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16 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Cui bono? oder Wem nuetzt es?
Dies ist die zentrale Frage nach den Urhebern eines Krieges, wer also Intereresse an einem Krieg haben koennte; der Autor stellt sie an den Anfang seines Buches, Seite 15. Die Antwort gibt z.B. die "Saturday Review" am 24. August 1895 wenn sie schreibt: "Unser Hauptwettbewerber in Handel und Verkehr ist [...] Deutschland. Bei einem Krieg mit Deutschland kaemen wir in die...
Vor 5 Monaten von Rezensent aus Koenigswinter veröffentlicht

versus
27 von 47 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Hätte mehr erwartet und zu kurz
Ich habe das Buch gleich bei Erscheinen bestellt und voller Vorfreude innerhalb von 1 1/2 Tagen gelesen.

Herr Bandulet verweist andauerned auf Christopher Clarks Buch "Die Schlafwandler" welches ich auch gelesen habe und bewertet diese Stellen. Ab und zu bringt er auch einmal etwas neues, auch ab und zu einmal etwas, dass nicht Mainstream ist, aber ich...
Vor 10 Monaten von Marco Schmitt veröffentlicht


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16 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Cui bono? oder Wem nuetzt es?, 9. Juli 2014
Rezension bezieht sich auf: Als Deutschland Großmacht war: Ein Bericht über das Kaiserreich, seine Feinde und die Entfesselung des Ersten Weltkrieges (Gebundene Ausgabe)
Dies ist die zentrale Frage nach den Urhebern eines Krieges, wer also Intereresse an einem Krieg haben koennte; der Autor stellt sie an den Anfang seines Buches, Seite 15. Die Antwort gibt z.B. die "Saturday Review" am 24. August 1895 wenn sie schreibt: "Unser Hauptwettbewerber in Handel und Verkehr ist [...] Deutschland. Bei einem Krieg mit Deutschland kaemen wir in die Lage, viel zu gewinnen und nichts zu verlieren", Seite 83; und am 11. September 1897: "... und da sollten wir nicht Krieg fuehren, wenn ein jaehrlicher Handel von fuenf Milliarden Pfund auf dem Spiel steht?", Seite 84. Beide Artikel schliessen mit dem Aufruf "Germania esse delendam", Deutschland muss zerstoert werden. Zum Neujahr 1914 veroeffentlichte die russische Zeitschrift Raswetschik, ein Sprachrohr des Generalstabs, einen Leitartikel, in dem zu lesen war "... das ganze russische Volk muss daran gewoehnt werden, dass [...] die deutschen Reiche vernichtet werden muessen", Seite 187.

Ganz anders dagegen die deutsche Seite, so z.B. Kaiser Wilhelm II. am 5. Februar 1901 anlaesslich der Trauerfeier fuer Koenigin Victoria: "Ich glaube, dass die beiden germanischen Nationen [...] einander helfen werden, den Weltfrieden zu bewahren. Wir muessen eine englich-deutsche Allianz schaffen", Seite 87. In den Jahren 1909 und 1910 schlug Deutschland dem britischen Botschafter eine Marinekonvention vor, "als Teil eines Plans fuer eine gute Zusammenarbeit", Seite 137.

Nach dem Attentat von Serajewo am 28. Juni 1914 gab es zahlreiche Bemuehungen von deutscher Seite einen Krieg doch noch abzuwenden; am 28. Juli abends z.B. telegraphierte Kaiser Wilhelm an Zar Nikolaus, "Ich werde meinen ganzen Einfluss aufbieten, damit Oesterreich zu einer Verstaendigung mit Russland kommt. Dein sehr aufrichtiger und ergebener Freund und Vetter Willy", Seite 202 und Seite 203.

Nach dem Kriegsausbruch am 1. August 1914 kommentierte Wilhelm II. die Situation treffend folgendermassen: "England, Russland und Frankreich haben sich verabredet [...] den oesterreichisch-serbischen Konflikt zum Vorwand zu nehmen, gegen uns einen Vernichtungskrieg zu fuehren. Das ist die wahre nackte Situation", Seite 208. Und am 4. August vor dem Reichstag: "Die gegenwaertige Lage [...] ist das Ergebnis eines seit Jahren taetigen Uebelwollens gegen [...] das Gedeihen des Deutschen Reiches", Seite 209. Dieses Gedeihen war durch Fleiss und Intelligenz des deutschen Volkes erreicht worden. Fast der gesamte technologische Fortschritt in der Welt war in den vorhergehenden 50 Jahren aus Deutschland gekommen, z.B. der Elektromotor, der Benzinmotor, der Dieselmotor, die Grundlagen des Rundfunks und praktisch die gesamte pharmazeutische Industrie. Als Folge davon eine bluehende Wirtschaft, stabile Waehrung, kaum Arbeitslose und die Anfaenge eines vorbildlichen Sozialsystems. Es gab also fuer Deutschland nicht den geringsten Grund einen Krieg vom Zaun zu brechen.

Ein wesentlicher Teil der alliierten Kriegsfuehrung bestand in einer unsaeglichen Hetze gegen das Deutsche Reich; mit vom Tavistock Institut in England frei erfundener Luegenpropaganda wie abgeschnittenen Kinderhaenden (Seite 243) wurde die Zustimmung zum Krieg in der eigenen Bevoelkerung erreicht; alle diese Luegen erwiesen sich nach dem Krieg als frei erfunden. Ganz besonders Churchill tat sich mit unsaeglichen Aeusserungen zum Krieg hervor, so z.B. am 22. Februar 1915 mit der Aussage: "Ich liebe diesen Krieg. Ich weiss, er zertruemmert und erschuettert das Leben Tausender in jedem Augenblick, und doch - ich kann nicht anders -, ich geniesse jede Sekunde davon", Seite 221.

