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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Nicht an jedem Tag ordnet sich die Welt zu einem Gedicht." (Stevens), 4. September 2007
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kpoac - Alle meine Rezensionen ansehen
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Rezension bezieht sich auf: Einflussangst: Eine Theorie der Dichtung (Taschenbuch)
"Kritik ist die Kunst, die geheimen Wege,
die von Gedicht zu Gedicht gehen, zu erkennen."
(Harold Bloom)

Bloom, ein profunder Kenner der Literatur, emeritierter Professor aus Yale und Autor bedeutender Bücher über Shakespeare und die genuinen Menschen dieser Literatur-Welt, schickt sich an, aus der Sicht der Psychologie, Einfluss zu erkennen und dessen Angst auf den Nachfolger zu deuten. Er steht, wenn man will, an der Weggabel mit Laios und Ödipus und wird feststellen, dass der Sohn dem Vater auch im dichterischen Sinn den Garaus machen möchte. "Leben für ihn, wäre Tod für mich", ist die beredte Aussage Keats über Milton und stellt das Dilemma prägnant und distinkt dar. Als wenn es ein Wunder war, im Vater zu sein, ohne ihn zu kennen, kämpfen Dichter um ihre eigene Bedeutung und reiben sich am Vorgänger. Doch ein Kampf, der offensichtlich ist, ist einer zugestimmten Vereinahmung gleich und verzichtet auf den Selbstwert. Im Sinne des Solipsismus ist aber genau dieser zu entdecken, dass eigene Ich muss für den Dichter zum uneingeschränkten Zentrum seines Wirkens werden. Dass dabei Angst, Verdrängung im Sinne Freuds im Spiel ist, weiß Bloom bestens zu zeigen. Er zeigt, dass ein großer Zuchtmeister, wie in Stevens Gedicht "An Ordinary Evening in New Haven" Beweise bringen kann, dass die Theorie der Dichtung die Theorie des Lebens ist. Er weiß von starken Dichtern zu berichten, die ihr eigenes Ich im Vordergrund ohne Beeinflussung haben stehen lassen können. Milton ist so einer, vielleicht noch Blake, der jedoch in der vehementen Umkehr gehen seine Vorgänger genau in diesem Zuge Einfluss erkennen lässt. Sonst ist es Goethe oder Emerson, vielleicht Hugo.
In seiner Interpretation, in seiner Gedankenfülle lässt er sich begleiten von Menschen wie Freud, Nietzsche und letztendlich der Bibel. Die Frage der großen Vorbilder beginnt sicherlich dort, wo Menschen wie Jesaja oder Paulus ihre Spuren legten. Erhabene in Folge wie Homer, Shakespeare oder Milton sind für ihn "untouchables", weil sie ihre Festigkeit des Könnens und des Willens uneingeschränkt gezeigt haben. Sie hatten Konkurrenz und Vorgänger, doch ohne Einfluss.

Ob nun, wie Borges meint, die Dichter ihre Vorgänger erschaffen oder ob die Dichter sich an den realen Vorgängern reiben, ist letztendlich egal. Fest scheint zu stehen, dass deren Element der Wettbewerb a la Keats ist, dem Vorgänger für die zukünftige Geschichte ein Ende zu setzen. "Wo es, dass Gedicht des Vorgängers, ist, soll mein Gedicht sein", dass ist die rationale Formel eines starken Dichters.

Und wer es nicht schafft, spürt dieses Unbehagen, ist bedrängt von einem Deckenden Cherub, der den Osten des Paradieses, den Baum des Lebens bewacht (Genesis 3,24) und den Dichter in den Untiefen der Kunst hält. Aber das dichterische Pathos führt zu einer Erhebung, wie sie von Keats in The Fall of Hyperion belegt ist:

Als ich meine Hände schlug, spürte ich sie nicht.
Kurz vor dem Tod berührte mein vereister Fuß
Die unterste Stufe; und als er sie berührte schien
Das Leben an den Zehen einzuströmen.

Poesie ist Kampf und ist Hoffnung. Am Ende der Leiter beginnt das Leben von vorn. Und wer sieht, wo das Auge ohne Einschränkung dominiert, wird sich auf sein Selbst konzentrieren. Das Emersonsche Ich war nur verbunden mit dem Nicht-Ich, der Natur. Emerson kennt nur den Solipsismus, sein Ich und er nimmt nur die mit hinein, die dieses Ich stärken oder gar vollenden. Ein starker Dichter. Ein Dichter in der Revolte, wenn man so will, der übertragen nach Camus im gleichnamigen Werk erkennt, dass "die Vernichtung des Alten zugleich Zeugung der [eigenen] Zukunft ist". "Was ist die Welt?" fragte Hofmannsthal im gleichnamigen Vers. Eben "ein ewiges Gedicht" und dieses ist nur zu schaffen, wenn die Eigenheit über die der anderen Dichter gewinnt, verbunden einem "Geist der Gottheit strahlt und glüht" und der gewinnend ist, "ein Vers, der sich an tausend andere ficht."

