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am 22. Januar 2015
Es ist für viele Medienleute sicher ziemlich verlockend, mehr als nur einen Blick in dieses gut geschriebene Buch zu werfen, denn es verrät ziemlich dunkle Tricks, die Aufmerksamkeit in der heutigen schnellen Internet-Welt erzeugen können. Wie kann ich ein Produkt, ein Buch, einen Politiker, ein Projekt hochschreiben lassen? Wie kann jemand berühmt und reich werden, ohne großes Budget? Holiday sagt uns glaubhaft, dass das ganz einfach ist. Man muss nur jeden Skrupel über Bord werfen und die Moral gleich hinterher.

Zunächst einmal brauchen Sie mehrere gefälschte E-Mail-Accounts. Sie können auch ein paar Freunde einweihen und denen sagen, was die an wen schicken sollen. Sie können Nachrichten erfinden, erzeugen, herstellen. Ein Plakat selbst verschandeln, es fotografieren und das Ganze als Tipp durchsickern lassen. Die Palette der Untaten ist groß. Holiday verrät eine ganze Menge. Er liefert auch eine gnadenlose und erhellende Analyse der heutigen Netzstrukturen. Im Internet kommt es nur auf die Anzahl der Klicks an. Nur dafür gibt es Geld. Daher sind Blogger und Online-Publikationen auf Geschichten angewiesen, die sich verbreiten lassen. Da man als Blogger so wenig verdient, muss sehr schnell gearbeitet werden. Die Wahrheit ist daher nicht wichtig. Wichtig ist nur, dass man schnell mit einer Geschichte herauskommt. Wenn man sie danach korrigieren muss, umso besser: Das gibt nochmal viele Klicks. Manipulatoren wie Holiday nutzen das System aus und machen Kasse für ihre Kunden.

So weit, so schlecht. Holiday möchte all das nicht mehr tun. Er hat sich vom Abzocker zum Heiligen gewandelt und ist nun Kritiker dieses Systems. Das hört sich ein bisschen evangelikal an, aber so sind die Amerikaner nun mal. Überhaupt ist das Buch wohl vor allem für die USA geschrieben. In Deutschland wird diese Taktik Holidays nicht so gut funktionieren, weil hier die Persönlichkeitsrechte besser geschützt sind. Ein Blogger, der in Deutschland eine krasse Lüge über einen Promi oder eine Firma verbreitet, kann mit hohen Geldstrafen rechnen. Allerdings gibt es bei uns mittlerweile auch US-Zeitungen wie die "Huffington Post" oder "BuzzFeed". Es ist also damit zu rechnen, dass sich gewisse Praktiken, auch hierzulande einbürgern werden. Und man erkennt auch heute schon einige Parallelen. Die medialen Hetzjagden etwa auf Christian Wulff, Thilo Sarrazin oder Rainer Brüderle machen bei uns in gewisser Weise auch schon Schule.

Kurz und gut: Dieses Buch kann man empfehlen. Es ist mit viel Wissen gesättigt und es strotzt vor interessanter weiterführender Literatur. Ich bin sicher, dass Holiday in ein paar Jahren sehr viel bekannter sein wird als heute. Dieser Typ ist der klassische Geheimt(y)pp.
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TOP 1000 REZENSENTam 2. Dezember 2013
Das, was Ryan Holiday in seinem Enthüllungsbuch “Operation S***storm” über Meinungsmache und Manipulation scheinbar seriöser Medien berichtet, lässt niemanden kalt. Und Holiday muss es wissen. Denn er war der Schlimmste von allen.

Holiday beginnt seine schonungslose Beichte mit einem nüchternen Statement: “Mein Job ist es, die Medien zu belügen, damit diese wiederum Sie belügen.” Als eigenwilliger PR-Manager für Unternehmen und Bestsellerautoren überschreitet er mehrfach die Grenzen des Rechts und die der Ethik sowieso, um seine aggressiven Botschaften zu vervielfältigen. Er besticht Blogger, streut Gerüchte, entfacht “einen Feuersturm der Empörung”, um die Sogwirkung seiner “Nachrichten” zu verstärken. Mit Erfolg! Seine Meldungen zieren die Aufmacher der Blogs und Portale, werden zum Gesprächsstoff amerikanischer Großstädte.

Holiday: “Ich trickse die Blogger aus, und die tricksen ihre Leser aus.” Aus einer kleinen Übertreibung wird so in Windeseile ein Mediensturm, der auf falschen und gelogenen Informationen basiert. Auch in den Tageszeitungen natürlich, denn “80 Prozent daz4edaller Journalisten verwenden bei der Recherche ihrer Storys Blogs als Quelle.”

Roter Reiter Fazit: Ungemein spannend und schonungslos ehrlich räumt das Buch mit der Vorstellung unabhängiger Medienberichterstattung auf. Zur Ehrenrettung des Autors sei gesagt, dass er längst die Fronten gewechselt hat. Gut für ihn, damit er nachts wieder beruhigt einschlafen kann. Gut für Sie, denn sonst wäre dieses spannende Protokoll einer ethisch verrotteten Medienlandschaft nie erschienen.
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Auch wenn Ryan Holiday hierzulande kaum bekannt ist und auch wenn sich sein Buch vor allem auf die US-Verhältnisse bezieht, so kann man doch viel aus ihm lernen oder sich in den eigenen Beobachtungen bestätigt fühlen. Holiday ist nicht nur recht jung, sondern auch Marketing-Chef der amerikanischen Klamotten-Kette American Apparel, die es auch in Deutschland gibt. Außerdem steht er als Medienstratege hinter dem Bestsellerautor Tucker Max, der Bücher schreibt, vor denen Bildungsbürger entsetzt zurückschrecken.