Die zahlreichen Initiativen von deutscher Seite, und auch vom Papst, zur Beendigung des Krieges wurden von den Alliierten bruesk abgelehnt, Seite 237-238. Spaetestens nach dem Kriegseintritt der USA war jede Hoffung auf ein Ende des Krieges vergeblich. Ein wesentliches Argument fuer die Kriegspropaganda in den USA bestand in der Aussage, "Freiheit und Demokratie in der Welt zu verbreiten", waehrend im eigenen Land z.B. Afroamerikaner getrennte Abteile in der Eisenbahn benutzen mussten. Der wahre Anlass fuer den Kriegeintritt der USA findet sich in einem Brief von Chaim Weizmann an Churchill vom 10. September 1941; darin schreibt er: "Wie Sie wissen, haben uns zahlreiche britische Staatsmaenner bestaetigt, dass wir die USA an Ihrer Seite in den Krieg gebracht haben".

Die Katastrophe dieses Krieges wurde durch die "Vertraege" von Versailles erst vollstaendig. Der Autor beschreibt das auf Seite 235 so: "Mehr noch als der Kriegsausbruch wurde Versailles [...] zum eigentlichen Zivilisationsausbruch". Und so bleibt am Schluss die Frage, wann die Kriegstreiber in England, Frankreich und Russland, und die Drahtzieher hinter dem Kriegseintritt der USA sich zu ihren Verbrechen bekennen, sich dafuer entschuldigen und fuer die Zerstoerung Deutschlands Wiedergutmachung leisten.
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17 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Gute Zusammenfassung, 26. März 2014
Von 
Albrecht Bär "albrecht_baer" - Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Als Deutschland Großmacht war: Ein Bericht über das Kaiserreich, seine Feinde und die Entfesselung des Ersten Weltkrieges (Gebundene Ausgabe)
Dieses aus Anlaß des 100. Jahrestages des Beginns des Ersten Weltkriegs erschienene Buch hat sich zum Ziel gesetzt, die Geschichte und Vorgeschichte dieser Ur-Katastrophe des 20. Jahrhunderts nachzuerzählen. Bandulet gliedert seine Schilderung in sieben Kapitel, angefangen mit der Reichseinigung, gefolgt von Bismarcks Außenpolitik, Englands Rolle in der Welt, der Flottenpolitik, Österreichs Feinde, der Julikrise und dem Kriegsgeschehen selbst. Der Autor stellt die Frage nach dem Cui bono, die Frage nach dem Nutzen und den Motiven der Kriegsparteien. Er zeigt, daß der Krieg mit einem Patt und einem Verhandlungsfrieden zu Ende gegangen wäre, daß den Deutschen ein Versailler Diktat und der Zweite Weltkrieg erspart geblieben wäre, hätten die USA nicht 1917 interveniert. In diesem Zusammenhang beleuchtet der Verfasser die Interessen in den USA, auf die Seite der Entente-Staaten in den Krieg einzutreten. 1917 hatten England und Frankreich ihre Kreditlinie ausgeschöpft. Weiteres Geld zu leihen war der Wallstreet unmöglich geworden, außer Washington hätte für diese Kredite gebürgt. Aber nur bei einem Sieg der Entente konnte mit einer Begleichung der Schuld gerechnet werden. Also zog die Wilson-Regierung – die Interessen amerikanischer Großbanken im Blick – in den Krieg, warf das entscheidende Potential in die Waagschale – und die Entente siegte. Die Milliarden-Schulden der Sieger zahlte dann das unterlegene Deutschland, zuzüglich zu seinen eigenen. Nichts von dem, was Bandulet schildert, ist neu. Aber sein Verdienst ist, daß es ihm auf nur rund 300 Seiten gelingt, die wesentlichen Aspekte der Vorgeschichte, des Verlaufs und der Folgen des Ersten Weltkrieges aufzuarbeiten. Allen Interessierten, die vor dickleibigen Geschichtswälzern zurückschrecken, sei dieses Werk ans Herz gelegt.
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38 von 47 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Politisch UNkorrektes Buch, 18. Februar 2014
Rezension bezieht sich auf: Als Deutschland Großmacht war: Ein Bericht über das Kaiserreich, seine Feinde und die Entfesselung des Ersten Weltkrieges (Gebundene Ausgabe)
Vor 100 Jahren ist der 1. Weltkrieg ausgebrochen. Auch nach dessen Ende galt wie heute: Der Sieger schreibt die Geschichte. So übernahmen historisch nachlässige Wissenschaftler häufig die Propagandathese der Alliierten aus dem Versailler Vertrag, die Deutschlands Alleinschuld am Ausbruch der "Urkatastrophe" des 20. Jahrhunderts zementierte.

Tatsache ist jedoch, dass nicht ein einzelner Staat als Hauptschuldiger identifiziert werden kann, sondern ein Geflecht aus verschiedenen Ursachen und Ereignissen zum Ersten Weltkrieg führte. Darin eingebunden waren viele europäische Staats- und Regierungschefs und deren Militärführungen, aber auch die Hochfinanz. Deutschland scheidet als HAUPTverantwortlicher sogar aus dem Kreis der Verdächtigen.

