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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das große Gleiche mit den kleinen Unterschieden, 7. Oktober 2012
Von 
timediver® "Geschichte - Reisen - Rezensionen" (Oberursel/Taunus, Europe) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (HALL OF FAME REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: China: Ein Länderporträt (Diese Buchreihe wurde ausgezeichnet mit dem ITB-Bookaward 2014) (Broschiert)
"China: Ein Länderporträt" ist die zweite, stark aktualisierte Auflage des im April 2008 ebenfalls im Berliner Ch. Links Verlages erschienenen Bandes "China mittendrin. Geschichte, Kultur, Alltag". Auch bei der Neuauflage hat der studierte Germanist, Historiker und Sinologe die strukturelle Gliederung "seines China" in acht Themen (Kapitel) beibehalten. Der seit 1992 in China und seit 1998 in Shanghai lebende Autor räumt in seinem Vorwort ein, dass es sich dabei um ein bewusst subjektive Auswahl handelt, bei der auch Lücken angesichts der der gebotenen Kürze und Komplexität der Einzelthemen nicht zu vermeiden gewesen waren....

Dem ersten Kapitel wurden eine Tabelle mit vergleichen Basisdaten Chinas, Deutschlands und der Europäischen Union sowie eine Landkarte der Volksrepublik China mit ihren Provinzen, autonomen Gebieten, regierungsunmittelbaren Städten, Sonderverwaltungen und den angrenzenden Nachbarstaaten vorangestellt. Eine kleinere Karte mit der größeren Umgebung von Shanghai offenbart zusammen mit dem Buchcover, welches den 468 Meter hohen Oriental Pearl Tower zeigt, einmal mehr Marcus Hernigs besonderes Faible für Shanghai (deutsch: Oberes Meer), die er auch als "seine Stadt" bezeichnet.

Den Menschen, Ausländern und Einheimischen, die in China zusammenleben und das Land zusammen erleben möchten, gebührt nach Ansicht des Autor jedoch ein Ehrenplatz, den er ihnen in den beiden ersten und längsten Kapiteln eingeräumt hat. Seine Schilderungen, in der eigene Erfahrungen, aktuelle Fakten und historische Aspekte eingeflossen sind, beginnt Hernig daher mit der Ankunft eines Ausländers (Laowai = alt außen) im Reich der Mitte. Weitere Abschnitte befassen sich mit dessen interkulturellen Erfahrungen, Erstaunen, Arbeitsalltag, Karriere und Schicksal. Bis 1994 hatten Ausländer das "Vorrecht", mit den "Foreign Exchange Certificates" höhere "Laowai-Preise" bezahlen zu dürfen. Viele bisher verplante, abgesicherte und in der Routine verhaftete Deutsche werden von der deutschen Antithese aus Planlosigkeit, Luftschlossarchitektur, täglichen Überraschungen und der Spannung wie es am nächsten Tag weitergehen soll sowie einer Egomanie bis hin zur Besessenheit gepaart mit den herausfordernden Chancen zum privaten und beruflichen Neuanfang schier überwältigt. Der Begriff für die Einheimischen "(lao)Baixing" ist mit "hundert (alte) Familiennamen" zu übersetzen, die natürlich für ein Milliardenvolk viel zu wenige sind. Zur individuellen Unterscheidung ist man daher bei den Vornamen recht einfallsreich. Bevorzugt werden dabei Namen, die mit Erfolg und reich werden zusammenhängen, wie Guanchu (der Erste), Champion oder Nokia. Nach einer differenzierten Erörterung der ethnischen Minderheiten von Xinjiang, Tibet usw. wird am Beispiel Taiwan eine pragmatische, auf beiderseitigem Nutzen basierte ökonomische Entwicklung (Win-Win-Situation) als typisch chinesisch aufgezeigt. In weiteren Abschnitten wird der Begriff "Die Gelben" hinterfragt und soziologische Aspekte, die nach wie vor von konfuzianischen Idealen geprägt sind, erörtert. Alle zwischenmenschlichen Beziehungen beruhen auf die Harmonie des Gebens und Nehmens.