Was ist die Botschaft? Alles ist eins, wie Rilke mal sagte. Alles hängt zusammen, in der Verdrängung wie in der Kooperation. Dieses Buch, ein kurzes, ist voller Ideen und Zusammenhänge. Man lernt die europäischen wie die amerikanischen Dichter kennen, ihre Folgen und ihre Beeinflussung. Und alles über die Kreativität von Einfluss und Angst. Es zeigt die geheimen Wege dazwischen, um zu erkennen.

"Eine Topographie des Fehllesens" (Bloom) und die entsprechende Rezension können einen weiteren Einblick geben. Dort geht es um ein erneutes Betrachten im Nachhinein, eben um Revisionismus.
Empfehlenswert. Beide Werke.

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11 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Meisterwerk über Einfluss und Abgrenzung in der Dichtung, 19. Dezember 2001
Rezension bezieht sich auf: Einflussangst: Eine Theorie der Dichtung (Taschenbuch)
Dieses ist ein wunderbares Buch, das ich zu Weihnachten den philosophisch und künstlerisch geneigten Töchtern auf den Gabentisch legen werde. Gelesen habe ich das Original, doch gehe ich davon aus, dass die Übersetzung mindestens in Ordnung sein wird.
Was macht dieses Buch für wen so wunderbar? Ich fange mit dem banalsten an:
1. Dieses Buch ist kurz. Ein kleines Bändchen nach dem Ideal "lieber kurz und gehaltvoll als lang und flach". Der Buchmarkt scheint solche Bücher nicht sehr zu lieben, aber hier ist eins.
2. Man muss das Büchlein nicht einmal ganz lesen, um es ganz zu genießen. Der deutsche Leser wird - es sei denn, er wäre Profi (z.B. Anglist) - viele literarische Bezüge kaum oder garnicht kennen. Das macht nichts. Lesen Sie das dem Text vorangestellte Zitat. Lesen Sie das erste Kapitel genau. Gehen Sie in Gedanken gelegentlich zum Zitat zurück. Der Rest erschließt sich im Hummelflug.
3. Der Autor hält es mit Lichtenberg: "wer nur die Chemie versteht, versteht auch die nicht recht". Er versteht sein Thema, obwohl konkret, nicht nur im engen Sinne und erschließt sich nicht nur Fachspezialisten.
4. Das vorangestellte Zitat lautet:
"... some day a greater poet than I will show that the theory of poetry is, in fact, the theory of life itself..." (Stevens).
Das ist Harold Bloom, dem Dichter, gelungen.
5. Auch für Menschen empfohlen, die sich für die Entstehung von Theorien und Trends (z.B. in Wissenschaft und Wirtschaft) interessieren, wenn ihnen ein dichterischer Zugang nicht fern liegt.
Alles in Allem - ein großes, bewegendes Werk.
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1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Nicht an jedem Tag ordnet sich die Welt zu einem Gedicht." (Stevens), 24. Februar 2008
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Rezension bezieht sich auf: Einflussangst: Eine Theorie der Dichtung (Taschenbuch)
"Kritik ist die Kunst, die geheimen Wege,
die von Gedicht zu Gedicht gehen, zu erkennen."
(Harold Bloom)