Genau das arbeitet Bruno Bandulet mit seinem unnachahmlichen Stil heraus. Kritik hin oder her, jedenfalls ist das Buch ein weiterer wichtiger Mosaikstein in der politisch UNkorrekten Aufklärung der Ereignisse die zum 1. Weltkrieg führten. Jeder, der die kollektive Mainstreamnestbeschmutzung scheut und eine alternative Sichtweise erhalten will, sei dieses Buch empfohlen.
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24 von 30 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Frage nach den Motiven der Kriegsparteien, 19. Februar 2014
Von 
Felix-ine - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Als Deutschland Großmacht war: Ein Bericht über das Kaiserreich, seine Feinde und die Entfesselung des Ersten Weltkrieges (Gebundene Ausgabe)
Dass der Erste Weltkrieg sich zur europäischen Katastrophe entwickeln würde hatte niemand gedacht. Wer verantwortlich dafür war ist auch heute noch umstritten. Politisch und Historisch gesehen wurde dem Deutschen Reich und Kaiser Wilhelm II. unterstellt den Griff nach der Weltmacht ausgestreckt zu haben. Heute wird aufgrund von unzähligen Recherchen der vergangenen Jahrhunderte anders darüber geurteilt. Alle europäischen Regierungen sind in den damaligen Krieg hineingezogen worden. Dieses 303 Seiten umfassende Buch des Autoren Bruno Bandulet bringt es auf den Punkt, er erklärt mit viel Hintergrundwissen das Kaiserreich, dessen Feinde und die Entstehung des Ersten Weltkrieges, der nicht hätte sein müssen.
Unvoreingenommen hat der Schriftsteller Fakten zusammengetragen die seine Recherchen ergaben und nennt in seinem Buch Themen die ausführlich beschrieben sind. Die Hauptfrage, ob Deutschland wirklich schuld sei und der überwältigende, wirtschaftliche Aufstieg zwischen 1871 und 1913 unser Land ins Verderben riss, dadurch England und Frankreich abgehängt wurden und das als Anlass und Vorwand nahmen einen bevorstehenden Krieg zu inszenieren.
Es war eine Zeit, wo Deutschland als Großmacht fungierte und die Rivalität von Großmächten stets ein Ausgangspunkt zu Kriegen bildete. Was sich in Politik und Diplomatie kurz vor dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges in London, Paris, St. Petersburg und Berlin hinter den Kulissen abspielte, erläutert Bruno Bandulet ausführlich und nennt auch Fakten, warum die Bank J.P. Morgan die USA in den Ersten Weltkrieg trieb, sowie US-Konzerne an diesem Krieg Milliarden verdienten.
"Wie wenig hat sich nach hundert Jahren geändert. Schurkenstaaten und Terroristen, Krieg und Gewalt und die Rivalität von Großmächten sind immer noch bittere Realität. Nur die Namen haben gewechselt. Wer die Gegenwart verstehen will, muss die Vergangenheit kennen."
Das gemeinsame Gebet der Abgeordneten des US-Kongresses während der Eröffnung der neuen Sitzungsperiode am 10. Januar 1918 lautete:

"Du weißt, O Herr, dass wir in einem Kampf auf Leben und Tod stehen, mit einer der schändlichsten, gemeinsten, gierigsten, geizigsten, blutdürstigsten, wolllüstigsten und tückischsten Nationen, die jemals die Seiten der Geschichte entehrt haben. Wir bitten Dich, entblöße Deinen mächtigen Arm und schlage zurück das große Pack hungriger, wölfischer Hunnen, von deren Fängen Blut und Geronnenes tropfen. Und Dir sei Lob immerdar durch Jesus Christus, Amen."

Es war mal wieder interessant in die Geschichte unseres damaligen Landes eintauchen zu können. Dabei sind mir die von dem Autor vorgebrachten Fakten über die Entstehung des ersten Weltkrieges und dessen Verlauf nicht unbekannt. Lektüre darüber ist genügend vorhanden, die Sichtweisen der Autoren werden aber immer unterschiedlich dargestellt.
Wer hätte damals ahnen können, dass es Jahre später noch viel schlimmer kommen sollte!
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23 von 31 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Überzeugende Alternative zur Sieger-Propaganda, 3. März 2014
Von 
jury - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (HALL OF FAME REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Als Deutschland Großmacht war: Ein Bericht über das Kaiserreich, seine Feinde und die Entfesselung des Ersten Weltkrieges (Gebundene Ausgabe)
Zwei Weltkriege haben die politische und wirtschaftliche Landschaft geradezu umgewälzt. So ist vielen Menschen heute nur noch schwer vorstellbar, vielleicht nicht einmal bewusst, dass Deutschland vor den Kriegen zu den führenden Mächten der Welt zählte, ja, sich sogar durch überlegene Wirtschaftskraft dazu anschickte, England abzulösen und die Hegemonialmacht in Europa zu werden. Die USA konnten zu dieser Zeit mit den starken europäischen Nationen, zu denen England, Frankreich, Deutschland und Russland zählten, noch nicht konkurrieren.

Allerdings kann man ein Jahrhundert nach Kriegsbeginn feststellen, dass in strategischer Perfidie und perfekt durchgeführter Propaganda die USA schon damals ihren europäischen Vorfahren weit entwachsen waren. Erst in der Neuzeit wird ja einem nennenswerten Teil der Welt bewusst, dass es den USA in ihren endlosen Kriegsserien in Wirklichkeit natürlich nicht darum geht, irgendjemanden zu befreien oder Demokratie zu verbreiten, sondern darum, die ganze Welt zu beherrschen.

Mit dieser Konstellation befasst sich Bruno Bandulet in seinem 2014 erschienenen Buch „Als Deutschland noch Großmacht war“ und dokumentiert minutiös die heute bekannten Fakten, Entwicklungen, Diplomatie und Verträge, mit denen – im Gegensatz zur weit verbreiteten „Sieger-Geschichte“ - die späteren Alliierten Deutschland in den ersten Weltkrieg lavierten, um seine Vormachtstellung zu brechen.