In diesem Buch geht es grundsätzlich um Blogs, darum wie sie funktionieren, wie man sie fast unbemerkt für eigene Zwecke benutzen kann, wie sie schmerzfrei zum eigenen Wohlergehen Leute manipulieren und wie sie auf diese Weise verantwortungslos enormen wirtschaftlichen Schaden bei anderen anrichten. Dies ist keine wissenschaftliche Untersuchung, auch wenn sich der Autor am Ende auf bekannte Medienkritiker beruft, sondern eher ein durchdachter und lakonisch geschriebener Bericht eines Insiders.

Holiday unterteilt sein Werk in zwei Teile. Im ersten Teil ("Das Monster füttern - Wie Blogs funktionieren") schildert er wie man vorgehen kann, um unbemerkt und kostenlos Aufmerksamkeit für die eigenen Produkte in diesen Medien zu erzeugen. Beispielsweise erzählt er, wie er eigene Werbeplakate mit Ausdrücken tiefster Empörung überklebte, das Resultat fotografierte und sogleich an einige unbedeutende kleine Blogs verschickte, selbstverständlich als unbeteiligter Kommentator unter einem Pseudonym und dem Titel "Habe ich zufällig auf dem Heimweg entdeckt!". Dann musste er nur noch warten, bis sich diese Neuigkeit auf größere Blogs hocharbeitete und dort größere Empörungs- und Aufmerksamkeitswellen produzierte.

Nachdem er die Strukturen der Schriftmedien dargelegt hat, kommt Holiday dann zu neun Taktiken, wie man Blogs unbemerkt von außen für die eigenen Zwecke einspannt. Eigentlich verbreitet er dabei nicht viel Neues, denn solche Tricks werden schon seit Jahrzehnten innerhalb der Medien benutzt, um höhere Auflagen oder Einschaltquoten zu erzielen. Immer nach dem Motto "Gib den Bastarden, was sie wollen!" (S. 93). Doch gegenüber den vergangenen Jahrzehnten hat sich die Medienlandschaft stark verändert. Völlig neue Aspekte treten dabei nun in den Vordergrund.

Über Twitter, Facebook oder die von Holiday ins Visier genommenen Blogs verbreitet sich jeder noch so große Blödsinn in Sekunden. Und ist er einmal in der Welt, richtet er zum Teil erheblichen Schaden an. Ein geradezu klassisches Beispiel ist die vermeintliche Nachricht von vor einigen Jahren, dass sich bestimmte Toyota-Modelle in den USA auf geheimnisvolle Weise selbst beschleunigen, was zu tödlichen Unfällen geführt haben soll. Das ökonomische Desaster, das Toyota durch diese scheinbar wahren Nachrichten erlitt, war enorm. Wen interessiert da noch, dass die NASA nach einiger Zeit feststellte, dass nichts an diesen Mitteilungen stimmte und dass die Autos völlig in Ordnung waren. Die Verunfallten hatten einfach Gas- und Bremspedal verwechselt.

Internetseiten brauchen Seitenaufrufe und Klicks. Deshalb werden sie alles dafür tun, denn allein davon hängt ihr wirtschaftlicher Erfolg ab. Holiday erklärt dies detailliert im zweiten Teil seines Buches ("Das Monster greift an - Was Blogs bedeuten"). Unter anderem geht es dort um Manipulationsmuster, Online-Unterhaltung, die süchtig macht, um die sogenannte Link-Wirtschaft, bei der ein Link die Illusion einer glaubhaften Quelle erzeugt, um Online-Erpressung (beispielsweise durch gefakte Produktvideos), um die iterative Schwindel-Philosophie des Online-Journalismus ("Hauptsache schnell raus, wenn es nicht ganz richtig ist, machen wir eben ein Update!"), um Häme im Internet, die als Humor getarnt wird und um Blogs als Werkzeug von Hass und Bestrafung (der Pranger des 21. Jahrhunderts).

Beinahe am Rande erwähnt Holiday, dass die Konstruktion so mancher Internetseite extra so aufgebaut ist, dass man möglichst viel Verkehr und möglichst viele Klicks erzeugt, etwa durch die Illusion einer demokratischen Ordnung mit Diskussionsforen und Abstimmungsbuttons. Weil es das eigene Ego bedient, fallen darauf viele Menschen herein und bescheren so dem Seitenbetreiber enorme zusätzliche Einnahmen.

Obwohl der Text immer wieder Ereignisse in der US-Szene und die dortigen Blogs wie gawker.com oder huffingtonpost.com reflektiert, bietet er einen sehr guten Einblick in Manipulationstechniken, wie man sie überall, aber eben besonders im Internet findet. Betroffene haben wegen der extremen Ausbreitungsgeschwindigkeit selten eine Chance, sich gegen die Heimtücke solcher Methoden zu wehren. Wenn auf diese Weise anonym Gerüchte gestreut werden, die auf den fruchtbaren Boden einer inzwischen zum Allgemeingut gewordenen Empörungskultur fallen, ist wohl alles zu spät. Ein lehrreiches Buch.
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am 20. Oktober 2015
Fast könnte man dieses Buch als Thriller einordnen. Der Blick hinter die Kulissen von großen Blogs wie Huffington Post, Jezebel, etc., den Ryan Holiday hier gibt, ist erschreckend und faszinierend zugleich. Auf der einen Seite ist man absolut perplex und weiß nicht, welchen Informationen man noch trauen kann, auf der anderen Seite sieht man selber vielleicht sogar Chancen um eigene Interessen zu erreichen.
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