Bloom, ein profunder Kenner der Literatur, emeritierter Professor aus Yale und Autor bedeutender Bücher über Shakespeare und die genuinen Menschen dieser Literatur-Welt, schickt sich an, aus der Sicht der Psychologie, Einfluss zu erkennen und dessen Angst auf den Nachfolger zu deuten. Er steht, wenn man will, an der Weggabel mit Laios und Ödipus und wird feststellen, dass der Sohn dem Vater auch im dichterischen Sinn den Garaus machen möchte. "Leben für ihn, wäre Tod für mich", ist die beredte Aussage Keats über Milton und stellt das Dilemma prägnant und distinkt dar. Als wenn es ein Wunder war, im Vater zu sein, ohne ihn zu kennen, kämpfen Dichter um ihre eigene Bedeutung und reiben sich am Vorgänger. Doch ein Kampf, der offensichtlich ist, ist einer zugestimmten Vereinahmung gleich und verzichtet auf den Selbstwert. Im Sinne des Solipsismus ist aber genau dieser zu entdecken, dass eigene Ich muss für den Dichter zum uneingeschränkten Zentrum seines Wirkens werden. Dass dabei Angst, Verdrängung im Sinne Freuds im Spiel ist, weiß Bloom bestens zu zeigen. Er zeigt, dass ein großer Zuchtmeister, wie in Stevens Gedicht "An Ordinary Evening in New Haven" Beweise bringen kann, dass die Theorie der Dichtung die Theorie des Lebens ist. Er weiß von starken Dichtern zu berichten, die ihr eigenes Ich im Vordergrund ohne Beeinflussung haben stehen lassen können. Milton ist so einer, vielleicht noch Blake, der jedoch in der vehementen Umkehr gehen seine Vorgänger genau in diesem Zuge Einfluss erkennen lässt. Sonst ist es Goethe oder Emerson, vielleicht Hugo.
In seiner Interpretation, in seiner Gedankenfülle lässt er sich begleiten von Menschen wie Freud, Nietzsche und letztendlich der Bibel. Die Frage der großen Vorbilder beginnt sicherlich dort, wo Menschen wie Jesaja oder Paulus ihre Spuren legten. Erhabene in Folge wie Homer, Shakespeare oder Milton sind für ihn "untouchables", weil sie ihre Festigkeit des Könnens und des Willens uneingeschränkt gezeigt haben. Sie hatten Konkurrenz und Vorgänger, doch ohne Einfluss.

Ob nun, wie Borges meint, die Dichter ihre Vorgänger erschaffen oder ob die Dichter sich an den realen Vorgängern reiben, ist letztendlich egal. Fest scheint zu stehen, dass deren Element der Wettbewerb a la Keats ist, dem Vorgänger für die zukünftige Geschichte ein Ende zu setzen. "Wo es, dass Gedicht des Vorgängers, ist, soll mein Gedicht sein", dass ist die rationale Formel eines starken Dichters.

Und wer es nicht schafft, spürt dieses Unbehagen, ist bedrängt von einem Deckenden Cherub, der den Osten des Paradieses, den Baum des Lebens bewacht (Genesis 3,24) und den Dichter in den Untiefen der Kunst hält. Aber das dichterische Pathos führt zu einer Erhebung, wie sie von Keats in The Fall of Hyperion belegt ist:

Als ich meine Hände schlug, spürte ich sie nicht.
Kurz vor dem Tod berührte mein vereister Fuß
Die unterste Stufe; und als er sie berührte schien
Das Leben an den Zehen einzuströmen.

Poesie ist Kampf und ist Hoffnung. Am Ende der Leiter beginnt das Leben von vorn. Und wer sieht, wo das Auge ohne Einschränkung dominiert, wird sich auf sein Selbst konzentrieren. Das Emersonsche Ich war nur verbunden mit dem Nicht-Ich, der Natur. Emerson kennt nur den Solipsismus, sein Ich und er nimmt nur die mit hinein, die dieses Ich stärken oder gar vollenden. Ein starker Dichter. Ein Dichter in der Revolte, wenn man so will, der übertragen nach Camus im gleichnamigen Werk erkennt, dass "die Vernichtung des Alten zugleich Zeugung der [eigenen] Zukunft ist". "Was ist die Welt?" fragte Hofmannsthal im gleichnamigen Vers. Eben "ein ewiges Gedicht" und dieses ist nur zu schaffen, wenn die Eigenheit über die der anderen Dichter gewinnt, verbunden einem "Geist der Gottheit strahlt und glüht" und der gewinnend ist, "ein Vers, der sich an tausend andere ficht."

Was ist die Botschaft? Alles ist eins, wie Rilke mal sagte. Alles hängt zusammen, in der Verdrängung wie in der Kooperation. Dieses Buch, ein kurzes, ist voller Ideen und Zusammenhänge. Man lernt die europäischen wie die amerikanischen Dichter kennen, ihre Folgen und ihre Beeinflussung. Und alles über die Kreativität von Einfluss und Angst. Es zeigt die geheimen Wege dazwischen, um zu erkennen.

"Eine Topographie des Fehllesens" (Bloom) und die entsprechende Rezension können einen weiteren Einblick geben. Dort geht es um ein erneutes Betrachten im Nachhinein, eben um Revisionismus.
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Einflussangst: Eine Theorie der Dichtung
Einflussangst: Eine Theorie der Dichtung von Harold Bloom (Taschenbuch - 1995)
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