Brisant und maßgeblich scheint dabei die Rolle der USA, die erst durch Geheimverträge, Kredite und Waffenlieferungen England überhaupt erst in den Stand setzte, sich in dieses Abenteuer zu stürzen, um dann zu einem Zeitpunkt, in dem alle Kriegsparteien nach endlosen Stellungskriegen kraftlos am Boden lagen, selbst einzugreifen. Ein Vorwand – die berühmte Lusitania – war schnell arrangiert, der Zeitpunkt aus Sicht der USA genial: Mit vergleichsweise lächerlichem Aufwand konnten sie ganz Europa einnehmen, damit in einem Handstreich fünf bis dahin mächtigere Nationen überholen und sich faktisch eine weltweite Vorrangstellung sichern.

Die übliche Strategie der USA sieht bekanntlich so aus, dass man störende Mächte durch Anfachung von "Befreiungsbewegungen" zu destabilisieren versucht, bevor man selbst in einen Krieg eintritt oder - noch besser - Verbündete dazu drängt. Wir erleben das ja gerade wieder aktuell in der Ukraine. Heute leisten häufig Al Qaida - Einheiten oder andere von der CIA lancierte Geheimverbände diese Drecksarbeit, vor dem zweiten Weltkrieg waren auch US-Unternehmen die treibenden Kräfte, um die Nazis von einer unbedeutenden Schlägertruppe zu einer Siegerpartei aufzupäppeln. So fragt man sich natürlich analog, welche Rolle die USA möglicherweise bei den Provokationen der Serben, die letztlich später den Krieg motiviert haben, gespielt haben mögen. Leider konnte oder wollte Bruno Brandulet zu dieser Fragestellung noch nichts beitragen.

Mit dem „Diktat von Versailles“, mit dem die Alliierten die Basis für den zweiten Weltkrieg schufen, endet das Buch.

Dr. Bandulet kann auf eine bemerkenswerte Karriere als Politiker, dann vor allem aber als Journalist, Herausgeber und Autor, zurückblicken. Mit dem vorliegenden Buch ist ihm nicht weniger als ein Meisterwerk gelungen. Natürlich kann man als Nicht-Historiker kein abschließendes Urteil über die zugrunde liegenden historischen Forschungen fällen, aber die Klarheit und logische Kraft der Darlegungen überzeugen absolut.

Der angenehm unauffällige, sehr gut lesbare Schreibstil des Autors gestaltet die Lektüre zu einem Vergnügen. Selbst komplexe Zusammenhänge werden gut strukturiert und bestens nachvollziehbar dargelegt. Man hat fast das Gefühl, einen Roman zu lesen.

Mit Chronik, Endnoten, Literaturverzeichnis und Personenregister stehen am Ende des Buches ausführliche Verzeichnisse zur Referenzierung und als Wegweiser zu weiterführenden Studien zur Verfügung.

Ich persönlich wünschte, unseren Pädagogen wäre es zu meiner Schulzeit gelungen, Geschichte ähnlich lebendig, glaubwürdig und spannend darzulegen.

print-jury 5* A1201 © 3.3.2014 ABR 1.029 Rezensionsexemplar
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23 von 31 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Lesenswert, 21. Februar 2014
Von 
Treb Melsa (Absurdistan, Deutschland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Als Deutschland Großmacht war: Ein Bericht über das Kaiserreich, seine Feinde und die Entfesselung des Ersten Weltkrieges (Gebundene Ausgabe)
Das Attentat vom 28.06.1914 in Sarajevo, dem der Thronfolger Österreich-Ungarns (Erzherzog Franz Ferdinand) und seine Frau zum Opfer fielen, war der äußere Anlass für den Beginn des 1. Weltkriegs am 28.07.1914. Heuer (2014) werden wir zum 100jährigen sicherlich mehr als eingedeckt werden mit diversen - schlechten und guten - Publikationen zum Thema 1. Weltkrieg mit all seinen Facetten.

Zwei gute Bücher zum Thema sind das Buch "Schlafwandler von Christopher Clark" und dieses Buch hier von Bruno Bandulet. Dabei ist Clarks Buch gut 800 Seiten stark; ein Umfang, vor dem mancher Wenigleser, der an der Thematik interessiert ist, abschreckt werden kann. Bandulet dagegen kommt mit gut 500 Seiten weniger aus, so dass ein Wenigleser vielleicht nicht so sehr verschreckt wird.

Die Schuld an dem 1. Weltkrieg wurde von den Siegern den Deutschen angelastet. In den 1960er Jahren stützte der deutsche Historiker Fritz Fischer die "Sichtweise der Sieger" mit der These vom deutschen "Griff nach der Weltmacht". Diese These wurde populär, durch diesen "Griff" wurde und wird von den "Fischers" die deutsche Hauptschuld am 1. Weltkrieg begründet.
Dabei ignorierten Fischer und seine Adepten z. B. die Arbeiten des US-Journalisten Albert Jay Nock, der schon direkt nach Ende des 1. Weltkriegs die Behauptung, dass die Deutschen den Krieg vorsätzlich vom Zaun gebrochen haben, in seinem - auf gut recherchierten Grundlagen ruhendem - Buch "The Myth of a Guilty Nation" (Mythos einer schuldigen Nation) als Lüge zurückwies. Dabei zeigte Nock die Wirkung von mannigfaltigen anti-deutschen Interessen mächtiger Gruppen innerhalb der Entente (Frankreich, Großbritannien, Russland) und der vielfältigen amerikanischen Interessen, die umfangreich mit denen in den Entente-Staaten verflochten waren.

Bandulets Argumentationsstränge verlaufen ähnlich. Das deutsche Kaiserreich hatte sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts zu einer ökonomischen Großmacht gemausert. Eine Großmacht, die im Mutterland der Industrialisierung - Großbritannien - immer mehr Verdruss hervorrief. Ressentiments gegen die Deutschen machten sich breit; ein Groll, der sich schließlich auch Luft machte, z. B. ab 1895 in meinungsmachenden Publikationen durch den Aufruf "Ceterum censeo Germaniam esse delendam".
Dass solchen Forderungen durch die Flottenpolitik eines Tirpitz, der ab 1897 den Aufbau der deutschen Kriegsmarine vorantrieb, beschleunigt wurde, dies wird nicht bezweifelt. Ebensowenig wird die Rolle der inkompetenten Bismarck-Nachfolger in der Außenpolitik verschwiegen, diese Akteure dienten dem deutschen Kaiserreich offensichtlich zum Schaden und nicht zum Nutzen.

