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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Eine nette Art, über Trading zu sprechen", 30. Juni 2013
Von 
Dr. R. Manthey - Alle meine Rezensionen ansehen
(#1 HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 10 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Magier der Märkte: Next Generation: Teil 1: Die Makro-Gurus Interviews mit den besten Hedgefonds-Managern der Welt (Gebundene Ausgabe)
Vor über 20 Jahren veröffentlichte Jack Schwager seine ersten Interview-Bücher mit Spitzentradern. Wie man bei einigen der in diesem neuen Buch Befragten nachlesen kann, hatten seine drei Bücher wohl bei manchen Tradern eine sehr motivierende Wirkung. Einige aus der "neuen Generation" geben sogar ganz offen zu, dass diese Bücher für sie entscheidend zur Berufswahl beitrugen.

Fast alle der in diesem Buch befragten fünf Trader leiten von ihnen selbst gegründete Hedgefonds. Das macht sie in der leider schlecht informierten Öffentlichkeit nicht unbedingt zu Sympathieträgern. Doch im Gegensatz zu den für die Finanzkrise verantwortlichen Großbanken gehen solche Fonds in der Regel sehr verantwortungsvoll mit dem ihnen anvertrauten Kapital um. Erfolgreiche Trader sind keine Zocker, sondern extrem risikobewusst, denn das ist der Schlüssel für ihren Erfolg.

Das Buch trägt den Untertitel "Die Makro-Gurus". Entscheidend ist dabei nicht die offenbar unvermeidbare Guru-isierung, sondern das Wort "makro". Damit soll die grundsätzliche Strategie dieser fünf Leute umrissen werden. Sie beruht auf der richtigen Einschätzung großer makroökonomischer Trends. Natürlich kann man wie immer bei Schwager nirgends eine wirkliche Strategie erkennen. Vielmehr gehört auch dieses Buch eher zur Sorte der sehr guten Börsen-Unterhaltungsliteratur. Interessierte Leser werden aus ihm für sich genug Bereicherung, Bestätigung oder sogar einige grundsätzliche Ideen oder einfach nur Motivation ziehen können.

Trader können sich die Welt nicht schön denken. Deshalb ist vieles in diesem Buch einfach auch erfrischend. Mir hat das erste Interview mit Colm O'Shea mit Abstand am besten gefallen. Beispielsweise als er sich darüber äußert, wie Volkswirtschaftslehre heute verstanden wird. Ihm passt nicht, dass diese Lehre inzwischen geradezu krampfhaft versucht, die Welt in mathematische Modelle zu pressen, insbesondere in das der effizienten Märkte. Im Unterschied zu Mathematikern begreifen Ökonomen offenbar nicht, dass hinter all diesen Modellen linearisierende Voraussetzungen stecken, damit man überhaupt etwas ausrechnen kann. Diese nicht realistischen Voraussetzungen werden irgendwann einfach völlig ignoriert. Und dann wird so getan, als wären die Modelle die Wirklichkeit. Wenn mit dieser Fehleinschätzung nicht auch weitreichende reale Folgen verbunden wären, könnte man sich über diesen Unfug einfach nur amüsieren.

Es ist übrigens auch O'Shea, der Folgendes von sich gibt: "Ich glaube, das Makro-Missverständnis ist am größten, wenn man das Makro-Investing als Geschichtenerzählen betrachtet. Das Erzählen von Geschichten ist zwar eine nette Art darüber zu sprechen, es stellt aber nur zehn Prozent dessen dar, was wirklich wichtig ist." Besser kann man das, was in Schwagers Trader-Interview-Büchern steht, nicht umschreiben.

Man kann aus diesem Buch auch lernen, dass es zu einem Investmentstil sehr verschiedene Herangehensweisen gibt. Jeder, der Trader werden will, muss selbst herausfinden, was zu seiner Persönlichkeit am besten passt. So war der nächste Interviewpartner Ray Dalio vormals CEO des weltgrößten Hedgefonds Bridgewater. Bridgewater ist in vielerlei Hinsicht einzigartig. Eben nicht nur wegen seiner Größe, sondern vor allem wegen seiner inzwischen 20-jährigen Erfolgsbilanz. Bridewaters Ansatz wird im Text etwas erläutert.

Von Larry Benedict, der dann folgt, kann man lernen, dass man auch nach einer langen und heftigen Durststrecke doch endlich Erfolg haben kann. In seinen Anfangsjahren als Trader verlor er fortwährend und wurde ständig gefeuert. Inzwischen gilt er als eine Art undurchschaubares Tradergenie, denn er handelt sehr intensiv und sehr kurzfristig und in der Regel ohne Charts. Was er genau macht, bleibt unklar. Dennoch ist auch dieses Interview wegen einiger grundsätzlicher Aussagen lesenswert.

Scott Ramsey hingegen ist ein unorthodoxer, makroökonomisch orientierter Händler für Futures und Devisen mit einer überdurchschnittlichen Erfolgsbilanz. Jaffray Woodriff als Letzter in der Runde benutzt wiederum eigens entwickelte Computermodelle auf der Grundlage von Methoden der Mustererkennung.

Wie bei Schwager üblich, fasst er die Interviews an deren Ende in seinem pädagogischen Überschwang noch einmal zusammen. Auch dieses Buch steht seinen Vorgängern nicht nach, weder in seinem Unterhaltungswert, noch in vielen gut vermittelten generellen Aussagen, aber auch nicht darin, dass man eigentlich nichts über die wirkliche Vorgehensweise der Interviewten erfährt.

(An Übersetzer und Lektor: Der 2. Weltkrieg brach nicht aus, "weil der Erzherzog ermordet wurde", wie auf Seite 46 vermutet wird. Amerikanern sieht man so etwas vielleicht noch nach, in Europa ist es dagegen eher peinlich.)
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Magier der Märkte: Next Generation: Teil 1: Die Makro-Gurus Interviews mit den besten Hedgefonds-Managern der Welt
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