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Am 11.11.1918 unterzeichnete der Zentrumspolitiker Matthias Erzberger in nahe Compiègne in einem Salonwagen den Waffenstillstandsvertrag. Während damit der Erste Weltkrieg in Europa ein Ende gefunden hatte, setzte die von Generalmajor Paul v. Lettow-Vorbeck geführte deutsch-ostafrikanische "Schutztruppe" ihr Katz- und Mausspiel mit den haushoch überlegenen alliierten Truppen fort. Erst zwei Wochen später, am 25. November, musste schließlich auch Lettow-Vorbeck "in strategisch günstiger Lage" aufgrund eines Befehls aus Berlin im heutigen Sambia die Waffen strecken.....

.....und beendete damit die - im Vergleich zu den anderen europäischen Mächten - mit 34 Jahren recht kurze Kolonialgeschichte des Deutschen Kaiserreiches und schuf - ungeachtet der kolonialen Gräuel, wie den Völkermord an den Herreros in Deutsch-Südwest-Afrika - einen Mythos der bis heute überlebt hat.

Mit "Deutschland jenseits des Äquators? - Die NS-Kolonialplanung für Afrika" ist im September 2008 der nunmehr neunte Band der Reihe "Schlaglichter der (deutschen) Kolonialgeschichte erschienen. In einer Einleitung "Afrika als Option" und einer Landkarte des zentralafrikanischen Raumes wird nicht nur der Kolonialrevisionismus, sondern der darüber hinausgehende Traum von einem mittelafrikanischen Kolonialgebilde, das zum Nachteil Belgiens und Frankreichs die ehemaligen deutschen Gebiete (außer Togo) miteinander verbinden sollte, vorgestellt. Die sieben folgenden Kapitel bieten eine umfangreiche und differenzierte Darstellung der kolonialen Bestrebungen bis zum Ende des zweiten Weltkrieges. Beginnend bei der "Kolonialschuldlüge", dem Kolonialrevisionismus und dem Rassismus der Weimarer Republik erfolgt in den Jahren 1933 bis 1936 schließlich auch eine Nazifizierung der Kolonialbewegung. Traditionsreiche Institutionen werden neu organisiert und im "Reichskolonialbund" gleichgeschaltet. Als Symbol für den "RKB" wurde die Flagge des einstigen Deutschen Ordens mit einem "Kreuz des Südens" auf rotem Grund im unteren Liek ergänzt. Die "Afrikanische Frucht-Comagnie" schickt als Vorposten "deutsche Kamerun Bananen" die Mitte der 30er Jahre im Hamburger Hafen eintreffen. Schwarze Deutsche unterliegen einer staatlichen Kontrolle und werden allenfalls geduldet. Die restriktive Politik gegenüber ehemaligen Askaris und anderen Afro-Deutschen aus den ehemaligen Kolonien wird mit der Abbildung eines Fremdenpasses des Polizeipräsidiums Berlin von 1940 visualisiert. Durch konkrete Vorbereitungen von "Kolonialrecht", der Ausbildung von Kolonialärzten, Frauen in einer speziellen Kolonialschule, einer Kolonialpolizei und einer hamburgerischen Kolonialuniversität erfahren die NS-Pläne eine Konsolidierung. Daneben gibt es einen Vierjahresplan für Kolonialprodukte, die "Arbeiterfrage" und Rassentrennung erfährt eine Ausdifferenzierung. Zwischenzeitlich war auch ein erhöhter Bedarf an Rohstoffen enstanden, den man in Afrika zu decken hoffte. Der Kriegsbeginn 1939 bedeutet eine Zäsur, denn deutsche Kolonialfirmen werden in den "Osteinsatz" umgeleitet Und "die Rücksichtnahme auf Schwarze in Deutschland" erfährt ein jähes Ende.

Nach dem Sieg des NS-Staates über Frankreich und der damit verbundenen neu entflammten Kolonialeuphorie wollen sich Hitler und Mussolini Afrika untereinander aufteilen. Es gab hochtrabende Pläne Handel und Wandel, Land- und Forstwirtschaft, eine Modernisierung der kolonialen Infrastruktur usw. In dieser Zeit wurde auch der "Madagaskar-Plan" zur Deportierung der Juden auf die Insel im indischen Ozean belebt. Der Untergang der 6. deutschen Armee in Stalingrad läutete neben der Niederlage des sogenannten "Dritten Reiches" schließlich auch das Ende all seiner kolonialen Bestrebungen ein.

Eine angemessene Anzahl von sw-Fotos und auf grauem Grund abgesetzte Portraits der wichtigsten Personen im Zusammenhang mit den kolonialen Bestrebungen (Franz Xaver Ritter von Epp, Willi Ganssauge, Franz Heske u. a. mehr oder weniger in dem NS-Staat Verstrickte) sind in die Kapitel eingefügt. Beindruckend sind 33 (!) Seiten, Anmerkungen/Fußnoten/Quellen, die der promovierte Historiker Karsten Linne. Ein Abkürzungsverzeichnis, "Ungedruckte Quellen" (Verzeichnis genutzter Archive), ein Literaturverzeichnis, ausgewählte Literatur, sowie ein Personenregister bilden den Abschluss einer gelungenen wissenschaftlichen Arbeit über ein eher weniger bekanntes, anachronistisches und rassistisches Randgeschehen deutscher Geschichte. 5 Amazonsterne.
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