Fein differenziert schildert der Autor die explosive Lage auf dem Balkan. Dort standen sich, nach dem Zurückdrängen des Osmanischen Reiches, die Interessen der k. u. k. Monarchie und des russischen Zarenreiches gegenüber. Die Ambitionen der Habsburger stehen gegen die raumfordernde Politik der Romanows auf dem Balkan; ein Gegensatz der zu verhängnisvollen Kettenreaktionen führt und diese münden schließlich in den Krieg.

Wie schon Albert Jay Nock, so hebt auch Bandulet das Wirken der Finanzhochburg Wallstreet (insbesondere die Rolle J.P. Morgans) bezüglich des Kriegseintritts der USA, der entscheidend für den Sieg der Entente war, hervor. Die Finanz-Hochburg Wallstreet hatte den Entente-Staaten hohe Kredite bewilligt; Kredite. die der Kriegsfinanzierung dienten und wobei US-Firmen die Rüstungslieferanten der Entente waren. Eine Niederlage der Entente-Staaten hätte - verbunden mit deren möglichen Zahlungsunfähigkeit - verheerende Folgen für die Wallstreet und die US-Wirtschaft nach sich gezogen. Ergo wurde eine gut geölte Propaganda-Maschine gegen die "Mittelmächte" (deutsches Kaiserreich und k. u. k. Monarchie) durch Wallstreet finanziert (Kreuzzug für Demokratie gegen die militaristisch-autoritären Monarchien der Mittelmächte).

Das Buch spiegelt die Meinung Bandulets, entsprechend wird er die verfügbaren Quellen ausgewertet und verarbeitet haben - doch dies ist kein Vorwurf, denn dies machen m. E. - bewusst oder unbewusst - auch die sog. "wertfrei forschenden Historiker". Egal jedoch, wie man zum "roten Faden" dieses Buches auch steht, eines hat Bandulet gut aufbereitet: Der 1. Weltkrieg war nicht der Auftakt zu einem neuen "Dreißigjährigen Krieg (1914 bis 1945)", wie dies Historiker (z. B. Hagen Schulze) oftmals anmerken, der polit-ökonomische " Krieg" begann viele Jahre eher.
Bandulets Buch stellt eine erfrischende Lektüre da, insbesondere gegenüber den "wissenschaftlichen Arbeiten", die sich der "von den Siegern diktierten oder bestimmten Geschichtsschreibung" ohne Widerspruch duldnerisch beugen.
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Auf gefährlichen Pfaden, 18. August 2014
Rezension bezieht sich auf: Als Deutschland Großmacht war: Ein Bericht über das Kaiserreich, seine Feinde und die Entfesselung des Ersten Weltkrieges (Gebundene Ausgabe)
Jetzt rezensiere ich ein Buch vom Koop Verlag. Damit bin ich generell als Rechter und NAtionalSOzialist gebrandmarkt.
Kainsmal und Stigmata inklusive. Bruno Bandulet verfasst ein äusserst unschönes Buch dass aber nicht an David Hoggans Ausarbeitung herran kommt. Trotzdem ist dieses Buch interessant um einmal auf eine andere Sichtweise der Ereignisse der letzten 100 Jahre zu schauen. Immer wieder frappierend ist nämlich das Datum des 23.12.1913 und des Federal Reserve Acts in Amerika bei dem diese amerikanischen Privatbanken den materiellen Gegenwert vom nominalen Geldwert entkoppelten. Ergo wir leihen euch als Staat Amerika Geld für die Vorbereitung zum Kriegseintritt was wir nur nominal künstlich erzeugen, was aber materiell mit NICHTS abgesichert ist. Durch Zins und Zinseszins schuldet der Staat Amerika sowieso später dieser Privatbank genügend Geld.
Denn Amerika "gehört" diesen Banken die zu Beginn nicht im Ansatz die Sicherheiten für die geliehenen Geldsummen gehabt haben. Deutschland und auch Preußen wussten es immer wie ein solider und konsolidierter Staatshaushalt auszusehen hat. Mit Tugend seine Verdammte Pflicht und Schuldigkeit zu tun hatte es man geschafft die Welt in einen unglaublichen schier unfassbaren Sozialneid zu bringen dessen Hass wahrlich erst 2 Weltkriege vom Zaun gebrochen hat. Im besonderen das "Geplänkel" um Thomas Edward Lawrence verdient dabei ein besonderes Augenmerk. Hier wird nämlich offensichtlich dass die vermuteten Protokolle sicherlich nur Fälschungen von etwas weit aus schlimmeren sind. Das reine und ehrliche und aufrichtige Wesen ergo die Mentalität der mittlerweile nur noch fragmental bestehenden Urbevölkerung dieses Landes hat seitens ihrer Mentalität niemals Lust auf Krieg gehabt. Und dieser Krieg beginnt im Geist. Und der Geist dieser Gewalt nahm bei den anderen Deutschland umgebenden Völkern deshalb so stark zu, weil bei Ihnen die Gewalt über den Geist schon komplett gar nicht mehr vorhanden gewesen zu sein scheint. Wohin uns diese Urkatastrophe für Europa führt, dass wird uns durch Gaza, Syrien und die Ukraine momentan nur all zu deutlich gemacht. Dies sind nicht die Auswirkungen von Begrifflichkeiten wie Schuld, Buße, Sühne.
Dies lässt sich nur mit Ursache & Wirkung sowie Impuls & Ort sowie mangelndem Mitgefühl, Empathie, und Einfühlungsvermögen erklären.
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7 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der erste Weltkrieg – so unvermeidbar wie der Dritte?, 9. März 2014
Rezension bezieht sich auf: Als Deutschland Großmacht war: Ein Bericht über das Kaiserreich, seine Feinde und die Entfesselung des Ersten Weltkrieges (Gebundene Ausgabe)
Das Buch beschreibt gut, wie es zum ersten Weltkrieg kam, und man spürt, dass Bruno Bandulet sich sehr bemüht, der Wahrheit auf den Grund zu gehen. Das ist nicht nur deswegen wohltuend, weil bislang die Schreiber von Geschichtsbüchern alle Fakten so selektiert und beschrieben, dass sie zur alliierten Siegerpropaganda passten, sondern insbesondere, weil die Gefahr eines dritten Weltkrieges noch nicht ausgeräumt ist und wir vielleicht doch noch rechtzeitig lernen könnten, wie das zu schaffen wäre. Bandulet rückt die Verantwortung für den Krieg weg von Wilhelm II und er zeigt deutlich, wie Wilhelm sogar versuchte, das Drama zu stoppen, aber wie all die verwandtschaftlichen Verbindung der Monarchien zwischen Deutschland, England und Russland den Krieg nicht aufzuhalten vermochten. Die Monarchen hatten längst nicht mehr das Sagen. Bandulet zeigt, wie die angelsächsische Presse Hass-Propaganda gegen Deutschland verbreitete und Churchill, sein Außenminister, der US-Präsident und die US-Banker den Krieg mit Deutschland gegen alle Friedensangebote durchsetzten.

