500 Seiten Regener-Welt gab es nur eine Sache, die mich störte. Der Element of Crime Chef Regener schafft es manchmal seine Sätze über ganz Seiten zu ziehen. Da erschlagen einen die Kommas als Dutzendware und sorgen dafür, dass der Lesefluss stockt. Gott sei Dank geschieht das nicht all zu oft. Ansonsten spielt sich hier zwischen den Buchdeckeln eine Geschichte von Liebe, Musik und Schicksal ab, wie sie nur Sven Regener erzählen kann. Mit einem verdammt geschärften Auge für die Realität und einer Überdosis Wahnsinn. Wer Regeners Schreibe mag, der wird mit -Magical Mystery- ganz sicher eine Menge Freude haben. Mir hat es jedenfalls vorzüglich gefallen.

Karl Schmidt ist eine Ex-Drogi. Einer, der komplett über die Kante gegangen ist. Nur strikte Abstinenz und das Leben in der Wohngemeinschaft CleanCut in Hamburg halten ihn einigermaßen im Leben. Dazu verdingt sich Karl als Aushilfshausmeister und vergisst dabei, seinen Urlaub anzutreten. So wird Karl zu Zwangsurlaub verpflichtet. Den soll er eigentlich in einer Reha-Einrichtung verbringen, doch dann kommt ein Anruf aus Berlin. Karls alte Kumpels Ferdi und Raimund wollen Karl wiedersehen. Karl war früher als Künstler und Begleiter eines Rave-Labels unterwegs. Ferdi und Raimund betreiben dieses Label Bummbumm noch immer. Doch im Gegensatz zu früher, habe sie heute damit richtig Geld gemacht. Jetzt suchen Ferdi und Raimund einen Fahrer für die anstehende Magical Mystery Tour des Labels quer durch Deutschland, denn: Einer muss ja schließlich nüchtern bleiben. So landet Karl in seinem alten Umfeld. Es geht von der Gummistiefeldisco in riesige Hallen. Zwischendurch wird viel gefahren. Mit Schöpfi, Rosa, den HostiBros und den Meerschweinchen Lolek und Bolek an Bord. Ob das aber wirklich eine gute Idee war, einen Ex-Junkie in eine Truppe voller Drogenkonsumenten und Musikverrückter zu stecken, wird sich noch zeigen...

Ach ja, das war schön. Da werden Erinnerungen an Herrn Lehmann wach. Sven Regener ist der König der Alltagsphilosophie. Da weiß jeder, der nicht mit einem goldenen Löffel im Mund geboren wurde, was Tango ist. Insofern lege ich ihnen diesen Roadtrip der ganz besonderen Art ans Herz.
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