Kapitel drei ist der über 4000jährigen kontinuierlichen Geschichte und der unterschiedlichen Politik Chinas gewidmet, zu der auch die Kolonialzeit und die großen Sprünge ins 21. Jahrhundert gehören. Der gnadenlose, bereits in der Vorschule beginnende und auf Bildung gestützte Konkurrenzkampf, der chinesische Geldgott (inkl. Produktpiraterie), Reisen durchs Land sowie Speise und Trank sind die nächsten Kapitel gewidmet. Beim "Totalphänomen Essen" steht die "Balance des Bauches" im Mittelpunkt. Trotz des Glückes einer gesunden Verdauen gibt es jedoch auch Tischsitten und zum "Glück des Teetrinkens" gehört es, diesen alleine zu genießen. Nachdem sich das letzte Kapitel mit den urbanen Metropolen - insbesondere Shanghai mit seinem 1920er Jazz und längsten U-Bahnnetz der Welt - befasst und einen Ausblick gibt, bietet ein Anhang neben Anmerkungen und einem Literaturverzeichnis noch ein deutsch-chinesisches Glossar...

...welches timediver® bei seiner China-Reise im Juni 2012 sehr nützlich gewesen wäre. Obgleich etwas "Shanghai-lastig" kann Hernigs Länderporträt als solide Einführung empfohlen und mit fünf Amazonsternen bewertet werden.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Inside China, 7. Februar 2013
Von 
Volker M. - Alle meine Rezensionen ansehen
(HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 10 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: China: Ein Länderporträt (Diese Buchreihe wurde ausgezeichnet mit dem ITB-Bookaward 2014) (Broschiert)
Ich kenne China recht gut, reise seit über 20 Jahren regelmäßig (als Individualtourist) dort hin und habe nahezu jedes "Ich in China"-Buch gelesen, das es in deutscher Sprache gibt. Eigentlich dachte ich, es gibt nicht mehr viel, das mich überraschen könnte. Bis ich das Buch von Marcus Hernig in die Hände bekam.
Dieses Buch hat mich vom ersten Kapitel an begeistert. Nicht nur, dass Marcus Hernig eine sehr klare, schnörkellose Art der Darstellung hat, was mich besonders beeindruckt hat, ist die ausgesprochen differenzierte Analyse, die keine der üblichen Stereotypen bedient. China ist nicht gut oder böse. China ist einfach nur anders. In unseren Wertmaßstäben ist das Land mit allen Grautönen ausgestattet, die man sich nur vorstellen kann.

Alleine schon, wie elegant Hernig das leidige Thema Tibet (oder auch Xinjiang) beleuchtet, das verdient ungeteilte Anerkennung. Er stellt sich weder auf die Seite des Westens, noch auf die der Zentralregierung, sondern beschreibt beide Sichtweisen auf eine Art, dass man am Ende beiden Recht geben möchte. Oder seine Erklärung des Guanxi-Prinzips. Aus westlicher Sicht eine ungeschminkte Form der Korruption, aus chinesischer Sicht eine lange Tradition zur Festigung sozialer Systeme. Machen wir uns nichts vor: Die alten Römer betrieben eine Form des Guanxi, die weit über heutige chinesische Übungen hinausgeht... auch wir haben also solche Traditionen, nur das sie in den Untergrund abgewandert sind.
Während wir Taiwan und Festlandchina als unversöhnlich einander gegenüberstehende Blöcke wahrnehmen, ist das in China völlig anders. Und zwar auf beiden Seiten.

Hernig, der übrigens die große Dokumentarin der chinesischen Revolution Eva Siao noch persönlich kennengelernt hat, stellt die Menschen in den Mittelpunkt. Das hat ihm Eva Siao schon geraten. Heute ist Hernig mit einer Chinesin verheiratet, lebt seit über 20 Jahren in Shanghai und ist im besten Sinne das, was man "integriert" nennt. Trotzdem ist er ein präziser Beobachter geblieben, der offenbar eine sehr feine Antenne für Befindlichkeiten hat. Selten habe ich eine so informationsdichte, transparente Analyse der Chinesen und ihres Alltags gelesen, selten so viele neue Details erfahren, wie in diesem Buch. Hernig geht dabei auch offen kritisch mit chinesischer Propaganda um, wenn er zum Beispiel den Mythos "5000 Jahre Geschichte" demontiert, übertriebenen Nationalismus geißelt oder die gefährliche soziale Schieflage zwischen Stadt und Land thematisiert. Es ist beileibe nicht alles Gold, was in China golden glänzt. Marcus Hernig blickt eben auch in die Schmuddelecken. "Ein Länderportrait" steht passenderweise, wenn auch etwas trocken auf dem Titel, der Inhalt aber ist alles andere, nur nicht trocken: Lebendig geschrieben, kenntnisreich und humorvoll.

Eine Empfehlung für alle, die einen authentischen Blick hinter den roten Vorhang werfen wollen. Und wer glaubt, er wüsste schon alles über China, dem sei das Buch ganz besonders empfohlen.
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China: Ein Länderporträt (Diese Buchreihe wurde ausgezeichnet mit dem ITB-Bookaward 2014)
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