Mir zeigt sich mit dem Buch ganz aktuell auch, dass den westlichen Demokratien wirkungsvolle moralisch-ethische Kontrollmechanismen völlig fehlten. Und noch fehlen. Im Fazit lässt das Buch mich nämlich ahnen, dass auch heute mit Syrien oder der Ukraine dasselbe Szenario von pressegesteuertem Hass und inszeniertem Krieg weiterhin möglich ist, denn die politischen Entscheidungsstrukturen in England und in den USA sind ja dieselben geblieben, und die politischen Figuren, die heute darin Ämter bekleiden, machen auf mich auch keinen besseren Eindruck als die Charaktere von damals.
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16 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen "Geschichte kann man immer aus verschiedenen Perspektiven erzählen.", 17. Februar 2014
Von 
Dr. R. Manthey - Alle meine Rezensionen ansehen
(#1 HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 50 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Als Deutschland Großmacht war: Ein Bericht über das Kaiserreich, seine Feinde und die Entfesselung des Ersten Weltkrieges (Gebundene Ausgabe)
Die historische Sicht auf den 1. Weltkrieg wurde in der Bundesrepublik lange sehr stark von den ideologisch geprägten Thesen des Hamburger Historikers Fritz Fischer und dessen Werk "Griff nach der Weltmacht" aus dem Jahre 1961 beeinflusst. Obwohl es auch schon früher massiven Widerspruch zu Fischers Thesen gab, brauchte es erst der Unterstützung namhafter ausländischer Historiker, um dem Streben nach einer den historischen Tatsachen besser entsprechenden Betrachtungsweise auch in Deutschland einen deutlichen Schub zu geben. Insbesondere Christopher Clarks Buch "Die Schlafwandler" spielte in jüngster Zeit dabei eine herausragende Rolle.

Bruno Bandulet vertritt nicht ganz die Haltung Clarks. Vielmehr behauptet er, dass Deutschland diesen Krieg nicht wollte, sondern England, Frankreich und Russland, die jeweils bilaterale Beistandsverpflichtungen eingegangen waren, aus verschiedenen Beweggründen den Konflikt provozierten. Ob bei einem so komplexen Ereignis tatsächlich Schuldfragen überhaupt endgültig zu entscheiden sind, erscheint mehr als fraglich. Und was hat es eigentlich für einen Sinn, eine solche Frage überhaupt beantworten zu wollen? Als viel sinnvoller erweist sich doch die Untersuchung, wie es überhaupt zu einem derart verheerenden Ereignis kommen konnte und ab wann sich die Entwicklungen nicht mehr aufhalten ließen und warum das so war.

Auf diese Fragen gibt Bandulets Buch interessante Antworten. Bei seinem Text handelt es sich nicht um eine mit unzähligen Quellen und Forschungsarbeiten unterlegte wissenschaftliche Arbeit, sondern eher um eine gut untermauerte Meinung, bei der man am Ende allerdings nicht ganz weiß, wie selektiv der Autor mit den Quellen umgegangen ist, um seine Haltung darzustellen. Sicher ist jedoch, dass man die innere Logik seiner Betrachtungsweise durchaus verstehen kann. Und die geht so:

Deutschland war zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine ökonomische Großmacht in Europa, die zunehmend Unbehagen und Widerwillen insbesondere in England und Frankreich hervorrief. Interessanterweise hat sich daran bis heute wenig geändert. Russland wiederum besaß eigene Interessen auf dem Balkan und befand sich in Konfrontation mit Österreich-Ungarn, das seinerseits mit dem Deutschen Reich verbunden war. England, so Bandulet, hatte sich in seiner Geschichte stets mit der jeweils ökonomisch mächtigsten europäischen Kontinentalmacht angelegt. Der phänomenale Aufstieg Deutschlands am Ende des 19. Jahrhunderts war der britischen Weltmacht ein gehöriger Dorn im Auge. Liest man den zahlreichen Aussagen englischer Politiker dieser Zeit, die Bandulet zitiert, dann erschien ein Krieg mit Deutschland ein unausweichliches Ereignis zu sein.

Warum der Autor seinem Buch diesen aus meiner Sicht etwas irreführenden Titel gab, blieb mir auch nach dem Lesen ein Rätsel, denn darum geht es in diesem Text überhaupt nicht. Der Untertitel ("Ein Bericht über das Kaiserreich, seine Feinde und die Entfesselung des Ersten Weltkrieges") spiegelt den Inhalt dagegen sehr treffend wider. Zunächst beschreibt der Autor das damalige Europa und die herrschende Stimmung. In einem zweiten Kapitel widmet sich Bandulet der Bismarkschen Außenpolitik und dem Platz Russlands in der Sichtweise des Reichskanzlers.

Nach Bismarcks Abgang betraten Männer die politische Bühne Deutschlands, die ihren Aufgaben und der komplizierten geopolitischen Lage Deutschlands nicht gewachsen waren. Bandulet kommentiert diese unglückseligen Entwicklungen immer wieder in den folgenden Kapiteln. In ihnen geht es zunächst um die damaligen Beziehungen zwischen Deutschland und England, um die Kolonialfrage und die weltpolitischen Ambitionen der beiden Mächte. Danach befasst sich der Autor mit der deutschen Flotte und der Rolle des Alfred von Tirpitz. Interessant sind die Zahlen über tatsächlichen Flottenstärken der Weltmächte, die Bandulet in diesem Abschnitt anführt.

Das folgende Kapitel ("Österreichs Feinde und das Vorspiel zum Krieg") schildert die damalige explosive Lage auf dem Balkan und Russlands Ambitionen in diesem Teil Europas. Die letzten beiden Kapitel erzählen vom Weg in die Kriegskatastrophe, dem Kriegsverlauf und betrachten die für alle europäischen Staaten tragischen Folgen dieser die nächsten Jahrzehnte beeinflussenden Auseinandersetzungen.

Wenn man Bandulets Buch liest, dann wird klar, wie schnell es in einer aufgeheizten politischen Situation zu einer nicht mehr zu stoppenden Kettenreaktion kommen kann, die (wie in diesem Fall) damals unvorstellbar katastrophale Folgen für die kommenden Jahrzehnte implizierte, denn der 1. Weltkrieg war das Schlüsselereignis für ein ganzes folgendes Jahrhundert.

Ohne den von der amerikanischen Hochfinanz unter Führung von J.P. Morgan provozierten Kriegsteileintritt der USA wäre es, so Bandulet, zu anderen Kriegsergebnissen gekommen. So richtig dies wohl ist, so nutzlos scheint es, über die eventuellen Folgen zu spekulieren. Im Übrigen entdeckt man an dieser Stelle in Bandulets Text Teile der deutschen Friedensbedingungen, die im Januar 1917 der US-Regierung übermittelt wurden. Deutschland fordert dort "Koloniale Restitution in Form einer Verständigung, die Deutschland einen seiner Bevölkerungszahl und seiner wirtschaftlichen Interessen entsprechenden Kolonialbesitz sichert."

Diese ambitionierte Forderung passt nicht ganz zu Ausführungen des Autors an früherer Stelle, sondern zeigt, dass das Deutsche Reich sehr wohl koloniale Interessen besaß und diese auch durchsetzen wollte. Hier könnte man auf die Vermutung kommen, dass der Autor die historischen Tatsachen möglicherweise nicht ganz adäquat beleuchtet. Das ändert aber nichts daran, dass sein Buch eine interessante Lektüre ist, die sich einer einseitigen und von den Siegern bestimmten Betrachtungsweise der Rolle Deutschlands in dieser Zeit entgegenstellt.
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5.0 von 5 Sternen nicht nur für Historiker und historisch Interessierte, 3. Mai 2014
Rezension bezieht sich auf: Als Deutschland Großmacht war: Ein Bericht über das Kaiserreich, seine Feinde und die Entfesselung des Ersten Weltkrieges (Gebundene Ausgabe)
„Der Krieg, der alle Kriege beenden soll“, so wurde der 1. Weltkrieg von Zeitgenossen bezeichnet und doch führte direkt und indirekt zu viel schrecklicheren Dingen und wirkt sich dementsprechend auch noch auf das Jetzt aus. Dadurch, dass Deutschland in der Form des Deutschen Reiches damals eine große Rolle spielte, ist der 1. Weltkrieg und wie es dazu kam und wie er geführt wurde, immer noch ein interessantes Thema, das nicht nur in der Schule nach wie vor Thema ist, sondern auch regelmäßig Sendeplätze in Form von Reportagen oder in Filmen erhält.

Mit seinem „Bericht über das Kaiserreich, seine Feinde und die Entfesselung des Ersten Weltkriegs“ widmet sich Dr. Bruno Bandulet, der unter anderem der Chef vom Dienst der Tageszeitung Die Welt und Referent für die CSU-Landesleitung war, aber auch Kolumnist der kritisch zu betrachtenden Wochenzeitung Junge Freiheit ist, diesem hochinteressanten Thema und verspricht eine zwar nicht total neue Sicht auf das Geschehen um den Ersten Weltkrieg aber doch eine, die sich eher den Motiven aller Kriegsparteien widmet als nur dem Verhalten und den Motiven einer Kriegspartei, was meistens die Deutsche Seite ist und war.

Kaum aufgeklappt begrüßt uns im Einband eine Karte des Deutschen Reichs von 1871-1918 die, obwohl schwarz-weiß, doch dessen Ausmaße deutlich macht. Nach der Karte begrüßen ein detailliertes und viel versprechendes Inhaltsverzeichnis - uns erwarten sieben große Kapitel, ein Vorwort und die wissenschaftlich zwingend erforderlichen Inhalte am Ende, wie Endnoten, Literatur- und Bildquellenverzeichnis – und eine Liste aller handelnder Personen.
Den Anfang macht, wie kaum anders zu erwarten, das Vorwort, in dem Dr. Bandulet nicht nur begründet, wieso er nun so ein Buch schreibt, sondern auch andere Historiker und deren Theorien nennt, bevor er deutlich macht, dass viele Dinge, die damals zum Krieg führten heute immer noch reale Probleme sind, auch wenn natürlich die Gefahr eines Weltkrieges nicht so groß ist wie damals.

Der eigentliche Einstieg ins Buch ist das Kapitel über die Länder des alten Europas inklusive Deutschland und die Regierungen und Machthaber der Länder. In diesem Kapitel wird deutlich, dass Europa enger verbunden war als man es vermuten würde, wenn man die Verflechtungen des Adels nicht kennt. So sind der König von England, der Kaiser von Deutschland und der Zar enge Verwandte und sogar Freunde. Trotz all dieser Freundschaften, gibt es aber genug Dinge, die die Länder der Herrscher entzweien.
Das zweite Kapitel wirft einen Blick auf den mächtigsten Mann im Deutschen Reich, Bismarck, der mit seiner Politik das Reich zusammenhält und dem es gelingt Frankreich zu isolieren und Deutschland durch Bündnisse in eine gute Ausgangslage zu bringen. Leider muss er dann Bord gehen und die Geschichte um die Isolation Deutschlands nimmt ihren Lauf.
Genau dort geht es im nächsten Kapitel weiter, denn Deutschland wird immer isolierter und die Marokko-Krisen und auch die vermuteten wahren Pläne Englands offenbaren sich langsam.
Ein weiteres Thema, das immer wieder als Argument für die Provokation Deutschlands herangezogen wird und dem das nächste Kapitel auch gewidmet ist, ist die Flottenpolitik. In diesem Kapitel widmet sich der Autor den unbegründeten Ängsten der Engländer, die ein Wettrüsten verursachten, das Deutschland nie gewinnen konnte und wohl auch gar nicht wollte. Doch ein weiterer Tropfen war ins Fass gefallen.
Der Tropfen, der von vielen als der Tropfen gilt, der das Fass zum Überlaufen brachte, war der Mord in Sarajewo durch Terroristen. Dieser Mord, der eigentlich verhindert hätte werden können, löste eine Kettenreaktion aus, die schlussendlich im Ersten Weltkrieg gipfelte. Vom Blankoscheck der Deutschen, über die haltlosen Forderungen der Österreicher und dem Wissen der Serben, all das wird beleuchtet.
Die Katastrophe konnte dann zwar immer noch verhindert werden, aber so richtig hatte daran keiner mehr Interesse. Chancen gab es einige, sogar bis zur letzten Minute, aber keine Einigung mehr. Genau darauf und auf den Kriegsbeginn und das Scheitern des Feldzugs im Westen sind Themen des vorletzten Kapitels.
Das letzte Kapitel widmet sich dem Weg der Deutschen Niederlage. Mit den Meutereien, dem Sieg im Osten und dem Eintritt der USA, der einen deutlich besseren Waffenstillstand und vielleicht Friedensvertrag verhinderte. Die Gründe für den Kriegseintritt der USA sind, laut Autor, sehr simpel, es dreht sich, anders als in aktuellen Kriegen nicht um Öl, sondern um Geld. Dieser Grund führt schließlich zum Vertrag von Versailles, der wiederum zum Zweiten Weltkrieg führte.
Es folgen, neben den schon genannten wissenschaftlichen Dingen wie Endnoten, dem Literatur- und Bildquellenverzeichnis auch ein Personenregister, eine Karte Europas, ebenfalls und as Jahr 1914 herum, und eine Chronik, die in Kurzform alle wichtigen Ereignisse nennt, und die insgesamt das Buch wirklich gut abschließen.

Es ist die Aufgabe des Historikers Geschichte auf Basis von Quellen zu deuten, mehr kann er nicht, denn mehr als eine Deutung vergangener Ereignisse ist schlichtweg nicht möglich. Genau das macht Dr. Bandulet, er deutet, mit Quellen, die Hintergründe des Ersten Weltkrieges. Dabei geht er auch auf andere Deutungen ein, insbesondere au die Fischer-Kontroverse und auch den Deutungen von Historikern aus anderen Ländern, die die Geschichte Deutschlands, durchaus begründet, auch etwas anderes betrachten als es deutsche Historiker tun. Trotz kritischem Blick, weil der Autor eben für eine kritisch zu betrachtende Zeitung schreibt, konnte ich an seiner Deutung keine Fehler finden. Natürlich hat er einige Quellen, die anderen Historikern wichtig waren, außen vor gelassen, aber genau so, haben diese anderen Historiker Quellen vernachlässigt. Deshalb, und auch, weil das Buch unterhaltsam geschrieben und mit Dingen, die man so vielleicht bisher nicht wusste, ausgestattet ist, bin ich vom Buch sehr begeistert. Etwas, das mich ganze besonders überrascht hat, waren die Bezüge zum aktuellen Terrorismus und den aktuellen Problemen, die der Autor scheinbar im Januar 2014 schon vorhergesehen hat. Die Bilder, die verwendet werden sind quasi die Kirsche auf der Sahne und machen das Buch optisch und inhaltlich wirklich zu einem richtig guten Buch.

Fazit:
Mit seiner Deutung der Ereignisse die zum Ersten Weltkrieg führten und auch dem Blick auf die ähnlichen Ereignisse in der heutigen Zeit, ist das Buch „Als Deutschland Großmacht war“ nicht nur für Historiker und historisch Interessierte, sondern auch für andere Leseratten absolut zu empfehlen. Man erhält eine neue Sicht auf die Dinge, die zu einem schlimmen Krieg mit noch schlimmeren Folgen führte.

Rezension © 2014 by Martin Wagner für BookOla.de
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